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Full text of "Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte = Revue d'histoire ecclésiastique suisse"

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Zeitschrift 


für 



weizerische Kirchengeschichte. 

I(evue d’Histoire Ecclesiastique Suisse. 



HERAUSGEGEBEN VON 


PUBLIEE PAR 


Marius BESSON, 

Professeur ä l'Univcrsite et au Seminairc. Fribourg. 

Albert BÜCH I und Joh. Peter KIRSCH 

o. o. Professoren an der Universität Freiburg (Schweiz). 






XIV. Jahrgang 


XIV™ Annee 


1 


920 




Stans 1920. 

Hans von Matt & C ic Verlagshandlung. 


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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 












INHALTSVERZEICHNIS — SOMMAIRE 

XIV. Jahrgang. — XIV" ,P Annöe. 

1920 


Aufsätze. — Grands articles. 

Seite. 


Bcerli, P. Willibald. Die Verehrung der hl. Vitalis und Marcellus M..M. 

in .Mariastein. 

Lastei mur, Anton, Die Rheinauer Handschrift der Passion des heiligen 

Placidus aus dem Anfang des XIII. Jahrhunderts. 

Lourtray, Dom Albert. Documents supplementaires du Gatalogue 

des Chartreux d’lttingen. 

Färber, Dr. Otto, kirchenpolitisches aus Basel. 1322-40. 

Fleury. R. P. Bernard, Notes historiques sur le couvent des Gordeliers 

de Grandson. 

Heü, Dr. P. Ignaz, O. S. P., die Sammnung in Wil. 

Meier. P. Gabriel, Zur Geschichte des eidgenössischen Bettages 

Müller, Jos., karl Borromco und das Stift St. Gallen . . . Ri, u»o, 

• 

Keymond, M., Aymon de Montl'alcon. eveque de Lausanne, 


14H1—1 5 1K. 28, 

Scheiwiler. Dr. Alois. Feierliche Grundsteinlegung der st.-gal¬ 
lischen Stiftsbibliothek nach der (ilaubensspaltung. 

Segmüller, Fridolin, So macht man Geschichte. 124, 


Steiger, k., kirchen 
Fürstentums 
Troxler, Prof. Jos. 
Cantiones) . 


und Staatsetat eines schweizerischen geistlichen 


Liturgisches aus Beromünster (Tropen und 


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Kleinere Beiträge. — Mölanges. 


Büchi, Albert, Reliquien des hl. Fridolin.• 

Imesch, Dionys, Inventar des hl. Sebastiansallares auf Valeria (Sitten) 

vom i<). Januar j 52 o. 

-Hin Meli ge wand des Kardinals M. Schiner für die Kathedrale 

von Sitten. 


-Fine Notiz über die Insignien des Bischofs Jost von Silinen . 

-Gaben für ein Missale der Kirche von Zweisimmen im Jahre 1470 

Lunz, Konrad, Mellinger Spenden für kirchliche Zwecke von 1744-1751) 
— — An wen richtete Antistes Heinrich Bullinger seine Schrift wider 

das heilige Meliopfer f . 

Meier, P. Gabriel. Vom Jubiläum des Jahres 1X2Ö. 



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133 
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- IV - 

Müller. Jos., Das Todesdatum Fridolin Brunners. 

-Die Stiftung zweier Kaplaneien in Sargans im Jahre i3q4 . . . 

Segmüller. P. Fridolin, Abt Barnabas Bürki oder Barnabas Steiger? . 
Wymann, Fduard. Ein Aktenstück des hl. Karl für das Frauenkloster 

Madonna del Monte sopra V'arese. 

— — Die letzten schweizerischen und deutschen Offiziere der päpst¬ 
lichen Armee.• . . . 

-Abfall eines Jerusalem pilgtfrs. 

-Die Melodie zu einem Bruderklausen-Lied. 

-Entstehung und Schicksale eines Brudenklausen-Gemäldes . . 

-Eine Authentik von Eiemens Maria HofTbauer. 

-Ein alter Jerusalempilger aus Schattorf. 


Rezensionen. — Comptes rendus. 

Bliemetzrieder, Franz PI., Anselms von Laon systematische Sen 

tenzen (P. G. M. Manser, O. P.). 

Büeler, (i. Petrus Dasypodius (Peter Hasenfratz), ein Frauenfclde 

Stammist des XVI. Jahrhunderts (Büchi). 

Die rauer, Johannes, Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschal 

I. Band (bis 1415) 3 . Auflage (Büchi). 

Farner, Oskar, 11 u Id rieh Zwinglis Briefe I. Band (Büchi) . . . 

Göller. Emil, Die Periodisierung der kircbcngeschichtc (Schnürer) 
Hug. Anna. Die St. ITbarer Schulreform an der Wende des 18. Jahr 

hunderts (Büchi) .'.. 

Meyer. Dr. kathi, Der chorische Gesang der Frauen (Wagner) . 
Müller, Dr. Alois, Peter II. Schmied, Abt von Wettingen (W.J.Meyer) 
Munding, P. Emanuel. Das Verzeichnis der St. Galler Heiligenleben 

und ihrer Handschriften (Gabriel Meier). 

-königsbrief karls des Groben an Papst Hadrian über Abt-Bischof 

Waldo von Reichenau-Pavia (Gabriel Meier). 

Pastor, Ludwig v.,Geschichte der Päpste. VII. Bd. (Fridolin Segmüller) 

Keymond, Maxime, Die Abtei Montheron (H. Hüfler). 

Schaltcgger, Friedr., Thurgauisches Lrkundenbuch 111 . Bd. (Büchi) 
Schau fei berger. Rosa. Die Geschichte des eidgenössischen Bettages 

(Gabriel Meier). 

Suter,* L. und G. Castella, Histoire Suisse, 3 "* edition (Büchi) , . 
Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, herausgegeben von J. Müller und 

Pfr. Schieb. VI. 1,2 (Büchi). 

Wein mann. karl. Das konzil von Trient und die Kirchenmusik 

(Wagner). 

Wolff, Odilo. Mein Meister Rupertus (Gabriel Meier). 


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Fribourg. Iui|«r Saint-Pml. IW'I TI 


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HERAUSGEGEBEN VON 


PUBL1EE PAR 


Marius BESSON, 


Professeur ä l'Universitc et au Seminaire, Fribourg. 


Albert BUCHl UND JOH. PeTER KIRSCH 


o. o. Professoren 



an T^^35urg^Schweiz). 


AUG 2 c 1949 


XIY. JAHRGANG, I. HE 


CALIrCRNiA 

4 MiVI^EE FASC. I 


I 


Erscheint viermal jährlich. — Parait quatre fois par aiu 


Abonnemenlspreis : 8 Tr. — Prix Je l'jbonnemenl : 8 Tr 


Stans 1920. 


Iatt & C' e Verlagshandlung 


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INIVERSITY OF CALIFORNIA 







Inhaltsverzeichnis — Sommaire 


Dr. P. Ignaz Hess, O. S. B. — Oie Samnung in Wil.. 

M. Heymond. — Aymon de Montfalcon. eveque de Lausanne, iqiii-irw*. 
P. Gabriel Meier. — Zur Geschichte des eidgenössischen Betlages . . 

Dr. Otto Färber. — Kirchcnpolitischcs aus Basel. i322-i3qb . . . . 

Dr. Alois Scheiwiler. — Feierliche Grundsteinlegung der st. gallischen 

Stiftshibliothek nach der Glaubensspaltung. 

Kleinere Beiträge. — Mölanges ...... . 

Rezensionen. — Comptes rendus.. 


GROSSI- RE BEITR Ä(iE TR A VAl • X 

welche für die nächsten .Kümmern que la Ra ue publiera 

in Aussicht genommen wurden. prochainement. 

Konrad Kunz, Oie Synodalstatuten des Bischofs Friedrich II. von Konstar 
vom Jahre iq36. — L. Kern, l/incorporation des couvcnis de femmes J.<"> 
rürdre de Citeaux. — Leo Meyer, Die Walliser Kanzlei bis i35o. — Aloys 
Müller, Abt Peter II. (Schmidt von Wettingen ( 1 5*<j4- 1 033». — Josef Müller 
(Stiftsarchivar), Karl Borromeo und das Stift St. (»allen. — Troxler, Jos., 
Liturgisches aus Beromünster. — Steiger, K., Kirchen- und Staatsetat eir*' 
schweizer, geistl. Fürstentums. 


N.-B. — Alle für die Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte bestimmt-.: 
Rezensionsexemplare sind an den Rcdaktionssekretär Prof. Dr. M. Bess» 
Grand Seminaire. Fribourg, zu adressieren. — Tous les ou\rages desti 
a rccevoir un compte rendu dans la Rente d'Ilistuire cccle.siastique su 
doivent etre envoyes directement au seerctaire. M. Besson, professeur, Gr 
Seminaire, Fribourg. 


Die Zeitschrift 

/ ü r S c hwc i : c ? * i sc h e K irc h e n ge sc h ic h t e 
erscheint 4 Mal jährlich. 


LA REVUE 

l/lUSTOIRE KCCLESIASTIQUE SI 
jmr.iit |t;ir fasrjrijles inuirslnrls. 


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Die Samnung in Wil 


Von Dr. P. Ignaz HESS, O. S. B., Engelberg 


Wie so manche andere Orte, besaß auch Wil, die st. gallische Äbte¬ 
stadt, eine Samnung — seit alter Zeit auch Samlung, lateinisch Colle¬ 
gium, dominae collegiatae genannt —, eine klosterähnliche Vereinigung 
frommer Frauen mit gemeinsamem religiösem Leben, ohne bindende 
oder ewige Gelübde. 1 Die meisten dieser Samnungen traten mit der 
Zeit einem der bestehenden Orden bei und wurden dadurch regelrecht» 1 
Klöster, so auch diejenige in Wil, die jedoch bis zum Ende den Namen 
einer Samnung beibehielt. Sie bestand vom 13.«Jahrhundert bis zum 
Jahre 1615. 

Nur spärlich fließen die geschichtlichen Quellen über die Geschicke 
dieser kleinen klösterlichen Familie ; keine eigene Klosterchronik, keine 
Kapitelakten und kein Personalverzeichnis oder Sterbebuch sind auf 
uns gekommen. Was wir besitzen, sind einige nicht sehr zahlreiche 
Urkunden über Rechtsgeschäfte, zwei Visitationsberichte aus dem 
16. Jahrhundert, einige zerstreute Notizen, ein Vermögensinventar von 
1604 und die Translationsurkunde von 1615 über die Einverleibung der 
Samnung in den Konvent von St. Katharina. Sie befinden sich im 
Klosterarchiv zu St. Katharina (A. St. K.), im Ortsbürgerarchiv von 
Wil (A. W.) und im Stiftsarchiv St. Gallen (St. A. St. G.); die letzteren 
sind zum Teil gedruckt im Urkundenbuch der Abtei St. Gallen (U. B. 

St G.). Was in diesen Quellen Wissenswertes über die Samnung in Wil 
sich befindet, ist hier zusammengestellt und unter folgende Gesichts¬ 
punkte geordnet: 1. Die Gründung ; 2. die örtliche Lage der Samnung ; 

3 - das klösterliche Leben ; 4. der Personalbestand ; 5. der Lebens¬ 
unterhalt und die Verwaltung ; 6. die Einverleibung mit dem Frauen¬ 
kloster zu St. Katharina und 7. das spätere Schicksal der alten Samnung 
**i St. Nikolaus in Wil. 

1 Vgl. Meier, P. Gabriel : Die Beginen der Schweiz, im Jahrgang IX, S. 23 
dieser Zeitschrift. 

REVUE D'niSTOIRE ECCI.&SIASTIQUE \ 

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1. Die Gründung. 


Keine Stiftungsurkünde und keine bis jetzt bekannt gewordene 
geschichtliche Notiz nennt uns den Namen des Stifters oder der Stifterin 
der Samnung in Wil oder überliefert uns das Datum ihrer Gründung. 
Die erste Erwähnung von Schwestern in Wil findet sich in der Urkunde 
vom 13. Mai 1284, durch welche die drei Töchter des verstorbenen 
Herrn Rudolf von Dümten im Kanton Zürich dem Abte Wilhelm von 
St. Gallen den Ödenhof in der Gemeinde Wittenbach im Kanton 
St. Gallen aufgeben. 1 Eine dieser Töchter ist Schwester Elisabeth, 
«diu da ist bi dien swesteron ze Wille»; mit ihr ist zugegen «der 
swesteron ainiu von Wille, bi dien si ist *. Schwester Elisabeth und 
ihre Mitschwestern in Wil entziehen sich aller Ansprachen, die sie 
an den genannten Hof haben könnten. Es ist keine zu gewagte An¬ 
nahme, daß wir es hier mit den Frauen der Samnung zu tun haben, 
die als solche mit Vorliebe Schwestern genannt wurden. 2 Auch finden 
wir in späterer Zeit keinen andern Frauenkonvent in Wil als denjenigen 
der Samnung. Allerdings nennt das im Jahre 1397 erneuerte Jahneit- 
buch der Pfarrkirche Wil aus dieser Zeit mehrere Namen mit dem 
Beisatz: Conversa — Mechthild von Bronschhofen, Adelhait Hailwig. 
Margaretha Zöbilin, Elsbetha Prediger und Mechthild Stamler—. aber 
das Verkündbuch von 1550, in welches der Name der zuerst aufgeführten 
überging, übersetzt das «conversa * mit Klausnerin, woraus erhellt, 
daß der Schreiber jener Zeit sie nicht für Mitglieder eines Konventes 
hielt. Ebenso ist damit ausgeschlossen, dieselben für Laienschwestem 
der Samnung zu halten. Auf diese Conversae bezieht sich wohl der 
Eintrag im alten Einkünfterodel der Kirche Wil aus dem 14-15. Jahr¬ 
hundert : Vom Zehnten der Conversen, in der Bünde genannt, werden 
drei Viertel gegeben. 3 Die Pündt ist das Gut, auf dem heute dis 
Frauenkloster St. Katharina steht. Über die Wohnstätte der ehemaligen 
Conversen in ihm ist weiter nichts bekannt. 

Als Angehörige eines Frauenkonventes aber erscheinen in der 


1 U. B. St. G. IIL Nr. 104!. 

1 Meier , P. Gabriel, a. a. O. 

3 U. B. St. G. III. Anhang Nr. 67, S. 782. 



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3 


Urkunde vom 28. April 1323 1 : die ehrwürdigen Frauen in Gott, die 
Priolin (!) und der Konvent zu Wil, und in derjenigen vom 29. No¬ 
vember 1353 wird dieser Konvent als «Saemenung* bezeichnet. 2 

2. Die örtliche Lage der Samnung. 

Die Notiz über die Conversen in der Pündt in Wil veranlaßte 
P. Ildephons von Arx 3 , die erste Heimstätte der Samnung in dieses 
Grundstück zu verlegen. Er ist damit im Irrtum, denn um die Zeit 
jenes Eintrages befindet sich die Samnung nachweisbar auf der Matt, 
anstoßend an die Wilmatt und in der Nähe der St. Peterskirche, nicht 
weit vom Mühlebach, jetzt Krebsbach genannt. Folgende urkundliche 
Zeugnisse weisen darauf hin. 

Am 13. Januar 1390 verkaufen die Frau Ursul Kamerer, Rudolf 
Gioggners Gattin, und ihre Schwester Margreth Kamerer, Ulrich Stuckis 
Gattin, Bürger in Zürich, ihre Wiese und zwei Gärten, die gelegen sind 
zu Wil im Thurgau, vor der Stadt, zwischen dem Mühlebach und dem 
Gäßli, da man von der Stadt in die Samnung geht, den geistlichen 
Frauen in der Samnung vor der Stadt Wil gelegen 4 . Urkunden von 
1420 und 1421 erwähnen die Samnung als Anstößer oder Nachbarn 
der Wilmatt und der Peterskirche 6 ; am 9. Mai 1426 entscheidet ein 

1 Original, Pergament A. St. K. Wegen der in ihr genannten Personen 
hat diese Urkunde mehr als nur lokale Bedeutung, weshalb ich sie in ausführlichem 
Hegest hier beifüge : 

Wir Graf Krapft (!) von Toggenburg, Probst in Zürich und Chorherr in 
Konstanz und wir Graf Friederich und Graf Diethelm von Toggenburg, Gebrüder, 
künden allen, daß der erbar Edelknecht Toman von Lommis, der von uns die 
Schuposse zu Ober-Tutwil zu Lehen hat, die von ihm unsere lieben Diener Hein¬ 
rich und Herman ab dem Huse zu Lehen haben, uns diese ledig und frei aufgab 
und daß uns dieser Toman und die genannten Heinrich und Herman ab dem Huse 
bitten, sie von ihnen aufzunehmen, so daß sie ganz in unserer Hand und Gewalt 
wäre. Und als dies geschehen war, baten sie uns, daß wir dieselbe in Ansehung 
ihres ewigen Dienstes den ehrwürdigen Frauen in Gott, der « Priolin » und dem 
ganzen Konvent zu Wil, in den sic die eheliche Tochter Heinrichs ab dem Huse 
hingetan, zu eigen geben möchten. Das haben wir getan. — Es siegeln die drei 
Grafen. — Gegeben zu Lütisburg in der Burg, am nächsten Donnerstag nach 
sant Gcorien Tag 1323. 

Die Rundsiegel der Grafen Friedrich und Diethelm hangen wohlerhalten, 
das ovale Krafts ist zerbröckelt. Ober-Tutwil, Gemeinde Wängi, Thurgau. 

1 A. St. K. und U. B. St. G. III. Nr. 1500. 

3 Geschichten des Kantons St. Gallen, II, 206. 

4 U. B. St. G. IV, Nr. 1990. 

4 U. B. St. G. V, Nr. 2891 und 3001. 


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fünfgliederiges Schiedsgericht, daß die Frauen der Samnung das Recht 
haben, durch die Wiese des Jakob Koler-Schmidberger das Wasser 
auf ihre Wiese zu leiten und zur Zeit, wenn kein Heu und Emd darauf 
steht, über dieselbe zum Bache zu gehen und Wasser daraus in da? 
Haus zu holen oder an demselben zu waschen ; in der Urkunde vom 
13. Januar 1429 ist die Rede von einer Wiese oben auf der Matt unter 
der Samnung zu Wil gelegen, stoßt an St. Petersstrass und an des Leder 
gerwen Wiese und an eine Wiese auf der Wilmatt ; eine andere Urkunde 
vom gleichen Tage spricht von einer Wiese zuoberst auf der Wilmatt, 
«als der zun jetz begriffen hat, da der bach durchgat underhalb der 
egenanten sampnung.» 1 

Während des Appenzellerkricges war freilich die Samnung einer 
großen Gefahr ausgesetzt, da die Appenzeller dieselbe bei ihrem Streifzup 
gegen Wil verbrennen wollten. In der Reimchronik des Appenzeller¬ 
krieges heißt es von ihnen : 

« Sy wurdent füro langen 
Uff das veld gen Wyl. 

Da ward hüpsches spil: 

Si woltend gen der Samlung louffcn 
Und woltend die bestrouffen 
Und darzü han verbrennt. » 

Aber die Wiler-Scharfschützen traten ihnen mutig entgegen und 
vereitelten den bösen Anschlag. * 

Im alten Zürcherkrieg erneuerte sich zweifellos die gleiche Gefahr 
besonders im Jahre 1445, als die Zürcher vor der Stadt erschienen 
und sie hart bedrängten ; damals gelobten die Wiler die alljährliche 
feierliche Pfingst prozession zum Danke für die glücklich abgewendete 
Gefahr. * Wie es dabei der Samnung erging, ist uns nirgends gesagt 
wahrscheinlich fiel sic dem sengenden Feind zum Opfer oder der Kon¬ 
vent fand es sonst für gut, seinen Wohnsitz innerhalb die schützender 
Mauern der Stadt zu verlegen. Bereits im Jahre 1448 erscheint die 
Samnung in den Steuerbüchern Wils mit den Häuserbesitzem der 


1 A. a. O. 

* Herausgegeben von Traugott Schieß, St. Gallen 1913, S. 82 und 83. Vers 
2680 ff. 

s Jahrzeitbuch der Pfarrkirche Wil von 1397. S. 125 und 229. 



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Hintergasse als steuerpflichtig, während sie im Jahre 1444 noch mit 
den Ausburgem ihre Abgabe bezahlte. 1 

Die Samnung bezog also um diese Zeit ihre Wohnung in der Stadt 
selbst neben dem Heiliggeist-Spital, gegenüber der Westfront der 
St. Niklauskirche. Während der Reformationszeit im Jahre 1529 
sahen sich die Frauen allerdings gezwungen, ihr Heim vorübergehend 
zu verlassen, durften aber wieder in dasselbe zurückkehren und blieben 
darin bis zum 19. August 1615, an welchem Tage sie nach St. Katharina 
übersiedelten. 

3. Das klösterliche Leben. 

Die kirchliche Oberleitung und Aufsicht der Samnung stand 
ordnungsgemäß beim Diözesanbischof von Konstanz, ging aber im 
Jahre i486 an den Abt von St. Gallen über. Im Visitationsrezeß vom 
zb. November 1557 gibt uns Abt Diethelm Blarer von St. Gallen darüber 
eingehenden Aufschluß, indem er sagt : 

«Alls dann der hochwirdig fürst unnd herr, herr Herman, von 
Gottes genaden bischoffe ze Constanntz löblicher unnd säliger ge- 
dächtnuss, wylund unnserm lieben herren unnd vorfaren, herren 
Ulrichen 2 , appte bemelts unnsers gotzhus, die Sammlung unnd schwo- 
sterhus inn unnser statt Wyl inn dem jar, als man zallt thusennd 
vierhundertt achtzig unnd sächs jar, dergestallt übergeben, das wir 

zt yedertzyt unnd es die notturfft erhaischt, die schwösteren, so darinn, 

• 

in meren unnd mindern emptern ze visitieren, inn Sachen, so die reli- 
gion, ouch den orden unnd iren ehr, nutz unnd frommen berürtt, 
» corrigieren, ze erbesseren, restituieren, von crgerlichen handlungen 
ze absolvieren, die innschlöuffung oder anlegung des ordenns ze thün, 
heilsame und ordennliche Satzungen, stattuten, pott, verpott, die- 
selbigen ze halten unnd lassen, ufsetzen, die empter besetzen, ennt- 
setzen unnd in suma inn gaistlichen unnd weltlichen Sachen regieren 
unnd versechenn, dess wir Gott unnd der weit anntwurtt ze geben 
wissen.» 3 

Der Umfang der übertragenen Vollmachten dürfte mit diesen 
Worten erschöpfend umschrieben sein. Ein Irrtum liegt darin vor, 
mdem der Name des Bischofs zu der Jahreszahl nicht stimmt, oder die 

1 A. W. ; gütige Mitteilung des Herrn Reallehrers K. Ehrat. 

* Rösch. 

1 A. St. K. 


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1 

► 

I Jahrzahl nicht zum Namen des Bischofs ; denn Bischof Hermann III 

von Konstanz regierte von 1466-1474, sein Nachfolger, Otto IV., 1475 ; 
bis 1490 1 ; nehmen wir an, der Schreiber des Abtes habe die Jahrzahl 
richtig nachgeschaut, den Namen des Bischofes aber verwechselt 
u Im Stiftsarchiv St. Gallen findet sich eine hierauf bezügliche Urkunde, 

| die ehemals Vorgelegen haben muß, heute nicht mehr. 2 

;■ Irgendwelche Amtshandlungen der Bischöfe von Konstanz in der 

r ( Samnung von Wil sind in deren schriftlichem Nachlaß nicht verzeichnet; 

1, von denjenigen der St. Galler Äbte wird bald die Rede sein. 

\ Von grundlegendem Einfluß auf das klösterliche Leben in der 

Samnung war ihr Beitritt zu einem Orden und zwar zum Dominikaner 
.i orden. Derselbe muß schon ziemlich frühzeitig erfolgt sein. Schon 

! das Auftreten einer Priorin mit dem Konvente im Jahre 1323 weist 

! darauf hin. Seit dem Jahre 1388 führen dieselben ein eigenes Siegel 

mit der Umschrift : « S(igillum) PRIORISSE ET CONVENTUS IN 
WIL *, deren Wortlaut auf ein Kloster geht, nicht auf ein bloßes 
« collegium *. Das Siegelbild, ein stehender Heiliger in weitem Mantel 
um die Schulter, ein Kruzifix in der Linken, ein Buch (?) in der Rechten, 
könnte ganz wohl den hl. Dominikus darstellen. Strikte Beweise für 
die Zugehörigkeit zum Orden dieses Heiligen erhalten wir erst im 
15. Jahrhundert. Die Priorin, Gerine oder Gertrud Gupfer, nennt in 
der Urkunde vom 30. Juli 1468 den Vikar und Prior des Prediger¬ 
ordens in Konstanz ihren Obern, und die Kapelle, die für die Samnung 
bei St. Nikolaus gebaut wurde, ist dem hl. Dominikus geweiht und wird 
Dominikuskapelle genannt. Einen Hinweis auf das Verhältnis zum 
Dominikanerorden gibt auch das Vorgehen der Äbte Diethelm Blarer 
und Joachim Opser von St. Gallen, die bei den Visitationen der Sam 
nung in den Jahren 1557 und 1585 jedesmal einen Obern des Domini¬ 
kanerklosters in Konstanz beizogen. Damit steht wohl ganz außer 
Zweifel, daß die Samnung in Wil jedenfalls seit dem Beginne de* 
14. Jahrhunderts dem Dominikanerorden angehört hat. 

Auch für die Verrichtung des Chorgebetes haben wir ein Zeugnis 
aus ziemlich früher Zeit. Am 29. November 1353 stiftet nämlich 
Hermann, der Junge, Kupferschmied, Bürger zu Wil, für das Seelen 
heil seiner verstorbenen Frau Ursula Kamerer eine Jahrzeit, welche 
die Samnung alljährlich am Montag nach des heiligen Kreuzes Tag 


1 Geschichtsfreund, Register zu Band 41-50, S'. 105. 

1 Gütige Mitteilung des hochw. Herrn Stiftsarchivars J. Müller in St. Gallen. 


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7 


im Herbst begehen soll mit einer Vigilie (Totenoffizium) oder mit 
sonstigen Gebeten von Seite derjenigen, welche den Psalter nicht 
können ; als Entgelt erhält die Samnung einen Zins ab der Wiese 
Kupferschmieds, die gelegen ist auf der Wilmatt. 1 Unter dem Psalter 
ist das Psalterium, das kirchliche Breviergebet, zu verstehen und aus 
der Bestimmung bezüglich der Gebetspflicht dürfen wir sogar schließen, 
daß es damals in der Samnung Chorfrauen und Laienschwestem gab, 
von denen letztere es waren, die den Psalter nicht konnten. 

In ihrem ersten Hause bei St. Peter besaßen die Frauen der Sam¬ 
nung keine eigene Kapelle, wenigstens nicht eine solche mit einem 
geweihten Altar, auf dem das heilige Meßopfer gefeiert werden konnte. 
Das bereits angeführte alte Jahrzeitbuch der Pfarrkirche Wil würde 
sonst sicher das Patrozinium und die damit verbundenen Ablässe 
angeben, wie es das für die übrigen Privatkapellen im Hof und im 
Spital auch tut. Die Frauen waren also für die Anhörung der heiligen 
Messe zunächst auf St. Peter angewiesen. Die vielen Seelämter und 
Jahrzeitstiftungen in Wil gaben ihnen sogar Gelegenheit, am Gottes¬ 
dienste selbst aktiv durch Beten und Singen der Totenvesper und des 
Totenoffiziums und durch pflichtgemäße Gegenwart teilzunehmen. 

Wie anderwärts, so blühte auch in Wil während der zwei oder 
drei Jahrhunderte, welche der Reformation vorausgingen, ein reger 
Wetteifer in der Stiftung von Jahrzeiten für die Verstorbenen, für 
deren Heil alljährlich nicht bloß heilige Messen gelesen, sondern auch 
das Totenoffizium gesungen oder gebetet und die Totenvesper auf den 
Gräbern gehalten wurde. Manchmal wurde zu der heiligen Messe für 
die Verstorbenen in St. Peter noch ein gesungenes Amt, gewöhnlich 
zu Ehren der Mutter Gottes, in der St. Niklauskirche angeordnet und 
dabei ausdrücklich die Einlage der Sequenz: Ave praeclara maris 
stella, oder : Salve mater salvatoris gewünscht, ein Beweis, wie bekannt 
und beliebt damals solche liturgische Einzelheiten waren und durch 
eine kleine Verlängerung des Gottesdienstes niemand erschreckten ! 
Und dies an Tagen, an denen ein Seelenamt und ein Lobamt nach¬ 
einander gehalten wurden ! 

Das genannte Jahrzeitbuch der Pfarrei Wil enthält auf 120 großen 
Pergamentblättem zahlreiche und rührende Zeugnisse für die fromme 
Fürsorge und die treue Liebe der alten Wiler für ihre verstorbenen 

' A. St. K. und U. B. St. G. III, Nr. 1500. 

* A. St. K. 


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— 8 — 

Angehörigen und Freunde. Ausführlich wird darin bestimmt, wann 
und wie die Jahrzeit zu begehen sei, welche Verpflichtungen dabei die 
Priester zu erfüllen und wer daran teilzunehmen hatte. Gewöhnlich 
mußte der Schulmeister der Stadt mit seinen Schülern mit Singen sich 
betätigen und in vielen Fällen wurde es auch den Frauen der Samnunp 
gegen eine bestimmte Entschädigung zur Pflicht gemacht, dabei zu 
sein, das Offizium zu singen oder zu beten, über die Gräber zu gehen 
und die Totenvesper zu verrichten. Gewöhnlich ist für die Konvent- 
frauen ein Schilling Pfennig ausgesetzt, der gleiche Betrag, den die 
gewöhnlichen Priester bei dieser Gelegenheit für die Zelebration er¬ 
hielten. Meistens ist dabei auch der armen Leute gedacht, denen für 
einen bestimmten Betrag Brot als Spende ausgeteilt wurde. Auch der 
Schulmeister und seine Schüler gingen nicht leer aus. 

Hören wir als Beispiel den Wortlaut zweier solcher Stiftungen. 


Jahrzeit des Konrad Bischoff 1406. 

9. August « Am sonntag und mentag nach sanct Laurentien tag 
gevallt allweg jaurtzit Conraten Bischofs selgen, Elsen Bollin, sins 
wips, iro beder vatter, müter und geswistregiden, kinden und vor¬ 
dem, och her Hanses, sins pruoders, durch der aller seien hail willen 
die gencmpt Eis Bollin und her Marti Bischof, ir elicher son, der zit 
caplon sanct Arbogasts pfründ zü Wil in sanct Peters kirchen, ainer 
frigen gotzgab gegeben haben fünf juchart holtz in Wuoren, ain wi> 
zü Niderwilan, ain mannmad wiswachs uff Wilmatt und ain krutgarten 
an sant Peters weg gelegen nach sag ains besigleten briefs, darüber 
vergriffen mit geding, das ain lütpriester, sin hällfer, der frümesser 
Unser Lieben Frowen in sant Niclas kirchen, sant Agtten (Agatha), 
sant Johans ewangelists, sant Verenen und Unsser Lieben Frowen 
im banhus pfründere und der schülmaister sampt sinen schülererr 
umb behaltnuss obberüerter seien hinfür allweg uff den genanter, 
sontag nach dem jmbis in sant Peters kirchen ain gesungen vigil und 
momes am mentag daselbs ain gesungen selampt von den gedachten 
seien haben und über iro greber gön und der lütpriester iro an der 
cantzel, als andrer seien, gedencken. Darumb soll ain caplon der 
vermelten sant Arbogasts pfründ jerlichs dennzemal aim lütpriester 
xviii pfennig, dem hellfer und dem benempten caplonen iedem 
1 Schilling pfennig, dem schülmaister 1 Schilling pfennig und den Frowen 
in der Samnung och 1 Schilling pfennig, dem messner iiij pfennig. 


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9 


und darzu dz oppfer sust begonn mit oppfer und kertzen, als zu 
Wil sitt ist. Weiher oder weihe aber under den gemelten personen 
als dann nit zü gegen wer, dem ist dennzemal ain caplön nicht schuldig. 
Actum anno Ixxxxv 40 . * 

Jahrzeit des Hans Sailer 1512. 

io. März. « Am sonntag : Misericordias domini und am mentag 
ilamoch gevalt allwegen jortzit Hansen Sailers und Elsin Proglin, 
•>in eeliche husfrow, och ir baider vatter und muter und all ir vordem, 
och ir baider nochbenempter eelicher kinder, nämlich Hainrich Sailer, 
Irow Margredt Sailerin, conventfrow in der samlung zu Wil, Junghans 
Sailer und Elsi Frygin, och Magdalen Spätin, siner baider eelichen 
husfrowen, och Anna Sailerin, Elssbeth Sailerin, Fida Saileri, Barbara 
Saileri und Rachilla Saileri, och Conrade Bochssler, ir friind, und allen 
denen, so innen ye guts gethon hand, och all ir vordem und nachkomen, 
durch deren aller menschen seien hail willen die genempt Hans Sailer 
und Elsi, sin wip, an sant Niclaus kilchen zu Wil gesetzt und geordnet 
/.wen guldin gelts und ain mut kernen gelts noch lut und sag der 
versigloten hoptbrieffen, darüber vergriffen, also mit dem geding, 
das ain lütpriester zu Wil und sin helffer mit den nochbenempten 
caplönen, der frümesser Unser Lieben Frowen pfrund in sant Niclaus 
Elchen, Unser Lieben Frowen pfrund zu sant Peter, sant Agthen, 
'ant Frenen, sant Johans ewangelist und sant Arbogascht und wen 
sant Eloys pfrund uffgericht wirtt, mit demselbigen caplon och begangen 
werden, och sampt dem schulmaister mit sinen schulem, umb hail 
und behaltnis obbegriffner menschen seien hinfür allwegen järlich 
uff den gemelten sontag noch dem imbis in sant Peters kilchen ain 
vigilg singen und enmomdes an dem mentag ain gesungen selampt 
und jetweders mol über greber gon und got für die seien pitten und 
darzuo morgens und aubentz ob den grebern ain placebo betten und 
damoch in sant Niclaus kilchen zu Wil soll man ain gesungen ampt 
von Unser Lieben Frowen singen und underm ampt den sequentz : 
Ave preclara maris stella, und sollent an baiden orten die frowen in 
der samlung zu Wil darbi sin. Do soll der pfleger gemelter sant Niclaus 
kilchen geben ainem lütpriester iij Schilling pfennig, den gemelten 
vij caplönen und dem schulmaister jetlichem xvj pfennig und 
dem altar sant Eloii xvij pfennig. Und wen die pfrund uff gericht 
württ, danathin sol man dem selbigen caplon die xvj pfennig 


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IO 


geben und dem messmer iiij pfennig und den frowen in der samlung 
allwegen uff den jorzittag v Schilling pfennig an tisch. Und der kilcher, 
pfleger sol allwegen jortzit begon mit oppfer brot und kertzen, ak 
das zu Wil sit und gewonlich ist. Und soll ain spennpfleger allwegen 
uff den jorzittag j müt kernen malen, den zuo brot bachen und der. 
uff Hansen Sailers seligen grab armen lüten zu ainer spenn geben 
Und welher und weihe der genanten priestem, schulmaister ald die 
frowen in der Samlung nit am abent by der vigilg werint und über 
greber gengint und morndes nit bi dem gesungen selampt und über 
Greber gengint, och nit mess hettint, och nit in Unser Frowen ampt 
werint, den sol man, an welchem stuck ainer sümig wer, uff den tag 
für presentz nichts geben, sunder das der kilchen an ire buw behalten 
Och ob beschee und die obgemelten zinss abgelösst würdent, als dan 
solli ain pfleger gemelter sant Niclaus kilchen die noch erkantnis ain 
schulthais und rats widder umb zinss anleggen. Actum anno 1512. • 

Folgende Stifter verpflichteten die Frauen der Samnung zur Teil¬ 
nahme an ihren Jahrzeiten ; die Namen sind alphabetisch geordnet 
und das bestimmte oder ungefähre Datum beigefügt : 

Aster Johann (1401), Arnoltschwiler Johann (1398), Bischofi 
Conrad (1495), Burkhard Thüringer, Meister (um 1367), Ferwer Petrus. 
Kaplan in Wil (1477), Fuchs Johann, Pfarrer und Dekan in Wil (14221 
Großmann Hans. (1487) Hafner Adelheid (1496), Hohans Konrad 
(1513), Huber Ulrich (1512), Kamerer Konrad und Heinrich (1390), 
Holzhuser Albrecht, genannt Keller von Bütschwil (1435), Kupfer¬ 
schmied Hermann (1353). Ledergerw Eberhardt (um 1442), Meyer 
Marquard, Frühmesser in Wil (1439), Müller Hans im Steinhaus (1475). 
Nufer Ulrich (1447). Opser, Abt Joachim von St. Gallen (1608), Rimeli 
Konrad (vor 1450), Rösch Konrad, Pfarrer in Wil (1514), Rych Hans 
genannt Wyssheini (um 1470), Sailer Hans (1512), Schnider Han- 
(um 1450), Stygleder Adelheid (1429), Töber-Gurras Margreth (1493). 
Töber Margreth, genannt Wirttin (1495), Trunger Mechilt und Eber 
hart (1397), Winkler Georg, Kaplan U. L. F. in Wil (1562), Zehnder 
Johann, Priester (um 1424), Zehnder Wemher, Schulmeister (1418). 

Nach der Verlegung der Samnung in die Stadt erhielten die Frauen 
eine eigene Kapelle zwischen ihrem Haus und der Westfront der 
St. Niklauskirche mit direktem Anschluß an die beidseitigen Mauern 
Die Priorin Gerina oder Gertrud Gupfer stiftet in dieser «neuen 


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II 


Kapelle » am 30. Juli 1468 durch die Vergabung ihrer zwei Wiesen 
auf Wilmatt und 23 Pfund Pfennig Kapital eine wöchentliche heilige 
Messe und zwei gesungene Jahrzeitmessen für ihre Angehörigen, sobald 
die Kapelle geweiht wird, zu deren Zelebration in erster Linie ihr 
geistlicher Herr Vetter Heinrich Ledergerw berechtigt sein sollte ; 
ferner «dem allmächtigen Gott zu Lob und Ehren » ein ewiges Licht 
Tag und Nacht vor dem Sakrament und dem Häuschen, das dazu 
in der genannten Kapelle gemacht wird. 1 Die Samnungsfrauen hatten 
also ein Sakramentshäuschen, wie ein solches in der St. Niklauskirche 
jetzt noch vorhanden ist, und das Allerheiligste in ihrem Oratorium. 

Das alte Verkündbuch von Wil verzeichnet auch die Ablässe, 
welche die Ordensfrauen und die Gläubigen in der Dominikuskapelle 
bei St. Nikolaus an einzelnen Tagen des Jahres gewinnen konnten. Es 
sind folgende Feste der Dominikanerheiligen und der Landes- und 
Kirchenpatrone : Am 22. Januar Vincentius, Märtyrer, am 7. März 
Thomas, Kirchenlehrer, am 14. März Petrus, Märtyrer, Argobast, 
Bischof (Patron eines Altares), am 2. Mai Wiborada, Jungfrau und 
Märtyrin, am 5. August Dominikus, Ordensstifter und Patron der 
Kapelle, am 16. Oktober Gallus, Abt, am 16. November Othmar, Abt, 
am 25. November Katharina, Jungfrau und Märtyrin, am 6. Dezember 
Nikolaus, Bischof, Kirchenpatron, am 13. Dezember Otilia, Jungfrau 
und Luzia, Jungfrau und Märtyrin. 

Auch in St. Nikolaus besuchten sie den Gottesdienst; Beweis 
dafür ist das Anrecht auf zwei oder drei Kirchenstühle daselbst, das 
sie wahrscheinlich durch einen Beitrag an den Bau der Kirche oder deren 
Ausstattung erworben hatten. 

In den Stürmen der Reformation, die auch über Wil hereinbrachen, 
hielten die Frauen in der Samnung tapfer und treu an ihrem alten 
Glauben fest. Eine alte Wiler-Chronik meldet uns vom Jahre 1529 : 
«Uli Zwingli predigte selbst allhier, nahm den Klosterjungfem in der 
Samnung ihr Brevier und gab ihnen hergegen das neue Testament 
zu lesen.» * Nach der Chronik des Frauenklosters von St. Katharina 
von P. Pius Kolb vom Jahre 1759, S. 416, widerfuhr die gleiche Behand¬ 
lung von Seite des Reformators den Frauen von St. Katharina, die, 
von St. Gallen vertrieben, in der Samnung in Wil eine Zuflucht gefunden 
hatten. 

1 A. St. K. 

• Zitiert von Adolf Keßler in : Beschreibung der Franz Müllcr'schcn Ansichten 
von Wil, 1896. S. 26. 


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Nachdem auch die Samnungsfrauen aus ihrem Hause vertrieben 
worden, widersetzten sie sich der doppelten Zumutung von Schultheiß 
und Rat von Wil, die 1529 zur Glaubensneuerung übergetreten waren 
sich «dem Gotteswort gleichförmig zu machen» und ihre Vermögens 
titel auszuliefem, in gleich entschiedener Weise. Während die übrigen 
Frauen in Wil ein Obdach fanden, flüchteten sich die Priorin Elisabeth 
Huber und Frau Katharina Wächinger mit den Wertschriften der 
Samnung nach Rapperswil und suchten Schutz und Hilfe bei den Ab 
geordneten der IX Orte in Baden. 1 Noch im Jahre 1557 beklagen 
sich die Frauen, daß ihnen eine Jahrzeitstiftung leider seit der ein¬ 
gerissenen widerwärtigen Zeit, da sie von dem Ihrigen vertrieben 
wurden, nicht mehr ausgerichtet worden sei. 


Hatten die Frauen der Samnung der Reformation von unbefugter 
Seite mutig und entschieden Widerstand geleistet und dadurch den 
klaren Beweis ihres kirchlich treuen und in religiösen Dingen woh! 
unterrichteten Sinnes geleistet, so widersetzten sie sich doch keines¬ 
wegs der Reform von Seite ihrer rechtmäßigen Vorgesetzten. Ihr 
religiöses Leben hatte unter den bösen Zeitläufen in mancher Beziehung 
Schaden gelitten und selbst die vielen Jahrzeiten und kirchlichen 
Gedächtnisse trugen dazu bei, indem sie Anlaß boten, daß die Frauen 
an den Leichenmählcm und andern Mahlzeiten außerhalb des Klosters 
tei Inahmen. 

Der um die kirchliche Reform seines Gebietes hochverdiente Abt 
Diethelm Blarer 2 schenkte auch der Samnung in Wil seine Aufmerk 
samkeit und nahm im Jahre 1557 in derselben eine Visitation vor; 
er zog dazu den Dominikanervikar Konrad Burgstaller von Konstanz 
bei. Der Rezeß, auf Pergament geschrieben und von beiden Herren 
gesiegelt, datiert 26 . November 1557 , * st > n väterlichem Tone gehalten 
und mit Stellen aus der Heiligen Schrift und den Ordensregeln woh! 
begründet. 3 Er ist indes nicht für die Samnung in Wil erstmals auf¬ 
gesetzt, sondern bereits bei der Visitation des Klosters Magdenau 
durch den Abt von Wettingen im Jahre 1535 ähnlich vorgelegt worden; 


1 Schreiben von Schultheiß und Hat von Wil an Undammann und Rat von 
Schwyz vom 28. Februar 1530 und von Schultheiß Grunauer und Stadt sc hreibrr 
Seiler von Rapperswil vom 6. August 1530. A. W. 

* Vgl. SchciwiUr.Dr. A., Reformation und Gegenreformation im St. Gallische, 
in Schweizerische Rundschau, Jahrg. XVII. 297. 

* A. St. K. 


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13 


Abt Diethelm mochte ihn, als 1549 das Recht der Visitation in Magdenau 
an ihn überging, daselbst eingesehen haben. 1 Er enthält keine direkten 
Klagen über schwere Verfehlungen oder gegebenes Ärgernis, sondern 
trifft vielmehr Maßnahmen zur Verhütung von solchen ; dabei gibt 
er uns recht interessante und willkommene Einblicke in das innere, 
häusliche Leben der kleinen Ordensfamilie, wie wir sie aus den früheren 
Urkunden, die ausschließlich Rechtsgeschäfte betreffen, nicht erhalten. 

Der Visitator mahnt, wie er versichert, und bittet in väterlicher 
Treue alle Ordenspersonen dieses « Gottshüsli * zu Friede und Eintracht 
im gemeinsamen Leben, zu treuer Verrichtung des täglichen Chorgebetes 
in den sieben Tagzeiten samt dem Kursus der seligsten Jungfrau und 
dem Totenoffizium bei Nacht und bei Tag, mit guter Aussprache der 
einzelnen Worte, Einhaltung der Pausen und der Bewegungen nach 
den Sitten und Gewohnheiten des Ordens und der Regel des heiligen 
Vaters Dominikus ; die Frauen sollten sich zum Chorgebet und zu den 
Ämtern, welche in St. Nikolaus, Sankt Peter oder in ihrer Kapelle 
täglich gehalten werden, rechtzeitig begeben und bis zum Ende der¬ 
selben bleiben ; sie sollen das Stillschweigen lieben und halten ; die 
Oberin soll die Stube, darin die Frauen wohnen und die Kammer, 
worin sie gemeinsam schlafen, fleißig visitieren ; diejenigen Frauen, 
die Einzelzimmer haben, sollen dieselben zur Visitation der Priorin 
ebenfalls gutwillig öffnen ; zur Aufnahme von Gästen soll eine besondere 
Kammer eingerichtet, nur wohlbeleumdete Gäste in das Gottshüsli 
aufgenommen und längstens drei bis vier Tage darin behalten werden ; 
die Priorin soll in Verwaltungssachen nicht eigenmächtig handeln ; 
die Kleidung : Röcke, Kutten, Hauben, Schuhe, Säcklein, soll einfach 
undohne weltliche Zierde sein ; Pfründerinnen dürfen nur mit Erlaubnis 
und Vorwissen der Oberen und des Konventes aufgenommen werden ; 
die Frauen sollen unter sich alle Parteiungen vermeiden ; alle sollen 
der Priorin als ihrer geistlichen Mutter gehorsam sein ; keinen welt¬ 
lichen Schutz gegen die Obern suchen ; die Priorin soll, da keine eigene 
Pförtnerin da ist, die Haustüre unter guter Obhut behalten und ein 
neues Schloß daran machen lassen ; die Frauen dürfen nicht ohne 
Erlaubnis zu Gastmählem bei Verwandten oder in anderen Bürger¬ 
häusern gehen, wie es bisher täglich geschehen ; bei Krankheits- und 
Todesfällen der Angehörigen und aus andern wichtigen Gründen kann 


1 Hardegger August, Die Cisterzienserinnen zu Maggenau. Neujahrsblatt 
für die St. gallische Jugend, 1893, S. 15 und 17. 



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es ihnen erlaubt werden ; weder die Priorin noch eine der Frauen 
soll ohne Erlaubnis des Vogtes an fremde Orte, sei es nach Einsiedeln 
oder in ein anderes Kloster oder sonstwohin gehen ; die Priorin soll 
allen Frauen die tägliche Nahrung : Wein, Brot und anderes gleich¬ 
mäßig zuteilen und um den Konvent und besonders die Kranken treu 
besorgt sein, die Küche mit einer geschickten Köchin versehen und 
den Frauen, die die Last des Tages tragen, gutes, wohlschmeckendes 
Mueß oder Speise geben ; am Konventtisch, an dem alle Frauen essen, 
sollen zwei Kapitel aus den vier Evangelien, aus dem heiligen Paulus 
oder anderen biblischen Büchern verständlich vorgelesen werden und 
zwar mittags und ebenso abends beim « Collatz » vor der Komplet; 
die Priorin soll keiner Frau erlauben, in eine auswärtige Badstube zu 
gehen und deshalb die eigene Badstube wieder einrichten und wenn 
es nötig ist, heizen lassen ; keine Konventualin soll etwas außer das 
Kloster testieren ; jede ist erbberechtigt und soll ihren Erbteil lebens¬ 
lang als Leibding nutznießen, nach ihrem Tode soll die eine Hälfte dem 
Gottshüsli, die andere den Verwandten zufallen ; alle Verkäufe von 
Gütern und Kleinodien ohne Vorwissen und Bewilligung des Abtes 
sind verboten. Die Übertretungen dieser Verordnungen werden mit 
strengen Strafen — Fasten bei Wasser und Brod und Kerker — belegt. 

Der Beichtvater 1 soll dieselben alle Fronfasten den Frauen im 
Kapitel vorlesen und erläutern und mit dem Vogt auf ihre Beobachtung 
ein wachsames Auge haben. 

Diese heilsamen Verordnungen, die ein wohlgeordnetes klöster¬ 
liches Leben in der Samnung herstellten, erhielten durch die Konsti¬ 
tutionen des Abtes Joachim Opscr — aus Wil gebürtig — vom 28. April 
1585 einige Ergänzungen, bei deren Erlaß wiederum ein Vertreter 
des Dominikanerordens, der Prior Christoph Dürbrüt aus Konstanz, 
beigezogen wurde. Den Anlaß bot die Neuwahl einer Priorin, die in 
Gegenwart des Abtes, des genannten Priors, des Herrn Heinrich Forer, 
Statthalters, des Pfarrers Johann Gnir und des Kaplans Heinrich Wirt 
von Wil stattfand. Auf Wunsch der Priorin und des Konventes wurd<‘ 
folgendes verordnet : 

1. Es sollen mit der Priorin nicht mehr als sechs «gewylete*. 
das heißt schleiertragende Klosterfrauen, in der Samnung sein. 

2. Alle Frauen sollen gemeinsam am Tische aus einer Platte und aus 
einem Geschirr essen ; an besonderer Speise, das heißt nebenbei, soll 

1 Gewöhnlich der Statthalter des Abtes im Hofe Wil. 


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15 


nichts gegeben werden, als jeder wöchentlich ihr Brot, wie es bisher 
üblich gewesen. ; die Priorin soll jeder zum Imbiß und zum Nachtessen 
ein Quärtli Wein aulstellen und sich selber auch mit der gleichen 
♦ Facht * Weins begnügen ; Verwandte oder andere zur Priorin oder 
zu den Konventfrauen ins Gottshüsli kommende Gäste sollen auf 
Kosten des Konvents, nicht der einzelnen, erhalten werden, doch in 
Bescheidenheit. 

3. Zur Ausbesserung der Kleider soll die Priorin jeder wöchentlich 
einen Batzen geben und denselben auch für sich selbst beanspruchen 
können. 

In allem übrigen soll es bei den Bestimmungen der Visitation von 
1557 bleiben. 1 

An diesen Verordnungen des Abtes Joachim vom Jahre 1585 
wollen wir nicht ohne einige Bemerkungen vorübergehen. Die Be¬ 
stimmung, daß die Zahl der Konventualinnen auf sechs beschränkt 
werden solle, war keine glückliche. Die Priorin Elisabeth Schwader 
tat nicht klug daran, die Aufstellung dieser Verordnung vom Abte zu 
erbitten, und der Abt war nicht gut beraten, als er dieser Bitte will¬ 
fahrte. Diese Bestimmung schädigte das Ordensleben, hemmte die 
fernere Entwicklung der Samnung und wurde infolgedessen ihrem 
Fortbestände verhängnisvoll. Versetzen wir uns einen Augenblick 
im Geiste in die Mitte dieses kleinen Konventes, so werden wir dieses 
bald einsehen. Die Verrichtung des Chorgebetes war für eine so kleine 
Zahl mühsam und verdrießlich und entbehrte des nötigen Schwunges 
und der gegenseitigen Anregung ; traf es sich, daß mehrere der Frauen 
alt oder kränklich waren, so lasteten fast alle Arbeiten und Verpflich¬ 
tungen auf den Schultern der wenigen übrigen ; Kandidaten und 
Novizen konnten nur aufgenommen werden, wenn Stellen frei waren ; 
durch Zurückstellen gingen sie gar leicht verloren. Etwas mehr Gott¬ 
vertrauen, Vertrauen auf den Vater, der im Himmel ist, hätte auch 
hier gut getan ! 

Ebenso unglücklich war die andere Verordnung, daß alle Frauen 
am Tische gemeinsam aus einer Platte oder aus einem Geschirre essen 
sollten, wenn nämlich diese Bestimmung wörtlich aufzufassen ist. 
Mochte dabei die Absicht bestehen, den Geist der Armut und des 
gemeinsamen Lebens unter den Schwestern zu fördern, so geschah 
dies doch nur auf Kosten der gegenseitigen Verträglichkeit und ver- 

1 St. A. St. G. 


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tr Go ‘ ’S 1 


— 16 — 

nünftiger Rücksichtnahme und stiftete deshalb mehr Schaden als 
Nutzen. 

Eine Gefährdung und Schädigung des klösterlichen Lebens, vor, 
welcher in den bisherigen Verordnungen nicht die Rede war, ergab 
sich zweifelsohne durch die Ausübung der Patenstelle von Seite der 
Priorin und der Konvent trauen. Das älteste Taufbuch der Pfarrei 
Wil verzeichnet Elisabeth Schwader als Konventfrau in den Jahren 
1574-1584 neunzehnmal und als Priorin in den Jahren 1585-159»» 
einundzwanzigmal als Patin ; die Priorin Anna Kunz erscheint dreimal. 
Barbara Erhärt und Gerschwiler Salome je achtmal, sieben ander* 
Konventualinnen erscheinen zusammen zweiundzwanzigmal in gleicher 
Eigenschaft, meist an der Seite angesehener Paten, wie der geistlichen 
Herren und angesehener Laien von Wil. Im Jahre 1596 tritt zum letzter. 
Mal eine Konventualin der Samnung als Patin auf. 

Als ehrendes Zeichen darf dagegen die Berufung der Konventfrai; 
Katharina Hunzikofer in das Dominikanerinnenkloster zu Weesen 
betrachtet werden, die auf Anhalten und Begehren der beiden Om 
Schwyz und Glarus und mit Erlaubnis und Zustimmung des Abtes 
Othmar von St. Gallen und der Priorin Anna Kunz und der Mit¬ 
schwestern im Jahre 1566 erfolgte ; die genannte verzichtet am 
25. Oktober 1566 auf das Pfrundgeld, das ihr Vater für sie in die Sam¬ 
nung einbezahlt hatte und auf alle Anforderungen, die sie sonst an 
dieselbe haben könnte. Der Vogt der Samnung, Michael Opser, «Vogt- 
rychs» (Reichsvogt) in Wil, siegelt an Stelle der Klosterfrau die Ur¬ 
kunde. 1 Katharina Hunzikofer wurde in Weesen Priorin des Klosters. : 

4. Der Personalbestand. 

Ganz ohne Zweifel gab es auch in der Samnung ein Verzeichnis 
aller Konventualinnen oder wenigstens ein Sterbebuch, aus dem 
täglich beim Chorgebete, bei der Prim, die Namen derjenigen vorgelesen 
wurden, die an dem betreffenden Tage gestorben waren, wie dies in 

1 Original, Pergament A. St. K. 

2 Ich stütze mich dabei allerdings nur auf v. Mülinin, II., S. 199. der den 
Namen mit iCatharina Hundiskopf, nach 1560, eingeschrieben in die Heilig-Kmir- 
bruderschaft der Bühlkirche zu Weesen » angibt. Wahrscheinlich liegt ein Lese 
fehler vor. Von Interesse ist das Vorkommen mehrerer anderer Wilerinnen m 
der Priorinnenreihe von Weesen um diese Zeit, einer Anna Kopp. 1514, und zweirr 
Vertreterinnen des Geschlechtes Senn. 


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allen Orden und Klöstern gebräuchlich ist. Leider ist kein solches 
Verzeichnis oder Sterbebuch auf uns gekommen und wir müssen uns 
mit der Kenntnis der Namen der Priorinnen und der Konventfrauen 
begnügen, die, man darf sagen, zufällig in den Urkunden erwähnt sind. 
Denn gar manche Aktenstücke sprechen nur von der Priorin, ohne 
ihren Namen zu nennen, so zum ersten Mal die Urkunde vom 28. April 
1323, und ganz selten kommen darin auch die Namen anderer Konven- 
tualinnen vor. 

Die Reihenfolge der Priorinnen, soweit sie sich herstellen ließ, 
erschien zum erstenmale in dem bekannten Werke von E. F. von 
Mülinen. 1 Ich kann dieser Reihenfolge einige Namen böifügen, die 
bisher nicht bekannt waren, dagegen müssen daraus auch einige 
Namen gestrichen werden, da ihre Trägerinnen bloß Konventfrauen, 
aber nicht Priorinnen waren, oder gar nicht zur Samnung in Wil 
gehörten. Beigefügt sind die Jahreszahlen der Urkunden, in denen 
die einzelnen Namen Vorkommen oder Lebensdaten, die aus denselben 
hervorgehen. Dasselbe gilt vom Verzeichnis der Konventualinnen. 

Wie es scheint, haben die Konventualinnen der Samnung ihren 
Taufnamen bei der Profeß beibehalten. Auffallen muß uns, daß auch 
nicht eine einzige Profeßurkunde mehr vorhanden ist; vielleicht wurden 
sie, wie in anderen Frauenklöstem in früherer Zeit, den Verstorbenen 
in den Sarg mitgegeben. 

Priorinnen. 

1. Adelhaid Trunger, « swöster », Priorin, 1362, 19. Januar; 1374, 
12. April, U. B. St. G. IV, Nr. 1583 und 1725. 

2. Anna von Henkart (Henggart), 1388, 6. November ; 1394, 11. Juli, 

U. B. St. G. IV, 1968 und 2065. 

3. Margareth Borhuser, 1399, 2. Oktober ; 1401,17. Mai, U. B. St. G. 

IV, 2175 und 2222. 

4. Anna von Sidwald (Krummenau, St. Gallen), 1412, 18. April, 

V. B. St. G. V, 2520. 

5. Anna von Bondorf (Schwarzwald), 1429, 13. Januar, U. B. St. G. 

V, 3460. 

6. Gerine (Gert, Gertrud) Gupfer, Tochter des Konrad und der 
Margaret Gupfer in Wil, Konventfrau 1442, 3. Januar, U. B. St. G. V, 
4347 Priorin 1454,1. November, St. A. St. G.; 1468, 30. Juli, A. St. K. 

1 Helvetia Sacra oder Reihenfolge der kirchlichen Obern und Oberinnen etc. 
Bern 1858 und z86i. 

REVUE DHISTOIBK ECl'LtSUSTlQUE * 


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— i8 — 

Sie wird in der Urkunde von 1442 Gerine, in derjenigen von 1454 
Geri genannt ; es ist kein Zweifel, daß es sich hier um die gleiche Person 
handelt, zumal auch der Gegenstand der Rechtshandlung, die zwei 
Wiesen auf Wilmatt, genau der gleiche ist ; 1468 aber heißt sie Gertrud 
und es betrifft wiederum zwei Wiesen auf Wilmatt in gleicher örtlicher 
Lage, aber mit andern Anstößem ; die letztem können aber unterdessen 
ganz gut gewechselt haben, so daß es sich wieder um die gleichen Wiesen 
handelt, wie auch der übrige Text schließen läßt ; infolgedessen ist 
auch die Gertrud Gupfer als Eigentümerin derselben als identisch 
mit Gerine und Geri Gupfer zu betrachten. Siehe unten, Abschnitt 5. 

7. Verena Schnider, 1473, 3. August ; 1477, 20. März, A. St. K. 

8. Elisabeth Huber , Tochter des Ulrich und der Klara Huber in 
Wil, 1511, 22. November, A. St. K. ; 1512, Jahrzeitbuch Wil, 204; 
1516, 4. Juni 1518, 23. Juni, A. St. K. ; 1520, 4. Mai, St. A. St. G. 

9. Maria , resigniert ; lebt noch 1558, 18. Mai, A. St. K. 

10. Elisabeth Hafner von Wil , Konventfrau 1542. 17. März, Prionn 
1545. 16. Dezember, stirbt 1558, A. St. K. 

ir. Anna , 1558. 18. Mai ; 1559, 2 7 - Mai I A St. K - ; wohI iden * 
tisch mit 

Anna Kunz von Wil, Schwester des Hauptmann Joachim Kunz 
in Wil, 1566, 25. Oktober; 1572, 21. Juni, A. St. K. ; 1573; 1574 
21. Januar, Taufbuch Wil. 1 

12. Barbara Keller , 1576, 1577, 1. November, Taufbuch Wil; 
gestorben vor 1585, 28. April. 

13. Elisabeth Schwader , Konventfrau 1574-1584, Taufbuch Wil; 
Priorin 1585, 28. April bis 1596, 21. Februar, St. A. St. G. und Taufbuch 
Wil; lebt noch 1604, 27. Oktober, A. St. K. 

14. Katharina Schmitler, genannt Hug, aus Wil, Konventfrau 1587 
bis 1595, 2. August, Taufbuch Wil ; Priorin 1596 bis 27. Oktober 1604. 
A. St. K. 

15. Katharina Eigenmann von Dürliwangen, Thurgau, 1595 Kloster 
frau bei den Frauen von St. Katharina auf dem Nollenberg, Taufbuch 
Wil ; 1604, 27. Oktober von Abt Bernhard von St. Gallen als Prionu 
der Samnung eingesetzt, A. St. K. ; gestorben am 26. Juli 1615, A. St. K 

16. Barbara Käfer aus Wil, bis 19. August 1616 ; gestorben zu 
St. Katharina in Wil am 27. Juli 1617, A. St. K. 

1 Die Auszüge aus dem Taufbuch Wil verdanke ich der Güte des Herrn 
Paul Zuber. 


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19 


I 


Von Mülinen exwähnt noch zwei Priorinnen mit dem Familien¬ 
namen von Helmsd«>rf in der Zeit von 1572-1585, deren Namen aber 
in Wil nicht Vorkommen. Sie finden sich auf einer Totentafel des 
Schweizerischen Landesmuseums in Zürich, die aus dem Kloster 
St. Katharinathal stammt. (Offizieller Führer, 4. A. S. 43.) 

Konventualinnen. 

1. Elisabeth, Tochter des Herrn Rudolf von Dürnten, Zürich. 

1284. 

2. N. ab dem Huse, Tochter des Heinrich ab dem Huse, Obertutwil, 
Thurgau, eines Dienstmanns der Grafen von Toggenburg, 1323. 

3. Anna Engler, Schwester des Konrad Engler, Leutpriesters 
zu Bemang (Bernegg), St. Gallen, 1388. 

4. Adelheid, Witwe des Schulmeisters Burkart Thüringer, um 1400. 1 

5. Margreth Schmidberger, wahrscheinlich Tochter des Konrad. 
Bürgers zu Wil, und der Ursula Koler, 1429, 1430, 1432. 

6. Adelheid Großmann von Wil, vor 1487. 

7. Katharina Rösch, wahrscheinlich eine Tochter des Konrad 
Rösch, Schwester des Pfarrers Konrad Rösch in Wil, um 1500. 

8. Anna Hohans, Tochter des Konrad, «Schniderkonradli * ge¬ 
nannt, und der Margreth Greminger, Base des P. Heinrich Hohans, 
Augustiners in Konstanz, 1511, 1513. 

9. Margreth Sailer, Tochter des Reichsvogtes Hans Sailer und der 
Elisabeth Proglin, 1512. 

10. Rachilla, wahrscheinlich eine Schwester des Junkers Heinrich 
'on Schwarzach, um 1512. 

11. Katharina Wächinger, 1530, 1542. 

12. Dorothea Schnider, Tochter des alt Schultheiß Lienhardt in 

Wi| . 1535 - 

13. Katharina Herzog, deren Base die Priorin Elisabeth Hafner 

1558 . 1573 - 

14. Katharina Hunzikofer; sie tritt auf Wunsch der Orte Schwyz 
und Glarus mit Einwilligung der kirchlichen Obern im Jahre 1566 
'n das Kloster Weesen über. 

15. Erhärt Barbara, 1575-1588. 

1 Meister B. Thüringer entscheidet als Obmann in einem Zehntstreite 1367 
irischen dem Kloster Magdcnau nnd Rudolf von Andwil. Vgl. Keßler G., Schul- 
Kwchichtliche Notizen ans Wil, Pädagogische Blätter. Einsiedcln 1910 , S. 657 . 


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20 


16. Gerschwiler Salome, 1576-1580. 

17. Größer Barbara. 1576-1589. J 

18. Katharina Rüti von Wil, 1589-1615, gestorben 8. Januar 1641. I 

19. Helena Riggenschwiler von Wil, 1593. 1615, gestorben 2. Ok- I . 

tober 1626. | 

20. Elisabeth Kopp, Tochter des Fabian und der Magdalena Ritz, I 

von Wil. geboren 1576. eingekleidet 1590. Konventfrau 1604, 1615 I 
gestorben 24. Februar 1646. I 

21. Magdalena Bolstetter — in der Translationsurkunde von 1615 | 

steht unrichtig Dolschwiler — Tochter des Jakob und der Justina I 
Spön von Radolfzell am Untersee. gestorben 18. Mai 1665. I . 

Es sind also im ganzen bis jetzt bekannt : 16 Priorinnen und 21 I. 
sonstige Konventualinnen, zusammen 37, gewiß nur ein kleiner Teil I 
der einstigen Mitglieder der alten Samnung in Wil. Hoffen wir. daß 
die Namen aller ohne Ausnahme eingetragen seien im Buche de* I 
Lebens! J. 

5 . Der Lebensunterhalt und die Verwaltung. 1 

Das Kirchcnbrod, das bei den Jahrzeiten ausgeteilt wurde, und 1 
die Vergabungen an den Tisch der Schwestern waren in der Samnuiu; | 
sicher willkommene Beigaben an den täglichen Lebensunterhalt. Ein I 
eigentliches Stiftungsgut zu diesem Unterhalt scheint von Anfang an I 
überhaupt nicht vorhanden gewesen zu sein. Der gemeinsame Besitz I 
beschränkte sich offenbar auf das Haus, das die Frauen bewohnten. I 
und die sich daran schließende Hofstatt oder den Hausgarten. Doch 
zeigt sich mit der Zeit auch das Bestreben, in der nächsten Umgebung; 1 
mehr Grund und Boden zu gewinnen. Freilich beginnt dieser Erwerb 
erst im zweiten Jahrhundert seit dem Bestehen der Samnung. Vielleicht 
war ihr vorher der Ankauf liegender Güter obrigkeitlich verwehrt 
aus Furcht vor dem Übergang derselben in den Besitz eines Kloster* 
oder der sogenannten « toten Hand *. Später wurde ihr der Ankauf 
liegender Güter ohne weiteres eingeräumt oder die Erlaubnis dazu 
war leicht erhältlich. Sehen wir nun. w f as hierüber die alten Urkunden 
und Aufzeichnungen der Samnungsfrauen enthalten. 

Im Jahre 1390 verkauften die zwei Schwestern Ursula und Margreth 
Kamerer in Zürich ihre Wiese und zwei Gärten vor der Stadt Wil 
der Samnung für 80 Pfund Heller. Neun Jahre später findet ein neuer 
Kauf um eine Wiese auf der Wilmatt um 25 y 2 Pfund Pfennig statt; 


e 


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21 


Verkäufer sind Wernher und Albrecht, die Holzhuser, genannt Keller 
von Bütschwil; 1433 begegnet uns in einer Urkunde eine Wiese auf 
der Wilmatt, welche die Samnung an Bertschi Witwil verkauft 

hatte. 

Von besonderer Bedeutung für die Samnung wurden die zwei 
Wiesen auf Wilmatt, welche die Priorin Gerine oder Gertrud Gupfer 
am 30. Juli 1468 ihrem Konvente als Teil ihrer Jahrzeitstiftung über¬ 
gab. Sie hatte dieselben laut Urkunde vom 3. Januar 1442 von Elsbeth 
Schnetzer von Wil, Ehefrau des Hans Boßhart, Bürgers in Zürich, 
um 64 rheinische Gulden gekauft und am 1. September 1454 von Abt 
Eglof von St. Gallen die Erlaubnis erhalten, sie der Samnung als eigen 
zu vergaben. 1 

1520 ist abermals von einer Wiese auf Wilmatt die Rede, die 
Konrad Langenhardt, Bürger zu Wil, den Frauen in der Samnung 
verkauft hatte. Diese Wiesen können nicht groß gewesen sein, vielleicht 
jede nur 60-100 Aren nach heutigem Maß. An auswärtigem Besitztum 
erhielt die Samnung 1323 die Schuposse — ein Grundstück von zwölf 
Jucharten — zu Obertutwil als Leibding oder Rente der Tochter des 
Heinrich ab dem Huse, die in die Samnung eingetreten war ; 1419 
kaufen Priorin und Konvent in Wil von Abt und Konvent von St. Jo¬ 
hann im Turtal das sogenannte Johannergut zu Buwil unterhalb 
Andwil, aus welchem die Samnung schon früher einen ewigen Zins 
von 4 Mutt Kernen Wiler Maß besaß. 

Neben dem Gutsbesitz erwarb die Samnung im Laufe der Zeit 
Geld- und Naturalzinse ab verschiedenen Gütern, insbesondere seit 
dem Jahre 1438 von einem Gute in Maugwil, das sie der Frau Anna 
Wetzlin und ihren Töchtern verkauft hatte, und seit 1518 ab dem 
sogenannten Horber Hof daselbst, dem Besitztum des Hans Horwer 
und seiner Rechtsnachfolger. 

Auch das Grundstück in Obertutwil hatte die Eigenschaft eines 
zinspflichtigen Erblehens ; der Zins betrug jährlich 10 Viertel Kernen, 
50 Eier und 3 Hühner. Die Samnung gestattet am 3. November 1523, 
daß Eis Lemp, die Witwe des Rudi Huß, vielleicht eines Nachkommen 
des Heinrich ab dem Huse, das Gut an Klenhans Wegman verkauft 
unter Zusicherung der schuldigen Zinsabgabe. Dieselbe ging später 
an St. Katharina über. 

Eine kaum nennenswerte Einnahme bildeten die Erträgnisse der 


1 Siehe die Urkundenzitate oben S. 18 , Priorinnen, Nr. 6. 


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22 


Jahrzeitstiftungen, für deren jährliche Abhaltung die Samnung besorgt 
sein mußte und dafür die Zinsen bezog. 

Diesen Gutsbesitz oder wenigstens einen Teil davon behielt die 
Samnung bis zu ihrem Übertritt in das Kloster zu St. Katharina 
Im Jahre 1623 vertauschte letzteres die zwei Samnungswiesen aul 
der Wilmatt bei St. Peter, die einst der Priorin Gerine Gupfer gehört 
hatten, mit dem Abt von St. Gallen gegen gleich viel Wiesland in der 
Pündt, in der nächsten Nähe von St. Katharina, wo heute das Töchter¬ 
institut steht. Infolge dieses Tausches gingen auch die zwei Urkunden 
von 1442 und 1454 in den Besitz des Klosters St. Gallen über. 

Laut Bestandesaufnahme vom 27. Oktober 1604 bezog die Sain- 
nung an jährlichen festen Einkünften insgesamt : an Geld 282 Gulden 
4 Schilling 9 Pfennig ; an Kernen 36 Mutt 4 Viertel ; an Hafer 1 Malter 
und 1 Mutt ; an Eiern 50 und an Hühnern 5, gewiß kein übermäßig 
reiches Einkommen ! 

Außer dem gemeinsamen Besitze standen nach damaligem Ge 
brauche den einzelnen Konventualinnen unter der Aufsicht der Obern 
noch persönliche Nutznießungen, das sogenannte Pekulium, zu, Zinse 
aus den Leibdingen und andere Zuwendungen. Auch das Verfügung* 
recht über derartige Güter dauerte fort. So erklärt es sich, daß Priorin 
Gerina oder Gertrud Gupfer ihre Wiesen der Samnung, also ihrem 
eigenen Kloster, vergaben und zu Gunsten ihrer Familie eine Jahrzeit 
stiften konnte. 

Die Verwaltung des gemeinsamen Gutes und die Obsorge für den 
täglichen Lebensunterhalt oblag der Priorin. In den älteren Urkunden 
wird sie als Vertreterin des Konventes genannt. Doch schon 1429 
bevor die Samnung unter den Schutz und die Aufsicht der Äbte von 
St. Gallen gestellt war, stand ihr als Ratgeber und Vertreter bei Rechts 
handlungen der Vogt zur Seite, welchen, wenigstens später, der Abt 
von St. Gallen als kirchlicher Oberer ernannte. Bei der Visitation von 
I 557 werden dem Vogte sogar die Kompetenzen erteilt, die Erlaubnis 
zu einer Wallfahrt nach Einsiedeln oder zu einem Gange in ein anderes 
Kloster oder sonst wohin zu erteilen und in Abwesenheit des Beicht¬ 
vaters alle Fronfasten den Visitationsrezeß den Frauen vorzulesen 
und über dessen Ausführung wachen zu helfen. Er wird gelegentlich 
auch Pfleger oder Vormund genannt. Dagegen stand ihm nicht die 
eigentliche Verwaltung des Klostergutes zu, auch nicht dem Rate der 
Stadt Wil; die zwei Konventualinnen Elisabeth Huber und Katharina 
Wächinger weigern sich im Einverständnis mit ihren Mitschwestem 


gle 


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23 


im Jahre 1530 energisch dagegen, dem Rate ihre Besitztitel, mit denen 
sie zu größerer Sicherheit geflohen waren, herauszugeben. 

Folgende Männer, meistens Mitglieder des Rates zu Wil, begegnen 
uns in den Urkunden als Vögte, Pfleger oder Vormünder der Samnung : 

Heinrich Ledergerw 1429, Hans Klinger 1473, 1477, Johann 
Klinger 1516, Rudolf Sailer 1518, 1520, 1542, 1545 (1559 Rudolf Sailer 
der alt, gewesener Vormund und Vogt der Samnung), Sebastian Uelin 
1558, 1559, Reichsvogt Michael Opser 1565, Christoph Rütte 1583, 
1593. Bei der Übersiedelung nach St. Katharina geschieht keines 
Vogtes Erwähnung. 

Die Rechtsstreitigkeiten, an denen die Samnung bisweilen beteiligt 
war, betrafen zumeist Befugnisse oder Pflichten, die auf ihrem Grund 
und Boden hafteten. 

Als Nachspiel der Reformation in Wil begegnet uns ein schieds¬ 
richterlicher Entscheid des Pfalzgerichtes in St. Gallen, wodurch den 
Flauen in der Samnung für den erlittenen Schaden 70 Gulden zuge¬ 
sprochen werden, dem Hofammann und den «Plaikem » 50 Gulden ; 
die Räte des Jahres 1530, «so domalen geregiert», hatten daran 
100 Gulden beizutragen. 1 

6. Dfe Einverleibung mit dem Kloster St. Katharina. 

Der Konvent der Samnung in Wil war auf die Dauer nicht mehr 
lebensfähig. Die Zahl der Konventualinnen war zu klein für die Ab¬ 
haltung des Chorgebetes und die Einkünfte reichten für eine größere 
Zahl nicht aus. Das Haus war enge und ungeeignet für das klösterliche 
Leben; althergebrachte Verpflichtungen, wie die Teilnahme an den 
Jahrzeiten in St. Peter und die Entfernung von ihren Wiesen und 
Gärten traten demselben ebenfalls hindernd in den Weg und machten 
die Klausur unmöglich. Auf Grund dieser Wahrnehmungen richtete 
der geistliche Vorgesetzte dieses Konventes, Abt Bernhard von Sankt 
Gallen, ein Bittgesuch an den Heiligen Vater in Rom, es möchte ihm 
erlaubt werden, die Samnung mit dem Kloster zu St. Katharina zu 
Wil zu vereinigen. 

Das Kloster der hl. Katharina, gestiftet 1228 in der Stadt Sankt 
Gallen, fiel daselbst nach dreihundertjährigem Bestände der Refor¬ 
mation zum Opfer, indem es 1528 aus der Stadt vertrieben wurde, da 

1 St. A. St. G. 


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24 


sich die Konventualinnen weigerten, den neuen Glauben anzunehmen. 
Der tatkräftigen Priorin Regula Keller gelang es, die Überreste des 
Konventes im Jahre 1561 auf dem Nollenberg bei Wuppenau anzu¬ 
siedeln und zu neuem klösterlichem Leben zu vereinigen. Von Uu 


gemach heimgesucht, bezog die klösterliche Familie im Jahre 1607 




ein neues Heim vor den Mauern der Stadt Wil in der Pündt; von der 
Samnung aus zog sie dorthin. Mit diesem Konvente gedachte Abt 
Bernhard die fünf Mitglieder der Samnung zu vereinigen. St. Katharina 
zählte damals fünfzehn Konventualinnen. 

Die gleiche Erlaubnis erbat sich der Abt auch zu der Übersiedelung 
der sechs oder sieben Schwestern vom dritten Orden des hl. Franziskus 
von Hundtobel nach Rorschach. 


I 


Durch päpstliches Breve vom 30. Dezember 1614 wurde den 




päpstliche Nuntius in der Schweiz, Graf Ludwig Saregi, mit dem Unter¬ 
such und Vollzug dieser Angelegenheit betraut. Der hohe Herr verfügte 
sich zu diesem Zwecke nach Wil und besichtigte in Gesellschaft des 
Abtes die beiden Ordenshäuser und fand alles so, wie es ihm der Abt 
bereits kund getan hatte. Die Überführung der Samnungsfrauen nach 
St. Katharina wurde auf den 19. August 1615 angeordnet. Dieselben 
gaben hiezu ihre Zustimmung, ebenso zu den übrigen Bedingungen: 
nämlich, daß die Priorin der Samnung auf ihr bisheriges Amt ver¬ 
zichte, daß alle Schwestern sich unter den Gehorsam der Klosterobem 
von St. Katharina begeben, daß ihr Haus und die Kapelle in der Stadt 
und ihr zeitliches Gut mit allen Einkünften an das Kloster St. Katharina 
übergehe, und daß in dem bisherigen Haus der Samnung ferner keine 
Einkleidung und keine Profeß mehr stattfinden solle. Ihrerseits er¬ 
klärten sich auch die Klosterfrauen von St. Katharina bereit, die Sam- 
nungsschwestem unter diesen Bedingungen in den Klosterverband 
aufzunehmen und als wahre Mitschwestem zu betrachten. So erfolgte 
denn am 19. August 1615 die Übersiedelung der fünf Konventualinnen 
der Samnung, nämlich : Barbara Käfer, Priorin, Katharina Rüti. 
Hilena Riggenschwiler, Elisabeth Kopp und Magdalena Bolstetter 
nach St. Katharina. P. Kolumban Tschudi, Statthalter in Wil. ihr 
Beichtvater, geleitete sie dorthin. Der Nuntius und P. Jodok Metzler 
als Vertreter des Abtes von St. Gallen und der Konvent von St. Katha¬ 
rina erwarteten sie im innern Chore. Der Nuntius hielt bei ihrer An¬ 
kunft eine kleine Ansprache über Friede, Liebe und Einigkeit und 
empfahl sie der Priorin und den übrigen Konventualinnen. Sie gelobten 
der Priorin Gehorsam und wurden von ihr als geistliche Töchter und 




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25 


von allen übrigen durch Umarmung, Friedenskuß und Einweisung in 
ihre Plätze in den Chorstühlen als vollberechtigte Mitschwestem auf¬ 
genommen. Zum Schlüsse ermahnte der Nuntius alle zur treuen Beob¬ 
achtung der Klausur, zu welchem Zwecke das Kloster mit genügend 
Garten und mit einer Mauer umgeben werden solle. 

Mit diesem Akte hat die Samnung zu Wil zu existieren aufgehört. 
Die Einverleibung der letzten Samnungsfrauen mit den Konven- 
tualinnen zu St. Katharina stellt beiden Teilen ein gutes Zeugnis aus: 
•len erstem, weil sie des höheren Zweckes, der Führung eines regelrechten 
klösterlichen Lebens willen, ihre Selbständigkeit aufgaben und sich 
willig unter den Gehorsam einer neuen Oberin und einer strengeren 
Hausordnung begaben. Den letzteren, daß sie dieselben, obwohl nicht 
in ihrer Mitte erzogen und im Alter schon vorgerückt, ohne Wider¬ 
streben als Mitschwestem aufnahmen und behandelten. 

Die Übersiedelung der Samnung in das Frauenkloster zu St. Katha¬ 
rina trug auch dazu bei, daß daselbst ein eigener Beichtvater angestellt 
werden konnte. Bisher hatte einer der Patres im Hof Wil dieses Amt 
versehen. Der apostolische Nuntius Saregi gestattete am 2. Oktober 
1615, daß das Frauenkloster die 5 y 2 Mutt Kernen, welche die Samnung 
alljährlich an die Spend gegeben hatte, fortan zum Unterhalt des 
Priesters, der in ihrer Kirche die heilige Messe las, verwenden durfte. 

7 . Das spatere Schicksal der alten Samnung bei St. Nikolaus. 

Um den Konvent von St. Katharina in keiner Weise mit dem 
Unterhalt und der Bedienung der Dominikuskapelle bei St. Nikolaus 
zu belasten, erlaubte der apostolische Nuntius in der Translations¬ 
urkunde, dieselbe abzubrechen oder zu anderen ehrbaren Zwecken 
zu benützen. Das Frauenkloster machte von dieser Erlaubnis vorder¬ 
hand keinen Gebrauch. 

Wozu indessen das Haus der alten Samnung benutzt wurde, 
ist nicht bekannt. Im Jahre 1657 scheint cs den ehrwürdigen Vätern 
Kapuzinern vor ihrem Einzuge in das neuerbaute Kloster zum einst¬ 
weiligen Aufenthalt gedient zu haben. Das geht aus einem Beschlüsse 
des Stadtrates von Wil hervor, der zum Jahre 1657 folgendermaßen 
in das Ratsprotokoll eingetragen ist: 

«Schießen unter dem Gottesdienst von der Stadt befohlen. 

Weil die Patres Kapuziner aus der Samlung in das neue Kloster 
mit dem Hochwürdigsten und in öffentlicher Prozession einziehen 


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— 26 — 

wollen, ist beratschlagt, daß an bestimmtem Ort und zu bestimmter 
Zeit, nämlich unter dem Gloria, Evangelium und Elevation die Doppel 
haken und Geschütz und die Stücklein gelöst werden. * 

In der Folge wohnten Hausleute in dem Hause, was zu Zwistig¬ 
keiten mit der Stadtbehörde führte. Der Statthalter im Hof bean¬ 
spruchte im Namen seines gnädigen Herrn die Jurisdiktion über die¬ 
selben, so daß er zum Beispiel bei eintretenden Todesfällen sein Siegel 
an die Hinterlassenschaft anlegte und dasjenige des Schultheißen oder 
Stadtammanns entfernte, mit der Begründung, daß das Haus eine 
klösterliche Wohnung sei und die Privilegien eines Klosters genießt. 
Es bestand im Frauenkloster die Furcht, es möchte im Falle des Zuge¬ 
ständnisses diese Befugnis von der Stadtbehörde auch auf Kosttöchter 
und Verpfründctc im Kloster selbst ausgedehnt werden. Der Streit 
wurde an das Konsistorialgericht nach St. Gallen gebracht. 

Er fand seine definitive Erledigung, indem die Stadt Wil im Jahre 
1756 die Gebäulichkeiten der alten Samnung zu Lehen nahm, mit 
der Absicht, die Stadtschule darin halten zu lassen ; 1783 brachte sie 
dieselben und zwar das Wohnhaus und die Kapelle, käuflich an sich 
mit der Berechtigung, darüber für alle Zeiten nach Gutdünken zu 
verfügen. Der Kaufpreis beträgt 800 Gulden. Dazu wird dem Kloster 
die rückständige « Patrollwachtsteuer • nachgelassen, die es sich bisher 
zu zahlen geweigert hatte, die fernere Entrichtung derselben aber im 
Betrage von 7 y 2 Gulden jährlich zur Pflicht gemacht. 1 

Bis zum Jahre 1835 diente die alte Samnung zu Schulzwecken, 
worauf sie mitsamt dem angrenzenden Heiliggeist-Spital abgebrochen 
und durch ein neues, 1840 eingeweihtes Schulhaus ersetzt wurde. 
An die Stelle der einstigen Dominikuskapelle trat die aussichtsreicht 
Kirchenterrasse mit dem steinernen Treppenaufstieg von der Graben¬ 
straße her. 

Zum Besuche des Gottesdienstes in der Pfarrkirche zu St. Nikolaus 
besaßen die Frauen der Samnung, wie wir gehört, ehemals das Recht 
auf zwei oder drei Kirchenstühle in derselben. Mit dem übrigen Besitz- 

1 Im Jahre 1622 hatten Schultheiß und Rat der Stadt Wil das Frauenkloste: 
gegen Bezahlung von 346 Gulden 10 Batzen von jeder Steuer für alle künftig* 
Zeit freigesprochen ; 1652 wurde diese Vereinbarung bestätigt und durch gesiegelte 
Pergamenturkunde bekräftigt; im Jahre 1725 wurde diese Steuerfreiheit infolge 
erhobener Klagen von Seite der Stadtbehörde von Wil nach Entscheid des Koc 
sistorialgerichtes in St. Gallen auf die Kapitalien und die Barschaft des Frauen¬ 
klosters beschränkt. Später scheint die Sache in Vergessenheit gekommen zu sein. 



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t 


- 27 — 

tum der Samnung ging auch dieses Recht an das Frauenkloster zu 
St. Katharina über. Am 12. August 1642 bekennt Hans Jörg Dietrich 
Ryssy, Bürger zu Wil, in einem Reversbrief, daß ihm aus «sundern 
Gnaden und Gunsten » von der ehrwürdigen geistlichen Frau Priorin 
des Gotteshauses zu St. Katharina bewilliget worden sei, in ihres 
Gotteshauses eigenem Kirchenstuhl in der Pfarrkirche zu St. Nikolaus 
einen «Standt * zu haben und während des Gottesdienstes zu benützen. 

Am 7. Januar 1654 entschieden ihre fürstlichen Gnaden von Sankt 
Gallen auf Anbringen von Schultheiß und Rat zu Wil, daß dem Gottes¬ 
haus St. Katharina die hintern oder Samlungsstühle sein und verbleiben 
sollen, wohin es auch seine Dienstboten und fremden Gäste stellen 
und so dieselben benützen könne. Schultheiß und Rat geben darüber 
dem Frauenkloster einen Revers mit dem Beifügen, daß sie für den 
Fall, daß die Klosterfrauen durch Pest, Brand, Krieg oder andere 
Ursachen genötigt würden, den Gottesdienst in der Pfarrkirche zu 
besuchen, ihnen nach Gebühr und Notdurft Stühle einzuräumen bereit 
seien. Dieser Entscheid wurde am 20. Mai 1682 vom Abte Gallus Alt 
unter Berufung auf die Urkunde von 1654 neuerdings bestätigt. Ob 
in dieser Sache später noch ein Entscheid getroffen wurde, entzieht 
sich zur Zeit unserer Kenntnis. 

Ein Wiler Künstler, Direktor Franz Müller (f 1887), hat das Bild 
der ehemaligen Samnung mit der Dominikuskapelle kurz vor dem 
Abbruche mit andern Ansichten des alten Wil mit seinem Zeichenstifte 
festgehalten. Es wurde in der sehr verdienstvollen Publikation : « Alt 
Wil in Bildern», Wil, Verlag von F. G. Sailer (1896) reproduziert. 
Die ehemalige Samnung hat ein freundliches Andenken in Wort und 
Bild wohl verdient. 



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Aymon de Montfalcon 

EVfiQUE DE LAUSANNE, 1491-1518 

Par M. REYMOND 


8cm fclectkm 

Benoit de Montferrand, 6veque de Lausanne et comte de Vaud, 
prince du Saint-Empire, se sentant malade apr&s quinze annees d'un 
episcopat tres mouvementc, avait fait son testament le 26 avril 1491 *, 
puis s’dtait mis en route pour aller passer ses demiers jours dans sa 
demeure familiale de Lanieu cn Bugey. La mort l’arreta ä Nyon le 
samedi 7 mai * Son corps fut immcdiatement transporte ä Lausann.- 
oii ses fun6railles eurent lieu solennellement dans la cath6drale, le len- 
demain dimanche. Le lundi 9 mai, apres un office solennel, les chanoines 
presents, au nombre de quinze, se reunirent dans la salle capitulaire 
du cloitre, aux fins d’elire un nouvel 6veque. Les deux principaux 
dignitaires du Chapitre etaient absents, le prdvot Andre Provanes 
vraisemblablement en Savoie, et le trdsorier Jean de Salins, probabk- 
ment ä la cour d'Alleniagne. Ce fut en consequence le chantre, le vene- 
rable Joffred des Arches, qui depuis pr£s d'un demi-siecle assistait 
regulierement aux seances du Chapitre, qui presida l’assemblee. 11 
fit l’eloge du defunt, puis proposa de le remplacer par le meilleur et 
le plus sage des chanoines. L’un des assistants, le doyen de Savoie. 
Philippe de Compey, qui, vingt ans auparavant, avait 6t6 lelu du 
Chapitre, mais avait du ceder l’Eveche ä Julien de la Rov£re (le pap>e 
Jules II), se leva et proposa comme 6veque le protonotaire Francis 
de Colombier. Le chantre et tous les autres chanoines approuvdrenr 
I’un apres l’autre ce choix, ä l’exception du pr6vöt de Berne, Jear. 

1 Arch. Eveche de Fribourg et A. C. V., sd*rie C, IV, 6 i 3 . 

* Ces dates resultent du Manuale Capituli , f. 3 k 3 , aux Arch. Eveche; de 
Facte de nomination de Francois de Colombier (A. V. L., Corps de ville. EE, 
et des comptes de la ville de Lausanne, f. 3 a, qui disent express£ment que Benort 
de Montferrand mourut le samedi 7 mai et fut enseveli le dimanche. 


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— 29 - 

Armbraster, qui s’Stait retire d6s le debut des operations et qui, rejoint 
par deux de ses coltegues, avait refuse de leur dire quel etait son can- 
didat. Frangois de Colombier tut nooobstant proclam6 elu, sous reserve 
de ratification par le Saint-Si£ge. Apr£s un Service d’actions de gräces, 
il fut conduit au son des cloches dans la cath6drale, au chceur, devant 
le maitre-autel, et lä son 61 ection fut annoncee au peuple. Le notaire 
Pierre de Fossa en dressa proc^s-verbal. En attendant la confirma- 
tion de Rome, Frangois de Colombier fut nomm6, avec deux autres 
chanoines, syndic et administrateur de la mense 6piscopale, le si£ge 
vacant. 

Le prdvöt Jean Armbruster qui vient de nous apparaitre ütait 
un personnage fort influent. C’est lui qui avait, avec l’assentiment de 
Benoit de Montferrand, dont il 6tait le familier, cr66 le Chapitre coltegial 
de Berne et il 6tait en quelque sorte consid6r6 comme le chef de la partie 

> 

allemande du dioc^se. Il pr6tendait cettc fois-ci le gouverner tout 
entier. A la nouvelle de la mort de Benoit, il 6tait accouru k Lausanne. 
Il n etait point seul, car les comptes de la ville de Lausanne mention- 
nent l’arrivee, dans la cit£ 6piscopale, le lundi, des avoyers de Berne 
et de Fribourg avec le pr6vöt 1 , ainsi que la r&eption que les magis- 
trats lausannois leur firent. En route, se trouvant k Payeme dans la 
nuit du dimanche au lundi, ä i heure du matin, il avait ecrit au Conseil 
de Fribourg l'assurant que le Chapitre nommerait le candidat des villes 
ä la condition qu’il füt pris dans son sein, qu'il y aurait avantage pour 
lui ä ce que l' 61 u nc füt pas un welsche, comme cela avait toujours 
et£ le cas pr6c£demment, et que lui-mfime le favoriserait s’il 6tait 6lu *. 
Mais l’avoyer de Fribourg 6tait dejä sans doute sur le chemin de Lau¬ 
sanne quand la lettre arriva aux bords de la Sarine, et k la Citü de 
Lausanne il put se convaincre du peu de chances du prevöt de Berne. 
Il ne fut plus question, des lors, de la candidature de ce demier. 

Suivant certains auteurs *, le Chapitre aurait encore discute un 
autre nom et meme porte sur lui ses suffrages. Il s'agirait du chanoine 
Guillaume de Montdragon qui, lui non plus, n’assistait pas k la s6ance 
du 9 mai. Mais son nom ne figure pas au Manuale Capituli qui rend 
compte de l’dection de Frangois de Colombier. Comme ce compte 
rendu occupe les demi^res pages du registre conservü k l'Evüchü, a 

1 Les comptes disent que les avoyers arrivferent avec le drapeau de Berne. 

’ Schmitt et Gremaud, Histoire du diocise de Lautanne, t. 11, p. 240. 

* Besson, Mimoires pour l’histoire ecclisiastique des diocises de Genive. etc., 
P- 176 . 


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30 


Fribourg, et que le registre suivant a disparu, on ne peut savoir >i 
le Chapitre est peut-etre revenu de sa premifcre d6cision et a plus tard 
remplac£ Francois de Colombier par Guillaume de Montdragon. La 
chose est toutefois peu vraisemblable. 

Le Chapitre n’ignorait pas que la d6cision definitive serait prist 
ä Rome, au Saint-Si£ge, oü les influences locales avaient peu de poids 
et oü l'on obeissait g6n6ralement ä d'autres suggestions. A peine la 
nouvelle de la mort de Benoit de Montferrand 6tait-elle arrivee ä la 
cour de Savoie, que le duc Aim6 IX avait envoye ä Rome un courriei 
recommandant une candidature qui n’etait aucune de celles que nou> 
venons de nommer, mais celle d’un de ses conseillers, maitre de sa cha- 
jjelle, Aymon de Montfalcon, abb6 de Hautcret et prieur de Ripaille, 
beau-früre de l’ivöque defunt, et cette recommandation avait d’autant 
plus de poids que, quelques semaines auparavant, le duc avait dejä 
solIicit£ le Pape de donner Aymon comme coadjuteur k Benoit. 

Cependant, un autre personnage aurait pu s’opposer utilement 
ä cette candidature, l’empereur Fr6d6ric III. Celui-ci avait en efiet 
un candidat particulier, dans la personne du tresorier meme du Cha¬ 
pitre, le protonotaire Jean de Salins, dont nous avons constatü l’absence 
un peu insolite aux obs£ques de Benoit et qui parait avoir frequente 
la cour impüriale, comme repr&entant de l’6veque düfunt. L’empereur 
envoya ses messagers ä Rome pour recommander le protonotaire. 
Mais Turin est plus pr6s de la Ville etemelle que l’Allemagne, et lorsque 
le nonce imperial arriva ä Rome, le pape Innocent VIII, dans un con- 
sistoire tenu le 16 mai, a 16 heures de l’apr£s-midi — cette pr£cision 
nous est foumie par une lettre d’Aymon lui-meme au Conseil de Fri¬ 
bourg 1 —, avait preconise 6veque de Lausanne le maitre de la chapelle 
et conseiller du duc de Savoie. L’empereur n’eut plus qu’ä s’incliner. 
Dans une lettre du 16 octobre 1493 *, adress6e ä la duchesse Blanche 
de Savoie, il rappelle que l’eveque de Lausanne, 6tant prince du Saint- 
Empire, ne relevait d’aucun autre prince, pas meme celui de Savoie. 
et que c’6tait ä l’empereur seul ä prdsenter un candidat. Cependant, 
par gain de paix et k la demande meme du protonotaire de Salins, il 
renonfait k exiger reparation, k la condition toutefois que la duchesse 
accordät ä son protege le premier ev£ch6 vacant ä venir, ce dont la 
duchesse d’ailleurs ne se soucia pas. 

1 Bibi. canl. de Fribourg. Coli. Girard, t. XII, f. 76. Eubel, Hierarchia. Il, 
192. Wirz, Regesten, V, n' 439, A. V. L. Poncer, Bulles, n' 2. 

* A. C. V. Sörie C I b, n' H. 


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3i 


L’incident, en definitive, n’avait fait qu’affirmer davantage l’in- 
fluence pr6ponderante du duc de Savoie sur l’evech£ de Lausanne, 
influence que ni Ie Chapitre, ni les villes de Berne et de Fribourg, ni 
nieme l’empereur ne pouvaient contrebalancer ä Rome. 

La carrtöre d’Aymon de Montfalcon 

Le nouvel 6v£que de Lausanne, Aymon de Montfalcon, n etait 
plus un jeune homme. II pouvait avoir environ cinquante ans. II appar- 
ti-nait ä une importante famille du Bugey, que Ton eite d6jä ä la fin 
du onzieme siede, et qui, ä l’gpoque ofi nous sommes, possedait la 
baronnie de Flaccieu et plusieurs autres terres V II 6tait le cinquidme 
fils de Guillaume de Montfalcon et de sa femme Marguerite, laquelle 
etait soeur d'un ancien chanoine de Lausanne, Urbain de Chevron- 
Villette, qui avait 6te 6veque elu de Gen£ve et mourut archevSque 
de Tarentaisc. Une des soeurs d’Aymon, Alice, avait epouse Claude 
de Montferrand, fr&re de l'6veque Benoit. Neveu et beau-frdre d’dveques, 
Aymon ne pouvait etre surpris de sc trouver un jour place au memc 
rang qu’eux. 

On ne sait quelle universite ^ymon fr£quenta : ce fut peut-6tn 
ä Turin qu’il acquit le titre de docteur en droit canon. II se destina 
tuut d’abord ä la vie religieuse et, ä la fin de sa vie, le pape L6on X 
L qualifie de profös de l’Ordre de Saint-Benoit *. L’historien Guichenon 
l’a trouvS, en effet, religieux, puis aumönier du monast£re b6n6dictin 
de Saint-Rambert de Joux en Bugey, et, d&s 1471, Aymon nous appa- 
ra it comme prieur d'Anglefort, un prieure rural döpendant du couvent 
d’Ambronay, et qui se trouve ä une lieue de Seyssel, sur la route de 
Belley. II est ä croire que le futur 6veque fut simplement pourvu des 
bfnefices du prieur^ et de l'aumönerie — b6nefices d’un revenu m£- 
diocre d’ailleurs — , car, dds cette epoque, nous le voyons ä la cour 
de Chambery. Aymon de Montfalcon, prieur d’Anglefort, est nomme 
eonseiller ducal k rdsidence continue, par brevet du 11 septembre 1471 3 . 
Ou ne peut guöre lui donner alors moins de trente ans. 

Deux ans plus tard, Aymon de Montfalcon, qualifie alors de prieur 

Coyse, d'Anglefort et de Douvaine, est envoy6 ä Rome par l’un 
des princes de Savoie, Louis, ä qui sa femme a apporte les beaux titres 

1 Fobas, Armorial de Savoie, t. IV. p. 92 et suiv. 

5 Gallia Christiana, t. XV, n* 65 . 

■ A. C. V., Sirie II, 206. 


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32 


de roi de Jerusalem, de Chypre et d'Armönie, et qui voudrait bien 
entrer en possession de son royaume de Chypre tout au moins. Aymon 
est chargö par le roi in partibus d’aller intercöder le Pape en sa faveur 
(diplöme du 24 döcembre 1473 ) 1 . En outre de l’acte de nomination, 
on conserve encore, aux archives de l’Etat de Vaud, une lettre de 
Louis invoquant, par l’intermödiaire d’Aymon, l’appui du puissant 
Cardinal de Rohan. Toutes ces instances, helas, furent vaines, et le 
roi Louis n’eut finalement d’autre ressource que d’aller mourir dix ans 
plus tard au cölöbre ermitage de Ripaille, dont Aymon de Montfalcon 
ötait aussi devenu prieur, dös l’annee 1476. C’ötait une Charge im¬ 
portante dont la possession tömoignait surtout de la considöration 
de plus en plus grande dont le bönöficiaire jouissait k la cour de Savoit 
Au moment des guerres de Bourgogne, le I er juillet 1476, la duchesst 
Yolande de Savoie, se trouvant k Genöve, ordonna k Aymon de Mont 
falcon, protonotaire apostolique et prieur de Ripaille, ainsi qu’ä son 
fröre Pierre, öcuyer ducal (un autre fröre, Georges, fut aussi öcuyer 
et, en outre, bailli du Bugey), de se rendre k Seyssel et en Bugey, afin 
de recommander aux baillis et aux autres officiers ducaux de prendrr 
les mesures nöcessaires au maintien de l’ordre * 

Pendant les dix annöes qui suivirent, on vit Aymon de Mont 
falcon assumer röguliörement sa part de travail au conseil ducal, se 
familiarisant de plus en plus avec les dötails de radministration en 
möme temps qu’avec les grandes affaires politiques, et son influence 
devint teile que le roi de France Charles VIII jugea bon de se l’attacher 
k son tour. II le traite de « eher et föal conseiller * dans une confirmation 
de revenus qu’il fit, le 12 juin 1489 *, k l’abbaye de Hauteröt, dom 
Aymon venait tout justement d’ötre nommö abbö commandataire 
Retenons cette dignitö nouvelle de conseiller du roi de France, qu’obte- 
nait, aussi k ce moment möme, Benoit de Montferrand : eile döploiera 
quinze ans plus tard toute sa signification. 

Conseiller du roi, conseiller du duc, abbö de Hautcröt, prieur de 
Ripaille et de Douvaine, d'Anglefort et de Coyse, en möme temps 
que doyen du döcanat de Ceyserieu au diocöse de Genöve et recteur 
de Saint-Andrö, Aymon de Montfalcon ötait ainsi devenu de toutes 
maniöres un gros personnage. Röcompensant des dömarches qu’il avait 

‘ Id., Sirie II, 208 bis et IV, 573. 

* Mandat de la duchesse Yolande de Savoie au prieur de Ripaille, Aymon de 
Montfalcon, du 1" juillet 1476, A. C. V., Sirie C II, 210. 

* A. C. V., Sirie C I. 3 . 


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33 


faites, l’annfe pr6c6dente, ä Rome, pour arranger un litige entre le duc 
de Savoie et l’6v6que de Sion, la duchesse Blanche nomma encore, 
le I er juin 1490 1 , Aymon maitre de la chapelle et des chantres du duc, 
avec un traitement annuel de 300 florins, en meine temps qu’on lui 
renouvelait sa patente de conseiller, valant plus de 1,000 florins (18,000 
f ran cs). 

Par la multiplicite et la varietS des charges qu’il avait remplies 
et l'6tendue de ses connaissances, le nouvel eveque de Lausanne m6ritait 
donc bien la confiance que l’on mettait en lui, et, dans les delicates 
fonctions auxquelles le Saint-Si&ge l’appelait enfin, il la justifia certai- 
nement. 


L’mstalla 


!•_ 


* • • 


da noavel 6v§que 


Aymon de Montfalcon se trouvait 4 Turin, le 20 mai, lorsque lui 
parvint la nouvelle de son 616 vation 4 l’6piscopat, qu'il communiqua 
imm&iiatement, comme nous l’avons vu, au Conseil de Fribourg. II est 
possible qu’il ait pris sitöt apr£s le chemin de Rome, car il y avait 
eertaines questions 4 regier. C’est ainsi que le Cardinal Julien de la 
Roväre, le futur pape Jules II, qui avait 6t6 6veque de Lausanne au 

0 

moment de la guerre de Bourgogne, et avait r6signe cet 6vech6 en faveur 
de Benoit de Montferrand, percevait encore 2,000 florins (36,000 fr.) 
sur les revenus annuels de la mense 6piscopale, 6valu6s ä 5,000 ducats 
(300,000 fr.). Le nouvel 6vöque dut les assurer, et il abandonna, en 
outre, 4 Julien, les revenus du prieur6 de Douvaine, en m£me temps 
qu’il c£dait au Cardinal Jean Conti, du titre de Saint-Vital, nous ne 
savons pour quel motif, l’abbaye de HautcrSt * Il re$ut d'ailleurs, 
en compensation, le prieur6 de Lutry, uni de fait, comme celui de 
Saint-Maire, 4 la mense 6piscopale et qu’il conserva jusqu ’4 sa mort *. 

Nous n’avons aucune certitude au sujet de ce voyage de Rome. 
Ce qui est certain, c'est qu’il se trouvait au pays le 5 juin d 6 j 4 et s'occu- 
pait de l’administration de son diocöse. Ce jour- 14 , d'une localit6 non 
dfeignee, il dcrivit au Conseil de Fribourg au sujet des redevances 
en bl6 que lui devaient les bourgeois d'Avenches 4 . Le 15 juin, il 6tait 

1 A C V, Sirie II, ai8. 

* Wirz, Regesten, t. V, n* 442, 

* Id., t. VI, n* 245. Lc chanoine Philippe de Compey administra le prieure de 
Lutry jusqu’ä sa mort, fin 1496, mais il devait servir des pensions ;> l’evöqiie 
Aymon et au Cardinal Julien de la Rovöre. A sa mort, Aymon prit en main 
i'administration directe du couvent. 

4 Bibi. cant. Fribourg, Coli. Girard, t. XII, f. 78. 

REVUE D'HISTOIRE KCCLfe8IASTIQUF. 3 


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34 


au prieurfe de Ripaille. Le Conseil de la ville de Lausanne chargea 
cinq de ses membres (Pierre Grant, Amfedfee de Chissfe, Louis de Russin, 
Claude de Mont et Pierre Chandeleir) d’aller le complimenter et de 
recevoir ses instructions L Le 3 juillet, Aymon de Montfalcon est 
4 Gruyferes. De cette localitfe, il annonce qu’il prendra possession de 
l’Evfechfe et fera son entrfee 4 Lausanne le samedi suivant, et recevTa 
le lendemain dimanche sa consfecration dans la cathedra le ra ferne 1 
Les comptes de la ville de Lausanne nous apprennent en effet que, 
le 9 juillet, l’fevfeque fit son entrfee solennelle dans sa citfe, entourfe de 
plusieurs archevfeques, fevfeques et abbfes, et d’une « copieuse jnultitude ► 
de notables, de bourgeois et d’habitants de Lausanne. De l’Evfeche, 
il descendit 4 la porte Saint-Etienne ofi il prfeta le serment traditionnel 
de respecter les franchises et les libertfes de la ville. Le peuple, qui 
s’fetait portfe au-devant de lui avec des fifres et des tambourins, raani- 
festa une grande joie et il y eut des rfejouissances et des jeux publics 
dans les rues. Le dimanche eut lieu, 4 Notre-Dame, 1 *importante cfere- 
monie de la consfecration, sur laquelle nous n’avons, malheureusement, 
aucun dfetail. Le limdi, huit archers allferent au chätAu Saint-Maue 
lui porter les cadeaux de la ville : une belle ( egrege ) coupe de vermeil 
— le chanoine Louis des Pas avait vendu une coupe d'argent que 
l’orffevre Pierre Dorer avait dorfee, et qui fetait revenue 4 54 livres, 
soit environ 4,000 fr. —, plus 6 flambeaux de cire, 6 boites de dragfees 
et 6 amphores d’hypocras, un vin sucrfe et aromatisfe dont nos aieux 
fetaient friands. Le nouvel fevfeque fetait complfetement installfe et allait 
pouvoir donner sa mesure. 

La rfeforme de la discipline et des morars 

La carrifere fepiscopale d’Aymon de Montfalcon est 4 fetudier sous 
des aspects divers, et nous saluerons tout d’abord en lui le chef spiritual 
de son diocfese. Dfes le dfebut de son fepiscopat, nous le voyons occupe 
4 assurer la discipline et l’ordre en revoyant les constitutions synodales 
de son grand prfedfecesseur Georges de Saluces, et en les confirmar.t, 
en date du 22 ffevrier 1493 * Ces constitutions furent lues au synode 
diocfesain qui se tint 4 Lausanne le mardi aprfes le dimanche de Qua- 
sitnodo, 16 avril, et auquel neuf abbfes, vingt-cinq prieurs, quinze prfevfets 

1 A. V. L. Comptes de la ville. 1491, f. 3 a. 

* Coli. Girard, t. XII, f. 80. 

* Schmidt et Gremaud, Hist, du diocise, II, 243. 


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35 


« 


; et chanoines, huit doyens, quatre recteurs d’höpitaux et trois Cents 
eures dont la liste nous a etl conservle avaient Itl convils 1 . Ces dlcrets 
(urent ensuite imprimls ä Lyon, tandis que la meine annle 1493, I'im- 
primeur Jean Belot de Rouen imprimait, k Lausanne mime, des missels 
ü’usage du dioclse. Plus tard, en 1500, Jean Belot imprima un rituel, 
puis en 1505 un nouveau missel et en 1509 un brlviaire lausannois. 
Ce furent lä les premiers livres imprimls dans notre diocese, et l'lvlque 
Aymon prit en cela une initiative heureuse, qui fut bientöt imitle 
autour de lui, entre autres par son ami Claude d’Estavayer, Ivlque 
de Belley, le premier Chevalier de l'Annonciade. 

P 

Gardien de la foi, l’lvlque est en mime temps le gardien de la 
morale, et c’est dans le clergl mime qu'il doit veiller le plus jalousement 
a faire observer la plus grande puretl de meeurs. Aymon de Montfalcon 
ne manqua pas k sa mission. Dans son beau livre sur la Cathedrale de 
Lausanne, M. le chanoine Dupraz donne plusieurs exemples caractl- 
ristiques de l’lnergie avec laquelle le prllat veillait k maintenir la 
discipline et les bonnes moeurs dans le clerg! de la cathldrale, faisait 
ses remontrances au Chapitre chargl du droit de correction et ne crai- 
{.rnait mime pas, au besoin, de recourir au bras slculier. En 1507 et 1508, 
ün le voit presider lui-mlme l'enqulte contre les deux Dominicains de 
Berne qui, avec le novice Jetzer, avaient attaqul le dogme de l’Imma- 
culle-Conception et s’ltaient livrls k des sacrillges qui entrainlrent 
leur condamnation. Cette affaire est trop connue pour que nous ayons 
besoin ici d’insister 2 . II en est de mime de celle oü fut compromis, un 
peu plus tard, D. Claude Martignier, d’Estavayer * 

Quelques annies auparavant, l’lveque Aymon de Montfalcon avait 
B dellgul le vice-inquisiteur de la foi, le dominicain Francois Fossaud, 
ducouvent de Lausanne, et son chapelain Pierre Roset, curl de Gruylres, 
pour enquete sur une affaire d’hlrlsie, qui faisait scandale dans la 
region de Dommartin, au coeur du pays de Vaud. Une dizaine d'indi- 

vidus, hommes et femmes, avaient Itl arrltes pour pratiques supersti- 

« 

tieuses et crimes de droit commun, car les pratiques semblent, pour 
plusieurs d’entre eux, n'avoir eu d’autre raison que de llgitimer de 
'Tilgaires crimes. On conserve, aux Archives d’Etat de Vaud, une partie 

1 A. V. L., Corps de ville, A. 181. 

’ Cf. Revue d’histoire ecclisiastique suisse, 1908, p. 1. Pikees inüdites aux 
A - C. V*., Sirie CIII, 80 et 8«. 

1 Apollinaire Dellion, Dictionnaire des paroisses du canton de Fribourg, 
'• V, p. 125 . 


1 


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— 36 — 

des proces-verbaux de cette lamentable affairc *. Le premier accu* 
pr^tend ötre tombö d’un nuage au cours d'un orage de grele, mais er 
n’est, en fin de compte, qu’un vulgaire empoisonneur de Mtail. D’autres 
accuses avouent des crimes contre nature. Ils reconnaissent avoir mangi- 
de la chair d’enfants, qu’ils döterrent gönöralement dans les cimetiires 
l’une des femnies raconte comment eile n’a pu se rendre maitre d'un 
enfant quelle avait voulu etouffer, et qui cria tant et si bien quelle 
dut l’abandonner. Ces individus communiaient ä Päques, et gardaient 
l’Hostie, qu’ils allaient brüler dans une poele a frire. Tels sont les crime* ; 
les plus manifestes de ces hörötiques, et l’övöque, en les poursuivant, | 
ne döfendait pas seulement la religion profan£e, mais les principes de 
morale les plus el£mentaires. 

I 

Les couvents de Samte-Catherine et de Morges ( 

La grossiöretö des moeurs dans certaines campagnes fut sans doutc I 
une des principales raisons qui döterminörent, en 1497, ce prtlat ük 
ä introduire, dans le diocöse, deux nouveaux Ordres religieux, les 
Carmes döchausses et les Cordeliers. Les premiers s’installörent ä Sainte- 
Catherine, au-dessus de Lausanne, qui est aujourd’hui un centre de i 
patinage trös fr6quentö, mais qui, autrefois, n’ötait qu'un modeste 
abri, hospice et chapelle, au milieu d’ime forfit öpaisse, parcourue 
par les Mt es sau vages, sur la route de Lausanne ä Moudon et ä Fn 
bourg, trös penible en cet endroit au gros de l’hiver. C’est lä que k : 
fröre Henri Riou, et quatre autres Cannes, s'installörent, au printemps j 
de 1497 *. Par acte solennel du 13 avril *, l’övöque Aymon de Mont : 
falcon fonda le nouveau couvent ä cötö de l’hospice ruinö, en lTionneur ■ 
de Dieu, de la Bienheureuse Vierge Marie et de sainte Catherine, pour 
le repos de son äme et de celles des membres de sa famille, retenant 
pour le baron de Flaccieu son neveu, le droit de protection du nou 
veau couvent. Vingt ans plus tard, ä la veille de sa mort, le 13 mars ; 
1517, l’öveque donna encore divers biens aux religieux de Sainte j 
Catherine, mais bientöt aprös, ce couvent qui, ä des titres diveis, aurait 
dü rendre de si grands Services, fut emportö dans la tourmente de 
la Röforme 8 

1 A. C. V., Serie A t 29 et C. IV , 628 et 629. Cf. Reymond, Archires suisx* 
des traditions populaires , Bile, 1908, p. 1. 

f M. D. R., t. XXXV, p. a 3 4 . 

1 M. D. R. t. XXXV. p. 234. 


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I 



II en fut de meme du couvent des Cordeliers de Morges, fonde 
en la m€me annee 1497, et dont le R6v. P6re d'Anglade a racont£ 
recemment la br£ve histoire 1 . Aymon de Montfalcon avait du etre 
en rapport avec le fr£re Amable d’Antioche, religieux de la stricte 
Observance, appartenant ä unc importante famille de Savoie, et, d£s 
le d6but de son episcopat, il l’encouragea ä venir £tablir un couvent 
ä Lausanne. II obtint dans ce but, le 4 aoüt 1494 d£jä, une bulle du 
pape Alexandre VI. Mais son projet parait avoir et6 contrecarr£ par 
les religieux conventuels existant d6jä ä Lausanne, k Samt-Francis ; 
d’autre part, les habitants de Morges sollicit^rent la faveur d’avoir 
la nouvelle maison religieuse. L’6v6que finit par condescendre k leur 
desir. II fit acheter le terrain necessaire, le mit, le 10 septembre 1497, 
ä la disposition des religieux franciscains, et, le 24 mai 1500, b£nit 
la premiere pierre de l'6glise. Nous voyons, d&s lors, les Cordeliers 
de Morges exercer leur mission spirituelle dans tout le dioc&se, de 
Romainmötier jusqu’ä Gruyfcres. Mais, ici encore, la R6forme emporta 
l'oeuvre si heureusement commenc6e. En 1530, les Bemois saccag^rent 
1c couvent et l’6glise, que Ton ne put restaurer. 

L’6v£que de Lausanne fut certainement plus heureux lorsqu’il 
appuya, en 1512, le projet d’£ 16 vation de l’6glise Saint-Nicolas en 
coltegiale * II voulait en cela faire plaisir ä l’avoyer et au Conseil de 
Fribourg, qu'il avait .en affection particuliere, ainsi qu’en t6moigne 
la volumineuse correspondance d'Aymon, qui a 6td conserv£e dans 
cette ville. II ne pensait sürement pas que sa derni^re ceuvre serait 
la plus solide et que c’est sur la coll6giale de Fribourg que devraient, 
aprfes lui et pendant plus de quatrc cents ans, s’appuyer ses successeurs 
d&empar6s. 

L’frvöque Aymon et les Laosannois 

Aymon de Montfalcon avait pris le pouvoir ä Lausanne dans des 
circonstances assez difficiles. Son pr£d£cesseur Benoit de Montferrand 
vivait depuis plus de dix ans en conflit ouvert avec les bourgeois de 
Lausanne, ä propos d’autonomie communale. Jusqu’en 1480, la Cit6 
episcopale avait deux administrations distinctes, celle du quartier 
de la Cit6 proprement dit et celle de la ville inferieure comprenant, 
entre autres, les quartiers de la Palud, du Bourg et de Saint-Laurent. 

1 Revue historique vaudoise, 1914, p. 1 3 g. 

* Brasey, le Chapitre de Saint-Nicolas, Fribourg. 191a. 


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- 38 - 

Le 9 juillet 1480, 4 la suite de differends avec l'6vÄque, les bourgeoi> 
de la Cit6 et du Bourg proclam^rent l’union des deux communautfe. 
et ils gagn£rent 4 leurs vues le Chapitre cathMral lui-m£me. Celui-ci 
dtait en train de ratifier l’acte d’union lorsque Benoit, entrant dans la 
salle des s6ances, protesta contre cet arrangement qu’il jugeait contraire 
ä ses droits et prejudiciable aux intärets de la mense 6piscopale‘ 

II r&ulta de cette Opposition des scenes fort vives qui alterent jusqu’ä 
la guerre civile, et la tension entre Benoit et ses administrfe resta si 
vive que plus tard le Conseil de Fribourg ayant intercedS en faveur 
de l'un d’eux, l’avocat Jean Blanchet, un des notables de la rue de 
Bourg, l’6veque lui r£pondit : « Mais voici quatre ans que je ne I'ai 
point vu » *. 

C’est pourquoi, les Lausannois accueillirent avec empressemem 
Aymon de Montfalcon. Ils esperaient entretenir avec lui les meilleu^ 
rapports, et ils ne sc trompaient pas. Les vingt-cinq annees de l'admi- 
nistration d’Aymon furent une p^riode de paix, troublde une fois ou 
deux seulement, pour des questions de comp£tence. C’est ainsi qu’un 
differend rclatif au droit de la ville de Lausanne d’entretenir un h&aut 
4 ses armes, fut port6 jusqu ’4 Rome. Mais, d’une manitre gdnirale 
Aymon laissa les Lausannois s’arranger et se disputer 4 leur guise, 
ce dont ils ne se firent pas faute, se bornant ä faire respecter, parl'admi- 
nistration de la justice, ses droits souverains. Aussi, voit-on les bour 
geois demeurer en bons termes avec lui, lui offrir des cadeaux, envoyer 
en Savoic des d£put6s, lors de la mort de son frtre ou de celle d’un . 
neveu qui avait succomb£ 4 la morsure d’un chien enragc. 

Patient envers les Lausannois — cependant, tr 4 s turbulents ä 
l’epoque — l’fevgque se montra tres energique vis- 4 -vis d'un autn 
adversaire de son autorite, qui n’etait autre que le duc de Savoie en 
personne, celui -14 meme auquel il devait sa nomination. C’est qu< , 

la Situation de l’6v6que de Lausanne 6tait assez singulare, teile que > 

• 

seul le moyen 4 ge pouvait l’admettre. En droit, l’6veque etait un prince 
du Saint-Empire, qui ne relevait que de l’empereur et avait toute au 
torit£ 4 Lausanne, 4 Lutry, ä Avenches, 4 Bulle et 4 Roche. En fait. 
sa ville 6piscopale et ses principales pessessions dtaient enclavdes dans j 
les Etats du duc de Savoie, il etait lui-m6me sujet du duc, comme la . 
plupart des chanoines et des membres de son entourage, et, lorsqu’il 

i 

1 Dictionnaire historique du cant. de Vaud , notice, Lausanne t pnr M. Bk** 0 * 0 | 

* Bibi. cant. Fribourg, Coli. Girard, t. XII, p. 104, c 3 mars (Fannie manque. j 


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I 


39 


venait ä Lausanne, le duc s’y comportait ä peu pr£s commc chez lui. 
II y a plus. Un 6v£que pr£cedent avait accorde l'exterritorialite k unc 
maison que le duc de Savoie poss6dait ä Lausanne, la maison de Billens, 
ä l’entr£e est actuelle du pont Besseres, et le bailli de Vaud y avait 
lä plus qu'un pied-ä-terre. En 1365, l’empereur Charles avait accord* 
au comte Am6d6e V les droits d’un vicaire imperial, avec le pouvoir 
de juger ä Lausanne les causes judiciaires qui etaient portees en appel 
de la cour de l'£v£que ä celle de l’empereur, et, k cause de cela, le duc 
entretenait dans sa maison de Billens un juge d’appel imperial qui 
n’6tait autre que le bailli de Vaud ou son lieutenant. L’6v6que n’avait 
jamais accepte cette Subordination, et protestait chaque fois qu’il en 
avait l’occasion. Quant aux Lausannois, lorsqu’ils 6taient en bons 
termes avec l’gvdque, ils acceptaient les arrets de ses juges, quittes ä 
recourir quelquefois ä l’archevöque m£tropolitain de Besan^on ou ä 
Rome; mais, d£s qu’il y avait du froid entre la Palud et l’Ev£ch6, le 
juge de Billens reprenait de l’importance. Or, nous constatons que par 
deux fois, en 1502 et en 1510, l’6v£que protesta auprfcs de l’empereur 
contre la concession du vicariat imperial au duc de Savoie, et que, 
pendant son episcopat, le juge de Billens fit assez peu parier de lui. 
II fit de semblables protestations k Genöve, au nom de l’6veque de cette 
ville, dont il administra pendant douze ans les biens, de 1497 k 1510. 

Au surplus, les questions de juridiction £taient si enchev£tr£es 
au moyen äge que personne ne voyait d’anormal aux relations de l’6v£que 
avec le duc de Savoie. Elles etaient d’une complexite plus grande encore, 
puisque le duc 6tait lui-mfcme vassal de l’6v£que de Lausanne et lui 
prÄtait hommage — ainsi en 1498 le duc Philibert ä Aymon '— pour 
quelques-unes de ses possessions, notamment Moudon et Vevey qui 
relevaient primitivement de l’6vfique comte de Vaud. Et personne non 
plus ne trouvait etrange que l’lvdque, prince ind£pendant, servit 
deux maitres, le duc de Savoie et le roi de France, alors meme qu’ils 
äaient en conflit avec l’empereur son propre souverain, et c’est lä 
aussi une des faces les plus interessantes de l’activite d’Aymon de 
Montfalcon. (A suivrc.) 



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Zur Geschichte 

des eidgenössischen Bettages. 

Von P. Gabriel MEIER, Einsiedeln. 


Lic. W. Hadorn hat in den «Blättern für bemische Geschichte. 
Kunst- und Altertumskunde *, Jahrg. II-IV (1906 ff.) eine Geschichte 
des «Eidgenössischen Dank-, Buß-und Bettages * veröffentlicht, «mit 
besonderer Berücksichtigung der bemischen Geschichte ». Er findet 1 
die ersten Ursprünge des eidgenössischen Bettages in den großen Bitt¬ 
gängen, Ablässen und « Romfahrten », von denen namentlich die zweite i 
Hälfte des 15. Jahrhunderts so reich ist. In der Reformationszeit j 
verschwinden in den evangelischen Kirchen diese Veranstaltungen eine 
Zeit lang ganz von der Bildflächc, um in der nachreformatorischen Zeit | 
wieder auf sie zurückzugreifen. Die erste Spur eines gemeinsamen ! 
Bettages reformierter Stände ist eine Aufforderung Genfs im Jahre | 
1572, einen gemeinsamen Bußtag zu feiern im Hinblicke auf die Ver- < 
folgung der Hugenotten in Frankreich. Der erste gemeinsame Bettag 1 
der Reformierten ward 1639 gehalten. Ihr Beispiel scheint bei den ; 
Katholiken Nachahmung gefunden zu haben. An ihrer Konferenz vom 
30. Dezember 1643 beschlossen sie, Andachten und Bettage anzuordnen, 
und wo es von Nöten ist, der im Schwünge gehenden Üppigkeiten halber 
ein Einsehen zu tun. Die erste gedruckte Bettagsproklamation, die | 
wir kennen, erschien 1649 * n Bern. • 

Die Bettage fanden nicht regelmäßig statt und nicht gemeinsam 1 
mit den getrennten Konfessionen. Die Obrigkeiten der reformierten 
Kantone verordneten solche nach Lage der Umstände ; bei den Katho- ( 
liken ist es die kirchliche Behörde, je nach Umständen von der weit- ; 
liehen Obrigkeit darum angegangen, welche Zeit, Art und Weise • 


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— 4 r — 

bestimmt. Während Hadorn sich hauptsächlich mit der Westschweiz 
und den reformierten Kantonen beschäftigt, möchte ich einige Ergän¬ 
zungen dazu aus der Ostschweiz und von katholischen Orten bringen, 
d:e noch wenig bekannt sind. Ich schöpfe diese aus den handschrift¬ 
lichen Tagebüchern des Klosters Rheinau, welche, von verschiedenen 
Händen aufgezeichnet, sich zwar auf einen engen Kreis beschränken, 

■ y 

’■ aber zuverlässige Nachrichten bieten. 

P. Cölestin Schindler berichtet von einem furchtbaren Sturm, 
der am Sonntag, den 18. Januar 1739 weitum gewaltigen Schaden 
anrichtete. In Zürich soll ein Haus eingestürzt sein, wobei drei Personen 
unkamen. In Bülach und Glattfclden wurden mehr als 11,000 Bäume 
zu Fall gebracht. In Kaiserstuhl wurde die obere Kirche beschädigt. 
Die Zürcher und Schaffhauser hielten einen feierlichen Buß- und Fasttag, 
um Gott zu versöhnen wegen des hauptsächlich durch den Sturm er¬ 
littenen Schadens. Es wurden für diesen Anlaß besondere Gebete 
gedruckt. Auch die Katholiken hielten besondere Andachten. In 
Rheinau wurde das 40-stündige Gebet vor ausgesetztem Hochwür¬ 
digsten Gute gehalten. Der Anfang geschah am 1. Mai, der als Festtag 
der heiligen Apostel Philipp und Jakob ein Feiertag war. Das Sanktissi- 
mum wurde morgens 5 Uhr ausgesetzt, worauf 10 Anbetungsstunden 
gehalten wurden bis nachmittags 3 Uhr. Auch die Bewohner von 
Altenburg fanden sich dabei ein. Der zweite Bettag war Sonntags, 
den 3. Mai. Es wurde eine Prozession mit dem Allerheiligsten gehalten 
und dabei die Litanei von der Mutter Gottes deutsch gesungen. Das 
Volk antwortete : Bitt für uns ! Streit für uns ! Den 7. Mai, am Tage 
Christi Himmelfahrt, war der dritte Bettag und am Sonntag darauf 
der letzte mit feierlichem Schluß. Es wurden zwei Ämter gesungen ; 

. nach der Vesper war Prozession mit dem Hochwürdigsten Gute auf dem 
Platze vor der Kirche, wobei die Litanei vom Namen Jesu deutsch 
gesungen wurde. Der Segen mit dem Allerheiligsten bildete den Schluß 
des 40-stündigen Gebetes. 

Im Jahre 1748 hielten die Reformierten des Thurgaus ihren Bettag 
Ifangs September. Soviel ergibt sich aus einer Notiz im Tagebuch 
des Abtes Bemard Rusconi. 

Im Jahre 1756 verordnete der Bischof von Konstanz, Kardinal 
Pranz Konrad von Rodt, für seine ganze Diözese öffentliche Gebete 
und außerordentliche Fasten wegen dem Kriege zwischen Maria Theresia 
und Friedrich von Preußen, nach dem Vorbilde der Niniviten, weil 
d*s Volk noch in Schrecken war wegen dem Erdbeben von Lissabon, 


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_ 42 — I 

welches am 1. November des vorhergehenden Jahres die Welt erschreckt 
hatte. Zu Rheinau wurde der Bettag am 3. April gehalten. ■ 

Im Sommer 1758 richtete der Regen vielen Schaden an. Der Kardi¬ 
nalsbischof von Konstanz verordnete für den glücklichen Erfolg der 
österreichischen Waffen gegen den König von Preußen und zur Ab¬ 
wendung des Unwetters eine 9-tägige Andacht. Sie dauerte vom 13. Mai 
bis zum Dreifaltigkeitssonntag, den 21. Mai. An allen Tagen soll das 
Sanktissimum ausgesetzt, der Rosenkranz gebetet und der Segen; 

I 

erteilt werden. ! 

In der teuren Zeit des Jahres 1771 befahl der Bischof, deswegin j 
Bettage zu halten. Der erste war am 28. April, der zweite am 26. Mai. • 
der dritte am 30. Juni, der vierte und letzte am 11. August. j 

Nachdem der erste Koalitionskrieg (1792-1797) ausgebrochen war, 
schreibt der Pfarrer von Rheinau, P. Roman Fischer, am 5. April 1 
1793 in sein Tagebuch : Der Bischof von Konstanz erließ am 17. MärZ' 
eine Bulle (!) an die Diözesanen, welche dem Reiche und Österreich' 
unterworfen sind, worin Gebete vorgeschrieben werden für den glück- 1 
liehen Erfolg der Waffen gegen die Franzosen, welche Feinde der 
Religion und der legitimen Ordnung sind. Es wird ein 10-stündigo 
Gebet vor ausgesetztem Hochwürdigsten Gute angeordnet. Die 
Schweiz, weil neutral, wurde davon nicht betroffen. Der Pfarrer von! 
Rheinau verlas daher die Verordnung bloß in Altenburg, welches eine 
halbe Stunde entfernt, am rechten Rheinufer gelegen ist und damals : 
noch zur Pfarrei Rheinau gehörte. I 


Im Jahre 1794 hielten Katholiken und Reformierte zum erstenmal 
gemeinsam einen Bettag am 14. März. Nach Rheinau kam die Anzeige 
davon ziemlich überraschend durch ein Zirkular des Landvogtes in , 
Frauenfeld namens des Vorortes Luzern. Ein Eilbote überbrachte es | 
am Freitag mittag, den 14. März. Da eine Verkündigung in der Kirche j 
nicht mehr möglich war, mußte der Stadtknecht von Haus zu Haus 
die Anzeige machen. Der Bibliothekar, P. Blasius Hauntinger, schreibt 
in seinem Tagebuche zum Sonntag, den 16. März : « Heute war in der 
ganzen Eidgenossenschaft bei Katholischen und Reformierten ein 

allgemeiner Bettag. Die Absicht dessen ist, Gott dem Allmäch 

tigen Dank zu sagen für die große Gnade, daß er unser Vaterland vor 
dem Kriege bis jetzt noch so gnädigst erhalten und ihn inbrünstigst 


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— 43 — 

zu bitten, daß er uns ferner vor demselben beschütze und uns den 
Fneden immer schenken wolle. » 

Es wird hierauf, weil es das erstemal ist, die Gottesdienstordnung 
mitgeteilt, zur Orientierung für später. Neu ist die Predigt, «den 
Umständen angepaßt. * Darauf wurde das Sanktissimum zur Anbetung 
ausgesetzt und von 10-3 Uhr Betstunden gehalten. Eis wurden im 
Ganzen 15 Rosenkränze gebetet. Darauf folgten Vesper, Prozession, 
Te Deum laudamus und zum Schlüsse der Segen. Das Volk zeigte 
große Andacht und Erbauung. 

P. Januarius Frey hat seinem Berichte noch eine Notiz über die 
Feier des Tages in Muri beigefügt. Dort ging morgens das ganze 
Konvent in Prozession in die Pfarrkirche, wo eine Predigt gehalten 
und das Allerheiligste ausgesetzt wurde. Vor demselben wurden 3 Rosen¬ 
kränze gebetet und das «allgemeine Gebet *. Am Nachmittag kam 
das Volk in die Stiftskirche, wo die gleiche Andacht gehalten ward. 
Die Reformierten in Zürich hielten 3 Predigten, diejenigen in Schaff¬ 
hausen 4. 

Ein Jahr später, am 15. März 1795, fand wieder eine Bettagsfeier 
statt, ganz wie im vorigen Jahre. Es war ein Dank- und Bittfest für 
Abwendung der Kriegsgefahr. Der Bischof von Konstanz hatte vom 
Papste hiefür einen besondem Ablaß verlangt. Zu Luzern wurde die 
Andacht 3 Tage nacheinander gehalten, mit höchster Erbauung. 

Wieder ein Jahr später, den 10. April 1796, am zweiten Sonntag 
nach Ostern, war in der ganzen Schweiz ein allgemeiner Bettag zum 
Danke für die Bewahrung des Friedens verordnet. Auf Ansuchen der 
katholischen Stände erließ der Bischof von Konstanz ein Kreisschreiben, 
•folglich auch einmal in Ordnung», bemerkt dazu P. Blasius Haun- 
tinger. Die Gottesdienstordnung war die gleiche wie im Jahre vorher. 

Not lehrt beten und zusammenstehen. Aber auch der Geist der 
Zeit, das llluminatenwesen, der Rationalismus und der Josephinismus 
des 18. Jahrhunderts machten die religiösen Gegensätze weniger em¬ 
pfindlich, die verschiedenen Bekenntnisse gegen einander verträglich. 
So kam der Beschluß der Tagsatzung zu Frauenfeld vom 4.-28. Juli 
1796 zustande, was bisher freiwillig geübt worden, in eine bleibende 
Einrichtung zu verwandeln, die jährliche Feier eines eidgenössischen 
Bettages. 1 Freiburg nahm die Sache bloß vorläufig an, unter Vorbehalt 

1 Amtliche Sammlung der Eidgenössischen Abschiede, Bd. VIII, Nr. 228 , 

S. 226, 4. 


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— 44 — | 

der Ratifikation. Gleichzeitig wurde die nächste Feier auf Donnerstag, ’ 
den 8. September 1796, angesetzt. 1 Es war der katholische Feiertag 
Mariä Geburt, an dem in Rheinau Prozession stattfand. Sonst war die 
Feier wie in frühem Jahren. • 

1797 wurde sie für alle Zukunft auf den Sonntag verlegt, auf Wunsch J 
der katholischen Stände, da sie ohnehin viele Feiertage hätten und < 
die Landleute die Zeit zur Arbeit brauchten. 2 So wurde er am Sonntag. ! 

den 17. September, gehalten. : 

\ 

1798 brachte den Untergang der alten Eidgenossenschaft und die 1 
helvetische Einheitsverfassung. Stapfer, Minister der Künste und t 
Wissenschaften, dem auch die kirchlichen Angelegenheiten zuständig ' 
waren, erließ am 3. August ein Kreisschreiben an die 19 Kantone, ; 
worin auf den 19. September ein allgemeines Bitt- und Dankfest an- • 
geordnet war. In Rheinau verlief es «NB sehr erbäulich» schreibt j 
P. Blasius, aber an andern katholischen Orten wurde es nur wenig i 
gefeiert. Im Kanton Luzern wurde es von einigen Landpfarrem aui : 
Sonntag, den 9. September, verschoben, jenen 9. September, der m ; 
Unterwalden als « der schreckliche Tag * noch heute nicht vergessen ist. ! 

Der Sonntag am 8. September 1799 wurde wohl kaum allgemein j 
gefeiert, wohl aber Donnerstag, den 14. September 1800, ein allge ; 
meiner Buß- und Danktag, « für die Wohlfahrt Helvetiens, der ganzen 
Menschheit und die Hoffnungen eines baldigen dauernden Friedens, j 
nach gepflogener Korrespondenz beider Religion Dienern und daß j 
dies Fest mit Würde und Erbauung gefeiert werden soll. » So schreibt j 
P. Michael Wey, damals Pfarrer von Mammem im Thurgau, dessen Auf- j 
Zeichnungen auch die Berichte über die folgenden Jahre entnommen j 
sind. ; 

Am 30. August 1801 verkündet der Regierungsstatthalter Sauter < 
von Frauenfeld einen allgemeinen Buß-, Bet- und Danktag für beide i 
Religionen auf den 13. September, Sonntag nach Maria Geburt. Alle ; 
Wirts- und Schenkhäuser sollen geschlossen bleiben, desgleichen die 
Kramläden. Alles Spielen, Kegeln, Tanzen, Jagen, ist aufs Strengste 
verboten usw. 

Die gleiche Verordnung ergeht für den 12. September 1802. Die 
Proklamation des Statthalters sagt: Der Allgütigste ist es, der die 
Revolution schonend vorübergeführt hat, daß wir nicht ganz auf- . 

1 Daselbst, Nr. 230, S. 233, a. 

1 Daselbst, Nr. 241. S. 260, <1. 


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gerieben wurden. 1803 beschloß die Tagsatzung, den Bettag am 
8. September wieder zu feiern. 1804 bestimmte sie den ersten Donnerstag 
im September. Der kleine Rat von Frauenfeld verlegte sie auf den 
zweiten Sonntag im September, im Jahre 1805 auf den 7. September, 
1806 auf den 8., desgleichen 1807. Im Kloster Rheinau ward 
Kapitelsberatung gehalten, wie der Bettag zu halten sei. Man entschied 
sich für den 8. September und so blieb es in den folgenden Jahren, 
1810 ausgenommen, wo der 9. September gefeiert wurde. Während 
der Kriegsjahre mahnen die Bettagsmandate der Thurgauer Regierung 
zum Danke gegen Gott für die Verschonung vor den Greueln des 
Krieges. « Pest und Hunger haben uns nicht berührt ; wir sind im 
Überfluß. » 1814 heißt es : «Ein Jahr voll der denkwürdigsten Ereig¬ 
nisse für den ganzen Erdkreis ging unter dem besondern Schutze Gottes 
vorüber. Wir haben Überfluß an Lebensmitteln. * 

1815 erläßt der Generalvikar Göldlin von Tiefenau ein Zirkular 
an die Pfarrämter, worin der von der Tagsatzung bestimmte Bet- 
und Danktag angekündigt wird. Er erinnert an die Herstellung des 
Tempels in Jerusalem und das sichtbare Walten der Vorsehung und 
ordnet einen vor- und nachmittägigen Gottesdienst an. Ähnlich wird 
der Bettag 1816 am Donnerstag, den 5. September, gehalten, doch ist 
er kein gebotener Feiertag. 1817 hielten die Graubündner den Bettag 
am Sonntag, den 7. September, die Katholischen am 8., die Evange¬ 
lischen am 11. «Ein neuer Beweis der Einigkeit», bemerkt ironisch 
Abt Januarius Frey. 1818 fiel im Kanton Zürich der «politische 
, Feiertag* auf den 10. September, 1819 auf den 9., einen Donnerstag. 
Die Proklamation der Regierung war geeignet, das Bedenken der 
Katholiken zu erregen : « Alle Glieder unserer vaterländischen Kirche 
versammeln sich an diesem Tage. Man soll danken wegen der Erinne 
ning, daß vor 300 Jahren das große Werk der Glaubensbesserung 
begonnen. » In Rheinau ward nicht gearbeitet, eine Festfeier aber 
*ard nicht gehalten. 

Der 8. September 1820 war wieder der allgemeine Bettag in der 
ganzen Schweiz. 1821 aber schreibt Abt Januarius : Auf den 6. Sep¬ 
tember war von Zürich der allgemeine Bettag ausgeschrieben, dem sich 
Schaffhausen anschloß. Aber Freiburg und Solothurn halten den 8., 
* ^dere den 9., andere den 13. «Das ist ein Beweis der allgemeinen 
Einheit.» 1822 ist der « Nationalbettag * Donnerstag den 5. September. 
Er wird gefeiert wie der Sonntag in der Fronleichnamsoktav, ohne 
Tc Deum ; am Nachmittag wird ein Rosenkranz gebetet. Das Gleiche 


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— 46 — | 

ist der Fall am 11. September 1823. Aber 1824, am 9. September, ! 

lesen wir : Das meiste Volk verließ nach der Messe die Kirche, deswegen ; 

% 

ward das Sanktissimum nicht ausgesetzt und der Tag wie ein gewöhn- , 
licher Sonntag gefeiert. Zum 8. September 1825 schreibt Abt Januarius: 

« Es war der allgemeine Bettag, aber die meisten Rheinauer gingen ' 
noch vor der Wandlung hinweg, welches geahndet wurde. » das heißt 1 
wohl, daß es in der Predigt gerügt ward. Im Kloster Paradies im ; 
Thurgau wurde das Sanktissimum am Vor- und Nachmittag ausgesetzt. 
Zum Jahre 1826 finde ich keine Notiz über den Bettag : 1827 heißt : 
es am 6. September : Heut war der Zürcher Bettag. Das Sanktissimum ! 
ward nimmer ausgesetzt, weil das Volk nach der Pfarrmesse immer ( 
auslief. Eis wurde daher ohne weitere Zeremonien der Gottesdienst i 
wie an gemeinen Sonntagen gehalten. 1828 fällt der Bettag der Zürcher 
auf den n. September, 1829 auf den 10. An diesem Tage waren viele ; 
Kommunionen, schreibt der Beichtiger im Paradies. 

III. 

Am 9. September 1830 schreibt Frater Leodegar Itieichen, der 
spätere Abt von Rheinau, in sein Tagebuch : « Heute war der allgemeine 
Bettag, der in den protestantischen Kantonen so strenge gehalten ! 
werden muß. Warum er eigentlich eingesetzt ist, weiß ich nicht j 
Etwas Protestantisches muß er beabsichtigen, weil er den Katholiken ; 
nicht so gar angenehm, beinahe verhaßt ist. — Aber auch wir können j 
ihn gut anwenden, wenn wir nur wollen. > Eine spätere Hand hat mir 
Bleistift diese letzten Worte durchgestrichen. Ähnlich lautet dir 
Ansicht Hadoms (a. a. O. IV. 59) : « Es ist übrigens nicht zu verwundern, 
daß der Bettag bei den Katholiken nicht mehr Anklang fand, da er 
aus dem reformierten Bettag hervorgegangen und die ihm zu Grande 
liegende Idee eines vaterländischen Feiertages dem Wesen des Katho¬ 
lizismus fremd war. * Bern beklagte sich 1812 an der Tagsatzung, 
daß der Bettag in den katholischen Kantonen mit so wenig Stille 
und Feierlichkeit begangen wurde. Die Reformierten Ijielten ihn 
besonders auch als Bußtag, ja als Fasttag, an welchem man sich des 
Fleischessens enthielt. Heißt er ja heute noch in der französischen 
Schweiz « le jeüne föderal ». 

Allgemein empfand man es mit Bedauern, daß, wie in andern 
Dingen, es an Einigkeit fehlte, so auch bei der Feier des Bettages. 
Um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu beleben und zu stärken. 


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- 47 — 

schien eine gemeinsame religiöse Feier das geeignetste Mittel. Dieser 
Gedanke wurde an der Tagsatzung zu Luzern im Jahre 1831 von der 
aargauischen Gesandtschaft auf die Tagesordnung gebracht und durch 
ihren Sprecher, Karl Bertschinger von Lenzburg, in einer begeisterten 
Rede begründet. Der Erfolg war : « Die Tagsatzung spricht ihre lebhafte 
Freude aus, daß im gegenwärtigen Jahre, wo die göttliche Vorsehung 
so sichtbar über dem Vaterlande gewaltet und die drohenden Gefahren 
von demselben gnädig abgewendet hat, der nämliche Tag alle Eid¬ 
genossen in dankbarem Gebet zu dem Allerhöchsten vereinigen würden. » 
Es wurde eine Kommission ernannt, um im nächsten Jahre einer 
Antrag einzubringen. So geschah es, und «am 1. August 1832 ist ein¬ 
stimmig beschlossen worden, der gemeine eidgenössische Dank-, Bü߬ 
end Bettag soll künftig in allen Ständen der Eidgenossenschaft am dritten 
Sonntag im Herbstmonat gefeiert werden ». 1 So wurde es seither gehalten. 
Eine erhöhte Bedeutung erhielt die Bettagsfeier bei den Katholiken 
durch die Mandate der Bischöfe, welche seit Jahren an diesem Tage 
in den Kirchen verlesen werden und ein zeitgemäßes Thema besprechen. 

Zum Schlüsse noch eine Notiz aus dem Tagebuche des P. Deodat 
Kälin. Er schreibt zum 18. September 1842 : «Der Nuntius war in- 
Rheinau, firmte und las privatim Messe. Der Auditor aber sang die 
Konventmesse feierlich vor dem ausgesetzten Sanktissimum wegen 
dem gewohnten eidgenössischen Bettage. » In der Folge geschieht 
des Bettages in Rheinau nicht weiter Erwähnung. Das ist es, was ich 
aus seiner Vergangenheit auffrischen wollte. 

1 Repertorium der Eidgenössischen Abschiede von Fetscherin, I, Nr. 886. 





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Kirchenpolitisches aus Basel 

1323 - 1346 . 


Von Dr. Otto FÄRBER. 


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Basel gehört zu den Städten, die während des Kampfes Ludwig 
des Bayern mit dem Papsttum in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert* 
unter das in der Kirchengeschichte beispiellose Interdikt fielen, ohr.r 
offene Parteinahme für König Ludwig, nur unter dem Drange der 
Verhältnisse. Über die Haltung Basels, sowie über den Zeitpunkt 
der Interdizierung der Stadt fehlte bis jetzt eine klare Feststellung 
Zur Verwirrung hat noch der kurze Bericht des Propstes Heiden | 
reich beigetragen. 1 ! 

Daß Basel bis zuletzt zu den kirchen- und papstfreundlicher . 
Städten gehörte, beweisen auch die zeitweiligen Suspensionen des Inter¬ 
diktes unter den Päpsten Johann XXII. und Klemens VI. ; denn diey j 
wurden nur solchen Städten, Gemeinwesen und Herrschaften erteilt 
die an sich kirchenfreundlich und bloß der Gewalt oder dem Druck; 
der Verhältnisse erlegen waren. Am besten betrachtet man die Basic; 
Kirchenpolitik an der Hand der Vatikanischen Akten, die fast dir 
einzige, aber auch sehr ergiebige Quelle darstellen. 

Der damalige Bischof von Basel, Gerhard von Wippingen, ein öster- ■ 
reichischer Parteigänger *, publizierte den Prozeß vom 8. Oktober 1323 
gegen Ludwig den Bayer in der Stadt Basel sofort und teilte ihr; 
zwecks Bekanntmachung am 7. Januar 1324 den Dekanen der beiden 
Dekanate diesseits . des Rheins und jenseits des Ottensbühe! 
(Oberelsaß) mit. * Strafen droht er nicht an, Übersetzung in dir ; 

Muttersprache wird dringend befohlen. Ein Exemplar des gleicher j 

\ 

9 

1 Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliothek*n. j 
XI (1908). 70. j 

* Müller, Der Kampf Ludwigs d. B., S. 141. J 

3 Mon. Germ, hist., Constt. V. Nr. 838. S. 661. Z. 1-3. Riexler , Vat. Akt. j 
Nr. 342. 170. j 


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Prozesses wurde dem Bischof später noch durch einen Brixener Geist¬ 
lichen, Giselbert, am 2. März zugestellt, wofür er dem Papst die Em¬ 
pfangsbescheinigung ausstellt. 1 Die übrigen Prozesse wurden alle 
ebenfalls vom Bischof korrekt und eifrig bekannt gegeben, wodurch 
er sich einen der bekannten Lobesbriefe erwarb. * 

Bis 1330 entging Basel dem über die Anhänger Ludwigs verhängten 
Interdikt. Indessen tobten die Leidenschaften der Parteiungen, ein 
privater Kirchenstreit in seinem Innern. 

Bischof Gerhard von Wippingen starb am 17. März 1325. * Wäh¬ 
rend dessen letzter Krankheit reservierte sich Johann XXII. die Be¬ 
setzung des Basler Stuhles 4 (25. März) und ernannte am 30. März 
1325* den Dekan von Langres, Johann, Sohn Johanns, Herrn von 
Arlay, aus dem Stamme der Grafen von Bourgogne und Chälons-sur- 
Saöne 4 , unter Erteilung von Altersdispens zum Bischof. Das Kapitel 
jedoch, gesonnen, sein schon durch Klemens V. entzogenes Wahlrecht 
wieder zu erlangen, hatte geglaubt, dies am ehesten dadurch erreichen 
zu können, daß es den Papst einer vollendeten Tatsache gegenüber¬ 
stellte und war zur Wahl geschritten. Aus ihr ging als Bischof hervor 
Hartung Münch aus der mächtigen Basler Familie. 7 So gelang es dem 
rechtmäßigen Bischof nicht, von seiner Kirche Besitz zu ergreifen. 8 
Die päpstlichen Prozesse, die gegen Hartungs Anhänger gerichtet 
wurden, fanden keine Befolgung ; es kam zu den gröbsten Ausschrei- 

1 MG. Constt. V. Nr. 871, 684. cf. Müller, ebd. 

* MG. Constt. V, Nr. 966, S. 804. 

5 Vautrey, Histoire des Evfiques de BAle (1884), p. 328. 

* Vat. Akt. Nr. 459. 212. Abh. Münch. Akad. xvii (1883), p. 165. 
Nr. 212. Capitulo eccl. Basil. : « Ad eccl. Basil. paterne dirigentes considerationis 
aflectum eidemque volentes, si nunc vacat vel quam primo vacaverit, de pastore 
ydoneo .... providere, provisionem .... nobis et sedi apost. specialiter duximus 
reservandam.» Die Worte : si nunc vacat etc. glaube ich richtig gedeutet zu haben. 

* Dieses Datum hat Preger, Abh. Münch. Akad. xvn (1883), p. 165, Nr. 213. 
Dann kann nicht richtig sein, daß am 5. April ein gleiches Schreiben abging wie 
am 25. März. Preger hat dies aber 1 . c. Nr. xx angegeben, während die Vat. Akt. 
Nr. 459 . 212, bemerken, das Schreiben (das angeblich vom 5. April datiert) sei 
undatiert. Eubel hat als Datum der Ernennung J’s. den 25. April! ! Ich muß die 
Frage leider hier offen lassen. 

* So Vautrey, a. a. O. p. 330. 

1 Datum der Wahl unbekannt. Am 30. April nennt sich Hartung «electus 
et confirmatus in episcopum ecclesie Basiliensis >. ( Vautrey , p. 229.) Vgl. Vat. 
Akt. Nr. 1083, 398-99. : per capitulum seu quosdam canonicos electus et per 
archiepputn Bisuntinum (nicht Bisantinum) confirmatus in dictam eccl. sc intrusit. 

* Vautrey, a. a. O. p. 330. 

RITUS O'lIISTOIRE ZCCL&SIASTIQUE ’* 


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- 50 - | 

tungen. 1 Mit Hilfe des Hauses Österreich siegte jedoch Johann zuletzt. • 
Hartung unterwarf sich. Mittlerweile hatte der Papst Johann, der am , 
6. April 1328 Bischof von Langres geworden war, zum Administrator 
des Bistums Basel bestellt. * Diese Vorgänge sind — weniger für den ; 
ludwigischen Kirchenstreit selbst, als für seine Darstellung von Einfluß 
geworden. Der Bericht des Propstes Heydenreich 3 , ein interessantes 
Dokument, erledigt Basels Verhältnisse im Jahre 1327 mit einem : 
Sätzchen : « prima Basilea ; et hec est tota rebellis. * Dies bezieht 
Hauck auf die Stellungnahme der Stadt zu Ludwig d. B. selbst. 1 Das 
ist nicht zulässig. Heydenreichs Bemerkung bezieht sich nur auf den 
Basler Bistumsstreit, weil Basel damals Ludwig d. B. noch nicht ; 
anhing, sondern demselben, wie Konstanz, erst nach dem Römerzug 
huldigte. Das große, durch Parteinahme für Ludwig eo ipso eintretende' 
Interdikt hat Heinrich von Nördlingen im Auge, wenn er 1345 sagt:. 
wohl 14 Jahre haben die Basler das Abendmahl entbehrt. ‘ 

Das Nichtauseinanderhalten des ganz lokalen Basler Bistumsstreites, 
und des welterschüttemden Kampfes zwischen Kaiser und Papst 1 
hat auch Müller in seiner kurzen Darstellung der Basler Verhältnisse ‘ 
irregeführt. 6 Er schreibt in seiner Übersicht über die Jahre 1330-34 7 : 

« Für diese Jahre wissen wir wenig von dem Bistum. Ludwig kam bald 
nach seiner Rückkehr aus Italien in die Stadt, ließ sich von ihr huldigen 
und bestätigte ihre Privilegien. Doch scheint sich die Stadt bald darauf 


den päpstlichen Forderungen vorübergehend gefügt zu haben. Denn > 
die Aufhebung der Exkommunikation und des Interdiktes, welche [ 


1 Vgl. Müller, p. 143-44. Damals war Basel vom Interdikt betrofien ; dessen > 
* Aufhebung » war eine der Haupt- und Staatsaktionen des Gegenpapstes Niko¬ 
laus V. Am 1. Juni 1328 erfolgte sic. Vat. Akt. Nr. 1029. 386 ; gleichzeitig kassierte 
er die Prozesse gegen Hartung. 

Am 20. September 1328 werden Hartungs Anhänger absolviert ; Vat. Akt. 
Nr. 1082, 398. Die Prozesse gegen Hartung wurden auch in Konstanz, Besang 
und Lausanne verkündigt. Rcgesta episc. Constantien. Nr. 4132. Vat. Akt. Nr. 868 

2 Vat. Akt. Nr. 996, 372. An diesem Tage wird der bereits electus Ltngooens n 
genannte Johann Administrator von Basel. Die Ernennung auf den Stuhl von 
Langres wird also etwas vor dem 6. April erfolgt sein. 

3 S. oben. 

4 Hauck, Kirchengeschichte, V, p. 495. 

5 Strauch, Ph., Margaretha Ebner u. H. v. Nördl. 238, 85-92. Gegen Hantcks , 

Erklärung der Stelle spricht der Wortlaut und alle Umstände. Hauck meint aller¬ 
dings. das ganze Reich sei interdiziert worden. Daher der Fehler. (Hauck, p. 49 1 
Zeile 2.) . 

• Müller, I. 144 u. 295. 

7 Ebd. p. 295. ; 


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5i 


schon seit 1328 (Sept. 20.) fakultativ geschehen war, erfolgte Ende 1333 
oder anfangs 1334 definitiv. Johann von Chälons, der nie eigentlicher 
Bischof von Basel wurde, sondern stets Administrator des Bistums 
blieb, starb bald darauf 1 (a. 1335 ca. Juni) *. 

Die «fakultative * Aufhebung der Exkommunikation und des 
Interdiktes vom 20. September 1328 wird hier als Vorspiel einer defi¬ 
nitiven Aufhebung Ende 1333 oder Anfang 1334 hingestellt und damit 
in Zusammenhang gebracht. Wir sahen indes, daß es sich bei jenem 
um die Absolution der Anhänger Hartungs handelte 2 , während wir 
(las andere Mal ein ganz anderes Interdikt vor uns haben. 

Wie an viele andere Städte (zum Beispiel Konstanz) hatte Papst 
Johann XXII. auch an Basel dringende Warnungen vor Ludwig ge¬ 
schickt. 3 Indessen, Ludwigs Macht wuchs rasch, nachdem er Italien 
verlassen, und seine Aussöhnung mit Otto von Österreich ließ keinen 
Gedanken an Widerstand zweckmäßig erscheinen. Johanns des XXII. 
Pläne von damals waren die große Illusion seines Alters. Er wähnte 
immer noch, einen Block gegen Ludwig zu Stande zu bringen und 
vergaß, daß die Masse mehr auf Tatsachen gibt als auf Theorien. 

In zwei Schreiben werden die Bestrebungen des Papstes deutlich 
gezeigt. Diese Schreiben sind außerdem ein Mittel, um die Zeitpunkte 
festzustellen, an denen Basel dem auf den Prozessen gegen Ludwig 
beruhenden Interdikt noch nicht verfallen ist. Das eine ist datiert 
vom 23. Mai 1330. 4 Es ist gleichzeitig mit Basel an eine Reihe von 

1 Letztere Bemerkung ist zum mindesten mißverständlich. Johann war 
Bischof von Basel 1325-26 und wurde dann Bischof von Langres, blieb aber dem 
Bistum von Basel als Administrator vorgesetzt. Eine Kumulation von Bistümern 
und vollem Titel war damals noch nicht üblich. 

* Ich habe nur Vat. Akt. zur Verfügung. S. ebd. Nr. 1082. 398. Offenbar 
definitive Aufhebung. 1328 Febr. 15 war Hartung zu Kreuz gekrochen. Vat. Akt. 
N’r. 976. 366. Müller stellt hier die Begriffe definitiv und fakultativ einander gegen¬ 
über. Daraus würde folgen, daß am 20. September 1328 die Exkommunikation 
und das Interdikt nicht definitiv, also provisorisch, auf eine gewisse Zeit aufgehoben 
«nrden. In diesem Sinn wird aber fakultativ nicht gebraucht ; der beste Ausdruck 
ist zeitweilige Suspension. Das auf dem Prozeß gegen Ludwig beruhende 
Interdikt in Basel wurde zudem anno 1334 nicht definitiv aufgehoben. 

* S. z. B. Vat. Akt. Nr. 1249, 437, von Januar 17., ferner Vat. Akt. Nr. 1252, 
438 vom 19. Januar 1330, ferner Nr. 1253, 438 eod. die (!). Hieher gehört 
»och Nr. 1257, 439 und Nr, 1260, 440. Die bei den zwei letzten Nummern 
'^wähnte Mission des Pönitentiars Ulrich dürfte noch eine eigene Behandlung 
gerechtfertigt erscheinen lassen. Knöpftet, Kaiser L. und die Reichsstädte, ver- 
niotet p. 37 irrig in Ulrich den während des Bistumsstreites (!) ertränkten päpst¬ 
lichen Boten ! I (S. auch Müller, I, 143.) 

4 Vat. Akt. Nr. 1316, 459. 


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52 


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Städten, sowie mehrere Fürsten gerichtet, und enthält neben hohen 
Lob kräftige Warnung vor Ludwig, unter Hinweis auf die Strafen, 
denen dessen Anhänger verfallen (Futur). Also ist zu jenem Zeitpunkt j 
Basel noch nicht im Interdikt. 

Das andere Schreiben trägt kein Datum. Es läßt sich aber nach- j 
weisen, daß es um den 31. Juli 1330 verfaßt ist. 1 In ihm drückt der , 
Papst seine Freude darüber aus, daß von dem Bayern noch kein Brief j 
eingelaufen sei, durch den er von ihnen Gehorsam und Unterwerfung j 
fordere ; * ebenso freue er sich, daß sie entschlossen seien, gegebenen- • 
falls nicht ohne sein Wissen zu antworten. Gleichzeitig ermahnt er 
sie dringend, von der Berührung mit dem Bayern sich zu enthalten. 
Der Papist verspricht den Baslern, ihnen über die schwebenden Versöh¬ 
nungsverhandlungen, die gewisse Fürsten zu Gunsten Ludwigs ange¬ 
knüpft haben, wahrheitsgetreue Mitteilung zu machen, damit Ludwig 
sie nicht durch entstellte Nachricht in Verwirrung bringen könne. * 

1 Vat. Akt. Nr. 1317, 459 . ohne Datum. Vermerk des Herausgebers : «nicht j 
vor Mai». Es ist die Antwort auf einen Brief der Basler. 

«Literas vestras leta manu rccepimus continentcs, quod Bavari litterae 
nondum ad vos pervenerunt. per quas a vobis oboedientiam vel subiectionem 
aliquam postularet, et, si contingeret ipsum vobis aliqua scribere, sibi non inten 
debatis aliquid absque nostra conscientia respondere. Super quo vestram ad deum 
et sanctam ecclesiam devotionem .... commendantes, circumspectionem verstram 

exhortamur . quod .... a tactu eiusdem per concensum .... abstinere 

sicut viri prudentes et providi procuretis, et quia certi principes pro ncgociis dicti 
Bavari suos ad nostram presenciam nuncios hiis diebus preteritis destinanwt. ; 
nc lingua tercia vera supprimens seu falsa proferens possit vestri pacem anirai J 
perturbare, ecce quod per nostras litteras alias vobis, quid per ipsos propositum j 
quidve per nos responsum fuerit, nil detracto, nil addito nunciamus.» 

Das « per consensum » zeigt, daß der Papst bereits mit der Möglichkeit von 
Basels Bezwingung rechnet. 

* Also hatte sich Basel noch nicht unterworfen. 

* Johann durchschaut L’s. Gesinnung. Der Vermittlungsversuche « gewißer 
Fürsten » fanden damals mehrere statt, nämlich (1.) anfangs 1330, brüflicket 
Vermittlungsvorschlag des Königs Christoph von Dänemark, an die Kardinale 
gerichtet; kann also nicht gemeint sein. (2.) Vermittlungsversuche des Grafen 
Wilhelm von Holland brieflich schon vor 1330, sodann in persönlicher Unterhand¬ 
lung gemeinsam mit dem Bruder des Königs von Frankreich ; kann also nicht 
gemeint sein. Bleibt also nur (3.) der Versuch der beiden Luxemburger und de> 
Herzogs Otto. Diese sind die «certi principes », welche «hiis proximis diebus j 
preteritis » ihre « nuncios destinarunt». Im Zusammenhang mit dem Brief Vat. 
Akt . Nr. 1316. 459 . ergibt sich, daß der Brief an die Stadt gleich nach oder mit 
der Antworterteilung an die Gesandtschaft der Fürsten geschrieben ist. D* 
Gesandtschaft war im Juni auf Juli in Avignon. Die Antwort des Papstes ist 
vom 31. Juli. Ergo. S. Müller, 247-49. Kopp, Geschichte der eidgen. Bünde. V. 

p. 51. I 


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53 


Als indes der Papst unter dem 21. August wieder schrieb und sein 
Lob erneuerte 1 , war Basel bereits dem Interdikt verfallen. Die Stadt 
hatte dem gebannten Kaiser gehuldigt. Ludwig stand daselbst vom 
18.-27. August. a 

Wohl nirgends wurde das Interdikt so schwer aufgenommen. 
Basel war eine überaus kirchlich gesinnte Stadt. 8 Es wurden denn bald 
Gesuche um Absolution nach Avignon gesandt. Der Bürgermeister 4 
Kuno zur Sonne wurde am 5. August 1331 von dem Eide, den er 
Ludwig in der Not geschworen, losgesprochen. 5 Kurz nachher, am 
25. September 1331, befaßte sich der Papst mit den Basler Verhält¬ 
nissen in einem ausführlichen Schreiben. 8 Darin wird in klarer Weise 
der Verlauf der Dinge mitgeteilt: Die Basler haben Ludwig aus Furcht 
ds Kaiser gehorcht und Ritter Werner Scalarius, einen ihrer Mitbürger, 
als Advokaten und Stellvertreter Ludwigs aufgenommen, weshalb durch 
apostolischen Prozeß das Interdikt auf ihnen lastet. Sie haben nun 
um Aufhebung desselben gebeten, da sie dem Bayer nie von Herzen 
angehangen hätten und auch für die Zukunft entschlossen seien, der 
Kirche zu gehorchen. Der Papst hebt es für die Zeit auf, in der jener 
Werner oder ein anderer Stellvertreter Ludwigs in der Stadt oder in 
den Vorstädten nicht zugegen ist; und zwar hat das Dekret Kraft 
bis zum bevorstehenden Osterfeste (19. April 1332). Noch vor Ablauf 
der Frist, am 20. Dezember 1331, ist das Interdikt dann ganz suspen¬ 
diert worden. Der Wortlaut läßt vollends gar keinen Zweifel mehr, 
daß Basel erst 1330 durch Ludwigs Anwesenheit dem Interdikt verfiel. 7 

Die treu kirchliche Gesinnung der Stadt spiegelt sich m mehreren 
Briefen des Papstes wieder. Johann, in unentwegter Verfolgung seines 


1 Wackernagel, UB d. St. B. IV, Nr. 87, 86. — Vat. Akt. Nr. 1376, 479. 

1 Müller, a. a. O. p. 295, Nr. 3. Gesta Bertholdi, p. 305 : per Alsatiam, Basi- 
leam et supra receptis homagiis potenter transivit. 

3 cf. die Briefe Heinrichs von Nör(Hingen bei Strauch, a. a. O. 

4 Vat. Akt. 1539. 531. 

4 Ebd. Nr. 1475, 513. 

* Abh. Mönch. Akad. xvn (1883), p. 317, Nr. 585. Kuno zur Sonne erhielt 
kuri darauf ein Privileg, wie es hauptsächlich den Fürsten zu teil wurde, nämlich 
m interdizierten Orten unter den üblichen Bedingungen sich Messe lesen 
lassen zu dürfen. Vat. Akt. Nr. 1506, 524, anno 1332 Jan. 6. 

7 Vat. Akt. Nr. 1503, 519. Ad futuram rei memoriam. Cum cives civitatis 
Basiliensis, qnae pro eo, quod Ludovicus de Bavaria eiusque sequaces etc. contra 
Bttndatam sedis ap. in ea recepti fuerant et habuerant exindc auxilia .... sub- 
a cef ecd. interdicto, ad Romane ecclesie devotionem redire sc disponunt, sus- 
pendit interd. usque ad fest, resurr. dom. inst. 


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- 54 — 

politischen Programms, das bei dem Stand der Dinge nicht verwirklicht 
werden konnte, war doch zu verständig und weitblickend, als daß er 
das passive 1 Verhalten der Städte mißverstanden hätte. Am 25. Mai 
ernteten die Spitzen der Basler Bürgerschaft hohes Lob, wie auch gleich¬ 
zeitig die Mainzer, Straßburger und Freiburger. * Der 27. Mai brachte 
die Aufmunterung zu einem Bund zwischen Basel, Straßburg, Freiburg 
und Mainz gegen Ludwig d. B. an die Adresse des Administrators 1 
Guter Wille war vorhanden, aber man entschloß sich nicht — und man 
wußte warum — sich aufzuraffen. 

Der Höhepunkt des kirchlichen Lebens in Basel im Jahre 1332 
war unstreitig das Provinzialkonzil der Minoriten daselbst. Während 
seiner Dauer hellte sich das düstere Dunkel, das durch Einstellung des 
Gottesdienstes sich über die Stadt gelagert, wieder etwas auf. Ohne 
Beeinträchtigung durch das Interdikt, dem die Stadt Basel unterbege 
dürfe in der Franziskanerkirche, so heißt es in dem Schreiben des 
Papstes vom 7. August 1332, während der ganzen Dauer des Kapitels, 
bei geschlossenen oder bei geöffneten Türen von allen, die dem Kapitel 
beiwohnen, Gottesdienst gehalten werden. 4 Dann ward es wieder 
stiller in den Kirchen bis zum Jahresschluß. Wie noch vielen andern 
Städten und Dörfern, ja ganzen weiten Länderstrichen brachte das 
neue Jahr eine ausgiebige Suspendierung des Interdiktes. 4 Es wurde 
diesmal für 9 Monate aufgehoben, vom 29. Dezember 1332 bis Michaelis 
1333 ( 2 9 - September). Vor dem Tode Johanns XXII. erfolgte noch eine 
zeitweilige Suspension in Basel. • Die Haltung der Stadt war andauernd 
treukirchlich, wie Briefe des Papstes vom 4. und 31. Oktober 1333 
beweisen. 7 Sie blieb es auch während der nächsten Jahre, trotz der 


1 Mehr oder weniger. In dem Brief vom 1. Nov. 13t- dankt Joli. XXII 
den Vorstehern des Rates zu Basel für das Anerbieten ihres Dienstes im Kampi' 
mit Ludwig. (Abh. Münch. Akad. xvn (1883). p. 321, Nr. 601.) In etwa wurclr 
durch die Haltung der südwestdeutschen Städte L. doch im Schach gehalten 
Das Schicksal Bert hold s von Straßburg zeigt das. Er konnte sich nicht mehr 
gegen Ludwig halten, als Johannes XXII. die Augen geschlossen. 

1 Vat. Akt. Nr. 1539. $31. 

3 Ebd. Nr. 1540. 532. 

4 Vat. Akt. Nr. 1560. 536. 

1 Ebd. Nr. 1594. 545 : anno 1339, Dez. 29. Wackernagcl, Nr. 109. !<*'• 
Gleichzeitig für Konstanz, Zürich ; österr. Schwaben ; Thurgau. Aargau: 111 
letzteren für ein Jahr. 

• Auf ein Jahr. Wackcrnagel. Nr. 113. i 10. Dat. : 21. Sept. 1333. Beginn 
der Suspension : 30. Sept. 1333. 

7 Vat. Akt. Nr. 1026. 554 und Nr. 1633, 55«*. 


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Härte Benedikts XII. Selbst der Sturm von 1338-39 konnte die Bevöl¬ 
kerung nicht veranlassen, ihre Geistlichen zur Verletzung des Inter¬ 
diktes zu zwingen. Mit der Stadt Rheinfelden war Basel die einzige 
der Diözese, die sich vom Gottesdienst enthielt. 1 

Gemäß dem Vorgänge Johanns XXII. ließ Klemens VI. der Stadt, 
die sich wirklich vornehm gegen die Geistlichkeit benommen hatte, 
mehrere zeitweilige Suspensionen des Interdikts zu teil werden. Am 
30. Januar 1345 erstmals und zwar auf ein Jahr *; dann wieder vom 
n. Februar bis Pfingsten 1346 * und zum letzten Mal vor der end¬ 
gültigen Absolution vom letzten Termin bis 1. September 1346. 4 


1 H. v. Diess. p. 30. Hicfür den einzigen Grund in einer radikaleren 
Gesinnung von Geistlichkeit nnd Volk in der Diözese als in der Stadt zu sehen, 
dürfte verfehlt sein. 

* Wachernagel, a. a. O. Nr. 162. 152 ; Vat. Akt. Nr. 2203. 797. 

* Wackemagel, a. a. O. Nr. 165. 157 ; Vat. Akt. Nr. 2243, 815. 

4 Wachernagel, a. a. O. Nr. 169, 159 ; fehlt in Vat. Akt. 



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Feierliche Grundsteinlegung 
der st. gallischen Stiftsbibliothek nach 

der Glaubensspaltung. 

Von Dr. Alois SCHEIWILER. 


Die Geschichte der st. gallischen Stiftsbibliothek von ihren ersten 
Anfängen bis zur Aufhebung der Abtei ist reich an interessanten, 
kulturhistorisch außerordentlich bemerkenswerten Daten und Er¬ 
eignissen. 1 In dieser Geschichte spiegelt sich nicht bloß aufs deutlichste 
der jeweilige Zustand des berühmten Klosters, sondern auch ein großes 
Stück reichbewegter Kirchen- und Weltgeschichte. 

Die hervorragendsten Äbte vor St. Gallen haben stets der kost¬ 
baren Bibliothek eine besondere Fürsorge angedeihen lassen. Aber auch 
die namhaftesten Gelehrten Europas fanden immer wieder den Weg 
zur weit entlegenen Galluszelle, um sich dort in die uralten Manuscriptr 
und Kodizes fleißiger Bücherabschreiber im Mönchshabit zu vertiefen 
und die Wissensschätze der Vorzeit den späteren Geschlechtern zu 
vermitteln. 

Besonders waren es die Konzilien von Konstanz und Basel, welche 
manchen wissensdurstigen «Römling» nach St. Gallen geführt, aber 
auch die Klosterbibliothek um nicht wenige kostbare Bände ärmer 
gemacht haben. * 

# 

1 Vgl. Geschichte der Bibliothek von St. Gallen seit ihrer Gründung um dm 
Jahr 830 bis auf 1841. Aus den Quellen bearbeitet auf die 1000-jährige Jubelfeier 
von Bibliothekar Weidmann. St. Gallen 1841. 

1 Vgl. Weidmann, Geschichte der Bibliothek. S. 38 ff. Im Sommer I 4 |C > 
kamen « drei Römlinge », ihre Muße in Konstanz benützend, nach St. Gallen, wo 
sie durch Abt Heinrich von Gundelfingen freundliche Aufnahme fanden. Sie 
heißen Poggio. Cencius und Bartholomä. Es gelang ihnen, eine Anzahl wert¬ 
vollster Schriften der gelehrten Welt zugänglich zu machen. 


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57 


Der berühmte Humanist und nachmalige Papst Eneas Silvius 
(Pius II.) schreibt an einen ihm befreundeten Rechtsgelehrten in 
Deutschland: 

«Inveni apud S. Gallum, quod Suevorum est oppidum, in Veteri 
Monasterio bibliothecam pervetustam, ubi et libros reperi ornatissime 
conscriptos, quorum autores fuerunt Teutones; mirabar, cur pridem 
nil eloquentiae his in regionibus eluxisset, sed venit in mentem apud 
Italos quoque tempus fuisse, quo sepulta dicendi facultate barbarorum 
justitia dominabatur. * 1 

Gerade der zeitgenössische Abt des großen Glaubensabfalls, Franz 
von Gaisberg (1504-1529), ein Vetter Vadians, war ein großer Gönner 
der Bibliothek. Er hatte gern Umgang mit Gelehrten und ließ sehr 
kostbare Bücher, besonders für den Chor, abschreiben. Darunter 
zeichnet sich der Codex Gaisbergianus sowohl wegen seines Inhalts 
als auch wegen der Malereien aus. Franz Gaisberg ist auch der erste 
unter den Äbten, von dem man eine Art Instruktion für die beiden 
Aufseher der Bibliothek besitzt. Er trug sich sogar mit dem Plan, ein 
neues Bibliothekgebäude aufzuführen, aber der bald losbrechende 
Reformationssturm verunmöglichte dieses Vorhaben. 2 Abt Franz starb 
in Rorschach, der st. gallische Konvent mußte auf österreichisches 
Gebiet fliehen, das Kloster fiel mit all seinen Rechtsamen der Stadt 
St. Gallen zu, ein furchtbarer Bildersturm verwüstete das Gallusmünster, 
die Reformation triumphierte. 

Da kam die Niederlage der Zürcher bei Kappel. Der junge Abt 
Bietkeim Blarer von Wartensee (1530-1564), durch die katholischen Eid¬ 
genossen wieder in alle Rechte eingesetzt, fand die Bibliothek nicht 
bloß gänzlich entwendet, sondern auch deren Gebäude im traurigsten 
Zustand. Es war ein scheußlicher Anblick voll Wust und Unreinigkeit. * 
Ehe indessen der tatkräftige Fürst an die Restauration der Bibliothek 
schreiten konnte, mußte er in harter, langwieriger Arbeit die politischen 
und religiösen Verhältnisse seines Landes ordnen. 

Endlich sah Abt Diethelm im Jahre 1551 den Augenblick gekommen, 
wo er an sein Lieblingsprojekt herantreten durfte. 

Wir lassen hier die Urkunde 4 in ihrer lateinischen Fassung folgen, 
welche schön und anschaulich die am 6. Juni 1551 erfolgte Grundstein- 

1 Stiftsarchiv, Bd. 193, p. 371. 

* S. Weidmann, a. a. O.. S. 55 ff. 

* S. Weidmann, a. a. O., S. 59 f. 

4 S. Stiftsarchiv St. Gallen, Bd. 193. S. 500-502. 


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legung des neuen Bibliothekgebäudes schildert. Das ansprechend, j 
Dokument bildet einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der katho¬ 
lischen Restauration und zeigt in fast rührender Weise die Hoch¬ 
schätzung der Katholiken jener vielfach so falsch lind ungerecht 
beurteilten Zeit für Wissenschaft und Literatur. 

Die Urkunde besitzt noch desto größeren Wert, da sie die Namen 
sämtlicher Konventualen, Novizen, Kapläne, Othmarsbrüder, sowie 
der fürstäbtlichen Hofbeamten enthält, die alle bei der Feier zugegen 
waren. Sprachlich läßt sie allerdings zu wünschen übrig. | 

Eis folgt der lateinischen Urkunde unmittelbar ein deutscher Text. ; 
mit Rechnungen des Abtes Othmar (1564-1577) für die Bibliothek. 
Wir fügen auch diesen Text unserer Arbeit bei. 

1 

De Exstruotura Bibliothecae Monasterii D. Oalli in horto 

post Xenodochium posito. 

Noverint universi et singuli: Postquam Reverendissimus Dominus; 
D. Diethelmus, Dei gratia Abbas Monasterii D. Galli, sibi ex animi | 
desiderio matura deliberatione et in commodum ac utilitatem praefati j 
monasterii S. Galli, praecipue incrementum honoris et gloriae et laudis j 
Altissimi, decreverat Bibliothecam quandam, intra muros Monasterii 
et in horto post Xenodochium erigendum et aedificandum, quod bis 
memoratus Dominus Abbas in Octava Petri et Pauli Apostolonim. 

I 

quae est sexta dies praesentis Mensis Juhi, circa horam quartain post 1 
meridiem, anno M. D. LI, una cum Decano, Conventuahbus, Presby- i 
teris, Diaconis, Subdiaconis et Ordinem expresse professis ac Novitiis ; 
sive Scolaribus, Sacellanis, Fratribus Ptochotrophii S. Othmari necnon 
Saecularibus Officiariis, quotquot eorundem praefata hora praesentes 
erant, in praefato loco et horto Xenodochii, ubi fundamentum biblio¬ 
thecae fodebatur et bibliotheca aedificatur, comparuerunt et convene- 
xunt: Ibidem Dominus Diethelmus Abbas in primis, deinde unus j 
post alterum Conventualium in fossam fundamenti ingredientes, Abbas 
tres silices et lapidem petralem super illud fundamentum imponens: \ 
Deinde Decanus et quisque Conventualium quoque unum lapidem ; 
imposuerunt et locaverunt ad primam Exstructuram bibliothecae t 
et cum Solemnitatibus, Orationibus et psalmis. Est quidem fundamen- < 
tum ejusdem bibliothecae in profunditate altitudinis duorum virorum. 
murus vero in fundamento positus septem pedes in densitate contmet. j 
Et in perpetuam hujus rei memoriam artificibus, lapidicidiis, fodi- , 


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1 


59 


toribus et aliis mercenariis datae sunt decem mensurae rubri vini, 
tres panes aulicales maiorci, et sex bacii. Ea omnia insumpserunt 
invicena cum hilaritate et gaudio magno. Fuerunt quidem eo tempore 
in Monasterio S. Galli 

De Religiosis et Conventualibus videlicet : 

P. Jacobus Bertz, Decanus. 

P. Heinricus Keller, Supprior. 

Joachimus Waldtmann, Vicegerens in Wila. 

Georgius Mangolt, Vicegerens in Rorschach. 

F. Jacobus Stössel, Parochus in oppido Wila. 

F. Marcus Hartsch. F. Paulus Altherr. 

F. Martinus Bickhart, Vicegerens in Monasterio S. Galli. 

F. Gallus Wittenwyler. F. Hieronymus Hener. F. Magnus Back. 

Diaconi et Subdiaconi. 

F. Othmarus Cuontz. F. Christophorus Wölber. F. Georgius Hopf. 
F. Balthasar Schmid. F. Joannes Riner. F. Georgius Erliholzer. 
Professi. 

F. Andreas Eberlar. F. Christophorus Blizger. F. Joannes Landt- 
sperger. 

Novitii. 

Wendelinus Bayer. Sebastianus Wuchrer. Alexander Schnider. 
Jacobus Wittwyler. Conradus Billstein. Bemhardus Segesser. D. Tho¬ 
mas Moser, Conventualis Monasterii Petrefhusiensis. 

Nomina Sacellanorum B. Mariae Virginis : 

Joannes Schürpf. Martinus Vonwyler. Sebastianus Fabricius, 
preceptor Ludimoderator. 

Joannes Landolt, Capellanus minoris Praebendae S. Fidae. 

Nomina Fratrum Ptochotrophii St. Othmari, intra septa Mona¬ 
sterii : 

Udalricus ösch, pater (=Altvater). F. Joannes Appenzeller. 
F. Andreas Bawmann. F. Othmarus Custer. 

Nomina et Cognomina Saecularium Officianorum ex Senatu et ex 
caeteris Aulicalibus, qui in hujusmodi actu in testes sunt rogati, vidi. : 

Heinricus Bircher a Lucema, Capitaneus. — Diethelmus a. 
Hallwyl, Architriclinus. 

Leonardus Hensler, Cancellarius. — Joannes Jacobus Zoch, Feu- 
dorum procurator. 


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— 60 — 

Joann. Waltherus Rockstohler, Scriba. Conradus Criizlinger, Sub 
stitutns. 

Et alii quam plures, quorum nomina brevitatis causa omittuntui. 

Dem hochfeierlichen Anfangsakt dieses Baues entsprach auch 
dessen Vollendung. Abt Diethelm stattete denselben sodann mit hand¬ 
schriftlichen und gedruckten Büchern aufs reichlichste aus. Unter 
jenen befanden sich Prachtexemplare von Chorbüchem mit schönen 
Malereien, Prospekten, reichen Vergoldungen, einer Bildergalerie von 
Musikinstrumenten, Engeln, Vögeln, Wappen, Kapellmeistern und 
andern Vorstellungen, bei denen der treue Gefährte des hl. Gallus, 
der Bär, oft eine komische Figur spielt. Den Text und die Musik hatte 
der Konventherr Heinrich Keller meisterhaft niedergeschrieben. Dieser 
Heinrich Keller war mit seinem Ordensbruder und Vorgänger auf der 
Münsterkanzel zu St. Gallen, P. Johannes Heß, Doktor der Theologie, 
ein eifriger Prediger und Schriftsteller. 

Abt Diethelm erwarb sich um die Bibliothek noch ein weiteres 
großes Verdienst, indem er die seit dem zehnten Jahrhundert beseitigte 
Stelle eines Bibliothekars wieder ins Leben rief und zum Bibliothekar 
den P. Moriz Enk von Altstätten, einen großen Sprachenkenner und 
trefflichen Gelehrten ernannte. 1 

. Ex ralionibus Othmari Abbatis. 

Item den 7. tag Aprilis han ich ußgeben den Tischmachern ruo 
Rorschach von wegen den Kästen, so m. g. H. selgen verdinget hat 
zumachen in die librery 27 K. V baien. 

Item den 20. tag Junii abgerait mit M. Luzi Loberthal dem schlosser 
zu Lindaw, antreffendt die ißinen thüren und laden und ander darzu- 
dinend in die librerey, wigt als zusamme 24. Centern 77. pfund, umb 
5 krüzer gerechnet, thuot 206 R 6 baz. I Crüzer. 


Mer umb die Schloß und 1 Kasten zbschlagend 14 - R- 

Item siner husfrowen trinkhgelt IO- R 

Sinen Dienern geben H. R 

Item den 14. tag Augusti Sebastian Fechter, Apotheker zuo Lindow 
geben umb linöll und anders zu den thüren und läden 17 - R- 

An Bücher kaufft in die Librerey. 


Item den 27. tag Martii, han ich h. Subprior um ain newes gsang- 
buoch geben zschreiben 14. Sunnkronen 

1 Weidmann, S. 61 ff. 



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6i 


5. Kronen. 
1 R. in gold. 


Item einem Physico von Basel geschenkt 
Dem Diener 

Hatt mir ein buoch überantwurt in die liberey. 


Item den 2. tag April geben um bücher 16. R. 

Item den 2. tag May umb bücher 6. R. 

Item den 30. tag Octobris 11 R. 5. baz. 

Item den 14. tag Januarii deß 1566 iahrs 5. R. 5. baz. 

Mer eod. die 8 y 2 R. 


Abt Othmar zeigte sich überhaupt als glänzender Mäzen der 
Bücherei und verausgabte für dieselbe die ganz bedeutende Summe 
von 5000 Fl. Zwei hochgelehrte St. Galler Konventualen Moriz Enk 
und Joachim Opser, welche zu Paris bei den Jesuiten studierten, 
kauften daselbst die meisten dieser Bücher im Aufträge ihres Abtes. 1 

Auch die folgenden Äbte waren ausnahmslos großmütige Freunde 
und Hüter des reichen Bücherschatzes. Der unglückliche Zwölferkrieg 
brachte eine namhafte Zahl Bücher und Handschriften nach Zürich, 
wo sie immer noch, in der Wasserkirche untergebracht, nach ihrer alten 
Heimat trauern. 

Im April 1758 wurde das Diethelmische Bibliothekgebäude ab¬ 
gebrochen, und an dessen Stelle ließ der große Fürstabt Cölestin II., 
der Erbauer der prachtvollen Kathedrale, einen neuen herrlichen Bau 
errichten, der heute noch glänzendes Zeugnis ablegt von der eifrigen 
Pflege der Künste und Wissenschaften im einst so ruhmreichen, 
untergegangenen Kloster St. Gallen. 

1 VgJ. « Briefwechsel zwischen Paris und St. Gallen », Jahrgang 12, S. 45 
dieser Zeitschrift. 



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KLEINERE BEITRÄGE — MfiLANGES 


Ein Aktenstück des hl. Karl für das Frauerikloster 

Madonna del Monte sopra Varese. 

Als P. Franz Xaver Schürmann, Beichtiger im Frauenkloster zu Fahr. 
Knde November 1916, in seiner Wohnung aufräumte, um als Spiritual ins 
Institut Heiligkreuz bei Cham überzusiedeln, fand er in einer Schublade 
unter einer Anzahl von kleinen Reliquien römischer Heiligen ein völlig zer¬ 
knittertes Papier. Der Fundort scheint darauf hinzudeuten, daß man dieses 
Schriftstück seinerzeit wohl als Reliquie taxierte, aber jedenfalls nicht immer 
nach seinem historischen Inhalte zu würdigen verstand, denn bei näherer 
Prüfung entpuppte sich dieser Fund als ein ganz wertvolles Aktenstück zu r 
Geschichte eines berühmten Wallfahrtsortes in Oberitalien. 

Ein Ausläufer der Alpen, welcher bis hart an die Grenze der lom¬ 
bardischen Ebene vorstößt und noch bis zu einer Höhe von mehr als 80• 
Meter emporsteigt, trägt schon seit frühmittelalterlichen Zeiten ein viel 
verehrtes Marienheiligtum. Dasselbe gewann als Wallfahrtsort um so leichter 
einen Ruf, als sich den Pilgern auf dieser Höhe ein äußerst lohnender Aus¬ 
blick bietet. Südwärts erkennt das staunende Auge den Mailänder Dom, den 
Campanile von Monza, die Kuppel von San Gaudenzio in Novara, ja cs er 
reicht sogar den Torrazzo von Cremona und erkennt die Umrisse der Supcrga. 
Gegen Norden liegt die Riesenstatue des hl. Karl bei Arona noch im Gesichts¬ 
kreis. Die selige Katharina von Pallan^a, geboren 1437, begann an dieser 
Stätte mit i 5 Jahren ein zurückgezogenes Leben, und 1454 schloß sich die 
selige Juliana von Vcrghcra ihr an. Darin lagen die Anfänge eines Frauen¬ 
klosters, in dem bald die Regel des hl. Augustin cingeführt wurde. Ein 
Arciprete mit dem Rechte der Pontifikalien und mehrere Priester besorgten 
ehedem den Gottesdienst und die Wallfahrt. Nachdem aber die Einkünfte des 
Erzpriesters zu Beginn des 16. Jahrhunderts dem Kloster zugefallen, kam 
einige Zeit nachher auch der entsprechende Titel in Wegfall und gemäß Bulle 
Leos X. von 1 5 i7 sollte fortan ein Vicarius curatus amovibilis mit vier Kaplinen 
und einem Schatzmeister des Heiligtums warten. Der hl. Karl erhob die 
Stelle eines Vikars zu einer eigentlichen Pfründe und stellte sie unter das 
Patronat der Äbtissin. 1 

1 II Santuario della .Madonna del Monte sopra Varese. Varese, Tipograßa delia 
«Cronaca Prealpina» 190.4. S. 19. 26 fl*. Mit Vergnügen fanden wir am Schlüsse des 
Büchleins als Zensoren zwei unserer ehemaligen Professoren unterschrieb«, 
nämlich : Can. Angelus Nasom eens, ccclcs. und P. C. Gorla, Provicarius Generalis. 


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— 63 — 

Das sechste Provinzialkonzil vom io. Mai i582, zugleich das letzte, 
welches der hl. Karl abhielt, stellte in Bezug auf die Klausur der Frauen¬ 
klöster sehr strenge Normen auf. Ohne schriftliche Erlaubnis des Bischofs 
oder des Generalvikars sollte gar niemand ein Frauenkloster betreten, auch 
nicht unter dem Vorwände, eine Kosttochter daselbst besuchen zu wollen. 1 
Nicht einmal der Generalvikar durfte ohne ganz besondere Ermächtigung von 
Seite des Bischofs eine solche Erlaubnis erteilen. Diese sollte in Anwesenheit 
des Bischofs ihm überhaupt vorenthalten bleiben.* Das Kloster Santa Maria 
del Monte hatte jedoch damals einen beschwerlichen Zugang und war vom 
Bischofssitze ziemlich entlegen. Anderseits kam es sicher häufig vor, da£ 
Pilger einen Besuch im Kloster machen wollten, die aus Unwissenheit und 
wegen der gro&en Entfernung keine bischöfliche Erlaubnis eingeholt hatten 
und doch nicht gern vom Wallfahrtsorte heimkehrten, ohne ihre Verwandten 
und Bekannten im Kloster gesprochen zu haben. Es erschien daher geboten, 
den Beichtiger, Vin^en\ Gilio, mit einer entsprechenden Vollmacht aus¬ 
zustatten. Es geschah dies von Seite des hl. Karl zweimal je für das laufende 
Jahr. Das zweite Jahr war aber kaum zur Hälfte beendet, als der hl. Oberhirte 
surb. Es war deshalb die Vollmacht schriftlich zu erneuern, was durch den 
bisherigen Generalvikar, Johann Fontana, der nun als Kapitelsvikar amtete, 
den 20. November 1584, geschah. Auch die spätem Erneuerungen gingen 
zeitlich nicht weiter, im Gegenteil, sie wurde auf sechs Monate und zuletzt 
sogar auf zwei Monate beschränkt, ein Beweis dafür, dafi die Klausur der 
Frauenklöster auch von den Amtsnachfolgern des hl. Karl mit Strenge 
gehandhabt wurde. 

Diese Vollmachtsverlängerungen haben auch als Autographensammlung 
einen nicht zu unterschätzenden Wert. Wir finden mit ihrer Unterschrift 
nicht bloß den unmittelbaren Nachfolger des hl. Karl auf dem erzbischöflichen 
Stuhle von Mailand in der Person des Kardinals Gaspare Visconti (t 585-95) 
vertreten, sondern auch die bedeutendsten und langjährigen Mitarbeiter des 
hl. Oberhirten, die nachträglich ebenfalls zur bischöflichen Würde gelangten. 
Wir treffen an erster Stelle den Generalvikar Johann Fontana, der zur 
Gründungszeit des schweizerischen Kollegs in Mailand sich viel um diese 
unsere Nationalstiftung bemühte und auch unter Karls Nachfolger noch als 


‘ Ratti, acta ecclesiae Mediolanensis. Mediolani MDCCCXC, pag. 772. Ne quis 
^Icricus laicusve, cuiuscumquc generis, ordinis, conditionis, sexus aetatisve sit, 
absque episcopi aut eius vicarii concessu literis exarato, ad monialium monasteria 
quovis praetextu causave ac ne eo quidem nomine invisendi alloquendive puellas 
tantum, quae ibi educantur, unquam accedat, propositis poenis et censuris arbitrio 
tpiscopi. 

Ne quis item absque eiusdem episcopi facultate scripta, intra septa monasterii 
monialium in posterum ingredi audeat. 

* Facultas ingrediendi septa monasterii nulla detur nisi in scripto. 

Episcopus autem solummodo, ac nullo modo vicarius generalis, lianc 
potestatem faciat, nisi speciatim ei episcopus auctoritatem delegarit, qua aliis 
mgrediendi facultatem dari possit : atque episcopus quidem eam auctoritatem 
minime alii demandet, nisi vicario tantum generali : ac neque ei item, cum ipse 
praesens est. 


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— 64 — 

Generalvilcar sich betätigte. 1589-1611 stand er jedoch als Bischof der Diözese 
Ferrara vor. Marc’ Antonio Bellino war Domherr zu Mailand, wurde dann 
von Karl Borromeo dem ersten schweizerischen Nuntius, Johann Franz 
Bonhomini, als Uditore beigegeben. Der Nuntius hielt ihn aber fQr den er¬ 
wähnten schwierigen Posten noch für zu jung und zu unerfahren, woraui 
Borromeo diesen Geistlichen wieder zurückrief. Dies geschah mit einigem 
Glimpf, indem Bonhomini seinen Uditore am 1. Januar i 58 o von St. Moritz 
aus nach Rom sandte, um die Gründung des Jesuitenkollegs in Freiburg zu 
betreiben. Borromeo nahm hernach diesen jungen Mann in eigene Dienite 
und machte ihn zum erzbischöflichen Kanzler, in welcher Stellung er bis zum 
Tode seines Herrn verblieb. Mit Stadtpfarrer Sebastian Werro blieb Bellino 
seit seinem Schweizeraufenthalte zeitlebens befreundet. Als jener am 20. No¬ 
vember 1 58 1 auf seiner Heimreise von Jerusalem in Mailand eintraf, besuchte 
ihn der erzbischöfliche Kanzler in der Herberge und zeigte ihm vor dem 
Abschied den Domschatz. * Später finden wir Bellino als Bischof in Bobbio. 
Als solcher erteilte er am i 3 . Juni 161 5 dem nachmaligen Bischof von 
Lausanne, Jakob Knab, in der Kirche des schweizerischen Kollegs zu Mailand 
das Diakonat. 1 

Dr. Bernhardin Morra von Caluso, in der Diözese Jvrea, war zeitweilig 
Generalvikar des hl. Karl und Uditore während seinen apostolischen 
Visiutionsreisen. Er befand sich namentlich auch in der Begleitung des 
Kardinals zur Zeit seines Aufenthaltes im Misoxertal. Von dort aus sandle 
ihn Borromeo, den 18. November 1 583 , mit seinem Kammerdiener Ambros 
Fornero nach Chur, behufs wichtiger Verhandlungen mit dem Bischof und 
den Landesregenten.* Morra wurde 1598 zum Bischof von Aversa ernannt 
und starb i 6 o 5 . 

So begegnen uns im nämlichen, scheinbar so fernliegenden Aktenstück 
mehrere Namen von Personen, die ihr Wirken auch auf die damalige Eid¬ 
genossenschaft ausdehnten und einst dort sehr wohl bekannt waren. Dadurch 
steigt natürlich der Wert unseres Dokumentes, der an und für sich schon 
nicht gering ist, weil wir sonst dermalen keine Beziehung des großen katho¬ 
lischen Reformators zu diesem Heiligtum kennen. Die Biographien erzählen 
wohl von seinen Wallfahrten nach Saronno, Rhö, Sacro Monte di Varallo, 
Einsiedeln, Loreto, Postua usw., aber von Madonna del Monte schweigen - 
sie. 4 Letzteres erfuhr eist unter seinem Neffen, dem Kardinal Friedrick 
Borromeo, die besondere Gunst des erzbischöflichen Stuhles von Mailand, 
indem dieser das kühne Projekt des Kapuziners, Johann Baptist Aguggiariron 
Monza, auf alle Weise förderte. Aguggiari hatte nämlich vorgeschlagen, behufs 
Darstellung der i 5 Rosenkranzgeheimnisse dem Weg entlang i 5 Kapellen und 

\ 

1 Siehe diese Zeitschrift 1908, S. 1 3 y. 

* Knab notierte dies in einem Kollegheft, jetzt codex 287 der Stiftsbibliotbe* j 

Engel berg. 1 

• D’Alessandri, Atti di San Carlo. Locarno 1909, S. 347 ff. und Oltrocdu, be ' 

vita et rebus gestis S. Caroli. Mediolani 1751, S. 703 ff. 1 

4 San Carlo Borromeo nel terzo centenario della canonizzazione. Periodico • 
mensile 1908—1910, S. 449 ff. : 


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“ 65 — 

drei Triumphbögen zu erbauen, eine Jdee, die zwischen 1602 und 1680 
wirklich Gestalt annahm. Don Vin^en\ Giglio, Pfarrer im benachbarten 
Malnate, begann anderseits 1604 mit 5 o Malnatesen den Bau einer neuen 
bequemen Pilgerstraüe. Durch diese Bereicherungen und Verbesserungen 
gewann der Wallfahrtsort an Originalität und Zugkraft. Auffallenderweise 
trägt der unternehmungslustige Pfarrer von Malnate den gleichen Namen wie 
der Beichtiger in unserem Aktenstück. Es scheint mir nicht ausgeschlossen, 
daü beide Namen sich auf die nämliche Person beziehen, indem der Beichtiger 
von Madonna del Monte später zwar als Pfarrer nach Malnate zog, aber die 
Sympathien für das ihm lieb gewordene Heiligtum mitnahm und auch in der 
neuen Stellung die Wallfahrt dorthin zu heben suchte. Stehen die Kapellen 
von Madonna del Monte an künstlerischem Gehalt auch hinter jenen des 
Sacro Monte di Varallo zurück, so stellen sie doch beachtenswerte Leistungen 
dar. Ritter Melchior Luäy von Stans hat im März 1570 diesen Wallfahrtsort, 
als er noch bescheidener und schwerer zugänglich war, ebenfalls besucht. ‘ 
Jetzt kann man sogar mit einem elektrischen Tram von Varese bis zur ersten 
Kapelle fahren. Im Jahre 19io ersah der Z&\ilienverein von Zug sich unter 
anderem auch diesen hl. Berg als Ausflugsziel, und Stadtpfarrer Franz Weili 
legte unter dem Titel « Sangreiche Südlandsfahrt» in einer schwungvollen 
Feuilletonserie die empfangenen Eindrücke fest. * Seit der ersten Hälfte des 
19. Jahrhunderts ist mit dem Kloster eine Erziehungsanstalt verbunden. Die 
Anfänge hiezu glauben wir schon aus dem borromäischen Dokument von 
i 583 herauszulesen, wo von den «saeculares puellas» die Rede ist. Doch 
dürfte es auch nicht ganz unmöglich sein, dah hinter dieser Wendung nur 
eine schematische Formel steckt, wie sie nicht selten in derartigen Fakultäten 
und Privilegien erscheinen, ohne bis in alle Detail einem bestimmten Orte 
oder Verhältnis angepaät zu sein. 

Wie die vorliegende lateinische Urkunde aus Oberitalien nach Fahr 
gekommen, wird wohl schwerlich genau festgestellt werden können. Es kann 
behufs Regelung ähnlicher Bedürfnisse ursprünglich ein sachliches Interesse 
vorhanden gewesen sein, und es mag die Urkunde in diesem Falle gleichsam 
als Vorlage gedient haben. Doch ist eher anzunehmen, dieses Aktenstück sei 
als Reliquie nach Fahr gelangt und von einem oberitalienischen Durch¬ 
reisenden oder sonst von einem Gaste oder Freunde dem Kloster zum 
Geschenke gemacht worden. Da Fahr an einem ehemals vielbenützten Durch- 
pa& lag und auch das Kloster Einsiedeln, welches hier die geistliche und 
weltliche Verwaltung führt, ausgedehnte Beziehungen unterhielt, so boten 
sich für einen solchen Erwerb tausend Möglichkeiten. Erwähnt sei b!o§ die 
Tatsache, daä der päpstliche Nuntius, Friedrich Borromeo, ein Verwandler 
des hl. Karl, am 27. Juni 1661 mit der Priorin von Fahr, Maria Katharina von 
Sonnenberg, die Patenschaft für ein Kind des venetianischen Residenten, Paul 
Sarotti in Zürich, übernahm, wobei jedoch beide Paten nicht persönlich 

1 Vignola an Karl Borromeo, Bellinzona, 18. März 1570. Der Colonello geht al 
Sepolchro de Varalo et a Santa Maria del Monte et Santa Catelina ( 1 ) [bei Angeraj 
et credo che staraa far Pasqua Arona. Ambrosiana, F. 118, Nr. 1 56 . 

* Zuger Nachrichten 1910 und Schweizerische Kirchenzeitung Nr. 9, 1911. 

RBTUt D HtSTOIRE KCCLiSIASTIQUE 5 


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( 


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funktionierten, sondern eine Stellvertretung mit dem bezüglichen Ehrenakt;; 
betrauten. Die Gesandten Venedigs und andere Angehörige italienischer 
Staaten benützten übrigens die Klosterkirche von Fahr wiederholt für 
Taufen und Begräbnisse. 1 

Der Wallfahrtsort Santa Maria del Monte hat vor Jahren ein historisches 
Museum eingerichtet, das den Pilgern gegen ein billiges Eintrittsgeld zur 
Besichtigung offen steht. Das vom hl. Karl ausgestellte und eigenhändig \ 
unterschriebene Aktenstück würde dieser Sammlung zur hohen Zierde ge- i 
reichen und darin zweifelsohne wie ein kostbarer Schau gehütet werden. \ 
Gegenwärtig liegt es in der Gewahrsame des Stiftsarchives von Einsiedeln. : 

Eduard Wymann. • 


• * 


♦ 


CAROLUS, S. R. E. Presbyter Cardinalis tituli Sanctae Praxedis, Dci c: * 
Apostolicae Sedis gratia archiepiscopus sanctae Mediolanensis ecclesiac etc. 

Dilecto nobis in Christo R. P. Vincentio Gilio, confessario monitlium 
sanctae Mariae supra montem Varisii , nostrae Mediolanensis dioecesis, 
salutem in Domino. i 

Pro nostra pastorali cura et sollicitudine necessitatibus monasterii predicn , 
ac pro observatione decreti [Concilii] Provincialis sexti de non accedendo ad j 
parlatoria et rotas monialium absque licentia a nullo nisi a nobis vcl \icari«) ; 
nostro tradenda, nuper editi, opportune consulere volentes et ne, qui ex causis. 
rationabilibus alloqui moniales quandoque cupiunt, nimis fatigentur, tibi, de | 
cuius prudentia, pietate et morum probitate in Domino confidimus, ut laicis j 
quibuscunque tibi bene visis ac probatis, ad collocutionum fenestrellis seu , 
parlatoria ac rotas monasterii praedicti accedendi ac ibidem praefectas et alias | 
moniales ac seculares puellas alloquendi facultatem dare possis et valeas ac i 
item (?) capellanis ordinariis legitime impeditis et absentibus in cisibus , 
necessitatis, ne moniales sanctissimo missae sacrificio quotidiano priventur, 
alios sacerdotes ex approbatis ad XV dies tantum approbare et substituere, 
servatis servandis et iuxta modum et instructiones a vicario nostro monialium 
tibi praescribendas, litteris nostris per praesentem annum potestatem facimus, 
ac licentiam impartimur. 

In quorum fidem etc. 

Datum Mediolani ex aedibus nostris archiepiscopalibus die VIII. Juli 
MDLXXXIII. 

C. Archiepiscopus. (Locus sigilli.) ! 

Renovata ad annum praesentem 27. Junii 1584. j 

C. Archiepiscopus. J 

1584 die 20. Novembris confirmata per annum. 

J. Fontana . I 

i 586 die 4. Januarii confirmata ad annum. 1 

J . Fontana. 

M. Ant. Bellinus, cancellarius. 


1 Wymann. Familienstand der venetianischen Gesandten in Zürich, 
für Schweiz. Gesch. 190*, S. 272. 


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B. Morra, Vic. Gen. 


— 67 — 

Die 16. Xbris 1 586 . Confirmata pro anno 1587. 

Die n. (?) Xbris 87. Confirmata ad sex menses. 

Caspar Archiepiscopus. 

Antonius Grimoldius, canceliarius archiepiscopalis. 
Die 3 . Junii 88. Confirmata ad duos menses. ß. A/orra, V. G. 

In der linken Ecke zu unterst: S. Mariae Montis confessario. Auf de r 
Rückseite steht die ursprüngliche Aufschrift: Sanctae Mariae Montis. Eine 
spätere Hand notierte nach 1610 hier weiterhin : Lettera sottoscritta della 
propria man di S. Carlo anno 1 583 et 1584. Jemand anders setzte darüber : 
Lettera di San Carlo. 


Inventar des hl. Sebastiansaltares auf Valeria (Sitten) 

vom 19. Januar 1520. 

Wilhelm von Raron, der Sohn des Julian Egid und der Annina von 
Raron, der bereits 1422 als Kleriker und 1427 als Domherr von Sitten 
vorkommt, wurde 1428, 6. August, zum Kantor, 1433 zum Dekan voi 
Sitten und 1437, 24. April, zum Bischof von Sitten gewählt. 1 1437, 8. März 
stiftete er zu Ehren der hl. Fabian und Sebastian einen Altar in der Kirche 
von Valeria, den er 1450, 2. Juli, als Bischof in feierlicher Weise einweihte 
Der Altar besteht noch jetzt und befindet sich an einem Pfeiler des süd 
liehen Schiffes genannter Kirche. In dessen Nähe wurde der gedachte 
Stifter, der 1451, 10. Januar, auf der Rückreise von Rom zu Pallanza 
gestorben ist, zur letzten Ruhe bestattet, wie das noch erhaltene Grabdenk¬ 
mal bezeugt. * 

Über die Utensilien dieses Altars wurde den 19. Januar 1520 eir 
Inventar aufgenommen, dessen Wortlaut hier folgt: 

1520, 19. Januar. 

Anno 1520, die 19 m. Januarii ad instantiam ven. viri d. Heinrici 
Tarant , 9 can. Sed., veluti procuratoris v. capituli Sed. asserti, neenon 
v. dom. Johannis Braseti 4 , cantoris Sed. et Jacobi Marquis, mercatoris 
Sed., veluti exequutoris testamenti quondom hon. viri d. Petri Truscheti. 
olim rectoris altaris S. Sebastiani in ecclesia castri Vallerie fundati, hierum 
bona mobilia dicti altaris S. Sebastiani derelicta per dictum quondan 
d Petrum Truscheti 6 inventarizata et in scriptis posita per me notariun. 

1 Vergl. Hauser, Geschichte der Freiherren von Raron, 180 etc. 

* Vergl. Van Muyden, Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, N. F. 
IV, 151 ff. 

* Heinrich Tarani, Bürger von Sitten, erscheint in den Urkunden seit 1500 
als Rektor, seit 1516 als Domherr von Sitten. Gestorben zwischen 1528-1530. 

4 Johannes Braseti von Genf wird 1489 Domherr u. 1505, Febr. 7, Großkantor 
von Sitten ; er stirbt den 15. Dezember 1535. 

* Peter Truscheti erscheint als Rektor des hl. Sebastian seit dem 22. Sep¬ 
tember 1506 und wird 1507, 15. Oktober Pfarrverweser von Saillon. 


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68 


et juratum subscriptum, maxime bona, quc fuerunt in altari predicto et 
in duabus archis ibidem propc dictum altare existentibus. 

Et primo super dictum altare fuerunt reperta tria linteamina, quatuor 
mape, unum corporale, et unum copertorium desuper. Item unus calix 
argenteus, partim deauratus, signo aquile signatus, una cum patheua 
Item unum missale. Item una parva campana. Item quinque casule 
Item unum sudarium nigrum. Item magis duo corporalia pulcra. Item tres 
albe cum duobus amictis et tribus cingulis. Item magis adhuc unum 
copertorium parvum pro ponendo super altare. Item duo gausapia altaris 
Item duo curtinc, seu duo velamina ad alas altaris predicti. Item sex lintea¬ 
mina, quorum tria sunt nova. Item magis adhuc unum magnum premidis (?; 
figuratum pro coperiando altare. Item adhuc unum aliud pulcrum linteamen 
pro ponendo supra altare. Item due magne mape integre et due parve 
Item iterum adhuc unum magnum linteamen premidis (?) ad ponendum 1 
supra altare. Item unum copertorium nigrum, ubi est crux alba pro Pla¬ 
cebo. Item duo amicti. Item unum capitegium de sirico. Item adhuc * 
unum alium linteamen pulcrum. Item una tabula, in qua sunt scripte : 
reliquie pertinentes dicto altari, incipiens : Hee sunt reliquie scilicet de : 
pillis D. N. J. Christi, etc., finiens : pro peccato meo. Amen. Item noveoi ? 
lapides pretiosi cum quadam parva imagine argentea. Item una cmx } 
argentea cum sua vagina seu sua domo ex coreo. Item quedam cupa deau- j 
rata. Item una mitra alba episcopi, in qua sunt quatuor lapides pretiosi ] 
Item unum obsculum (sic) pacis, ubi sunt tres lapides pretiosi. Item malte ; 
indulgentie episcoporum. Item unum pulvinial. Item littera fundationb \ 
dicti altaris facta per rcvdum d. Guillelmum de Rarognia, decanum eccl • 
Sed. et dominum Montisville in valle de Herens, recepta per discretum • 
virum Ambrosium de Poldo , not. Mediol. dioc. curie Sed. sub anno dom 1 

i 

1437, indictione quintadecima, et die octava roensis Martii. Item sunt duo j 
cerei supra dictum altare. Item unus über, in quo continentur recupertoir I 
multe et instrumenta ac recognitiones ad opus dicti altaris. Item duo 
alia instrumenta. Item in archa reliquiarum dicti altaris fuit repertum 
quoddam parvum olobostrum ferreum sine clave, quod fuit datum io 
custodiam dicto quondom dom. Petro Truscheti rectori dicti altaris per 
quemdam Mar cum — servitorem quondam ven. d. Johannis Asper 1 
prout ven. vir d. Felix Mancz can. Sed. retulit ibidem. Quod quidem 
olobostrum fuit repositum et datum ad manus prefati d. Henrici Tarent j 
procuratoris prefati ven. capituli Sed., prout idem d. Henricus confessus ; 
cst recepisse et penes se eundem olobostrum custodire. [ 

Valerie in ecclesia. Testes: Felix Mancz Ä , curatus Saillonis. Jok. ; 
Magni •, Georgius de Chivrone 4 c. Sed. Jod. Nestier, janitor. • 

Notarius Ludovicus Frarerii . (A Val). D. Imesch. j 

• 

1 Joh. Asper, c. 1465 geboren, ist 1478 Rektor des hl. Claudius auf Vakru, 
wird i486 Domherr und 1509 Großsacristan von Sitten und stirbt 29. Nov. I 5 r 9 - 

1 Felix Manz, Pfarrer von Saillon und Domherr von Sitten, 1494-1523- 

3 Joh. Magni, Grand, von Leuk, Domherr von Sitten 1514-1527. 

4 Georg de Chivrone, von Sitten. Domherr von Sitten 1511-1528. 


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69 


Das Todesdatum Fridolin Brunners. 


Gottfried Heer hat in seiner Biographie Fridolin Brunners, die er zum 
Reformations-Jubiläum herausgab, ebensowenig wie Emil Egli in dem 1910 
in den Zwingliana erschienenen Artikel das genaue Todesdatum des Glarner 
Reformators anzugeben vermocht. Beide verzeichnen nur 1570 als Brunners 
Todesjahr. Der Todestag, 30. Juni 1570, ergibt sich aus einem Briefe des 
Glarner Landammanns Joachim Bäldi an Bullinger, enthalten im Band 122 
der Simmler Sammlung der Zentralbibliothek Zürich. Unterm 26. Juni 
berichtete Bäldi über die Todeskrankheit Brunners nach Zürich : « Unser 
herr Fridli ist krank und mit dem husten und herzwee beladen, das er 
gester und vorgester [Fest Johannes des Täufers und 6. Sonntag nach Pfing¬ 
sten] nit geprediget, sonder der herr von Schwanden das best thon. Der 
trüw Gott erhalt und schenke inn uns wieder. » Der nächste Brief Bäldis, 
der in aller Eile Bullinger den eingetretenen Tod Brunners gemeldet hatte, 
mangelt in der Sammlung. Am 4. Juli darauf ersuchte Bäldi den Zürcher 
Antistes bereits wegen der Besetzung der erledigten Pfründe um Rat 
und kommt dabei mit folgenden Worten nochmals auf den Verewigten 
zurück : « — Ich hab üch vergangcs frytags [30. Juni] in yl und grossem 
schmertz geschryben, wie der gütig gott uns unsem trüwen und frommen 
hirten, hem Fridli Brunner, zu sinen göttlichen gnaden genommen. Mag 
nit wüssen, was oder wie ich üch geschryben, dann es uns gantz übel 
gangen, das es einem wohl kummcr und leyd sin sölte, und wenn ich nit 
bedächte, das er sin louff des lebens (das im 72. jar) erfüllt, besorgte ich 
gar groß straff. » Zur Neubesetzung der Pfründe fügte Bäldi bei: . . . 
und wiewohl sich der trüw mann, her Fridli selig, mit einer schlechten besol- 
dung gelitten, das wir wohl gedenkend, sich hinfür keiner mehr begnügen 
werde, habend wir uns bedacht, der besoldung halb ouch wyters zu thun, 
diewyl man doch dem meßpricster so rychlich geben muß. » 

St. Gallen. Joseph Müller. 


Bin Meßgewand des Kardinals M. Schiner 
für die Kathedrale von Sitten. 

Nach alter Übung war und ist jeder Bischof von Sitten gehalten, 
einen Pontifikal-Omat für die Kathedrale anzuschaffen. Kardinal Schiner 
konnte zu seinen Lebzeiten dieser Verpflichtung nicht nachkommen. Denn 
nach seinem Tode stellte das Domkapitel von Sitten an die Erben die 
Forderung von a6o Dukaten für das Pontifikal und anderes, so der h. Cardinal 
als bischof der kilchen von Sitten schuldig geblieben zu bezahlen ». 1 Immer¬ 
hin muß der Kardinal der Kathedrale ein Meßgewand vermacht haben, 

1 B. Arch. Sitten. Tir. 103 . Nr. i, p. 749 . 


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70 


über das ein Inventar vom 7. Juli 1705 folgende Beschreibung bringt: 
c* Casula rubra ex damasco cum duabus dalmaticis damascenis cum cruct 
auro et argento intexta per quondam rev mura d. cardinalem Schyner, epis- 
copum Sedunensem : indigent restauratione, et sic manus apponenda ad 
reficiendum hunc omatum pretiosum in signum et memoriam tanti bene- 
factoris episcopi et cardinalis. » 1 

Ein Inventar von 1770 bemerkt hiezu: «Casula haec attrita valde 
extat in sacristia Valeriae : dalmaticae vero non extant. » 1 

Spätere Inventare erwähnen auch die Casula nicht mehr. 

Eine Notiz 

über die Insignien des Bischofs Jost von Silinen. 

Jost von Silinen, seit 1469 Propst von Beromünster und seit dem 
g. Juli 1477 Bischof von Grenoble, wurde 1482, 2. August, vom Papste 
Sixtus IV. als Bischof von Sitten bestätigt, 1496, 19. April aus dem Wallis 
vertrieben. Uber seine bischöflichen In ignien, zumal die Mitra, den Hirtra¬ 
stab und das Schwert (wohl das sogenannte Regalienschwert) befindet sich 
in den Protokollbüchem des Domkapitels von Sitten unter dem Datum 
vom 24. Oktober 1517 folgende interessante Notiz : 

« Seduni, in capclla S. Michaelis Majorie. Notum sit etc. quod ex 
commissione v. capituli Sed. v. d. Johannes Bertholdi* can. et tamquam 
procurator eiusdem v. capituli adjunctis sibi v. dominis Philippo de Plot* * 4 . 
Jodoco de Plotea 6 et Joh. Magni •, can. Sed., petita de Petro Empken 7 
capellano rev. ml d. cardinalis Sed. in presentia d. Egidii Venetz • ballin 
terre Valesii et infrascriptorum testium, videlicet mitram, gladium etbaccu- 
lum pastoralem per bone memorie d. Jodocum de Sillinon episcopum Sed 
ipsi ven. cap. Sed. donatos. Qui d. Petrus intrans capellam S. Michaelis 
castri Majorie apperuit quamdam magnam archam in eadem capella exi- 

1 Arch. Valeria. Nr. 400 . 

2 1. c. 

3 Johann Bertholdi, 1503-1522. Domherr von Sitten. 

4 Philipp de Platea, 1485-1522. Domherr von Sitten ; den 20. Oktober 1521 
zum Bischof von Sitten gewählt, erlangt die päpstliche Genehmigung nicht, tritt 
daher den 29. August 1529 zurück und stirbt den 22. April 1538. 

* Jodok de Platea. seit 1505 Domherr und seit 1524 Dekan von Sitten, 
stirbt im Herbste 1532. 

• Johann Magni (Grand), Domherr von Sitten, 1514-1527. 

7 Empken (Emchen) Peter stammt aus St. Niklaus, erscheint 1505‘" l 5 21 
als Kaplan des Kl. Matth. Schiner. Einige Bücher ans seinem Nachlaß befinder 
sich im Archiv von Valeria. 

1 Egid Venetz von Naters, 1515 Kastlan von Brig. 1516 und 1517 Lande> 
hauptmann von Wallis. 


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7i 


stentem, extraxit quaradam capsam, in qua erat dicta mitra seu infula 
d. Jodoci, ut dicebatur, unacum qua dam alia minoris existimationis; 
item et unum gladium ipsius quondam dom. Jodoci, cuius vagina fuerat 
de argento deaurato composita cum quodam alio gladio minori; item 
et baculum pastoralem per prefatum d. Jodocum, ut prefertur, donatum 
et prefato d. cardinali per ipsum v. cap. Sed. mutuo concessos. Que omnia 
prenarrata idem d. Petrus eisdem d. canonicis prenominatis presentibus 
et ad opus ipsius capituli recipientibus et de Castro Majoric deportantibus. » 
Testes: Petermann in Superiori Villa, not., Hans Braden, Nikolaus Randier. 
Amoldus Venetz, servitores ipsius ballivi et plures alii. 

Not. Pet. Dominarum. (A. V. Kalendale.) 

Die Mitra, von der hier die Rede ist, befindet sich noch gegenwärtig 
im Besitze des Bistums Sitten. Sie ist reich gestickt und mit Edelsteinen 
verziert. Die Vorderseite bietet in erhabener Arbeit die Brustbilder der 
' Mattergottes mit dem Jesuskind und des hl. Theodor; die Rückseite die 
*jj Bildnisse des hl. Michael und einer heiligen Märtyrin (hl. Katharina ?). 
Am Ende der beiden Schleifen steht das Wappen der Silinen, ein aufrechter 
roter Löwe in Gold, überragt von Inful, Krummstab und Schwert. Nach 
einem Bericht des Herrn M. de Mely in einer französischen Zeitschrift 
wurde diese Mitra Jost von Silinen durch den französischen König 
Ludwig XI. geschenkt. (Mitteilung von Louis de Farcy.) Der Hirten¬ 
stab und ebenso das Schwert scheinen nicht mehr vorhanden zu sein. 

D. Imesch. 



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REZENSIONEN 


COMPTES RENDUS 


L. Suter und G. Caitolla, Histoire Suisse. Troisieme edition. revuc 
et augmcnt6e. Einsiedeln, Benziger u. Cie, 1918. 486 S. 

Für die Vortrefflichkeit dieses Schul- und Handbuches der Schweizer¬ 
geschichte spricht der Umstand, daß es binnen weniger Jahre bereits die 
dritte Auflage erlebte, ein Beweis auch dafür, wie groß und allgemein das 
Bedürfnis nach einem derartigen Lehrbuch für katholische Mittelschulen 
war. Der Umfang ist ein wenig erweitert, die Zahl der Illustrationen aber 
beibchalten, kleinere Fehler der früheren Auflage sind berichtigt worden; 
einiges ist noch stehen geblieben, was wissenschaftlich beanstandet, aber 
vom Standpunkte des Schulbuches nicht ohne Widerspruch von Seite der 
Lehrerschaft zu eliminieren wäre, so die allzu großen Konzessionen an die 
volkstümlich gewordene, aber wissenschaftlich aufgegebene Überlieferung 
bez. verschiedener ausschmückender Sagen. Die Fassung über die Lehr¬ 
tätigkeit des Erasmus in Basel ist zweideutig (S. 205), da er nicht als Lehrer 
an der dortigen Universität gewirkt hat; ebenso was von Bonstetten 
gesagt wird (205), der nie eigentlicher Oberer (Abt), sondern nur Dekan 
war ! Freiburg hat nie eine Kathedrale besessen (ib.). Die wichtigste Ab¬ 
änderung, die eine glückliche Verbesserung bedeutet, beschlägt das letzte 
Kapitel, wo die bisherigen Ausführungen über die Lage der Schweiz beim 
Ausbruch des Weltkrieges, die allzusehr durch die Zeitereignisse beinflußt 
waren und zu sehr aus dem historischen Rahmen heraustraten, durch 
einen ganz neuen Abschnitt über die Schweiz. Neutralität ersetzt werden, 
der, nicht weniger aktuell, weit besser in den übrigen Zusammenhang paßt. 
Für eine künftige radikale Umgestaltung, der leider der für derartige 
Bücher nicht zu empfehlende Stereotypdruck im Wege steht, wäre vom 
pädagogischen Standpunkte die Einführung von zweierlei Satz sehr ange¬ 
zeigt, wodurch das Buch für verschiedene Unterrichtsstufen sich leichter 
verwenden ließe. Alb . Bücki. 


HurgaoiSGhe« Urkundenbuch, herausgegeben auf Beschluß und Ver¬ 
anstaltung des Thurgauischen Historischen Vereins. Dritter Band, 1. Heft 
(1251-1260). Redigiert von Friedrich Schaltegger. Frauenfeld, Huber. 
1819. 192 S. 6 Fr. 


Enthält unter anderem eine Anzahl bisher ungedruckter Papsturkunden, 
die auch bei Potthast fehlen (Nr. 280, 314-315. 351-352, 373-403); eine 
andere vom 25. Februar 1255 ist wichtig zur Datierung des Aufenthalts 
des großen Franziskanerpredigers Bcrchtold von Regensburg in Konstanz 
(Nr. 334). Die noch zahlreichen ungedruckten Urkunden sind meistens 


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73 


dem Thurgauischen Kantonsarchiv entnommen, einige wenige entstammen 
den Staatsarchiven von Zürich und Schaffhausen, sowie dem Landesarchiv 
in Karlsruhe und dem Pfarrarchiv von Paradies, eine ist in Privatbesitz. 
Bei einigen Stücken (Nr. 285, 360, 384, 389, 402) fehlen die sonst üblichen 
Angaben über Herkunft oder ob schon früher gedruckt. Die Edition ist 
gut, die Wiedergabe sorgfältig; die begleitenden Erläuterungen zweck¬ 
mäßig, und die kritischen Erörterungen zeugen von gesundem Urteil. 
Kirchen und Klöster kommen sehr häufig vor, so daß das Thurgauische 
Urkundenbuch eine wichtige Quelle für die Schweizer. Kirchengeschichte 
bildet. Wir wünschen dem Werke einen raschen Fortgang und zu diesem 
Zwecke, daß der Herausgeber noch häufiger für bereits gedruckte Stücke 
vom Regest Gebrauch mache ; sonst könnte das bisherige Verfahren, das 
ja für die Benutzung sehr angenehm ist, doch auf die Dauer zu viel Raum 
beanspruchen. Alb. Büchi. 

Mondtag , P. Emmanuel. Benediktiner der Erzabtei Beuron. Das 
Verzeichnis der St. Galler Heiligenleben und ihrer Handschriften in Codex 
Sangall. Nr. 566. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der St. Galler Hand¬ 
schriftensammlung. Nebst Zugabe einiger hagiologischer Texte. (Texte 
und Arbeiten herausgegeben durch die Erzabtei Beuron. I Abt. Heft 
3-4.) 1918. Verlag der Kunstschule Beuron. Leipzig, Otto Harrassowitz. 
xvi, 184 SS. 11 Mk. 

Im 9. Jahrhundert war man in Deutschland eifrig bemüht, die Heiligen 
und ihre Reliquien zu verehren. Aus Italien, der reichen Schatzkammer 
heiliger Gebeine, suchte man auf jede Weise sich diese kostbaren Überreste 
zu verschaffen, um Kirchen und Klöster damit zu bereichern. Hand in 
Hand damit ging das Interesse für die Heiligenleben ; ihre Geschichten und 
Legenden wurden fleißig gesammelt und begannen, wertvolle Pergament¬ 
bände zu füllen. Mit der wachsenden Menge stieg auch das Bedürfnis nach 
einem Repertorium oder Übersicht zur Orientierung in dem zerstreuten 
Material. So entstand um das Jahr 950 in St. Gallen ein Verzeichnis der 
Heiligenleben, welche in etwa 80 verschiedenen Handschriften des Klosters 
enthalten waren. Es nimmt die Seiten 3-21 der Handschrift 566 ein und 
ist erstmals von Lehmann veröffentlicht worden in den mittelalterlichen 
Bibliothekskatalogen Deutschands und der Schweiz. Bd. I. München 1918. 
VgL Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte 13 (1919), 85 ff. Heute 
würde man für einen solchen Katalog die alphabetische Ordnung wählen ; 
damals gab man der kalendarischen Reihenfolge den Vorzug, als der ge¬ 
eignetsten zur möglichst raschen und bequemen Auffindung der einzelnen 
Legenden, Das Verzeichnis beginnt daher mit dem ersten Januar und 
schließt mit dem 31. Dezember. Das ist der Grund, weshalb Scherrer es 
irrtümlicherweise für ein Kalendarium ansah. Spätere Schreiber haben 
dann noch bis ins 13. Jahrhundert die Liste durch Nachträge vervollständigt. 
Der Verfasser bezeichnet bescheiden seine Arbeit als einen Versuch, die 
Angaben des Katalogs mit dem gegenwärtigen Bestände der St. Galler 
Stiftsbibliothek durch vergleichende Studien zu identifizieren. Kein leichtes 


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74 


Unternehmen, wenn man erfährt, daß die nahezu 1000 Namen in 27 Samme!- ’• 
handschriften zerstreut sind, von denen eine in Zürich, eine in Stuttgart : 
ein großer Teil verloren ist. Nur durch mühsame pabiographische Unter¬ 
suchungen. Vergleichungen und Kombinationen ist es dem Fleiße und : 
Spürsinn des Verfassers gelungen, zu gesicherten und erfreulichen Resul¬ 
taten zu gelangen. Allerdings sind noch manche Fragen nicht aufgeheilt - 
und werden wohl nie aufgehellt werden ; aber unser Vertrauen in die Zuver¬ 
lässigkeit des Resultates wird nicht vermindert, wenn es öfter auch mit :: 
einem 0 vielleicht», « es ist möglich » und dergleichen vorgebracht wird : 
Codex 566 und die ehemalige St. Galler, jetzt Zürcher Handschrift, ent- 1 
halten noch einige kleinere hagiologische Texte, die als Beilagen hier ; : 
erstmals abgedruckt sind. Wer die Mühe nicht scheut, den Darlegungen s 
des Verfassers zu folgen, wird ihm für dieses, sein Erstlingswerk dankbar ! 
sein, mit der begründeten Hoffnung, daß aus seiner Feder noch weitere ■ 
ebenso gründliche Quellenstudien hervorgehen werden. Wie aus den An* • 
merkungen S. 92 und 145 zu ersehen ist, sind zunächst solche über Abt j . 
Waldo von Reichenau und die St. Galler Kalendarien vom 9.-11. JahT- ;• 
hundert zu erwarten. j 

Einsiedcln, 31. Mai 1919. P. Gabriel Meier, O.S.B 

I 

Urkondenbuoh d€r Abtei 8t Galleo, herausgegeben vom histo¬ 
rischen Verein des Kantons St. Gallen, unter Mitwirkung von Jos. Müller : 
bearbeitet von Traugott Schieß. Teil VI. Lieferung x u. 2 (1442-1453; ; 
St. Gallen, Fehr, 1917-18. 400 S. 

Dieses treffliche Urkundenbuch, in dessen Redaktion der verdiente \ 
Stiftsarchivar Jos. Müller eingetreten ist, wird nun meist in Regestenform 
weitergeführt von Nr. 4376-5594 nach bewährten Editionsgrundsatzcn : 
Wir werden nach Erscheinen des ganzen Bandes darauf zurückkommen 
in einer eigenen eingehenderen Besprechung. A. Büchi. 

Die Abtei Hontharom (M.D.S.R. 2. Serie. Bd. X.) von Misixni ]' 
Raymond, Lausanne 1918. 242 S. 

Gleichsam als Auftakt zur Hcrbstversammlung dei Westschweue- .. 
rischen Geschichtsforschenden Gesellschaft in Montheron erschien (kr , 
vorliegende Band der M. D. S. R. mit der Arbeit Maxime Reymond’s. 
der ja den Lesern der Zeitschrift für Schweizer. Kirchengeschichte schon 
längst als eifriger Forscher mittelalterlicher Kirchengeschichte in der j 
Westschweiz bekannt ist. Wenn auch die Geschichte Montherons keine . 
weltbewegenden Ereignisse verzeichnen kann, so hat sie für uns doch 
ihren eigenen Reiz ; das Hereingreifen des hl. Bernhard von Clairvaux in 
die Entstehung des Klosters, die Gründung im stillen Joratwalde, das Leben 
und Treiben der Mönche, ihr Mühen und Schaffen um die Kultivierung des ; 
Ödlandes, ihre berühmten Weinpflanzungen von Dözaley. die reichen . 
Schenkungen des umliegenden Adels, alles auf dem Untergründe einer 1 
geistigen und materiellen Blütezeit des Mittelalters, wechselt dann ab mit , 


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75 


•lern Auftauchen trüberer Bilder, mit Erschlaffung und Verarmung, um 
•.ndlich mit der Aufhebung der Abtei und der Übersiedlung der letzten 
Mönche 1539 nach Lausanne zu schließen. 

In 4 Abschnitten behandelt Reymond Gründung und erste Ausstattung 
der Abtei, das innere Leben, die Verwaltung des Klosters und seine Äbte ; 
er gibt dann im 3. Teil in dankenswerter Weise eine genaue Darstellung 
des Klosterbesitzes, im 4. Teil spricht er von den Klosterbauten. 11 Doku¬ 
mente und ein reicher Index etc. vervollständigen das Werk. 

Ich möchte auf einzelne Punkte der Klostergeschichte noch etwas 
vmgehen. Die Gründung Monthcrons, wie die des benachbarten Hautcröt 
fällt zusammen mit der Reformtätigkeit des hl. Bernhard, der 1133 oder 
1135 nahen Bischofssitz Lausanne weilte. Vorher bereits hatte Bischof 
Girard von Lausanne zwischen 1120-29 Ländereien am Jorat, und zwar 
:un Südabhang, für eine geistliche Gründung zur Verfügung gestellt. Das 
»debiet stieß an den Besitz der Herren von Palezieux, die auch später An¬ 
sprüche darauf erhoben. Ursprünglich scheint alles Land zwischen dem 
Genfersee bei Ouchy und den Joratwaldungcn bis nach der Gegend von 
Oron bischöflicher Besitz gewesen zu sein ; doch machte sich im 1. Teil 
iles 12. Jahrhunderts, und besonders um die Mitte, das rücksichtslose Vor¬ 
gehen der Bistumsvögte, der Grafen von Genf, drückend bemerkbar, was 
dann schließlich zu einem Bunde des hl. Amadeus von Lausanne mit dem 
öorgundischen Rektor Herzog Bertold IV. von Zähringen führte. Nicht 
lange scheint indessen das erste primitive Kloster, als dessen Gründungsjahr 
1139 genannt wird, und das 1142 von Bischof Guy von Merlen noch am 
Südhang des Joratgipfels bestätigt wurde (vgl. M. D. S. R. 1. Serie XII : 
Cart. de Montheron und vorliegenden Band, 1. Dokument, p. 197-200) 
dort bestanden zu haben ; bereits 1147 wohnen die Zisterzienser im einsamen 
Talenttale (Cart. de Montheron, p. 10), von nun an dem Hauptsitz ihres 
Schaffens. Die Ufer des Talent, der sich vom Jorat nordwärts zur Orbe 
und dem Neuenburgersee wendet, waren im Besitz der Herren von Gumoöns ; 
diese waren die Oberjägermeister des Bischofs von Lausanne in den ge¬ 
waltigen Waldungen des Jorat; von ihnen bekam das junge Kloster mit 
Erlaubnis des bischöflichen Lehensherm den Grund und Boden am Talent¬ 
bach. wo sich nun die Abtei Montheron (oder Tela) und später im 13. Jahr¬ 
hundert das von ihr besiedelte Dorf Froideville erhob. 1154 traten die 
Herren von Aubonne und Eclöpens ihre Rechte in der gleichen Gegend 
ab; schnell folgten weitere Schenkungen, die zusammen die Herrschaft 
Montheron-Fi oideville bildeten, und über die der Abt die volle Gerichts¬ 
barkeit, ausgenommen den dem Bischof reservierten Blutbann, hatte. 
Reymond bietet p. 24-26 eine genaue Umgrenzung dieses ursprünglichen 
Besitzes. — Reichlich flössen die Schenkungen auch in der weiteren Um¬ 
gebung der Abtei, und Ende des 12. Jahrhunderts hatte die Abtei im wesent¬ 
lichen ihren spätem Besitzstand schon erreicht. Vor 1142 erhielt sie die 
bedeutende Domäne Cugy, dank der Freigebigkeit der Herren von Stäffis, 
1154 traten die Herren von Cossonay ihre Rechte auf Villars-Aillevens 
und Coneston (östlich Milden) ab ; um die gleiche Zeit konnte die Domäne 
v on Pailly gegründet werden mit Erlaubnis der Herren von Grandson. 


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— 7& — 

Herr Ulrich von Boulens brachte bei seinem Eintritt in die Abtei (zwischen 
1144-63) mit Gestattung seiner Lehensherren, der Grafen von Genf, seine 
ganze Herrschaft dem Kloster zu. Die bedeutenden Ländereien bei 
Chcvressy (Yverdon) folgten bald ; sie waren so wertvoll, daß man 12:4 
daran dachte, die Abtei dorthin zu verlegen. 1147 notifizierte Hugo von 
Font die Schenkung seiner Vasallen, der Edlen von Cuissier, die die Domäne 
Buron (bei Villars le Terroir) gegeben hatten ; andere Schenkungen ver¬ 
mehrten dauernd den Besitz Montherons ; trotzdem blieb Montheron eir.e 
ziemlich arme Abtei, da die Mehrzahl der geschenkten Ländereien erst in 
harter Arbeit kultiviert werden mußten ; und war dies geschehen, meldeten 
sich gar häufig die Nachkommen der Geber, um von den neugewonnenen 
Kulturen Einkünfte und Zehnten zu fordern ; und meist endete der Streit 
dann mit einem Kompromiß, aus dem die Klostergüter nicht schadlos 
hervorgingen. Die Not der Mönche stieg so, daß sich 1207 und später das 
Gencralkapitcl der Abtei annehmen mußte. 

Aus der bewegten Konfliktszeit Friedrich Barbarossas mit dem Papst¬ 
tum und der Regierung der zähringischen Rektoren weiß das einsame 
Kloster uns wenig zu melden ; doch zeigt immerhin eine Bestätigungsbulle 
Alexanders III. für die Besitzungen Montherons dessen Stellung im Kon¬ 
flikt. Auf die weiteren Schicksale des Klosters bis zu seiner Aufhebung 
einzugehen, würde hier zu weit führen. Ich möchte nur noch einmal die 
wertvolle eingehende Angabe der Klostcrbesitzungen hervorheben, dir 
sich mosaikartig über einen großen Teil des Waadtlandes verbreiten, und 
die so im Kleinen schon das Bild der furchtbaren Zersplitterung der Besiu- 
Verhältnisse des Waadtlandes, die ich später für die Zähringerzeit auf einer 
Karte darzustellen versuche, geben. — Mehrere Illustrationen ergänzet? 
anschaulich das Geschriebene. 

Es sei mir als letztes der Wunsch gestattet, daß zur schnelleren Be¬ 
nützung der wichtigen Sammlung einmal ein Verzeichnis aller in den ver¬ 
schiedenen Bänden enthaltenen Arbeiten (statt der bisherigen Melange 
erscheint. 

Freiburg i. Ü. H . Hü ff et. 


Dr. Kathi Meyer, Der chorieohe Gesang der Frauen mit besonderer 
Bezugnahme 1 seiner Betätigung auf geistlichem Gebiet. I. Teil : Bis zur 
Zeit um 1800. Leipzig, Breitkopf und Härtel. 1917. 151 S. u. xxxvm S. 
Musikbeilagen. 

Vorliegende Schrift zerfällt in zwei nach Umfang und Wert ungleiche 
Teile. Der zweite beginnt S. 43 und behandelt das 17. und 18. Jahrhundert. 
Der erste trägt zusammen, was die Verfasserin über den gottesdienstlichen 
Chorgesang der Frauen aus der Zeit vor 1600 gefunden hat. 

Weibliche Gesangchörc sind im Grunde eine Errungenschaft der 
neueren Zeit; die Mädchenkonservatorien in Venedig waren ihre ersten 
Heimstätten. Sie führten an Festtagen die Vesper (Psalmen u. a.) aof. 

1 Besser wäre wohl: Bezugnahme auf usw. 


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77 


und bei andern Gelegenheiten, auch vor fürstlichen Besuchern in mehr 
konzertmäßigen Veranstaltungen, Oratorien, Kantaten, wie instrumentale 
Werke. Solche Konzerte gehörten zu den Genüssen, die der gebildete 
Besucher Italiens sich nicht entgehen lassen durfte. Die Berichte der Hörer 
von Rang und Namen, die Verf. vorlegt, sind voll des Lobes über die künst¬ 
lerischen Leistungen dieser weiblichen Sing- und Spielkapellcn. Gegen das 
Ende des 18. Jahrhunderts begannen sie rapide zu sinken. 

Verf. ist der Musikgeschichte der venetianischen Musikanstalten mit 
großem Fleiße nachgegangen und berichtet über ihre äußere und innere 
Entwicklung, so weit es die zugänglichen Quellen und Archive gestatten. 
Unter den Chorleitern des Conservatorio degli Incurabili begegnen uns 
Hasse, Porpora, Iomelli und Galuppi. Mit den Incurabili wetteiferten 
die Mendicanti um den Vorrang in Gesang und Spiel. Ihre wichtigsten 
Meister waren Bertoni und Pasquale Anfossi, zuletzt noch Simon Mayr. 
Am sog. Ospedaletto lehrten und schufen u. a. Traetta, Sacchini und 
Cimarosa. Im Ospedale della Pietä endlich wurden namentlich die Instru¬ 
mente gepflegt und an Feiertagen Orchesterkonzerte veranstaltet. 
Vivaldi war hier Direktor und schrieb für seine dortigen Schülerinnen 
viele seiner Konzerte. Bei allen vier Konservatorien macht Verf. die Liste 
der für sie verfaßten Kirchen- und anderen Kompositionen namhaft, Ora¬ 
torien, geistlicher Dramen, Psalmen und anderer geistlicher Werke, so¬ 
weit sie sich herstellen ließ. Außerhalb Italiens sind ähnliche Anstalten 
nur in Wien im Kloster der Ursulinerinnen, und in Paris im Erziehungs¬ 
institut der M me von Maintenon in St. Cyr nachweisbar, für welche Racine 
seine Tragödien Esther und Athalie verfaßt hat, zu denen dann Moreau 
die Musik schrieb. 

In einer Art Anhang (S. 125 ff.) sammelt Verf. zahlreiche Angaben 
über weltlichen weiblichen Chorgesang, zumal im Mittelalter, über die Teil¬ 
nahme von Frauengesang an höfischen und Volksfesten, über die Musik 
an den italischen Renaissancehöfen in Florenz, Mantua, Ferrara. Daran 
schließen sich Angaben über die allmähliche Zulassung von Frauen zum 
Kirchen-, Konzertgesang und zur Oper. 

Alles in allem eine emsige Zusammenstellung von Notizen, von denen 
viele neu und nur an Ort und Stelle erreichbar waren, und für welche wir 
der Verf. dankbar sind. Sie bietet ein ziemlich lebendiges Bild von der 
Musikpflege in den merkwürdigen Kunststätten des Landes, das damals 
das erste im Bereiche der Musik war und die Formen der neueren Gesangs¬ 
musik geschaffen hat. Die Musikbeilagen beleuchten die Entwicklung des 
Gesangstiles von den einfachen geistlichen Lauden des Razzi, 1563, über 
den rezitativisch-monodischen zum Koloraturstil, der mit dem Ende des 
17. Jahrhunderts vorherrscht. Die beiden letzteren Stile sind durch Kompo¬ 
sitionen von Frauen vertreten. (Hoffentlich wird aber die über den Silben¬ 
wechsel fortlaufende Querstrichelung von Achtel- und Sechszehntelsnoten, 
wie sie die Verf. vomahm, nicht die Regel 1 ) 

Leider kann ich dasselbe Lob nicht dem ersten Teil spenden (S. 1-43). 
Hier bewegt sich die Darstellung mehrfach auf dem Boden der Liturgie 
und des kirchlichen Lebens, offenbart aber eine bemühende. Unerfahren- 


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heit und Hilflosigkeit, die sie zahlreichen schiefen Urteilen und Miflve:- * 
ständnissen zum Opfer fallen ließ. Was sind das für seltsame Neubildungen 
auf S. 6 « antiphonal » und « responsional » ? Warum nicht sagen «anti* 
phonisch » und « responsorisch » oder « responsorial», wie die Queller. * 
nahelegen und auch von der Vcrf. sonst gesagt ist ? Was ist (S. 7 
« die Form des Antiphons » ? Im Lateinischen und Griechischen ist das 
Wort immer feminini generis, antiphona und antiphone. Was soll S. 1; 

« das Anthem der unbefleckten Empfängnis » bedeuten ? Sangen die Thea¬ 
tinerinnen englisch? Gemeint ist die Antiphone de Immaculata Conceptione * 
Was sind « die Kapitularien der Prisciniallisten » (S. 7) ? Da von eine' 
Sekte dieses Namens bisher noch nichts verlautete, dachte ich zuerst er 
einen Schreibfehler. Aber das Wort sieht auch im Register am Ende de> 
Buches ! Sicher sind die Priszillianistcn gemeint, und es liegt ein Lesefehler 
vor. Aber ihre c Kapitularien » ? Zum Glück verweist die Anmerkung aui 
die « Capitularia regum Francorum des Baluzius ». Es sind also die frän 
kischen Könige mit den Priszillianisten verwechselt worden und diese sind 
zu Prisziniallisten gemacht. S. 9 werden dem hl. Ephraem « Stufen- (Gra- 
duale) und Wechselgesängc » zugeschrieben, die er die gottgeweihten Jung¬ 
frauen gelehrt habe. Was hat es da mit den Stufen für eine Bewandnis; 
Glaubt die Verf., die Jungfrauen hätten auf den Stufen eines Ambo p- • 
sungen ? Gradualien hat cs im 4. Jahrhundert nicht gegeben. S. 14 wiri 1 
das Ordinarium Missae mit Chorgesang identifiziert; es « sei schließlich | 
den Nonnen gestattet geblieben ». Aber auch andere Teile des Meßgesanges 1 
wie Introitus und Communio, sind Chorgesänge. Geradezu verwirrt ist j 
was S. 15 und 16 über den Unterschied von «regulären und kanonischer 
Nonnen » gesagt ist. Die einen wie die andern hatten den Gebetsdienst de> 
Officiums zu leisten, und unter dem musikalischen Gesichtspunkt bestand 
zwischen beiden so gut wie kein Unterschied. Ganz irrig ist es, wenn Yen I 
meint (S. 16), «der Name Canonicac weise auf eine erhöhte Bedeutung ! 
der kanonischen Stunden für diese Institute » hin ; er bezieht sich auf ihr-, 
äußere Lebensweise, die weniger streng war, als bei den unter der Benedik¬ 
tinerregel lebenden Ordensfrauen. Mit größerem Recht könnte mau j 
daher das Gegenteilige von diesen «Canonicae » behaupten, daß nämlich • 
der Chordienst bei ihnen nicht mit derselben Strenge gehalten wurde, ab J 
bei den « regulären » Ordensfrauen. Die weitere Entwicklung des Institute.' j 
der Kanonissen hat dann diese freiere Richtung immer stärker heraus ; 
gebildet. Warum hat Verf. sich über diese Dinge z. B. nicht im « Kirchl * 
Handlexikon » oder einem andern von fachkundiger Seite hergcstellte: j 

Werke Aufschluß geholt ? S. 16 ist die Rede von Vorschriften des hl. Bene- ' 

• 

dikt, dann vom Orden der Visitation, dann der Dominikanerinnen us* j 
Dabei stammt die Regel des hl. Benedikt aus dem 6., der Orden der Vis: ; 
tation aus dem 17., der Dominikanerinnen aus dem 13. Jahrhundert ? 
Warum die Zcitfolgc nicht besser beachten ? Was Verf. über di; 
Ordnung des Kirchengesanges bei ihnen sagt, z. B. über die Unterscheidur.; j 
von Chor- und Konversschw'estem, trifft für alle weiblichen Orden mit : 
Chorleben zu und zwar bis auf den heutigen Tag. Wichtiger wäre hier ein 
Darlegung z. B. der eigentümlichen Gesangsweise der Visitandinnen ge- 


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79 


wesen, worüber z. B. Mettenleiter, Musica, Archiv für Wissenschaft usw. 
der heiligen und profanen Tonkunst, Heft II, S. 226, berichtet, eine Ab¬ 
handlung, die auch noch andere für den Gegenstand wichtige Notizen 
enthält. Mißglückt ist die Wiedergabe von Choralmelodien S. 23-27 ; 
ich habe Grund, darin zahlreiche Schreibfehler zu vermuten, und muß von 
einer Benutzung derselben abraten. Gleich die Ant. Prudentes virgin $ 
ist im ganzen Mittelalter und in der Neuzeit niemals so gesungen worden, 
wie. sie dasteht. In der Intonation des Hymnus Veni Creator (S. 24) 
stehen die meisten Noten eine Stufe zu hoch usw. usw. Auch wundere ich 
mich, daß hier nicht die schönen Choraltypen verwendet wurden, die das 
Haus Breitkopf und Härtel für meine « Einführung » eigens angeschafft 
hat. Warum auch die häßlichen Bindebogen über den zu einer Silbe ge¬ 
hörigen Noten ? Daß das Original z. B. den Podatus in der romanischen 
Art J. und nicht . 1 schreibt, vermute ich nach dem Zeichen der ersten Silbe 
von «veni «. S. 16 oben. 

Das stärkste ist aber die Übersetzung des « ut feminae sacris altaribus 
ministrare ferantur » (S. 13 und 14, Anm.) mit « daß Frauen Messe lesen*, 
und der Satz, daß « den Frauen jede Meßzelebration untersagt war » (S 39). 
Damit ist wohl der Gipfel der Unkenntnis der kirchlichen Riten erklommen, 
Daß die Geschichte von der Nonne Nantildis, die König Dagobert wegen 
ihrer schönen Stimme aus dem Kloster heraus zu seiner Frau gemacht 
habe, eine Fabel ist, habe ich in meiner « Einführung » I*, S. 226, Anm. 
nachgewiesen; sie verdankt ihre Entstehung der falschen Lesung von 
monasterium » statt « ministerium # in der Chronik Fredegars. Nantildis 
war eine Hofdame, aber keine Klosterfrau. Was soll das heißen, daß die 
Canonici mit den « domicellis» von Chor zu Chor « Antifone » (!) sangen ? 
(S. 40). Gemeint sind wohl « damicellae », die mit den Kanonikern «ab¬ 
wechselnd » sangen. Gleich darauf kommt das Wort «antifonierend» 
wieder in demselben schiefen Sinne vor. Auf derselben Seite 40 erfahren 
wir, daß der Chor «antifonierend und respondierend bei Rubriken » (!) 
mitwirkte. Ebenda ist noch die Rede von den «oberdeutschen Stiften der 
Predigerorden ». Bisher hat man nur einen einzigen Predigerorden gekannt. 
S. 41 ist das « Salve Regina » eine Sequenz genannt; es ist aber keine solche, 
weder nach Text noch nach melodischer Struktur und nie eine gewesen ; 
vg. dazu meine Einführung« » I 8 , S. 157 usw. 

Nicht, um der Verf. unangenehmes zu sagen, habe ich diese kritischen 
Bemerkungen so ausführlich gehalten. Ihr Fleiß und Eifer verdienen im 
Gegenteil alle Anerkennung. Es lag mir aber daran, zu zeigen, daß ohne 
ausreichende Kenntnis der mittelalterlichen kirchlichen Verhältnisse und 
Einrichtungen eine zutreffende Darstellung von Gegenständen, wie sie in 
dieser Schrift behandelt sind, einfach nicht zu gewinnen ist. Und ich darf 
es bei dieser Gelegenheit einmal aussprechen, daß ich angesichts solcher 
Irrtümer mich manchmal frage, warum ich eigentlich meine « Einführung 
in die gregor. Melodien » geschrieben habe, daß sie so wenig benutzt wird ? 
Ich hätte da Klagen auch noch an andere Adressen zu richten. 

P. Wagner 



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8o 


Mflller, Dr. Alois. Peter II. Schmied, Abt von Wettingen i 55 g-i 633 . 
Ein Lebensbild aus der Zeit der Gegenreformation. (Mit Portrait). 33 S. 4". 
Zug, J. Kalt, 19(8. 

Die Schrift gibt ein getreues Bild Qber den äußern und innem Aufbau 
des in Zerfall geratenen Cisterzienserklosters Wettingen am Ende des 16. und 
Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Einleitung mit guten willkommenen Litera- 
turangaben führt uns ein in das, was wir von der Geschichte des Klosters im 
Allgemeinen wissen. Auf dieser Grundlage wird Abt Peter II. als zweiter Gründer 
des Klosters nach seinem Herkommen, Studium, als Statthalter des Klosters 
gewürdigt; seine Wahl zum Abt (10. Febr. 1594), seine Finanzrefonn, Bau¬ 
tätigkeit, die Hebung des innem Klosterlebens, der Bildung und Wissenschaf; 
in Wettingen werden für die 40 Jahre, während denen Peter II. dem Kloster 
als Abt Vorstand, eingehend erwähnt. Auch seine Gegner kommen zum 
Worte. Die Biographie, die zugleich eine Monographie des Klosters jener Zeit 
ist, stützt sich auf gründliche Studien des archivalischen Materials in Aarau. 
Luzern und Karlsruhe. Es ist ein wertvoller Beitrag zur Kirchen- und Kultur¬ 
geschichte unseres Landes, für den jeder Geschichtsforscher dem Verfasser 
dankbar sein wird. S. i-ar sind im Zuger Neujahrsblatt 1919 abgedruckt. 

Wilh. Jos. Meyer. 



Fribourg (Suisse). — Imprimcric Saint-Paul. 


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Handbuch der Schweizergeschichte. 

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ln der « Schweizerischen Rundschau > schreibt Universitäts-Professor 
l»r. Büchi von Krciburg über Hürbins Handbuch der Schweizergeschichte : 
«Wir haben nun ein Buch für alle gebildeten Katholiken jeden Standes , das 
?,nem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten 
katholischen Familie fehlen sollte. . 1 « wissenschaftlichem Gehalt und 
gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der 
SChweizergeschichtc nicht zu scheuen. I£s unterscheidet sich von den bis¬ 
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur¬ 
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen 
Werke erreicht, geschweige übertrofTen ». 

Dr. Joh. Georg Mayer 

Geschichte des Bistums Chur. 


Mit zahlreichen Konstbeilagen und Textillustrationen. 

2 . Bände in eleg. Originalleinwanddecken mit Goldprägung. Preis Fr. 31 . 50 . 

Der Verfasser hat bereits durch eine ganze Keihc wertvoller geschichtlicher 
Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen 
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk.- gewisser- 
rriaüen seine Lebensarbeit vor. Sie bietet sehr viel Neues, noch ganz Unbekanntes, 
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, gana original. — Kür alle 
Freunde vaterländischer Geschichte bietet das Werk reiches Interesse: für die 
Geschichte Granböndens and der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine 
Menge wertvoller Bausteine. Kirchengeschichtlich ist es eine der bedeutungs¬ 
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Jen ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und daraut basierend und damit verflochten die 
Geschichte des Doppclbistutns Chur-M.Gallen u.d.ktrcld. Errichtung des neuen bistmifs St. Gallen. 


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Inhaltsverzeichnis — Sommaire 


Joseph. Müller. — Karl Borromeo und das Stift St. Gallen .... 8/ 

M. Reymond. — Aymon de Montfalcon, evfique de Lausanne, 1491-1518. 94 

Prof- Joseph Troxler. — Liturgisches aus Beromünster (Tropen und 


Cantiones).112 

Fridolin Segmüller. — So macht man Geschichte.124 

Kleinere Beiträge. — Mdlanges. 140 

Rezensionen. — Comptes rendus. m - 139 


GRÖSSERE BEITRÄGE TRAVALX. 

welche für die nächsten Nummern que la Revue publiera 

in Aussicht genommen wurden. . prochainement. 

Ant. von Castelmur, Die Rheinauer Handschrift der Vita S. Sigisberti. 
R. Hoppeier, Das Subsidium charitativum vom Jahre i 5 oo. — Hermann 
Hüffer, Die geistlichen Herrschaftsgebiete in VVelschburgund unter der Herr¬ 
schaft der Zähringer. — L. Kern, L’incorporation des couvents de femmes dans 
l’Ordrc de Citeaux. — Konrad Kunz, Die Synodalstatuten des Bischofs Fried¬ 
rich II. von Konstanz vom Jahre 1436. — Aloys Müller, Abt Peter II. (Schmidt 
von Wettingen (1594-1633). — P. Fridolin Segmüller, Marianus Herzog. 
Steiger, K., Kirchen- und Staatsetat eines schweizer, geistlichen Fürstentums. 
Prof. Dr. Arnold Winkler, Der Tessiner Kirchenstreit, 1845-1847. 


N.-B. — Alle für die Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte bestimmten 
Rezensionsexemplare sind an die Redaktion Freiburg, zu adressieren. — 
Tous les ouvrages destines ä recevoir un compte rendu dans la Revue 
d'IIisloire ecclesiastique suissc doivent <}tre envoyes directement k la Redaction. 
Fribourg. 


Die Zeitschrift 

für Schweizerische Kirchcngeschichte 
erscheint 4 Mal jährlich. 


LA REVUE 

d’histoire ecclesiastique suisse 

% 

p.uait par fasricultt tmuestriels. 


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Karl Borromeo 
und das Stift St. Gallen . 1 

Von Joseph MÜLLER. 


Nach vierunddreißigjähriger Regierung, der es gelang, den poli¬ 
tischen wie finanziellen Stand des Stiftes St. Gallen zu erneuern und 
zu kräftigen, war Abt Diethelm Blarer von Wartensee am 18. Dezember 
1564 in Rorschach gestorben. Gleichen Tages noch erließ Dekan Markus 
Harsch mit der Todesnachricht die Einladung an alle Professen, am 
20. Dezember die Neuwahl des Abtes im Kloster St. Gallen vorzu¬ 
nehmen. * Der Konvent zählte 24 Mitglieder, von denen 22 sich zur 
festgesetzten Frist in St. Gallen einfanden 8 und auf dem Wege des 


1 Nachstehender Aufsatz wurde am 16. April 1918 in der Versammlung 
des historischen Vereins in St. Gallen vorgetragen. Er erscheint hier nochmals 
umgearbeitet und um die Exkurse und Beilagen vermehrt. 

* Bericht Florin Flerchs an Abt Otmar über die Vorgänge bei der Wahl 
und Konfirmation, S. 220 f. Der sehr weitschweifige Bericht ist im offiziellen 
Aufträge Otmars unmittelbar nach seiner Benediktion geschrieben worden. Er 
hat sich in Kopie erhalten im Stiftsarchiv, Band 358, doch sind die einzelnen 
Lagen auseinander gerissen und zwischen hinein die in der Konfirmations¬ 
angelegenheit gewechselten Briefe kopiert, die sich besser in gleichzeitiger 
Abschrift in Band 108 vor finden. 

* Es fehlten P. Jakob Stößel, der 1582 als Pfarrer in Bcinhardzcll. und 
P. Gallus Wittwyler, der 1566 schon starb. Johannes Egli, Die Glasgemälde des 
MonogTammisten NW, Beiträge zur St. Gallischen Geschichte, S. 279, bemerkt, 
es seien schon bei der Wahl Otmars im Konvente die Gegner des jungen energischen 
Mannes hervorgetreten. In den Akten über das Wahlgeschäft fehlt jeglicher 
derartige Hinweis. Die Bemerkung Eglis beruht auf einem Mißverständnis seiner 
sekundären Quelle, der Chronik P. Hermann Schenks, Stiftsbibliothek Msc. 1240, 
die S. 516 über die Wahl aber nur sagt, Otmar sei omnium ferc suffragiis erkoren 
worden, S. 520, wo sie von den Schwierigkeiten der Konfirmation handelt, unter 
den malevoli nur an Konstanz denken kann. 

revuz d'histoire eccl£siastiqce 6 


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— 82 — i 

Kompromisses den vierunddreißigjährigen Statthalter zu Rorschach. 
Otmar Kunz, zum neuen Vorsteher der Gallusstiftung erwählten. 1 * * 4 ; 

Die Eile, mit der die Wahl vorgenommen wurde, fiel auch damals ; 
auf. Gilg Tschudi, der von früher her Beziehungen zu St. Gallen ! 
unterhielt und dessen Bruder Balthasar seit zehn Jahren den Posten 1 
des Landvogtes im Toggenburg bekleidete, wird die Gedanken der i 
maßgebenden Konventsmitglieder richtig gedeutet haben, wenn er ! 
über die Wahl dem Abte von Einsiedeln schrieb, langer Verzug wäre ■ 
nicht nützlich gewesen, weil die Arglistigkeit der Welt freventliche 

• 

Eingriffe sich gestatte. Das Beispiel Rheinaus, das Tschudi dabei ; 
erwähnt a , zeigt, von woher man in St. Gallen diese Arglistigkeit be¬ 
fürchtete. In Rheinau hatten 1562 die VII alten Orte als Schirm¬ 
herren des Klosters in Folge der schweren Krankheit des Abtes Michael j 
Herster den Wettinger Konventual Johann Jakob Schweizer zum j 
Verwalter bestellt, wogegen sich die Konventualen als gegen einen j 
Eingriff in die Freiheiten des Stiftes gewehrt und soeben nach langem j 
und teilweise erregten Verhandlungen auch den Sieg davon getragen 
hatten. # 

Die Furcht, bei der ersten Abtswahl, die nach den Wirren der 
Reformation in St. Gallen erfolgte, auf Schwierigkeiten vor allem von 
Seite der evangelischen Schirmorte zu stoßen \ konnte nicht allzusehr 
befremden nach den Erfahrungen, die Otmars Vorgänger, Kilian und 

1 St.-A., Urk. A2-L1. 

1 Vogel, Egidius Tschudi, Anhang Nr. 28, S. 233 f. Es ist das von Reinhardt. 
Die Nuntiatur von Giovanni Francesco Bonhomini, Einleitung : Studien zur 
Geschichte der katholischen Schweiz im Zeitalter Carlo Borromeos, S. 64. A. x. j 
zitierte Schreiben Tschudis vom 23. Dezember 1564, das dort auf die Stimmung 1 
gegen Konstanz als bisher zu wenig beachtet, aber sehr interessant bezeichnet \ 
wird. Die Briefe Tschudis an Eichhorn sind im Stiftsarchiv Einsicdcln nach ! 
gütiger Mitteilung P. Rudolf Henggclers nur mehr in der Kopie Kaspar Specker ; i 
vorhanden. Die mir vorliegende des zitierten Briefes, lateinisch, enthielt den j 
Ingieß nicht, ebenso fehlt die ganze Stelle über den Papst. Selbst der großen j 
Akribie Reinhardts ist es entgangen, daß der Brief von Vogel mit den Anmer- j 
kungen wörtlich aus Fuchs, Egidius Tschudis Leben und Schriften. Beilagen j 
Nr. XLIII, S. 212 f. — 1562 ist dort Druckfehlerl — entnommen wurde. ! 
entging Reinhardt die teilweise noch temperamentvollere Nachschrift Tschudis. j 
die Fuchs an führt. In der Kopie Kaspar Speckers wird das Datum des Schreiben' 
Volpis an Abt Joachim, 27. November 1564, angegeben. 

8 Hohcnbaum van der Meer, Geschichte des Gotteshauses Rheinau. S. 14h • 

4 Sie klingt offenbar nach in den Worten Flerchs : ■ Jis igitur rebus. <l ui - 
ad monasterium S. Galli seu eius abbatem ratione saecularis dominii pertinebar. 
et quae hoc tempore maxiine expediebat expcdiissc confectis ... », Bericht Flerchs 
St.-A., Bd. 358. S. 397. 


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- 83 - 

Diethelm, hatten machen müssen. Das Stift hatte den Schirmorten 
keine Nachricht von der Ausschreibung der Abtswahl gegeben. Erst 
am 23. Dezember, nach den Feierlichkeiten der Einsetzung, meldeten 
Dekan und Konvent nach Zürich, ebenfalls zu Händen der drei übrigen 
Schirmorte, das Ableben Diethelms und die bereits erfolgte Wahl 
Otmars und ersuchten zugleich, einen Tag zur Erneuerung des Burg¬ 
und Landrechtes zu bestimmen. 1 

Die Verhältnisse waren seit der Zeit, da an der Stelle des jetzigen 
Zürcher Schirmhauptmanns Hans Konrad Escher der Freund Zwinglis, 
Jakob Frei, in Wil residiert hatte, andere geworden. Nicht nur wurde 
auch nicht der geringste Versuch unternommen, sich in die bereits 
getroffene Abtswahl einzumischen oder den Freiheiten des Stiftes 
Abtrag zu tun ; Zürich bestätigte schon am 27. Dezember die offizielle 
Kenntnisnahme der Wahl und zeigte die Ankunft seiner Ratsbotschaft 
auf den 7. Januar nach Wil an. Dort solle diese abwarten, wohin man 
sie weiter bescheiden werde. 2 Ebenso reibungslos verlief die Huldi¬ 
gung der Gotteshauslandschaft und der Grafschaft Toggenburg. 8 
Einzig am Heimatorte des neuen Abtes, in der Stadt Wil, konnte die 
Beschwörung des Burg- und Landrechtes mit den Gesandten der 

IV Schirmorte nicht vorgenommen werden. Er könne, erklärte Otmar 
selbst, den Bürgern diese Zumutung nicht stellen, da sie auch ihm 
erst schwören müßten, wenn er die Konfirmation vom Papste erhalten 
habe. 4 

Von ganz anderer Seite, als man im Stifte St. Gallen befürchtet 
hatte, sollten dem neuen Abte Schwierigkeiten erwachsen. Das Konzil 
von Trient hatte mit seinen kirchenrechtlichen Bestimmungen nach¬ 
haltig in so manche Privilegien eingegriffen und allenthalben die 
bischöfliche wie die päpstliche Gewalt gestärkt. Gegen die dogmatischen 
Dekrete des Konzils wurden von der katholischen Eidgenossenschaft 
keine Einwendungen erhoben. Als Abt Joachim Eichhorn und Ritter 
-Melchior Lussy im Januar und März 1564 die Anerkennung des Konzils 
gemäß ihrer Vollmachten Unterzeichneten, erfolgte von keiner Seite 
Einspruch, und im Vertrage, mit dem am 3. Juli desselben Jahres 
der langwierige « Tschudikrieg t> seinen Abschluß fand, bestätigten die 

V Orte ausdrücklich, daß sie ihrerseits sich entschlossen hätten, dem 

1 St.-A., Urk. A2-L1, Entwurf. 

* St.-A., Bd. 108, f. 10a. 

• Ebenda, f. 106 ff. 

4 Ebenda, f. 11 a f. 


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Konzil zu gehorsamen. Aber umso eifriger bemühte man sich, die 
bisherigen Privilegien beizubehalten und auf dem Gebiete des Staats¬ 
kirchenrechtes den neuen Bestimmungen die Anerkennung zu ver- ; 
weigern, zum mindesten ihre Annahme aufzuschieben. 1 Die Vorgänge, 
die sich um die päpstliche Konfirmation der Wahl Otmars abspielen, ? 

4 

bilden eine erste Illustration, wie nicht bloß von Seite der weltlichen ; 
Landesherren, sondern auch von den geistlichen Stiften gegen jede : 
Stärkung der bischöflichen Gewalt reagiert wurde, sobald dadurch i 
bisherige Privilegien angegriffen erschienen. 2 Borromeo, der als Staats- j 
Sekretär seines Oheims Pius IV. sich mit der Konfirmation zu befassen ■ 
hatte, hat hier erstmals aus der Eidgenossenschaft jenen Widerstand I 
erfahren, den er im Tessin und auch in der deutschen Schweiz als j 
«Usurpation» gegen die geistliche Jurisdiktionsgewalt bezeichnete.* j 
Nachdem durch das verbindliche Schreiben Zürichs die Furcht 
geschwunden war, es möchten von den evangelischen Schirmorten 
seiner Wahl Schwierigkeiten erwachsen, bemühte sich Otmar sofort j 
um die Konfirmation. Offenbar verhehlten er und seine Ratgeber sich , 


1 So ist ■ das Tasten und Zögern » zu bewerten, das Reinhardt mit Recht 
gegenüber der Dai Stellung Scgessers über die Anerkennung des TridentiDums 
durch die katholischen Orte betont und weiter ausgeführt hat. S. Reinhardt, j 
a. a. O., S. 38 ff. i 

* Reinhardt hat in den angeführten Erörterungen diese Vorgänge bloß mit : 

einem kurzen Satze gestreift und — von der Darstellung Zieglers abhängig — 1 
dabei nur eine Einmischung des Kardinals von Konstanz gesehen. Die nach- ( 
folgenden Ausführungen werden zeigen, daß Spiel und Gegenspiel sich auch hier | 
um die piaktischc Anerkennung des Tridentinums drehte. Die Konfirmation 1 
Abt Otmars verdient in der Darstellung der « Stimmung » der katholischen Orte 
in den Jahren nach dem Konzil umsomehr eine giößere Berücksichtigung, ab 
sie in die eisten Jahre fällt. , 

* Wohl hat Eugen Ziegler, Abt Otmar II. v^n St. Gallen, S. 8-12, und, das ; 
Grundsätzliche der Vorgänge weit besser hervorhebend, Johannes Egli in dem ^ 
oben erwähnten Aufsatze S. 279-281, die Schwierigkeiten behandelt, denen 
die Konfirmation Otmars begegnete. Beide haben dabei die Klosterchronik 
P. Hermann Schenks ihrer Darstellung zu Grunde gelegt. Wenn diese auch den - 
äußern Gang der Angelegenheit richtig zeichnet, so sieht sie hinter den Schwierig- . 
keiten einzig die Ranküne des Kardinals von Konstanz und seiner Kurie. Au> 
den primären Quellen, dem Berichte Florin Flcrchs und den noch vorhandenen 
Briefen der beteiligten Personen und Orte, deren Nichtberücksichtigung selbst 
verständlich nicht der kunsthistorischen Arbeit Eglis, wohl aber der Dissertation . 
Zieglers zur Last gelegt werden darf, ergibt sich jedoch ein, wie angedeutet. 1 
anderes, viel intensiver gefärbtes Bild. Das alles veranlaßte, die Darstellung der 
Konfirmation Otmars neu aufzunehmen, erforderte aber auch, sie detaillierter 
auszuführen. Dabei fallen aber auch einige Streiflichter ab auf Melchior Luv)' 

• 

und die Geschichte des Bündnisses mit Pius IV. ; 


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1 


- 85 - 

die Möglichkeit nicht, es könnten durch die neuen kirchenrechtlichen 
Bestimmungen Hemmnisse entstehen. Denn der Bericht Flerchs hebt 
hervor, wie man in reiflicher Beratung die geeigneten Schritte erwog, 
and wie aller Ansicht dahin ging, Melchior Lussy werde der beste 
Agent sein, um die Konfirmation leicht und schnell zu erlangen. Man 
fürchtete nur eines : der vielbeschäftigte Politiker werde sich mit der 
Angelegenheit nicht beladen wollen, weshalb Balthasar Tschudi beauf¬ 
tragt wurde, bei ihm persönlich zu sondieren. 1 Das muß eiligst 
geschehen sein. Denn schon am 8. Januar 1565, mitten aus den 
Feierlichkeiten der Huldigung und der Beschwörung des Burg- und 
landrechtes heraus, richtete Otmar an Lussy die offizielle Bitte, die 
Konfirmation in Rom besorgen zu wollen. 2 Umgehend erklärte sich 
lussy dazu bereit. Sein Brief datierte von der Tagsatzung zu Luzern, 
an der die VII katholischen Orte das Bündnisprojekt mit Pius IV. 
berieten. 3 Er werde, bemerkte Lussy, weil die das Bündnis ab¬ 
schließende Tagsatzung erst wieder am 21. Januar zusammentrete, 
nicht früher als auf den 25. zur gewünschten mündlichen Besprechung 
nach Wil kommen können. 4 Als aber Lussy sich in Wil einstellte, 
war er so eilig, daß er die Ausstellung seines Kreditivs und die Kopiatur 
der nötigen päpstlichen Privilegien nicht abwartete, sondern sie samt 
einem Kostenvorschuß von 200 Kronen durch Flerch nach Nidwalden 
bringen ließ. Die Hoffnung, auf Lichtmeß nach Rom verreisen zu 
können, mußte Lussy freilich aufgeben. Er ließ durch Flerch zurück¬ 
berichten, der päpstliche Geschäftsträger Vignola, der unmittelbar 
nach der Tagsatzung verreist sei, müsse in Italien Bescheid abwarten, 
wann sie nach Rom kommen sollten. Denn aus Furcht vor der Pest 
werde gegenwärtig sonst kein Deutscher am päpstlichen Hofe vor¬ 
gelassen. 6 

1 Bericht Flerchs, St.-A., Bd. 358, S. 397. 

• Der Brief Otmars selbst fehlt; das Datum ergibt sich aus der Antwort 
Lossys vom 10. Januar. 

• An der gleichen Tagsatzung verstiegen sich aber auch die Vorwürfe gegen 
den Kardinal Altemps bis zum Projekte eines eigenen schweizerischen Bistums. 
Man mag dies in Bezug auf die st. gallische Darstellung beachten, hinter den 
Hindernissen der Konfirmation Konstanz zu wittern. Vgl. Reinhardt, a. a. O., 
S. 63 f. ' 

4 Lussy an Otmar, Luzern, 10. Januar 1565, St.-A., Bd. 108, f. 36a. 

• Bericht Flerchs, S. 398. Lussy an Otmar, Luzern, 4. Februar, Bd. 108, 
f. 37. Kreditiv für Lussy, Kloster St. Gallen, 29. Januar, Urk. A2-L2, Original 
mit Siegel des Abtes und des Konventes. 


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Lussy hatte damit die diplomatische Niederlage bemäntelt, die 
ihm Frankreich in der Angelegenheit des päpstlichen Bündnisses 
soeben an der Tagsatzung zugefügt hatte. 1 Man wartete aber in 
St. Gallen geduldig bis Mitte März. Erst als Otmar die Nachricht 
empfing, daß auf den 17. Mai ein Reichstag nach Augsburg ausge¬ 
schrieben sei, wies er Lussy energisch auf die Verzögerung hin. Das 
Stift sei mit Land und Leuten kaiserliches Lehen ; er habe daher pflicht¬ 
gemäß die Regalien zu empfangen, wozu die vorherige Konfirmation 
absolut notwendig sei. 2 

Erst jetzt rückte Lussy mit der Wahrheit heraus. In seiner um¬ 
gehenden Antwort beklagte er sich bitter über die Umtriebe des 
französischen Gesandten, der Freiburg und Solothurn vom Bündnisse 
abgesprengt habe. Vom Papste aber stehe die Antwort noch aus auf 
den abgeänderten Vertrag und die Briefe der V Orte, die Vignola — 
«wie er schon durch Flerch geschrieben* (!) — von Bellinzona aus 
auf der Post nach Rom gesandt habe. Laute die in wenigen Tagen 
sicher eintreffende Antwort verneinend, werde er dennoch selbst eilig 
nach Rom reisen, um die Konfirmation bis zum 17. Mai zu erhalten. 
Sei es aber dem Abte angenehmer, so wolle er sofort einen Edelmann 
mit der Besorgung des Geschäftes beauftragen, oder, falls Otmar die 
Angelegenheit einem Vertrauten übergeben wolle, diesen mit seinen 
Fürschriften unterstützen. 3 Als jedoch der Abt in höflichster Form, 
— wenn Lussy selbst bis zum Beginn des Reichstages keine Garantie 
der Besorgung übernehmen könne — hierauf eingehen wollte, ant¬ 
wortete Lussy sofort zurück, er werde, komme das Bündnis zu Stande 
oder nicht, doch nach Rom reisen ; durch ihn werde der Abt gewiß 
nicht zu Schaden kommen. 4 

Die Tagsatzung der V Orte zu Luzern vom 10. April stand 
unmittelbar bevor, ohne daß Lussy über die Aussichten einer baldigen 
Reise dem Abte berichtet hatte. Da erkundigte sich Otmar bei seinem 
toggenburgischen Landvogte, Balthasar Tschudi, ob ihm etwas über 
die Abreise des Nidwaldner Landammanns bekannt sei, und sandte 
darauf den Landvogt selbst nach Luzern, um dort mit Lussy ernstlich 
zu reden. Habe Lussy auch nur einige Zweifel, seine Zusage halten zu 


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4 - 

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1 Feiler, Ritter Melchior Lussy, I, S. 64 f. 

1 Otmar an Lussy, Wil, 17. März, Bd. 358, S. 242, Entwurf. 

* Lussy an Otmar, 18. März, Bd. 108, f. 38 f. 

4 Otmar an Lussy, Wil, 24. März ; Lussy an Qtmar, 25. März. 
L 39*> ff. 




Ebenda, 




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- 8 7 - 

können, so möge Tschudi alle überantworteten Schriften unverzüglich 
herausverlangen, damit man «der sach in andemweg fürdemus geben > 
könne. 1 Schon am n. April entschuldigte sich Lussy von Luzern 
aus beim Abte. Seine Reise sei wiederum verzögert worden, weil die 
Tagsatzung erst so spät habe angesetzt werden können. Damit aber 
in der St. Galler Angelegenheit nichts versäumt werde, habe er und 
Vignola an Kardinal Borromeo geschrieben — ein Datum fehlt ! — 
und ihn unter Berufung auf seine Dienste gebeten, beim Papste für 
Aufrichtung der nötigen «Instrument » anzuhalten. Ebenso habe er 
durch Vignolas Diener das Kreditiv und die übrigen Dokumente nach 
Rom spedieren lassen mit der Bitte, durch diesen die Konfirmations¬ 
bulle ihm zuzuschicken. «Dermassen » haben « wir baidt geschriben, 
das wir die tröstlich und zum thail ungezwyflet hoffnung zu iro heilig- 
keit und hochgesagtem Borromeo tragen, die Sachen äben so wol, 
als ob wir schon glych selbst am hof weren, unverzogenlich sollen 
gespindiert werden. > 2 

Wie sehr sollte Lussy sich täuschen ! Er hatte wiederum geglaubt, 
bald nach Rom reiten zu können, da das Bündnis, wie er schrieb, 
auf guten Wegen sei. Wohl waren am 18. April die Unterschriften 
der V Orte beisammen 3 ; allein Lussy konnte, wie es scheint wegen 
der Quarantäne 4 , erst am 12. Mai von Bellinzona die Reise wirklich 
antreten. 6 Von dort aus richtete er zwei Tage vorher an Abt Otmar 
ein ausführliches Schreiben über einen Brief Borromeos, den er soeben 

1 Otmar an Tschudi, St. Gallen, 7. April ; Tschudi an Otmar, Wil, 7. April; 
Otmar an Tschudi, St. Gallen, 8. April ; Tschudi an Otmar, Lichtensteig, 8. April. 
Ebenda, f. 426 ff. 

* Lussy an Otmar, Luzern, 11. April. Ebenda, f. 45 f. Am Schlüsse fügt 
er folgende persönliche Notiz hinzu : « und in irem hochwürdigen gotzhus miner 
lieben husfrowen seligen, welche auf den andern diz monats, nit mit miner geringen 
clag, weißt gott der herr, in gott dem heim entschlafen, indenkh ze sinde. » Die 
hier als zum 2. April verstorben erwähnte Gattin Lussys ist Kleophe Zukäs, 
deren romantische Entführung auch belletristisch behandelt wurde. S. Feiler, 
I, S. 2x2 ; Wymann, Ritter Melchior Lussy, S. 60, die beide das genaue Todes¬ 
datum nicht kennen. 

* Feiler, I, S. 66. 

4 « Dann ich noch anderthalben tag, luth der Ordnung, hie laisten muß. 
damit ich dann zwölfthalben tag hie gelaistet habe ; darnach muß ich noch 
sechsnndzwainzig tag uf der straß verziechen, darmit ich erst am 40. tag am 
hof ankome. > 

* «Den I2.ten diz monats will ich hiedannen verryten, unser werden bi 
15 pferden sin. » Feiler, I, S. 66 , gibt an, daß «ein Gefolge von cinhundertund- 
zwanzig Mann Lussy auf dieser Romreise begleitete » I 


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in der Konfirmations-Angelegenheit erhalten habe. Obwohl er diesen 
Brief als Beilage erwähnt, war er nach dem Zeugnisse Flerchs der 
Sendung nicht beigeschlossen. 1 So mag es dahingestellt sein, ob die 
Entscheidung des Kardinal-Staatssekretärs Vignola, den Lussy als 
soeben von Rom zurückgekehrt erwähnt, nur mündlich aufgetragen 
wurde. Was in Lussys Brief über den Entscheid Borromeos steht, 
genügt vollauf, um die Enttäuschung und Entrüstung zu verstehen, 
die in St. Gallen dadurch hervorgerufen wurde. 

Wiewohl der Papst wie Borromeo ihm, Lussy, gerne zu Willen 
seien, habe letzterer doch geschrieben, er könne nichts vornehmen, 
das gegen die Dekrete des Konzils wäre. Deshalb sei an den Statt¬ 
halter oder Sekretär des Bischofs von Konstanz die Aufforderung 
ergangen, den vom Konzil geforderten Informationsprozeß über Abt 
Otmar anzuheben und nach Rom einzuschicken. Sofort nach dessen 
Eingang werde unverzüglich die Konfirmationsbulle ausgestellt werden, 
zu deren Beförderung sich Borromeo noch mündlich Vignola gegenüber 
speziell verpflichtet habe. Welch niederschmetternden Eindruck dieser 
Entscheid in St. Gallen machen mußte, fühlte Lussy nur zu wohl. 
Um den Vorwürfen zu wehren, fügte er bei, Vignola habe ihm gesagt, 
wenn auch der Abt in eigner Person zum Papste gekommen wäre, 
so hätte er die Konfirmation vor dem ordnungsgemäß durchgeführten 
Informationsprozeß doch nicht erhalten können. Denn Seine Heiligkeit 
wolle niemanden mehr bestätigen, außer nach den Vorschriften des 
Konzils von Trient. 

Borromeo hatte an Lussy die Fragen des Informationsprozesses 
nebst der Eidesformel, sowie eine Kopie der auszufertigenden Konfir¬ 
mationsbulle übersenden lassen und Lussy legte diese dem Briefe an 
Otmar bei. Es waren indessen nicht die Fragen selbst, die den Wider¬ 
stand des Abtes hervorriefen. 2 Lussy hatte richtig vorausgesehen, 
Otmar und sein Konvent werde vor allem empfinden, daß der Prozeß 
in Konstanz geführt werden solle. Eis muß ihm bekannt gewesen sein, 
daß, seitdem die Konstanzer Kurie in der Angelegenheit der Inkorpo¬ 
ration des Klosters St. Johann im Turtale sich gegen St. Gallen ein¬ 
gemischt hatte, die durch die ganze Stiftsgeschichte sich hinziehende 
Spannung wieder verschärft worden war und daß man in St. Gallen 
vor allem Konstanz jedwede Jurisdiktionsübung bestritt, die als Ab- 

1 Bericht Flerchs, S. 403. Was die Chronik Schenks, Stiftsbibliothek Msc. 
1240, S. 520, als verba cpistolae wiedergibt, ist wörtliches Zitat aus Flerch. 

* S. Beilage I. 


* 

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- «9 - 

hängigkeit des Klosters vom Bistum gedeutet werden konnte. 1 Darum 
hatte Lussy beigefügt, wenn Otmar es bedaure, von dem Konstanzer 
Vikar examiniert zu werden, würden er und Vignola versuchen, am 
päpstlichen H3fe andere Wege vorzuschlagen, wiewohl der Papst sich 
versehe, daß der Abt sich wegen dieses Examens nicht beschweren 
werde. 2 

In St. Gallen wurde aber der Entscheid des Kardinal-Staats¬ 
sekretärs noch viel stärker empfunden, als Lussy vermutet hatte. 
Man stieß sich — wäre es so gemeint gewesen, auch mit vollem Recht — 
besonders auch noch daran, daß der Examinator in Konstanz, der 
Statthalter oder Sekretär, wie Lussy ihn betitelt, ein Laie sei. 8 Das 
und die Auslassung der vier dem Kloster inkorporierten Pfarreien 
St. Margarethen- und St. Johann-Höchst, Rorschach und Bemeck in 
dem eingesandten Entwürfe der Konfirmationsbulle, über die tat¬ 
sächlich längere Zeit zurückliegende Anstände mit Konstanz bestanden, 
riefen in St. Gallen den Eindruck hervor, daß Altemps und dessen 
Kurie hinter den Schwierigkeiten zu suchen sei, denen die Konfirmation 
in Rom begegnete. Das mag in Bezug auf die Angelegenheit der vier 
Pfarreien nicht ganz unrichtig gewesen sein, da Flerch hervorhebt, 
diese seien im Entwürfe durchstrichen. 4 Aber in Bezug auf die Konfir- 


1 Von Arx, Geschichte des Kantons St. Gallen, III, S. 8i f. ; Wegelin, Ge¬ 
schichte der Landschaft Toggenburg, II, S. 164 f., Bericht Flerchs, S. 344. 

1 Lussy an Otmar, Bellinzona, 10. Mai, Bd. 108, f. 48h ff. 

* Das kann nur Stephan Wohlgemut sein, dessen Amtstätigkeit damit gegen¬ 
über Reinhardt, a. a. O., S. 58, früher anzusetzen ist. Auf dessen Persönlichkeit 
fällt durch die neueste Veröffentlichung « Zur Geschichte der Gegenreformation 
un Bistum Konstanz * von Karl Schellhaß, Zeitschrift für die Geschichte des 
Oberrheins, 1917, S. 3 ff., recht ungünstiges Licht. Zu den Vorwürfen, die bei¬ 
spielsweise der im gleichen Spital kranke Steiner Abt Martin Geiger Wolgmhuett 
— so schreibt Schellhaß — in Bezug auf seine sittliche Lebensführung macht 
(S. a. a. O., 1918, S. 456) paßt die Bemerkung Flerchs : « .... vicarius Constan- 
tiensis et is ipse, qui prius in causa possessionis monasterii S. Joannis requisitus 
strenue se opposuit, ille inquam, cui non in re nec patriae nec gentium consue- 
tudine hoc competit (merus etcnim et impurus — oh purus volebam dicere — 
laicus est-) » Bericht Flerchs, S. 345. 

4 Bericht Flerchs, S. 402. Die Ansprüche des Bistums bezogen sich auf die 
primi fructus, worüber 1516 ein Vertrag zwischen Bischof Hugo von Hohenlanden- 
berg a nd Abt Fianz Gaisberg abgeschlossen worden war. Mark Sittichs Vor¬ 
gänger, Christoph Metzler, hatte seincizeit die Bezahlung reklamieit. Erst am 
i$. Juni 1565 verlangte aber Wohlgemut in einer Audienz bei Otmar, nachdem 
er im Namen des Kardinals gratuliert hatte, diesen Ausstand mit andern Restanzen. 
Oie Angelegenheit wurde im Juni und Juli 1566 direkt durch Eingreifen beider 
beteiligten Fürsten gütlich erledigt. St.-A., Bd. 107, f. 2206 ff. 


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mation und die Haltung, die Borromeo zu ihr einnahm, trifft es nicht 
zu. Wie wenig man indessen auf das neue, durch das Tridentinum 
geschaffene Recht achtete oder zu achten vorgab, zeigt gerade Flerch, 
der Begleiter Abt Eichhorns an das Konzil, dessen Bericht die einseitige 
Darstellung der Klosterchroniken, in diesen Hindernissen einzig die 
Einmischung von Konstanz zu sehen, verschuldet hat. 1 

Unmittelbar nach Empfang des Briefes berief Otmar das Kloster¬ 
kapitel zusammen. Dieses beschloß, die Angelegenheit sofort bei den. 
katholischen Schirmorten Schwyz und Luzern anhängig zu machen. 
Am 15. Mai reiste Otmar persönlich mit ansehnlicher Begleitung von 
St. Gallen ab, holte in Einsiedeln noch den Bescheid des Abtes Joachim 
Eichhorn, des ehemaligen Gesandten an das Konzil, ein und trat am 
17. vor den Landrat zu Schwyz mit der Bitte um Rat und Hilfe. 
Folgenden Tages wiederholte er diese vor dem Großen Rate Luzerns. 1 

• Schon am 21. Mai lag das Schreiben der beiden Orte an den Papst 
vor, mit dem diese zu Gunsten des Abtes intervenierten. Die haupt- ; 
sächlichsten Fragen des Informationsprozesses wurden darin von den 
beiden Ständen selbst als den Schirmorten des Stiftes beantwortet. 
Als solche hätten sie mit Otmar das Burg- und Landrecht erneuert 
und ihm bei der Huldigung seiner Untertanen Beistand geleistet, 
was sie nicht getan hätten, wenn ihnen «einiger Mangel» zu wissen 
gewesen. Sie legten auch, zur Bezeugung, daß den Informationsfragen 
zum größten Teil schon Genüge geschehen, die pro cura Erteilung des 
Konstanzer Generalvikars für Otmar vom 22. Mai 1551 bei. * Energisch 
reklamierten die Stände gegenüber der Auslassung der vier inkorpo¬ 
rierten PfarTeien die Wiederherstellung des früheren Textes der Bulle, 
um zum Schlüsse unter dem Hinweise, daß durch einen Verzug nur 
ihren Widersachern gedient sei, vom Papste angelegentlich die Konfir¬ 
mation « nach form und uswysung » zu verlangen, « wie sollichs euer 
heiligkeit vorfaren ouch gethon. * 4 In einem Begleitschreiben wiesen 
die beiden Orte Lussy noch eindringlich an, keine Mühe und Arbeit zu 
scheuen und bei Pius IV. persönlich unter ausdrücklicher Berufung 
auf sie sich für den Abt zu verwenden. «Dann wo », fügten sie hinzu, 
«herm abbt wider seine löblichen fryhaiten, alte und nüwe confir- 

1 Im Berichte Flerchs umfassen diese Deduktionen vier Seiten, 343-347- 
1 Bericht Flerchs, S. 347. 

8 Der pro cura-Titel in Kopie erhalten Bd. 358, S. 277. j 

4 S. Beilage II. ' 


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~ 9i - 

mationen etwas unbillichen ingriffs bescheche und nit, zu dem er 
recht hat, befürdert, wurden wir zu erlangung deß und aller billigkeit 
unser eer, lyb, gut und blut darstrecken. 1 » 

Tags zuvor hatte der Abt selbst seine Antwort an Lussy aufgesetzt. 
Nicht nur er, auch sein Konvent habe ob der Zumutung, sich dem 
Informationsprozeß vor dem Vikar in Konstanz zu unterziehen, großes 
Bedauern empfunden, da sein uraltes Gotteshaus von dem Bistum 
exempt und allein unter dem Papste stehe. Dadurch würden alle päpst¬ 
lichen Privilegien des Stiftes kraftlos und er und seine Nachfolger in 
ungebührliche Unterwürfigkeit geworfen, «so uns der vicari zu Costantz, 
der nit priester, sonder allain purus laicus, wie ain andern schuler, 
geschwygen priester, und der wir sollten ain fürst des rychs (warlich 
one rhüm, aber mit schmerzen zemelden) genant und darbi allererst 
von im examiniert werden. » Ebensosehr habe er sich über den Entwurf 
zur Konfirmationsbulle zu beklagen. Sei die Auslassung der Pfarreien 
wirklich aus Absicht und nicht aus bloßer Unkenntnis geschehen, 
wollte er «vil ee die abbty wider ufsagen, darvon tretten .... und 
die ursecher diser schedlichen spoliierung im Spiegel sechen lassen, 
wie es gegen gott und der weit zu verantwurten sein möchte.» Vor 
allem aber drang der Abt in Lussy, all sein Können einzusetzen, um 
die Konfirmation zu erwirken « in massen vormalen allen unsem 
vordem ouch beschechen. » Sollte dies nicht möglich sein, so dürfe 
lussy sich nicht weiter einlassen, sondern habe ihm und den beiden 
Schirmorten zu berichten. Diese seien Willens, ihn und sein Stift 
bei seinen Freiheiten und Urkunden zu schützen und würden in diesem 
Falle sehen, wie sie hierin «gegen päpstliche hailigkait nach gebür 
und erhaischender notturft handlen möchten. * Wenn ihm aber die 
Konfirmation erfolge, werde er nach Schuldigkeit alles, was er dem 
Apostolischen Stuhl verpflichtet sei und «was das hailig concilium 
vermag», herzlich gerne erstatten. Zugleich benützte Otmar den 
Anwurf Lussys, dem Bündnisse mit Pius IV. beizutreten, dazu, um 
seinem Verlangen noch weitern Nachdruck zu verschaffen. Er führte 
des langem die Gründe aus, die für ihn gegen das Bündnis sprächen, 
die Lage des Stiftsgebietes, die protestantischen Schirmorte, die teil¬ 
weise Abhängigkeit auch von den katholischen Ständen, fügte dann 
aber bei, er werde, falls er von einem der beiden Kontrahenten ein- 

1 Luzern und Schwyz an Lussy, Luzern, 21. Mai. Urk. A2-L2, Entwurf. 


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geladen und «zuvor die verhoffenlich confirmation ervolgt > sei, sich 
zweifelsohne « gebürlich finden lassen. * 1 

Lussy erhielt diese Briefe in Rom am 9. Juni und begab sich damit 
sofort zu Borromeo. Gleichen Tages noch ließ der Kardinal-Staats¬ 
sekretär seine Auffassung in einem erhaltenen Schreiben dem Abte 
mitteilen. Die kirchliche Zulassung zur Abtei, so beginnt der Brief 
unmittelbar, verlangt nach den Dekreten des Konzils von Trient die 
Ablegung des Glaubensbekenntnisses und noch einiges andere, von 
dem der Abt wohl Wissen trage. Noch niemand sei nach der päpst¬ 
lichen Bestätigung des Konzils zu irgend einer kirchlichen Würde 
erhoben worden, der nicht das geforderte Examen über sich habe 
ergehen lassen ; dies sei so notwendig, daß ohne dasselbe im päpst¬ 
lichen Konsistorium für die Expedition der Konfirmationsbulle über¬ 
haupt nichts geschehen könne. Nach diesen mit wenigen ehernen 
Worten eingeschärften prinzipiellen Darlegungen fügt Borromeo bei, 
es bleibe dem Abte frei überlassen, sich diesem Informationsprozesse 
bei einem andern beliebigen Bischöfe zu unterziehen, wo er wolle, 
bei dem von Basel oder von Como ; den Vikar von Konstanz habe er 
nur vorgeschlagen, weil er dies für Otmar bequemer gehalten habe * 

Lussy hatte das richtige Gefühl, daß diese Antwort des jugendlich¬ 
eifrigen Staatssekretärs weder den Abt noch die beiden Orte Luzern 
und Schwyz befriedigen werde. Er war Diplomat genug, trotz seiner 
Freundschaft zu Borromeo, die Angelegenheit vom Staatssekretariate 
wegzuziehen und sie gemäß seinem Aufträge direkt beim Papste an¬ 
hängig zu machen. Er scheute sich auch nicht, als er Tags darauf 
mit Borromeo sich zu Pius IV. verfügen wollte und jenen krank zu 
Bette liegend antraf, Tolomeo Galli, den Kardinal von Como*, mit 
sich zum Papste zu bemühen. Als Ergebnis dieser Audienz stellt 
Lussy in seinem Schreiben voran, daß der Papst «ganz gut willens» 
sei. den Abt «wie von alter här beschechen, zu confirmieren». Die 
Auslassung der inkorporierten Pfarreien in dem Entwürfe sei unab¬ 
sichtlich und ohne Wissen geschehen. Dann kommt der springende 

1 Otmar an Lussy. Luzern 20. Mai. Ebenda. Kopie. 

* S. Beilage III. 

8 Reinhardt hat a. a. O., S. 29, A. 1, gegenüber Hübner, Sixtus der Fünfte. 1 . 
S. 119 f. bemerkt, Galli sei nicht unter Pius IV., sondern erst unter Gregor XIII- 
Staatssekrctär gewesen. Lussy bemerkt in diesem Briefe : ■ So hab ich hochge- 
gemelten cardinaln Borromeo arznyen schwach im bett funden, hab ich den hoch- 
würdigsten Cardinal von Chum, irer hailigkeit alter rechter cantzlcr, mit mir für 
ir hailigkait genomen. » 


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Punkt: inskünftig werde kein Prälat mehr konfirmiert werden, es 
sei denn das vom Konzil geforderte Examen vorangegangen, was 
immer für Privilegien zuvor erlangt worden seien. 1 

Lussy mochte in seiijem Schreiben noch so sehr betonen, daß 
jegliche Absicht fern liege, den Abt Konstanz untertänig zu machen, 
noch so sehr auf die Erlaubnis hinweisen, anderswo sich dem Examen 
unterziehen zu dürfen, in St. Gallen hörte man nur die Weigerung 
Roms heraus, die alten Privilegien in diesem Punkte nicht mehr an¬ 
erkennen zu wollen. Man beschloß, auf der Jahrrechnungs-Tagsatzung 
zu Baden die VII katholischen Orte um Hilfe anzugehen, die eben 
damals interessante Verhandlungen mit den Abgeordneten des Bischofs 
von Konstanz über die Ausführung der Konzilsbeschlüsse pflogen. * 
Die Vertreter des Abtes, Kanzler Stadler und Florin Flerch, erlangten 
auch wirklich, daß die VII Orte zusagten, beim Papste, wie auch bei 
dessen Neffen Mark Sittich und bei Lussy sich für das Begehren 
St. Gallens zu verwenden. Dabei gab den Ausschlag, daß nicht nur 
Otmar, sondern ebensosehr Luzern und Schwyz in Rom eine Ab¬ 
weisung empfangen hatten. Die Abfassung der Schreiben wurde den 
st. gallischen Gesandten Überbunden, die hiezu nochmals Rücksprache 
mit dem in Wil sich aufhaltenden Abte nahmen. Dieser selbst hatte 
unterdessen sich entschlossen, auch von sich aus an Pius IV., an 
Borromeo und Altemps zu gelangen und diese Briefe mit einem 
Schreiben, worin er Lussy gegenüber seine Auffassung darlegte, seinem 
Geschäftsträger nach Rom zu übersenden. 3 

In dem ausführlichen Schreiben der VII Orte an den Papst wurde 
als vomehmlichster Grund St. Gallens nun entwickelt, daß durch 
diesen Informationsprozeß, dessen Zeugen nicht der Abt, sondern 
der Prozeßleiter zu bestimmen habe, die freie Abtwahl, des Klosters 
höchstes Kleinod, mit der Zeit Schaden erleiden könnte. Deshalb 
baten die Orte Pius IV., Otmar die Konfirmation «wie von alter her 
und usserhalb der examination allergnedigst zu stellen », wobei sie 
unter dem Hinweis auf die damalige strittige Bischofswahl in Chur 
beifügten, daß durch eine Herabwürdigung des Stiftes St. Gallen nur 
die Protestanten zu gewinnen vermöchten. 4 Lussy selbst wurde von 
den VII Orten aufgetragen, das Schreiben dem Papste zu präsentieren 

1 Lussy an Otmar, Rom, io. Juni, Bd. 108, f. 64t f. 

* S. Reinhardt, a. a. O., S. 68 f. 

* Bericht Flerchs, S. 358 ff. 

4 S. Beilage IV. 


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und seines «Vermögens daran sin, das demselben .... allergnedigst | 
willfart werde, * Das von Otmar gewünschte Schreiben an Altemps : 
benützten sie, um ihm seine Verwendung für Beat a Porta als erwählten . 
Bischof von Chur, «diewyl ernempter ain geschickte, demüetige und 
in allweg togenliche person *, zu verdanken. 1 

Die gleichen Gründe, wie die von den VII Orten entwickelten, 
legte Otmar selbst in einem aus der Feder Flerchs geflossenen latei¬ 
nischen Schreiben Pius IV. vor. In dem gleichzeitigen Briefe an 
Borromeo wehrte er sich dagegen, daß die Konfirmation nicht auf 
die Wahl der Konventsmitglieder, deren Akten die Kurie schon längst 
in Händen habe, erfolgen, sondern daß sie die Bestätigung des 
Examens sein solle, dem er sich zu unterziehen habe. Noch schärfer 
drückte diesen Gedankengang das Schreiben an Lussy aus. «Und 
were uns deßhalb vil lieber, wir weren nie zu abbt erwelt, dann das 
solicher unsers convents einiger schaz bi unserer person im solte be- 
nomen werden, achten und schezen uns ouch nit als ainen triiwen j 
vatter, so wir gstatten wurden, unserm convent das allerliebst gut < 
sollte abgestrickt werden. » Immerhin war, vielleicht durch die Badener 
Verhandlungen über die Inkraftsetzung der Konzilsbeschlüsse mit¬ 
veranlaßt, auch bei Otmar der Widerstand soweit gebrochen, daß er 

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Lussy in einem besonders gesiegelten Postscriptum «in aller geheim« 
die Möglichkeit zu weiter entgegenkommenden Verhandlungen gab. 
Wenn die Kurie von dem Examen absolut nicht abgehen wolle, so 
müsse Lussy ein päpstliches Breve verlangen, mit der bestimmten 
Erklärung, daß dieses Examen der Abtwahl und den andern Kloster¬ 
privilegien niemals irgendwelchen Abtrag zu tun vermöge. «Dann 
one sölliches die examination uns nit möglich anzunemen, .... wurden 
ee sechen, wie und wo wir dabi schuz und schirm funden. » Erstmals 
auch bemerkte Otmar hier über die von Lussy mit dem Schreiben vom 
io. Mai übersandte Formel der Tridentinischen professio fidei, daß er 
sich derselben nicht beschwere, sondern sie gerne erfüllen werde; 
zugleich wies er darauf hin, daß die Ablegung dieses Glaubensbekennt¬ 
nisses, wie es sonst bräuchlich sei, wohl am besten bei der Benedikticn 
geschehe. 2 


1 Urk. A2-L2. Papier-Originale, besiegelt vom Luzcrner Abgeordneten an 
die Tagsatzung. Nikolaus Amlehn, Baden, 9. Juli. Vielleicht bezieht sich die 
Bemerkung in den spätem Schreiben für a Porta an Altemps, von der Reinhardt 
S. 97 . A. 3, spricht, auf diese Empfehlung. 

2 Urk. A2-L2, Papier-Originale, diejenigen an den Papst, Borromeo ond 


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- 95 — 

Unterdessen war aber in Rom bereits der Entscheid zu Gunsten 
Otmars gefallen. Lussy hatte die Angelegenheit nicht mehr bei 
Borromeo, dessen Bemühungen für Einhaltung der Konzilsbeschlüsse 
ihm gut bekannt waren, weiter verfolgt, sondern direkt mit Pius IV. 
darüber verhandelt. Es kam ihm dabei zu statten, daß er seine Abreise 
im Interesse des Papstes beschleunigen wollte, um das von letzterm 
genehmigte Bündnis von den Orten besiegeln zu lassen. Am 24. Juni 
schon konnte er Otmar melden, der Papst habe erlaubt, wenn die 
Akten des Informationsprozesses nicht bis Anfang Juli in Rom ein¬ 
träfen, dürfe die Konfirmatiönsbulle auch «unangesechen decreta 
concilii Tridentini * ausgefertigt werden, damit Lussy mit ihr zu Beginn 
August in St. Gallen eintreffen könne. 1 Offenbar ergaben sich aber 
trotz dieser Zusage des Papstes auf der Kanzlei Schwierigkeiten. Denn 
erst am 7. Juli schrieb Lussy, Pius habe, als er diesen Morgen mehr 
denn zwei Stunden in Abschiedsaudienz empfangen worden, den 
Kardinälen Hohenems und Como befohlen, daß er baldmöglichst 
«wol gespindiert aller Sachen werde *. Darauf hätten die Kardinäle 
und er zum dritten Male mit den Sekretären geredet, die nun «ver- 
haissen, mich in 10 tagen zu spindieren. » So hoffe er bestimmt, bis 
Bartholomäustag in St. Gallen mit der Bulle einzutreffen, da ihn 
einzig noch diese Angelegenheit in Rom zurückhalte. 2 

Für Otmar und seinen Konvent war die Angelegenheit aber 


Mark Sittich lateinisch ; diese datiert St. Gallen, 14. Juli, dasjenige an Lussy Wil, 
5 1. Juli. Der Brief an den Papst ist mit klcinerm Siegel gesiegelt gewesen, das 
vollständig weggebrochen ist; auf allen übrigen Schreiben findet sich das gleiche 
Siegel Otmars aufgedrückt mit der Umschrift: S. Otmari A. M. S. Galli. Der 
««vierte Schild weist im zweiten Felde nicht, wie später üblich, das Wappen 
St. Johanns im Turtale auf, sondern Feld 2 und 3 führen das persönliche Wappen 
Otmars. Das entspricht der Anordnung, wie sie beispielsweise in dem schönen, 
in reicher Renaissance-Umrahmung sich darstellenden Exlibris des Abtes Diet- 
hc!m sich zeigt, das ich im Staatsarchiv Zürich, X. Bd. 24, f. 1596 fand. 

1 Lussy an Otmar, Rom, 24. Juni. Bd. 108, f. 59. Die Hochschätzung, 
<ieren sich Lussy bei Pius IV. erfreute, geht aus folgender Stelle des Briefes hervor : 
’•... han ich dermassen bi bäpstlicher hailigkait angehaltcn, dann ich morgens 

und aubents, all tag zway mal, bi iren bin _® Der übrige Teil des Briefes 

enthält Zeitungen über die Belagerung Maltas durch die Türken und am Schlüsse 
derselben, zu des Großmeisters Bitte, den französischen König zu ersuchen, mit 
seiner « Armada » zu Hilfe zu kommen, die für Lussys Auffassung der französischen 
Politik charakteristische Bemerkung : «man hatt aber wenig hoffnung daruf, 
dann man für sicher halt, das in wenig zyt die türggische botschaft bi dem könig 
von Frankrych ankomen werde und zwiischen inen guter verstand, gott sys klagt. 

s >'ge. • 

* Lussy an Otmar, Rom, 7. Juli. Bd. 108, f. 60. 


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bereits mit dem Briefe Lussys vom 24. Juni erledigt. Der Abt hatte • 
Flerch mit den gesiegelten Briefen der VII Orte und den seinigen 
am 14. Juli von St. Gallen abgefertigt und ihm befohlen, diese so • 
schnell wie möglich in Bellinzona dem Kcmmissär der III One, 
Johannes Waser, zu übergeben, der sie an Lussy weitersenden sollte. 
Flerch hatte am 15. in Baden auf die Bitte Christoph Schomos noch 


das Unterstützungsgesuch der V Orte an den Papst für Beat a Porta 
zur Besorgung mitgenommen. Er rastete der großen Hitze wegen 
in dem aargauischen Dorfe Jonen, als ihn dort ein Bote traf und nach 
Baden zurückrief. Am Abend des 14. hatte Otmar das Schreiben 
Lussys vom 24. Juni empfangen \ war sofort selbst mit seinem Kanzler 
nach Baden geritten, um wenn möglich Flerch dort noch anzutrefien 
und zurückzuhalten und zugleich sich mit den VII Orten zu beraten, 
ob die Briefe unter dieser veränderten Lage dennoch weiterzusenden 
seien. Da auch diese seiner Auffassung waren, es sei nun zum mindesten 
abzuwarten, blieben die Schreiben der VII Orte wie des Abtes unspe- 
diert. Otmar hatte seinen Willen erreicht : des vom Tridentinum gefor-; 
derten Informationsprozesses hat er sich nicht unterzogen. 2 

Lussy war, zurück von Rom, am 2. September in Luzern, wo er 
der Tagsatzung der V Orte Bericht erstattete, folgenden Tages das 
Volk das Bündnis beschwören ließ und darauf in den Kantonen dessen 
Besiegelung besorgte. 3 So wurde es 14. September, bis er die erstrittene 
Konfirmationsbulle nach St. Gallen brachte. Sie trägt, wie das Ab- j 
schiedsbreve Pius, IV. für Lussy 4 , das Datum des 13. Juli. Im For¬ 
mular geht sie auf die früheren St. Gallen gegebenen zurück, zieht 
aber die vorherigen Extra-Ausfertigungen in eine zusammen. Denn 
es war Lussy gelungen, die Bulle gratis zu erhalten ; für deren Expe¬ 
dition hatte er nur 100 Dukaten bezahlt, während die Kosten früher; 
auf 1200 sich belaufen hatten. Von einer Inkorporation der Pfarreien 


1 Nach dem Post scriptum des Briefes sollte ihn der Vogt von Maiental 
d. i. Melchior von Flüc (s. Feilet, I, S. 66) in 12 Tagen nach Bellinzona tragen 
von wo ihn «der Vetter » Lussys, der oben erwähnte Kommissär Waser. wwttf 
besorgen mußte. 

1 Bericht Flerchs, S. 381-384. 

* Feiler, a. a. O., I, S. 68. 

4 Damit fällt der bei Reinhardt. S. 68, A. 3, auf die falsche Datierung d« 
Rekreditivs Lussys bei Segcsser. Rcchtsgeschichte der Stadt Luzern, IV, S. 375 » 
A. 1. sich basierende Zweifel dahin ; 'Archiv für schweizerische Reformation** 
geschichte II. S. 36, gibt das richtige Datum, 13. Juli. Auch Egli. a. a. O., S. :8i. 
datiert die Bulle, III Id. Julii irrtümlich 15. Juli. 


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ist in der Bulle nichts erwähnt. Auch das Formular des Juramentum, 
das nach der Benediktion, von Otmar besiegelt, nach Rom gesandt 
werden mußte, stimmt wörtlich mit jenem für Diethelm überein. 1 
Unterm 28. Juli hat Pius IV. noch mit einem Breve an Kaiser Maxi¬ 
milian II. Otmar diesem empfohlen. * 

Otmar war sich bewußt, mit diesem Ausgang der Konfirmations¬ 
angelegenheit einen Sieg errungen zu haben. Aber entsprechend der 
Einstellung, in der man in St. Gallen die Schwierigkeiten angesehen 
hatte, feierte man sich als Sieger über Konstanz. In einem Zyklus 
von Glasgemälden, der sich erfreulicherweise in die Jetztzeit hinüber 
gerettet hat, ließ Otmar noch 1565 seine Konfirmation wie den 
Regalienempfang darstellen und fügte ihnen die Belehnung des hohen 
Adels mit den vier st. gallischen Erzämtem durch sich bei, die nicht 
mehr Tatsache, sondern nur noch geschichtliche Reminiszenz war. * 
Bewußt wird von ihm dabei das Wappenschild St. Gallens so geändert, 
wie es von da an bis zum Untergänge des Stiftes blieb. Während, wie 
bemerkt, Otmars Siegel das Wappen der inkorporierten Abtei Sankt 
Johann im Turtal noch nicht führt, erscheint auf diesen Glasgemälden 
im zweiten Felde des gevierten Schildes nun überall das Lamm Gottes, 
und, um die Absicht noch deutlicher zu machen, kreuzen sich als 
Amtsstücke zwei Abtsstäbe hinter dem Schilde. Diese Betonung, daß 
der exemte Abt von St. Gallen als solcher zugleich Inhaber St. Johanns 
im Turtale sei, war für Otmar und seinen Konvent der sinnfällige 
Ausdruck, im Verlaufe dieser Anstände wegen seiner Konfirmation 
sich nicht unter Konstanz gebeugt zu haben. 4 

Aber im Rückblick auf die Verhandlungen und den schließlichen 
Ausgang der Angelegenheit wird man noch mehr sich sagen müssen, 
daß sie charakteristisch ist für die Stimmung der katholischen Orte 
gegen die in ihr Staatskirchentum eindringenden Rechtsdekrete des 

1 Urk. A2-L3, 4 ; Bericht Flerchs, S. 369-372. Die Gesamtkosten der Konfir¬ 
mation und Benediktion Otmars werden summarisch angegeben auf 1977 fl. 
7 Bz. 7 3 ,. Bd. 358, S. 431. 

1 Urk. A2-L5. 

* S. die zitierte Abhandlung Johannes Eglis, S. 271 ff. Die sechs Scheiben 
sind dort in zwei Chromotypien und vier Photographien wiedergegeben. Der 
Wappenschild findet sich auf der Darstellung der Konfirmation und der Beleh¬ 
nungen. 

* Entgegen der Rubrik des Pontifikale ließ Otmar auch an dem zu opfernden 
Faßchen bei der Benediktion nicht das Wappen des Weihbischofs von Konstanz, 
der die Benediktion vollzog, anbringen, sondern das Wappen des Papstes. Bericht 
Flerchs, S. 372. 

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- 9« - 

Tridentinums. Die Ausstellung der Konfirmationsbulle «unangesechen 
decreta concilii Tridentini» war, so unwichtig an sich gewiß die Ange¬ 
legenheit ist, doch eine Niederlage Borromeos und des in ihm sich ver¬ 
körpernden tridentinischen Geistes. Nachdem sich die Stände Luzern 
und Schwyz in die Angelegenheit gemischt, mußte die Diplomatie 
Pius, IV. indessen auf ihre Bitte eingehen. Das Eingreifen der 
VII katholischen Orte beweist, daß eine andere Lösung nicht möglich 
war. So mag diese Episode das Urteil Reinhardts über Borromeo als 
Staatssekretär bestätigen, daß die Lebensweisheit des diplomatisch 
begabten Pius IV. ergänzte, was seinem Neffen an Erfahrung in der 
Diplomatie gebrach. 1 Aber die Kraft und Tiefe der religiösen Über¬ 
zeugung Karl Borromeos, die keine Ausnahmen kennt und die Reform- 
dekrete des Konzils im Kleinen wie im Großen durchführen will, 
leuchtet auch aus diesen an sich geringfügigen Verhandlungen über 
die Konfirmation Abt Otmars hervor. (Forts, folgt.) 


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* Reinhardt, a. a. O., S. 23. 




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Aymon de Montfalcon 

EVfiQUE DE LAUSANNE, 1491-1517 

Par M. REYMOND. 

(Fin.) 


II 

Aymon ambassadeor da dac de Savoie. 

Aymon de Monifalcon, devenu övöque de Lausanne et adminis- 
trateur de Genöve, demeura Tun des conseillers habituels du duc de 
Savoie et Tun de ses ambassadeurs pröfdrös, tantöt auprös des Ligues 
suisses, tantöt auprös du roi de France, ou ailleurs encore. C’est ainsi 
qu’en septembre i 5 oi, Aymon de Montfalcon fut ä la töte de la 
dfyutation qui se rendit ä Bruxelles pour nögocier le mariage du 
duc Philibert avec Marguerite d’Autriche, fille de l’empereur Maxi¬ 
milien, mariage qui fut finalement cölöbrö dans l’öglise abbatiale de 
Romainmötier, mais fut bientöt aprös rompu par la mort de l’öpoux 1 . 

C’est auprös des Ligues suisses que le duc de Savoie envoyait de 
pr^fdrence l’övöque de Lausanne. 11 y avait ä cela plusieurs raisons, 
tout d’abord celle que le prölat avait les villes de Fribourg, de Berne 
et de Soleure sous sa juridiction spirituelle et qu’il possödait ainsi sur 
leurs magistrats un ascendant ä nul autre pareil. Les Suisses ötaient, 
comme Ton sait, trös courtisös ä cette öpoque, et chacun des monar- 
ques voisins recherchait pröcieusement leur alliance- et leur appui. 
Nous ne connaissons pas moins de huit ambassades de l’övöque 
Aymon auprös des Suisses, de 1495 ä 1509*. Les unes ont pour objet 
le röglement 4’aff a ‘ res particuliöres, telles qu’un gros debat entre le 
duc et les Valaisans oü les döputös des Ligues ötaient arbitres, ou bien 


1 Guichenon, Histoire de la maison de Savoie, t. II, p. 186-187. 

’ Quelques-unes seulement sont mentionn6es dans les Abschiede. Les A. C. V. 
possfcdent sur ce sujet des pi£ces inddites. 


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l'hlritage de Marie de Savoie, marquise de Rothelin, que le duc 
contestait aux Ligues, ou bien les faux d’un secrdtaire ducal Jean 
Dufour, gräce auxquels les Ligues parvinrent ä extorquer i5o,ooo flo- 
rins au duc. D'autres concernaient le renouvellement des alliances. 
Nous ne pouvons naturellement entrer dans le detail de toutes. Mais 
voici, ä titre d’exemple, le recit que fait Aymon lui-meme au duc de 
Savoie, d’une de ses ambassades ä Berne, au mois de decembre 1 5oy *. 

Aymon a passe ä Fribourg la premi£re semaine de decembre et 
il y a trait£ avec l’avoyer et le Conseil de cettc ville — nous n’avons 
malheureusemcnt pas son rapport. — Le samedi 4 decembre, il se 
rend ä Berne. « On nous fit, dit-il, tr£s bonne ch£re et bon accueil 
pour l’honneur de vous, et nous vindrens (vinrent) incontinent visiter 
l'advoyer et les principaulx du conseil du dit lieu, et faire compaignie 
au souppö, et hyer nous eussions estez ouyz (entendus) s'il ne fust 
pour ce que le grant et le pety conseilz estoient congregues pour ouyr 
Monsieur de Rieux (£v£que de Langres) et maistre Guilleaume de la 
Mare, ambassadeurs du Roy (de France), qui leur parloient de leur 
prouffit comme pour leur donne force argent. » On voit d’ici que ce 
n'est pas d’hier que les petits cadeaux entretiennent l’amitie. 

Le lendemain, dimanche, des ambassadeurs de Fribourg arrivent 
ä Berne, mais ils n’y restent point, car le lundi est jour de la Saint- 
Nicolas, leur patron, et l’evfique note que pour ce ils ont dü retourner 
chez eux. Ce jour-lü, lundi, Aymon fut cependant requ en seance du 
Conseil de Berne. II leur offrit de la part du duc « tous les serviceset 
plaisirs ä eulx possibles », puis vint ä parier de sa mission, le renou¬ 
vellement de l'alliance. Malheureusement, l’dvdque ne s’ötait pas muni 
d’une procuration en forme solennelle pour traiter. Le Conseil, qui 
n'ötait point presse, saisit ce pretexte pour se borner h de bons propos 
Mais l’ev£que ouvre l*oeil. II apprend de l’ambassadeur fran^ais de 
Rieux, de l'avoyer de Scharnachthai et de M. (Nicolas) de Diesbach que 
le roi des Romains (Rommains), c'est-ä-dire l’empcreur, a fait aui 
Ligues des propositions qui ne sont ä l’avantage ni du duc de Savoie, 
ni « de mon öveche », dit-il. Quelles sont ces propositions, il ne les 

A 

prdcise pas, parce qu’une lettre de M. de Diesbach en avait ddjä averti 
le duc. L'£v 6 que a bon espoir qu'elles seront declinöes, mais il faudra 
y mettre le prix : « Nous ferons en cet endroit tout ce qu'il nous sera 

1 A. C. V. S6rie Ab 14. Affaires diplomatiques negocites par Aymon 
Mont/alcon pour le duc de Savoie, f 66-68. 


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I 


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de possible, et sera de besoing que vous gaigniez aussys mieulx que 
jatnais. » Et pour mieux se faire comprendre, Aymon ajoute : « Au 
surplus, Monseigneur, hier messeigneurs de ceste ville se ddclarent de 
vouloir praindre et recepvoir du Roy les pensions gdndrales et particu- 
lidres et a donnd Monsieur de Rieux pour le dit seigneur son maistre 
outre les dites pensions une bonne et grosse somme descuz. De 
sorte que ceulx de cette dicte ville sont maintenant bons Francoys. » 
Le lendemain de la Saint-Nicolas, le mardi au soir, l'avoyer 
messire Francois Arsent et son secrdtaire arrivent de Fribourg k Berne. 
« Et le mercredi suyvant qui fut le jour de Notre Dame, moy l’dvesque 
de Lausanne feiz l’office en l’esglise colldgialle et aprds icelluy vindrent 
disner avecques moy les advoye et une partie des plus gens de bien 
du conseil, ensemble les dits ambassadeurs de Fribourg. Et lä dismes 
particulidrement nos affaires aux susdits, lesqueulx nous remisrent 
au lendemain qui fust le jeudy, et ce jour assez matin nous nous 
trouvasmes au conseil ensemble les dits ambassadeurs de Fribourg. 
Auquel conseil redismes la Charge qu’avyons de votre part, et aprds 
nous fusmes renvoyds en notre logis actendre la response qui fut teile 
comme paravant touchant la confirmation des dites alliances et confd- 
ddrations. » Aprds quoi Ton en vint au fait, et l’dvdque dnumdre les 
objections des Confdddrds. « Nous voulons bien, disent-ils en subs- 
tance, renouveler l’alliance, mais vous n'avez pas due procuration, et 
puis le traitd actuel n’expire qu’en mars, et puis nous voudrions savoir 
sur quels points vous ddsirez le voir modifid. Nous savons que vous 
vous plaignez des combourgeoisies que nous faisons entre nous, mais 
votre autoritd et vos droits y sont toujours rdservds. Nous vous 
promettons notre aide, mais il est entendu que c’est ä vos frais. » 

On s’en tient lä, et l’dvdque pousse jusqu’d Soleure. L’avoyer 
ancien et le nouveau lui font honneur et bonne chdrc, mais il trouve 
le Conseil irritd. Le bänderet de la ville, par exemple, se plaint de 
n’avoir pas recu certain argent qui lui dtait dü. Puis le Conseil est 
sous l'influence des propositions du roi des Romains hostiles k la 
Savoie et k la France. Aymon de Montfalcon revient k Berne. Avec 
le bailli de Vaud, il doit rdgler une affaire spdciale pour laquelle il 
vient de recevoir des instructions, mais il a beau diner le dimanche 
avec l’avoyer et parier le lendemain au Conseil des Soixante, il 
n'obtient pas la satisfaction qu’il rdclame. Peu importe le litige, la 
raison du ddsaccord persistant la voici : 

« Monsieur le secrdtaire dudict Berne et son clerc se plaingnent bien 


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— 102 — 

fort des peines et labeurs qu’ils om eu touchant l’affaire du Valleys 
dont ils n’ont rien amende, si non ledict secr^taire tant seullement 
comme ung conseillier. Pour quoy, Monseigneur, ils vous supplient 
et nous aussi pour votre prouffit y avoir du regard, car c’est un 
homme de grand crödict audict Berne et qui vous peult faire beau- 
coupt de Service quant il voudra. » Et puis les seigneurs de Berne et 
de Fribourg se plaignaient de la sdvlrite des peageurs, des receveurs 
des douanes de Nyon et de Vevey, qui, selon eux, « rongent » les 
gens de ce pays. 

Aprts quoi, Mgr de Montfalcon revient ä Fribourg. II est re^u 
par le Conseil qui lui fait de belles promesses, mais rlclame au sujet 
des limites du territoire de Pont, et aussi du poids des monnaies. La 
question des limites de Pont etait particuliärement delicate, parait-il, 
car eile entraine l’evöque ä promettre ä messieurs du Conseil cent&us 
« parce qu’ils ont toujours plus de querelies que les aultres et que 
nous ddsirons les gaigner ». Aymon rentra finalement ä Lausanne, sur 
la promesse que Berne et Fribourg enverraient ä leur tour des deputes 
a la cour du duc pour signer lalliance, et l’dv£que conclut son rapport 
en disant : « Moy le dit eveque de Lausanne, j’ay gaign£ le dit advoye 
de Fribourg, messire Fran$oys Arsent, lequel vous estoit toujours 
contraire en tous vos afßres, mais je l’ay rdduyt de Sorte qu’il s'est 
offert d’estre votre bon et humble servitcur, et esp£re que tel il sera 
si ä vous ne tient et pourveu qu’il vous plaise le bien traicter, car 
c'est ung homme de grant credict, de grant sens et bien seubtil, et qui 
est pour vous faire cy aprös de grands Services. * 

Malgr6 cet appel insistant, le duc de Savoie ne ddlia pas les cor- 
dons de sa bourse autant que l’avoyer d'Arsent laurait voulu, car 
l’öveque de Lausanne, ayant M renvoyd sept mois plus tard aupr^s 
des Conseils de Berne et de Fribourg, re<;ut le 2 juillet i 5 o 8 des 
instructions oü nous lisons 1 : 

« Plus parlera ä messire Fran^oys Arsent, advoyer de Fribourg, 
et luy dira commcnt les choscs sont passeez tout autrement qu'ii 
n’entend. Luy fera entendre la bonne voulonte que monseigneur le 
duc a en luy, üchera de l’appaiser et gaigner, sans espargner quelque 
argent pour ce faire, s’il veut qu’il soit de besoing. * Aymon emportait 
d’ailleurs 3 ,000 ecus (120,000 fr.) ä d^livrer au mieux, dont 5oo a 

* A. C. V. S^rie AB, 14, P 97, verso. 


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— 103 — 

Henri Matter, Tun des gros bourgeois de Berne qui avait dtd autrefois 
bailli de Lausanne. 

Les ndgociations pour le renouvellement de l’alliance se prolon- 
girent pendant quatre ans encore, jusqu’en 1 5 12, et ce ne fut pas 
Aymon qui les acheva, mais le duc de Savoie avait dte content de ses 
Services, puisque dös i 5 o 8 il lui faisait remettre 1,000 dcus d’or 
(40,000 fr.) en reconnaissance de ses peines auprös des cantons 
allemands et aussi du roi de France L 

L’dveque s’dtaiten effet rendu au mois de mai 1507 k la cour du 
roi de France pour trois objets principaux. II s’agissait d’obtenir que 
la Savoie püt s’approvisionner de bld dans le Languedoc et le Dau- 
phinö, et surtout en Provence. Puis d’obtenir pour le duc une pension 
royale de 10,000 dcus dont celui-ci avait fort besoin. L’article des 
instructions k ce sujet est assez amüsant: « Premiörement, venant a 
propos de la pension qu'il plaist au Roy nous bailler, appres avoir 
pourchasse par tous les meilleurs moyens qui seront possibles, qu’elle 
soit bonne et grosse, finalement s’il plaist au dit seigneur l’octroyer 
jusqu’4 trente mil francs, vous l’accepterez *. » Enfin, il s’agissait de 
solliciter l’arbitrage du roi entre le duc et Tun de ses cousins (le 
bütard Rend) au sujet de la possession de seigneuries contestdes. 
Aymon avait dtd assez heureux pour rdussir dans sa mission, succös 
qui permettait d’en espdrer un plus grand encore du cötd des Ligues. 


L’dveque de Lausanne ambassadeur du roi de France 

Aymon de Montfalcon n’dtait pas un inconnu du roi de France. 
Nous savons que ddjA avant son dldvation k l’dpiscopat, il touchait 
une pension comme conseiller de ce souverain. Celui-ci l’employa 
ä son tour k plusieurs reprises auprös des Ligues suisses. En 
novembre i 5 o 5 , Aymon se rendit k Berne pour engager les conseils 
de cette ville k accepter des pensions du roi et il ddlia meme certains 
conseillers du serment qu’ils avaient prdtd de ne plus accepter de 
pensions de l’dtranger 8 . Plus tard, en aoüt 1509, l’dvdquede Lausanne 
alla 4 la diöte de Lucerne solliciter le renouvellement de l’alliance entre 

1 A. Turin, Protocoles duc jux, t. 1 35 . 

1 A. C. V. Serie Ab 14, f* 4a. 

* Ed. Rott, Histoire diplomatique de la France aupris des cantons suisses, 
*• *■ P- 107. 


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104 


la France et les Suisses. II se buta ä des ouvertures de l’eropereur 
aupres des Confdd£r£s; ndanmoins il serait peut-£tre arriv£ ä ses ßns 
sans l’intransigeance d’un autre envoy£ que le roi lui avait adjoint l , et 
qui se ret'usa ä ratifier des concessions faites par Aymon et entralna 
par lä les Confeddr^s dans l’alliance contre la France qui devait 
aboutir ä la bataille de Marignan. 

L’eveque de Lausanne rendit ä cette 6poque k la France des 
Services signates. Le gouvernement fran^ais n’avait pas d’ambassadeur 
permanent aupres des Ligues, et se bornait k des missions extraor- 
dinaires, tr£s frequentes d’ailleurs. Mais avant de les envoyer il fallait 
connaitre F£tat d’humeur, plutöt difficile, des chefs confederes. Aussi, 
plusd’une fois, notamment en i 5 o 3 , en i5o 7, en i5io, voyons-nous 
ces ambassadeurs s’arrftter k Lausanne, aupres de l’£vöque et attendre 
lä le moment favorable pour pousser plus loin leur mission. Lausanne 
etait devenu par le fait un centre d’observation fransais, dont on ne 
peut malheureusement qu’&ablir l’existence sans pouvoir avoir des 
documents suffisants pour en etablir l’importance*. Mais si Fon songe 
que nous sommes au moment oü les Suisses vont prendre parti entre 
le roi de France d’un cötd, le pape et l’empereur de l’autre, on peut 
deviner Fint£r£t tr&s puissant qu’offrait l’observatoire, d’autant plus 
qu’Aymon n’&ait pas seulement l’dveque de Lausanne. Il fut encore 
pendant la plus belle partie de sa carri&re £piscopale, de 1497 ä i5io, 
l’administrateur de l’dvechd de Genöve, et comme son autoritö spiri¬ 
tuelle s’^tendait jusqu’ä Berne et Soleure, on voit d’ici combien le 
pr^lat pouvait £tre d’un prdcieux appui. L’ardent adversaire de l’in- 
fluence framjaise, le Cardinal Matthieu Schinner, s’en rendait parfai- 
tement compte. L’dveque de Sion avait £t£ aux prises avec l’eveque 
de Lausanne, en i 5 o 6 , alors que celul-ci defendait les int^rets du duc 
de Savoie alli£ k la France 8 . Quatre ans plus tard, nous voyons 
Schinner intervenir dans les affaires de l’ev£ch6 de Lausanne. 11 
s’agissait d’obtenir la rösignation d’Aymon de Montfalcon qui etait 
alors kg£ de plus de 70 ans, et de le remplacer par un personnage 
d’un tout autre caractfcre, le protonotaire Nicolas de Diesbach, prfvdt 


1 

% 

1 Ed. Rorr. Histoire diplomatique de la France aupris des cantons suisses, \ 
t. 1 , p. 167-168 et Abschiede, t. III, p. 452 et suiv. Bibliothique cantonale de | 
Fribourg, collection Girard, t. XII. j 

* M. Rorr (p. 11 5 ) annonce une biographie d’Aymon et d’autres envoy^s ordi- 
naires du roi de France. On y trouvera sans doute des £claircissements k ce sujei. 

• Abschiede , t. III, p. 342 et suiv. A. C. V. S6rie A B 14. 


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105 


deSoleure l . Averti des men^es de Matthieu Schinner k Rome, le duc 
deSavoie intervint en faveur d’Aymon, et finalement le pape Jules II, 
qui connaissait personnellement l’eveque de Lausanne et s’en etait 
servi lui aussi pour des missions diplomatiques, laissa le vieil dveque 
en Charge. Plus tard, en 1 5 1 3 , il lui donna simplement un coadjuteur 
dans la personne de S^bastien de Montfalcon, son neveu. Si le Car¬ 
dinal Schinner cherchait k placer un de ses favoris sur le si&ge de 
Lausanne, il est probable que la sant6 d’Aymon n’en dait pas l’unique 
raison, et qu’au delä il voyait l’influence fran<;aise k dcarter. Mais si 
le Cardinal Schinner n’atteignit pas son but par ce moyen, il y parvint 
cependant d’une autre manide, car en i 5 ia les Ligues suisses se 
prononcferent ddfinitivement contre la France : l’dveque de Lausanne 
etait trop Ag£ et infirme, semble-t-il, pour pouvoir intervenir encore; 
on ne le voit plus dfcs i 5 io md£ k aucune n^gociation diplomatique. 


Ay: 


lllll 


de B 




artiste et lettr6 


Evßque vigilant, administrateur prudent, diplomate avis£, Aymon 
de Montfalcon 6tait en meme temps un lettrd On sait que l’6v£que de 
Lausanne, qui le premier fit imprimer le missel, le rituel, le br^viaire 
et les constitutions synodales du diocfcse, aimait k s’entourer de lettrds. 
Une enluminure d’un manuscrit de l’^poque renfermant l’une des 
oeuvres du pode bourguignon Antitus montre le pode prdentant 
son ouvrage k l’^vfique Aymon ; le texte montre d'ailleurs qu'il dait 
un de ses familiers; c’est ainsi qu’il y fait allusion k Tun de ses 
neveux mort de la rage. Nous avons reproduit ailleurs ce portrait *. 
D’autre part, k aucune pdiode de l’histoire du chapitre de la cathd 
drale de Lausanne, on ne vit autant d’illustrations que de son temps : 
Francois de Colombier, l’^vdque du de Lausanne en 1491, brillant 


1 Chronique du Chevalier Louis de Diesbach, publiäe par M. Max de Diesbach, 
Genire 1902, notes p. 112. 

* Reymond, Les Dignitaires de l’iglise Notre-Dame de Lausanne , p. 144. Le 
manuscrit appartient ä M. J. J. Mercier-de Molin, beau-frfcre du regrett* pr*sident 
de la Soci*t* d’hisioire de la Suisse romande. C’est un po*me k sentences morales. 
Eo Toici un sp*cimen : 

Quant gendarmeaulx ont mang* le bon homme, 

Viennent apr*s les procureurs des cours, 

Plus affamez que n’est la court de Rome, 

Pour exigez dor et dargent grant somme. 


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professeur de droit avant d’&tre abbd de Hautecombe et de Montheron; 
Claude de Chiteau vieux, qui fut archeveque de Tarentaise; Claude 
d’Estavayer, qui devint dvSque de Belley et le premier chancelier de 
l’Annonciade; Claude de Seyssel, ambassadeur du roi de France, 
historien reputd, mort dveque de Marseille ; Pierre Tartaret, de 
Romont, cdlfcbre professeur ä la Sorbonne de Paris. A cöte d’eux, 
d’autres qui ne jou£rent qu’un röle local, mais important : l’inergique 
vicaire gdneral Baptiste de Aycardis, qui mourut de la peste; le cha- 
noine Guillaume Colombet, qui fit peindre le manage de saint Joseph 
au narthex de la cathedrale; le celterier Francois de Vernets, donton 
connait la biblioth£que qui est celle d’un humaniste tr£s eclectique 1 . 

La qualite de cet entourage est caract^ristique des tendances artis- 
tiques et littdraires d’Aymon de Montfalcon. A-t-il öcrit lui-meme? 
On ne peut le dire avec certitude. L’archiviste d’Etat de Neuchätel. 
M. A. Piaget, a vu autrefois aux archives de Turin deux pi^ces de 
vers signees de lui et qui ont dtd ddtruites plus tard lors d’un incendie 
de la collection. D'autre part, l’architecte de l’Etat de Vaud, M. E. Bron, 
faisant, il y a quelques anndes, une rdfection du vestibule du chäteau 
Saint-Maire, aujourd’hui stege du gouvernement vaudois, a constate 
qu’il dtait couvert de peintures qu’il a pu faire rdapparaitre, et qui 
constituent de prdcieuses seines de moeurs. Ces peintures sont accoro- 
pagnees de legendes en vers latins eten vers fran^ais, malheureusement 
tr6s mutilees, et dont M. le professeur Piaget n’est pas loin d’attribuei 
la paternitd ä l’dvöque de Lausanne lui-meme. L’une des plus caracte- 
ristiques de ces peintures represente un ecusson : en chef, ä gauche, 1« 
papc avec la clef de saint Pierre, entour£ de cardinaux, ä droite 
l’empereur avec glaive et les princes; au centre, un laboureur ä la 
charrue, en pointe un bücheron coupant du bois. Le po£te met dans | 
la bouche du laboureur deux vers dont le premier seul est lisible : j 

Peres, Roys ne me desjettez 

Car ung mole. gatez (?) 


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■ 

! 


Une autre inscription surmonte l’^cusson ; le dernier vers est 
celui-ci : 

Peult petit homme hault venir. 

Si le texte ne peut etre enti&rement lu, le sens gendral est assez 
clair : « Papes, rois, ne me m^prisez pas; je Supporte le monde, et 

1 Voir ces noms dans Reymond, Les Dignilaires de l'iglise de Lausanne. 


9 

i 



— 107 — 

petit homme peut arriver au sommet. » Cette sentence, ä la porte de 
I’eveque, ne manque pas d’originalite et de hardiesse. Si eile n’est pas 
d'Aymon de Montfalcon lui-mdme, tout au moins a-t-il dü l’approuver. 

L’un des secrdtaires de l’dveque, le chanoine Perceval Gruet, a 
iaissd un minutaire fort interessant oü l’on voit pour ainsi dire le 
prelat dans l’intimite : il administre ses biens, rdgle des diffdrends 
entre eures et paroissiens ou entre gentilshommes, nomme aux bdnd- 
fices ecclesiastiques, institue des clercs, bdnit des chapelles, accorde des 
indulgences, etc. Ce minutaire entre dans quelques autres ddtails encore. 
C'est ainsi que le 25 mars 1497, le citoyen Gui Pernaud, de Lausanne, 
remit ä son chapelain Pierre Roset, curd de Gruydres, un manicorde 
ä pedales, valant trois florins d’or, qui est sans doute l’instrument de 
musique gdndralement appeld monocorde. Ailleurs, on voit l’dvdque 
posseder un organon, qui est vraisemblablement un petit orgue. Plus 
tard, se trouvant k Bruxelles pour le mariage du duc Philibert de 
Savoie avec Marguerite d’Äutriche, il passa contrat le 7 octobre i 5 oi 
avec Petrequin Oupem de Odouard et Michel de Bracahebe de 
Bruxelles, tapissiers, qui s’engagdrent ä travailler pour lui, de leur 
an, pendant une annde durant, au prix de 40 fr. de 20 gros de 
Savoie 1 (2,160 fr. d’aujourd'hui environ). Il n’y a gudre de doute 
queces artisans n’aient dtd employds ä orner le chdteau de Lausanne 
de tapisseries de Flandres. On peut voir d’ailleurs par le bahut 
d’Aymon de Montfalcon, qui a pris place au musee de Cluny, que 
ce prdlat s’dtait entourd d’un mobilier luxueux. 

La demeure episcopale, ou chäteau Saint-Maire, avait dtd cons- 
truite un sidcle auparavant (avant 1406) par l’evdque Guillaume de 
Menthonay. Mais Aymon en modifia sensiblement l’aspect, par la 
construction d’un vestibule surmontd de deux dtages, annexe aujour- 
d’hui en partie masqude et mutilde par des annexes postdrieures. Ce 
fut lui qui erda la « Chambre de l'eveque » comme l’on dit aujour- 
d’hui, salle au plafond ä Caissons, avec une belle cheminde armoride, 
avec la celdbre devise d’Aymon : Si qua Jata sinant *. Cette pidee, 
que les anciens documents nomment la chambre neuve ou la belle 
chambre, dtait relide directement aux pidees du nouveau vestibule. 
Elle semble avoir formd l’appartement privd de l’dvdque, avec les 


1 A. C. V. Minutaire Gruet, p. 1 3 , io 5 , etc. 

1 Rktmond, Les chdteaux ipiscopaux de Lausanne , 1911. Ce volume a M 6crit 
avaot la d£couverte des peintures dont nous parlons plus bas. 


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chambres voisines. Peut-6tre y avait-il dans l'une de ces salles ia 
chapelle privee de lev&que, au vocable de Saint-Nicolas. Mais cela] 
n’est point sür. Au rez-de-chaussde, une autre piöce montre l'ivtque 
Benoit de Montferrand, ä genoux, entoure de prötres, regardant un 
autel figure par une fen&tre et vers lequel se tournent aussi une 
foule de lalques egalement en prieres; la voüte represente Dieu le 
P£re sur son tröne. Cette peinture, qui semble se rapporter ä une. 
chapelle, est anterieure ä Aymon, mais tout ä cötd une autre peinture 
representant une femme sur un cheval fougueux avec une inscription 
rappelant ä la jeunesse d’avoir a moddrer ses passions, date bien de 
ce dernier. En m^me temps, Aymon de Montfalcon fit decorer le 
grand corridor du chdteau des compositions picturales dont nous 
avons parle, curieuses notamment par la varidte et l’dlegance des 
toilettes feminines, et qui paraissent dues ä un artiste bourguignonJ 
D'aprts un graphite, ces peintures sont antdrieures ä 1509. 

L’evdque fit aussi restaurer la charmante dglise de Curtilles, dans 
Tun de ses domaines pris de Lucens, et cette restauration nous inte- 
rcsse, parce quc Tun des vitraux represente Aymon lui-meme, ä un 
äge avancd. L'ceuvre n’est pas merveilleuse au point de vue artistique: 
c’est ainsi que la main droite est ddmesurdment grossie. Mais eile 
präsente d'Aymon un portrait triis vraisemblable et uh caracte- 
ristique : cheveux blancs, corps epais, nez arque bien accentue, phy- 
sionomie ä la fois ferme et douce, intelligente avec un brin d’ironie 1 .! 
On a d'Aymon deux autres reprdsentations, plus stytees et moin$ 
naturelles, en relief sur l’une des Stalles de la cathedrale. L eveque jr 
est les deux fois ä genoux, protdgö dans Tune par saint Benoit, le 
patron de 1 'Ordre des Benödictins auquel il appartenait, et par saint. 
Jean-Baptiste, puis dans 1 autre par saint Maurice et les martyrs] 
thebains pour lesquels Aymon avait une dövotion particulifere. 


L’oöuvre d’Aymon de Montfalcon ä la cathedrale 


Dejä avant son avönement k l’episcopat, en i486, Aymon de 
Montfalcon avait fait construire au cimetiöre de Douvaine en Savoie 
une chapelle dedide au martyr thebain Second. L’ev£que de Lausanne 
conserva pour les martyrs d’Agaune la meme predilection. A ri®i- 


1 Reymohd, Dignitaires de l’tglise de Lausanne, p. 388, 52. 


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iog 


tation des grands dvfcques frangais de l’lpoque, il voulut marquer son 
passage par un monument important dans la cath^drale. Dans sa 
seance du 25 septembre 1504 , le Chapitre, qui £tait le maitre absolu 
du sanctuaire de Notre-Dame, accorda ä l’lvgque l’autorisation de 
construire un nouveau portail, a l’extlrieur de la grande entrde, ainsi 
qu’une chapelle ä l’intlrieur sous le clocher non termind. Cette 
chapelle est celle de saint Maurice et des martyrs th^bains, et les frises 
si richement sculpt^es de l’^brasement du portail contiennent entre 
autres les statuettes de douze saints rattaches aux martyrs th^bains. 

On trouvera dans l’importante £tude de M. le chanoine Dupraz 
sur la Calhterale de Lausanne 1 des dötails copieux sur ces travaux 
artisiiques. Nous n’y reviendrons pas. On a discut£ et l’on discutera 
encore longtemps du goüt qui a prdsidd k l’edification du portail. Les 
restitutions qui ont faites de l’etat de l’entr^e de la cathddrale avant 
Aymon de Montfalcon permettent de se faire une opinion sur ce sujet. 
Mais une fois le principe admis d’un portail flamboyant appliqu^ ä 
un ediöce gothique, on ne pcut qu’admirer la facture de l’ouvrage. 
* Ce portail est si complexe, a dit le sculpteur Raphael Lugeon, il 
denote une teile science de la stdreotomie; l’art du tracd y est portd k 
un tel degre de perfection, l’appareillage est si savant, si bien dtudid, 
si logiquement combind, la composition gdndrale si bien dtablie, les 
details si remarquablement raisonnds, l’ensemble prouve une dtude 
si approfondie, qu’il a certainement fallu pour mener k bien cette 
ttuvre magistrale un effort et un temps considerables *. » On sait que 
le travail dura fort longtemps et ne fut acheve qu’au temps de Sdbas- 
üen, le neveu d’Aymon. Il y avait eu des divergences de vues entre 
l'eveque qui aurait prdfdrd mettre une fagade k l’entrde de la nef, et 
le chapitre qui la voulait k l’extdrieur; entre 1’evSque et le chapitre 
encore k propos du droit de patronat de la chapelle. Ces conflits, 
comme aussi la lenteur ndcessaire ä la composition du plan de ddco- 
ration du portail, expliquent dans une certaine mesure la mercuriale 
qu’en 1 5 1 3 le pape Ldon X adressa k l’dveque, disant qu’il laissait 
lentrde de la cathedrale et les chapelles qui s’y trouvaient exposees 
ä la pluie et au vent, pr^förant enrichir ses parents que d’achever la 
restauration de l’ddifice. Mais il y a dans cette bulle des exag^rations 
et meme des erreurs de fait si Evidentes qu’on ne peut la prendre k 

1 Dupraz, La cathedrale de Lausanne, Lausanne, 1906, p. 4 85 et suiv. 

’ Patrie suisse, 11" ann£e, p. 293-294. 


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la lettre, et si Ton songe qu elle est envoyee ä Tev&que de Sion, le 
Cardinal Schinner, au moment meme oü Rome allait choisir un 
coadjuteur ä Aymon, on peut se demander si l’injonction pontificale 
n’a pas un autre but encore que celui de satisfaire au desir du chapitre. 

Aymon s’intöressait d’ailleurs manifestement davantage ä ledifi- 
cation de la chapellc de Saint-Maurice pour laquelle il avait les mains 
libres, qu a celle du portail qui etait pour lui une source de conflits 
avec le chapitre et lui coütail des sommes considerables. 11 y a des 
raisons de croire que les travaux essentiels de la chapelle eiaient 
achev^s en i 5 og dejä, date marquee sur une porte aux armes des 
Montfalcon l . Elle devait etre fort belle, car les superbes Stalles que 
Ton voyait naguäre dans la net et qui ont £te recemment reposees 
dans la chapelle, en occupent exactement trois parois, la quatri&ne 
dtant rdservöe a l’autel dont plus rien ne subsiste malheureusement. 
Ces Stalles, pour lesquelles on s’est servi de penitences du treiztoc 
stöcle, sont d’un travail extraordinairement richc et fin et donnent 
une haute idee du prelat qui les a inspirees et de l'artiste qui les a 
executees. 


La mort d’Aymon de 


ui 


tfalcon 


C’est lä, dans le sanctuaire intime soigneusement amenage par 
lui, que Mgr Aymon de Montfalcon voulut finalemcnt reposer. II 
mourut le io aoüt 1 5 17 au chäteau Saint-Maire, dge denviron 
soixante-quinze ou quatre-vingts ans. Le lendemain dans l'apris-midi, 
apres le chant des vepres et les vigiles des döfunts, dit le manualc 
du chapitre, le corps de l’öveque fut inhume avec grand honneur dans 
sa chapelle nouvellement fond^e. 

II y a quelques ann^es, Tarchitecte de la cathedrale a recherche 

dans la chapelle les traccs du tombeau d'Aymon. II n’a rien trouve. II 

$ 

est probable que le tombeau a 616 ouvert et pilte par les Bernois qui 
ont jete aux vents les cendres du grand evöque de Lausanne. Maisils 
n’en ont pu faire disparaitre le Souvenir. Les armes d’Aymon se 
retrouvent partout, au chäteau et plus encore ä la cathedrale, avec la 
devise si m^lancolique et Jesabusee de l’dveque, Si qua /ata sinanl, 
« Si les destins le permettent ». Que l’avenir devait-il lui donner, dans 
sa pensee? A quelles aspirations revait-il, en meme temps qu’il * 


1 Dupraz, La cathedrale de Lausanne, p. 1 55, 488 , 535. 


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III 


soumettait ä la volonte de Dieu, par cette devise qui, sous une appa- 
rence fataliste, tdmoigne peut-etre aussi d’une rdelle humilitd ? Nous 
ne le saurons sans doute jamais. Mais les destins ont permis qu’une 
Partie au moins de son oeuvre religieuse et artistique restät debout, 
gräce k laquelle nous pouvons entrevoir qu’Aymon de Montfalcon 
fut Tun des personnages les plus intdressants de la Suisse romande 
au ddbut du XVI me sidcle, et Tun des plus dignes et des plus 
grands successeurs de saint Maire et de saint Amddde. 



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Liturgisches aus Beromünster. 

(Tropen und Cantiones) 

Von Prof. Joseph TROXLER, Münster (Luzern)., 


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4 

, \ 

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Das Stift Beromünster bewahrt in seinem Kirchenschatze drei 
mittelalterliche liturgische Bücher, die wegen ihrer kostbaren Einbände 
von Kunstkennern mit Recht hoch geschätzt sind : das Epistular, 
das Cantatorium und das Evangeliar l . Diese Handschriften bergen 
aber auch einen wertvollen Inhalt. 

Das Epistular mit elfenbeinerner Einbanddecke, aus spatroma¬ 
nischer Zeit, enthält die Episteln auf die Sonn- und Festtage des 
Kirchenjahres und ist im n. oder 12. Jahrhundert geschrieben. Das 
Cantatorium mit geschnitzten Elfenbeindecken aus dem 9. oder 
lo. Jahrhundert ist ein Buch mit den Messgesängen für den Solisten 
und stammt seinem Inhalte nach (70 Pergamentblätter, 26 : 16cm.); 
aus dem 12. Jahrhundert. Das Evangeliar , dessen Einband aus zwei 
mit vergoldetem Silber überzogenen Holzdecken besteht, gehört der 
ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an und enthält die evangelischen 
Perikopen des Kirchenjahres (114 Pergamentblätter, 35 : 25 cm.). 

Aus dem Inhalt der beiden letzten Manuskripte teilen wir eine 
Anzahl Tropen mit; das Epistular weist keine solchen auf. 

Tropus 2 im liturgisch-hymnologischen Sinne ist die Interpolation 


1 Eine nähere Beschreibung bei K. A. Kopp , Die Stiftsbibliothek von Bero 
münstcr, 11 . Teil (1904), S. 3 IT. Vergleiche Adolph Goldschmitt , die Elfenbein* 
Skulpturen aus der Zeit der karolingischen und sächsischen Kaiser, 8.-11. J* hr - 
hundert. 2 Bde. Berlin 1914-18. 

* Nach Peter Wagner , Einführung in die Gregorianischen Melodien, 1 . Teil 
2. Aufl., 1901, S. 282-300, mit vielen Beispielen von Tropen — und P . Clemens 
Blume , S. J. t in Buchbergers Kirchl. Handlexikon II (1912), 2464 f. Vergl. web 
Ders. t Poesie des Hochamtes im Mittelalter, in Stimmen aus Maria-Laach, Bä. 7 1 
(1906), S. 1 8-38 ; E. Michael. S. J. t Geschichte des deutschen Volkes IV r (10061. 
33 o fl*.; Lion Gautier, Histoire de la poösie liturgique au Moyen-Age. 1 : l cs 
Tropes. Paris 1886. 


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«3 


oder die durch Interpolation, d. h. durch Einleitungen, Einschaltungen 
und Zusätze bewirkte Ausschmückung eines liturgischen Textes. 
Der Name ist griechisches Lehnwort und war ursprünglich ein 
musikalischer Terminus; als solcher ist er bei den Lateinern gleich¬ 
bedeutend mit modus, modulus (Modulation). Das Kyrie eleyson 
z. B. hat in alten Quellen und jetzt noch über dem e von Kyrie ein 
langes Melisma, eine reiche Notenfolge, tropus genannt; der diesem 
Melisma unterlegte Text erhielt frühzeitig den gleichen Namen, 
ähnlich wie der Name Sequenz, d. i. die Notenfolge über dem a des 
Alleluja, von der Melodie auf den unterlegten Text übertragen 
wurde. 

Die Tropen sind auf byzantinische Einwirkung zurückzuführen ; 
bis ins 12. Jahrhundert hinein enthalten sie viele griechische Worte. 
Die St. Galler Geschichtschreiber betrachten als ihren Erfinder den 
Mönch Tuotilo (gestorben um 91 5 ), von dem sich mehrere Tropen 
erhalten haben; Ursprungsstätte ist aber wahrscheinlich Frankreich, 
von wo sie, im 9. Jahrhundert entstanden, schon im 10. und beson¬ 
ders im 11. Jahrhundert überallhin sich verbreiteten. Jene zum 
Proprium Missarum erloschen im 12. und i 3 . Jahrhundert, die 
übrigen lebten vielfach bis zum 16. Jahrhundert fort. Ihre Verfasser 
sind meist unbekannt. 

« Wie eine Flut überschwemmten die Tropen mit der Zeit die 
sämtlichen Gesänge der Messe und des Officiums; nur von Tropen 
des Credo hat nie etwas verlautet; man wagte es offenbar nicht, 
die geheiligte Form des Glaubensbekenntnisses anzutasten. Im 
allgemeinen verlief die Ausbildung der neuen Form entsprechend 
derjenigen der Sequenzen; die ersten Tropen, diejenigen Tuotilos 
und seiner direkten Nachfolger, sind in Prosa geschrieben, gelegent¬ 
lich begegnet man einem Hexameter. Von der zweiten Hälfte des 
n. Jahrhunderts an tauchen Tropen auf, die einen ausgiebigen 
Gebrauch vom Reime machen, und von da an sind die Tropen meist 
in metrischen Formen abgefasst, besonders in jambischen und 
irochäischen Versen. Jene Tropen sind immer nur Interpolationen 
des liturgischen Textes, diese entwickeln sich zu selbständigen 
Gedichten, die neben die offiziellen Worte treten, sie verdunkeln 
und in den Hintergrund drängen. In der ersten Periode werden 
vorzugsweise Messgesänge, in der zweiten besonders Offiziumsgesänge 
tropiert. 

Die Zahl der Tropen ist Legion, besonders derjenigen des 

REVUE d'iiistoire ecclesiastique 8 


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— ii4 — 

Ordinarium Missae; sie gehören mil den Sequenzen zu den interes¬ 
santesten und charakteristischsten Erzeugnissen mittelalterlicher 
Glaubensfreude und frommer Dichtung. 

Bei der Beurteilung tropierter Stucke des Ordinarium Missae 

darf man nicht vergessen, dass die Texte des Kyrie , Gloria, etc., I 

keine direkte Beziehung auf den Charakter des jedesmaligen Festes 

enthalten, während sich eine solche wohl in den wechselnden Texten 

des Proprium ausspricht. Da waren Einschaltungen in den Teit, 

wenn man einmal über das liturgisch Bedenkliche derselben 

hinwegsieht, immerhin ein Mittel, alle Texte der Messe mit den 

durch das Fest nahegelegten Gedanken zu durchtränken ; die so j 

entstehende Einheit und der Zusammenhang aller auf einen Punkt j 

• 

gerichteten Gesangstexte waren doch nicht ohne ästhetische Bedeutung. 

Seltsam ist, dass man sogar die Lesungen aus der heiligen Schrift 
mit Erweiterungen ausstattete; doch bilden derartige Tropen immer 
nur seltene Ausnahmen, wenn sie auch in Frankreich erhöhte 
Bedeutung dadurch gewannen, dass man sie in der Volkssprache 
abfasste und zum Volke gewendet vortrug. Solche Farciturae oder 
Farsiae (Füllungen), wie man sie nannte, waren meist nur die 
Uebersetzung der Epistel und besonders für die Messen von Weih¬ 
nachten und der folgenden Tage beliebt K » 

Die zahlreichen Tropen sind vom poetischen Standpunkte aus 
meist minderwertig; für die Entwicklung der Poesie, Musik und 
Liturgie aber sind sie hochbedeutsam und kulturell sehr interessant. 
Statt kurzer Einschiebsel wurden nämlich bald mehrere Verse, eine 
ganze Strophe, schliesslich viele Strophen in den liturgischen Text 
eingefügt, das Beiwerk wurde zur Hauptsache. Die Tropen wuchsen 
aus zu selbständigen Cantionen, Motetten und führten zum geistlichen 
Volkslied ; der dramatische Charakter der Tropen zum Introitus 
auf Weihnachten und Ostern entfaltete sich allmählich zu den 
Mysterien und geistlichen Schauspielen. Schliesslich ging es vom 
Liturgischen und Religiösen zum Profanen und die Tropen arteten 
aus in Liebes-, Spiel- und Wirtshauslieder. Diese Exzesse beschleu¬ 
nigten ihre vollständige Ausscheidung aus der Liturgie durch das 
Konzil von Trient. 


1 Wagner, a. a. O. 




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1. Tropen im Kyrie 


Kyrie, fons bonitatis, pater ingenite, a quo bona cuncta procedunt, eleyson. 
Christe genite, summt patris unice, quem de virgine nasciturum mundo 
mirifice sancti praedixerunt prophetae, eleyson. 

Kyrie, ignis dipine, pectora nostra succende, ut digne pariter te laudare 
possimus omnes, eleyson. (Cantatorium fol. 58 b .) 


* 

0 0 

Kyrie, firmator sancte firmamenti, eleyson. 

Kyrie, compactor sacri fundamenti , eleyson. 

Kyrie, o summe splendor ornamenti, eleyson. 

Christe, leofortis , pictor mortis, eleyson. 

Christe, summi regis auctor legis , eleyson. 

Christe, W/ae rfo/or et salpator, eleyson. 

Kyrie, fo//e grapamen, rfans cunctis lepamen, eleyson. 

Kyrie, amborum flamen, iustorum solamen , eleyson. 

Kyrie, trinitas alma, /e confitentes et colentes salva, eleyson. 

(Cantatorium fol. 6o.) 



Cunctipotens genitor, Deus omnicreator, eleyson, Kyrie eleyson. 

Fons e/ ori#o 6oni, pie, luxque perhennis, eleyson, Kyrie eleyson. 
Salpificet pietas tua nos , 6one rector, eleyson, Kyrie eleyson. 
Christe, Dei splendor, pirtus patrisque sophia, eleyson , Christe eleyson. 
Plasmatis humani factor, lapsis reparator, eleyson, Christe eleyson. 
Ne /ua dampnetur, Jesu, factura , benigne eleyson, Christe eleyson. 
Amborum sacrum spiramen, nexus amorque, eleyson, Kyrie eleyson. 
Procedens fomes, pitae fons purificans nos, eleyson, Kyrie eleyson. 
Purgator culpae, peniae largitor opimae , eleyson, Kyrie eleyson. 
Offensas dele , sancto nos munere reple, Spiritus alme, eleyson, 
Kyrie eleyson *. (Cantatorium fol. 6o*.) 


Äex, Deus aeternae, sine principio, sine fine, Kyrie eleyson. 

Ordine qui rerum cursum facis esse dierum, Kyrie eleyson. 

Fons pitae, menti dans pocula te scicienti, Kyrie eleyson. 

Christe, sophia patris et forma suae deitatis, ipsius est perbum, quod pro 
nobis caro factum, Christe eleyson. 




1 Dieses im ganzen christlichen Abendlande verbreitete tropierte Kyrie ist 
mit etwas abweichenden Lesarten abgedrucltt bei Wagner a. a. O. Seite 284, und 
*on Blume in Stimmen aus Maria-Laach, Bd. 71, Seite 23 ff., wo sich auch 
näheres Ober seine Geschichte findet. — Kyrietropen sind nunmehr über andert¬ 
halbhundert durch den 47. Band der Analecta hymnica medii aepi, hrsg. von 
Blume und Drepes, wieder ans Licht gezogen. 


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— 116 — 

In te cum macula peccati non foret ulla, legem sancscisti legis sancftaei, 
Christe eleyson. 

Morte necans mortem, te vincens in cruce fortem , vitam donasti surgens 
et ad astra levasti, Chrisie eleyson. 

Sacrum spiramen peccatorumque levamen, Kyrie eleyson. 

Purifica mentes, procul hostes pelle nocentes, Kyrie eleyson. 

Ungeque pcctora, destrue vincula, gaudia dona, in patre proleque qui 
iustis datur aequa corona, ut vitae munus videatur trinus et unus, 
Kyrie eleyson. (Cantatorium fol. 6i b .) 


* 

* * 

Ave nunc genitrix Maria, eleyson, Kyrie eleyson. 

Ave nunc clara maris Stella , eleyson, Kyrie eleyson. 

El porta in domo Dei clausa, eleyson, Kyrie eleyson. 

Christi veri templum extitisti, eleyson, Christe eleyson. 

Alvum ad exemplum praebuisti, eleyson, Christe eleyson. 

Virgo mater esse meruisti, eleyson, Christe eleyson. 

Adiuva te collaudantes in confessione, eleyson, Kyrie eleyson. 

Adiuva te deprecantes in oratione, eleyson, Kyrie eleyson. 

Adiuva tibi faventes teque venerantes et dicentes : Ave, eleyson, Kyrie eleyson. 

(Cantatorium fol. 63 .) 



Rubrik : ln summis festis : 


Kyrie eleyson. Christe eleyson. Kyrie eleyson. 

Canamus cuncti laudes ymnißcas soli Deo placidas, Kyrie eleyson. 

Qui pius salvas semper et protegis te sequentes in aevum , Kyrie eleyson. 

Quem nunc adoramus glorificantes et laudantes devote, Kyrie eleyson. 

Christo melos et odas canentes psaltimus sic laetantes in aevum , Christe 
eleyson. 

Quem superi coelorum atque angelica venerantur agmina, Christe eleyson. 

Oboediunt omnia illique factura coeli, terra et aquae, Christe eleyson. 

Almipotens, qui regis alta coelorum, summa et cuncla moderaris terrena, 
Kyrie eleyson. 

Fac nos tuis insistere laudibus amoenis, quas cecinere summa praesagit, 
Kyrie eleyson. 

Doxa patri ac pariter filio addito spiritui sancto canamus omnes voce 
sonora, Kyrie eleyson. (Cantatorium fol. 64.) 


2. Tropen im Gloria. 

Domine fili unigenite, Jesu Christe et sancte Spiritus. 

(Cantatorium fol. 61.) 

Domine fili unigenite, Jesu Christe altissime. 

(!b. fol. 62M 

Domine fili unigenite, salus nostra, Jesu Christe. 

(Ib. fol. 63 .) 


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ii 7 


Domine fili unigenite, Jesu Christe, 
spiritus et atme orphanorum paraclite. 

Domine Deus, agnus Dei, filius patris, 
primogenitus Mariae virginis matris... 
suscipe deprecationem nostram 
ad Mariae gloriam . 

Quoniam tu solus sanctus, Mariam sanctiflcans, 

tu solus Dominus, Mariam gubernans. 

tu solus altissimus, Mariam coronans, Jesu Christe. 

(Ib. fol. 64.) 


3. Tropen in der Epistel. 

In Dedicatione ecclesiae : 

Ad decus ecclesiae recitatur hodie lectio libri apocalipsis Johannis 
apostoli, cui revelata sunt secreta coelestia. In diebus illis talis divinitus 
ostensa est visio : Vidi civitatem sanctam Jerusalem novam, quae constituitur 
in coelis vivis ex lapidibus, descendentem de coelo nuptiali thalamo a Deo, 
paratam sicut sponsam ornatam viro suo super solem splendidum. Et audiyi 
vocem magnam nuntiantem nova gaudia de throno dicentem : Veni ostendam 
tibi, ecce tabernaculum Dei cum hominibus, et ad eum venient omnes gentes 
tt dicent : Gloria tibi. Domine, et habitabit cum eis, nunc et in aevum. 
Et ipsi populus eius erunt, omnes Dei gratia, quos a morte redemit perpetua, 
et ipse Deus cum eis erit eorum Deus, qui moderatur cuncta creata : et 
absterget Deus omnem lacrimam ab oculis eorum, quorum non sol , luna, 
std Christus vera est lucerna : et mors ultra non erit, sed coeli praemia 
perpetua, neque luctus, neque clamor, ubi cum beatis gloriantes nova canunt 
üto carmina, neque dolor erit ultra, gaudia permanent sempiterna, quia 
pnma tbierunt, iusti florebunt. Et dixit, qui sedebat in throno in supernae 
n 'ai«(atis arce : Ecce nova facio omnia, divina providentia, sancti spiritus 
gratia, per sacra mysteria renovatur ecclesia. 

(Cantatorium fol. 49 b .) 


4. Tropen im Evangelium. 

ln Dedicatione ecclesiae : 

In illo tempore : Ingressus Jesus, Dominus Deus Sabaoth, perambulabat 
Jericho in salutem populi. Et ecce vir nomine Zachaeus, potens in terra, 
el hie erat princeps publicanorum in diebus illis, et ipse dives in terra. 
& quaerebat videre Jesum, quis esset, aspiciens a longe, et non poterat 
P rae turba videre, quia statura pusillus erat. Praecucurrit quantocius et 
praecurrens ascendit in arborem sycomorum velociter, ut videret illum inter 
geltes, quia inde erat transiturus coelorum rex. Et cum venisset ad locum 
s uspiciens Jesus vidit illum. Cum sublevasset oculos Jesus et dixit ad eum 


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4. 



n8 


coelorum pius arbiter : Zachaee, festinans descende et suscipe regem 
Christum, quia hodie in domo tua oporiet me manere. Festina ne tardaveris, 
Domine, et festinans descendit festinavitque in domum ei accepit illum 
gaudens plenum gratia et veritate. Et cum viderent viri mendaces, omnes 
murmurabant. Cogitaverunt impii et locuti sunt nequitiam dicentes quia 
ad hominem peccatorem divertisset laudabilis et gloriosus in saecula. Stans 
autem Zachaeus in conspectu Domini Dei sui et dixit ad Jesum coeli et 
terrae conditorem : Et ecce dimidium bonorum meorum, Domine, Deut 
salutis meae, do pauperibus, quia sicut aqua extinguit ignem , ita elemosyna 
extinguit peccatum et si quid aliquem defraudavi opere et sermone , reddo 
quadruplum propter amorem Domini mei Jesu Christi, quem vidi , quem 
amavi , in quo credidi, quem dilexi. Ait Jesus ad eum, qui post viliorum 
ignes poenitentiae temperiem refrigerabat : Quia hodie salus domui huic 
facta est, dimissa sunt ei peccata multa, eo quod et ipse filius sit Abrahae, 
vir Deo plenus. Venit enim filius hominis, ex quo omnia, per quem omnia, 
in quo omnia quaerere et salvum facere quod perierat. Ipsi gloria in saecula. 

( Cantatorium fol. 70 b und auf beiden 
hinten und vorne auf die Decken geklebten 
Blattern ; die Tropen sind von gleicher Hand 
aber in kleinerer Schrift geschrieben.) 

* • 

In Dedicatione ecclesiae : 

In illo tempore : Iter faciente Jesu, ingressus Jesus, sol iustitiae, 
perambulabat Jericho, in hac tacrimarum valle. Et ecce vir, nomine Zachaeus, 
qui solebat in sericis procedere in divinis , et hic erat princeps publicanorum, 
secundum genus saeculi, et ipse dives in thesauris: et quaerebat videre Jesum, 
quis esset, qui nasci dignatus ist de Maria virgine : et non poterat prae 
turba videre, quia statura pusillus erat et modicus. Et praecurrens ascendit 
in arborem sycomorum, quia dilexit multum, ut videret illum desuper; 
quia inde erat transiturus, sapientiam praestans parvulis. Et cum venisset 
ad locum Dominus Deus Sabaoth, suspiciens Jesus vidit illum sereno vultu 
et ait ad illum miserator Dominus : Zachaee, festinans descende in domum: 
quia hodie in domo tua oportet me manere eo quod timeas Dominum. Et 
festinans descendit iuxta praeceptum Domini, et accepit illum gaudens de 
introitu regis. Et cum viderent homines viri mendaces, murmurabant 
dicentes mundi cordis amatorem nil vitam sordidis habere vasis, quod ad 
hominem peccatorem divertisset, desiderium habens castitatis. Stans autem 
Zachaeus ac prava sua dcrelinquens itinera dixit ad Dominum in spmtu 
humilitatis et in animo contrito : Ecce dimidium bonorum meorum, Domine. 
do pauperibus in remissionem peccatorum : et si quid aliquem defraudavi. 
idcirco ipse me reprehendo, reddo quadruplum secundum verbum tuum. 
Ait Jesus iili : Jocundare, quia hodie salus huic domui facta est et vocabitur 
aula Dei : eo quod et ipse filius sit Abrahae per gratiam, quam meruisti. 
Venit enim filius hominis missus ab arce patris quaerere et salvum facere. 
quod perierat. Tibi Christe sit laus et gloria. (Evangeliar fol. 94.) 


oögle 


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In festo S. Johannis Evangelistae : 

In illo tempore : Dixit Jesus Petro tamquam primo, tamquam praevio , 
tamquam ecclesiae fundamento : Sequere me, non corporis gressibus, sed 
fidei passibus et mortis doloribus. Conversus Petrus vidit iilum discipulum, 
quem diligebat Jesus, sequentem, qui et recubuit in coena super pectus 
eius, et dixit: Domine, quis est, qui tradet te ? Mitte de fratre quaerere, sed 
tu magistrum sequere. Noli tremens deficere , noli lupum admittere. Hunc 
ergo cum vidisset Petrus, dixit Jesu : Domine, hic autem quid ? Dicit ei 
Jesus : Sic eum volo manere, donec veniam, quid ad te ? tu me sequere. 
Custodi gregem fortiter et sustine viriliter , si fremit adversarius, non fias 
mercenarius. Exivit ergo sermo ille inter fratres, quod discipulus ille non 
moritur. Et non dixit iili Jesus : Quia non moritur, sed : sic eum volo 
manere, donec veniam : quid ad te? His monstratur articulis que intrioens 
in saeculis in tanto vitae tempore virgo fuit corpore. Hic est discipulus, 
qui testimonium perhibet de his, et scripsit haec. Huius verba discipuli 
credant tribus et populi. Hic plenus Dei gratia scripsit eius magnalia : 
ctscimus, quia verum est testimonium eius. (Evangeliar fol. 66 b .) 


5. Tropen im Sanctus. 

Sanctus, genitor summi filii , quem concepit sancta virgo Maria, 
sanctus, summi patris unigenitus, quem produxit mundo virgo Maria , 
sanctus, Spiritus sanctus, sub cuius umbra Christum genuisti , excellentis- 
sima virgo Maria , 

Dominus Deus Sabaoth. Dominum exercituum interpella pro nobis , te 
supplices rogamus, virgo Maria. 

Pleni sunt coeli et terra gloria tua, quia gtoria angelorum ex te orta est , 
ideo ineffabiliter glorificaris, virgo Maria . 

Hosanna in excelsis. Benedictus qui venit in nomine Domini. O nomen 
ineffabile, quod nominatur filius , quem pro nobis ora , virgo Maria . 
Hosanna in excelsis. ( Cantatorium fol. 67.) 

* 

* * 

Sanctus, a quo sunt omnia , 
cuius omnipotentia 
potest impossibilia, 
sanctus, per quem sunt omnia , 
cuius mira gratia 
prope videt humilia , 
sanctus, in quo sunt omnia , 
cuius sapientia 
excedit consilia, 


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120 


Dominus Deus Sabaoth, quem contemplari agmina 
desiderant uranica. 

Pleni sunt coeli et terra gloria tua, cui famulantur condila 
subiedlione debita. 

Hosanna in excelsis. Salvifica fidelcm populum. 

Benedictus filius , pietate cuius reformatur perditus 
iussu patris coelitus, 

Qui venit in nomine Domini, nobis inspirando , cooperando , remunerar.io 
dona sui. 

Hosanna in excelsis. (Cantatorium fol. 67V) 


6. Tropen im Agnus Dei. 


Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, coelitus informans, 

saeva nos morte reformans , miserere nobis. 

Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, salvans a poena , 

dam gaudia lucis amoena , miserere nobis. 

Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, turbae speranti 

vera pro pace roganti, dona nobis pacem. 

|Cantatorium fol. 68.» 

• * 

Agnus Dei, fom indeficiens trinitatis, 

miserere, miserere, miserere nobis. 

Agnus Dei, auctor summe bone bonitatis , 

miserere, miserere, miserere nobis. 

Agnus Dei, pax aeterna , dator caritatis, 

dona nobis, dona nobis, dona nobis pacem. 

(Cantatorium fol. 68 b .) 


* 

• • 


Agnus Dei, Danielis prophetia 

quem produxit , hunc Maria 
virgo mater genuit , 

Agnus Dei, iam descendit , ui mactetur, 
plebs fidelis jocundclur , 
ecce Christus sumitur , 
Agnus Dei, vitam confert agnus ille , 
cui canunt chori mille , 
verum corpus sumite , 


dona nobis pacem. 

(Cantatorium fol. 6 q.» 


miserere nobis. 


miserere nobis. 


• * 

Agnus Dei, Maria videns angelum , 


deitatis nuntium , 

per Spiritus umbraculum 

virgo concepit ßlium , 


miserere nobis. 


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121 — 


Agnus Dei, Maria Jesum generans , 

quem Johannes praedicans, 
reges de Saba veniunt, 

aurum , thus, myrrham offerunt, miserere nobis. 

Agnus Dei, per virginalem filium 
sit nobis hic auxilium, 
his cunctis circumstantibus 

et nobis celebrantibus , dona nobis pacem. 

(Cantatorium fol. 69.) 


7. Tropen im Ite missa est. 

In festo S. Michaelis Archang. : 

Ite plebs fidelis ad Michaelis ghriam in coelis iam missa est. 

* 

In Dedicatione ecclesiae : 

Ite Deo laus hodie in festo huius ecclesiae missa est. 

(Cantatorium fol. 47 b und 49, von anderer 
Hand am untern RandJ 


8. Tropen im Libera. 




Rubrik : Isti versus cantantur super Libera me Domine de defunctis, 
in processione. 

Libera me, Domine, qui ambulabat iacet, qui loquebatur tacet, clausi 
oculi iumen non vident, nec aures ulla voce patebunt, omnia membrorum 
officia conquieverunt, non est gressus ad ambulandum, nec sensus ad 
percipiendum, nonne ista est domus quam invisibilis habitator ornabat ? 
recessit qui non vidcbatur, remansit qui cum dolore premebatur. Ista est 
causa tristitiae, cuius tristitiae tu sis consolatio, Christe. Quando coeli 
movendi sunt etc. 

Item : 

Audi telius, audi magni maris nimbus, audi omne quod vivit sub sole, 
huius mundi decus et gloria, quam sint falsa, quam transitoria, contestantur 
haec temporalia non in uno statu manentia, nichil enim regalis dignitas, 
nichil valet corporis quantitas, nil artium profunditas, nil valet diis falsa 
divinitas. Nullum salvat nec genus nec species, nulli prodest auri congeries, 
transit enim rerum materies, ut liquescit a sole glacies. Ubi Plato, ubi 
Pompeius, ubi Porus, ubi Porphyrius, ubi Caesar, ubi Virgilius, ubi Flaccus, 
aut ubi Darius, Alexander rex ubi maximus, aut Achilles ubi magnanimus, 
cum Elena Paris pulcherrimus, ubi Hector Troum fortissimus ? Transierunt 
legem mortalium per unius diei spatium, sed tu, Deus, rector fidelium, fac 
te, Christe, nobis propitium, cum de malis fiat iudicium. Quando coeli 
movendi sunt et terra. (Cantatorium fol. 69 b .) 


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122 


Zwischen Gloria und Sanctus sind in unserm Cantatorium 
sogen. Conductus eingefügt. Der Conductus ist ein Lied, das unter 
der Liturgie gesungen wurde, während der Priester oder die Leviten 
von einem Orte zum andern sich bewegten, z. B. wenn der Diakon 
sich zum Ambon begab, um das Evangelium zu singen. Der Con¬ 
ductus ist also dem Prozessionshymnus verwandt und gehört zu den 
Cantiones , die, ohne liturgisch zu sein, doch in und neben der 
Liturgie Verwendung fanden und eine Brücke vom Tropus zum 
geistlichen Volkslied darstellen; sie unterscheiden sich von den 
Tropen dadurch, dass sie wohl die Liturgie, nicht aber einen 
liturgischen Text, interpolieren (Guido Dreves). 

Wir lassen die vier Stücke hier folgen : 


Fregit Adam interdictum 
et reliquit hoc delictum 
miseris posteris, 
poenam culpae veteris. 
Libera conditio 
mergitur in vitio, 
viget in natura 
gravis coniectura. 

O quanta miseria 1 


Fregit homo pactum Dei, 
in quo sumus omnes rci; 
labimur, patimur, 
aeternoque morimur, 
donec virgo preterit, 
quod natura preterit, 
sola praeter morem 
pium redemptorem. 

O quanta gaudia l 


Hic adiutor oportunus, 
a peccato über unus 
extitit, restitit 
hosti, qui perdidit, 
qui, dum petit humilem, 
temptat invincibilem ; 
Sathan enervatur, 
vicit qui temptatur. 

O quanta victoria ! 

(Cantatorium fol. 65 b .) 


Conditor alme siderum, 
ab alto, Jesu, prospice 
et fessos fasce scelerum 
ope salulis refice. 

Deus carens origine, 
vita, salus credentium, 
qui natus es de virgine, 
rex Christe, factor omnium, 
veni, redemptor gentium. 


Qui dominatur superis, 
de terra fons exoritur, 
dum iubar novi sideris 
de maris stella nascitur. 
O qualis incarnalio, 
scribenti scribe calamo, 
stupet naturae ratio, 
cum virgo gaudet filio 
procedenti de thalamo. 


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123 


Redemptos mortis pretio 

festina tuos visita, 

ne serviamus vitio. 

Nobiscum, Deus, habita, 

in te da recta sapere, 

ut ne credamus, Domine, 

te natum carnis genere, 

sed mistico spiramine, 

non ex virili semine. 

(Cantatorium fol. 66.) 

# 

* * 

Pater unigenitus, a quo sunt omnia, 
excludit hominem procul a patria, 
miro consilio, mira potentia 
reponit exulem in sede propria. 

Qui claudit omnia, nec ipse clauditur, 
claustrum virgineum solus ingreditur, 
unitur homini, quod Deus nascitur, 
nec tarnen Deitas in hoc deprimitur. 

Inaestimabilis est Dei miseratio : 
ut servum redimat, non parcit filio, 
descendens filius de regni solio, 
commutans gloriam carnis officio. 

(Cantatorium fol. 66 b .) 


* 

* * 

Fraude caeca desolato 

primo nostri generis, 

mortis virus expalato 

redundavit posteris, 

sed merore desicato 

corruptelae veteris, 

hausit poenam cum peccato 

iubar novi sideris. (Cantatorium fol. 66 b .) 



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So macht man Geschichte 


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Von P. Fridolin SEGMÜLLER. 


Seit Jahrhunderten führt man den Kampf gegen die katholische 
Kirche auch dadurch, daß man ein Zerrbild von kirchlichen Einrich¬ 
tungen und Persönlichkeiten entwirft und .dann gegen diesen Popani 
anstürmt. So machte man es seit den Magdeburger Centurien bis 
heute. Zwar sagt man bisweilen, der Kampf sei heute doch sachlicher 
geworden. Keineswegs; durch Entstellungen und Unterstellungen, 
durch Verzerrungen und Verleumdungen wird immer noch das Urteil 
Tausender getrübt und ihr Gemüt vergiftet. Leider kann man mit 
bestem Willen bei den meisten Urhebern solcher falscher Urteile und 
tendenziös gefärbter Darstellungen keine bona fides annehmen; bis¬ 
weilen liegt perfide Absicht und Berechnung offen zutage. Ob für das 
« Lehrbuch der Kirchengeschichte von Kurtz, neubearbeitet von Bonwetsck 
und Tschakkert * das eine oder andere zutreffe, mag der Leser beur¬ 
teilen. Dieses zweibändige Werk, welches mir in 14. Auflage 1906 
vorliegt, ist für Tausende protestantischer Studierender Leiter und 
Führer in der Kirchengeschichte. Es wimmelt darin von irrtümlichen 
Darstellungen und unglaublichen Entstellungen. Und doch zeigt gerade 
die reichliche Verweisung auf katholische und auf objektive akatho- 
lische Literatur, daß man die Wahrheit kennt oder kennen könnte. 
Der Neubearbeiter des ersten Bandes, Bonwetsch, hat sich durch eine 
Reihe von Publikationen als sehr vertraut mit allen Erscheinungen 
des ältern kirchlichen Lebens ausgewiesen. In diesem Buch wird aber 
das Schöne und Erhabene in der Kirche gewöhnlich schnell abgetan, 
oft mit einer nörgelnden Bemerkung verkleinert, Mängel, Fehler und 
Skandale mit wahrer Wollust breitgeschlagen, als gelte es, den Beweis 
zu erbringen, die Urkirche schon und noch mehr das Christentum des 
Mittelalters sei von Geist und Lehre Christi abgefallen. So läßt sich 
leicht die Berechtigung und Notwendigkeit der sogenannten « Refor- 



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125 


uation * erbringen,die uns dann Professor Tschakkert in ihrer ganzen 
Herrlichkeit schildert. Was Wunder, wenn Protestanten den Katho- 
izismus nur im jämmerlichen Zerrbild kennen und sich vorstellen. 
Denn die katholische Kirche in ihrem Wirken und Leben und aus 
ingetrübten Quellen kennen zu lernen, dazu fehlt bei vielen die 
3 elegenheit, bei mehreren der Wille. Über katholische Glaubensäuße¬ 
rungen und Erscheinungen hat man zum vomeherein sein hochfahrendes, 
wegwerfendes Urteil bereit, ohne ins Wesen einzudringen, und: catho- 
lica non leguntur. Doch lassen wir nun das Buch selber sprechen. 
(Gelegentliche Bemerkungen sind in Klammer beigesetzt; Kurtz und 
die Herausgeber werden mit Kurtz, HH. (Herausgeber) oder K. B. Tsch. 
bezeichnet.) 

Schon in der Literaturangabe werden katholische Fachschriftsteller 
möglichst totgeschwiegen ; ihre Bedeutung heruntergesetzt, auf ihre 
Beweisführung und Ergebnisse keine Rücksicht genommen: « Döllingers 
Geschichte der christlichen Kirche .... hat alles, was an ultramontanen 
Anschauungen nur halbwegs der Verteidigung fähig schien, mit glänzen¬ 
dem Scharfsinn aufrecht zu erhalten gesucht (I, 17). — Möhlers Auf¬ 
treten verhieß den Anbruch einer neuen Epoche katholischer Kirchen¬ 
geschichtsschreibung, sich darstellend in ebenso inniger Befreundung 
mit der Form und den Mitteln protestantischer Wissenschaftlichkeit 
(natürlich !), wie in entschlossener Abweisung ihres Inhaltes bei treuem 
Festhalten an allen, das Wesen des römischen Katholizismus konsti¬ 
tuierenden Elementen (S. 17). Alzogs Geschichte verschmähte nicht, 
von Hases frischsprudelndem Quellwasser auf ihre dürren Auen hinüber¬ 
zuleiten. » Trotz « selbständiger Forschung » wird ihm « Festhalten des 
katholischen Standpunktes bis zum Glauben an die päpstliche Unfehl¬ 
barkeit » zum Vorwurf gemacht. « Kraus schrieb das wissenschaftlich 
gediegenste katholische Kirchengeschichtsbuch bei diplomatisch reser¬ 
vierter und vorsichtig abgewogener Haltung_Jesuitische Anfech¬ 

tungen (nein, eigene Einsicht I) nötigten ihn zu manchen Ausmerzungen. 
— Noch höhere Anerkennung verdient das in möglichst knapper, 
nbersichtlichew Fassung und objektiver, überaus würdiger Haltung 
abgefaßte, eine hervorragende Geschicklichkeit mit tüchtiger Sach¬ 
kenntnis und einem auf katholischer Seite seltenem Maße geschicht¬ 
licher Unbefangenheit bewährende Lehrbuch von Funk. » (S. 18. Warum 
nehmen Kurtz und seine Herausgeber diese Vorzüge nicht zum Muster ?) 

« Dagegen hat der Normal- und Vertrauenstheologe des Vatikans, 
Hergenröther, aus der reichen Fülle anerkannter Gelehrsamkeit schöpfend. 


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I 2 Ö 


ein Handbuch geliefert, aus dessen geschickter und stoffreicher Dar¬ 
stellung sich erkennen läßt, wie die Geschichte der Kirche, ja der 
ganzen Welt, durch eine korrekt geschliffene römische Brille angesehen, 
sich ausnimmt. » Brück ist « an wissenschaftlicher Bedeutung ihn nicht 
erreichend, aber an obstinatem Ultramontanismus übertreffend » (S. 18). 
— Dem edlen Löwener Professor Jungmann wird «quellenmäßige 
Darstellung, aber vatikanische Voreingenommenheit * zugelegt. Das 
Kirchenlexikon von Wetzer und Welte hat «mit seinen im Geiste 
Möhlerscher Wissenschaftlichkeit gehaltenen kirchengeschichtlichen Ar¬ 
tikeln eine achtungswerte Stellung eingenommen. Die unter den 
Auspizien Hergenröthers in ihrer Art vortrefflich redigierte zweite 
Auflage hat eine weit strammere vatikanische Haltung angenommen, 
die öfter selbst die grellsten Ausgeburten mittelalterlichen Wunder¬ 
glaubens sich zu verwerten nicht scheut, auch in der Schön- und Schwan¬ 
färberei Unglaubliches leistet. * 

Dagegen ist fast jeder noch so unbedeutende akatholische Kirchen¬ 
geschichtsschreiber « ein wissenschaftlich gediegener Meister gründlicher 
Quellenforschung, objektiver Wiedergabe, besonnener Kritik ; er zeigt 
Liebe und Ehrfurcht vor der Wahrheit, nie erreichte Vollständigkeit 
und Quellenmäßigkeit, vorzügliche Charakterzeichnung, ästhetischen 
Sinn der Gestaltung, Erfassung des Zusammenhangs mit dem allge¬ 
meinen Kulturleben, eröffnet neue Gesichtspunkte, ist von warmem 
irenischem Geist durchhaucht, voll Verständnis für den innern Ent¬ 
wicklungsgang der Kirche, sein Werk ein geistvoller Versuch, der 
Einblick in den Gang und die Entfaltung der geistigen Kräfte gewährt, 
der Forschung vielfache Bereicherung und großen Aufschwung brachte, 
maßvolle Haltung bei berechtigter Kritik anbringt; er vereinigt divina- 
torischen Scharfsinn mit geistvollem Pragmatismus und künstlerischer 
Darstellung, bringt den genuinen Geist reformalorischer Geschicks- 
Schreibung zur Geltung. > (Das letztere tut freilich auch K. in mehr als 
einer Beziehung.) Kurzum, alle Lobsprüche des Rezensenten- und 
Reklamelexikons werden verschwenderisch ausgeschüttet. — Die Magde¬ 
burger Centurien «beruhen durchaus auf gründlichem Quellenstudium 
bei herber Kritik gegen römische Lehrentartung. » Dagegen seien des 
Baronius Annalen, « ein in römisch katholischer Anschauung ganz und 
gar befangenes, bei allem Scharfsinn ganz und gar kritikloses Werk.» 
Bossuet schrieb seine Discours sur l'histoire nach Hases Urteil, «mit 
einer Einsicht in die Wege der Vorsehung, als habe der kluge Bischof 
nicht nur in des Königs, sondern auch in Gottes Rate gesessen ». Die 


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» 


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127 


Anführung katholischer Gewährsmänner macht fast den Eindruck, als 
wolle man akatholische Leser vor ihnen kopfscheu machen, katholischen 
aber Sand in die Augen streuen. Auf ihre Beweise und Ergebnisse 
wird nicht eingegangen, so daß man fast vermuten muß, Kurtz, B. und 
Tsch. hätten nur ihre Titel gelesen. 

Daß Verfasser und HH. im altkirchlichen Gemeindeleben, wo 
i die Gemeinde ein mehrgliedriges Kollegium an die Spitze stellte *, 
ein Vorbild des protestantischen Kirchenwesens erblicken, ist nicht 
verwunderlich; darum wird Petrus gegen den «Bruder des Herrn, 
Jakobus, * ganz in den Hintergrund gedrängt, Episkopat und Pres- 
byterat identifiziert, wobei nur «die Arbeitsteilung einen äußerlichen 
Unterschied begründete. » Mit sauersüßer Miene gibt man zu : « eine 
in das Martyrium auslaufende Anwesenheit Petri in Rom ist wahr¬ 
scheinlich, mögen auch die Zeugnisse nicht ausreichend sein, sie ganz 
außer Zweifel zu setzen » ; sein bischöfliches Wirken in Rom ist « Sage, 
Frucht von heidnisch apokryphen Schriften » (S. 46 f.). Der bedeutendste 
protestantische Kenner des kirchlichen Altertums sagt zwar: «Der 
Martyrertod des Petrus in Rom ist einst aus tendenziös-protestantischen 
(heute noch von K., B., Tsch.), dann aus tendenziös-kritischen Vor¬ 
urteilen bestritten worden .... daß es ein Irrtum war, liegt für jeden 
Forscher, der sich nicht verblendet, am Tage .... Der ganze kritische 
Apparat gilt heute als wertlos. » (Doch was ist Hamack gegen Kurtz und 
HH ?) Vom behaupteten Gegensatz zwischen Petrus und Paulus ist 
bei Klemens von Rom so wenig eine Spur als in den Paulusbriefen (S. 99). 

«Etwas Wahres wird auch an der spätem Behauptung der Dona- 
tisten sein, daß (Papst) Marzellinus mit Melchiades, Marzellus und 
Silvester, die auch seine Nachfolger im Bistum (Rom) wurden, Christus 
verleugnet und den Göttern geopfert habe.» (Augustinus sagt zwar, 
daß die Donatisten diese Behauptung ohne den geringsten Beweis 
aufstellen, doch K., B., Tsch. werden es nach 1600 Jahren besser wissen !) 
Die Nazaräer und Ebioniten werden zu Christen gestempelt (S. 72). 

Die Väter haben «den paulinischen Grundgedanken nicht fest¬ 
gehalten, vielmehr verkannt, verflacht, die vom Apostel gelehrte 
Glaubensgerechtigkeit in Werkgerechtigkeit umgesetzt. Auch machte 
sich eine Unfähigkeit zum tiefem Verständnis des Alten Testaments, 
wie in der Umdeutung und Außerachtlassung der tiefsten paulinischen 
Grundgedanken geltend. * (S. 97 f. Arme Heilige Väter! Wenn ihr ein 
solches Inquisitionsgericht von K., B. Tsch. vorausgesehen hättet!) 

Unter dem schweren Druck der Verfolgung hielt die Kirche 


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zunächst am Chtliasmus fest. (S. 139. Private Ansichten mancher 
Häretiker und auch einzelner Katholiken zeugen nicht für die Lehre 
der Kirche.) Der Patripassianer Viktorinus ist der Papst Viktor, 
der, «so scheint es *, für die modalistische Irrlehre gewonnen wurde. 
(S. 136. Wo findet sich in der gesamten Literatur ein einziges Zeugnis 
für diese Ungeheuerlichkeit ?) Nach der DidacJte, im Widersprach mit 
verschiedenen Stellen der Apostelbriefe (? I. Thess. 5, 21; I. Kor. 12, 
10 ; 14, 29 ; I. Joh. 4, 1, spricht doch von Mietlingen und Irrlehrern!) 
steht der Gemeinde nicht die Prüfung der Lehrer und ihrer Lehre zu 
(S. 142. Auch nicht nach Petrus und Paulus !). 

Die Charismen, dieser «enthusiastische Geist *, werden durch 
allmählige Einbürgerung in die sozialen Verhältnisse zurückgedrängt; 
das exzentrische Auftreten der Montanisten gab ihnen den Todesstoß 
(S. 142). — « Das Bedürfnis festerer Ordnung sicherte dem Episkopat 
den Sieg über das Prophetentum und vollendete seine monarchisch- 
klerikale Stellung mit der Folie der göttlichen Geistesfülle und geist¬ 
licher Machtvollkommenheit. In den Gemeinden hat bald einer ab 
primus inter pares Hauptansehen. Von einem solchen Primat war der 
Weg zur Suprematie gebahnt .... Die Ignatianen zeigen in Syrien 
und Kleinasien einen monarchischen Episkopat, während in Philippi 
und Rom uns kein solcher entgegentritt. Deshalb wird man geneigt 
sein, die Anfänge des Episkopates in Kleinasien, nicht in Rom zu 
suchen. Eine Ansicht, wonach die Bischöfe Nachfolger der Apostel 
und als solche Erben der dem Petrus durch Matthäus 16, 18 L ver¬ 
liehenen Machtbefugnis seien, bildete sich nie im Abendland* (S. 143f.) 
Katholizität ist nur Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung und 
Streben nach Ordnung .... Rom hat als Hauptstadt sich den Vorrang 
zu erlangen gewußt (S. 150 f.) ;der Ketzertaufstreit sollBeweis dafürsein, 
daß Rom kein besonderes Ansehen und keinen Vorrang besaß. P. Ste¬ 
phans Verfahren ist « schnöde Anmaßung » (S. 161). — Der Moidanis- 
mus war nicht Irrlehre, weil er kein anderes Dogma lehrte (S. 156 
Doch, eine Irrlehre, wegen der Lehre vom Paraklet und der Sünden¬ 
vergebung. ) Die von Häretikern Getauften, die nie (falsche Behauptung) 
Glieder der Kirche gewesen, wurden durch bloße Rekonziliation auf¬ 
genommen. — Die Wurzel der Liebestätigkeit begann schon im Urchristen¬ 
tum zu kranken, es riß die Gesetzes- und Werkheiligkeit ein. Obwohl 
die Väter die Notwendigkeit der innem Gesinnung betonen, bahnen 
sie doch den Weg dem opus operatum. (S. 178. K. B. Tsch. verstehen 
offenbar diesen Ausdruck nicht.) Bei Hermas (dann bei Cyprian) 


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129 


beginnt die Unterscheidung von Gebot und Rat (als ob sie nicht schon 
so offen von Christus ausgesprochen und von Paulus öffentlich ver¬ 
breitet worden wäre, I. Kor. 7, 25. S. 180). Fasten und Ehelosigkeit 
sind K. HH. ein Dom im Auge. Dagegen werden einige, von der Kirche 
streng mißbilligte und ausgerottete Mängel und Unordnungen fast als 
feste Gewohnheiten in der Kirche dargestellt. Auch der Märtyrerkult 
ist ihnen ein Mißbrauch. (Die «Zerstreuung der Gebeine » kam bis 
auf Gregor den Großen und weiterhin gar nicht vor. Und welche 
Spuren von Aberglauben finden K. HH. in den Katakomben ? S. 186.) 

Das Konzil von Elvira habe den Bilderdienst verboten (S. 189, ja, 
aber im katholischen, nicht im häretischen Sinne der Bilderstürmer des 
16. Jahrh.) 

Die Legende von Konstantins Taufe in Rom, der«erst die gelehrten 
französischen Benediktiner den Garaus machten *, (ist wieder eine 
Gelegenheit, sich an Rom zu reiben). Die Kaiser übten das Jus circa 
sacra imbestritten aus (S. 194 — unbestritten von feilen Hofbischöfen, 
nicht inbestritten von den Päpsten). Das Recht der Berufung all¬ 
gemeiner Synoden war ein unbestrittenes Recht der Krone. Den Vorsitz 
führte ein vom Kaiser oder Konzil erwählter Prälat (waren die Gesandten 
des P. Silvester, Hosius, Vitus und Vincentius in Nicäa wohl auch vom 
Kaiser beauftragt ?) Abhaltung der allgemeinen Synoden in Rom 
wurde, so sehr auch die Päpste dies wünschen mochten, nie zugestanden. 
(S. 195. Wo wurde dies gewünscht oder beantragt, so lange die große 
Mehrheit der Bischöfe im Morgenlande war ?) An der großartigen Ein¬ 
richtung des Mönchtums (S. 198) können die HH. doch nicht weg¬ 
werfend Vorbeigehen, aber mitleidig wird es etwa wie eine eigentümliche 
Zeitverirrung beurteilt; auch Ketzer werden ihnen zugeteilt: «im 
Grund bilden die Messalianer nur eine konsequente Fortbildung des 
Mönchtums * (S. 205). Die Behauptung und Durchführung des Zöli¬ 
bates ist eine «manichäische Verlästerung der Ehe * (S. 207). Daß 
«Rom, Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel und Jerusalem mit 
gleichen Jurisdiktionsrechten ausgestattet waren, indessen Rom immer 
entschiedener den Primat anstrebte *, wird behauptet, aber mit bloßen 
Phrasen zu belegen versucht: « Nie hat Rom im Laufe der Zeit einen 
günstigen Umstand auszubeuten, nie früher Errungenes oder Bean¬ 
spruchtes zu behaupten unterlassen. * « Nur die Not der Zeit hat dazu 
geführt, auf der Synode von Sardika 343 dem römischen Bischof 
Julius I., und zwar nur persönlich, das Recht zuzuerkennen, Appella¬ 
tionen aus dem ganzen Reich anzunehmen. Der Beschluß fand keine 

RETUE D'HISTOIRE ECOLfcSIASTIQUE 9 


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130 


Nachachtung, wurde bald vergessen, nur Rom vergaß ihn nicht. * 
(213) — P. Liberius hat« durch Unterschrift einer ketzerischen Glaubers- 
formel Begnadigung und Rückkehr aus der Verbannung erlangt» j 
(das sollte ein Geschichtsschreiber nicht mehr sagen !) ; Damasus ist ; 
ein Eindringling; Siricius maßte sich die Sorge für alle Kirchen an; 

«in seine Regierung fallen die Anfänge des Papsttums * (also nicht 
mehr in diejenige Leos I. oder Gregors I. ? S. 213 f.) —Die Entscheidung | 
Cölestins I. gegen Nestorius ist nur eine Folge der Schmeichelei Cyrills ! 
von Alexandrien, und Leo I. ist mit ganzer Seele auf die Anschauung 
eingegangen, als ob der Ausspruch Christi vom Fels auf Petrus gehe. 
(Sein Wirken wäre nach K. B. Tsch. Anmaßung, sein Ansehen Sage. ! 
Die Würdigung der Päpste Innocenz, Zosimus, Cölestin und Leo zeigt, 
daß die Herausgeberden « Janus » gut benützt haben.) — (S. 217.) Neben 
vielen andern kommt auch Gregor der Große schlecht weg, * einer der ' 
größten, tüchtigsten, edelsten, frömmsten, abergläubigsten Päpste * • 

4 

(Frömmigkeit und Aberglauben enge vereint!) Er soll Alexandrien , 

gleiche Rechte wie Rom eingeräumt haben, weil er sagte, auch Ale- \ 

• 

xandrien sei petrinischen Ursprungs. « In stolzer Demut nannte er • 
sich servus servorum Dei.» Wegen des Lobes, das er (in Unkenntnis der . 
Verhältnisse) dem Kaiser Phokas spendete, wird er schwer gebrand¬ 


markt. 

Der hl. Cyrill von Alexandrien wird (auf dem Conc. Ephes.) ein 


gewalttätiger Condottiere (S. 239, 265). 

Der hl. Augustin habe «den Synergismus des Menschen geleugnet, 
eine natürliche Unfähigkeit zu allem Guten» gelehrt; er behaupte- ; 
« das völlige Verderben des Menschen, seine Unfähigkeit des Mitwirkens 
zum Heile, das alleinige Wirken der Gnade, die absolute Prädestination. > 
(S. 247. Da werden ja die Lehren, welche die Reformatoren aufstellten 
und in Augustinus finden wollten, geradezu keck letzterm zugeschrieben j 
und so der Kirchenlehrer von oben herab apodiktisch zum Irrlehrer 
gestempelt.) 1 ; 


1 Dieses Urteil über den heiligen Augustin findet sich auch sonst noch. 

So in Otto Bachmanns Einleitung zu « Augustins Bekenntnissen • in Reclaais ; 

* 

Universalbibliothek. Er stutzt sich dabei auf Böhringers a Kirche und ihre Zeugen ». 
Dieser Theologe, wegen Ultrarationalismus in Tübingen unmöglich geworden. * 
ebenso nach zehnjährigem Pfarrdienst in Glattfeldcn (1842-1853) verabschiedet, 
charakterisiert den heiligen Lehrer : ■ Er ging so weit, den Gotteswillen als alleinige, 
von Ewigkeit her determinierende Macht anzusehen, so daß er die Freiheit des 
Individuums vernichtete und ihm die eigene Kraft zum Guten absprach. Dem 


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Der Irrlehrer Pelagius dagegen ist « ein Mönch von achtungswerter 
Gelehrsamkeit und sittlichem Emst; seine moralistische Lehre fußt 
auf den altem griechischen Vätern. » Die Semipelagianer wollten « der 
menschlichen Freiheit ein gewisses Maß der Mitwirkung zuerkennen » 
(S. 251). Auf der Synode von Orange 529 wurde Augustins Lehre in 
ihrer ganzen Strenge, ebenso seine Behauptung von der gänzlichen 
Verdienstlosigkeit menschlicher Werke und der unbedingten Not¬ 
wendigkeit der Gnade anerkannt, der Glaube ausschließlich als Werk 
der Gnade gepriesen .... » (Die Herren mögen sich doch die Kanones 
dieser Synode ansehen !) 

Des hl. Hieronymus « Charakter ist von ungewöhnlicher Unliebens¬ 
würdigkeit : Eitelkeit, Ehrgeiz, Eifersucht, Leidenschaftlichkeit und 
Unduldsamkeit beherrschten ihn %. (S. 279. Darum hatte er wohl eine 
so große Zahl Freunde und Verehrer !) Im Gegensatz zu Hieronymus 
wird dann sein Gegner V igilantius, der im Eifer gegen wirkliche und 
vermeintliche Mißbräuche katholische Lehren und Gebräuche angriff, 
zum «evangelischen Wahrheitszeugen *, «er bekämpfte den mannig¬ 
fachen in der Kirche eingerissenen paganischen Aberglauben. * 

Gregor der Große läßt den Herren K. B. keine Ruhe. Wohl kann 
man ihm die Anerkennung « seltener Kraft und Energie, wahrer Würde 
und Sanftmut, tiefer Demut und ungeheuchelter Frömmigkeit * (früher : 
«stolze Demut, einer der abergläubigsten Päpste *) nicht versagen. 
Statt aber, wie die aufrichtig nach Wahrheit suchenden Oxforder 


menschlichen Willen wird das ethische Recht abgesprochen. Der Mensch ist 
gleichsam eine Maschine, die der absolute Wille Gottes willenlos leitet .... Der 
Glaube wird ihm zum Autoritätsglauben (ja, sonst ists kein Glaube !). Aus der 
rein evangelischen Autorität der Heiligen Schrift wird der römischkatholische 
Kirchenglaube gemacht. Die katholische Kirche wird Vermittlerin des Heils, 
der katholische Priester empfängt kraft seiner Ordination einen Charakter unver¬ 
wüstlicher Heiligkeit (Fälschung !). Seine Lehre vom Fall und dessen Folgen, 
von der Erbsünde, von der Gnade, von der Taufe» von der Prädestination oder 
Gnadenwahl, wie Gott nur eine ganz bestimmte Zahl aus der Massa perditionis 
nach seinem ewigen Ratschluß zur Seligkeit vorherbestimmt, während er die 
anderen ihrem Schicksal überläßt, alle diese Dogmen sind für die Kirche ein 
unseliges Erbe gewesen. > (Ähnliche Ungeheuerlichkeiten werden auch anderswo, 
2. B. in den aargauischen Lehrerscminarien geboten. Vor dem betreffenden 
Reclamebändchen müssen die Katholiken gewarnt werden. Interessant ist es, 
daß von den heutigen Rationalisten dem Bischof von Hippo Lehren in die Schuhe 
geschüttet werden, die Luther, « der ebenbürtige Geistesheroe Augustins » (Böh- 
ringer), aufstellte und bei ihm zu finden behauptete, und die ja den Inhalt des 
strengen lutherischen und kalvinischen Lehrbegriffes bilden, womit aber Augu¬ 
stinus ebensowenig etwas zu tun hat als die Rationalisten mit Luther und Kalvin.) 


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Traktarianer, der Quelle solcher Tugenden nachzugehen, wirft man 
ihm im gleichen Atemzug «mönchische Befangenheit und Gebunden¬ 
heit in den bereits traditionell gewordenen Formen, Dogmen und An¬ 
schauungen der römischen Kirche, kritiklose Leichtgläubigkeit und 
abstruse Wundersucht in denkbar grellster Gestalt» vor, und daß 
«in ihm die altkirchliche Aus- und Verbildung des Dogmas, des Kulms, 
der Disziplin und Verfassung sich sammelt, vollendet und abschließt» 
(S. 289), wodurch das gespendete Lob genügend paralysiert erscheint 

Besonders durch des «berüchtigten» Kyrillos von Alexandrien 
« siegende Lehre von der innigen Gemeinschaft des Göttlichen in der 
Person Christi * sei es gekommen, daß «heidnischreligiöse Anschau¬ 
ungen und Gebräuche aus dem frühem Kultusleben der Neubekehrten 
auf allen Seiten in das christliche unaufhaltsam eindrangen » (S. 297 
Der Rat Gregors des Großen an Augustin von England, die heidnischen 
Feiern durch christliche Feste zu ersetzen, dabei alles Abergläubische 
zu entfernen, Unschuldiges und Gleichgültiges zu belassen, ist nicht 
« ein verhängnisvolles Wort» (S. 240) und kein Beweis für obige An¬ 
schuldigung.). 

Ein Tummelplatz für tendenziöse Darstellung bildet auch das 
Kapitel über Heiligen- und Reliquienverehrung (S. 305 ff.), «Manen¬ 
kult und Polytheismus ziehen mit dieser Märtyrer- und Heiligenver¬ 
ehrung in die Kirche ein. Der Inhalt der Heiligenverehrung ist der 
Götterverehrung entnommen. Die drei großen Kappadokier eröffneten 
im Morgenland, Ambrosius im Abendland die Schleusen der Heiligen¬ 
verehrung. » Die « steigende Entwicklung des Marienkults * datiere 
vom 5. Jahrhundert. (Doch muß K. B. Belege dafür aus dem 2. und 
3. Jahrhundert zugeben !) Beim Engelkult « wirkten heidnische und 
jüdische Gedanken zusammen ». Kyrillos war « Urheber der Bilder¬ 
verehrung *. (Doch muß man zugeben, daß die Kirche gegen Anbetung 
aufgetreten sei.) 

Die Ansicht vom Fegfeuer habe sich erst nach und nach gebildet; 
«Gregor der Große endlich erhob es zum feststehenden Dogma. * 
(S. 314. Voraussetzungslosigkeit !) — Bis zum Konzil von Trient habe 
man die Bücher der Weisheit, Sirach, Judith, Tobias, der Makkabäer 
zu den Apokryphen gezählt, und erst wegen ihrer Brauchbarkeit gegen 
die Protestanten sie als kanonisch erklärt. (Weiß K. B. nichts vom Codex 
Sinaiticus, Vaticanus und dem Conc. Carthag. 393 und 397 ?) Auch 
die Strafpredigt Salvians mit dem Satz, die heidnischen Germanen 
seien oft besser als die christlichen Römer, wird gegen den Papst und die 


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133 


Kirche gedreht. «Werkheiligkeit und Fanatismus begegnen oft bei 
denen, die als Muster der Frömmigkeit galten. > (Bei solcher Darstellung 
verschwinden freilich die reinsten sittlichen Charaktere und die größten 
Wohltäter der Menschen. Wo sich eine Stimme gegen die Kirche aus¬ 
spricht, da wird sie sicher herbeigezerrt, Tausend? von Zeugnissen 
zu ihren Gunsten aber schweigend übergangen, z. B. S. 313, 327, 329.) 
Helvidius und Jovinian (S. 331) hätten nur gegen Aberglauben, Werk¬ 
heiligkeit und Verweltlichung geeifert, (als ob nicht die Kirche das viel 
wirksamer stets besorgt hätte !). 

« Auch der fromme Honorius von Rom war (für den Monotheletis- 
mus) gewonnen. > (I. 2, S. 3. Nein; wie B. selber weiß und sagt, 
hat er nur. « durch Nachlässigkeit der Irrlehre Vorschub geleistet. *) 

Der Bilderstreit wird mit unverhohlener Anteilnahme für die 
Ikonoklasten dargestellt (S. 5), beim fränkischen Bilderstreit der Status 
quaestionis außer acht gelassen (S. 127). Bei K. B. findet sich keine Spur 
von Verurteilung oder Mißbilligung der Umtriebe des schlauen Photius, 
während der edle Ignatius als « hartnäckiger Verfechter seiner Rechte » 
erscheint und die Wiedervereinigungsversuche nur Ausfluß römischer 
Herrschsucht sind. Die unter Mitwirkung des Kardinals Bessarion, 
Bischofs von Tuscoli (!) « 1439 Vollzogene Union (der orientalischen mit 
der römischen Kirche) war eitel Selbsttäuschung und Spiegelfechterei. » 
(S. 27 ; doch muß K. B. « die Union der Maroniten und Armenier 
zugeben. *) «Schon früh richtete Rom seine begehrlichen Blicke auch 
auf die russische Kirche » (33 ; sie wäre dann wohl vom asiatischen 
Barbarentum frei und der europäischen Kultur,zugeführt worden 1 ). 

In der Würdigung des hl. Bonifaz geht K. B. nicht so weit wie 
Ebrard, ihn als « fluchbeladenen Urheber alles Unheils in der deutschen 
Kirche aus ihren Beziehungen zu Rom » anzuschwärzen, meint aber, 
«daß seine Größe mehr auf dem beruht, was er leistete, als was er war, 
daß er seine angelsächsischen Zeit- und Gesinnungsgenossen nicht 
überragte *, daß er aber, «was er war, reiner treuer und voller war 
als alle > (S. 63). — Der banale Ton bezüglich der Schenkungen ziemt 
wenig für ein wissenschaftliches Werk (S. 99). 

Muß auch die Ungeschichtlichkeit der « Päpstin Johanna » zuge¬ 
standen werden, so zeigt sich doch in der behaglichen Breite und im 
Ton der Schilderung des anrüchigen Inhaltes der Fabel die Genugtuung, 
dem Papsttum wieder eins anhängen zu können. 

Die Kreuzzüge «brachten zwar in alle Gebiete des Lebens neue 
Anschauungen, Bedürfnisse und Triebkräfte, verschuldeten aber den 


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— 134 ~ 

kirchlichen Aberglauben durch Steigerung des Reliquienschwindels. * 

(S. 140 — für diese großartigste Manifestation des christlichen Mittel¬ 
alters fehlt K. und HH. jedes Verständnis.) « Trotz tiefster Entwürdi¬ 
gung* im 10. Jahrhundert, «behauptete Rom seinen Anspruch auf welt¬ 
beherrschende Autorität, ohne auf prinzipiellen Widerspruch zu stoßen» 

(S. 347. Das beweist, daß auch « im unwürdigen Träger die Würde Pen 

• 

nicht stirbt *, sagt Leo I. Dies zeigt gerade, daß das Pap>sttum nicht 
menschlicher Erfindung und politischer Klugheit sein Dasein verdankt). 
Mit Genugtuung wird dann in den Skandalen des io. Jahrhunderts 
herumgewühlt, eine wahre Chronique scandaleuse. Doch die eigentliche 
Quelle, Luitprand von Verona, wird nicht angeführt; das hieße doch, 
sich eine Blöße geben, nachdem Pertz, Böhmer usw. so sehr vor ihm 
gewarnt. « Der Knechtung unter des Kaisers weltliche Macht schien 
Rom nur entgehen zu können durch Knechtung des Kaisers unter 
seine geistliche Macht. * (S. 97.) Dann werden solche Herrscher, 
wie Otto III. tief bedauert, « die sich am hierarchischen Gängelbande 
führen ließen. * 

Von Gregor VII. wird ein abschreckendes Zerrbild entworfen, 
dagegen über die Laster und sittliche Verkommenheit Heinrichs IV. 
leichtfüßig hinweggegangen. Die große Befreiungstat der Kirche aus 
elendester Tyrannenwillkür ist «Anstreben der Universaltheokratie; 
er zeigte schnöde Härte gegen Heinrich IV. ; mit Waffen des Fleisches 
hat er für das, was er den Sieg des Geistes nannte, gestritten ; politischen 
Motiven und Intrigen hat er mehr, als einem Statthalter Christi ziemt, j 
Raum gegeben ; die Fürsten sollten seine Dienstmannen werden. 1 
Immerhin muß die « strenge Sittlichkeit seines Wandels und eine über j 
seiner Zeit stehende Humanität * zugegeben werden (§ 97, 7. Joh. . 
v. Müller, Voigt, Luden, Leo, Gregorovius, Bowden, Guizot entwerfen ] 
ein ganz anderes Bild von Gregor VII. Heinrich war ganz verdorben, 
sittlich verlumpt und zum willkürlichsten Tyrannen geworden, sagt j 
Leo ; und Gregorovius : Jener unblutige Sieg Gregors verdient mehr 
die Bewunderung der ganzen Welt, als alle Siege Alexanders, Cäsar? J 
und Napoleons.) Wegen der Gewalttat in Sutri irn wird nicht der 
treulose Heinrich V., wohl aber Paschal II. hart beurteilt (I. 2,161). 

Der große Alexander III. wird natürlich auch zum ungerechten 
Angreifer gegen Friedrich Barbarossa gestempelt. (S. 165. Wolf und ! 
Lamm ! Barbarossa urteilte nach der Versöhnung in Venedig ganz 
anders über Alexander.) 

Der hl. Thomas Becket, dieser starke Kämpfer gegen Tyrannen- 


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•Willkür, dem England und ganz Europa Dank schuldet, ist « ein starrer 
Hierarch. » (S. 166.) 

Dem gewaltigen Innocenz III. wird zwar Geisteskraft und Gelehr¬ 
samkeit nicht abgesprochen, aber seine Bemühung für die Kirche ist 
* Hingebung an den theokratischen Beruf des Papsttums, die päpstliche 
Weltherrschaft Selbstzweck ; er ist ebenso zielbewußt und rücksichtslos, 
dabei aber um- und einsichtiger, feiner und berechnender als Gregor 
VII. * (§ 97, 16. Da müssen Hurter, Hefele, Lingard usw. doch rechte 
Stümper von Historikern sein, daß sie zu völlig andern Resultaten 
gelangten als Kurtz-B. !) 

Den elenden, wortbrüchigen Friedrich II. nimmt K. B. in Schutz 
gegen Gregor IX., der, ein « Hierarch trotz Gregor VII. und Inno¬ 
cenz III. in besinnungsloser Leidenschaft den Kaiser bannte. > (§97, 
19, S. 169 f.) 

Innocenz IV. «ist ein Mann ganz imgeistlichen Sinnes». Aus 
Ludwig IX. möchte Kurtz auf Grund der gefälschten pragmatischen 
Sanktion einen Joseph II. machen (S. 172). Die Sitte des Steigbügel- 
haltens seitens des Kaisers ist « der Dienst eines Stallknechtes. » Über¬ 
haupt kommen oft banale, saloppe Ausdrücke vor, z. B. Lothar II., 

% 

Johann ohne Land usw. « krochen zum Kreuz ». Dem Papsttum werden 
alle möglichen Fehler und Gebrechen zur Last gelegt: Ehrgeiz, Simonie, 
Urkundenfälschung, Beförderung von Konkubinat und noch Schlim¬ 
merem durch die Zölibatsgesetze. 

Die Minderbrüder « waren beim Volk beliebter als die vornehmen, 
hochfahrenden, sich in hohe Staats- und Kirchenpolitik als Ratgeber 
und Beichtväter der Fürsten eindrängenden Dominikaner > (S. 199). 
Das Ordenswesen wird als Geschäft mit allen Treibereien der Konkurrenz 
behandelt. Von Beghinen und Begharden heißt es bald, sie hätten sich 
des Konkubinats und des Sektenwesens schuldig gemacht, und dann 
doch wieder, sie seien unschuldig von der Inquisition verfolgt worden. 

Unrichtig ist, daß im Mittelalter die Brautsegnung als sakramen¬ 
taler Akt angesehen wurde, daß damals jeder Sakramentenspendung 
ein Charakter indelebilis eignete, daß der Mariendienst sich von An¬ 
betung kaum unterschied, Heiligendienst den Gottesdienst überwucherte, 
der Maimonat Marienmonat war, alle neuen Heiligen in den Meßkanon 
aufgenommen wurden, heidnischer Aberglaube sich in der Kirche ein¬ 
bürgerte, ein allgemeines Bibelverbot aufgestellt wurde, gegen gute 
Bezahlung immer die sonst verpönten Fleischspeisen erlaubt wurden 
(S. 238-253, und so an hundert Stellen 1) 


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— 136 - 

Auch an der edeln Elisabeth findet man t exzentrische Askese», 
während Gertrud «sich aus Marien- und Heiligendienst, aus Werk¬ 
heiligkeit und Zeremonienübung zu einer auf der Gnade in Christo 
gegründeten Glaubensfreudigkeit hindurch gearbeitet hat. * 

Gegen die Häretiker «rief die Kirche die Macht der Inquisition 
zu Hilfe. Wohl erhoben sich dagegen viele Stimmen, Peter Venerabilis. 
Rupert von Deutz, Hildegard, Bernhard ; aber Henker waren leichter 
aufzutreiben als Bernharde. Auch Dominikus und seine Jünger fanden 
es wirksamer, mit Daumenschrauben und Scheiterhaufen als mit 
Disputationen und Predigten die Ketzer zu bekämpfen. Die Domini¬ 
kaner, diese Domini canes, wurden gegen das ketzerische Hochwild 
losgelassen. Der Staat ging nur zu bereitwillig auf die Intentionen der 
Kirche ein » (S. 273. Auch die Ketzergesetze im Sachsen- und Schwaben¬ 
spiegel sind das Werk der « Folterkirche » ?) 

Peter Arbues « waltete unter Verübung der entsetzlichsten Grausam¬ 
keiten seines Amtes mit solchem Zelotismus, daß er schon nach 
16 Monaten viele Hunderte dem Scheiterhaufen überliefert hatte. > 
(Elende Lüge, Geschichtsfälschung und Verleumdung großen Stils, 
moralischer Giftmord ! K. B. berufen sich auf den notorischen Lügner 
Llorente mit seinem frivolen «Probabilitätskalkul ». Unter Petrus 
Arbues wurde kein einziger Ketzer hingerichtet. Vergl. Hefele. de 
Cauzons und die protestantischen Forscher Peschei und Schäfer. Unter 
König Heinrich VIII. und Elisabeth wurden in England mehr « Ketzer ► 
hingerichtet und in der französischen Revolution während 6 Jahren 
mehr Opfer zum Tode geführt als von der Inquisition in sechs Jahr¬ 
hunderten.) 

Unwahr ist die Behauptung : « Auf den Vorschriften des Hexen¬ 
hammers beruhen direkt oder indirekt alle Scheußlichkeiten der spätem 
Hexenprozesse. Viele Tausende wurden den entsetzlichsten Foltern 
und den Feuerqualen in Deutschland wie in allen übrigen katholischen 
Ländern überantwortet. Die Reformation brachte keine Änderung in 
das scheußliche Treiben, das erst im 17. Jahrhundert seinen höchsten 
Stand erreichte. Jn bigott-katholischen Ländern dauerte der Unfug 
noch länger. > (S. 338. Das ist direkt Geschichtsfälschung ; die Refor¬ 
mation brachte recht eigentlich den Hexenwahn auf. Kalvin griff 
sogar persönlich ein, während lange vorher ein Gregor VII. sich gegen 
den Hexenwahn erklärt hat. Katholische Länder, wie Italien, Spanien 
hatten keine Hexenprozesse. Die letzte Hexe in der Schweiz wurde 
1783 von protestantisch Glarus verbrannt.) 



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* 


— 137 — 

Auf gehässige Kritik und Wertung katholischer Kunst und Lite¬ 
ratur sei nur beinebens hingewiesen. Interessant sind die « Reforma- 
tionsbestrebungen» (S. 343), wobei gewöhnlich Kirchenfeinde am 
besten wegkommen. Manche Persönlichkeiten werden zu Vorläufern 
der Reformation gemacht, u. a. auch Felix Hemmerli, «der sich den 
Haß seiner liederlichen Stiftsgenossen zugezogen, daß sie einen Mord¬ 
anfall auf ihn machten. » (Hemmerli, der eine Wallfahrt nach Rom zur 
Gewinnung des Jubelablasses machte, ein Protestant ! Wenn die Eid¬ 
genossen ihn gern hingerichtet hätten, so geschah es aus politischen 
Gründen ; vergl. Fiala.) Aber von den « reformatorischen Theologen ,» 
zu denen auch Äneas Sylvius Piccolomini in seinem «lasziven » Vorleben 
gehörte, «ist keiner zur klaren Erkenntnis der Rechtfertigung durch 
den Glauben allein gekommen » (S. 349, weil diese «Vorläufer der 
Reformation* eben nicht Protestanten waren). 

Wyclif folgte «im Gegensatz zum herrschenden Semipelagianismus 
Augustin. * (Das wäre ja nach I. 1, 247 kein Lob.) Hus und andere 
«ausgezeichnete Geistliche bekämpften die unevangelischen Lehren 
und Institutionen der katholischen Kirche. Den nominalistischen 
Vätern des Konzils von Konstanz schien Hussens Realismus als Quelle 
aller denkbaren Ketzereien * (Wyclif, Hus, Savonarola werden mehr 
verherrlicht als die alten Märtyrer. Warum diese Gloriole ?) 

Hutten und seine liederlichen Genossen wagt K. B. nicht mehr 
zu verhimmeln, verschweigt aber ihre Schande. 

Durch das Buch zieht sich die wohlberechnete Tendenz, die Kirche 
als eine Anstalt der Täuschung, der Verdummung und Knechtung der 
Menschheit erscheinen zu lassen, und damit ist der richtige Unter- und 
Hintergrund für die Reformationsgeschichte gefunden, die dann auch dem 
entsprechend konstruiert wird. Das ist aber Imperialismus schlimmster 
Art auf literarischem Gebiet, ein Pochen auf deutsche Gründlichkeit 
und Wissenschaftlichkeit bei aller innem Oberflächlichkeit, ein anmaß- 
licher Anspruch auf Glauben ohne Beweis und Belege, ein geistiges 
Protzentum ohne gleichen, das den deutschen Namen bei andern 
Nationen nicht weniger verhaßt und verrufen gemacht haben dürfte 
als der Imperialismus auf politischem Gebiete. 

Daß nach der Geschichtsbaumeisterei aut kirchlichem Gebiete des 
Mittelalters die Darstellung der Reformation ein ganz eigenartiges 
Gesicht aufweisen werde, stand zu erwarten. Nach Böhmers Ausspruch 
ist ja die ganze Geschichte seit der Reform verfehlt dargestellt und 
bedarf eines Neuaufbaues. Das « Lehrbuch der Kirchengeschichte von 


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- 138 - 

Kurtz, II. Band, 1. und 2. Abteilung, neubearbeitet von Tschakkert, 
Theologieprofessor in Göttingen », leistet in dieser Beziehung Uner¬ 
hörtes. 

Gegenüber dem «sorglosen, indolenten Leo X. und dem unver¬ 
schämten Ablaßkrämer Tetzel » steht der Reformator und Gottesmanr 
Luther da in seiner ganzen sittlichen Größe, zu der er sich « im Kampfe 
gegen Menschensatzungen und Mißbräuche der römischen Kirche 
durchgerungen*. Nun werden in diesem «wissenschaftlichen Werke», 
gerade wie in einer großen protestantischen Volkslegende, alle alten 
Märchen aufgetischt vom finstersten Aberglauben, von schändlicher 
Simonie, von Ablaßhandel und Sündenloskauf — auch das Predigt¬ 
sprüchlein : Wenn das Geld im Kasten klingt usw. spaziert auf. Dann 
eröffnet man den Kampf gegen diese Windmühlen, zieht den «eitlen, 
orthodoxen Scholastiker Eck, der in Leipzig den römischen Semi- 
pelagianismus verteidigt *, in den Kot, und macht mit ihm alle Gegner 
der Neuerung herunter, z. B. Heinrich von England, Georg von Sachsen. 
Cochläus, Murner, Emser, « der mächtig über Luthers Bibelübersetzung 
schimpfte * (er hatte Grund dazu !). Auf diesem dunkeln Hintergrund 
hebt sich desto glänzender Luthers Heldencharakter und Heiligenbild 
ab, der mit apostolischem Mute seinen Gegnern zu Worms das be¬ 
rühmte Wort : « Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, 
Amen *, entgegengehaltcn habe, am Bauernkrieg völlig unschuldig sei. 
da man seine Worte mißverstanden und mißdeutet habe (etwa auch 
seinen Aufruf wider die mörderischen Bauern, «man möge sie tot¬ 
schlagen wie tolle Hunde * ?). Seine unerhörte Derbheit wird gerecht¬ 
fertigt, er habe die schnöde Verachtung seiner Gegner mit gleicher 
Münze heimgezahlt ; deren Abwehr und Entgegnungen sind zum Vome- 
herein rohe Schmähschriften. Melanchthon glänzt «durch lautere 
evangelische Frömmigkeit »; sein Sklavenverhältnis zum Reformator 
wird beschönigt: «er beugte sich in Demut (besser: mit Ingrimm; 
unter dem gewaltigen Geist (alias Rechthaberei) Luthers. * 

Doch solange man für die Verschwörung der Fürsten in Torgau und 
Schmalkalden keine Mißbilligung findet, solange man die sogenannten 
Religionskriege als Verteidigung des Evangeliums hinstellt, solange 
man von Verfolgung der Protestanten durch katholische Fürsten 
faselt, dagegen die Unterdrückung der Katholiken seitens der Prote¬ 
stanten als rechtmäßig erachtet, ist eine sachliche Diskussion mit 
diesen Herren unmöglich. Döllinger, der in seinem grundlegenden 
« Luther und sein Werk * so viele Fälschungen und Entstellungen wider- 


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— 139 — 

legt, so viele fundamentale Fragen gelöst und klargestellt hat, findet 
bei den protestantischen Geschichtspächtem ebenso wenig Beachtung 
als Janssen und Pastor, gegen welche die Protestanten als « ultramontan * 
schon zum Voraus kopfscheu gemacht werden, die man wohl zitiert, 
aber nicht benützt und noch weniger widerlegt. 

Nach alle dem muß man sich nicht verwundern, wenn nach K.-T. 
(Kurtz-Tschakkert) die Erlaubnis der Doppelehe Philipps nur ein 
Beichtrat sein soll, « eine Nachwirkung der mittelalterlich katholischen 
Praxis *, als hätte man je im Bußsakrament einen Entscheid und Rat 
gegen die christliche Moral geben dürfen (§ 137). 

Falsch ist, daß Zwingli schon 1516 in Einsiedeln gegen Wall¬ 
fahrten und Marienverehrung aufgetreten sei. Der Reformator zeigte 
allerdings damals und früher schon in Glarus seinen anfechtbaren 
Wandel und seine Unklarheit in theologischen Dingen. Falsch ist, 
daß er sich auf die Demokratie stützte ; die demokratischen Kantone 
blieben ja größtenteils katholisch; die «Bürgerlichen » sind eben die 
aristokratischen Städtekantone. Sein nicht fleckenloses Leben kann 
zwar nicht in Abrede gestellt werden, doch wird entschuldigend hinzu¬ 
gefügt : wir kennen es nur (?) aus seiner Selbstanklage, und es sei 
gewesen, wie das der meisten katholischen Geistlichen. «Im Innern 
der Schweiz widersetzte sich der Adel (!) der Neuerung. * Den Zürcher 
Pastor Jakob Kayser hätten die Katholiken auf neutralem Boden 
(in der Schwyzer Vogtei Uznach !) aufgegriffen und verbrannt. Die 
katholischen Kantone hätten Verbindungen mit dem Ausland ange- 
knüpft (Zürichs Bund mit Konstanz zur Evangelisierung und Vertei- 
long des Thurgau !). In Kappel sei ein racheschnaubendes Heer von 
8000 Katholiken eingebrochen, denen die Zürcher nur 2000 (!) entgegen¬ 
stellen konnten. Nachdem die vielen Todesurteile gegen Wiedertäufer 
in Zürich angeführt worden, heißt es : « Das meiste Blut floß in Ländern 
mit katholischer Obrigkeit. » (§ 131 u. 132, ff. S. 58.) Wir haben diese 
Auslassungen angeführt, weil die Leser in der Lage sind, diese Aus¬ 
führungen aus der schweizerischen Reformationsgeschichte selbst zu 
prüfen und zu widerlegen. Aber andere Teile wimmeln ebenso von 
Unrichtigkeiten, schiefen Urteilen und Darstellungen. Von den vielen 
hundert solcher Geschichtsfälschungen und schiefen Urteilen seien hier 
^ Folgenden nur noch einige auf Geratewohl herausgehoben. 

(Schluß folgt.) 



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3 


KLEINERE BEITRÄGE — MELANGES j 

i 

| 

— 

% 

Die letzten schweizerischen und deutschen Offiziere 

der päpstlichen Armee. 

PRO PETRI SEDEL 

Am 20. September 1920 erfüllt sich ein halbes Jahrhundert seitdem 
Untergange des Kirchenstaates. Obwohl von den übermächtigen Ereig- ; 
nissen des kaum beendigten Weltkrieges in den Hintergrund gedrängt, 
darf dieser Gedenktag doch nicht unbeachtet ohne geschichtliche Auf¬ 
frischungen vorübergehen, denn die Einnahme Roms durch die Soldaten 
des geeinigten Italiens war und bleibt eine Tatsache von weltgeschichtlicher 
Bedeutung. 

Unter den Kriegern, die sich dem Heiligen Vater im 19. Jahrhundert 
zur Verteidigung seines rechtmäßigen Besitzes aus freien Stücken zur 
Verfügung stellten, nahmen die Schweizer , getreu ihren alten militärischen 
Traditionen und entsprechend ihrer durch die Jahrhunderte bewährten 
Ergebenheit gegen die römische Kirche, eine ganz hervorragende Stellung 
ein. In der historischen Literatur sucht man trotzdem bisher umsonst 
nach einer angemessenen Würdigung, insbesondere fehlt bis anhin jeglicher 
Versuch, die Namen jener Männer festzuhalten, die einstmals Leib und { 
Leben für die gerechte Sache des Papstes eingesetzt und furchtlos und treu ; . 
unter der wcißgelben Fahne für den ehrwürdigsten und legitimsten Thron j 
Europas gekämpft. Die Nachwelt soll aber nicht auf immer undankbar 
sein. Der 50. Jahrestag des letzten Kampfes um das päpstliche Rom 
bietet Anlaß, wenigstens einiges gutzumachen und nachzuholen. Es bildete 
sich zwar schon 1860 eine Kommission, um den im gleichen Jahr gefallenen ] 
päpstlichen Offizieren und Soldaten ein größeres Denkmal zu setzen. Als ; 
Standort hiefür wurde bereits 1866 die Capella Severina in der Lateran- • 
basilika bestimmt, aber die Enthüllung dieses Monumentes ließ bis zum j 
26. November 1904 auf sich warten. Unter dem Giebel des Denkmals liest i 
man die Inschrift : J 

FORTIBUS . VIRIS . QUI . IVRA . SEDIS . APOSTOLICAE 
PROFUSO . SANGUINE . ASSERUERUNT. A. D. MDCCCLX. 

Das mittlere große Relief mit dem Gefecht bei Castelfidardo trägt die 
Unterschrift: Victoria, quae vincit mundum, fides nostra. Die nämlichen 
Worte stehen nebst unserem Motto : Pro Petri Sede, schon auf der Gedenk j 


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I 


— i4i — 

münze, welche Papst Pius IX. 1861 an seine wackeren Verteidiger austeilen 
ließ. Ein Gloria-Engel hält am Sockel ein Spruchband mit den Worten aus 
der päpstlichen Allokution vom 28. September 1860 : Gloriosam mortem 
obierunt. Wie hieraus zu sehen, enthält dieses Monument, im Gegensatz 
zum Löwendenkmal in Luzern, keinerlei Namen. Auf dem Denkmal im 
Lateran ist im mittlem Relief allerdings die Porträtfigur des Generals 
Lamoriciöre und des Generals Marchese Pimodan zu erkennen, und auch 
das seitliche kleinere Relief mit den Freiwilligen, die dem Heiligen Vater 
•; Pius IX. ihr Schwert anbieten, zeigt offenbar einige Porträtköpfe, z. B. 
Napoleon III., aber jeglicher Name fehlt. Diesem Mangel soll die Ver¬ 
öffentlichung der nachfolgenden Liste einigermaßen abhelfen. Sie wurde 
im Aufträge jener römischen Offiziere erstellt, die ungefähr in den Jahren 
1880-83 in Luzern zur Auffrischung und Pflege der alten Waffenkamerad¬ 
schaft zusammengekommen waren, gerade so wie auch die alten Neapoli¬ 
taneroffiziere von Zeit zu Zeit sich ein Stelldichein gaben. In diese Liste 
wurden aber nur jene Offiziere aufgenommen, welche damals noch lebten. 
Fehlende Namen und genauere Adressen sollten behufs Ausgabe einer 
neuen verbesserten Liste an die zuletzt genannten Ausschußmitglieder 
eingesandt werden. Eine solche verbesserte Auflage ist meines Wissens 
jedoch nie mehr erschienen, und auch von gesammelten Materialien zur 
Ergänzung und Berichtigung der ersten Ausgabe ist mir nichts bekannt 
geworden. Ich benütze daher das erste und einzige gedruckte Verzeichnis, 
das sich noch da und dort im Nachlaß ehemaliger päpstlicher Offiziere 
finden wird. 


Etat nomlnatlf par ordre alphabStique 

de MM. los anciens offlciers suisses et allemands au Service du 
St-Siöge, dont Fadresse est parvenue au comitd constituö & la 
röunion de Lucerne. 

AUet Pierre-Marie, Lieutenant, Pöre Rödemptoriste ä Loöche (Valais). 
Ammann Conrad, Lieutenant, Wittenbach (St-Gall). 

Benziger Francois, Lieutenant, Einsiedeln (Schwyz). 

Bommer Fridolin, Lieutenant, Major de la Garde suisse au Vatican. 
Bruschwyler, Lieutenant, Receveur ä la gare des marchandises, Constance. 
Bräggi Fölitf, Lieutenant, Naters (Valais). 

Britschgy Melchior, Capitaine, Alpnach (Unterwald). 

Brügger, Capitaine, Chunvalden (Grisons). 

Burkhard Urs-Victor, Lieutenant, Härchingen (Soleure). 
de Buttet Charles, Capitaine, Chateau de Beimont prös Pont-de-Beauvoisin 
(Savoie). 

de Cancrin Constantin, Lieutenant, Wurzbourg. 

Castella Simon, Lieutenant-Colonel, Bulle (Fribourg). 

Cavigelli Florian, Lieutenant, Sette (Grisons). 

Chaney Stanislas, Lieutenant, Estavayer (Fribourg). 


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I 4 2 


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Coray Pierre, Lieutenant, Laax (Grisons). 
de Courten Adolphe, Lieutenant, Major, Sion (Valais), 
de Courten Angöle, Lieutenant, Munich, Klenzestraße 4 (Bavi£re). 
de Courten Louis, Capitaine, Colonel-Commandant de la Garde Suisse 
au Vatican. 

de Courten Louis, Capitaine, Florence, Borgognisanti 42. 
de Courten Raphael, G6n6ral, Florence, Borgognisanti 42. 
de Courten Victor, Lieutenant-Colonel, Sierre (Valais). 

Cropt Camille, Lieutenant, Martigny (Valais). 

Crufer Fid£le, Capitaine, Ems (Grisons). 

Crufer Charles, Lieutenant, Gen£ve. 

Delpech Jean, Capitaine, Prüfet, Tavel (Fribourg). 
d'Elgger (Charles), Capitaine, Luceme. 

Epp Dominique, Capitaine Adj.-Major, Colonel-Instructeur, Altorf (Uri). 
Ernst-Wittmer, Capitaine, Lucerne. 

Esseiva Pierre, Capitaine, Juge cantonal, Fribourg, rue de la Pröfecture 19;. 
Federer Georges, Capitaine, Schwyz. 

Fischer Joseph, Aumönier k la Prison Mazas k Paris, Boulevard Diderot 23. 
Gard Eugene, Capitaine, Bagnes (Valais). 

Gauthier Henri, Capitaine, Econome de l’Höpital de Marsens, k Fribourg. 
Götschmann, Aumönier, Sup^rieur du S6minaire, Fribourg. 

Göldlin L6once, Capitaine, Lucerne. 

Hayler Charles, Chirurgien-Major, Metten pr£s Degenfeld (Bavidre). 
In-Albon Grögoirc, Capitaine, Sion (Valais). 

Keiser Albert, Chapelain, Aumönier honoraire de la Soci6t6 des Offiriers. 
Lucerne. 

Keiser Auguste, Chirurgien-Major, Zoug. 

Kciser-Henggeler Charles, Capitaine, Lucerne. 

Kuglcr, Lieutenant, Munich, 
de Lavallaz, Capitaine, Sion (Valais). 

Mahler Fredöric, Capitaine, Lucerne. 

Meyer Jules, Major, Solcure. 

Meyer Leoncc. Lieutenant. Lucerne. 

Meyer de Schauensce Francois, Lieutenant, Emmenweid pr£s Lucerne. 
Mirer, Capitaine, Obersax (Grisons). 

Piller Ernest, Lieutenant, membre honoraire, Schönberg prös Fribourg, 
de Kickenbach Auguste, Lieutenant, Arth (Schwyz). 

Schmidt Charles, Capitaine, Kaiserstraße 29, Fribourg (Bade). 
Schmissing-Kersenbrock, Lieutenant, Maison Brinke pr£s Borgholzhausen 
(Westphalie). 

Segesscr Henri, Capitaine, Lucerne. 

Siegwart Alfred, Chirurgien-Major, Altorf (Uri), 
de Sonnenberg Louis, Lieutenant, Lucerne. 
de Stockaiper Ferdinand, Capitaine, Brigue (Valais). 

Stöcklin Fortune, Capitaine, Fribourg. 

de Stollberg, Comte, Lieutenant, Börlinghausen pres Bonenbourg (West¬ 
phalie). 



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143 


Süßmaier Conrad, Capitaine, Polenzwerder (Eberswalde) pr£s Berlin. 
Thalmann Antoine, Capitaine, rue Terrassi^re 14, Gendve. 

Thomalö Jean, Capitaine, Ems prös Coire (Grisons). 

Vinzenz Emanuel, Capitaine, Disentis (Grisons). 

Vinzenz Francois, Lieutenant, Disentis (Grisons). 

Vogel, Capitaine, Zizers (Grisons). 

Wasescha Söbastien, Capitaine, Adj.-Major, Savognino (Grisons). 

Wasescha S6bastien, Lieutenant, Savognino (Grisons). 
de Werra Ernest, Lieutenant, Sion (Valais). 

Wysen Francois, Lieutenant, Naters (Valais). 

Wuilleret Theodore, Capitaine, Grand’Rue 8, Fribourg. 

Zahn, Lieutenant, Bassingasse, 19, Mulhouse (Alsace). 

Messieurs les Officiers sont prids de signaler les adresses manquantes 
oa incomplötes ä un des membres du Comit6 ci-aprds d£signös : 

Jules Meyer, Major. 

Pierre Esseiva, Capitaine. 

Charles Keiser, Capitaine. 

Charles Schmidt, Capitaine. 
Adolphe de Courten, Capitaine. 
Jean Thomald, Capitaine. 

Statt an das obengenannte Komitee wollen nun die Angehörigen, 
Freunde und Bekannten der ehemaligen päpstlichen Offiziere die erwähnten 
und gewünschten Ergänzungen zu meinen Händen an das Staatsarchiv 
l.'ri in Altorf einsenden. Man möge auch an die nämliche Adresse die 
Namen solcher Männer mitteilen, die nicht auf der vorstehenden Liste 
sind, die aber ganz sicher einmal zwischen 1832 und 1870 den päpstlichen 
Regimentern angehörten. Man verwechsle jedoch dabei die römischen 
Soldaten nicht mit alten Neapolitanern und man übersehe vor allem nicht, 
daß Offiziere und Soldaten der päpstlichen Garde nur dann in Betracht 
fallen, wenn sie vor 1870 der Feldarmee einverleibt gewesen. Um sodann 
jedem einen kurzen statistischen Lebensabriß widmen zu können, möge 
man nebst dem Geburts- und Todesdatum vor allem die Zeit des Eintrittes 
in die päpstliche Armee nennen und das Datum des A nstrittes mit Angabe 
der Waffengattungen und militärischen Einheiten, denen der Betreffende 
während der Zeit seines römischen Solddicnstcs sukzessive zugeteilt war. 1 


1 Bei diesem Anlaß und auf diesem Wege könnte auch die Frage einer 
gewissen Wanda Schmid, genannt Folchini, in Zürich, gelöst werden. Ihr Gro߬ 
vater Carlo Edoardo di Benedetto Schmid, Schweizer Hauptmann, sei 1848 in 
Schweizerdiensten in Rom gewesen und habe dort sogar die Stelle eines 
,Gesandten vertreten ; i 85 o war er in Bologna und siedelte 18.S2 nach Ferrara 
über. Von dort wegziehend, kam er auf italienischem Boden um. Sein Sohn 
Achilles Leopold Schmid starb 1891. Ich konnte diesen Hauptmann Schmid bisher 
nicht als Urner identifizieren. 


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— 144 — 

Wo möglich ist auf Grund der noch vorhandenen Militärausweise jedes 
Avancement mit genauer Zeitangabe festzustellen und desgleichen der 
Empfang eines Ordens oder einer sonstigen militärischen Auszeichnung 
Besondere Vorfälle mögen desgleichen erwähnt werden, wie z. B. die Teil¬ 
nahme an einem Feldzug, an einer Schlacht oder sonst an irgend einer 
Waffentat. Auch der Hinweis auf noch vorhandene Photographien, Zeich¬ 
nungen, Notizen oder Erinnerungsgegenstände aus der römischen Dienstzeit 
kann sehr nützlich sein. Für unsere Arbeit bedeutet es überdies eine sehr 
dankenswerte Förderung, wenn man Angehörige und Freunde von ehe¬ 
maligen päpstlichen Offizieren auf diese Umfrage und auf unsere Art«: 
aufmerksam macht und zur Beantwortung der gestellten Fragen aufmuntert 
Wer es kann, nenne auch genau die Zeitung oder Zeitschrift, wo der Nekrolog 
eines ehemaligen päpstlichen Offiziers erschienen. 

Für die Einsammlung der vorgenannten Materialien ist es aller¬ 
höchste Zeit. Von den Offizieren unserer Liste lebt einzig noch Herr 
Leutnant Piefre-Marie Allet , jetzt Red mptorist bei St. Löonard. Herr 
Hauptmann Louis de Courten in Nai cy und Leutnant Peter Cotay m 
Laax und von den Nichtgenannten bloß noch Herr Bundesrichter Dt. 
F. Schmid in Lausanne, der im Herbst 1860 allerdings nur auf kurze 
Zeit als Unterleutnant an der Seite seines Vaters, des Herrn Generals 
Anton Schmid, in Perugia weilte. Unter den Soldaten der ehemaligen 
päpstlichen Armee kenne ich zur Zeit noch zwei Lebende: Thomall m 
Ems, ein Bruder des Zuavenhauptmanns Jean Thomalö und Joh. Josef* 
Huber von Sisikon, der, 18-jährig, seiner Zeit sich in Feldkirch anwerben 
ließ, unter Hauptmann Bell von Kriens stand und bei Castelfidardo in 
Kriegsgefangenschaft geriet. Diesen Veteranen rufen wir zur goldenen 
Gedenkfeier ein beso nders lebhaftes Evviva ! zu. 

Eduard Wxmann. 

* 


Abfall eines Jenisalempilgers. 

Unter den vielen Beschreibungen von Jerusalemfahrten gibt es natürlich 
auch solche, die wenig neues bieten, weil ihr Verfasser entweder kein selb¬ 
ständiger Beobachter war oder nur auf altbekannten Pfaden wandelte 
und von Abenteuern glücklich verschont blieb. Andere Aufzeichnungen 
enthalten neben vielem Bekannten doch hin und wieder eine Partie, welche 
als neu und selbständig bezeichnet werden darf und daher eines gewissen 
Reizes nicht entbehrt. Einen derartig wertvollen Einzelzug von allge¬ 
meinem, kulturgeschichtlichem Wert finden wir in der Reisebeschreibuue 
des Luzemers Johann von Lauffen , der 1583 als Begleiter und Diener des 
Ritters Melchior Lussy nach Jerusalem pilgerte und ungefähr 1586 hierüber 
mit Unterstützung seines gelehrten Stiefbruders Renward Cysat eine 
ausführliche Schilderung entwarf, die von der Bürgerbibliothek Luzern 
gehütet wird. Von Lauffen erwähnt darin die seltsamen Umstände des 


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— 145 — 

Übertrittes eines katholischen Priesters zum Islam. Auch andere Pilger¬ 
bücher zählen gelegentlich die Namen von Renegaten auf, die man da und 
dort im Orient getroffen, aber eine nähere Schilderung der Vorbereitungen 
und der Feierlichkeiten, unter denen sich der Abfall vollzog, findet man in 
andern Reiseberichten wohl kaum, weshalb diese Stelle herausgehoben zu 
werden verdient. Der Verfasser weist schon im Verzeichnis der Mitpilger 
re Anfang seines Buches auf das unglückliche Ende eines Reisegenossen 
hin, indem er ihn dem Leser also vorstellt: 

* Don Anthonius von der Stadt Palermo in Sicilien, damalen ein Priester, 
kam mit der Gesellschaft bis gan Tripoli [in Syrien], daselbst verlaugnet 
er den christlichen Glauben und ward ein Türk, ehe man gen Hierusalem 
kam.» Im Verlaufe der Reisebeschreibung widmet dann von Lauffen 
dieser Begebenheit folgende Notiz : 

Den andern Tag Höwmonats [1583] steigen wir us dem Schiff ufs 
Land .... 

Diser Zyt als wir zuo Tripoli tagend, begab sich ein erschröckenlicher 
leidiger Zuofall mit einem unser Mitpilgeren, der hieß Antonius von Palermo, 
«in italiänischer Priester, us Sicilien pürtig, dem wir auch ein solliches nit 
vertrnwt by dem wenigsten, dann er sich sonst glich von siner Anfart von 
Venedig us mit uns und mengklichen zimlich wol und still gehalten. 
Aber er fiel unversehenlich in die Strick des Tüfels und der Verzwyflung. 
Dann als er an einem Sambstag Morgens das hochheylig Ampt der Maß 
verricht (wol zuo besorgen us einem bösen, wanklenden Gemüt und villicht 
schon von dem bösen Geist angefeßlet nach dem Exempel des Verräters 
Judae, der auch von des Herren Abendmal ufstuond, den nächsten hin- 
|ieng und sin Verratery vollbracht) zoch er hin zuo dem türkischen Cadi 
oder Statregenten, ime sin verzwyflet, elend Vorhaben fürzetragen durch 
einen Juden, den er hierin zu einem Underhändler gebrucht, über alles 
Warnen, Abmanen und Bitten der Gesellschaft (daruf er nüt anders ant¬ 
wortet dann : Spiritus, ubi vult, spirat, das ist: der Wind blast, wo er will) 
«in solliches nit ze thuond und sich nit also ohne Noth dem Tüfel zuo einem 
Opfer ze gäben. Der Sathan aber hat ime sin Härtz so stark besäßen, dz 
«r sich nit wolt wendig machen laßen, sonder fuor fort und verlaugnet 
anseren waaren christlichen Glauben, darinnen er erboren, getauft, erzogen 
and, dz noch mehr ist, ein Priester worden und macht sich also uß Yngäbung 
des Tüfels, auch ungenöt uß eignem Muotwillen zuo einem Türken, ward 
auch mit Frolocken von dem Cadi ufgnommen. Der verhieß ime, by ime 
ze Hof zuo behalten und ime guote Fürsähung ze thuond. Dessen er¬ 
schreckend wir all zuo mal vast übel und besorgtend, er möchte uns ver¬ 
raten oder ufs wenigest sonst in Gfar und Schaden bringen mit Eröffnung 
etlicher uß der Gsellschaft Namen, Condition, Standts und Vermögens, 
ohne dz uns sin Fal und Verzwyflung sonsten von Härtzen leid und be- 
sch war lieh war. Die Türken aber hattend dessen groß Frolocken und 
Pachtend ime am Sontag den 7. Tag July [1583] ein herrlich Fast und 
Triumph, fuortend ine uns Christen ze Traz für dz Barfuosser Closter, 
da er ze Herberg gewäsen, durch die Statt herumb in söllicher Ordnung: 

RITUS d’HISTOIRE ECCL&SIAST1QUE 10 


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— 146 — 

Erstlich voran giengcnd etlich Türken ye zwen und zwen mit Knütlen 
in Händen. 

Darnach zwen mit Fanen. 

Uf die selbig der abgefallne verlaugnet Christ, uf einem Roß sitzende, 
zum allerköstlichsten angethan mit einem langen, roten Schariatinen Rock 
und wyssen Hüllen oder Turbant. Item vergülten Sebel und Tolchen 
an der Syten, auch einem Pfyl in der rächten Hand. So waren auch Sattel, 
Zaum und Gereit mit vergülten Spangen geziert, alles auf türkische Manier, 
wiewoll es ime nit bleib, sonder ime angelihen war zur Zierd dises gottlosen 
Triumphs. 

Uf ine voigtend andre Türken meer ze Roß mit Seytenspil und Büchsen 
und da sy by dem Clostcr für zugend, schußend sy die Büchsen ab mit 
vil Wasens und Geschrey, wie auch das ander Volk thät, so vor und 
nach lief. 

Es ward uns auch angezeigt, sy haben ime glich des selben Tags ein 
junges Wyb verordnet und vermächlet; man wurde aber sy ime nit zuo- 
laßen, bis er sich uf türkisch beschnyden Hesse, wie dann am volgenden J 
Montag beschächen. Wir vemamend auch, das ime die Beschnidung so • 
übel bekommen oder so nach gesuocht, besunder in sallicher Zyt des Jars. j 
das er schier verdorben wäre. ; 

Damit aber wir uns us der Sorg und Gfar so vil möglich ledigen \ 
möchtend, erwurbend wir durch Hilf und Mittel des französischen Consuls j 
unsers christlichen Gastherren und Guotthaters, von dem türkischen Cadi 
oder Landpflägcr allda ein gcschriftlichen Schin oder Paßport und Gkits- 
brief, in syrischer Sprach gcschriben, inhalts das wir alle französische Pilger 
wärent und das wir allenthalben Schirm und Gleit haben sollend, als dann 1 
auch geschach, sitten mal, wie oben gehört, die französische Nation in j 
der Türky sonderlich geachtet und angesähen würd. E. Wymann. { 


Die Melodie zu einem Bruderklausen Lied. 

Die Biographien und eine besondere Sammlung von Dr. P. Augustin 
Benziger machen uns mit einer großen Zahl von Gedichten zu Ehren des 
seligen Nikolaus von Flüe bekannt. Aber selten oder nie wird die allfällig 
vorhandene Melodie mitgeteilt, ja nicht einmal ihr Fundort genannt. Es 
Hegt hierin ein entschiedener Mangel, denn es ist wahrlich doch nicht 
gleichgültig, ob im betreffenden Falle nur die Poesie oder gleichzeitig auch 
die Musik sich in den Dienst des vielverehrten Landesvatere gestellt habe. 
Auch vom praktischen Standpunkte aus ist die gerügte Unterlassung 
jeweilen zu bedauern, indem schon öfters bei passender Gelegenheit ein 
solches Lied cingeübt und vorgetragen worden wäre, wenn man die ent¬ 
sprechende Melodie gekannt hätte. Aus diesem Grunde möchten wir auf 
ein mehrfach gedrucktes und erwähntes Gedicht aufmerksam machen, das 
also beginnt: 


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147 


Ja, Brüder ! Es lohnt sich der Mühe, 
Dem Bruder Niclaus von der Flüe 
Zu singen ein unsterblich Lied ! 


Zu diesem Gedicht von 10 Strophen gibt es eine Melodie in einem 
Quartheft, betitelt: ■ Schweizerlieder mit Melodien. BERN. Gedruckt und 
verlegt bey Wagner, Hochobrigkeitlicher Buchdrucker. 1770.» Das Titel¬ 
blatt trägt als Vignette einen Posaunenengel, der auf Wolken daherfährt 
und von einem kleinem Engel mit einem Palmzweig begleitet wird. Auch 
die übrigen Blätter sind mit verschiedenen Vignetten verziert. Der « Vor¬ 
bericht zu den Melodien der Schweizerlieder »ist datiert und unterzeichnet: 
« Wczikon den 2. Merz 1769. Joh. Schmidlin.» Das Heft zählt 77 paginierte 
Seiten. Auf der Rückseite des letzten Blattes steht das obrigkeitliche : 
• Imprimatur. JOH. STAPFER. » Unser Exemplar kam laut Stempel vom 
bisheiigen Besitzer J. Jauch, Altdorf, an die « Kantonale Gemeinnützige 
Gesellschaft Uri » und von ihr an die Bibliothek des Vereins für Geschichte 
und Altertümer von Uri. Es dürfte noch da und dort ein solches Exemplar 
in den Bibliotheken zu finden sein, aber niemand ahnt hinter dem all¬ 
gemeinen Titel, daß diese Sammlung auch ein Lied zu Ehren des seligen 
Nikolaus enthalte. Diese Sammlung erlebte offenbar noch weitere Auflagen 
oder Bearbeitungen. Das Antiquariat Gilhofer und Ranschburg in Wien 
bot vor dem Weltkrieg eine dritte Auflage, datiert: Zürich, Bürkli, 1786, 
für 15 Kr. an. Als Titelvignette zeigt diese Ausgabe die Büste Lavaters. 
Das fragliche Lied ist für Sopran und Alt gesahrieben und mit einer Be¬ 
gleitung versehen. Die Melodie bewegt sich im schlichten Volkston. Als 
Vortragsweise ist ein viel und doch nichts sagendes « Angenehm » vor¬ 
gemerkt. 

Diese Lieder scheinen einst verhältnismäßig ziemlich gut verbreitet 
und behebt gewesen zu sein. Aus Altdorfer Privatbesitz erwarb ich ein 
vierseitiges «Schweizer-Mädchen Lied b, ohne Noten, geschrieben von 
einer kräftigen Hand des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Das nämliche 
Lied findet sich mit Noten auch in dem oben beschriebenen Sammelheft 
von 1770, scheint jedoch aus einer andern Auflage oder Ausgabe abge¬ 
schrieben zu sein, da es gegenüber der gedruckten Sammlung von 1770 
mehrere zum Teil bessere Varianten aufweist. So schließt beispielsweise 
eine der gedruckten Strophen : 


Blumen nur sind unsre Zier ; 
Milch und Wasser trinken wir ! 


Die Handschrift aber drückt sich also aus : 

Blumen sind uns Edelstein, 

Milch und Schotten unser Wein ! 


Eduard Wymann. 


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148 


Die Stiftung zweier Kaplaneien in Sargans 

im Jahre 1394. 


Zur Anfertigung einer Kopie wurde mir die Originalurkunde, mit der 
Graf Johann I. von Werdenberg-Sargans am 29. April 1394 die zwei jetzt 
noch bestehenden Kaplaneien in Sargans stiftete, durch hochwürdigsten 
Herrn Prälat A. Tremp zugestellt. Seiner Freundlichkeit verdanke ich 
auch die Einsicht weiterer, im Kirchenarchiv Sargans aufbewahrter Kopien 
und Urkunden. 

Mayer führt zwar in seiner Bistumsgeschichte von Chur, Bd. I. S. 422. 
die Gründung an. jedoch mit unrichtigem Stifter; auch spricht er nur von 
einer Kaplanei. Krüger gibt in Nr. 548 seiner Regesten zu «Die Grafen von 
Werdenberg-Heiligenberg und von Werdenberg-Sargans.» St. GallerMittei¬ 
lungen, Bd. XXII, einen knappen Hinweis auf die Urkunde, der auf dem 
Auszuge in Wegelins Pfäverser Regesten. Nr. 320. beruht. Allein, abgesehen 
davon, daß das Regest Wegelins nicht auf das lateinische Original, sondern 
auf eine deutsche Übersetzung des XVI. Jahrhunderts, die im St. Galler 
Staatsarchiv liegt, zurückgeht, werden auch die kirchengeschichtlich recht 
interessanten Bestimmungen für die Pfrundinhaber nicht vollständig wieder¬ 
gegeben. Die Aufzählung der Güter und Einkünfte der Dotation ist gänzlich 
wcggelassen, obwohl sie für die Ortsnamenkunde, für die Siedelungsgcschichte 
und für die Rechtsverhältnisse des Sarganserlandes manche Aufschlüsse 
gibt. Auf eine Folgerung, die aus dem an der Urkunde hängenden Siegel 
Bischof Hartmanns II. gezogen werden kann, machte ich in einem weitem 
kleinen Beitrag aufmerksam, wie ich auch hoffe, auf « die Klose » bei anderer 
Gelegenheit zurückkommen zu können. Dies mag trotz des Regests bei 
Wegelin den Abdruck der Urkunde rechtfertigen, wobei, um Platz und 
Satz zu sparen, alles irgendwie Formelhafte weggelassen und auch größere 
Partien nur durch .— angedeutet wurden. 


Bischof Hartmann (II.) von Chur bestätigt die durch Graf J oh a nn (I*) 
von Werdenberg-Sargans errichtete Stiftung der zwei Kaplaneien 
8t. Maria und Matheus, sowie St. Maria und Allerheiligen in der 
Pfarrkirche zu Sargans. 1894, April 29. 


Nos Hartmannus, dei et apostolice sedis .... gracia episcopus C\tritn& 
notum facimus ..... quod sub anno .... millesimo drecentesimo nona- 

gesimo quarto nobilis - dominus Johannes , comes de Wetdtnbert 

dominus in Sanagans, noster consangwineus, .... altare beate_Man? 


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et beati Mathey apostoli in honore dedicatum ac per eum in parrochiali 
ccclesia oppidi in Sangans .... edificatum .... bonis et redditibus sub- 
scriptis in salutem anime sue ac progenitorum et successorum animarum 
nec non omnium fidelium defunctorum ac remedium peccatorum eorundem 

canonice dotavit. Consequenter idem nobilis dominus - causis ex 

suprascriptis domum in atrio dicte parrochialis ecclesie sitam Closam 
actenus nuncupatam cum omnibus suis pertinenciis, obvencionibus .... 
nec non bonis et possesionibus subscriptis et aliis dicti comitis propriis 
in melius reformare .... anhelans capellam et altare noviter eciam per 
ipsum comitem .... in .... barrochiali ecclesia constructum ad honorem 

_beatissime-virginis Marie et omnium sanctorum dedicatum_ 

similiter canonice dotavit. volcns .... idem comes ..... quod ad dictorum 
altarium .... quodlibet per eum et universos suos heredes ac successores 
in possessione castri et dominii Sanagans existencium unus ydoneus capel- 
lanus actu presbiter in singulis alterutrius ipsorum altarium vacacionibus 

_ presentetur per ordinarium, ut iuris est, investiendus, qui huiusmodi 

altare debite ac canonice inofficiet seque sic gloriose teneat, ut publici 
concubinarii notacionem non incurrat, alioquin notoritate defejente huius¬ 
modi fore factum quilibet dictorum capellanorum tanquam pro crimine 
ad privacionem cuiuslibet prebendati sufficiente ad delacionem patroni 
premissi seu heredum suorum per nos et nostros successores ordinarios 
priventur beneficiis et prebendis prelibatis. Est eciam per eundem comitem 
.... condictum, quod si ipse comes seu ipsius successores in dominio 
castri in Sangans existentes .... in presentacione huiusmodi capellanorum 

ad .... altaria .... vacancia infra tempus iuris negliens foret .ex 

tune .... ius presentandi predictos capellanos ad abbatem Preganciensem 
..... ad quem et suum monasterium ius patronatus parrochialis ecclesie 
in Sangans .... dinoscitur pertinere, ea vice devolvatur ; ac demum huius¬ 
modi abbate similiter negligente .... ius presentandi iam dictum ad prepo- 
situm ecclesie Curiensis et consequenter, ut iuris est communis, ad superio- 
res ea vice devolvatur. Voluit eciam .... idem comes, quod annuum 
anniversarium suum, progenitorum et successorum suorum super diem 
obitus sui celebretur cum vigilia et missa solempnibus in notis a .... 
cappellanis sub utriusque ipsorum expensis rectore et aliis dicti oppidi 
presbiteris et cappellanis interessentibus et concelebrantibus eisdem con- 
vocatis per cappellanos antedictos ; et quociescumquc huiusmodi anniver¬ 
sarium annuo super diem obitus sui per .... cappellanos modo premisso 
non celebraretur, festis vel aliis legitimis causis .... ambos seu alterutrum 

- non prepedientibus, quod tociens .... cappellani rectori-per- 

solvand decem solidos denariorum Constanciensium inremissibiliter reci- 
pienti. Ne autem .... barrochialis ecclesie rector in aliquo suo iure defrau- 

detur vel detrimentum ratione huiusmodi .... altarium paciatur. 

constituit idem comes, ut .... altaris sancte Marie .... et beati Mathey 
apostoli capellanus de redditibus sue prebende subscriptis annuo tradat 

-duas libras denariorum Constanciensium-rectori in recompensam 

oblacionum secretalium et aliarum obvencionum .... cappellanorum 
amborum in et super suis altaribus .... evcniencium, que cum sic dictis 


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I 5 ° 


rcmediis cedcre debent eisdem, sicque ambo .... prebendarii sint a .... 
rectoris impedicione ac alterius cuiuscunque contradictione quoad premissa 

totaliter inmuncs. Voluit eciara dictus comcs.quod-cappellani 

diebus celebribus festivis ac precipue solempnibus dicto rectore concelebrent 
et in divinis officiis cantando et ministrando, ut decet, omnino iuvent 
nisi aliqua racionabilis causa unum vel ambos aliquo huiusmodi diemra 
excusaret. Debent eciam predicti prebendarii frequenter missas in dictis ! 
altaribus celebrare et nunquam sine racionabili causa presentes obmittere, 
nisi ipsi ambo vel quilibet ipsorum duobus diebus in ebdomada vellent a 
divinis abstinere, quod ipsorum remittitur consciencie, tali tarnen mode- 
ramine medio, ne nota accidie eis vel eorum alteri possit imputari. Est 
autem specificacio bonorum, quibus dictus comes patronus altarc sancte 
dei genitricis Marie et beati Mathcy apostoli canonice .... dotavit videlicet ; 
hec : redditus duodecim modiorum farris de curia sua n Blunc : 1 sita 

mensura Sanagansis.octo modiorum grani _ de curia sua in 

Grünnenvelt Ä , .... quatuor modiorum grani .... solvendi de bonis dicii ; 

Johannis Glarner , que pro nunc colit Nycolaus dictus God* .quatuor 

modiorum grane !) .... de bonis dicti Pflipp ; item redditus dimidn 5 
quartalis 4 pu iri mensure predicte de bonis, que nunc habentur per dictum j 

Haennin vom Stein et suos concolonos & .dimidii quartalis butiri — ! 

de bonis habitis per Johannem von Ueberwasser et suo s) concolonos 1 . | 

-unius quartalis putiri de bonis habitis per Uolricum dictum Glarntr ! 

et suos concolonos 7 ; item redditus decem casiorum ponderi comitatus j 
prcscripti de bonis dicti Johannis dicti Glarner , que nunc habet b'ycolaus j 

dictus God --decem casiorum .... de bono dicti comitis in Will volga- j 

• 

1 Pions, Gemeinde Meis. Nach einer Bemerkung über die Zinsen der Pfrund » 
bei der Kopie des Stiftungsbriefes im Pfäverser Archiv V, 15 c (= A) wurden ifa j 
mit diesen 12 Scheffeln Weizen noch 3 verbunden für die 4 Scheffel Korn ab j 
Philippen Lehen « ab dem Hof zu Bluns gelegen, darauf n Heuser und 15 Stade! . 
seyn sollen. » $ 

* Grüncnfeld. Gemeinde Vilters ; nach den angeführten Bemerkungen gm* j 
der Zins vom Hof Barnäöl daselbst ; ein Verzeichnis der Pfrundgülten aus dem J 
XVI. Jahrhundert (= B) im St. Galler Staatsarchiv heißt ihn c der Mcligen Hoi* | 

* Nach A lag der Hof, « Goden Lehen » genannt, zu Meis ; seine Grenzen und 
Güter sind nach einer Verbriefung von 1464 angegeben. 

4 Die Übersetzungen des XVI. Jahrhunderts im St. Galler Staatsarchiv, 
des XVII. im Sarganser Kirchenarchiv bezeichnen quartale hier als «fierline*. 
unten, beim Zehnten zu Azmos, als • viertel »; B nennt es « anckenstuck *. Nach 
A hatte das quartale 24 Maß. 

6 Nach A ging der Zins von dem Lehen zu Schwendi in Weißtannen und 
zwar von den Gütern « Geißgaden. Schafgadcn, Fröschgaden, zum alten Hac> 
und Möschengaden, ligt zu dem Esel. » 

6 Nach A von dem Hof in Weißtannen im Überwasser genannt, von dec 
Stücken Schampboden, Unterlachen, Sträßli und Ruhstein. 

7 Auch dieser Zins ging von Weißtannen, von den Gütern im Boden, an der 
Kirchen Mur, Gafarrawis, Geißboden, Spicher und Mühliboden außerhalb der 
Eselbruggen. (A.) 




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riter dicto Byvang 1 ; item una vinea sita an Granen sub oppido predicto 
ex superiori parte contigua paschue communis, inferius vero vinee Hain- 
{r)ici dicti Smid ; item redditus octo librarum denariorum Constancien- 
sium de sturis comitatus in Sangans dicti comitis propriis .... videlicet: 

de stü'a volgariter dicta Mayenstür in Bersis unam libram.hominum 

dictorum Hoftüt unam libram.oppidi Sangans unam 1 bram. 

demonte dicto Porluls * unam libram, item de stüra volgariter dicta Herbst- 
stür in locis prescriptis quatuor libras videlicet de quolibet dictorum loco- 
rum unam libram. Ordinavit quoque .... comes, ut cappellanus altaris 

p-escripti-redditus farris, grani et putiri .... per colonos _ in 

festo beati Martini episcopi, redditus vero caseorum .... per colonos_ 

in festo beati Mychahelis archangeli, redditus vero denariorum de stüris 

- per officiales .... comitis vel heredum suorum.medietas in 

mense May, reliqua vero medietas in mense Novembris .... in oppidum 
Sanagans presententur .... et in toto exsolvantur. Sequitur consequenter 
specificacio bonorum, quibus dictus comes capellam et altare in honore 
gloriose genitricis Marie et omnium sanctorum dedicatum similiter cano- 

nice__ dotavit, videlicet: domus in atrio .... parochialis ecclesie Sane- 

gaws sita Closa actenus .... nominata cum omnibus suis pertinenciis .... 
videlicet : duo iugera agri an Schnittenaer dicta, de quibus cappellanus .... 
dare tenetur annuatim custodi monasterii Fabariensis unam libram cere, 

-unum iugerum agri nuncupatum Scharlacz akker, .... unum iugerum 

an dem Graben .unum iugerum cum dimidio volgariter dictum Hof- 

\uchart in campo inferiori dicto bi dem Crücz ; item una sectura pratorum 

cum dimidio iugero agri in Castel dicta.in campo dicto am Veit tres 

particulas agrorum, .... sex secture pratorum in Buschaer dicte im Bruel, 

- sex secture pratorum dicte ze dem Hohen Port .una sectura 

dicta im Büntlin ; item de decima in Aczmans * tot quartalia, quot modii 
cedunt rectori ecclesie loci eiusdem, item una curtis ze Lims 4 dicta. Atten- 
dens quoque .... comes, quod .... domus cum bonis et redditibus prescrip¬ 
tis dicte domui pertinentibus .... ad sustentamentum capellani, capeile 
et altaris .... minime sufficerent, de suis propriis bonis et redditibus ad iam 
dicta .... addidit subscripta scilicet : unam vineam dictam vinea Wil- 
helmi dicti Smtd sitam in strictu scu banno Mayenveit ..... item redditus 
viginti quatuor florenorum de theloneo suo in valle dicta Rinwald. 6 Quibus 


1 Vild oder Fild, Gemeinde Sargans. Nach A hatte das Gut Bifang damals 
« der Rhein mehrenteils hinweggenommen. * 

* Porteis, Gemeinde Flums. Vgl. Götzinger, Die romanischen Ortsnamen des 
Kantons St. Gallen. Nr. 115. 

* Noch Götzinger a. a. O., Nr. 197, konnte zu dem Dorfnamen Azmos keinen 
urkundlichen Beleg beibringen. B hat die Form Atzmas. 

* Lims, Gemeinde Grabs. 

* Schon am 8. Juli 1396 hat Graf Johann I. beiden Kapläncn das Einkommen 
an Geld auf den Ertrag seiner Schmiede an der Scez hinter Meis angewiesen. 
Krüger, a. a. O., Nr. 576. 


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per .... comitem - sic dispositis .... Hainricus 1 abbas totusque ; 

conventus monasterii Pregancicnsis _nec non .... Oschwaldus, rector 

ecclesie in Sanagans .... suam bonam voluntatem et consensum appo- 
suerunt supplicantes .... una cum .... comite ...., ut prescripta .... \. 
autorisaremus perpetuo duratura. Nos vero attendentes omnes et singulas 

suas ordinaciones .... iuri ac rationi fore consonas __pro nobis nostns- 

que successoribus penitus confirmamus et autorisamus in perpetuo dura¬ 
tura. Ordinavimus ac presentibus ordinaraus has literas dupliciter 

perscribendas insuper et sigillis prescriptorum comitis, abbatis suique 
conventus nec non rectoris una nostro cum sigillo muniendas, quarum • 
unam in secretario nostre ecclesie Curiensis, reliquam vero in conserotorio •' 

castri et comitis- volumus consignari.Datum anno domini j 

ut supra, tercio kalendas May, indicione secunda. \ 

Kirchenarchiv Sargans. Pergament-Original; die stark verstaubten J 
und im Siegelbilde teilweise unkenntlichen Siegel hängen in neuen Holz* j 
kapseln. ! 

i. rund 35 mm., rot in gelber Wachsschale; erstes Siegel Bischof j 

Hartmanns bei Gull, die Grafen von Montfort_Nr. 76. Die Legende ist j 

indessen aufzulösen : Sigillum Hartmani electi et confirmati in episcopum 
Curiensem. 

2. rund 33 mm., zweites Siegel Graf Johanns bei Gail, Nr. 70., teilwese 
beschädigt. 

3. spitzoval 65/45 mm. In gothischem Gehäuse stehende Abtsfigur, 

unten kleines, imkenntliches Wappenschild ; das Siegel in der Mitte zer¬ 
brochen und stark am Rande beschädigt. * SIGILVM.SINGEN (?) 

. IN. PREGANCIA. 

4. spitzoval 35/37 mm. Im Siegelbilde Paulus und Petrus, der Rand 
teilweise beschädigt. * S’CONVENTUS.MONASTERII.PRIGANTINI 

5. rund in starker Wachsschale 31 mm. Wappenbild : auf bewachsenem 
Dreiberg nach links ein Vogel. * S’.OSCHWALD. .MAISER. 

A tergo der Urkunde 1. A. 2. Von der Hand Gilg Tschudis : stiflt- J 
brief baider pfrunden. 3. Von einer weitem Hand des XVI. Jahrhunderts: ( 
dis ist der brief von den pfronden ze Sangans. j 

St. Gallen. Joseph Müller. • 


1 Heinrich II., der 15. Abt des Benediktinerklosters Mehrerau bei Bregenz 
regierte bis 1414. Lindner , Album Augiae Brigantinae, S. 8. Urkundlich erstmals 
erwähnt zum 21. Januar 1388, Hummel, Chronol. Verzeichnis der Urkunden de? 
.... Stiftes Mehrerau, Vorarlb. Museumsbericht XVII, S. 48. 



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Gaben für ein Missale der Kirche von Zweisimmen 

im Jahre 1470. 


Im Archiv von Valeria befindet sich ein gut erhaltenes Missale auf 
Pergament, das ursprünglich für den Altar der hl. Barbara in Zweisimmen 
erstellt worden ist. Die Seiten sind durchschnittlich 35 Cm. lang und 25 Cm. 
breit. Die ersten 5 Blätter bringen das Kalendarium ; das 6. Blatt, das 
die Monate November und Dezember beschlägt, ist ausgeschnitten. Blatt 
1-240 enthalten die gesamten Meßgebete. Der Kanon, der in größerer 
Schrift auf zwei unpaginierten Blättern steht, ist nach Blatt 117 einge¬ 
schoben ; das Blatt unmittelbar nach dem Kanon trägt wieder die Seiten¬ 
zahl 117. Die Schrift ist durch das ganze Buch hindurch einfach und ein¬ 
heitlich gehalten. Die Rubriken werden stets rot, die Initialen abwechselnd 
rot und blau geschrieben. Besondere Verzierung haben nur ein A am An¬ 
fang des Missales und das T beim Beginn des Kanons, ; letzteres bietet ein 
in kräftigen Farben gehaltenes « Ecce Homo »-Bild. Dem Anscheine nach 
ist ein Blatt vor dem Kanon, das e ; ne Zeichnung geboten haben dürfte, 
ausgerissen. Noten oder Platz für solche sind nirgends angebracht. Nach 
einer Notiz, die auf dem letzten unpaginierten Blatte des Buches steht, 
war dasselbe für den Altar der hl. Barbara in Zweisimmen (Bern) bestimmt 
gewesen und von Jorius Jöch von Augusta geschrieben und den 26. Juli 
1470 vollendet worden. Später gelangte es in den Besitz der Kathedrale 
von Sitten ; wann und unter welchen Umständen ist völlig unaufgeklärt. 
Daß es aber in Sitten wirklich gebraucht und benützt wurde, das bezeugen 
die verschiedenen Variationen, « secundum usum cathedralis ecclesie Sedu- 
nensis», die jeweilen im Kalendarium oder am Rande des Missales ebenfalls 
m gotischer Minuskelschrift angebracht sind. Auf den beiden Seiten des 
vorletzten Blattes, das nicht paginiert ist, stehen die Namen sämtlicher 
Wohltäter, die für das Meßbuch Gaben und Schenkungen gemacht haben. 
Alle diese Eintragungen stammen von der Hand des Schreibers des Buches, 
des Jorius Jöch von Augusta und haben folgenden Wortlaut: 

Nota: isti sequentessuntbenefactores et fundatoresillius libri ad altarc 
pmnarie in honore sancte Barbarc virginis et martyris in ecclesia Duarutn 
Semtnarum. 

Dominus Rudolffus Sunggi, tune temporis curatus ibidem, dedit unum 
florenum. 

Dominus Johannes Quentzer, primissarius tune temporis, dedit unum 
florenum. 

Petrus Rosz et uxor ejus Verena, tune temporis castalanus, dt. 2 flor. 

Jorius Joech de Augusta, qui scripsit librum. 

Stephanus Schertz et uxor dt. 10 solidos. 

Anthio Zeller et uxor dt. 1 flor. 


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t 

t 
♦ 

» 

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& 

Petrus Pfleger et uxor dt. 5 solid. 

! Petrus Uoschi et uxor dt. 2 libros. 

# 

‘ Cristannus Linder et uxor dt. 1 flor. 

Petrus Steiger dt. 1 flor. 

Petrus Metteller et uxor dt. 1 flor. 

Rudolflus Metteller et uxor dt. 1 flor. 

Petrus Metteller , antiquus, et uxor dt. 5 solid. 

Janno Egerder dt. 1 flor. 

Rudolflus Haiwer, pistor, dt. 1 lib. 

Haintzmannus Schoenin et uxor dt. l / 2 flor. 

Rudolflus Pfleger et uxor dt. ]/ 2 flor. 

• Petrus Schoeni dt. 10 sol. 

Rudolflus Gratschi et uxor dt. 5 sol. 

Johannes Schmid et uxor dt. 10 sol. 

Johannes de Fonte , junior, et uxor dt. 1 lib. 

Johannes de Fonte , senior, et uxor dt. y 2 flor. 

Nycolaus Uti et uxor dt. 2 pli. 

Johannes Prenno, Johannes Schoeni , filiaster et uxores eorum dt. 15 sol. 
Johannes Ger hart et uxor dt. 2. 

Petrus Janssi et uxor dt. 5 sol. 

Johannes Gisen et uxor dt. 10 sol. 

Petrus Grider dt. 5 sol. 

Nycolaus Plutti et uxor dt. 10 sol. 

Ulricus Schmid dt. 5 sol. 

Nycolaus IVansidel pfistalator et uxor dt. 1 pli. 

Nycolaus Schmaltz et uxor dt. 2. 

Luduvicus Türlin de Ulm dt. 5 sol. 

Andreas Roesti dt. 10 sol. 

Anthonius Jaggi et uxor dt. y 2 flor. 

Uxor Johannis Egerders dt. y 2 flor. 

Johannes Egerder et uxor dt. 10 sol. 

Ulricus Koli et uxor dt. 6 pli. 

Jodocus Mertz et uxor dt. 10 sol. 

Johannes Kurtz et uxor dt. 5 sol. 

Cecilia dt. 1 pli. 

Johannes Schüro, pistor iunior, dt. 5 sol. 

Petrus Am Tüll, senior et uxor dt. 10 sol. 

Verena, uxor Christanni de Fonte , dt. 1 pli. 

Christannus Santzi senior dt. 1 pli. 

Anthonius Santzi et uxor dt. 1 flor. 

Item Gassara et filia dt. 2 pli. 

Magister Johannes Fry , faber et famula dt. 2 pli. 

Petrus Jaggi im Richenstin et uxor dt. 1 lib. 

Rudolflus Salmpschi et uxor dt. 10 pli. 

Kropflina im Richenstin dt. 13 sol. 

Johannes Maienschin et uxor dt. 5 sol. 

Johannes Wernli pater et mater et uxor dt. 10 pli. 


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Verena Schlaiffina, dt. 5 sol. 

Petrus Am Tüll, iunior et uxor dt. 1 lib. 

Johannes Schober, calciator, et uxor dt. 10 sol. 

Johannes Betelried et uxor dt. 6 pli. 

Anna Eggen dt. 5 sol. 

Johannes Schertz et uxor dt. 10 sol. 

Johannes Ginggo et uxor dt. 10 sol. 

Petrus Ginggo et uxor dt. 10 sol. 

Jacobus Rober et uxor dt. 5 sol. 

Christannus Hartzin et uxor dt. 5 sol. 

Christannus Minnig dt. 5 sol. 

Christannus Barcli et uxor det. 5 sol. 

Nycolaus de Fonte et uxor dt. 5 sol. 

Johannes Renner et uxor dt. 5 sol. 

Rudolffus Kropflin, mater et uxor dt. 5 sol. 

Anna Partenoerin de Premgarten 2 pli. 

Anthonius Leostein et uxor dt. 10 sol. 

Magdalena usz dem Rintal 1 pli. 

Peter Greden et uxor 1 pli. 

Peter Mesching von Petelried 10 sol. 

Uelli Harschy et uxor dt. 5 sol. 

Christan Eggen et uxor dt. 5 sol. 

Hensli Bürgi et uxor dt. 1 flor. 

Hensli Loeginer et uxor dt. 10 sol. 

Ruff Müller, senior, et uxor dt. 10 sol. 

Der faist Janno et uxor dt. 10 sol. 

Peter Leostein et uxor dt. 5 sol. 

Uelli Stöcker et uxor dt. 10 sol. 

Peter Uti et uxor dt. 10 sol. 

Peter Meschin ze Oberriedt 5 sol. 

[Von späterer Hand hinzugefügt] : Verena, uxor Steffani Schertz dt. 
1 gülden. 


Anno domini millesimo quadragentesimo septuagesimo completus est 
über iste in die S. Anne, matris beate Marie virginis (26. Julii), per manus 
Jtoru Joech de Augusta. D. Imesch. 


Hat Zwingli die ältesten Pfarrbücher eingeführt ? 

In * Zwingliana y> I, 86 ff. (1899), lesen wir, es scheine, daß die Pfarr- 
tächer «als geordnete Institution durch die Reformation, und zwar durch 
Zwingli, eingeführt worden seien. » Diese Angabe steht einigermaßen im 
Widerspruch mit der Tatsache, daß uns die älteste, uns bekannte Verord- 


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i 


156 — 

nung über Führung von Taufbüchern begegnet in den DiözesanstatuU* dts 
Konstanzer Bischofs Friedrich II. von Zollern vom Jahre 1435. * 

« Fridericus , electus, confirmatus Constanciensis. — Quia, sicut dkü- v 
cimus, sepe propter defectus probacionum cognacionum spiritualium pen- [ 
cula consurgunt animarum, eo, quod ad invicem matrimonii sacramento { 
constrictis interdum cognacionum spiritualium obstant impedimenta, qae 
difficulter vel aliquando vix vel non probari possunt, huiusmodi periculo 
cupientes quoad nobis subiectos obviare, decernimus et hoc statuto perpetuo ; 
servari precipimus, ut ecclesiarum per civitatem et diocesim nostras ree- | 
tores, plebani, viceplebani et singuli curati in baptizando putros subditorum 
suorum levancium , collevancium et baptizati nomina in registro cvnmuni, 
quod in sua ecclesia habeant, et conscribant et testes quam plures assumant 

-» 1 — Von Kosten ist da auch keine Rede und « das Mittelalter hatte 

den Gedanken der Gleichheit» somit schon vor Magister Ulrich Zwingli! 1 

Konrad Kuni. 


MelHnger Spenden für kirchliche Zwecke 

von 1744-1759. 


«Dato den 27. Februarii 1744- ist M. G. H. das Schreiben von 

den wohlehrwürdigen Veteren Capuciner abgelesen worden, worinnen selbe 
wegen Canonizaiion (!) des seligen Märtyrers Fidelis umb ein heiliges 
Almuosen demüötig anhalten. Erkent: Man solle das Schreiben Hm. 
Decan 3 übersenden, das er selbes offendlich in der Kirchen verkündigen 
soll, und alsden solle man durch zwei Herren ein Steür einsammlen lassen. * * 


1 Hdschr. Zurzach 189 im Staatsarchiv Aarau ; Regest, der Bischöfe von I 
Konstanz, III. Bd., Nr. 9662 ; Karl Brehm, Diözcs.-Archiv von Schwaben, I 9 W* j 
— Darnach sind zu berichtigen : Binterim, Denkwürdigkeiten, I. Bd., S. 185. 
und Mayer, Geschichte des Bistums Chur, I., 514, die erst aus dem Jahre 149 > j 
eine solche Bestimmung erwähnen. ! 

* vgl. Zwingliana. I. 87 und 89. * j 

8 Christian Andermatt, Sohn des Strählmachers Johann Philipp und der J 
Barbara Dossenbach, von und hinter der Kirche in Baar, wurde geboren den J 
7. Christmonat 1678, studierte am Borromäum in Mailand, besaß zuerst die 
Schulpfründe seiner Heimat, war vom 30. Juni 1708 bis zum 26. Hornung 175 - 
wo er starb, Pfarrer in Mellingen, Scxtar vor 1730, Kämmerer 1733, vom Bischof 
ernannter Dekan 1741 bis 1750, wo er als solcher resignierte (Geschichtsbl. Baarl., 
wo irrig ist. daß er in Mellingen die Pfarrbüchcr begonnen habe, die von Dr. ; 

Singisen 1619 angefangen wurden; Geschichtsbl. M. 10; Pfarrei Verzeichnis M., j 
Ratsprot. M. Fasz. 8. 9, 10, 16 und 17 ; Meng, Landkap. Mellingen, 33. 35 - 37 | 
und 74 ; eine möglichst ausführliche Lebensbeschreibung Andermatts besitze 
ich handschriftlich; vgl.« Die Stadtpfarrer von Mellingen» Nr. 54; noch onttf 
der Presse). 

4 Ratsprot. 10, 117 f. I 


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— Das nicht bekannte, wohl gute Ergebnis dieser Sammlung verdankte 
der damalige Provinzial Anton Maria Keller von Luzern am 23. März 
darauf in einem warmen Dankschreiben. 1 

« Ao. 1748, den 18. April, hat M. G. H. Ambtschultheiss Georg Niclaus 
Müller den ordinari Rat versammlen lassen und hat .... vorgetragen, 
das .... Hr. Decan, Pfarrherr allhier, ihme ein Patent von Jhro bischöf¬ 
lichen Gnaden zu Constantz überbracht, kraft welcher ( 1 ) Patent alle 
•christcatholische Seelen angemahnt und ersucht werden, ein Beisteür 
denen catholischen Christen, welche in Berlin, in Prüssen, sässhaft und 
aldorten von Jhro Königl. Prüssischen Majestet die Gnad, eine catholische 
Kirch, Schuol und Spital auf zubau wen, erhalten, die aber diss so grosse 
und gute Werk aus Abgang der Mitlen nicht bewerkstelligen können, ein 
jeder nach seinem Vermögen zu tuen. Als ist hierüber abgeraten und 
erkant, dass Hr. Schaffner Schwendiman und Hr. Schützenhaubtman 
Hümbelin mit einer Büchs von Haus zu Haus dise Beisteür einsamlen 
und hernach das Eingesamlete dem Hrn. Decan solle überbracht werden, 
damit solches an sein behörig Ort möge gesendet werden. » 2 Der Erfolg 
ist ebenfalls unbekannt. 

« Vor Ordinari Rat, den 24. Augst 1759 .... Dato ist auch in Vortrag 
kommen, dass die P. P. Capuciner 8 wegen ihrem Closterbauw umb ein 
Beisteür anhalten. Ist erkänt, dass aus dem Stattseckel solle geben werden 
100 Pfd., und aus denen Bruderschaften 50 Pfd. ; macht zusammen 
150 Pfd. » 4 Konrad Kunz. 


Reliquien des hl. Fridolin. 

Die kaiserlichen Gesandten an der Tagsatzung von Bern, Ulrich von 
Habsberg, Vogt zu Rheinfelden, und Dr. Wilhelm von Reichenbach, 
kaiserlicher Rat, berichten u. a. am 6. Mai 1515 aus Bern in einem Schreiben 
an Maximilian (Statthalterei-Archiv Innsbruck, Maximiliana I, 44) fol¬ 
gendes : 

« Die Aidgnossen haben mit uns der von Glariss wegen geredt und uns 
anzaigt, wie sy sogar vergebens verritten sein, mit vleissiger bitte, das 

1 Keller war Provinzial von 1735-1738 (irrig : von 1737, in Chronic. Prov., 
S. 513) und dann vom 15. September 1741 bis zum 18. September 1744 (gefällige 
Mitteilung von H. H. P. Anastasius, Archivar in Luzern) ; Schreiben im Stadt¬ 
archiv Mellingen, Fasz. 81, 1 ; auf der Rückseite des Briefumschlages ein 
Papiersiegel mit Madonna auf der Sichel mit Kind (Provinzsicgel). 

* Ratsprot. 10, 240. 

* Wohl von Bremgarten, wo eine Vergrößerung des Klosters vorgenommen 
werden mochte. 

4 Ratsprot. 10, 552. 


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- i 5 8 - 

Ew. Kais. Maj 1 noch welle inen ain stuck des heilthumbs Sand Fridlms 
gnediglichen verschaffen zu geben, inmassen inen Ew. Maj 1 zuthun jungst 
zu Innsprugg zugesagt. Darauf haben wir sy bericht, welcher gestalt ich, 
Wilhelm von Reichenpach, mit denen von Glariss auf Ew. Maj 1 schreiben 
gehandelt und was abschieds wir gemacht, das ich dann alles Ew. Maj 1 
zugeschriben, ungezweifelt, Ew. kais. Maj 1 werde sich darinnen gehn und 
furderlich entsliessen. Und ist unser vleissig bitt, Ew. Kais. Maj 1 welle 
die von Glaris gnediglichen befolhen haben. » A. Bücki. 



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REZENSIONEN — COMPTES RENDUS 


Holdryoh Zwingli* Briefe, übersetzt von Oskar Farner. Erster Band, 
1512-1523. Zürich, Rascher, 1918, xi u. 255 S. 8°. 6 Fr. 50 geb. 

Farner veranstaltet eine Ausgabe der sämtlichen Briefe Zwinglis in 
fließender deutscher Übersetzung mit sachlichen kurzen Einleitungen, die 
trefflich über die im Texte genannten Personen orientieren, sowie ein 
Personenregister, das umso verdienstlicher ist, als die Neuausgabe des 
Briefwechsels Zwinglis in den bis jetzt erschienenen Bänden eines solchen 
entbehrt. Der vorliegende Band enthält 76 Briefe aus den Jahren 1512 
bis 1523 an die verschiedensten Adressaten, die in einem besondem Register 
hätten zusammengefaßt werden dürfen. Von allem wissenschaftlichen 
Apparate, der sich in der Originalausgabe in wünschbarer Vollständigkeit 
vorfindet, ist hier mit Recht abgesehen worden. Petrus Gebwiler (S. 29) 
ist wohl eher mit dem Kleriker dieses Namens, Sohn des Kaspar und 
Familiaris des Kardinals Schiner zu identifizieren (s. Schiner-Korresp. 
Bd. I, Basel 1920) als mit dem Sohne des Hieronymus und späteren Land¬ 
schreiber von Röteln. A. Bücht. 

Johanne* Dierauer, Geschichte der Schweiaerischen Eidgenossenschaft - 

Erster Band bis 1415. 3. Auflage. Gotha, Perthes 1919, xxm und 543 S. 
14 Mark. 

Diese trefflichste aller Schweizergeschichten erlebt nun bereits die 
dritte Auflage, nachdem sie schon vorher auch ins Französische über¬ 
setzt wurde. Überall zeigt sich die bessernde Hand des Verfassers, 
der sorgfältigst die neue Literatur berücksichtigt hat, so auch in Bezug 
auf die wenigen unsere Kirchengeschichte berührenden Kapitel. So ist 
über die Frage der Thebäer (S. 16) alles Neue gewissenhaft registriert, 
desgleichen die mit der Einführung des Christentums in der Schweiz zu¬ 
sammenhängenden Legenden, wobei er im allgemeinen stets einen zu 
radikalen Standpunkt gegenüber der legendarischen Überlieferung ein¬ 
nimmt. Daß gegenüber dem Aufsatz Vetters über S. Otmar (S. 44, A. 15) 
einige Reserve angezeigt ist, geht hervor aus der Polemik Scheiwillers 
dagegen in dieser Zeitschrift (Bd. XIII.). Wir können uns freuen, dieses 
treffliche Handbuch in neuer, ganz auf der Höhe der modernsten Forschung 
stehender Gestalt zu besitzen und wünschen dem immer noch rüstigen, 
aber bereits hochbetagten Verfasser, daß es ihm noch vergönnt sei, auch 
die übrigen vier Bände noch in neuer Auflage herauszugeben. 

A. Bücht. 


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— i6o — 

Weinmann Karl, Das Konzil von Trient and die Kirohenmnsik. Eine 
historisch-kritische Untersuchung. Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1919. 
155 Seiten. 

Eine verdienstliche Schrift, die emsig alles zusammenträgt und kritisch 
verarbeitet, was über den Gegenstand bisher veröffentlicht war und mancher¬ 
lei Neues hinzufügt. Mehrere Irrtümer sind berichtigt und die Vorgänge 
auf und nach dem Konzil, wie auch die damaligen kirchenmusikalischen 
Verhältnisse nach allen Richtungen quellengemäß dargelegt. Umfang 
reiche Zitate auch aus der leicht zugänglichen Literatur und einige Weit¬ 
schweifigkeiten erklären sich wohl aus dem Bestreben, den Stoff zu er¬ 
schöpfen. 

Als wichtige Ergebnisse seien hier hervorgehoben : mit einer Reform 
des Chorals hat sich das Konzil nicht befaßt; Kaiser Ferdinand I. ist nicht 
für Beibehaltung des polyphonen Kirchengesanges eingetreten, sondern 
machte Vorschläge für eine Kürzung des Offiziums und den Gebrauch der 
Landessprachen bei liturgischen Anlässen; als besondere Gönner der 
Kirchenmusik erwiesen sich die spanischen Prälaten; die päpstlichen 
Sänger waren über die Kardinalskommission, welche die Konzilsbeschlüsse 
auszuführen hatte, nicht sonderlich erbaut; manche wurden gezwungen, 
ihr Privatleben mit den christlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen 
oder wurden aus der Kapelle ausgeschlossen; die kirchenmusikalische 
Hauptforderung der Prälaten ging auf die Verständlichkeit des liturgischen 
Textes, der vielfach unter technischen Kunststücken verschwand, ins¬ 
besondere war die Praxis des Diminuierens, des Verzierens der Kompo 
sitionen mit Figuren und Läufen, Gegenstand des Tadels ; die « Rettung 
der Kirchenmusik » durch Palestrina endlich un 4 seine Missa Papae Mai- 
celli hat als einzigen historischen Hintergrund die Tatsache, daß Papst 
Marcellus II. am Karfreitag 1555 den päpstlichen Sängern wegen unge¬ 
ziemender Behandlung des lateinischen Textes einen scharfen Tadel aus¬ 
sprach und daß Palestrina aller Wahrscheinlichkeit nach durch dieses 
Ereignis bewogen wurde, eine Messe, die dem Reformprogramm des 
Pap>stes und der Kardinäle entsprach, dem Andenken des um die Reinheit 
der Kirchenmusik so besorgten Papstes Marcellus zu widmen. Um diese 
einfachen Dinge hat dann namentlich die Zeit der Romantik allerlei Fabeln 
herumgedichtet, die bis zur Stunde die Literatur über den Gegenstand 
ausgefüllt haben. P. Wagner. 




Fribourg (Suisse). — Imprimerie Saint-Paul. 


\ 


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Hans von Matt & Co., Verlag, Stans. 


Dr. Joseph Hürbin 

Handbuch der Schweizergeschichte. 

{ -3 Bände, • 

In eleganter Original-Leinwanddecke 

(nach berühmten Holzschnittblättern entworfen). 

Preis Fr. 26.40 ' 

. In der « Schweizerischen Rundschau » schreibt Universitäts-Professor 
:) r Dr. Büchi von Freiburg über Hürbins Handbuch der Schweizergeschichte . 
): * Wir haben nun ein Buch für alle gebildeten Katholiken jeden Standes, das 
■ einem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten 
katholischen Familie fehlen sollte. An wissenschaftlichem Gehalt und 
'. gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der 
Schweizergeschichte nicht zu scheuen. Es unterscheidet sich von den bis- 
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur¬ 
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen 
: Werke erreicht, geschweige übertroffen 

Dr. Joh. Georg Mayer 

Geschichte des Bistums Chur. 




I 


► 



Mit zahlreichen Konstbeilagen und Textil!tutrationen. 


2 Bände in eleg. Originalleinwanddecken mit Goldprägung. Preis Fr. 37.80. 

Der Verfasser hat bereits durch eine ganze Reihe wertvoller geschichtlicher 
Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen 
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk, gewisser¬ 
maßen seine Lebensarbeit vor. Sic bietet sehr viel Neues, noch ganj Unbekanntes, 
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, gans original. — Für alle 
Freunde vaterländischer Geschichte bietet das Werk reiches Interesse : für die 
Qeechiohte Graubündens und der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine 
Menge wertvoller Bausteine. Kirchengeschichtlioh ist es eine der bedeutungs¬ 
vollsten unter den bisher erschienenen schweizerischen Publikationen. 


DIE ERRICHTUNG DES BISTUMS ST. GALLEN 

Von Dr. Frid. GSCHWEND 


: Gr. 8\ In 2 Abteilungen broschiert. Preis 9 Fr. 

> Was Dr. Gschwend in diesem Interessant und flüssig: geschriebenen Werke bietet, Ist weit 
mehr als der Titel vermuten Hast. Er gibt eine akicnmilsstg belebte Geschichte der Aufhebung des 
altbcrühmten Klosters St. Gallen.der Gründungdcs Kantons St. Gallen und der st. gallischen Politik in 
'. Jen ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und darnut basierend und damit vermochten die 

* Geschichte des Doppclbistums Chur-St.Gallen u. d. kirchl. Errichtung des neuen Bistums St. Gallen. 

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i 



Rittor Molnhinr 1 l looi von imenwWeD, seine Beziehungen zu Italien 
nilltJI IVIt/IUIIUI LUool und sein Anleil an der Gegenreformation. 

Von Dr. Richard FELLER. 

2 Bände 8 *. 247 und i55 Seiten. — Broschiert PreiH O Fr. 25. 

m Dr. Feiler bietet uns hier ein Buch von bleibendem Werte, ein Charaktcruemaldc. zugleich 
tln Zeitbild, für das wir ihm aufrichtigen Dank schulden. Kein anderer Schweizer jener Zeit hat 
sich um die Wiederbelebung; des Katholizismus In unserem Vaterlande s«> verdient gemacht 
wie Ritter Melchior Lussi. In überaus anziehender, geistreicher, oft geradezu spannender Darstel¬ 
lung weiss Dr. Feiler den Leser für seinen Helden zu interessieren >». „schweizer, kirrbfniriiuinj**. 



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l 







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HANS von MATT & C ,e , Antiquariat in Stans 

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offerieren nachstehende hervorragende Werke zur schweizerischen Kirchen-* 

geschichte z" den beigesetzten ermäßigten Preisen : 




Archiv für schweizerische Reformationsgeschichte. 3 Bäm 

Solothurn 1808-76. Lex. 8° (statt 60.—) 27.50 

BÜChi, Dr. A. Die katholische Kirche in der Schweiz. Mit 93 lUustrl 
Stans 190a. Lex. 8°. Gebunden 4.50 

Freiburger Diözesan-Archiv. Zeitschrift für Geschichte, christliche 
Kunst, Altertumskunde des Erzbistums Freiburg i. Breisgau, mit Berück* 
sichtigung der angrenzenden Bistümer, 1.-37. Bd. nebst Generalregister* 
Freiburg 1865-1909. 16 Bde. in Orig. Hfbdn. Rest broschiert 

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Gatrlo, A. Die Abtei Murbach im'Elsaß. 2 Bde. Straßburg 1895 

(statt 20.—) 9.50 

Gelpke, E. F. Kirchengeschichte der Schweiz. 2 Bände. Berh i8S6-6t. 
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1.-70. Band und 4 Registerbände. Einsiedeln u. Stans 1843-1915. 

37 Bände gebunden. Rest broschiert. (statt 53 q.—) 236.— 

Lütoif, A. Die Glaubensboten der Schweiz vor St. Gallus. Luz.1871. 

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Nüscheler, Dr. A. Die Gotteshäuser der Schweiz : Bistum Konstanz 2 
Archidiakonat Aargau und Dekanat Willisau, Sursee und Kapitel Hochdorfi 

10 Hefte. Einsiedeln 1884-1906. Separat-Abdrücke 12.50 

Ringholz, O. Geschichte des Benediktinerstiftes Einsiedeln. I. Band, 
vielen Illustrationen. Einsiedeln 1904. Lex. 8° Gebunden in Leder. 

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Scheuber, Dr. J. Die mittelalterlichen Chorstühle in der Schweix. 

11 Lichtdrucktafeln. Straßburg 1910 (statt 8.—) 5.75 

Katholische Schwelzerblätter. 1 . und II. Reihe. 33 Bände. 

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Steimer, R. Die päpstlichen Gesandten in der Schweiz von 1073-1873. Mit, 

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Vautrey, Mgr. Histoire des eveques de Bäle. Avec chromos, nombreuse* 
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Kirchengeschichte und Sclrweizergeschichte gratis und franko. 


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I Zeitschrift 

für 

Schweizerische Kirchengeschichte. 

Revue d’Histoire Ecclesiastique Suisse. 

% _ • 

©e® 


HERAUSQEQBBEN VON 


PUBLIEE PAR 


Albert BÜCH! und Joh. Peter KIRSCH 

o. ö. Professoren^an der Universität Freiburg (Schweiz). 

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XIV. JAHRGANG. 111. HEFT 


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Erscheint viermal jährlich. — Parait quatre fois par an. 




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Abonnemenlspreis : 8 Tr. — Prix de l’abonnement : 8 Tr. 


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Stans 1920 . 

Hans von Matt & C u Verlagshandlung. 


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Inhaltsverzeichnis 


Sommaire 


K. Steiger. — Kirchen- und Staatsetat eines schweizerischen geistlichen 

Fürstentums. .161 

Dom Albert Conrtray. — Documents supplementäres du Catalogue des 

Chartreux d’Ittingen.17t 

Joseph Malier. — Karl Borromeo und das Stift St. Gallen (Fortsetzung) 190 
Fridolin Segmüller. — So macht man Geschichte (Schlu6) . . . ar 

Kleinere Beiträge. — Mdlanges . 329 ? 

Rezensionen. — Oomptes rendus.. . a3fc 


GRÖSSERE BEITRÄGE. 
welche für die nächsten Nummern 
in Aussicht genommen wurden. 


TRAVAUX 
que la Revue publiera 
prochainement. 


I 

Ant. von Castelmnr, Die Rheinauer Handschrift der Vita S. Sigisberti. —* 
R. Hoppeier, Das Subsidium charitativum vom Jahre i5oo. — Hermann 
HÜffer, Die geistlichen Herrschaftsgebiete in Welschburgund unter der Herr-, 
schaft der Zähringer. — L. Kern, L’incorporation des couvents de femmes dans 
TOrdre de Citeaux. — Konrad Kunz, Die Synodalstatuten des Bischofs Fried-, 
rieh II. von Konstanz vom Jahre 1436. — Aloys Müller, Abt Peter II. (Schmidr, 
von Wcitingen (i5y4-iG33). — P. Fridolin Segmüller, Marianus Herzog — 

0 

Prof. Dr. Arnold Winkler, Der Tessiner Kirchenstreit, 1K45-1847. 


N.-B. — Alle für die Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte bestimmten 
Rezensionsexemplare sind an die Redaktion Freiburg zu adressieren. — 
Tous les ouvrages destines ä reccvoir un compte rendu dans la Rerut 
d'Uistnirc ceclesiaslique suissc doivent ctre envov^s directement ä la Redaction, 
Fribourg. 


Die Zeitschrift 


LA REVUE 


/';>• Schwei ;ensche Kirchengeschichte d’mSTOIRE ECCLES1ASTIQUE SL’ISSE 
erscheint 4 .Wal jährlich. paralt par fasneulos trunestripK 


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Kirchen- und Staatsetat 
eines schweizerischen geistlichen 

Fürstentums. 


Von K. STEIGER, St. Gallen. 


Bekanntlich geben die Regierungsbehörden einer Reihe schweize¬ 
rischer Kantone alljährlich unter dem Namen Staatsetat oder Staats¬ 
blonder einen Personalbestand ihrer Verwaltungsorgane, zum Teil mit 
angeschlossenem Verzeichnis des Seelsorgeklerus, heraus, aus welchem 
jeder Bürger sich orientieren kann über die öffentlichen Funktionäre, 
mit denen er gegebenenfalls in Verkehr zu treten hat. Es dürfte nun 
nicht uninteressant sein, eine ähnliche Aufstellung kennen zu lernen 
aus jenem ehemaligen geistlichen Fürstentum, das in seiner Art eines 
der bedeutendsten war innerhalb und außerhalb des alt-eidgenössischen 
Gebietes, und aus dessen Bestandteilen zum großen Teil dann der 
heutige Kanton St. Gallen erwachsen ist. Dieses Fürstentum ist die 
Abtei St. Gallen. Es besaß dieselbe, wie bekannt, das volle Souveräni¬ 
tätsrecht über die sog. St. Gallische Alte Landschaft und die vormalige 
Grafschaft Toggenburg, sowie gewisse Hoheitsrechte im Rheintal und 
in einigen, heute thurgauischen Gemeinden, weshalb auch jeweils ein 
neugewählter Fürstabt che feierliche Huldigung dieser seiner Unter¬ 
tanen entgegennahm. Dies letztere geschah beispielsweise im Jahre 
1655, v om 14. bis 22. Januar, an folgenden Orten, in welche der neue 
Fürst, begleitet von den geistlichen und weltlichen Spitzen seines Hofes, 
in feierlichem Aufritte sich begab : in Oberriet, Altstätten, Marbach, 
Balgach. Bernang, St. Margrethen, Rorschach, Lömmischwil, Gossau, 
Wil und Wattwil (allwo meistenorts «Ihro Hochfürstliche Gnaden mit 
stückhlinen und doppelhaggen eingeschossen worden »). Es repräsen¬ 
tierten die an vorgenannten Orten huldigenden Männer eine Bevölkerung 
von gegen 100,000 Seelen, über welche der Fürst als quasi-episcopus 

REVUE D’UISTOIRE EGCLESIASTlyUfc 1t 


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» 


I 


I 


I 


— IÖ2 — 

zugleich die bischöflichen Ordinariatsrechte ausübte. Die geistliche und 
weltliche Leitung eines solch ausgedehnten Gebietes erforderte natürlich 
eine bedeutende Anzahl von Funktionären. Es möge nun hier ein Ver¬ 
zeichnis derselben, wie es Band 196 des St. Gallischen Stiftsarchnes 
vom Jahre 1654, dem Todesjahr des Fürstabtes Pius Reher, lateinisch 
anführt, folgen, wobei nicht weniger als die betreffenden Amtsbezeich¬ 
nungen auch die Namen selber Interesse finden dürften. 


* * 
* 


Der hochwürdigste und erlauchteste Herr Pius Reher, von HVin- 
garten, Abt des fürstlichen Stiftes St. Gallen, sowie des Klosters St. Jokonn 
im Thurtale, Fürst des Hl. Römischen Reiches, Graf im Toggenburg etc. 

A. Bestand des Konventes. 


Die hochwQrdigen Herren : 

Herr Gallus Alt von Oberriet, Doktor des kanonischen Rechus 
und Dekan des Klosters St. Gallen. 

Herr Athanasius Gugger von Bernang, Subprior und Professor 
der Theologie. 

Bernhard Hartmann von Tablat, Senior und Statthalter des hoch¬ 
würdigsten Fürsten in der Stadt Wyl im Thurgau. 

Ambrosius Nägelin von Rapperswil, Vorsitzender des Konsisto¬ 
riums. 

Benedikt Lutzcnberger von Kirchheim, Büchcreinbinder. 

Beatus Keller von Schlaithcim, Stiftskustos, Pfarrer und ordent¬ 
licher Beichtvater. 

Modestus Spieß von Altdorff oder Weingarten, Lizentiat d«r 
Theologie und wiederholt Professor dieser Disziplin, z. Z. Prior und 
Statthalter des Seminars Mariaberg zu Rorschach, sowie Beichtiger 
der Klosterfrauen zu St. Scholastika daselbst. 

Laurenz Egger von Tablat, verdienter Exdekan, z. Z. Visitator 
der Frauenklöster in der Stiftslandschaft. 

Matthäus Klump von Freiburg im Breisgau, Vize-Offizial. 

Bernhardin Bai er von Rorschach, Prediger und Schulrektor. 

Othmar Keßler von Gambs, Unterstatthalter zu Wyl. 

Karl Gründer von Appenzell, Pfarrer zu Hemberg. 


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— 163 — 

Chrysoslotnus Stipplin von Biberach, Registrator, Musikpräfekt 
und apostolischer Notar, Sekretär des löbl. Konventes St. Gallen, sowie 
des Konsistoriums. 

Bonifaz Feurer von Tablat, Leiter der Buchdruckerei, Beichtiger 
im Frauenkloster zu St. Georgen und Kaplan an der Kapelle der seligen 
Wiborada daselbst. 

Plazidus Bridler von Bischofszcll, Doktor des kanonischen Rechtes 
und Professor dieser Disziplin zu St. Gallen und Salzburg, vertrauter 
Rat des dortigen Fürsterzbischofs, z. Z. Beichtiger der Klosterfrauen 
zu Notkersegg und ordentlicher Kaplan derselben. 

Dominik Karrer von Tablat, Großkellner des Konvents und 
Gartenmeister. 

Marzeil Leemann von Gossau, Schulrektor zu Rorschach. 

Viktor Reding von Schwyz, Statthalter zu St. Gallen. 

Iso Pfaw von Ueberlingen, Unterkantor. 

Gerald Nidermann von Jonschwil, erster Zeremonienmeister. 

Tutilo Gebel von Rottwil, Doktor des kanonischen Rechtes, Sub- 
prior zu St. Johann. 

Hermann Huttier von Mindelheim, Pfarrer zu Peterzell. 

Burkard Zwenger von Fulda, Pfarrer zu Neßlau und Krummenau. 

Andreas Hofmann von Rorschach, Pfarrer zu Alt-St. Johann. 

Jakob von Tschernemol aus Hessen, Professor der Humaniora zu 
Rurschach. 

Bartholomäus Tschudi von-Glarus, Bibliothekar. 

Thomas Niederist von Schwyz, Pfarrer zu Wildhaus. 

Simon uonFret&MrgausVillingen, Statthalter zu Ebringen im Breisgau. 

Mathias Roth von Schreckenstein. 

Maurus Erler von Schwyz, Prior und Statthalter zu Neu-Sankt 
Johann. 

Joseph Gastei, Gewandmeister und Küchenmeister. 

Joachim Müller von Wyl, Kellermeister zu Neu-St. Johann. 

Johann Baptist Harder von Konstanz, zweiter Zeremonienmeister. 

Honorat Keller von Uberlingen, Doktor des kanonischen Rechtes. 

Martin von Oberhausen, Doktor des kanonischen Rechtes, zweiter 
Schulrektor zu Rorschach. 

Ulrich Aichheim von Neuravensburg. 

Niklaus Grob aus Toggenburg, Pfarrer zum Stain. 

Konrad Holzapffel, Doktor des kanonischen Rechtes, z. Z. Prior 
im Kloster Ettenheimmünster im Elsaß, 


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— 164 — 

Maurus Heidelberger von Wyl. 

Kolumban von Andlaw. 

Meinrad von Baden. 

Anselm Mayer von Hirtzbach. 

Gregor Werlin von Langenargen, Kaplan in Ebringen. 
Lukas Graw aus Elsaß, Pfarrer in Ebringen. 

Magnus Egger von Tablat. 

Anton von Beroldingen aus Uri. 

Theodor Wirth von Lichtensteig. 


B. Der Sflkularklerus des Stiftsgebletes. 

a) Im Landshofmeisteramt: 

Die hochwürdigen Herren : Plazidus Mailin, Doktor cler Theologi* 
und Koadjutor der Kirche zu St. Georgen. 

Georg Härtsch, Koadjutor der Kirche.zu St. Fiden. 

Ignaz Franz Rai ff von Freiburg, Kaplan der Muttergottesplrüii * 
und der Kapelle St. Peter und Paul innert dem Kloster. 

Franz Wirth von Lichtensteig, Kaplan der Kirche St. Martin in 
Brüggen und der Kapellen St. Wolfgang auf dem Haggen und St. Barbirj 
auf dem Breitfeld. 

Andreas Suter von Zug, Koadjutor der Kirche St. Ulrich in Kap¬ 
pelen (heute Wittenbach). 

Johannes Mangwilcr von Unterwalden, Pfarrer zu Berg. 

Sebastian Obcrlicffcr von Luzern, Pfarrer zu Bemhardzell. 

Joh. Jakob Künniger von Konstanz, Pfarrer zu Hagenwil. 

Georg Lütbrant, Pfarrer zu Summeri. 

Franz Wirth von Lichtensteig, Kaplan an den Kapellen L'nstr-' 
lieben Frauen, des hl. Gallus und der hl. Katharina innert den Mau<n- 
des Klosters, sowie der heiligen Petrus und Paulus auf Rotmonten. 

b) im Wyleramte : 

Joh. Ludwig Gcrschwilcr von Wyl, Pfarrer der Kirchen St.P^ : - r 
und St. Niklaus daselbst. 

Olhmar Keßler, Kaplan der St. Galluskapelle, der Kappeln d ,; 
heiligsten Dreifaltigkeit und des hl. Jakobus auf dem Hofe zu 


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— 165 — 

Beichtiger im Frauenkloster St. Katharina daselbst und Kaplan des 
Oratoriums des hl. Dominikus, sowie Pfarrer zu Welffensberg. 

Johann Müller von Appenzell, Kaplan der neuen Kaplanei und 
der Kapelle auf Gerttensberg. 

Johann Jakob Grübler von Wyl, Kaplan zu Dreibrunnen. 

Joh. Kaspar Leder gerb von Wyl, Kaplan in Ziberwangen. 

Johannes Villinger von Luzern, Spital- und Siechenhauskaplan. 
Kaspar Andermatt von Zug, Pfarrer zu Rickenbach. 

Joh. Michael Wied von Engen, Pfarrer zu Amtzell-Heiligkreuz. 
Franz Kreuel von Zug, Pfarrer zu Helffenswil-Linggenwil, und 
Kaplan der Kapellen im Schloß und im Dorf Zuckenriedt. 

Balthassar Blösch, Pfarrer zu Oberbüren. 

Martin Gartenhuser von Appenzell, Pfarrer zu Niederbüren. 

N. N. (Name fehlt), Pfarrer zu Wuppenau und Kaplan der Kapellen 
zu Wilen und auf dem Nollenberg. 

c) in der Grafschaft Toggenburg : 

Die hochwürdigen Patres zu Neu-St. Johann als Kapläne daselbst 
oder eigentlich Vikare der Kapelle des hl. Karl. 

Benedikt Staub (P.) vom Konvent Wettingen, Beichtiger der 
Klosterfrauen zu Maggenau und deren Kaplan, sowie Pfarrer zu Sankt 
Verena daselbst. 

Mathias Meher von Überlingen, Beichtiger und Kaplan der Schwe¬ 
rtern zu St. Maria der Engel. 

Albert Frick, Doktor der Theologie, Pfarrer zu Kappel, Dekan des 
Landkapitels Wyl. 

Georg Mosberger aus Toggenburg, Pfarrer oder Vikar zu Mogelsberg 
und Kämmerer des Landkapitels Wyl. 

Mathias Ullinger von Zug, Vikar zu Lichtensteig. 

Jakob Maisler, Kaplan zu Lichtensteig. 

Rudolph Buocher, Pfarrer zu Wattwil. 

Peter Müller von Zug, Pfarrer zu Oberhclfenswil und Kaplan zu 

Brunnadern. 

Johann Müller von Luzern, Pfarrer zu Ganterswil und 
Liitisburg. 

Albert Mohr von Bregenz, Pfarrer zu Jonschwil und Kaplan zu 
Schwarzenbach. 

Johann Hertzog von Appenzell, Pfarrer zu Biitschwil. 


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- i66 - 

Michael Bilger von Zug, Vikar zu Kirchberg und Kaplan in 
Batzenhaid. 

Paul Heintz, Pfarrer zu Mosnang. 

Christoph Hegesser, Pfarrer zu Henau. 

Georg Heidelberger, Pfarrer zu Oberglatt und Kaplan zu Flawi 
und Tegerschen. 

Joh. Georg Giinthert von Konstanz, Pfarrer zu Niederglatt. 

d) in der Vogtei Oberberg: 

Joh. Kaspar Rothenflue von Rappcrswil, Lizentiat der Theologe, 
Vikar in Gossau und Kaplan zu St. Margrethen. 

Laurenz Marth von Tablat, Pfarrer zu Waldkirch. 

Johannes Seegrien, Pfarrer zu Sitterdorf. 

e) in der Vogtei Rorschach : 

Balthassar Schmid, Vikar in Rorschach. 

Anastasius Hentzenbergcr von Steinach, Kaplan zu Rorschach. 
Die hoclnv. Patres Konventualen von St. Gallen und Prof< ssorer 
des Seminars oder Gymnasiums als Kaplänc Unserer Lieben Frau in 
Kloster Mariaberg. 

Sabinus Wermelinger von Rußwil, Pfarrer zu Goldach. 

Petrus Bock von Oberegg, Frühmesser und Kuratkaplan zu Goldach 
Martin Vögtlin, Pfarrer zu Steinach und Kaplan zu Tübach. 
Joh. Jakob Günthart, Pfarrer in der Gruob. 

Christian Fortunat, Pfarrer zu Mörschwil. 

f) in der Vogtei Romishorn : 

Nt'klaus Weibel von Konstanz, Vikar in Romishorn. 

g) im Rheintal: 

Peter Bombachcr von Zug, Vikar zu Altstätten. 

Gallus Bomgartner, Kaplan zu Altstätten. 

Joseph Buochschorer von Altstätten, Vikar zu Marbach und Kap- 1 ' 
der Kapelle zu Rebstein. 

Niklaus Guglcr von Luzern, Vikar zu Balgach. 

Johannes Geser von Bludenz, Pfarrer zu Montlingen. 


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— i &7 — 

Joseph Zürcher von Bludenz, Frühmesser daselbst und Kaplan 
der Kapellen der hl. Anna, des hl. Fridolin, des hl. Wolfgang, sowie zu 
Krießeren. 

Johannes Hunzikofcr von Wyl, Vikar zu St. Johann Höchst und 
Kaplan zu Fußach und Gaißau. 

Georg Gaist, Vikar zu Bernang. 

Mauriz Briillisaucr von Appenzell. Frühmesser zu Bernang. 

Johannes Hammerer,' Vikar zu St. Margrethen Höchst. 

P. Hippolitus Bildstein von Appenzell, Konventual von Fischingen, 
Kurat in Oberegg oder Hirschberg. 

h) im Kollegium Unserer Lieben Frau, in der Porte 

zu St. Gallen genannt : 

Jgnaz Franz Rcuf) von Freiburg. 

Franz Wirth von Lichtensteig. 

Johannes Küeni von Oberriedt, im Rheintal. 

Fridolin Gruober von Korschach. 

Georg Sailer von Wyl. 

i) an Kirchen ausserhalb des Stiftsgebietes, 

über welche jedoch das Kloster St. Gallen das Patronatsrecht besaß, 
"erden, ohne weitere Angabe der Pfründeinhaber, genannt die 
Pfarrpfründen von Wasserburg, Roggenzell, Guotenstein, Löffingen, 
Mundelfingen, Ebringen, Staringen, In der Kluß nach St. Johann 
gehörig, Schwarzenbach bei Neuravensburg. 

C. Vorstände der Klöster Im Stiftgebiete von St. Gallen. 

Kapuzinerkloster in Wyl : P Berardus von Konstanz, Superior. 

Frauenkloster zu St Katharina, Ord. S. Dom. bei Wyl : Frau 
Maria Regula Wonlich, Priorin, Frau Maria Cäzilia Martin, Subpriorin. 

Frauenkloster St. Wiborada, Ord. S. Ben. bei St. Georgen : Schwe¬ 
ster Anna Maria Weiermann von Wittenbach, Mutter. Schwester 
Brigitta Hanimann von Mörschwil, Vikarin. 

Frauenkloster der Tertiarinnen auf Notkersegg : Schwester Scho¬ 
lastika Siz von Ochsenhausen, Mutter. Schwester Seraphia Hetzenberg 
von Konstanz, Vikarin. 


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i68 


Beguinenhaus St. Scholastika bei Rorschach : Schwester Koleu 
Stadelhofer, Mutter. Schwester Iphigenia N. von Salzburg, Vikarin 

Bcguinenhaus zu Altstätten : Schwester Anastasia Hinderben;: 
von Altstätten, Mutter. Schwester Agnes Hasler von Altstätten, Vikarir. 

Frauenkloster Maria der Engel bei Schloß Yberg im Toggenbure 
Schwester Maria Katharina Bur, (gewesene) Mutter. Schwester Maria 
Cäzilia Keller von Überlingen, Vikarin. 

D. Bestand der Beamten, Vögte, Hofamänner, Ammänner, Richter, 
Schreiber, Weibel und bedeutenderen Bediensteten. 

Johann Heinrich Clooß von Luzern, Hauptmann der 4 Srhutzorte j 

Jgnaz Balthassar Rinkh von Baldcnstcin zu Wartegg, Landest:: 
meistcr oder oberster Holbeamter. 

Johann Baptist Harder von Konstanz, be'der Rechte Doktor, Ho: 
kanzler. 

Johann Rudolf Rcding von Biberegg, fürstlicher Rat, Landvoc 
im Toggenburg und Oberster. 

Georg Theodorich Rcding von Biberegg, Ritter des St. Stephan?- 
ordens, fürstlicher Rat und Vogt zu Rorschach. 

Adam Tschudi von Glarus, in Ammerschwil und Wälde, fürstlicher 
Rat und Vogt zu Oberberg. 

Ulrich Christoph Schenk von Kastell, fürstlicher Rat und \ogt k 
R omishorn. 

Bernhard Christoph Giel von Giclsbcrg, fürstlicher Rat, erblicher 
Kämmerer, Feldoberster der Stiftslandschaft und Vogt auf RosvnbiT?. 

Wilhelm Christoph von Schwarzach, fürstlicher Rat und Vogt Kl 
Schloß Blatten. 

Meinrad Tschudi von Glarus, fürstlicher Rat und oberster knec- 
legat der alten Landschaft. 

Johann Tschudi von Glarus, fürstlicher Rat, oberster KriegdcC'-' 
im Toggenburg, Vogt auf Schloß Yberg. 

Johann Georg Ledcrgerw, fürstlicher Rat, Reichs- und Lehenvogt 
zu Wyl. 

Fidel von Thum, Herr zu Eggenberg und Bichwil, fürstlicher Rat 
Hofammann, Vizekanzler und Pannerherr, zu Wyl. 

Johann Georg Reuti, fürstlicher Rat und Vogt auf Schloß Schwarz-n- 
buch. 


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— 169 — 

Georg Christoph Schultheiß in Mammertshofen, fürstlicher Pfalzrat. 
Gallus Germann, fürstlicher Rat und Landschreiber in der Graf¬ 
schaft Toggenburg. 

Johann Joachim \1 aylin, fürstlicher Rat und Lehenvogt zu Sankt 
Gallen. 

Johann Konrad Gasser, fürstlicher Rat und Vogt zu Neuravensburg. 
Johann Jakob Bridler, fürstlicher Rat und Hofammann zu Sankt 
Johann in Thurtal. 

Gallus Buochschor, fürstlicher Rat und Gerichtsammann zu Alt¬ 
stätten. 

Ulrich Falkh, fürstlicher Rat und Amtmann zu Peterzell. 

Georg Greßer, fürstlicher Rat, Verwalter der Abgaben zu Wyl 
und Amtmann zu Homburg. 

Markus Maylin, Leibmedikus des Fürsten und des Konventes 
zu St. Gallen. 

Kaspar Wirth, fürstlicher Rat und Schultheiß der Stadt Lichtensteig. 
Meinrad Hessi von Glarus, fürstlicher Rat. 

Franz Raphael Tschudi von Glarus, fürstlicher Rat. 

Johann Heinrich Fuchs, fürstlicher Rat, Amtmann der Kloster¬ 
frauen zu Maggenau und Stadtschreiber zu Lichtensteig. 

Joachim Müller, fürstlicher. Rat. 

Karl Franz Reding von Biberegg, fürstlicher Kämmerer. 

Lazarus Heinrici von Zug, fürstlicher Kämmerer. 

Franz Müller, Notar beider Fakultäten und oberster Senatsschreiber 
zu St. Gallen. 

Mathäus Städelin von Babenhausen, Ratsschreiber zu Wyl. 
Johannes Germann, Substitut im Toggenburg. 

Andreas Keller von Steinach, Amtschreiber zu Rorschach und 

Hausvogt. 

Joseph Melchior Schwärzenhuber, Schreiber zu Ebringen. 

Niklaus Tröwer, Hofschreiber zu Bernang. 

Peter Hertenstein von Rorschach, Zoller zu Rorschach. 

Joh. Jakob Graff von Steinach, Gredtmeister zu Steinach. 

Jos. Jakob von Hertenstein von Luzern 
Joseph Imfeld von Unterwalden 
Jos. Melchior Locher von Frauenfeld 
Franz Leber von Neuravensburg, Apotheker des Klosters. 

Johann Rudolf Wirth von Lichtensteig, Landweibel in Toggenburg. 
Franz Feurer von Tablat, Hofweibcl zu St. Gallen. 


[ Substitute der Kanzlei 
zu St. Gallen. 



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— 170 — 

Franz Grübler von Wyl, Hofweibel zu Wyl. 

Kaspar Greuller von Rotmonten, Weinverkäufer des Klosters. 

Es möchte bei vorstehender Aufzählung der Stiftsbeamten auffallen, 
daß uns in den ersten und maßgebenden Ämtern fast auschließlich 
Persönlichkeiten aus andern eidgenössischen Ständen, sowie Ausländer 
begegnen. Dieser befremdende Umstand hing aber weniger von dem 
Willen des Fürsten als vielmehr von einem äußeren Zwange ab. Die 
Herren Eidgenossen, nicht zuletzt die aus den Urdemokratien, lehnten 
es nämlich des entschiedensten ab, gegebenenfalls mit unebenbürtigen 
Persönlichkeiten als Vertretern des Fürsten in staatsgeschäftliche Ver¬ 
handlungen einzutreten, und als solche betrachteten sie vor allem auch 
die Gotteshausleute als Untertanen des Stiftes. Geschah es doch einst, 
daß der Fürstabt sich einen ernsten Span zuzog, als er einmal einen 
solchen « Gotteshausmann » an die Tagsatzung abzuordnen sich unter¬ 
fing. Dieser Umstand, von Fremden regiert zu werden, war anderseits 
natürlich geeignet, beim Volke der Stiftslande ein gewisses Gefühl 
des Unbehagens auszulösen, das bei mehrfachen Gelegenheiten, zumal 
in den späteren Zeiten der aufkeimenden Freiheitsregungen in die 
Erscheinung trat. 

Leichter dagegen erklären sich die vielen fremden, d. h. nicht 
St. Gallischen Namen in der Aufzählung»dcs Säkularklerus. Da nämlich 
das Stift selber eine große Anzahl Landeskinder in die Reihen seiner 
Kapitularen aufnahm, sein Territorium aber immerhin ein beschränktes 
war, so sah es sich eben genötigt, seine Seelsorgskräfte in größerer 
Anzahl sich von auswärts zu holen und damit in seinem Klerus eine 
Vielseitigkeit bezüglich der Heimatszugehörigkeit zu schaffen, wie sie 
damals wohl nirgends sonst auf schweizerischem Gebiete gefunden 
wurde. 




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Documents supplSmentaires 
du Catalogue des chartreux d’Ittingen 

publlS en 1919 

Par Dom Albert COURTRAY. 


A la fin du Necrologe (d6jä decrit) de la chartreuse d’Ittingen se 
trouvent, de la page 132 ä la page 148, treize actes d’association spiri¬ 
tuelle, concemant surtout les suffrages mortuaires. Sept d’entrc eux 
emanent d’Ittingen ; six lui sont adress6s en retour. II y a donc en 
tout sept contrats d’association r&iproque. 

Cinq des treize actes, sans parier des autres a ce point de vue, 
sont suivis des noms des chartreux d’Ittingen qui les sign£rent, c'est- 
a-dire de tous les P6res qui composaient la communaut6, sauf les hötes 
(profus d’autres chartreuses), les novices et les Fr6res, s’il y en avait. 
Or il est assez rare de rencontrer des documents qui foumissent ainsi 
lenumSration ä peu pr£s complßte, sinon enti&re, du personnel d'un 
monastöre, et nous l’avons ici pour quatre 6poques differentes. Deux 
nomenclatures sur cinq sont semblables. 

Bien qu’elles ne contiennent aucun nom inconnu, ces petites nomen¬ 
clatures devaient entrer dans le catalogue k leurs dates respectives 
pour le motif indiqu£. Mais les actes auxquels eiles appartiennent et 
les huit autres forment une page d’histoire du couvent. On ne s’en 
est pas encore inqui6t£. Ils concernent meme six monast£res, non un 
seul, ä cause du caractöre de r6ciprocit6 des associations. II y a plus. 
Ces actes nous r 6 v 61 ent quelque chose, bien peu il est vrai, de la vie 
spirituelle des six monast^res, vie spirituelle qui devrait etre la partie 
la plus captivante de l’histoire de toute communaut^ religieuse, et 
sur laquelle, malheureusement, on est d'habitude si mal renseign6. 
Ils nous montrent, du moins, que leurs membres prenaient leur vocation 
trfcs au s£rieux et selon son but principal, qui est de gagner le ciel, 
puisq-ue par leurs engagements mutuels de priores, de bonnes oeuvres, 
desa.ints sacrifices, ils prennent le moyen d’y parvenir le plus töt possible 
aprte leur mort. 


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Ces documents sont donc par eux-memes, en dehors des signatures 
de ceux qui en portent, intöressants, instructifs, 6difiants. Autant 
pour eux que pour leurs signatures, ils m6ritent d’etre imprimes. Nous 
les publions sans y rien ajouter, sauf un numero d'ordre avant leur 
titre respectif et leur date consignee aprds ce titre, pour plus de clarte 
Cette date sera d’autant moins inutile que plusieurs actes ne donnern 
l’annee de leur confection que dans les titres ou les suscriptions, en 
chronogrammes qui exigent une Operation pour la trouver. Des chrono- 
grammes semblent meme defectueux ou tronques. 

Ces sortes d’associations perp£tuelles sont frequentes entre com- 
munautes. Elles ont lieu naturellement le plussouvent entre monasteres 
du meme institut, et assez rapproch£s afin d’etre avertis des deces 
sans retard. Au XVII me siede, les chartreux d'Ittingen en contracteren? 
avec dcux chartreuses des plus voisines : Buxheim, en Baviere (n ö I 
et II), et le Mont-Saint-Jean-Baptiste (Johannisberg), pr£s Fribourg- 
en-Brisgau (n° 8 III et IV). Ensuite ils s’engagerent entre eux ä une 
augmentation des suffrages mortuaires prescrits par les Statuts com- 
muns a tout leur Ordre (n° V). Puis, au XVIIl me si£cle, ils s'assoc lerer.: 
aux chanoines reguliere de Saint-Augustin d’Oehningen, dans la Bade 
ä l’endroit oü le Rhin sort du lac de Constance, sur la rive droite. pres 
de la frontiere suisse (n^VI et VII). Quand la chartreuse du Mont- 
Saint-Jean-Baptiste fut supprimee en 1782, Ittingen s'associa ä l’abbaye 
des cisterciennes de Günterethal, pr^s Fribourg-en-Brisgau (n 08 VIII 
et IX), ainsi qu’au couvent des dominicaines du Val-Sainte-Cathenne 
(Katharinenthal), ä Diessenhofen, en Thurgovie, sur la rive gauchedn 
Rhin, non loin du canton de Schaffhouse (n°«X et XI). Le monasterr 
d’Oehningen ayant ete aboli en 1800, les dsterciennes de Güntersthal 
en 1802 et la chartreuse de Buxheim en 1803, les religieux d’Ittingen 
s’allierent ä leurs confr£res de La Part-Dieu, situ£e dans le canton de 
Fribourg, en Suisse (n os XII et XIII). Les originaux de ce pact" 
existent egalement aux archives de La Valsainte. 

Ces dernieres chartreuses contractantes disparurent sous la revo- 
lution de 1848, et les moniales du Val-Sainte-Catherine en 1869. De 
leurs associations le souvenir seul subsiste. Recueillons-le pieusement, 
de peur qu'il ne finisse aussi par perir. 



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T 73 


LITTERyE CONFCEDERATORUM CUM DOMO 
SANCTI-LAURENTI IN ITTINGEN 


I. Domus Buxianae. 

, ( 3 o septem bre 1628) 

Si Servatoris nostri commendatione dignum censet Lucas Vil- 

licum iniquitatis, et filium huius saeculi, quod sibi amicos de mammona 

iniquitatis constituisset, ut male locato concredito talento, et domini 

sui legitimi bonis illegitim^ dilapidatis ä sua negotiatione remotus, 

et ä praefectura abjectus homo suo natus abdomini, id in posterum, 

cui hactenus iusto pofcius studuerat, ab aliis curaretur. Quantö maiorem 

laudem merentur ftlii lucis, si eö tendant, idque unice et una intendant, 

ut multiplicato hic in centuplum lucro, de futuro prospiciant, et in 

profectu Spiritus proficiant, et si quandoque contingat, ut in trans- 

versum acti ä ccepto defteiant, et coram Dei tribunali reos se constituant 

(Ouis autem se innoxium fragilium mortalium fore praesumat ?) mature 

sibi de auxiliatrice manu potentum (sic) adhuc patrocinium provideant. 

Hisce et pluribus maturö pensatis, Vobiscum, Venerabiles Patres 

Cartusiae Ittinganae professi, icimus provocati foedus, quod nullum 

soh'at saeculum, ut si contingat quempiam ex nostris vitam commutare 

r,j ni morte, aut ex vestris aliquem sarcinam immortalis anim;e depo- 

uere, reciproce certiores facti super pio obitu singuli pro singulis redda- 

mus more Ordinis unum intelligc cum psalteriis monachatum, seu 

b missas. Haec fuit et est mens conventus Patrum Buxia^, ita testor 

Frater Petrus prior Myia NB (sie) monachatus non in longius tempus 
• • • 

fejunatur, sed statim persolvatur, et Nccrologio pro annuis exequiis 
faciendis inscribatur. 

Et ut maiores vires hocce icti foederis instrumentum habeat, exi- 
S lf nus ä Venerabilibus Paternitatibus vestris, ut vice huius et vestrum 
submittatis, quo utrinque id, quod polliciti sumus praestituri, obligemus. 

Actum Buxiae pridie kalendas octobris anni 1628. 


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■i ?4 


Fr. Petrus Kalt, prior Myia (sic). 
Fr. Basilius Huober, vicarius. 

Fr. Ambrosius Döner, senior. 

Fr. Antonius Wideman. 

Fr. Anselmus Faber. 

Fr. Laurentius Dieterich, procurator. 


Fr. Martinus Menhold. 
Fr. Leonardus Plebst. 
Fr. Arsenius Bitterlin. 
Fr. Bruno Hoz. 

Fr. Joannes Nodler. 

Fr. Valentinus Stumpf. 


II. Litter® Do 


II 


us Ittingensis. 


{i novembre 1628) 


Fraternum auxilium Sapientiae Oceanus Rex Salomon .tirrr.s 
civitati suis in proverbiis comparare non dubitat, cum ait : « Frater 
qui adiuvatur ä fratre, quasi civitas firma etc.» Et hoc subsidium Sarc:; 
Patres in ipso charitatis actu consistere, fraternaequc dilectionis vin- 
culum, quoad invicem connexi sunt, instar firmissimae civitatis 
culter admodum dissolvi posse notant. Ad huius charitatis observamiam 
frequenter Christus suos cohortatur apostolos ; hanc Eiusdem Salvatoris 
discipuli Joannes et Paulus miris depraedicant pr^econiis ; hanc sanctU' 
Augustinus characterem discipulorum Christi nominat ; hanc ipsa tuba 
evangelica, Paulus, vinculum perfectionis appellat, quo membra sin- 
gula in corpore sanctae Ecclesiae sibi invicem coniunguntur, ct Capit: 
suo Christo ad percipiendum per Ipsum et in Ipso spiritualium charis- 
matum ac gratiarum influxum uniuntur. Hanc prascipue excolere 
condecens esse vidctur, qui relicto Ur Chaldaeorum huius mundi Salva- 
torcm sccuturi, sub religionis vexillo Christo nomen dedere, ut Domin: 
obtemperantes prreccpto erga se invicem charitatis actus exerceant. 
qui in mutuis subsidiis, officiis, sacrificiis, aliisque piis operibus 
consistunt, quo veri Servatoris esse discipuli dignoscantur. 

Nos igitur infra scripti Cartusiae Sancti Laurentii in Ittingen. 
dicecesis Constantiensis, professi, ut aliquod specimen praecepti Demi- 
nici.quod actus charitatis exhibeamus, nosque Christi discipulos.quamvi' 
indignos, pio aliquo demonstremus opere, Venerabilium Patrum Car- 
tusia? Anke Bcat<e Mariae in Buxheim, dioecesis Augustanae, litteris et 
oblatione confocderationis illecti, cum eisdem, praehabita matura con- 
siderationc, unanimi consensu foedus ferimus, nullo unquam a?vo abo- 
lendum, sed perpetuis du ran dum temporibus, nempeut si quis ex nostris 
diein clauserit extremum, aut ex vestris professis aliquis vitae pericdum 
absolverit, obitusque eius fuerit denuntiatus reciproce singuli pro 


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175 


animae eius refrigerio unum persolvat propediem Ordinis monachatum 
(mtellige cum psalteriis), seu sex missas. Haec fuit et est mens Conventus 
Patmm Ittingae. Ita testor Frater Bruno Prior Min [sic]) nec in longum 
rejiciant tempus. Et pro annuis exequiis faciendis defuncti nomen 
sub die obitus sui, suo Necrolcgio inscribant. 

Utque hoc fcedus ictum ratum fixumque permaneat, hoc instru- 
mentum singuli propriae manus subscriptione, et consueti sigilli nostri 
appensione confirmavimus et roboravimus. 

Actum in Cartusia Sancti Laurentii, martyris, in Ittingen, dicecesis 
Constantiensis, i° die novembris qui omnibus ccelitibus sacer anno 
reparatae salutis humanae supra millesimum sexcentesimum vigesimo 
octavo. 


Fr. Bruno Müller, prior. 

Fr. Eusebius Wendelstein, vicarius. 
Fr. Jacobus Taverney, senior. 

Fr. Philippus Pfochius. 

Fr. Dionysius Pflieger, sacrista. 


Fr. Guigo Engelher. 

Fr. Henricus Murer, procurator. 
Fr. Ludovicus Kübler. 

Fr. Dionysius Kerber. 


III. LItterae Domus Friburgensis Brisgoiae. 

|i6 novembre 162K) 


Nos Fratres, prior totusque conventus Domus Montis Sancti 
Joannis Baptistae pro]>e Friburgum Brisgoiae, Ordinis Cartusiensis, 
zelo animarum nostrarum permoti, et salutem earum ac remedium 
propensiüs intendentes, pari voto et consensu, charitatis intuitu et 
fratemae dilectionis nexu indissolubili, associationem specialem ultra 
Ordinis nostri constitutionem generalem, quae de spiritualibus bene- 
ficiis facit mentionem, inirc, et eandem inviolabiliter observare inten- 
dimus cum dilectis confratribus nostris Cartusiensibus Domus Sancti 
Laurentii in Ittingen, conditione tali, ut quicunque nostrüm, ubicunque 
n bierit, habeat omnia suffragia, quae Statuta concedunt professis. 

Hane associationem quoad monachos professos Domus duntaxat, 
incluso etiam priore hospite, si in officio prioris obierit, extendentes, 
Nos pro tempore prior et conventus sigillo conventus et manuum 
subscriptionibus confirmamus. Actum in Cartusia Friburgcnsi anno 
1628 die 19 novembris. 


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176 


F. Columbanus Schreiber, prior. 

F. Joannes Fleckenstein, vicarius. 
F. Henricus Wolfius, senior. 

F. Mathias Thanner. 

F. Joannes-Christophorus Schenck. 
F. Germanus Hugo (sic pour Huge). 


F. Balthasar Wittmer. 

F. Thomas Pez. 

F. Wilhelmus Hauser. 

F. Georgius Lichenlaub. 
F. Maximilianus Zwanger. 


IV. Doi 


us Ittingensis Responsio. 


(1 janvier 1629) 


Cum iuxta Philosophum omnis societas fiat causa aiicuius bom. 
et ipsa ratio et institutio vitae adiumenta desideret, in primis ut habeant 
mortales, quibuscum familiariter agant, aut arctiori fcedere conntx: 
sua bona communicent, ut sibi vel maxim£ in eiusdem communitatb 
hominibus locum vendicare videtur, ut mutuis se invicem benefici:s 
adiumentis et confzederationibus devinciant. Nos ergo, prior et cen- 
ventus Sancti Laurentii, martyris, in Ittingen, provincise Alemama 
inferioris professi Venerabilium Patrum prioris et conventus Domi> 
Sancti Joannis Baptistae supra Friburgum Brisgoiae, Ordinis CartusitTSi- 
provincize Rhenanae, litteris confoederationis mutuae ineundze provocat 
hoc foedus renuere noluimus, sed idipsum nostro quoque calculo apprc- 
bare, quod ita sonat : Nos Fratres, prior totusque conventus Domus 
Montis Sancti Joannis Baptistae prope Friburgum, etc., usque in finem 
ut supra. Quod etiam omnes Patres proprize manus subscripnonr 
comprobarunt, scilicet : F. Columbanus Schreiber, prior, F. Joanne» 
Fleckenstein, vicarius, etc., ut supra. 

Igitur sub iisdem conditionibus in hoc instrumento positis no> 
infra scripti pro nobis nostrisque successoribus vobiscum icimus fcedus. 
nullo unquam aevo abolendum aut infirmandum, his quoque condi¬ 
tionibus annexis, ut si quis utrimque diem clauserit extremum, eins- 
demque dcnuntiatus fuerit obitus, beneficia confoederationis, qua 
defunctis impendi solent, non in longius rejiciantur tempus, sed statim 
ä quolibet pro eo persolvantur, nomenque defuncti sub die obitus su; 
Necrologio Domus inseratur, et omni privilegio tanquam Domus pro- 
fessus perfruatur. In quorum fidem et robur hoc fcedus initum nostra 
Domus sigillo consucto communivimus, et propriis manibus sub- 
scripsimus. Actum in Cartusia Sancti Laurentii, martyris, in Ittinger 
calendas januarii qua; novmm auspicantur annum supra millesimum 
sexcentesimum .vigesimum nonum. 


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177 


F. Bruno Müller, prior. 

F. Eusebius Wendelstein, vicarius. 
F. Jacobus Taverney, senior. 

F. Philippus Pfoch. 

F. Dionysius Pflieger, sacrista. 


F. Guigo Engelherr. 

F. Henricus Murer, procurator. 
F. Ludovicus Kübler. 

F. Dionysius Kerber. 


V. Descriptlo Litterarum Foederis inter Patres Conventuales 

Ittingensls Cartusiae initi. 

(io juillet 1646) 

Human« mortalitatis infirmitas, qu® per pomum Protoplasti 
sauciata fuit, nos semper in timore Stare, ne per quotidianos lapsus, 
multitudinem peccatorum, impoenitensque cor nostrum in barathrum 
damnationis ex improviso pr*cipitemur, hortatur ; nescit enim homo 
an odio vel amore dignus sit. Et quamvis pretiosissimus Sanguis Christi 
tffusus, sufficiens factus sit medicina salutis, nihilominus tarnen, ut 
sacra nos docet pagina (2 Macbab. 12), sancta et salubris est cogitatio 
pro defunctis exorare, ut ä peccatis solvantur. Considerantes igitur 
ex intimo mentis affectu certitudincm mortis, incertitudinem eiusdem 
hör*, human* mentis inconstantiam, districtique Divini Judicii 
severitatem, in quo etiam de omni verbo otioso rationem reddere coge- 
mur, deliberato animo et mutuo consensu nos, professi duntaxat huius 
Cartusi* Sancti Laurentii, martyris, in Ittingen, icimus fcedus invicem 
nullo unquam *vo abolendum, nec ullis sub quocunque pr*textu 
contrariis verbis vel interrumpendum vel pcrturbandum, sed perpetuis 
continuandum temporibus, tale : 

Quicunque professus sive absens sive pr*sens huius prasfat* 
Domus vit* su* periodum absolverit, habeat ultra consuetum mona- 
chatum Ordinis, beneficium etiam tricenarii singularis, ita ut per totum 
tricesimum singulis diebus extra tabul« ordinari* debitum legatur 
una missa specialis pro rcfrigerio anim« defuncti. Quö per h*c pacta 
charitatis fcedera si quis eidem defuncto in insueto ad ccelum tramite 
forte sit positus obex, faciliüs amoveatur, et illuc celeriüs avolct, quo 
prsecessit Jesus Christus Author vit« et Redcmptor peccatorum. In 
cuius foederis fidem singuli professi manu propria se subscripsenmt, 
et sigillo monasterii confirmarunt. Actum in Cartusia Ittingensi, anno 
1646, die vero 10 julii. 


HEVUE D’iUSTOIRE ECCLtSIASTI^UE 



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F. Bruno, prior huius Domus ct totius 
provinciae senior. 

F. Lazarus Pflieger, senior et vicarius. 
F. Ludovicus Kübler. 

F. Dionysius Kerber, procurator. 

F. Andreas Bürgin. 

F. Georgius Glock. 


F. Henricus Frey. 

F. Bartholomaeus Ittcn. 
F. Walterus Säger. 

F. Antonius Dulcken. 
F. Joachimus Gagg. 

F. Conradus Gester. 


4 


VI. Descriptiones Confraterni foederis penes Ittings i 

• 4 

et Oeninga Professos. j 


(28 octobrc 1718I 


I 


SaLVs a Fonte SaLVtls In Christo Vere ReLIglosIs PatrlbU 
PrlnCIpaLIbVsqVe CanonICIs RegVLarlbVs BeatI AVgVsthl 
Oenlngae CapItVLarlbVs, IVsteqVe VIVa VoCe CartliVsIanls Ittlnci 
Fratemltate assoCIandls. 


Aucthoritate Divina per Ecclcsiasten, c. 4, paterne adhortaii 
bis verbis : Vre soli, quia cum ceciderit, non habet sublevantem st, 
recte colligimus ; Si unus ccciderit, et ab altero fulciatur, Optimum 
ac sanctum consociatis emolumentum esse. Rursus universo gener; 
humano optime est notum, nec iustum hominem esse, quin quotidi'. 
peccet, nec unicum verbum otiosum impunitum ä Divino Judice renu- 
nere. Hinc praevia deliberatione visum est nobis mentem nostram. 
quae olim habita convcntione Reverendissimo Domino Domino Pa’.r- 
Augustino Lcechle, dccano meritissimo ac gratificanti nobis per pro- 
priam prajscntiam oretenus est manifestata, denuo per hasce litteras 

confirmare. Vidclicet ut singuli nostrorum meritd eö fortiüs avidiüsqo« 

■ 

talibus ad fincm praeordinatis intendant inhaerere mediis, quo ma^ ; 
tune calamitatis et miseriae tempore sibi videantur necessaria. R* 
ergo nostra agitur, paries cum proximus ardet ; miseri etenini qn: 
quasi in fornace illa ardenti Ur Chaldaeorum vivunt, votis gemitibusque 
coelum petunt, ct non est qui adiuvet. Felix e contrario, quem fac/urr 
aliena pericula cautmn, ut non solüm mentem adhuc vacuam, tanqu^ 
unicus peregrinus in terra, divinis sensim virtutum guttulis pro >' 
adimplere satagat, verum etiam quasi quaedam arescentis 


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179 


flumina in inferiores partes terrae sese extendat, easque exundantibus 
perfectionis aquis riget atque consoletur. 

Unde his optim£ perpensis, sensns ineundi foederis taliter sit cons- 
titutus, ut quidquid per pftesentes simus attestati, reciproc£ Admodum 
Reverendae Religiosissimac ac Clarissinue Dcminationes vestrae Oeningae 
Professae per authentica scri])ta sint promissurae ; iuxta Evangelicam 
sententiam Matth. 7, Omnia quaecunque vultis, ut faciant vobis hoeredes 
et vos facite illis. 

Idcirco quamprimum Deus jusserit ex ca-tu nostro eonfoederato 
aliquem ex tristissimis huius mundi sordibus discedere, de cuius obitu 
simus certiores redditi, quilibet sacerdos in principali monasterio Oenin- 
i r x, seu Cartusiae Ittingensis professus suffragari debeat trium missa- 
nim celebratione. Frater vero clericus tres missas relata sua intentione 
ad defuncti subsidium devote audiat. semel communicet, semelque 
sibi disciplinam infligat. 

Secundö, ut omnia exercitia spiritualia inter nos sint participativa, 
quibus mediantibus auxiliis in hac et in altera vita aninue nostrae 
refocillari valeant. 

Tertiö demum ut nomen defuncti mortuorum confratrum Catalogo 
etiam incorporetur. 

Cuius foederis fidem ac finem, quem perpetuis temporibus continu- 
andum speramus, nömina attestata satis fatebuntur, propriaque manu 
singillatim subsignata, sigillcque nostrae Cartusue confirmata. Ittingae 
28 octobris. 


F. Anthelmus Entlin, prior. 

F. Hugo Suter, p. t. vicarius. 

F. Michael Beckensteiner, senior. 
F. Antonius Foit. 

F. Josephus Rieger, procurator. 

F. Bruno Lussy. 


F. Jacobus Hug. 

F. Franciscus Müller. 

F. Christophonis Rüemsperger. 
F. Laurentius Landwing. 

F. Benedictus Feuri r. 

F. Carolus Fänger. 


L S 


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i8o 



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VII. Responsio Inclyti 

ac Principalis Collegii Oeningensls nobls transmissa. 

(7 novembre 1718) 

ReLIglosIssIMIs In Christo PatrlbVs Inslgnls CartVsIae Ittln- 
ganae plls Professls CanonlCI Oenlngenses eX gratla noVa sanctaqVc 
Fratemltate Ipsls assoCIatl IVstas agVnt gratlas. 

Quamvis rcligiosa professione simus valde dispares, multümque 
officium Mariae, utpote quae optimam partem elegit, Luc. 10, ä negotic 
Marthae distet ; ut tarnen animorum coniunctione utrimque simu> 
pares, et affectu sincer6 fraterno nos invicem complectamur. sicque 
contemplatio Mariae ab actione Marthae suffulciatur, actio autem Marth* 
a contemplatione Mariae suppleatur, non solum suadent, verum t-t ( 
persuadent sat ponderosae rationes in speciali instrumento vestr- 
nuper ea de re ad nos dato abunde propositae, queis adhuc adstipulaur ^ 
Sanctus Jacob, episcopus, c. 5, nos admonens : Orate pro invicem, ut 
salvemini, multüm enim valet deprecatio justi assidua. 

Quibus omnibus permoti Patcrnitatum vestrarum ac Domina- . 
tionum admodum Reverendarum Religiosissimarum ac Clarissimanm > 
votis, quae nobis de arctiore spiritualis confraternitatis vinculo vos 
inter ac nos contexendo non ita pridem per speciale instrumentum 
exposuistis, libentissimö annuimus, spiritualemque fratemitatem non 
solum vivis, verum etiam dcfunctis profuturam vobiscum inire cupimu.' 
scquentem in modum : 

Primo. Quamprimum nobis innotuerit aliquem confratrem Vene- 
rabilissimi Conventus vestri professum ex hac mortali ad immortalen 
vitam evocatum fuisse, sublatä omni mora, trium missarum celebratiom 
confratri piö defuncto parentabimus ; Fratres verö clerici nostri tre> 
missas in defuncti solatium dcvotd audient, semel communicabunt | 
semelque disciplinam sibi infligcnt. 1 

Secundo. Vos omnes et successores vcstros omnium bonoru” 

operum, missarum, orationum, eleemosynarum, jeiuniorum, aliorumqur 

* 

spiritualium exercitiorum quae deinceps opitulante Dei gratia, tarn 1 
nobis, quam ä successoribus nostris fient, quantum quidem possumu.' 
tenore pra?sentiuni participes esse volumus. 


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Tertio. Nomina quoque singulorum confratmm ex conventu vestro 
decedentium super Mortilogio nostro inscribemus, confisi, hoc fcedus 
spirituale perpetuis temporibus fore continuandum. 

Praemissis a (sic), ut plenior fides habeatur, instrumentum hoc 
reciprocum confecimus, propria singulorum manu subscripsimus, ac 
maiore Collegii nostri sigillo munitum dedimus Oeningae, 7 novembris. 


D. Augustinus Loechle, decanus. 

D. Antonius Hess, senior. 

D. Dominicus Wenz, p. t. parochus. 

D. Gregorius Segin, p. t. oeconomus. 

D. Hieronimus Saltzgeber 

L S 


D. Patritius Ziegler. 

D. Franciscus Mayerhofer. 
D. Carolus Loder. 

F. Sebastianus Harder. 

F. Petrus König. 


VIII. BVnDtnlss zWIsChen einer KartaVs Ittlngen VnD CIsters 

In GVnDtersthaL. 

C7»7) 

Der hochwürdigen hoch Adelichen Gnädigen Frau Von Thürn 
Würdigster Abbtissin. Den Wohl Ehrwürdigen Adelichen Frauen 
Kapitülaren. auch den Laien Schwestern des Hoch Adelichen Stift 
s. Bernards Orden zu Gündersthal. 

Unser Grües im Herrn. 

Wenn uns der Apostel Jacob für einander zu betten ermahnet 
damit wir seelig werden, wen das beharrliche Gebedt eines Gerechten 
nach eben dieses Apostels Zeügnüss vill vermögent ist, — entgegen 
der Schritt in die Ewigkeit hinüber aüch den frommen wegen fürcht 
der genauester Rechenschaft schreckhaft, das einzelne aber so heilig 
als heilsame Mittel, die Todte von ihren Sünden zu erledigen, das 
Gebedt der anoch wanderenden ist: So haben wir ganz gerne aus nit 
weicher Sorg für das Ewige, dero Ansuchen zu willfahren entschlossen. 

Wir versprechen also den Schaden, den Ihre abgestorbene mit 
dem Todt der Kartaüs bey Freyburg erlitten, durch ein geistliche 
Bündtnüss in dissen Bedingniss zü ersezen : Vor iede erstorbene 
How. Frau oder Schwester des hochadclichen Stifts Gündersthal 


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wird nach gemachtem Anzeig ihres Todtes ieder Kapitular der K.art- 
aüs Ittingen i heil. Mess lesen, ein Frater aber 3 heil. Messen an¬ 
hören, und so vill marianische Rosenkränze bedten. 

Von dem How. Adelichen Stift Gündersthal als einen Gegensaz 
fordern wir : das auf Anzeig des Todts einer unser Kapitülaren oder 
Profess iede hochwürdige Frau des hochadeligen Stift Gündersthal 
für selben 3 heil. Messen anhören, und so vill Marianische Rosen¬ 
kränze abbedten. 

Wir wünschen also : dass wie das how. adeliche Stift zü Günders¬ 
thal mehr dan 2 hundert Jahr ünsers ganzen Ordens aller güten 
Werken theil genossen, durch diese geistliche Bündtnüss wir mitander 
des Genuss der ewigen Seeligkeit theil erhalten. j 

Vor VbelM. Vn Versehenen ToDe besChVtze Vns lesV Chrlste! 

1 

IX. Vertrag Des GotteshaVszes iV GVnDersthaL VnD LöbLIChen | 

* 

I 

KartaVs Ittingen. j 

11787 ^ j 

Dem Hochwürdigen in Gott geistlichen ünd hochgelehrten herrn 
V. P : Antonius Von Seilern würdigsten Prior, Den Hochwürdigen 
in Gott geistlichen P : P : Kapitülaren der Hochlöblichen Uralten 
Kartaüs zü Ittingen. 

Unser Grüess im Herrn. 

# 

Die lebhaftte Erinnerung jener Göttlichen Wahrheit, das nichts 
in Himmel cingehen könne, welches auch nur die mindeste Makel aül 
sich hat, erregte in uns aus pfiiehtmässiger Sorge für das Ewige die 
heilsamste Begierde, das geistliche Bündtniss widerüm zü erneuern, 
so wir mit der nunmehr aufgehobenen Karthaüs zü Freybürg im Breiss- 
gaü eingegangen. Da nun eine hochlöbl. Karthaüs Idtingen Unserm 
Ansuchen zü willfahren gerühet mit gelobüng, dass bei sich zütragenden 
Todesfällen in ünserm Godtshaüss, ein jeder Hochwürdiger Kapitular j 
eine Heilige Messe lesen ; ein Frater drei anhören, ünd soviele Rosen- J 
kränze betten wede : so versprechen wir hingegen, dass nach gemachter , 
Anzeige eines verstorbenen Hochwürdigen Kapitular und Frater ein • 
jede Professin des Godtshaüses zü Gündersthal dreyh. Messen anhören 
ünd eben soviele Rosenkränze abbetten werde. Wir hoffen demnach 
gemäss der göttlichen Yerheissüng, dass durch diese wechselweise 


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1 


geschehene Hülfe wir alle desto bälder zur vollkommenen Erlösung 
und ewigen Seeligkeit gelangen mögen. 

Gegeben in dem Gottshauss Gündersthal zu Freybürg im Breissgau. 

Sor. M. Francisca de Thurn Sor. M. Benedicta de Freyenthall 

Abbtissin Priorin und Convent. 

• • 

SChenke o Herr ! aLLen Denen aVs Vnserer BVndDnlsse Verstorbenen 
SeeLen Die eWIge RVhe. 

(On lit au Nicrologe, le 17 septembre : « R d * Mater Maria-Ioanna de Baden, 
professa in üünthersthal, 1787, prima initi eodein anno cum eis feederis fructus 
percipiens. * Cela fixe la date du contrat.) 

X. VerbVnDnls Der CartaVs zV Ittlngen VnD GottshaVsses 

zV CatharlnentaL. 

(17 janvier 1789) 

Der Hochwürdigen in Gott geitlichen Frau M. Agnes Wirthin 
würdigsten Priorin, Den Wohlehrwürdigen in Gott geistlichen Fr. 
Profess, des hochlöblichen Gottshaüsses Katharinenthal : wie auch 
dessen layen Schwestern. 

Unsern Grües im Herrn. 

Nach Lehr des zweiten Machabäer Büchs ist heiliger ünd heil¬ 
samer Gedanken für die Todte betten, damit sie von den Sünden loossc 
werden. Folgsam der Christlichen Liebe echt erhaben ünd preis¬ 
würdig wird, wan sie zürn Wohl der Verstorbenen dürch Hilfe des 
Gebetts thätig ist. Das loben ünd verdanken wür dem löblichen 
Convent Katharinenthal, welches schon lange ünseren verstorbenen 
Mitbrüdern vergönet an ihrem Gebett Theil zü haben. Von gegen 
ünd Eigen liebe bewegt, entschlossen wir uns für beiderseitige ab¬ 
gestorbene mit dem löblichen Convent Katharinenthal folgende geist¬ 
liche Bündtniss einzügehen. auf anzeig des hochlöbl. Gottshaus Katha¬ 
rinenthal des Todts fall einer Ihrer wohlehrw : Fraü Kapitularin wie 
auch Ehrwürdigen Layenschwester, wird jeder Pater der Kartaüss 
btingen ein h. Mess lessen : ein Frater 3 h. Messen anhören und soviel 
Marianische Rosenkränze betten. Der Gegcnsaz löbl. Convents Katha¬ 
rinenthal soll seyn, das aüf absterben eines ünser Kapitülaren oder 
Profess jede wohlehrw : Fraü ünd jede lay-schwester für selben 3 heilige 
Messen anhören, ünd soviel Marianische Rosenkränze abbetten. 


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— 184 — 

Wir hoffen und wünschen, das wie dieses Bandnüss in geistlicher 
Freundschaft verbündt: alle also auss dieser Bündtniss nach diesem 
zeitlichen ewig in Gott vereinige. 

Gegeben in d Kartaus Ittingen d 17 Jan : 89. 

XI. Antwort des Gotteshausses S. Katharinathal bei Diessenhoffen 

an die Karthaüs zu Ittingen. 

(i! fevrier 1789) 

Wir Priorin und Convent des Gotteshausses S : Katharinathall 
des h. Dominici Ordens, bezeugen hiermit dieser Schrift, dass zwischen 
der hochlöblichen Karthaüs Ittingen (unter Vorstehüng des hoch- 
würdigen Herrn P. Prior Antonius von Seylern) und ünserm Gottes- 
haüsse S : Katharinathal eine geistliche Confoederation, und heilige 
Bündtnüss geschlossen worden, kraft dero der Nahmen eines jeweiligen 
abgestorbenen Mitglieds unserer Gottshaüsseren gegeneinander sollen 
einberichtet werden. 

Wo sodafi obbenente hochlöbl. Karthaüs gütmütigst anerbotten, 
dass für ein jedes solch abgestorbenes Katharinenthalisches Convents 
glid |: Seye es eine Kohrfraü, oder Layen Schwester :| jeder hoch¬ 
würdiger P : Kapitülar für selbige ein heilige Mess lesen, und jeder 
Herr Frater Profess drey anhören, und so viel Marianische Rosenkränze 
betten werde. 

Gegenseitig ebenfals verbindet sich das Gottshaüss S : Katharina¬ 
thal bei vemohmenen Todtfall eines Mitglieds der hochlöbl Karthaus 
(seye es eines hochwürdigen Herrn Capitularen oder Fraters Profess*, 
dass jede von uns Kohrfraüen und Layschwesteren für den ver 
storbenen drey heilige Messen anhören, und soviel Marianische 
Rosenkränze betten werde. 

Welches alles ordentlich und willfährigst geschehen solle, mit 
gleichmässiger anhoffnüng und Herzenswunsch dass, wie dieses Band 
lins in geistlicher Frcündschaft hier zeitlich verbindet, also auch dort 
in Gott ewiglich. Damit aber dieser heilige Liebes-Bündt um somehrer 
Kraft möge haben, ist dieser gegeneinander schriftlich verfasset, auch 
mit Unterschrift und gewöhnlichen Signet gefertigt worden. 

So geschehen in S. Katharinathal den 11 Hornüng 1789. 

M. Agnes Wirthin 
Fr. Priorin : und Convent. 


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i8 5 


XII. Utters Domus Ittingensis ad Dornum 


Partis-Dei. 


<10 mars 1824) 


Tessera pla* ConfoeDeratlonls CVM PatrlbVs 

CartVsIanls In Ittlngen. 


Admodüm Venerandi, Venerabilesque Patres. 

Sancta ergo, et salubris cogitatio, pro defunctis exorare, ut ä peccatis 
solvantur, quam verae fidei calore dudum fovistis, firmaque futurorum 
bonorum spe jugiter nutristis, in apertam mutu® charitatis flammam 
adeo exarsit, ut etiam nobis remotioribus luceat et ardeat. A vobis 
igitur oblatam sacerdotii creditum nobis talentum cum multiplicato 
animarum foenore expendendi occasionem eo libentiüs amplectimur, 
quo propinquiüs nobis instare videntur dies novissimi, de quibus vati- 
cinata est incarnata Dei Sapientia, dum ait : refrigescet charitas mul- 
torum. 

Quin etiam ipse Sanctus Ordo noster jugi sacrificio pro defunctorum 
requie applicando diligenter ac devote intentus, at temporum injuriis 
diu multumque fatigatus vix non expiravit, vigente semper irrefragabili 
semel moriendi statuto, quod nos omnes compellit comparere ante 
judicem, qui etiam in Angelis suis reperit pravitatem, nos vero ita 
circumdati infirmitate, ut ea tenaciter adh®reant sine quibus ä culpa 
nemo über extitit. 

Nobis tarnen, qui residui sumus, inter angustias deprehensis salu- 
berrimum evadendi remedium suggessit Apostolus monens : Orate 
pro invicem ut salvemini. Verum enim vero, cum omne orationis genus 
praecellat Sanctissimum Miss® Sacrificium, in quo non duodccim millia 
drachmas argenti oflerimus pro peccatis mortuorum sacrincium, sed 
agnum sine macula et sanguinem, sine cujus effusione non sit remissio. 
et in quo non solum viventium mens impletur gratia, sed etiam defunctis 
citiüs futur® glori® pignus datur. Qui jamdudurn ex Patrum nostrorum 
institutis unus panis et unum corpus eramus, nunc in hoc unitatis 
signo, et perfect® concordi® symbolo arctissime constringamur, ut ex 
hujus miser® peregrinationis itinere ad ccelestem patriam sicut securiüs 
in morte, ita velociüs post mortem convenire valeamus, et ad eum. 
quem sub sacris velaminibus quotidie videmus, ab=que ullo velamir.e 
videndum proj>eremu>. 


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i86 


His, aliisque permoti consensimus vobiscum tarn bene et religiöse 
de Resurrectione cogitantibus foedus istud inire sub his, quae sequuntur 
conditionibus : I. Quandocumque aliquis vestrum de praesenti vita ad 
futuram transierit, ejusque obitus nobis fuerit denuntiatus, plenur; 
cum psalteriis monachatum, sive 6 missae Sacrificia pro dcfuncti requie 
quilibet nostrum persolvat. II. Defuncti nomen sub die obitus sui pro 
annua recordatione Necrologio inscribatur. III. Monachatus iste, ex 
foedere hoc debitus, non multum differatur, sed quando licet, sine mora 
persolvatur. Sicque, dum invicem ardet amans spo nixa fides, optatum 
certiüs consequamur finem, videlicet ut citius 

SpIrltVs DefVnCtorVM reqVIesCant In paCe. 

Verumtamcn ne foedus hoc spirituale, quod largiente Deo, a nobis. 
nostrisque successoribus fideliter custodiendum speramus, ullo modo 
violetur atque prasmissis plenior fides habeatur, instrumentum hoc 
propria singulorum manu subscribi et consueto Domus nostrse sigillo 
muniri fecimus, ac denique pro majore omnium robore et securitate 
ä Vestris Patemitatibus petimus, ut in hujus vicem vestrum quoque 
submittatis. Actum Ittingae, io martii (sur l’original on a ajoute aprö> 
coup a la Part-Dieu :) 1824. 

Fr. Benedictus Müller, prior. Fr. Bernardus König, sacrista. 

Fr. Laurentius Berard, vicarius. Fr. Nicolaus-Albergati Challamel. 

Fr. Joannes-Baptista Bruderhofer, coadjutor. 

antiquior. Fr. Anthelmus Schad. 

Fr. Bruno Lombris, procurator. 

L S 

XIII. Responsio Domus Partis-Dei. 

117 avril 1824) 

Ad honorem tcr Sanctissimae ac individuas Trinitatis Patris et Fiii: 
et Spiritus Sancti. Amen. 

Specialissima Communio bonorum Operum inter Patres Cartusianos 
Domus Partis-Dei, pagi Friburgensis, et Domus Ittingen, pagi Turgo- 
viensis. 

Plurimüm Reverendi Patres et Confratres in Christo dilectissuni. 


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— 187 — 

Cum ejusdem Vobiscum in Ch/isto Parentis Filii, ac sancti Funda- 
toris nostri Soboles esse gloriemur, qui in eodem stadio currentes ad 
eundem terminum, bravium aeternae felicitatis pervenire contendimus ; 
stimmum in Nobis exarcit desiderium peculiarem ineundi Vobiscum 
consociationem bonorum operum, qua; divinae gratiae auxilio adjuti, 
ad promovendam Domini nostri Gloriam et ad praesentem ac futuram 
animanim nostrarum salutem consequendam exercere valebimus. 

Pio huic nostro desiderio Vos, prout in votis habuimus, benigne 
respondisse ex datis ad Nos litteris, non minori consolatione quam 
ammi voluptate, intelleximus. Et re quidem vera, post illam tempes- 
tatem, quae universam Dei Ecclesiam summa calamitate afflixit, et 
Nobis quoque nonnisi paucas sacri Ordinis nostri Domus reliquit, 
quse veluti hinc inde olivae, caeteris ex olea excussis, ve] quidam racemi, 
cum fuerit finita vindemia (Isaiae, c. xxiv, 13) in medio populorum 
conspiciuntur : an non aequum est, ut nos tantae ruinae superstites in 
unum collecti has tristes reliquias Domino consecremus ? Quid magis 
optandum quam cum suis Confratribus uno vinculo charitatis, quam 
Paulus perfectionis vinculum, ipse vero Christus Dominus noster suum 
mandatum appellat, ita constringi, ut unum corpus animamque unam 
constituentes uberiora invicem auxilia, sub communis omnium nostrüm 
Parentis ac sancti Fundatoris auspiciis, praestare valeamus ? 

Quid ? Quod haec charitas sepem inter Deum et homines peccatores 
sese interponere audeat, ac de divinae justitiae armis triumphare non 
desperet. Hac charitate indutos sanctus noster Patriarcha nos filios 
se dignos agnoscet, et fas est sperare, fore, ut pauca haec sancti Ordinis 
nostri semina, quae Deus Sabaoth nobis in sua charitate reliquit, sicut 
radix de terra sitienti, rursus germinent floresque olim laetissimos 
denuo progignant. 

Quare, Plurimum Reverendi Patres ac Fratres in Christo dilectissi- 
mi, postquam litteras vestras sincere laudavimus ac ratas habuimus, 
Xos infra subscripti Religiosi Partis-Dei sancta cum laetitia acceptamus 
pro Nobis et pro Nostris successoribus bonorum operum communionem, 
quam Nobis per litteras io ma martii 1824 ad Nos datas tarn amanter 
offerre voluistis, quamque inter nos perpetuis temporibus sanctam 
et inviolabilem conservari percupimus, Nosque vicissim obligamus ad 
tres actus vestri articulos, nempe quod : i° quandocumque aliquis 
'•'esinmv de praesenti vita ad futuram transierit, ejusque obitus nobis 
fuerit denuntiatus, plenum cum psalteriis monachatum sive sex Missa; 
Wihcia pro defuncti requie quilibet nostrum persolvat ; 2 Dcfuncti 


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nomen sub die obitus sui pro annua recordatione Necrologio inscri 1 
batur; 3 Monachatus iste ex foedere hoc debitus non multum differatur, : 
sed quando licet, sine mora persolvatur ; et insuper ad ea quze vosdesi- ( 
derare significastis, uti fusius expressa leguntur Capite XXXIX n° 2 j 
Ordinarii. t 

(Sur l'original se trouve la phrase suivante qui aura 6t6 sans doute 1 
ecrite ä Ittingen dans une lettre particuli&re :) I 

Quinimo Venerabilis Pater Domnus Arsenius Ciccati, hospes vester 
bene meritus, ut habeat nobiscum partem in hac operum bonorum 
communione non solum libenter annuimus, sed ex vero corde etiam 
peroptamus. 

Datum in nostro Conventu Partis-Dei die 17 aprilis 1824. 

Vestri in Christo Fratres 

Fr. Franciscus Lachat, prior. Fr. Antonius Jomini.procurator. 

Fr. Benedictus Palu, vicarius. Fr. Hilarion Peiry, coadjutor. 

Fr. Benedictus Lempereur, correrius. Fr. Arsenius Bielmann, sacnsta 
Fr. Nicolaus Berrard. Fr. Joseph Currat. 

Deux petites rectifications au Catalogue. — I. A la notice de Henri 
Gans, prieur de 1485 4 1496, nous 6crivions, page 50 : « II est curieux 
de constater qu’aucun de ces trois articles n6crologiques » de la 
chartreuse de Fribourg, de celle de Bale et du Chapitre general, «nc 
rappelle le priorat au Mont-Saint-Jean-Baptiste de Fribourg, düment 
av6r6 par ailleurs t. Nonobstant cette assertion, la seconde partie du 
ndcrologe de Bäle, que nous citions, mentionne bien le priorat de 
Henri Gans ä Fribourg-en-Brisgau, « quondam domorum Fryburgi ei 
Yttingen prior *. L’absence de cette mention dans la premi&re partie 
de ce necrologe seule nous avait frapp£. Et le Necrologe d'Ittinger. 
Signale aussi cette Charge, le 3 novembre : « D. Henricus de Winther- 
thur, olim prior Friburgi, Buxire et Ittingae. 1501. * 

II. Nous nous demandions, page 223, si sous le prieur Hugues 
Birchhoffer (1708-1712) « mourut D. Bemardus Steinbock, ex Diessen- 
hoffen, redditus laicus hujus domus *, singuliörement appele D[omnus, 
au lieu de Frater par le Calalogus, qui ne donne pas la date de son 
deces, tout en le pla^ant apres les pr6c6dents, arrivfe sous le priorat 
de Dom Christophe Schmid (1685-1708). Le Necrologe porte la meme 


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— 189 — 

* 

inscription, mais precedee du mot Nobilis, au 31 juillet, et avant 
toutes les autres de ce jour dont la deuxiäme est de 1657. Le mot 
A ohlis nous explique pourquoi on appelait Bemard Steinbock Dominus 
(plutöt que Domnus). C’6tait une sorte d’oblat ou de pensionnaire. Et 
la place qu’il occupe dans le Necrologe, aussi bien que sa condition 
de«laic rendu », supprim6e chez les chartreux depuis 1580, d6notent 
que ce personnage vecut probablement dans le premier si6cle de 
l'existence d’Ittingen. 



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Karl Borromeo 
und das Stift St. Gallen 


Von Joseph MÜLLER 


i Fortsetzung.» 


II. 


Wie die Konfirmation, so gab auch die Abtsweihe Otmars u 
Weiterungen Anlaß. 1 In der Zeit der Reformationswirren hatte Kilian 
German seine Weihe zum Abte im Münster von Überlingen empfanden 
Diethelm Klarer sie verschieben müssen, bis der zweite Luulfrieti- 
iIm wieder in den Besitz des Stiftsgebietes brachte. Auch dann noa 
hatte Diethelm nicht gewagt, die Benediktion in der K lost er ki roh-' zi 
St. Gallen vornehmen zu lassen, sondern die Feierlichkeit - nach Rer- 
schach verlegt. So war es seit der Glaubensspaltung das erste Ma:. * 
daß die Weihe des neuen Abtes, die nach dem frohen Festcfeiem jtmr 
Zeit eine große Zahl Gäste versammelte, in St. Gallen vorgenomimn 
werden sollte. 2 

Nach der Auseinandersetzung über die Schäden, die K lost erst unr. 
und Klosterkauf dem Stifte zugefügt hatten, war das Verhältnis von 
Stift und Stadt im ganzen ein friedliches gewesen. Aufgelaufene Rechte 
händel waren 1549 durch den großen Spruch der VI Orte beglichen 
die Anstände religiöser Natur aber auf ein allgemeines Konzil unter 


1 S. dazu Z i eitler, a. a. O.. S. i ; und S. 19 ff. 

2 Pie Bemerkung, es sei allerdings noch nie eine Benediktion im Klost ; 

St. Gallen gehalten worden, die Ziegler S. 20 Otmar in den Mund legt, hat die-. r 
selbstverständlich nicht getan. Kr gab nur zu. es sei * by manns grdoncken 
kein solches Fest im Kloster gefeiert worden, weil Abt Franz Gaisberg seine Wert: 
in Koni erhalten. Kilian zu kainer possession, geschwygen benediction zu N*" ? 
Gallen •> habe kommen können, Diethelm sie in Rorschach empfangen. 1 on>: ; 
zwyfel nach der zyt und anderer ursach. « Bd. 108, f. 80a f. » 


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— IQI — 

Bezugnahme auf das Wiler Abkommen vertagt worden. 1 In den 
letzten Jahren vor Diethelms Tode hatten wiederum etwelche Späne 
rechtlicher Natur gewaltet, die sich unmittelbar nach dem Regierungs¬ 
antritte Otmars' um einige weitere vermehrten. 2 

Zur Benediktion, die am Gallusfeste 1565 stattfand, hatte Otmar 
den Rat der Stadt durch den Schirmhauptmann Escher von Zürich 
und eine ansehnliche Abordnung fürstlicher Räte gebührend einladen 
lassen. Mit Dank hatte der Rat zugesagt. Allein schon Tags darauf 
setzte eine Gegenströmung ein ; man ließ sich auf der Pfalz erkundigen, 
wieviel Volk käme und beruhigte sich auch nicht mit der Versicherung, 
das Stift habe Anordnungen getroffen, daß niemand zu Schaden komme. 
Furchtsam gemacht durch unkontrollierbare Gerüchte, stellte der Rat 
am 6. Oktober eine Verordnung auf, durch welche die Zahl der Begleiter 
für die Gäste des Abtes beschränkt und fest fixiert wurde. Trotz des 
Hinweises Otmars auf diese Unfreundlichkeit 3 , da er seine Gäste auf 
seinen eigenen Boden geladen, beharrte der Rat auf der Anordnung, 
ließ auch beim Einzug der Geladenen am 15. Oktober die Tore durch 

je 6-8 wohlgerüstete Bewaffnete bewachen und während des Festes 

% 

jewcilen in der Nacht 300 Mann auf Pikett stellen. Von den Bürger¬ 
meistern hatte jeder sich geweigert, der versprochenen Abordnung 
anzugehören und eher das Burgrecht aufgeben wollen, so daß die 
städtische Deputation nur aus vier untergeordneten Bürgern bestand. 4 
Diese vom Kloster und auch von den Schirmorten stark empfun¬ 
dene Unfreundlichkeit der Stadt veranlaßte den Rorschacher Vertrag 
vom 13. und den großen Wiler Spruch vom 20. September 1566. Mit 
ihnen wurde die völlige territoriale Scheidung von Stift und Stadt durch 
die Mauer um den Klosterbezirk und das dem Abte zugestandene 
- ig«.ne Tor durch die Stadtmauer erreicht. Dieses in St. Gallen allein 
noch erhalten gebliebene Tor hat durch seinen Namen « Karlstor» 


1 Eidg. Absch. IV, i b, Nr. 691, IV, u\ Nr. 07. 

2 S. diese bei Ziegler, S. 14 ff. 

3 Er hatte dabei bemerkt : « es gescheche glych zu disen zyten in der statt 
Zürich, das etwo 3, 4. 5 bi 13 in 6. 700 pferd und glvchwol et wo welsch volk, 
es syge uß Frankrych, Italien. Engelland etc. in und ußryte, dess man aber 
niemant sperre. » Bd. 108, f. 8m. 

4 S. neben Ziegler die von ihm ausgeschriebene Arbeit Leders . Die Be¬ 
ziehungen der Stadt St. Gallen zur Eürstabtei vom Beginn der Reformation bis 
zur völligen Scheidung der beidseitigen Gebiete, Msc. der Stadtbibliothek St. Gallen, 
und Stiftsarchiv Bd. 108, f. 78-S3. 


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192 


die Kunde vom Besuche Borromeos im Stifte St. Gallen in die Gegen¬ 
wart hinübergetragen. 1 

Im. Sommer 1570 hatte Karl Borromeo eine Reise durch die 
Schweiz angetreten mit dem Endziel Hohenems, wo seine Stief¬ 
schwester Hortensia seit 1565 an den Grafen Hannibal vermählt war . 1 
Von Luzern aus, wo sein Aufenthalt zum 23. August durch Brie;-, 
bezeugt ist, reiste der Kardinal über Zug in das Gebiet des Snfn> 
St. Gallen. 3 Noch hält die Volksüberlieferung die Reiseroute Karls 
an der alten Rickenstraße fest durch ein Bild des Heiligen in dir 
St. Josephskapelle in Uznach und durch das Kirchenpatronat von 
Emetswil, der einzigen Karlskirche unserer st. gallischen Diözese. Ir. 
Lichtensteig übernachtete Borromco. Obwohl er inkognito und ir. 
kleiner Gesellschaft reiste, sich auch speziell jede feierliche kirchlich*- 
Begrüßung verbeten hatte, weil er in fremdem Bistum sei, erwähn: 
sein Kammerdiener Fornero ausdrücklich, daß sich zur Messe di> 
Kardinals in der frühen Morgenstunde eine sehr große Menschen meng 
einfand. Bereits war Borromco im Volke der Ruf eines außerordent¬ 
lichen Geistesmannes vorangeeilt, und unter großer Rührung bemüht-r. 
sich viele, von ihm mit Andachtsgegenständen, wie Rosenkränzen um! 
Agnus Dei, beschenkt zu werden. Fornero erwähnt vor allem di- 
Frau del governatore di quel luogo. Das wird ohne Zweifel die Gattin 
des schon erwähnten Landvogtes Balthasar Tschudi sein, der bis I5?J 
die Landvogtei versah und bei dem Borromeo auch abgestiegen seit: 
dürfte. 4 

Noch in der Morgenfrühe brach der Kardinal von Lichtenstck 
auf. Es war der 26. August, ein Samstag. In St. Gallen wurde er 
vom Abte, der aus der Badekur in Fideris nach Hause geeilt war 1 
und vom Konvente in feierlicher Prozession abgeholt und in da- 


1 S. Exkurs 1 : Die St. Galk-r Tradition über den Besuch Borromeos. — Da; 
Karlstor. 

* Zweck, Veranlassung und Verlauf der Reise s. bei ReinhardI und Steffi*-- 
a. a. O., S. 310-323, und bei W'vnninn, Kardinal Karl Borromeo in seinen Ber.t- 
hungen zur alten Eidgenossenschaft. S. 102 ff. 

s S. Exkurs 2 : Zur Wegroute der Schweizerreise Borromeos. 

4 D' Alessandri. Atti di S. Carlo riguardanti la Svizzera. S. 158 ; Rnnhu'i: 
und Steffens. S. 320. A. 4. Der mit Borromeo gut bekannte Urner Staatsnia"!i 
Johannes Zumbrunnen war der Schwager Balthasar Tschudis. Stiftsarchiv 
B< 1 . 1770. S. 355. 

s Otmar war am 11. August noch mitten in der Badekur; s. Schieß. 
Korrespondenz Bullmgers mit den Graubündnern III., Quellen zur Schwei»' 
Gesch. Bd. 23, S. 207. 


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- i93 - 

Kloster begleitet. 1 Schon frühzeitig hat die Klostertradition behauptet, 
Borromeo habe sich geweigert, die Stadt zu betreten*als er gehört, 
sie sei reformiert, und habe sich darum das neue Tor, das unmittelbar 
in den Klosterbezirk führte, zu seinem Eintritte öffnen lassen. 2 

Borromeo hat bekanntlich die Eindrücke und Beobachtungen 
seiner Schweizerreise in jener Information für Papst Pius V. fest- 
gehalten, deren Entdeckung sich Steffens zum besondern Glücksfall 
anrechnet und die er mit vollstem Rechte an die Spitze der Bonhomini- 
Korrespondenz stellte. 3 Borromeo schilderte darin auch, was er bei 
seinem kurzen Besuche im Stifte St. Gallen mit scharfem Einblick in 
die Verhältnisse geschaut und was er dem Abte geraten hat. 4 

«In dem Landstrich oberhalb des Bodensees gegen den Rhein, 
der zur Schweiz gehört », so bemerkt die Information wörtlich, «liegt 
St. Gallen, ein weites freies Gelände, ganz zwinglianisch. Großen 
Fleiß verwenden sie darauf, den Protestantismus zu erhalten. Alle 
Tage wird gepredigt, wobei während der Predigt die Verkaufslokale 6 
geschlossen werden ; des Sonntags wird dreimal gepredigt. 6 Um die 
Stadt herum liegt die Gerichtsbarkeit des Abtes von St. Gallen ; sie 
ist im Gebiete unterhalb Lichtensteig ganz katholisch, während sie 
in der Umgebung Lichtensteigs paritätisch ist. 7 Der Abt hat seine 
Residenz in der Abtei St. Gallen, die unmittelbar neben der Stadt 
liegt 8 , aber durch eine Mauer von ihrem Gebiete getrennt ; doch hält 
dies weder den Abt noch die Seinen ab, mit den Häretikern zu ver¬ 
kehren und sich gegenseitig zu Gast zu laden. » Mit Freude sah Borromeo 
dagegen, wie die Abtei eine schöne Anzahl Mitglieder zählte und wie 

1 D’ Alcssandri, S. 158. Daß Borromco in St. Gallen einen feierlichen Einzug 
gestattete, zeigt, daß er das Kloster als von Konstanz völlig exempt betrachtete. 
Die im ersten Teile dargestellten Verhandlungen mögen ihm in Erinnerung 
gekommen sein. 

1 Stiftsarchiv Bd. 181. unpaginiert. S. Exkurs i. 

3 Reinhardt und Steffens, S. 323, A. 2. 

4 Für das Folgende s. die Nuntiatur von Giovanni Francesco Bonhomini, 
bearbeitet von Steffens und Reinhardt , Documente I, Nr. 2, S. 11-12. Ich zog es 
vor, anstatt der Übersetzung bei Öchsli, Quellenbuch. S. 466, eine eigene zu geben. 

Ä botteghe. 

4 Diese Bemerkung scheint direkt darauf hinzuweisen, daß Borromeos 
Aufenthalt in St. Gallen sich stark in den Sonntag, 27. August, hinein erstreckte. 
S. Exkurs 2. 

* Das weist wohl auf die Route durch das jetzige Alttoggenburg und die 
Alte Landschaft hin, etwa Lichtensteig, Schwarzenbach-Flawil-Goßau. 

• annessa alla terra. 

MVUE UHISTOIBE RCCIKSIASTlyUE U 


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— 194 ^ 

die Mönche den Gottesdienst sehr würdig versahen ; erfreut ruhte 
auch sein BliA auf den Schülern, die, mit Ausnahme der Matutin*, 
schon den gesamten Chordienst mitmachten und sich mit dem Ge¬ 
danken trugen, ins Kloster einzutreten. Den Abt charakterisierte er 
als einen Mann von geringem Wissen 2 , aber er hob dessen Geradheit 
und guten Willen hervor. 

Unter den Mißständen, auf die Borromco den Abt in Milde auf¬ 
merksam machte, erwähnt Fornero vor allem das Fehlen der Klausur. 
Weibliche Personen konnten in der Küche und in den Zimmern dr> 
Klosters behilflich sein ; sie hatten auch Zutritt zu den Gastquartieren, 
die sich in der Mitte des Klosters befanden. 3 Kurz und bündig wird 
in der Information vermerkt, man scheine in St. Gallen von der 
neuesten Bulle, die Frauen im Kloster zu dulden verbiete, kein Wissen 
zu haben. Noch von einem zweiten benachbarten Benediktinerkloster 
* am Bodensee meldet Fornero, daß Borromeo dort die gleichen Übel- 
stände getroffen und um die nämliche Abhilfe sich bemüht habe 
Da feststeht, daß der Kardinal durch Abt Otmar nach Rorschacfc 
begleitet wurde, hat man mit Recht darunter Mariaberg bei Rorschach 
vermutet, wo der st. gallische Statthalter für das Rorschacheramt 
residierte. 4 

Borromeo vertrat dem Abte gegenüber die Meinung, cs ließen, 
sich die protestantischen Untertanen des Stiftes wieder zum Katho¬ 
lizismus zurückführen, wogegen Otmar auf die Schwierigkeiten hin- 
wies — Karl nennt es weltliche Rücksichten — und Revolutions¬ 
drohung befürchtete. Der Kardinal hat offenbar mit diesem Ge¬ 
danken stark insistiert, bis der Abt, wohl um Karl keine direkt 
abschlägige Antwort geben zu müssen, den Wunsch nach einem päpst¬ 
lichen Breve äußerte, das ihm ein Vorgehen gegen seine protestan¬ 
tischen Untertanen nahelege. Daß es sich in der Meinung Borromeos 


1 Matutinales preces quotidie ad pulsum convcrsi hora ondeciina nor'ti 
erunt cantandae heißt es in der Reformatio monasterii unter Abt Otmar. Stifts- 
arr-hiv Bd. I, S. 540. 

* senza lettere. 

* D' Alcssandri. S. 158. 

4 S. den Brief Walter Rolls an Borromeo, 24. Januar 1571. bei D'Alessandr. 
S. iflo. Hiezu sei auch auf die Stelle im Briefe Borromeos an Otmar. Beilage'* 
aufmerksam gemacht, wo von coenobia. also im Plural, die Rede ist. An Mehreraa 
zu denken, wie eventuell Reinhardt-Steffens S. 321, Anm. 2 will, scheint mir de 
Ausdruck l-orneros zu verbieten : si trasjenmnm al Castclio di Altaemps. womit «r 
nach der Erwähnung dieses zweiten Klosters weiterfährt. 


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- 195 - 

dabei um die protestantischen Teile des Toggenburg handelte, geht aus 
dem Briefe Walter Rolls hervor. Noch später hat Borromeo ausdrück¬ 
lich auf das Toggenburg hingewiesen. 1 

Dem dritten Wunsche Borromeos, an das zu gründende Priester- 
s.minar für die katholische Schweiz einen Beitrag zu leisten, trat der 
Abt mit der Bemerkung entgegen, daß seine Einkünfte ihm hiefür 
nichts übrig ließen. Der Heilige findet dagegen, der Abt gebe fast 
alle seine Einnahmen für Gastereien aus. 2 Doch hätte er sich bereit 
erklärt, bei günstiger Gelegenheit einige Jesuiten in sein Land zu 
brufen, aber ohne für sie ein Kollegium zu gründen. Borromeo, der 
die Einkünfte des Stiftes auf 50-60,000 Scudi schätzte, schlug indessen 
dem Papste vor, in den Kreis des schweizerischen Seminars, das er 
zu Luzern errichtet wissen wollte, auch das Gebiet des Stiftes St. Gallen 
tinzubeziehcn. Und als Grund fügt er bei, weil das Seminar auf diese 
Weise zum guten Teile durch die Größe der st. gallischen Einkünfte • 
unterhalten werden könnte. 3 

Der Kardinal hatte Otmar versprochen, bei der Rückreise wiederum 
in St. Gallen vorbeizukommen. Aber am 29. August berichtete er 
von Hohenems aus, er sehe sich genötigt, auf kürzerem Wege über 
Feldkirch nach Uri zu reisen. Dabei unterließ er nicht, Otmar nochmals 
alles ans Herz zu legen, was er mit ihm besprochen habe und das dazu 
diene, den Katholizismus im Gebiete der Abtei zu erhalten oder wieder¬ 
um aufzurichten. Er selbst werde hiefür ebenfalls seine Mühe auf¬ 
wenden. 4 

So viel Aufmerksamkeit man in den katholischen Orten verwendet 
hatte, den Kardinal würdig zu empfangen, so würde man sich doch 
in der Annahme täuschen, die Reise sei als etwas Außerordentliches 
empfunden worden. Dies bezeugt auch das wenige Aufsehen, das sie 
bei den Protestanten erregte. Die Briefe der großen Simmlersammlung 
in Zürich enthalten in den in Frage kommenden Monaten August und 
September keinen Hinweis darauf und auch unter den «Zeitungen » 

1 S. Beilage VIII. 

2 Tobias Egli schrieb vom Bad Fideris aus am 11. August 1570 an Bullinger: 

- Conradino Planta, qui . . . non raro abbatem S. Gallensem et comitem 

Henncum a Fürstenberg una aliis invisit et remotis Lutheranis apertis longissimc 
tgregie simul voluptuantur. Schieß, a. a. O., S. 207. 

* Zu letzterer Stelle Documentc I. S. 14. 

* S. Beilage VI. Der Brief ist erwähnt bei Mayer, Der heilige Carl Borromäus 
und die Schweiz, Schweiz. Kirchen-Ztg. 1SS4, S. 348 und darnach in dessen Werk 
l>as Konzil von Trient, I, S. 181. 


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— 196 — 

des Zürcher Staatsarchivs sucht man vergeblich nach einer Nachricht 
darüber. Was speziell den Besuch in St. Gallen betrifft, ergab ein 
Nachforschen in den städtischen Ratsprotokollen ebenfalls ein nega¬ 
tives Resultat ; der Briefwechsel Liners aber enthält in der in Fra:- 
stehenden Zeit eine Lücke, weil der Briefschreiber damals in Geschäfti-r. 
in Frankreich abwesend war. 1 Erst als Borromeo schon in Hohenem- 
angekommen war, schrieb Tobias Egli am 28. August von Chur an 
Bullinger, der Kardinal sei vorgestern in Bellinzona gewesen und 
werde durch die Schweiz reisen. 2 Bullinger freilich hat die Bedeutung 
der Reise besser erkannt, wenn er nebst dem Hinweise auf die Durch¬ 
führung der tridentinischen Beschlüsse in den ennetbirgischen Yoc- 
teien ganz allgemein fand, Borromeo verhandle wegen der Inkraft¬ 
setzung des Konzils. 3 

Dazu hatte Bullinger beigefügt, vielleicht versuche der Kardinal 
auch andere Prälaten anzustiften, Unruhen zu erwecken. Mit ähnlicher. 
Worten war der Abt von St. Gallen der Mahnung Borromeos begegne'.. 
seine Untertanen zum Katholizismus zurückzuführen. Dennoch stimm!: 
von allen Wünschen des Kardinals dieser am meisten mit Otmar- 
Absichten überein. Schon im Interesse ihrer Herrschaft mußte den 
st. gallischen Äbten ja alles daran gelegen sein, den Protestantismu- 
aus ihren Gebieten zu verdrängen und dafür dort den Katholizismu.- 
zu stärken. Wenn Otmar Bedenken erhob, w-aren cs die Verhältnis* 
im Toggenburg, die ihm vor Augen schwebten. Eis gab aber auch in 
der Alten Landschaft, wo der Abt als Landesfürst weit unabhängig r 
regierte, noch Protestanten. Sie waren ohne Geistliche und Gottes¬ 
dienst ; sie durften auch nicht außerhalb der Stiftslandschaft ihr- ; 
Kinder taufen oder ihre Ehen nach evangelischem Ritus cinscgnen ; 
lassen. Persönlich aber war auf sie unter Abt Diethelm kein Zwanc i 

ausgeübt worden, zum alten Glauben zurückzukehren. 4 Das groß'- ; 

• 

I 

I 

1 S. dazu Jlhretizcllcr, Hans Liner, ein st. gallischer Kaufmann in der Rotor- j 

mationszeit. St. Gallcr Blätter, 1914. j 

2 Schieß, a. a. O.. S. 210. i 

3 Ebenda, S. 213 f. j 

4 Die Bemühungen Abt I)ietheims, die Alte Landschaft zu rckatholifioror. 
hat von Arx III, S. 52-65 dargestellt. Irrige Vorstellung, die auf Eidg. Absch b 
le. S. 149 abgefärbt zu haben scheint, als ob der Wiler Vertrag von 1532111'- 
driicklich und expressis verbis dem Abte das völlige Verfügungsrecht in Religion** 
sachen gewährleistet habe, erweckt S. 62, Anm. b. Das dortige Zitat entstand 
nicht dem Wiler Vertrag, sondern der Verantwortung der Stadt St. Galto 
in den Verhandlungen von 1549. t’m für ihr Gebiet den Religionsrwang t» 


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IQ 7 


Landmandat hatte ausdrücklich den Vorbehalt für sie aufgenommen, 
anstatt der österlichen Beicht- und Kommunionpflicht jene des « Betens * 
erfüllen zu können, wie dies entsprechend für das paritätische Toggen- 
burg und Rheintal vorgesehen war. 1 

Hier setzte Otmar ein, bedächtig und sich im Voraus der Unter- 
stützung der katholischen Schirmorte versichernd. Um Neujahr 1571 
war er durch den Urner Staatsmann Walter Roll an die Mahnungen 
Borromeos erinnert worden. 2 Wenn er es auch ablehnte, im Toggen- 
burg, wie noch auszuführen sein wird, jetzt Rekatholisierungsvcrsuche 
zu unternehmen, so sah er sich doch den so nachdrücklich geäußerten 
Wünschen gegenüber gezwungen, seinen guten Willen zu beweisen, 
Jen Roll ebenfalls, wie Borromeo in seiner Information, hervorhob. 

Auf der Tagsatzung zu Baden vom 7.-15. Januar 1571 stellten 
Jic stift-st. gallischen Gesandten an die Zürcher Boten das Gesuch, 


retten, hat die Stadt diesen damals auch dem Abte für das Stiftsgebiet zuerkannt- 
S. St.-A. Ruhr. 20. I-'asz. 1. Auch die zu summarische Darstellung Oechslis' 
Orte und Zugewandte. Jahrbuch f. Schweiz. Gesell. XIII, S. 254, ist teilweise 
irreführend: irrig ist, der Abt habe schon 1538 seine Untertanen «zur Messe 
gezwungen ». 

1 St.-A. Ruhr. 42. l'asz. 11. Für das Toggcnburg ist die Bemerkung Wc/fehns, 
h. a. O., II, S. 150, irreführend, die zu verschiedenen Malen erlassenen besonderen 
Forschriften « von wegen des pettens « seien 1 575 in das Landmandat aufgenommen 
•'Orden. Bereits das für 1555 von Landvogt und zweifachem Landrate beschlossene 
Undmandat enthalt erstmals die Verfügung. Gegenüber erhobenen Weigerungen 
m den evangelischen Gemeinden bot Diethelm auf den 10. Tag «Wolfmonats» 
*555 nach Schwyz Recht. Band 1551. S. 129 f., 195 M. Von den in Ruhr. 122, 
lasz. 7 vorhandenen Rheintaler Mandaten enthalt gleichfalls dasjenige für 1555 
die Verordnung wegen des Betens. Dabei ist durch die gleichzeitige Randnote : 
es soll jedes mentsch alle dem priester oder predicanten bychten oder peten >• 
der Sinn erkennbar. Im Artikel selbst ist erst im Mandate vom 16. Juli 1572 
— die Verkündung geschah im Rheintal nicht auf Neujahr — die Osterbeicht 
erwähnt mit dem Beifügen. « oder welichc personell nit bichten wellen, dem 
priester oder predicanten in der kilcln-n ir gepet öffnen, namblich das.vater unser, 
das ave Maria, das ist den englischen grub, den christenlichen glouben und die 
zechen gepot sprechen ... •• Man mag auch hier das Datum — 1 572 — beachten ! 

1 Brief Rolls an Borromeo. Altdorf. 24. Januar 1571. bei D’Alessandri, 
>59 f- 1 zum Briefe s. die Bemerkungen Wymanns, a. a. O.. S. 232, A. 1. Walter 
Holl war mit Ursula Zollikofer von Altenklingen verheiratet, woraus sich seine 
Anteilnahme an den st. gallischen Angelegenheiten noch mehr erklären mag. 
5 - Reinhardt und Steffens. S. 13, A. 1 ; Bucelin, Germania IV, p. 229. Roll hat 
a her auch damals, wie er die evangelischen Orte für das Bündnis mit Savoyen zu 
interessieren suchte (Fidg. Absch. IV. 2. S. 458). mit dem Abte von St. Gallen 
Hier dessen Eintritt verhandelt. Eine SchluUnahme von Luzern und Schwyz 

7.. resp. 9. Dezember 1570, riet dem Abt energisch ab, * diewyl man nit 
»eist. uQ was grund er deß begert. •> St.-A. Rubr. 13, Fasz. 17. 


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— 198 — 


den Burg- und Landrechtsbrief von 1451, auf dem das Bundes- und 
Schutzverhältnis der Abtei mit ihren vier Schirmorten beruhte, zu 
vidimieren und mit einem amtlichen Transsumpt wieder zuzustelkn 
Es ist keine Ursache ersichtlich, daß Otmar damals das Vidimus zur 
Schonung des Originals benötigt hatte. So stellt das Rechtsgeschäft, 
das Bürgermeister und Rat von Zürich am 29. Januar beurkundeten, 
von Seite des Abtes einen höflichen diplomatischen Schritt dar, der 
das evangelische Vorort an seine Verpflichtungen gegen das St il 
St. Gallen erinnerte. 1 Mindestens vor der Fastenzeit erließ darau! 
Otmar ein Mandat für die Stadt Wil, das allen Bewohnern derselben 
die Osterpflicht der Beicht und Kommunion auferlegte. Bei ihrer, 
wie oben bemerkt, erst nach der Konfirmation am 1. Januar 151)»' 
erfolgten Huldigung hatte sich die Vaterstadt des Abtes geweigert, dtr. 
Schirmhauptmann zuzulassen, da sie den IV' Orten niemals geschworen 
habe. 2 Durch diese Sonderstellung Wils bot sich Otmar eventuell 
widerspenstigen Bürgern gegenüber die rechtliche Handhabe, jul 
Einmischung Zürichs gegen das Rcligionsmandat zum vomhincin 
abzuweisen. 

Bisher waren in der Alten Landschaft wohl jene Übertretung!: 
des Beicht- und Bct-Gebotes, die den Amtleuten zur Kenntnis kanten, 
gestraft worden. Aber systematisch wurde nicht nachgesehen, ob das 
Mandat hierin gehalten werde. Auf Weihnachten 1570 hatte Otmar 
zu dem betreffenden Artikel verkünden lassen, daß von dem Priester 
oder Prädikanten, der die Beicht oder das Gebet höre, *ein zädel: • 
zu verabfolgen sei. Diese Zeddel ließ er hernach durch den Hofweib.! 
einfordern, wobei sich im Hofmeisteramt 48 Personen, * mertkih 
alte gestandne lüth, die nach dem bettel gand *, fanden, die in di-r 
Fastenzeit weder «bychtet noch bettet » hatten. Sie wurden all« 
einen Tag und eine Nacht zu St. Fiden in das Gefängnis gelegt ur ! 
mit der vom 19. September 1571 datierten Urfehde entlassen, sofort 
in der dortigen Kirche dem verordneten Priester das Gebet zu s] »recht R 


1 l'rkundenlnich der Abtei St. Gallen. VI, S. 305, Nr. 5291. Anm. Zün:li 
übersandte das Yidinnis ain 21. Februar, worauf der Abt sofort mit Schreiten 
vom 24. seinen ganz freundlichen und höchsten Dank ausdrückte. St.-A.. Btl. .! •' 
S. 31. Staatsarchiv Zürich. A. 244, 3. 

2 St.-A., Bd. ro.S. f. 346. Von dem zu besprechenden Vorträge der äbtisrn " 
Gesandten wird im Luzerner Protokollauszug erwähnt, daß das Mandat für "’J 
* vergangnes jar erfolgte, - du ganz niemand darwider gsin. ■■ Staatsarchiv Luzern 
Abtei St. Gallen. 


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• li 


— 199 — 

und fernerhin in der Fasten den christlichen Gehorsam, wie sich 
gebühre, zu tun oder aus der Landschaft zu ziehen. 1 

Nachdem durch diese Maßnahme ein eventueller Widerstand der 
Gotteshausleute sich als gering voraussehen ließ und auch von den 
evangelischen Schirmorten gegen das Mandat für Wil kein Widerspruch 
erfolgt war, ging Otmar daran, die noch protestantischen Untertanen 
der Stiftslandschaft « zum alten glouben zu zwingen ». Ein am 17. No¬ 
vember 1571 abgehaltener fürstlicher Rat beschloß, es sei durch eine 
Abordnung die Begutachtung und der Ratschlag von Luzern und 
Schwyz einzuholen. 2 Am 6. Dezember erschienen die Gesandten des 
Stiftes, Landvogt Balthasar Tschudi und Kanzler Jakob Stadler, vor 
dem Rate zu Luzern. Gemäß ihrer Instruktion führten sie aus, wie 
durch die Bemühungen Abt Diethelms und des jetzigen Fürsten die 
Zahl der Katholiken sich « in der hochen oberkait » des Gotteshauses 
von Jahr zu Jahr gemehrt habe, so daß nun « vil der weniger thail 
uf dem Lutherischen und Zwinglischen glouben » sei. Freilich sei 
♦ das unkrut noch nit gar ußgerüt *, werde aber noch mehr «in den 
alten, dann in den jungen gespüert. » Ob des Schwures, den er bei 
seiner Konfirmation abgelegt, und ob der Verpflichtungen des triden- 
tmischen Konzils wie der Konstanzer Diözesansynode, denen er eidlich 
sich habe unterziehen müssen, werde Abt Otmar « in der consciens 
und gwüssen angetast *. Wolle er dem richtigen Weg, den sein Ge¬ 
wissen ihm zeige, «ohn alles abschüchen der weit » nachgehen, so sei 
er gezwungen, seine obrigkeitliche Gewalt anzuwenden. Darum habe 
tr vor, sein Mandat in Bezug auf die Religion so zu ordnen, daß alle 
seine Untertanen «in der hochen oberkait des gottshuß gesessen », 
die das rechte Alter haben, auf künftige Ostern und von da an immer 
beichten und das hochwürdige Sakrament empfangen sollen ; Unge¬ 
horsame müsse er innerhalb bestimmter Frist aus der Landschaft 
fortweisen. Da andere Zugewandtc, wie seine Nachbarn, die Stadt 
* 


1 St.-A., Bd. 1065, f. 110a ff. Das ist der bei von Arx III, S. 251 irreführend 
«ledergegebene Vorgang, es seien 1571 in der Alten Landschaft über vierzig Per¬ 
sonen darum in den Gefängnissen gelegen, n weil sie die österliche Beicht nicht 
verrichtet hatten — Bereits in den Beratungen für das Mandat von 1570 war 
«in schärferes Vorgehen zur Sprache gekommen. Der Priester oder Prädikant, 
der die « bycht oder bett rödel in den nechsten wochen nach Ostern » nicht ein- 
iieferte, und « wer nit hyehtet oder bettet », solle um 5 U A gestraft werden. 
Bd. 850, f. 58a. 

* Bd. 850, f. 636, 


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St. Gallen und auch der Freiherr von Sax 1 ihre Untertanen « m:; 
gewalt und kurzer yl ze irem glouben gezogen *, hoffe er, es werde 
ihm ebenso wenig wie diesen Eintrag geschehen. Dennoch habe <r 
ohne Vorwissen und Rat von Luzern und Schwyz nichts tun wollen, 
in der Zuversicht, daß sie sein Vorhaben befördern würden. 1 

Schon in diesen ersten Verhandlungen im Franziskanerklosur. i. 
wo nur wenige Räte anwesend waren, müssen indessen gewisse Erlau- ^ 
terungen über den Wortlaut der Instruktion hinaus verlangt worden | 
sein, so über das Mandat von Wil und dessen Erfolg und vor allem I 
bezüglich des Landfriedens. Die äbtischen Gesandten verwiesen nach¬ 
drücklich darauf, daß der Fürst «nit im landsfriden, ouch keine predi- 
canten in iren landen* habe und daß das Religionsmandat «-allein 
sich uf die hoche oberkeit ir fürstlichen gnaden erstrecke. * In den 
Verhandlungen des folgenden Tages auf dem Rathause wurde es noch 
genauer dahin fixiert, daß das Vorhaben « uf die, so in der grafschait 
Toggenburg sizen und im landsfriden begriffen, sich nit, sonder allein 
uf ir fürstlichen gnaden hoche oberkeit, da sy keine predicanten j 
haben, erstrecke *. In diesem Rahmen erteilte Luzern am 7. Dezember I 
seine schriftliche Zustimmung. Schwyz fügte der seinigen vom S. Di- j 
zember bei, daß nebst dem Toggenburg auch die äbtischen Nieder- j 
gcrichtc im Thurgau ausgenommen seien, und beschränkte den Gel- j 
tungsbereich wörtlich auf des Gotteshauses «Alte Landschaft. * 3 ■ 

Der Artikel, den Otmar auf Grund dieser Verhandlungen in das ' 

• 

Landmandat der Stiftslandschaft für das Jahr 1572 neu einfügte. 1 
nahm Bezug auf die angeführte Begründung und gebot allen über 
14 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen in der Fastenzeit j 
bis zu Ostern zu beichten und die Kommunion zu empfangen, nicht : ( 
mehr bloß zu beten. Weiter verlangte er an allen Sonn- und Feiertagen j 

1 Chor die Reformation der Herrschaft Sax unter l T lncf# Philipp s. w« | 
.l».v III, 90-92. Hubert Schrrller . Die Freiherren von Sax zu Hohcnsax. St. Ga*ler 
Neu jahrsblatt 1919. behandelt nur die Geschichte des Geschlechtes. Cber die 
Darstellung bei von Arx hinaus ist darum nur auf S. 48 zu entnehmen, daß die 
Wiederverheiratung bei Lebzeiten seiner ersten, ehebrecherischen Frau Anna von 
Zollern mit der Protestantin Regina Marbach den Freiherrn Ulrich Philipp mit \ 
logischer Konsequenz zum Anschluß an die Zürchcrkirche trieb, - wenn c 1 nicht 
die Kinder zweiter Ehe als unehelich deklarieren und von der Erbfolge aus¬ 
schließen wollte *. 

2 Instruktion. Original. Ruhr. 13. Fasz. 17. 

3 Staatsarchiv Luzern. Abtei St. Gallen. St.-A., Ruhr. 13. Fasz. 1;. Es ^ 

das früheste mir bekannte Vorkommen der Bezeichnung Alte Landschaft. , 


I 


1 


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f 

1 




201 


•:-:n vollständigen Gottrsdienstbesuch. der Predig: ur.d Messe. Wem 
i>s nicht behage. der solle bis Johanni ,24. Juni das Land räumen, 
m. sonst er cos trat: und mit Gewalt aus dem Stiitscebiet iorrce-schaft: 


würde. 1 


Dieser Artikel, den Abt Otmar II. für 1572 dem Landmanda: 
••'.nfügte. war der Schlußstein zu den Bestrebung*. n. die Gotteshaus- 

i.ndschaft vom eing*-drung*nen Protestantismus zu reinigen ; er ha: 

• * 

he Alte Landschaft in ihrer ganzen Ausdehnung von Rorschach bis 
Wil zum geschlossenen katholischen Gebiete gemacht, wie sie heute 
noch uns entgeg-ntritt. wenn auch in Folge der freitn Niederlassung 
Ti ihr nun eine evangelische Diaspora entstanden ist. Daß auf diese 
Verfügung Borrom* os Mahnungen von Einfluß gewesen sind, z-.igt der 

•- •*- *- * V. 

Gang der Verhandlungen wie die Begründung, die Otmar seinem 


Vorgehen gab. 

Widerstand hat der Abt weder bei seinen Untertanen noch bei 
•d*n protestantischen Schirmorten gefunden. 1574 läßt er Luzern 
und Schwyz mitteilen. es seien nach Ausgang des Mandates * ein 
hußhab oder fünf hinw* gzogen «. alle andern hätten untertänig Ge¬ 
horsam geleistet. 2 Immerhin wurde noch 1585 erklärt, die in der 
Alten Landschaft Seien * fast • durchgängig katholisch. 3 Aber rechtlich 


war seit 1572 die Stiftslandschaft ausschließlich katholisches Gebiet. 
Unter Abt Bernhard II. (1595-1630'. wahrscheinlich anfangs seiner 
Regierung, konnte deshalb das Landmandat als Grundgesetz im 
ersten Artikel verfügen, daß alle Gotteshausleute der Alten Landschaft 
allein dem wahren, katholischen, apostolischen und römischen Glauben 
zugetan sein müßten. 4 

Ehe Mahnungen Borromeos waren freilich weitergreifend, als der 
Abt von St. Gallen in den geschilderten Vorgängen erreicht hatte. 
Daß Otmar dem Kardinal das direkte und bindende Versprechen 
g*.geben, seine Untertanen im Toggenburg zum Katholizismus zurück¬ 
zuführen. wie Roll in seinem erwähnten Briefe behauptet, wird man 
nach den eigenen Bemerkungen Karls in der Information bezweifeln 


1 Beilage VII. 

2 Ruhr. 20, Fa>z. i. 

* Eiolg. Absch. IV, 2. S. S91. Nicht bloß das Kosest, auch der Wortlaut 
~lbst, den ich der Güte Herrn Staatsarchivar Dr. Webers in Luzern verdanke. 
•Avit es ungewiß, ob dies die Äußerung de* Abtes Joachim ist oder die Auffassung 
‘Ls Abgesandten der V Orte, Christoph Schorno. der über eventuelle Hilteaus- 
sichten referierte. 

4 Rubr. 42, Fasz. 11. 


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202 


dürfen. Aber Otmars innersten Wünschen entsprach es, und seine Ma߬ 
nahmen in der Alten Landschaft scheinen tatsächlich mit Rücksicht 
auf das Endziel einer möglichen Rekatholisierung des Toggenburg 
unternommen worden zu sein. Rolls Argumenten, die Truppen der 
katholischen Orte seien aus Frankreich zurück und in der Schweiz 
alles in Ruhe, hielt er um die Jahreswende von 1571 entgegen, der den 
Hugenotten günstige Friede von St. Germain en Lave hätte die 
Stimmung der schweizerischen Protestanten nur gehoben. 1 Bloß-. 
Ausflucht war das nicht ! Inzwischen hatten seine Verordnungen 
gegen die Protestanten in der Alten Landschaft keinem Einsprüche 
gerufen. Der Eindruck, den die ersten Nachrichten über die Paris- r 
Bluthochzeit in beiden Religionslagem, hier erfreuend, dort nieder¬ 
drückend, hervorriefen, wurde in St. Gallen noch verstärkt durch di 
Briefe, in denen Joachim Opser das Ereignis des 24. August 1572 
schilderte. * Purgat io instat regni Gallici », hatte er dem Abte ge¬ 
schrieben ! 2 Wenn je, so schien jetzt der günstigste Zeitpunkt u 
sein, zur Rekatholisierung des Toggenburg zu schreiten. 

Am 9. September versammelten sich die Boten der V Orte in 
Luzern, um die Berichte über die Bartholomäusnacht entgegenzu- 
nehmen und den Vortrag des am 27. August von Paris abgegangeiun 
Tresorier Grangicr anzuhören. Nebst der Bekanntgabe der damaligen 
offiziellen Version hatte Grangier den Auftrag, die katholischen Oru 
auf eine Truppenwerbung vorzubereiten und sic darum zu bitten, 
alle innern Zwiste zurzeit anstehen zu lassen. 3 Vor diesem Vortrac- 
war den Boten angezeigt worden, der Abt von St. Gallen begehn 
im Toggenburg die katholische Religion zu äufnen und den Protestantin 
mus gänzlich auszureuten. Denn das Toggenburg sei im allgemeinen 
Landfrieden nicht einbegriffen, sondern besitze einen eigenen, dessen 
Geltung sich nur bis auf ein allgemeines Konzil erstrecke, auch sei es 
allein mit den beiden Orten Schwyz und Glarus verlandrechtet. Doch 
wünsche der Abt nicht ohne Vorwissen aller Orte zu handeln, versehe 
sich aber ihrer Unterstützung hiezu. 4 


' 1 )’ Alessatulri. S. lfio. 

2 S. die beiden Schreiben bei SchnwiU-r, Fürstabt Joachim von St. Gaüt" 
in dieser Zeitschrift. XII. S. 53 ff. Die Schreiben waren nach einer dort nicht ver¬ 
öffentlichten Glosse zum zweiten Briefe am 28. August noch nicht abgegansrs 

3 Segesscr. Ludwig Pfyffer. II, S. 190 f. 

* Das Regest in den Eidg. Absch. IV, 2. Nr. 401. e, S. 499, ist ungenau 
Der Wortlaut, den ich der Güte Hochw. Herrn Landesarchivars P. Norbert FKic.tr 
in Schwyz verdanke, ist folgender : « So danne unser g. f. und herr von Sacct 


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203 


Nicht nur dieser Schritt des Abtes an sich ist von großem Interesse, 
sondern ebensosehr die Begründung. Sie ist die Replik auf die Schluß- 
nahme Luzerns vom 7. Dezember vorigen Jahres, der Schwyz zu¬ 
gestimmt hatte und die besagte, daß das Toggenburg von der ge¬ 
wünschten Religionsverfügung ausgenommen sei, weil «im Landfrieden 
begriffen *. 1 Da beide Stände an den Verhandlungen zum Abschlüsse 
des besondern Toggenburger Landfriedens und an dessen Besiegelung 
am 18. Juli 1538 beteiligt waren, mußte ihnen dessen Beisatz, daß der 
Religionsartikel nur bis auf ein allgemeines Konzil oder bis «uf ein 
reformatz gemeiner Eydgnosschaft » Geltung haben solle 2 , bekannt 
sein. Die Schlußnahme Luzerns vom Dezember war daher eine bewußte 
Ablehnung der zwangsweisen Rckatholisierung des Toggenburg ge¬ 
wesen, übereinstimmend mit der Haltung, die es bei ähnlicher Rechts¬ 
lage in der Glarner Angelegenheit eingenommen hatte. 3 Dort hatten 
die Länder, vor allem Schwyz, bis zuletzt Luzern widerstanden. Hier 
war Schwyz durch seine Zustimmung gebunden. So war es gegeben, 
daß das Begehren Abt Otmars den Boten zur bloßen Kenntnisnahme 
mit heimgegeben wurde. Wenn die protestantische Führung in jenen 
Tagen eine besonnene war 4 , so darf die katholische die gleiche An¬ 
erkennung beanspruchen. 


Gallen begärt, in der grafschaft Togkcnburg die catholische religion ze uifnen 
und die nüw sect gonzlich daselbs uszeriitten. soll jeder bott in allen triiwen 
•'öllichs an sine herren und obern langen lassen, diewyl sy in dem gemeinen lands¬ 
frieden nit begriffen, sonder ein eignen landsfrieden haben, der sig nit witcr den 
uf ein general concilium, welchs schon gehalten, volstreckt. ouch niemand, dan 
den zweien orten Schwyz und Glarus zu versprechen stand, begärt doch ir fürst. 
gn. mit vorwüssen unser aller herren und obern zehandlcn und ires bestends 
liarob zu erwarten. « Daß Schwyz die Anzeige gemacht habe, wie es im Regest 
heißt, ist offenbar vom vorhergehenden Artikel d : « jeder herr bott weisst. was 
die gesandten unser lieben eidgenossen von Schwyz von wegen der iren uss dem 
Gastal. ...» auf diesen hinübergeHossen. Leider ließen sich weder im Stiftsarchiv 
noch in Schwyz oder Luzern weitere Akten über diese Verhandlungen auffinden. 

1 Wohl ist in beiden Abschieden formell die Einschränkung betreffend des 
Toggenburg als Ausführung der st. gallischen Gesandten dargestellt ; aber gerade 
dieser Schritt des Abtes zusammen mit dem Wortlaute der Instruktion beweist, 
daß der beschränkende Text durch Luzern eingefügt worden sein muß. 

3 Wcgclin a. a. O. II S. 114. Dieser Beisatz war schon in den Vergleich¬ 
punkten des Tages zu Wil. 1. April 1538, enthalten, ohne daß von evangelischer 
Seite dagegen Einspruch erhoben worden wäre, während er im Toggenburger 
Frieden von 1533 mangelt. St.-A.. Bd. 1549. S. 715. Eidg. Absch. IV, 1 c t S. 1J97. 
Die Besiegelung datiert Wegelin. S. 113, auf den 22., Eidg. Absch. IV, 1 c % S. 993 


zu b. auf den 18. Juli 1538. 

3 Scgesser, Rechtsgeschichte der Stadt Luzern. IV. S. 349-360. 

1 Dicrauer , Gesell, der Schweiz. Eidgenossenschaft, III 2 , S. 389. 


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204 


Das Schreiben, das Borromeo am 7. März 1573 an Otmar richtete 1 1 
nimmt offenbar Bezug auf diesen Schritt, eine Rekatholisiemne de- j 
Toggenburg zu versuchen. Ebenso zeigt es, daß Borromeo über du J 
seit seinem Besuche vorgenommenen Religionsverfügungen des Abt» ; 
sich hatte unterrichten lassen. Hinsichtlich des Toggenburg mußt- : 
aber der erneuten Mahnung Borromeos der Erfolg versagt bleiben. 
Von Anfang an hatte Otmar richtig eingesehen, daß eine Religions¬ 
änderung in der Grafschaft nur im Rahmen der gesamtschweizerischen 
katholischen Politik möglich war. Durch seine Anzeige an die V Ort' j 
waren alle diesbezüglichen Verfügungen von ihrer Politik abhängig | 
Die « hülfliche Vereinung * der IV evangelischen Städte vom 22. Stp- j 
tembcT 1572. der sofort alle übrigen protestantischen Orte und Zu 
gewandten beitraten die Berichte über ihre Rüstungen hatten di« 
konfessionelle Spannung wieder so vermehrt, daß im Spätherbst und 
Vorwinter die katholischen Orte den Kriegsausbruch ins Auge faßten 
und sich bei ihren Vorbereitungen auch an den Abt von St. Ga Ihn 
wandten. 3 Aus einem Hilfesuchenden war er ein Hilfeleistender t\- 
worden. I-ussy, im Spätherbst zur Obedienzleistung an Gregor XIII 
nach Rom gesandt, brachte im Februar nicht nur die Zusicherung 
der Unterstützung, sondern auch den Antrag auf Erneuerung dt? 
Bündnisses Pius IV. zurück. 4 Am 3. Januar 1573 beschlossen du 
V Orte, sich durch den spanischen Gesandten Pompeo della Cr»'« 
an Philipp II. zu wenden ; sie setzten von ihrer Bitte den Gouverneur 
von Mailand und den Graf« n Anguisola in Conto in Kenntnis. 5 Ver¬ 
mutlich war das Schreiben Borromeos durch diese Schritte mitveranlaß:, j 
Aber wie bei seinem Besuche in St. Gallen täuschte sich der I 
Kardinal über die Folgen. Nur eine aggressive Tendenz der damaligen ! 
katholischen Politik hätte die Rekatholisierung des Toggenburg in j 
Fluß zu bringen vermocht. Diese lag umso weniger im Plane Luzerns 
als das französische Interesse die Beruhigung der innem Lage fordert- 


und im März auch das seit Oktober bewilligte Truppenkontine-n'. 
von 6000 Mann nach Frankreich abging. * Der einzige, der eventud 
den Einfluß besessen hätte, in den Ländern die Kurve der Politik 1 


1 VIII. 

2 Oie Stadt St. ('»allen schon am 3. Oktober. Staatsarchiv Zürich. A. -45 : 

3 Eidj». A lisch. IV. 2. Xr. 402. 404. 405. Scgesser. Ludwig Pf y ff er. II. S. ><>' r 

4 Kn lg. A lisch. IV. 2. S. 510; Feiler, I. S. 180-183 ; Scgcsscr, II. S. :o;. 

5 Sc ge s st r, II. S. 202. 

6 Ebenda, S. 203 ff. 


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205 


offensiv gegen den Protestantismus herumzubiegen, Lussy, hielt das 
Festhalten an der französischen Allianz für Ehrenpflicht und war 
zudem 1573 mit seinem venetianischen Feldzug und mit den Angriffen 
beladen, die ihm dieser zugezogen hatte. 1 1574 hatte sich durch die 
spanischen Werbungen Rolls der Gegensatz zwischen Luzern und den 
Ländern nach einem Worte Segessers zu einer Parteistellung verdichtet, 
wie sie dem Stanser Verkommnis voranging. Er wurde erst, als Luzern 
sich herbeigelassen, die innem Orte wirksamer in ihren Abmahnungen 
bei Freiburg und Solothurn gegen das Bündnis mit Genf zu unterstützen, 
durch das Abkommen vom 10. Januar 1575 derart beglichen, daß 
• der Versuch, Luzern von der Leitung der katholischen Politik zu 
verdrängen, gescheitert war *. 2 

Wenn auch Abt Ötmar infolge dieser politischen Verhältnisse 
an dem Stand der Religionsparteien im Toggenburg nicht zu rütteln 
vermochte, hat er damals von sich aus seiner Verfügung für die Alte 
Landschaft festem Rückhalt verliehen. Stadt-st. gallische Bürger 
besaßen im Stiftsgebiet, vor allem um Rorschach, verschiedentlich 
Landgüter, auf denen sie während des Jahres kürzere oder längere 
Zeit wohnten. Die Untertanen des Abtes beklagten sich, sie müßten 
das Religionsmandat, besonders den Gottesdienstbesuch einhalten oder 
aus der Landschaft ziehen, während man die Stadtbürger da wohnen 
lasse, obwohl weder sie noch ihre Dienstleute zur Kirche gingen. In 
das auf Weihnachten 1573 erlassene Landmandat hatte Otmar daher 
die neue Bestimmung aufgenommen, daß keiner, der nicht Gottes¬ 
hausmann sei, ohne seine Erlaubnis im Stiftsgebiete eigene Haushaltung 
führen dürfe. Auf den Protest der Stadt ließ er antworten, die Besitzer 
müßten, so* lange sie dort wohnten, an Sonn- und Feiertagen zur Messe 
und Predigt gehen. Nicht nur die protestantischen, auch die katho¬ 
lischen Schirmorte interzedierten darauf am 14. Mai 1574 von der 
Tagsatzung zu Baden zu Gunsten der Stadt. Allein Otmar blieb fest, 
ln der Praxis mag etwelche Milderung durch erteilte Aufenthalts- 
Bewilligung eingetreten sein, da weitere Klagen bis Mitte 1576 ver¬ 
schwinden ; das Mandat selbst wurde nicht zurückgezogen. Die Stadt 
versuchte darauf, das Recht vor den IV Schirmorten vorzuschlagen, 
wogegen sich Otmar mit Schreiben vom 25. Juni an Luzem und Schwyz 
verwahrte, da dieser Rechtsstreit vor sein Pfalzgericht gehöre. Während 

1 Feiler, II, S. 15 ; I, S. 195-204. 

1 Se^esscr. II, S. 227-234. 


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20 6 


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der Abt für seine Auffassung nicht die ungeteilte Zustimmung fand 
schlug die Stadt an der Tagsatzung zu Baden die VI mit ihr verbürg* 
rechteten Stände als Rechtsinstanz vor. Zu ihrer Unterstützung bracht-- 
einer der Schirmortc, Glarus, seinerseits die gleiche Klage für einig', 
seiner Landsleute vor die Tagsatzung. Damit war Otmar geneigt 
einzulenken, wofür Zürich die Brücke einer gütlichen Verständigung 
gebaut und alle IV Schirmorte sich mit Schreiben vom 12. Juli ver¬ 
wendet hatten. Doch wurde die Angelegenheit erst am 13. November 
1577 unter seinem Nachfolger Joachim geregelt im Sinne einer fest* 
begrenzten Aufcntshaltbewilligung von je drei Wochen zur Zeit der 
Saat, der Heu-, Korn- und Weinernte, unter der Bedingung, daß du 
Stadtbürger niemand zu religiösem Ungehorsam aufstifteten und 
während des Gottesdienstes sich so still verhielten, daß die Untertan-:: 
des Abtes nicht geärgert würden. 1 

Diese Verhandlungen, in denen Luzern und Schwyz für die Stad; 
St. Gallen und gegen den Abt auftraten, mußten Otmar zeigen, wie 
wenig ein Vorgehen im Toggenburg nach dem Sinne Borromros ihr' 
Unterstützung gefunden hätte. Er ist auch nie mehr darauf zurück- 
gekommen. Den Zeitpunkt, da Luzern und dessen allmächtiger Staats¬ 
mann Ludwig Pfyffer vom offiziellen Frankreich in das Lager der Listu, 
übertrat, erlebte er nicht mehr. Aber auch Borromeo hat sein 
Mahnungen nicht wiederholt ; selbst im Briefwechsel mit Bonhomini 
findet sich keine Anspielung darauf. Erst nach der Frontänderunc 
die der Borromäische Bund und die Verbindung mit Spanien in d-r 
Politik der katholischen Orte kennzeichnet, wurde dem Wunsche d-s 
glaubenseifrigen Vorkämpfers der Gegenreformation eine teilweis 
geringe Erfüllung gegeben. Otmars Nachfolger Joachim ließ 13$$ 
die reformierten Hintersäßen im Toggenburg auffordern, entweder 
katholisch zu werden oder das Land zu verlassen. 2 Den auf die Yor- 


1 

V 


1 St.-A., Ruhr. 20. Fasz. i : Staatsarchiv Luzern. Abtei St. Gallen : Ei«-s. 
Absch. IV. 2. S. 604. S. dazu Ziegler, a. a. O.. S. 30-33. 

1 HYg<7i»i. a. a. O.. II, S. 179 f.. darnach Schauilcr, a. a. O.. S. 136 i. 
Die Klage WYgelins bezüglich Unduldsamkeit erledigt sich mit dem Hinweis 
daß die Konferenz der V evangelischen Orte, die anläßlich der Jahrrechnun*; 
zu Baden 1 ;S8 darüber verhandelte, das Vorgehen als durchaus dem Recht 
entsprechend bezeichnen mußte. Eidg. Absch. V. 1. S. 115. Oechsli, a. a. 0. 
S. 258. fuhrt zu der zusammenfassenden Behauptung, der Abt von St Galle" 
habe « mit allen denkbaren Mitteln - auf die gänzliche Unterdrückung der Retor- 
mierten im Toggenburg hinee^teuert. unter den Belegen auch diese Konteren: 
der evangeh>chen Orte an 1 ! 



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* 


— 2.0J — 

Stellungen Zürichs wieder schwankend gewordenen Abt hat damals 
Schwyz zum Festhalten bestimmt, aber ebenso evangelisch Glarus 
gegenüber den Rechtsbestand des Landfriedens für die protestantischen 
Landleute ausdrücklich anerkannt. 1 Die Erörterungen, die sich an 
das Ansinnen Borromeos bezüglich des Toggenburg knüpften, hatten 
katholischerseits zur Klärung des Rechtszustandes beigetragen, auf 
den gestützt die Äbte des XVII. Jahrhunderts in der Grafschaft zur 
Erhaltung und Förderung des Katholizismus vorzugehen vermochten. 2 

Daß Karl Borromeo auf Otmars Verfügungen einwirkte, durch 
welche die Stiftslandschaft gänzlich zum Katholizismus zurückgeführt 
wurde, haben von Metzler an alle Geschichtsschreiber des Klosters 
ausgesprochen. Von Arx unterdrückte es 3 ; ebenso hat Ziegler trotz 
seiner starken Benützung der Klosterchroniken es unerwähnt gelassen. 
Dagegen hat von Arx auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, die 
sich in dieser Zeit für eine Reform der Klosterzucht auch in St. Gallen 
ergab. 4 Sein Hinweis auf den nächtlichen heimlichen Verkehr mit der 
Stadt, der mit der Aufführung der Mauer um den Klosterbczirk ver¬ 
unmöglicht worden, hat bei Mayer 5 , der einzigen Darstellung der 
gesamten Durchführung der Reform in St. Gallen, die wir besitzen 8 , 
der wunderlichen Behauptung gerufen, Otmar habe mit deren 1567 
erfolgten Errichtung die Klausur eingeführt. 

Im Rahmen, den der Titel bcscheidet, ist hier nicht die Einwirkung 

1 Joachim an Schwyz, 17. März 1589. Entwurf. St.-A. Bd. 1552 S. 7816 ff. ; 
Schwyz an Joachim, 24. März, Original, ebenda, S. 791 ; dazu Eidg. Absch. V, 1, 

S. 153, Schwyz an Glarus, Juli 1588. Kopie : «_Und wiewol uns bewußt, das 

der landsfriden im Toggenburg die alt und nüw religion zulaßt, .... erstreckt 
'ich derhalben der landsfriden nit uf die ußlendischen und frömbde, als die hinder- 
■assen sind, sonder allein uf die Toggenburgischc landlüth, deren wir uns, die 
Ix-iden orth, im fal der notturft zu beladen hetten, da wir aber nit verständiget, 
das ein herr von Sant Gallen bisher die landlüth uf einen oder den andern weg 
dem landsfriden entgegen gedrengt habe. » Ebenda St.-A., Bd. 1552, S. 709 f. 

* Dabei wird von Arx III, S. 130 f. nicht unrecht haben, wenn er meint. 
St. Gallen habe den Anspruch, der sich aus dem Beisatze ergab « bis auf ein 
allgemeines Konzil », nie ganz fallen lassen. 

* Er spricht überhaupt nur bei Erwähnung des Karlstores von Borromeo 
in der kurzen Anm. a, Bd. III, S. 101. 

* Von Arx III, S. 113 f. 

* Mayer, Das Konzil von Trient und die Gegenreformation in der Schweiz. 
II, S. 155-158. 

* Eine ausführliche Darstellung der gesamten Reform in St. Gallen, soweit 
sie sich bei dem spärlichen Material des Stiftsarchivs geben läßt, wäre überaus 
wünschenswert. Auch was Scheiwiler, a. a. O.. S. 138 ff. und 147 ff. und früher, 
in dieser Zeitschrift II, S. 91 ff., gibt, hat uns leider wenig weitergeführt. 


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% 


— 208 — 

nachzuweisen, die Borromeo allgemein durch die Reform in der Schweiz 
auch auf St. Gallen ausübte, sondern nur die direkte Wirkung seines 
Besuches zu untersuchen. Da ist zunächst der weitere, verzeihliche 
Irrtum Mayers zu berichtigen, die sogenannte Reform Otmars sei au; 
das Eingreifen des Kardinals zustandegekommen. Der ältesten Nach¬ 
richt zufolge sind jene Konstitutionen für den Konvent nicht 1573, 
nach dem Besuche Karls in St. Gallen, sondern im unmittelbaren 
Anschluß an die Konstanzer Diözesansynode von 1567 entstanden. 
Eher könnte noch ein Einfluß auf einen undatierten Entwurf von Ab¬ 
machungen zwischen Otmar und seinem Konvent über Novizenaui- 
nahme und testamentarische Verfügungen der Kapitularen angenommen 
werden. 1 

Unter den Mißständen, die Borromeo in St. Gallen traf, wird von 
ihm selbst und von Fornero übereinstimmend das Fehlen der Klausur 
vermerkt. Das darf auffallen ; hatte doch Otmar an der Diözesansynode 
erklären lassen, er habe mit dem Abte von Einsiedeln sich auf einer 
Zusammenkunft über eine schärfere Einhaltung der Klosterklausur 
beraten und jene Beschlüsse zum Teil bereits ausgeführt. 2 Sollte sich 
dieser Widerspruch nicht durch die verschiedene Auffassung erklären, 
welche Gebäude des Klosters unter die Bestimmungen für die Klausur 
fielen ? Nebst den um den Kreuzgang gruppierten Gebäuden befanden 
sich damals innerhalb des « Porthus *, das als Pforte bezeichnet wird 
verschiedene andere Gebäulichkeiten, vor allem das Gasthaus, die 
«Hell» 3 . Tatsächlich führt auch Fornero an, um das Fehlen der 
Klausur zu beweisen, weibliche Personen hätten Zutritt zu den Gas!- 
quartieren, die sich in der Mitte des Klosters befänden. Wenn er aber 
beifügt. St. Gallen habe infolge der Vorstellungen Borromeos die Reform 
angenommen und sei dadurch nachher immer in gutem Ansehen 
geblieben \ so hat er sich damit getäuscht. Als Nuntius Bonhomim 
die Visitation in St. Gallen vornahm, fand er in Bezug auf diese 
Beanstandung Karls über die Klausur alles noch vor wie neun Jahr- 
vorher, da er der Begleiter des Kardinals gewesen war. , Seine V'er- 


1 S. Exkurs 3 : Das Datum der Reformatio monasterii Abt Otmars. 

* Constitutiones et decreta synodalia ; Acta synodi f. 261 b. S. dazu Rtinki'i- 
und Steffens, a. a. O., S. 139. 

3 S. dazu Harderer. Die alte Stiftskirche und die ehemaligen Klostergebäod' 
in St. Gallen. S. 61-64 und die beiden Situationspläne, zirka 152b und 1 ?*e. 
zwischen S. 56-57. 

4 D’ Alessaiulri. S. 15S. 


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--» am 3. i>rz-.rr.:*rr 1579 — Oi..rn »artete. £>e:rc mr in erster 

Lr.ie dns Gasthaus für die Frauen. Er begrlü. daß vs d-.m Stifte sehen 

Ruiksici: au: die E ir .rosK-r. urur.:.e;Iich wir. Frauen dis Gü:- 

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’zu vr^vriitni ini erlaub:-- duher irzw;>chtn r.::L: bkß dertn 

•..'“ü’.r.i.* im L iir.rr.i»’* n (j- j i *, uuen c^rin i>: wirn-r.^ 

-.: h die Mir:, dv» K.i-sters. Aber rr verlangte. wie Abi Joachim r> 

. ~ Kd-:r. zuue-stan: :. h-be. diß inner. ach:. hikhstens zehz Mrr.atcn 

.r-vrhaib der Klari rr anb rr Gastlc-kalitaieu für Fraurn hrrr- richiri 

i-m 1 Ar: d:•_>•- Forirrar.s kan rr no:h zurück. als seine Sihwcizer- 

r.c.v.iatur s-ihcn abg.-sihloss-.n war 2 ; die rinstire Bennstandur.c: Bc-n» 

”rc«s war auch zu jrr.tr t-.worden, auf die der Yisi:a::*r das haur-t- 

•aihkhste Grw.ch: Ad in Abt Joachim aab wc-hi gute ViVr.v. 

>:üi Vers pre\ her. ab-.-r ha: er ni:h: erfüllt. * Gc-orinrt wurde d.c- Arc- - 
• • 

c-rr.-o: vre: durch die Vis::a:icn cts Nuntius Hieronvuru» Par.ia 
'•>.t. 13. F-brrar 1595. D.-k- bestimmte in Artikel 43. d^ß keine Frau. 
K.:h-:r Würde siv auch s.-i. innerhalb d-.r Abgrenzung des Kicsi-.rs 
.:d der Kiausur zug .lassen w-.rdt. uij<i l’ur’.e in Art. 40 aue-irr:k-ich 
lei: « Yom-hme Frauen und weibliche Verwandte d-.r Kaviiu-aren 
irrfen künftighin nicht rr. -hr innerhalb d-.r Klausur als Gas: aui- 
i-L ommen werden. sor.d-, m •.-» k.ü ihnen da? Gas: log is in einem naher. 
Hause au 3 rhalb d-.-r Abgrenzung d-.-s Kivsters ar.rewo.i-- n werden. 1 
D.n dritten WurKih d.n Kar! anläßlich seine» Besuche» an Otmar 


1 Ber.h orr. : r 1 an Aut Joachim Timkon ;. r>ezrm:-r On*:nai 

; t A. Bi. S. • V3 n. 

* Bonhionirji an Aut Joachim. Kon-oanz :. Nov-.-morr uni W: t 3 

•• Januar i: 1 -’ Onisinalv. eh^r.iä 5 . :r; i. uni Ruhr. Fä*.z. s. 

# - • • • • • 

a Was a. a. O. S. :4- Cari“-r au?:-hrt >: :rr-.:ur.r-r.i. Zunächst 

'"Zillt nicht Chror.ik Mvtz.rr-. bcrcivm nur dir>;:;rr.iki>. :‘: 1 . 

124.0, 5 . f>o f. c:e Visitation B-bEoo—ir.ib. S^ihvnk n:.T.r*t Au^^uurn 

•vt Visitator- mm-t-r «r* d*r b-rdvrk: : • N -c *-n:rr: ir^rant *:uar irrula Cvr.v;r.> 

’-HC-rLant. com n-.-c votozn paoi^natis t-o. quo t*ar rrat r*2:re :n u>o r>>rt. 

-r: ?tatutis pr?r sacro^ canonv> ar.r.i« ad sacros ori.nvs rcliz::«-: prom:v-rer.rur 

-••• Ca/*trrym cuod maxime r.jnt:u* emtniatum curirhät. »rrü in 

• • 

' -i’-stmei u- tani cx:*.rarjm quam anc::^rum ; vt quiium Joa;h:n*.o :a.:.r 

• ', ot ancil’arum ah-uiou? e c.au*tro :onu:*j? rvmct> por.t:f.:um Statut l> 

-'.V.?icC < -rct sed non a*-;ue iaciiv fu:t d-c^m-rre. *;uo loco r.ul:v:-> rxtvrae h x itvf 

• • • 

••■r>.rtn»ur ..... Da*, h-. ir*. ■*> ier 'iah. Joachim ein viir .-r.-.-- Mar-vhau? wirklich 

* • • 

noch dai dort d:e w*r: v hchrrn Gä-tc- iozi-rrtn v/.I 
4 Lrk. 34-8:3. Darnach >t d:c- B^ z-ichnur.^ • I ruu*.-rhiu> •. d:tr Ki'dzcjrt 
■-v.i fitm Situation-plan von zirka 1570 dem G.-hau iv r.-rh^n dum Wvin^henkrQ- 
gibt, odenbar verfrüht. 


KVU D HiSJJIM. KaLilAi:V-L 


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2 t 0 


richtete. St. Gallen möchte an das zu gründende Seminar einen Beitn • 
leisten, hat der Abt rundweg abgeschlagen. Das war nach der Stellung 
die Otmar mit den andern schweizerischen Prälaten an der Konstanzor 
Diözesansynode eingenommen hatte \ nur folgerichtig. Borromeo b: ; 
auch bald, schon zu Weihnachten 1570, sich von dem Gedanken lns- 
gesagt, die Beiträge der Abteien so leichthin beschaffen zu können. ! 

So gut beobachtet die Bemerkungen Karls über St. Gallen sind, 
so ist es doch einleuchtend, daß cs ihm nicht möglich war, über dessen 

| 

finanziellen Stand sich Einblick zu verschaffen. Mit der Wirtschaft*- | 
ist auch die Finanzgeschichte des Stiftes noch ungeschrieben. Von Arx • 
bemerkt in seinen Ursachen der Aufhebung des Stiftes St. Gallon, daJ . 
dasselbe fast vier Jahrhunderte lang alle Staatsausgaben beinah'* ; 
allein aus dem Klettervermögen bestreiten mußte, woraus sich erklärt*. . 
weshalb die Abtei in dieser Zeit trotz ihrer großen Einnahmen dennoch 
fast immer mit Schulden behaftet gewesen sei. Habe es doch seit dem 
Jahre 1400 nur dreimal sich ereignet, daß sie schuldenfrei war. 1 IV. 
Schätzung der Einkünfte auf 50-60,000 Scudi, die Borromeo in ebr 
Information erwähnt, geht offenbar auf diejenige der römischen Kurir 
zurück ; sie kann sich natürlich nur auf die Gesamteinnahmen des 
Klosters, nicht auf jene beziehen, die der äbtischen Kasse zuflossen. 1 

Borromeo hat wohl richtig gesehen, daß Otmar für Gastereien 
zu viel Geld ausgebe 5 ; aber diese damals als Zeitlaster sich gebend*.* 
Verschwendungssucht ist allein für den Finanzzustand des Stiftes 
nicht verantwortlich zu machen. Es hat sich eine summarische Zu- 


1 Heinhardt und Steffens, a. a. O., S. 139. 

* Ebenda, S. 337. 

3 Die Ursachen der Aufhebung des StiftesSt. Gallen. In zwey Bnefen. iSef. 
Seite 29. 

4 Soweit die Einanzgebarung sich durch die noch vorhandenen Reste Je: 
Rechmmgsbucher zurückvrrfolgen läßt, waren die verschiedenen Statthaltere.e.' 
durchaus selbständig. Sie besaßen ihr eigenes Urbar, hatten aber auch für ihr** 
Bedürfnisse von sich aus auf zu kommen. Beispielsweise sorgte für den l'nterhs* 
des Konventes und des äbtischen Hofes in St. Gallen der dortige Statthalter. De 
Uberschuß war von den Statthaltcrcicn an die äbtische Kasse abzuliefem. A* 
zu nächst hegend i>t zum Vergleich auf die, fiir wenige Jahrgänge erhalten geho¬ 
benen KechnungMiefte Abt I ranz Gai.sbcrgs zurückzugreifen. Dessen Einnahme: 
beliefen sich beispielsweise im Jahre 1521. bevor sich die Wirkungen der R*'^ 
mation bemerkbar machten, auf 5301 U 19 ß 8 3 *. St.-A., Bd. 87S. S. 3-6. U- 

6 Zu dein oben. S. in;. A. 2 wiedergegebenen Zitat mag wohl noch wmoö' 1 
werden, daß durch einen Diebstahl die Kunde einer Einladung auf das GaüusfK 
1 auf uns gekommen i^t. Unter den Herren, die erschienen, werden ervu*-' 
Graf Ulrich von Montfort-Rotenfels, vier adelige Domkapitularen von Konstanz 


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jammenstelliing Otmars erhalten, die um 1570 geschrieben worden 
sein muß. Darnach beliefen sich die bis dahin gemachten «außer¬ 
ordentlichen * Ausgaben seiner Regierungszeit auf 34,851 fl., wovon 
30,254 fl. auf die Kosten der Auseinandersetzung mit der Stadt 
St. Gallen und der dadurch bedingten Bauten fielen L Am 12. Sep¬ 
tember 1568 war das Kloster St. Johann einem Brandstifter zum 
Opfer gefallen ; innert fünf Jahren stellte der Abt es wieder her, oder 
besser gesagt, «ließ es beinahe neu errichten » 2 . Mit 1571 setzte eine 
mehrere Jahre sich hinziehende Teuerung ein. Otmar sah sich beispiels¬ 
weise genötigt, für Wil, das Korn im Gebiete von Bern und im Elsaß 
gekauft hatte, verschiedentlich einzutreten 3 , und weiterhin den Bürgern 
das Getreide um den halben Preis zu überlassen 4 . Die Not muß damals 
so schwer empfunden worden sein, daß sie nicht nur in den Mandaten 5 , 
sondern auch in den Gerichtsprotokollen 8 und Söldnerwerbungen 7 
Erwähnung fand. Die Finanzlage des Stiftes war dadurch keine glän¬ 
zende. Wir können noch nachweisen, daß Otmar an Geldern aufnahm : 
1567 von Balthasar Tschudi 7000, 1568 von Gilg, Kaspar, Balthasar 
und Ludwig Tschudi 6ooo, 1574 von der Stadt Luzern 4000 Sonnen¬ 
kronen, 1573 von Graf Hannibal von Hohenems 3000 fl. 8 Sie wurden 
teilweise zurückbczahlt ; dafür hatte Otmar am Ende seiner Regierungs¬ 


unter ihnen Jakob Christoph Blarer von Wartensec, der spätere Bischof von Basel, 
Hans Muntprat von Spiegelberg « und andere eerenlüth vom adel und sonst ». 
»Nachdem man ze imbis gessen hat und min gnediger herr von Sant Gallen mit 
obgemclk'm herrn von Montfort und andern spacieren gangen, die niiwen biiw 
und anderes zu besichtigen >*. machte sich der Dieb hinter die Heistruhe des Grafen. 
In ihr waren in einem « seckcl 1000 gold guldi gewest » ! Bd. 1065, f. 104/' /. 

1 Bd. 358, S. 431 f. 

* So die von Flerch redigierte, in den Turmknopf gelegte Urkunde. Bd. 293, 
S. 646 ff. Am 17. August 1573 bittet der Abt die V Orte um Wappenfenster für 
St. Johann. Eidg. Absch. IV, 2, S. 523. Auch wenn man berücksichtigt, daß unter 
Joachim und Bernhard noch manches verbaut und für die Einrichtung angeschafft 
w urde, so zeigt das von P. Ambros Epp von Kudenz seinen Annales veteris et 
novi S. Joannis eingefügte Bild des Klosters, daß die Ausgaben verhältnismäßig 
bedeutend gewesen sein müssen. Bd. 298, S. 602. 730. 

3 Otmar an Zürich, 23. März und 3. Mai 1571, Staatsarchiv Zürich, A. 244. 3. 

4 Bd. 218. unpaginiert. 

4 S. bei Ziegler, a. a. O., S. 54, aus dem Rheintaler Mandat für 1572. 

• Bd. 1067. S. 244. 

7 Eidg. Absch. IV, 2. S. 501, a. S. auch die bezüglichen Bemerkungen aus 
dem Briefwechsel Otmars mit Joachim Opser, bei Scheiwiler, a. a. O., S. 45. 
46 f. Noch am 25. November 1573 schreibt Otmar «von wegen der schwären 
theuren zyth, so by euch und uns täglich zunimpt. « Bd. 306, S. 143. 

1 Urk. GGi-Oifc; Rubr. 28, Fasz. 6. 


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212 — 


zeit bei Luzern für 12,000 fl. zu haften, deren Bürgschaft er zu 
Gunsten des Grafen von Mont fort eingegangen war. 1 

Wenn sich Otmar Borromeo wie Roll gegenüber dennoch 
nicht ablehnend verhielt, eine kleine Niederlassung der Jesuiten in 
seinem Lande zu unterhalten, verdient dies Anerkennung. Auffallen 
darf dabei, daß von keiner, auch nicht von der st. gallischen Seite, 
eine Bemerkung fiel, mit eigenen Kräften eine Schule ins Leben zu 
rufen. Die Anfragen, die unter Otmars Vorgänger eine Hochschu;-' 
für die katholische Schweiz in Rorschach errichtet wissen wollten, 
hatten doch wohl nicht einzig auf die Geldmittel des Stiftes abgestellt. : 
Zur Zeit des Besuches Borromeos zählte das Kloster mindestens drc. 
Konventualen, die über eine sehr gute Bildung verfügten : Moritz Enk. 
Johannes Rustaller und Joachim Opser, von denen die zwei letztem 
damals sicher sich in der Heimat befanden. Auch das gehört zum 
Geisteszustand der ersten Zeit nach dem Tridentinum, daß von dm 
führenden Männern der katholischen Reform niemand versuchte, auf 
den alten Baum neue, lebenskräftige Triebe aufzupfropfen, sondern 
die Erfüllung des Wunsches nach hohem Schulen einzig von dem neuen 
Orden der Gesellschaft Jesu erwartete. 

Den spätem Bestrebungen St. Gallens nach einer eigenen Lehr¬ 
anstalt kam cs zu gut, daß die Anregungen für eine Jesuitennieder- 
lassung schon durch den geschilderten Finanzzustand nicht zu ver¬ 
wirklichen waren. Dafür hat Otmar, dessen Eifer für höhere Bildung 


< 


1 Von 12,000 fl. Bürgschaftsverpflichtung Otmars spricht Joachim in seinem ^ 

Brich* an Bonhomini. 15. November 1 581, Bd. 306. S. 603 ff. Eine Generalqnittonü \ 
Luzerns von 1587 spricht nur von 8000 fl., obwohl die jährlichen Zinsquittuncc^ • 
auf boo fl. lauten und auch der erneuerte Kapitalbricf von 1588 auf 12.000 fl. geht : 
Es handelt sich um den oben erwähnten Graf Ulrich von Montfort. Urk. GGi-Fi-’ j 
4b. Auf Joachim gingen an Schulden über die 12,000 fl. bei Luzern und dir* \ 
7000 Sonnenkronen bei Balthasar Tschudi. Bd. 306, S. 317. Abt Bernhard abfr | 
trat von Joachim 52.187 fl. Schulden an. davon 11.205 laufende, teilweise ; 
Besoldungsnickstände von mehreren Jahren (Bd. 879. f. 261-263). trotzdt-n: j 
Metzler nur eine einzige Baute Joachims in St. Gallen erwähnt, domus dormitono \ 
contigua (Bd. 182. S. 673). Das ist etwas mehr, als daß Joachims IdealLsmus ihn I 
nur 1 nr materielle Interessen weniger geeignet machte, wie SchetwtUr, S. itr. | 
bemerkt. \ 

2 So ist es doch wohl aufzufassen, wenn 1551 die IV Orte zugleich mit dor. j 

Begehren, eine hohe Schule in Rorschach zu errichten, Abt Diethelm baten J 
zwei Junge aus seinem Konvent an Universitäten zu senden, um sie dort Theoloe* . 
studieren zu lassen. Eidg. Absch. IV, \e. S. 511 f. Über die Verhandlungen j 
bezüglich Korschnrh s. von . 1 t r. III. S. 2<>5 f. und Reinhardt und Steffi ns, a. a. 0 ., * 

Seite 172 ff. 


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213 


>• incr Kapitularen bereits das Empfehlungsschreiben der VII Orte 
an Pius IV. lobend hervorhob l , 1571 Joachim Opser mit Ulrich Osch 
und Adam Giel von Gielsberg, die beide soeben die Profeß abgelegt 
hatten, die Universität Paris wieder beziehen lassen. 2 Allein, was 
damals St. Galler Konventualen zum höhern Studium trieb, war Wissens¬ 
durst, war ein spätes Nachblühen des Humanismus. 3 Die Generation, 
die den neuen Geist des Apostolats, durch die Bildung auf andere und be¬ 
sonders auf die Jugend wirken zu können, erfaßte, mußte erst noch heran¬ 
wachsen. Und daneben mußte der Mitgliederbestand, der unter Otmar 
nicht einmal zur vollständigen Besetzung aller Klosterämter genügte 4 , 


1 S. Beilage IV. 

1 Über die Angaben Schciwilers, a. a. O.. S.44. hinaus sei betreffend die Studien 
Opfers vermerkt: Opser hatte mit Rustaller im Frühling 1564 die Universität 
Dillingen bezogen. Enk ist im Herbst nachgefolgt. Rustaller erhielt 1564 schon 
ein Zeugnis ausgestellt ; es ist das erste bisher bekannt gewordene Dillingcns. 
ftnnhardt und Steffens , S. 177. Anin. 2. Flerch schreibt in seinem Bericht, daß 
die Rede bei der Benediktion Abt Otmars. 16. Oktober 1565, gehalten habe 

«tacundissimus juvenis Joachimus Opser.qui una cum .... Joanne Rustaller 

et Mauritio Enken presbyteris .... Dillingae sesqui annos litteris incubuerat. •> 
Bd. 358, S. 374. Enk und Opser sind nicht mehr nach Dillingen zurückgekehrt. 
Am 1. November 1565 stellt P. Petrus Hermath zu Dillingen Enk das nachträgliche 
Abgangszeugnis aus: « frequentavit lectiones nostras philosophicas, quanuliu 
hic fuit (fuit autem anno integro) diligentcr ac seclulo. Ruhr. 2g. Fasz. 12. Beide, 
tnk und Opser, studierten schon 1566 in Paris. Am 20. Mai 1570 stellt der Rektor 
dos Claromontanum, P. Edmund Hay. Opser ein Zeugnis aus. daü er krankheits¬ 
halber nach St. Gallen zurückkehren müsse. Darin bemerkt er: «dictum Joachi- 
nium spatio quatuor annorum plus minusve. quo nobiscum in hoc collcgio egit, 
— tantos fccissc progressus tum in literis graecis et latinis et studio praesertim 
philosophico ac etiam initiis sacrae theologiae .... - Am 3. März 1571 stellte 
ihm der Konstanzer Gcncralvikar das Zeugnis aus pro cura animarum, * in 
Omnibus docte et competenter respondisse in examine est repertus «. während es 
,m gleichzeitigen Zeugnis seines Mitkonvcntuals Matliias Riidlinger heißt. « medioe¬ 
nter canere et in caeteris omnibus bene respondisse est repertus. »* Stiftsbibliothek, 

I2 53 » S. 47 » 48- Auf den Herbst 1571 kehrte Opser nach Paris zurück und 
nahm ösch und Giel mit. Am 1. November 1571 antwortet ihm Enk von 
St. Gallen aus auf zwei erhaltene Briefe und drückt seine Freude aus. • quod 
feliciter cum tuis Lutetiain perveneris *». Bd. 306, S. 87 f. 

3 Ein erhaltenes Schreiben Enks an Abt Dicthelm vom 1. August 1564, 
mit dem er offenbar die Erlaubnis zum Universitätsstudium erreichte, gibt dem 
^zeichnenden Ausdruck. Ruhr. 2Q, Fasz. 12. Von den Spätem ist auf P. Erasmus 
v on Altmansbauscn hinzuweisen, der, im übrigen ein Träger des Reformgedankens. 
i 5 8 4 . 27 Jahre alt und 10 Jahre nach seiner Profeß. in Paris unter Fronton du 
Duc in prima classe alte Sprachen studiert. Stiftsbibi.. Msc. 1327. 

4 « Et quoniam impraesentiarum noster conventus non sit adeo frequens, 
ut singula officia singulis personis possint delegari *> heißt es in der Reformatio 
monastcrii, Bd. I, S. 548. 


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214 


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stark vermehrt werden, was ebenfalls erst durch das Ein^r-ii n d*: 

* 

Visitation Portias veranlaßt wurde. 1 


* * 
* 


Den Anregungen nachzugehen, welche die wenigen Berührungen 
die Karl Borrorneo direkt mit dem Stifte St. Gallen verbinden, au! 

dieses und damit auf das katholische Leben der Ostschw* 12 au-grüb' 

• 

haben, war d-r Zweck d:*r vorliegenden Studie. Naturgemäß war da 
Wirksamkeit und der Einfluß des Heiligen, in dem sich die BeStr* bung- r. 
der Gegenreformation wie in einem Brennpunkte vereinigen, dort w» :: 
stärker und tiefgreifender, wo die offizielle Vertretung dos schweize¬ 
rischen Katholizismus lag, bei den katholischen, speziell bei den V Qmn 
Diese allgemein schweizerischen Einwirkungen sind ebenso dem Stift 
St. Gallen als zugewandtem Ort zu gut gekommen, wie arultrsch? 
die Politik der katholischen Orte hemmend in konfessionelle Bestre¬ 
bungen des Stiftes ringreifen konnte. 2 Da er noch Staatssekretär 
seines pä|>stliehen Oheims gewesen, war Borromeo in der Konnr- 
mationsangelegenheit Abt Otmars erstmals der Einfluß entgegen- 
getreten, den Brauch und Herkommen, wirkliche und \\ rrm intl:c;:> 
Privilegien dem Trid« ntinum gegenüber bei den Schweizern ausI«>st»T. 
Die Befolgung und NichtIvfolgung seiner beim Besuche in St. Gj!k~. 
geäußerten Wünsche zeigte ihm ebenso die Förderung wie die Hemm¬ 
nisse, die der Reform in den schweizerischen Gebieten warteten. Leicht 
war es, die Liebe zum Katholizismus zu wecken, da er am Gegensatz«, 
des Protestantismus sich ständig schärfte ; schwerer war es, die in nt re 
Reform durchzuführen und Geldopfer zu erlangen. Das erstore war 
an der lebendin Generation zu erreichen; für das zweite mußte ir. 
Klerus und Führern eine neue heran wachsen, die in dem erfrischter. 
Glaubensleben die Kraft zu innern und äußern Opfern fand, die dam ad. 
verlangte, die eigene innere Erneuerung auch durch vermehrte Tätigkr.: 
in Schule und Kirche weitern Kreisen des katholischen Volkes anzu¬ 
bieten. 


1 Urk. B4-B13. Art. 76. 

2 Die Beobachtung Occhsli's, a. a. O., S. 252, daß nach der Information 
Luzern und Schwyz und die hinter ihnen stehenden V Orte die wahren Schirm¬ 
herren des Gotte.shaux s geworden. \wrd damit bestätigt, aber auch in ihrer 
Wirkung beschränkt. 



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215 


Die offizielle katholische Schweiz ist in diesem Zeitpunkte der 
schon eingelebten, wenn vielleicht auch noch nicht völlig durch¬ 
geführten Reform sich der Dankbarkeit bewußt geworden, die sie 
Karl Borromeo schuldete. Darum haben am 28. Januar 1604 die 
VIII katholischen Orte an Klemens VIII. eine Bittschrift um Be¬ 
förderung des Kanonisationsprozesses gerichtet. Auch das Stift Sankt 
Gallen hat, indem cs diese Adresse an den Papst mitunterzeichnete, 
Karl Borromeo damals seinen Dank in etwas abzutragen versucht. 1 

(Fortsetzung folgt.) 

1 Eidg. Absch. V, 1, S. 679; Liebniau, Der hl. Carl Borromeo und die 
Schweizer, Monatsrosen xxix, S. 82 f. 



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So macht man Geschichte. 

Von P. Fridolin SEGMÜLLER. 


• Schluss.) 


<1 Die Reformation hätte ganz Europa erobert, wenn der Kampf mir 
mit geistigen Waffen geführt worden wäre, aber man setzte Schaffot 
Scheiterhaufen, Kriegsheere entgegen. * In Wahrheit : die Reformation . 
hätte gar kein Land erobert, wenn nur «lautere Waffen » und nicht j 
Täuschung und Gewalt der Fürsten und Regierungen cingegrifi-n 
hätten (so in Deutschland, in Skandinavien usw. Beweise: Bei- ’ 
behaltung des Kanons, damit das Volk die Änderung nicht merk- j 
sowie der bischöflichen Hierarchie in England und im Norden j 
Mandate der Regierungen von Sirich, Bern usw.). f 

Auf das Märchen vom «Blutdurst Marias der Katholischen* j 
dürfte man nun endlich verzichten, nachdem aktenmäßig bewiesen ist j 
daß unter Marias Regierung im ganzen 279 Protestanten meistens ■ 
wegen Hochverrat oder andern todeswürdigen Verbrechen hingerichtet | 
wurden, während unter Heinrich VIII. und Elisabeth über 12.«-: 
Todesopfer wegen « Papismus » gezählt werden. Dem gegenüber nimmt 
sich die sittliche Entrüstung über die «Scheußlichkeiten von Albte 
Blutrat» in den Niederlanden recht sonderbar aus. Daß die Bartholo¬ 
mäusnacht und die Treulosigkeiten der Katharina von Medici gegen 
die Katholiken ausgebeutet wurden, war zu erwarten. Doch wag" 

man diese Greuel nicht mehr direkt der Kirche aufzubürden und di | 

1 

Zahl der Opfer ins Ungemessene zu steigern :« Die Zahl wird verschieb • 
angegeben, von 10,000 bis 100,000. » (Wahrscheinlichste Zahl ist 4«^ j 
Über die Katholiken-, besonders die Priestermorde im hugenottische 
Süden gleitet man natürlich schweigend hinweg. 

Der Protestantismus in Österreich sei durch die jesuitisch-katho¬ 
lische Restauration erstickt worden. Die Zillertaler Auswanderung 
soll ein Beispiel der Unduldsamkeit sein, während man die Anwendung 


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217 


des Grundsatzes: «Cujus regio, illius et religio» und gänzliche Un¬ 
terdrückung jeder katholischen Religionsäußerung in protestantischen 
Gebieten ganz in Ordnung findet. — Wenn (§ 144) von der lutherischen 
Kirche ein Bild entworfen wird, das lebhaft an die apostolische Urkirche 
erinnert, so klingt dies für naiv gläubige Seelen recht schön und rührend ; 
schade, daß es der Wirklichkeit und den Zuständen, wie sie Luther 
selbst aus Wittenberg, « diesem Sodoma », in seinem letzten Lebensjahre 
berichtet, so wenig entspricht. 

Neu ist, daß die lutherische Lehre « die richtige Mitte »im Christen¬ 
tum bildet, welche die Einseitigkeiten des Katholizismus und Kalvinis¬ 
mus vermeide (145). Mit voller Voraussetzungslosigkeit und ohne alle 
Voreingenommenheit wird dagegen die katholische Religion immer mit 
* Papismus, römische Irtümer, katholischer Aberglaube» usw. be¬ 
zeichnet . 

Die Neugestaltung der alten Kirche habe im «Tridentinum und 
im Jesuitismus ihren Ausdruck gefunden» (§ 146). Nach der Lehre 
des Konzils von Trient gebe es für den Christen nach der Taufe nur 
Tatsünden, keine Begierdsünden (§ 138. Der Theologicprofessor Tsch. 
hat den Satz, die böse Begierlichkeit bleibe im Gerechtfertigten auch 
nich der Taufe, sei aber selber nicht Sünde, im Gegenteil dem sie 
Bekämpfenden Gelegenheit zum Verdienst, arg mißverstanden). Auf 
dem Konzil, « wozu der Heilige Geist im Felleisen von Rom nach Trient 
gekommen », sei den mittelalterlichen Dogmen «eine antiprotestan¬ 
tische Zuspitzung gegeben worden ; hierarchische Interessen und 
Extravaganzen zeigten sich überall». 

Einzelne Müsterchen : «Man verdammte den strengen Augustinis- 
mus (der ja nach Bd. I so verwerflich war !) in Bajus» (S. 164). 
«Man feierte die Pariser Bluthochzeit als glorreiche Glaubenstat.» 
Urban VIII. «pontifizierte nur » zwölf Tage. Die Unfehlbarkeitslehre 
(noch bevor sie verpflichtend dogmatisiert war) wird verdreht und 
dann verhöhnt (S. 165). Es wird über die sogenannte Malachias¬ 
prophetie als katholischer Aberglaube hergefallen (die katholische 
Wissenschaft lehnt sie durchaus ab). Eine ähnliche Zulage betreff der 
Lehninischen Weissagung lehnen wir ebenso ab, da sie um 1690 in 
der starklutherischen Mark Brandenburg aufgekommen ist ; doch quid 
hoc ad rem ? Die Cordeliers sind «regulierte Observanten»! ? «Gei¬ 
stige Verzückungen und Erscheinungen gaben der neuen Richtung 
Loyolas ihre himmlische Weihe». — «Der Jesuitenorden hat sich zum 
Prinzipalorden der römischen Kirche bestimmt.» (?) «Die Monita 


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2l8 


secreta, wenn auch unecht, sind doch dem Geist des Ordens ent¬ 
sprechend. * Trotz Billigung des Tyrannenmordes, laxer Moral, Pela- 
gianismus, Intentionalismus (Zweck heilige die Mittel), Reservatio 
mentalis habe der Orden doch « manche Mitglieder von ausgezeichneter 
Frömmigkeit und strenger Sittlichkeit. * Schädlich sei der Einfluß 
der Gesellschaft Jesu durch Förderung des Aberglaubens, besonders 
des Herz-Jesu-Kultus und des Hexenwahns. (Haben nicht die Jesuiten. 
Spee und Tanner mit Lebensgefahr gegen Hexenverfolgung gewirkt, 
als die « Diener am Wort » nach Kalvins Vorgang noch eifrig die Hexen 
aufspürten ?) Auch die Leistungen in der Schule seien äußerlich glän¬ 
zend, innerlich hohl gewesen. (Blasser Neid !) Die Protestanten hätten 
Anstoß zum katholischen Kirchenlied gegeben, « das zwar seit 1470, 
doch widerwillig, gepflegt wurde. * (§ 148.) 

Weil die katholischen Staaten den Handel nach überseeischen 
Staaten inne hatten, hätten auch nur sie Missionen unterhalten. (Und 
England und Holland ?) 

Der Buddhismus habe viel Verwandtschaft mit dem Katholizismus; 
man habe deshalb bei den Neubekehrten heidnische Gebräuche geduldet. 
« Nach dem 30 jährigen Krieg ergossen sich die Jesuiten scharenweise 
über alle Länder Europas ; ihrer Schlauheit, Kühnheit und Machinatioc 
gelang es, den kaum noch glimmenden Docht des Katholizismus 
wieder anzufachen, dort den blühenden Protestantismus mit Stumpf 
und Stiel auszurotten und den glühenden Haß gegen den Protestantis¬ 
mus schon in die Kindesbrust zu pflanzen. Sie nisteten sich in Ingol¬ 
stadt, Prag, Köln usw. ein. * Die andern Orden, besonders die Domini¬ 
kaner waren «die Antipoden der Jesuiten, auch im Dogma, soweit es 
das Tridentinum zuließ. » Innoccnz XI. habe 65 Sätze der laxen 
Jcsuitenmoral verdammt, Alexander VIII. die jesuitische Lehre vom 
Unterschied der theologischen und philosophischen Sünde verurteilt 
(§ 155). Der selige Peter Canisius wird zum Zerrbild; Albrecht V 
soll zuerst (wegen des Laienkclchs) Protestant gewesen sein, »Ferdi¬ 
nand II., seit 1619 Kaiser, führte die Ausrottung des Protestantismus 
mit brutaler Gewalt durch. » (§ 149, S. 183 ff.) Urban VIII. soll Ferdi¬ 
nand II. wegen Zerstörung von Magdeburg, als einer Ruhmestat Deutsch¬ 
lands, beglückwünscht haben. (§ 155 ; wenn wahr, hätte sich der Papst 
in der Adresse geirrt, da der Ruhm der Zerstörung Gustav Adolf und 
seinem Feldherrn gebührt.) 

«In Savoyen rottete Franz von Sales durch gewaltsame Bekehrung 
von So,000 Ketzern den Protestantismus vollständig aus.» (S. 


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219 


der Protestantismus in Savoyen wurde von den Bernern gewaltsam 
tingeführt, Bekehrung und Rückführung geschah bloß durch Predigt 
und Belehrung. Welcher Unterschied zwischen Franz von Sales, Karl 
Borromäus, der « in der Schweiz hart und unmenschlich vorgegangen 
sei» und einem polternden Farel, Calvin, Luther, Pommeranus usw.) 

Mit gehässigen Invektiven wird (§ 151) die Konversion einiger 
Fürsten begleitet ; dieser Schritt kann natürlich nur Folge von Täu¬ 
schung oder Verblendung sein. Daß der Bekehrung Stolbergs und Winkel¬ 
manns unedle Motive unterschoben werden, muß nicht wundemehmen. 
(S. 345.) Der 30 jährige Krieg ist « nur eine Selbstverteidigung der 
furchtbar bedrückten Protestanten. » Gustav Adolf «ist nicht minder 
durch religiöses wie politisches Interesse als Retter des Protestantismus 
nufgetreten. * (S. 189.) « Deutschland verlor durch den 30 jährigen 
Krieg mehrere Provinzen, aber seine Geistes- und Religionsfreiheit 
war gerettet. * (Ob die Sozialisten vom Weltkrieg 1914-18 und dem 
Versailler Frieden mutatis mutandis wohl nicht dasselbe sagen ?) Die 
Klagen über die Bedrückungen der Protestanten in Österreich, Böhmen, 
Schlesien sind steinerweichend. « Eine schweizerische Bartholomäus¬ 
nacht im kleinern Maßstab wurde 1620 durch den sogenannten Vclt- 
linermord ausgeführt ; es galt die Ermordung der Protestanten an einem 
Tag. Die Zahl der Schlachtopfer belief sich auf 400-500 * ( ! S. 190). 
Dazu kommen die Auslassungen über die Vertreibung der Salzburger, 
sowie « Justizmorde * an andern Protestanten, z. B. in Thorn (S. 344 f.). 

Der Kardinal Primas Pazmany sei «mit fanatischem Eifer für 
den Katholizismus und glühendem Haß gegen den Protestantismus 
erfüllt * gewesen. Die «von den Katholiken geraubten» Kirchen 
seien trotz Rcstitutionsedikt größtenteils nicht zurückgegeben worden. 
(Wer hat denn Kirchen an sich gerissen, die Altgläubigen oder Neu- 
,gläubigen ?) Daß « das ungarische Fluchformular », wonach der Papst 
‘livino honore zu ehren sei, die selige Jungfrau größere Verehrung 
verdiene als ihr Sohn, und daß Konvertiten ihre Eltern verfluchen 
müssen, eine auch von Protestanten anerkannte Fälschung ist, ver¬ 
schweigen K.-T. Ebensowenig verlautet, daß die Dragonaden, wozu 
sich Ludwig XIV. « von seinen Beichtvätern überreden ließ, um seine 
Ausschweifungen durch Reinigung des Reichs von allen Ketzern zu 
sühnen », vom Papst streng mißbilligt worden ist ; es bleibt immer 
etWa s hängen. 

Von «ererbter Neigung Jakobs I. zum Katholizismus » zu sprechen, 
bt doch zu komisch. Weil die Katholiken Englands und Irlands «Ver- 


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220 


schwörcr * waren, werden die Untaten der Bluthunde Croniwells be¬ 
schönigt. Die Angaben des Titus Oates gegen Katholiken und Jesuiten 
«waren allem Anschein nach unbegründet », und doch sollen die grau¬ 
samen Verfolgungsmaßnahmen gegen sie begründet gewesen sein. 

Der elende Paul Sarpi, der durch Banditen verwundet wurde 
habe «im Stilet des Mörders den stilum curiae erkannt. * Die Ma߬ 
regelung Galileis habe Alexander VII. «ex cathedra unverbrüchlich 
zu beobachten » befohlen. Auf die unrichtigen Angaben über Maria 
Agreda und den Mauriner (!) Surius sei nur hingewiesen. (S. 154 f - 

In Japan «exkommunizierten sich gegenseitig Jesuiten und Bettel¬ 
mönche *. « Zur Vertreibung und Austreibung der Christen führte der 
Verdacht, daß die Missionäre politische Absichten auf Eroberunc 
hatten * (ist weggelassen, daß diese Verdächtigungen von den kreuz¬ 
tretenden Holländern ausgingen, S. 218). Nach gehässiger Darstellunc 
des Akkommodationsstreites kommt die «voraussetzungslose * Aus¬ 
lassung : «Der Jesuitenorden hatte in allen Weltteilen großartig 
Faktoreien ; seine mit kostbaren Produkten aller Zonen beladenen 
Schiffe durchfurchten die Meere ; er betrieb selbst die ausgedehntest-, 
Industrie in Bergwerken, Meiereien, Zuckersiedereien, Apotheken, 
legte Banken und Wuchergeschäfte an, verkaufte Reliquien und wunder¬ 
tätige Amulette, Rosenkränze, heilkräftiges Ignatius- und Xaverius- 
wasser und übertraf in erfolgreicher Erbschleicherei alle andern Orden 
(S. 219.) Nach Aufhebung der Mission entstand eine von den Jesuiten 
inspirierte und geleitete Verschwörung der Indianer. » (S. 343. — 
ist nur zu verwundern, daß der große Weltkrieg nicht schon damab 
ausgebrochen ! Die Aufhebung der Missionen hat die Zivilisierung d- r 
Indianer um zwei Jahrhunderte zurückgestellt.) Auch die Verurteilung 
Fenelons soll ein « Werk der Jesuiten sein, während sie sich an Franz 
von Sales noch nicht heranwagten. » (§ 173.) 

«Der Ausgangspunkt der Reformation und Deformation (d. h 
Sektenbildung im Protestantismus) ist derselbe, das entartete Kirchon- 
tum. * Der reformatorisehe Mvstizismus «trieb die reformatorisdi- 
Verinnerlichung in das der katholischen Veräußerlichung entgegen¬ 
gesetzte Extrem *. Dann macht K.-T. bei Schilderung des protestan¬ 
tischen Sektenwesens Ausfälle und Seitenhiebe auf die katholische 
Kirche und ihre Werkgerechtigkeit, «während die protestantisch« 
Orthodoxie ihre Blütezeit durchmachte», die Kirche Frankreichs «di« 
unvergleichliche Glorie einer Märtyrerkirche» genoß. (S. 208. 221. 
230. 268.) 


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2 21 


Voß hat « mit unerbittlicher Inquisitorenstrenge das Uhugeschlecht 
der Finsterlinge und Unfreien verfolgt », (d. h. die edelsten Charaktere 
begeifert und beschmutzt. S. 335). Fast allen zum katholischen Glauben 
Ibergetretenen wird eins angehängt, als edle Früchte, die den Prote¬ 
stanten in den Schoß fielen, dagegen Sedlnitzky, Hoensbroech und die 
Eroberungen der Los von Rom-Bewegung aufgeführt (§ 178). Von 
den Päpsten im 18. Jahrhundert, deren Leiden und Kümmernisse in 
saloppem Ton erzählt werden, habe Benedikt XIII. « für ein auf dem 
Sterbebett gesprochenes : « Gelobt sei Jesus Christus » sogar Jahre der 
Verkürzung der Fegfeuerqualen versprochen .» (S. 342. — Solche 
Borniertheit halte doch die Hände weg von katholischen Sachen !) 
Der hl. Alphons von Liguori wird als Trottel behandelt ; « wenn man 
Liguori gerecht würdigen will, muß man ihn als katholisch-frommen, 
leichtgläubigen und kritiklosen Volksschriftsteller des 18. Jahrhunderts 
beurteilen ; er lehrte den überspanntesten Marien- und Papstkultus mit 
krassester Aber- und Wundergläubigkeit. * (S. 342, 367. — Hl. Alphons 
Liguori ist größtenteils nicht Volksschriftsteller ; doch diese Charak¬ 
terisierung ist wenigstens nicht so bodenlos verlogen und gemein, wie 
diejenige von Graßmann, welcher den Heiligen zum Pornographen 
stempeln wollte, dafür aber gerichtlich als Ignorant und Lügner ent¬ 
larvt wurde.) «Klemens XIV. starb nicht ohne Verdacht der Ver¬ 
giftung. * (Der Jesuitenfeind Theiner wird zwar als Quelle angeführt, 
aber sein Beweis, wonach Vergiftung durchaus ausgeschlossen ist, 
wird verschwiegen. S. 347.) 

Jean Jacques Rousseau gehörte in den letzten 17 Jahren nicht 
der katholischen Kirche an, wie K.-T. will (innerlich vielleicht gar nie ; 
wir bedanken uns für solche Acquisitioncn ! S. 350.) Auch der 
Schwindler Franke darf, ebensowenig als der Graf Cagliostro, den 
Katholiken an die Rockschöße gehängt werden, wenn sich auch Katho¬ 
liken wie Protestanten von ihnen betören ließen. Mit des Jansenius 
Buch sei Augustins Lehre verdammt worden ; das Jansenistennest Port 
Royal wird als wahres Heiligtum dargcstellt, den 6000 Jansenisten 
Hollands eine über ihre Bedeutung weit hinausgehende Aufmerksam¬ 
keit geschenkt (S. 359 ff.). Vom Probabilismus, der « päpstlich ver¬ 
urteilt * sei, verstehen K.-T. nichts. «Aequiprobabilismus und Proba- 
biliorismus sind nicht «eine verschärfte Form des Probabilismus * 
(S. 363. — Der ganze Abschnitt ist wertlos.) «Martin v. Cochem 
stand an Geist, Witz und Humor ebenso tief unter Abraham a S. Clara, 
wie er im krassesten Aber- und ÜIxrglauben ihn weit überbot. * (S. 367.) 


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— 222 — 

• 

Wie unter den Historikern, so finden (§ 177) bei den Philosophen 
nur Protestanten und Ungläubige Gnade. Angesichts der Leistungen 
im eigenen Lager nehmen sich folgende Expektorationen sonderbar 
aus: «Die ultramontane Geschichtsschreibung steigert ihre alther¬ 
gebrachte Weise, alles Protestantische zu verlästern und Geschichte 
zu machen, statt unbefangen zu erforschen. * Als Beispiel wird Jansstn. 
§ 189 angeführt. (K.-T. machen es wie Einbrecher, die nach dem 
Diebe schreien.) Ehrle, Ehses, Paulus müssen zwar anerkannt werden; 
doch warum nicht Hefele, Hergenröther, Weiß, Pastor ? Auch die 
Klage bezüglich der * Schmähungen und Unduldsamkeit der Katho¬ 
liken gegen Protestanten» erinnert an die Fabel vom Wolf und 
Lamm. 

Recht pamphletartig mutet die Behandlung der neuesten Ge¬ 
schichte an (S. 188). Gregor XVI. sei «ein finstrer Mönch ; die Eisen¬ 
bahnen hielt er als Satansgeleise vom Kirchenstaat fern * (man erinnere 
sich : Gregor XVI. starb 1846, wo die Schweiz und Italien noch keine 
Eisenbahnen, Deutschland kaum einige Versuchslinien besaß.) 

Pius IX. «ließ sich von seinem schlauen Staatssekretär Antonelli 
am Gängelbande führen, welcher der Sohn eines Rinderhirten und 
Holzhauers gewesen » (wenn wahr, keine Schande). Auf sein Vermögen 
von 100 Millionen habe eine natürliche Tochter Anspruch gemacht 
(die Angabe vom Riesenvermögen war liberale Zeitungsmache, die 
Ansprecherin ward von den italienischen Gerichten als Schwindlerin 
entlarvt und abgewiesen). 

Auch Leo XIII., «der Jesuitenschüler, hat sich durch Leo Tax'l 
täuschen lassen ; in der katholischen Welt hielt man den Schwindel 
für wahr ; der Papst spendete Taxil seinen Segen » (auch in andern 
Kreisen, nicht nur in der katholischen Welt ließ man sich täuschen 
Den päpstlichen Segen könnten auf gestellte Bitte auch B. und T 
erhalten, und er würde ihnen nicht schaden.) In seinen Rundschreiben 
vertritt er die « Weltbetrachtung der Scholastik des 13. Jahrhundert' 
als fertige Wahrheit, von der Luther und die Neuerer abgefallen sind*. 
Dem schlauen Greis im Vatikan stellt K.-Tsch. « den religiösen Papst 


Pius X., einen anspruchslosen, liebenswürdigen Priester » entgegen. 

Im 19. Jahrhundert hat der Jesuitenorden auch die übrigen Orden 
mit seinem Geist zu durchdringen, Pius IX. zu seinem Knecht und die 
Bischöfe zu seinen Handlangern zu machen vermocht. Der Papst sali 
nur mit ihren Augen, hörte nur mit ihrem Ohr, tat nur ihren Willen 


Alle Klöster in Bayern 


waren von jesuitischem Geist beseel; 


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mittelbar oder unmittelbar von Jesuiten beherrscht. Selbst der Domini¬ 
kanerorden, früher der gefürchtetstc Widersacher der Jesuiten, ist 
durch seinen General Jandcl in das Lager der Jesuiten hinübergeführt 
und zum eifrigsten Verfechter der jesuitischen Tendenzen umgcwandelt. 
(§ 189. Welche sensationelle Enthüllungen ! Und die armen Mönche 
merken es nicht einmal!) 

« Als nach Gründung des Deutschen Reiches der Ultramontanismus 
den Gründern desselben den Krieg erklärte, sanktionierte der Reichstag 
die Maigesetze * (da wird die Schuldfrage ungefähr gelöst, wie nach 
dem Weltkrieg ! Alles rächt sich). 

Sichtliche Freude hat K.-T. an der verlogenen Barbara Ubryk- 
gcschichte ; für die entsetzlichen Verfolgungen und Bedrückungen der 
l'niten in Rußland findet sich kein Wort der Mißbilligung. 

Haarsträubendes wird (S. 118) vom staatsgefährlichen «ultra¬ 
montanen Vereinswesen » erzählt. Man strebe da offen die «Wieder¬ 
herstellung des Kirchenstaates » an, wolle «das Kapital katholisieren ». 
Die katholischen Volksmissionen seien «ein Seitenstück der metho- 
distischen Erweckungen* (S 119). «Die katholischen Missionen leisten 
nicht viel ; die Protestanten spenden drei- bis viermal so viel Geld¬ 
beiträge * (letzteres ist richtig; über die Erfolge der katholischen 
und die Mißerfolge der protestantischen Missionen gilt der Bericht des 
deutschen Kolonialgouverneurs Wißmann hundertmal mehr als das 
Orakel Tschakkerts). « Die katholische Mission ist hauptsächlich darauf 
bedacht, sich da, wo Protestanten Erfolge haben, einzunisten und 
ihnen durch Ränke entgegenzuwirken * (als ob nicht die Katholiken 
lang vor den Protestanten das Missionswesen gepflegt, und die Pro¬ 
testanten sich in deren Gebiete eingedrängt hätten !). 

Im katholischen Lager sei « Sailer freisinniger Richtung ergeben 
gewesen, ebenso Diepcnbrock, bis er vom Ultramontanismus erfaßt 
wurde*. Viel Lob finden Boos, Lindl, Dalberg, Lamenais, Schell; 
Curci und Passaglia seien kirchenpolitische Ironiker. Einen Rouge 
und Czerski, die mit dem Strafrichter in Berührung kamen, darf man 
schicklicherweise nicht mehr verhimmeln ; wohl aber wird ihr Kind, 
der Deutsch- und Reformkatholizismus auf den Leuchter gestellt. 
Nachher wimmelt es von «katholischem Aberglauben, Wunderhei¬ 
lungen, stigmatischer Neuropathie (Louise Lateau), Muttergottes¬ 
erscheinungen (Lourdes), Reliquienschwindel (Januariusblut), Amu¬ 
letten (Skapuliere und Medaillen) ». — Dabei werden sonderbare Ablässe 
erfunden, die bei einem katholischen Buch auf den Index kämen : 


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— 224 — 

/Wer den Gürtel des hl. Franz trägt, vermag täglich 1000 Seelen aus 
dem Fegfeuer zu erlösen » (S. 139). — (Warum nicht gerade auch die 
Spiritistenkränzchen, Kartenschlägerinnen, Handwahrsagerinnen Ber¬ 
lins, Zürichs usw. aufs Korn nehmen ? Die sind eben nicht katholisch 
§ 190 und 191). 

Ein schönes Versuchsfeld für diese Geschichtsbaumeistereien ist 
natürlich auch das I alikanischc Konzil. Dort « wurden alle erdenklichen 
Mittel raffinierter Schlauheit und hinterlistiger Tücke der jesuitischen 
Kamarilla angewendet, um die Opposition zu beschwichtigtn und 
umzustimmen *. Dabei orakelt K.-T. mit wichtiger Miene, die Katho¬ 
liken, selbst Bischöfe hätten die Bedeutung der Beschlüsse nicht 
erfaßt (S. 192). Von katholischen Theologen finden hauptsächliche 
Beachtung Hermes, Baader, Günther, Döllinger (des letztem ungünstig-, 
Beurteilung im Literaturverzt iclinis des I. Bandes ist bereits ver¬ 
gessen) ; außerhalb Deutschlands scheint kaum eine Theologie zu 
existieren (§ 194). Ix*o XIII. habe «das biblische Studium auf das 
Verbalinspirationsdogma festgelegt *. (S. 156. Nein, diese ältere prote¬ 
stantische Pflanze wird nicht in die katholische Kirche versetzt.) In 
Geltendmachung «der Freiheit der Kirche» durch das Würzburger¬ 
konzil 1848 sieht K.-T. eine «Erhebung der Hierarchie gegen dm 
Staat », wie schon das Kölner Ereignis ein « Vorstoß des Ultramontarus- 
mus» war. (§ 196. Die Regierungen anerkannten doch mit hollem Lob 
die damalige Loyalität der Katholiken.) Bayern ist « der eigentliche 
Hort des römisch-katholischen Kirchentums, der unselige Schauplatz 
der wildesten demagogischen Agitation des katholischen Klerus» 
(§ 198.' Die Göttinger Professoren scheinen einen durch braunschwei¬ 
gische und meklenburgische Toleranz sehr getrübten Blick zu haben.). 
«An exorbitanten Ansprüchen Roms zerschlugen sich die Verhand¬ 
lungen zu einem Konkordat mit den kleinen deutschen Staaten» (w 
das Staatskirchentum in Blüte steht. Warum sich überdies so auf¬ 
regen, weil Erzbischof von Vicari für den verstorbenen Großhcrzo:; 
kein Seel« namt halten ließ, das ja vielen Protestanten ein heidnische' 
Götzendienst ist ?). 

Wenn K.-T. nach dem Vorgang so vieler Deutschen das Deutsch« 
Reich «zum Hort und Vertreter des Protestantismus* macht (§ 
so muß man sich nicht wundern, wenn seitens der Entente ein Sieg 
über die Zentralmächte als Sieg über den Protestantismus bezeichnet 
wurde. Trotzdem wird immer von « Aggression des Ultramontamsmus» 
gefaselt ; das österreichische Konkordat bedrücke das Schul- ur.il 


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225 


Kirchenwesen ; es wird zwar zugegeben, die protestantische Kirche 
sei in Österreich-Ungarn dem Staat gegenüber frei, müsse aber alle 
Mittel selbst beschaffen. (O, wenn einmal die katholische Kirche 
in protestantischen Ländern überall so weit wäre ! § 201.) 

Viele Unrichtigkeiten weist die Darstellung der kirchlichen Ver¬ 
hältnisse in der Schweiz (§ 202) auf, weil die Ausländer diese als zen¬ 
tralisierten Einheitsstaat auffassen. So sei dort 1828 «wieder eine feste 
hierarchische Ordnung geschaffen worden durch Errichtung sechs 
kleiner Bistümer * (nur Bistum Basel rekonstruiert) ; « seitdem siedelten 
die Jesuiten sich massenhaft an * (zwei ganze Kollegien, Freiburg und 
Brig, 1834 Schwyz, 1845 Luzern, im ganzen nicht 100 Mitglieder !) ; 
«sie rissen die Leitung des ganzen Kirchen- und Schulwesens in den 
meisten katholischen Kantonen an sich. » Nach 1847 wußten sie sich 
wieder Eingang zu verschaffen. Die Stadt Calvins, « wo sich die alte 
calvinischc Aristokratie mit dem Ultramontanismus aufs engste ver¬ 
bündete und die katholische Bevölkerung durch Herbeiziehung des 
Proletariats Savoyens und Frankreichs das Übergewicht erlangte *, 
wurde der eigentliche Herd und Mittelpunkt ihrer Umtriebe nicht nur 
für die Schweiz, sondern für das ganze cisalpinische Europa * (ver¬ 
wechseln K.-T. wohl Mazzini mit den Jesuiten ?). «Im Aargau brach 
1841 ein von den Klöstern geschürter Aufstand aus (Lüge !). In der 
neuen Verfassung von 1848 wurde unbedingte Gewissensfreiheit und 
Gleichberechtigung aller Konfessionen gewährleistet (nur nicht den 
Katholiken) .... Die durch den renitenten Klerus im Jura erregten 
Aufstände wurden durch Militärgewalt unterdrückt, 69 Geistliche 
exiliert» (K.-T. sind nun durch die liberale Berner Regierung selbst 
desavouiert). Die Antonianer in Bern werden von den Geschichts¬ 
kundigen K.-T. offenbar für eine katholische Sekte des 19. Jahr¬ 
hunderts gehalten. 

In Belgien hätte der Erzbischof und der Klerus 1830 das Volk 
gegen die Gleichheit der Bürger und die holländische Regierung auf¬ 
gewiegelt, der Bund der Ultramontanen und Radikalen habe es zur 
Losreißung Belgiens von Holland gebracht (während gerade die Eng¬ 
herzigkeit der holländischen Regierung zweierlei Bürger und zweierlei 
Recht schuf und so die Revolution verschuldete). Die Klöster sollen 
ein Vermögen von fast 1 2 / 3 Milliarden besitzen (ob ? und wenn auch, 
die einzige Familie Rothschild besitzt viel mehr, als die 10,000 Or- 
densleute). «Die Katholiken Hollands waren von altershcr einem 
bigotten Fanatismus ergeben. » (§ 203.) 


KEVUE DHISTOIRE ECCLESIASTIQ l*E 



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22Ö 


Die englische Hierarchie sei leider 1860 (nein, 1850) wieder er¬ 
richtet worden. Die vielen Konversionen seien ein « englischer Spleen». 
In Frankreich « steigerte sich unter Mac Mahon das Wallfahrtsfieber und 
die Mariolatrie * (!) Die « Evangelisation * Italiens mache Fortschritte. 
In Spanien und Portugal sollen noch die Autodafes spucken. Sym¬ 
pathisch sind K.-T. die Revolutionen, « die dem ultramontancn Katho¬ 
lizismus den Garaus machen. * «In Portugal ist der Bildungsstand der 
fanatischen katholischen Bevölkerung ein niedriger ; wirtschaftlich ist 
das Land arg verschuldet ; die Evangelisation hat hier wenig Boden 
gefunden » (aber die wirtschaftliche Aussaugung durch England) In 
Polen hat sich «der gesamte Klerus durch Fanatisierung des Volkes 
und Mißbrauch der Religion zum Vehikel der Verschwörungen gemacht; 
er hat es sich selbst zuzuschrciben, daß die ihm zugestandenen Privi¬ 
legien immer mehr beschränkt wurden ». Die Unierten sollen selbst (:| 
um Aufnahme in die orthodoxe Kirche ersucht haben (§ 204-209). 

Von jesuitischen Emissären aufgereizt, auf französischen Beistand 
sich verlassend, sollen sich die Maroniten 1858 Feindseligkeiten gegen 
die Drusen erlaubt und so selbst die scheußlichen Christenmorde ver¬ 
schuldet haben. Auch soll die altkatholische Bewegung unter den 
Armeniern von den Mechitaristen in Venedig ausgegangen sein; die 
Rückkehr des abgefallenen Bischofs Kupelian und seiner Verführten 
sei nur das Werk eines intriganten Druckes gewesen (§ 210). — «Wie 
die « nordamerikanische Union durch den charaktervollsten Prote¬ 
stantismus entstanden ist, so wird sie durch protestantisch-kulturell- 
Prinzipien erhalten. * Die 150 verschiedenen protestantischen Denomi¬ 
nationen haben ein «einheitliches (?) christliches Gemeingefühl». Die 
Katholiken seien arme Leute, doch habe der Katholizismus durch seine 
kompakte Einheit nicht wenig Bedeutung (§ 211). 

«Nirgends war der Einfluß des Klerus so weitgreifend, unein¬ 
geschränkt, tiefgewurzelt, wie in den romanischen Staaten Amerika. 
nirgends die Entartung des Katholizismus zum krassesten Aberglauben. 
Fanatismus und Obskurantismus so weit gediehen. » Dann wird vor. 
K.-T. mit den Revolutionen sympathisiert ; der mexikanische Revo¬ 
lutionär Juarez, der Tyrann von Venezuela, Guzman Blanco, sind 
nach ihrem Herzen, Garcia Moreno natürlich ihnen ein Dorn im Auge, 
und die Bischöfe, welche die Freimaurerenzyklika verkündeten, sind 
«rebellische Prälaten» (§ 212). Und so kommt man zum tröstlichen 
Endresultat : «Zwar sind in der katholischen Kirche seit dem Triden- 
tinum weniger Sekten, aber zahllose religiöse Entartungen und Ver- 


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irrungen, welche der Klerus selbst zugelassen, ja provoziert, gehegt 
und gepflegt hat. * (§ 213.) 

So häufen sich unbewiesene Behauptungen, arge Entstellungen 
und geradezu offenkundige Fälschungen zu hunderten. 

Nochmals : So macht man Geschichte ! Seicht und oberflächlich, 
willkürlich und parteiisch wie kaum ein zeilenschindender Zeitungs- 
reporter, greift man aus dem vielgestaltigen Leben der Kirche einige 
pikante Vorfälle und Züge heraus, stutzt sie noch entsprechender zu, 
spricht ohne Kenntnis der kirchlichen Lehre und Liturgie und vorab 
des kirchlichen Geistes mit größter Unverfrorenheit apodiktisch und 
anmaßlich über Personen, Lehre und Einrichtungen der Kirche ab, 
wiegt sich stolz im Gefühle intellektueller und moralischer Überlegen¬ 
heit und pocht anspruchsvoll auf deutsche Gründlichkeit, eine Er¬ 
scheinung, worüber sich warme Freunde des deutschen Volkstums schon 
längst betrübt! geschämt und geärgert haben. Wes Geistes Kind übrigens 
Tschakkert ist, läßt uns ein Erguß in seinem Werke « Evangelische 
Polemik * erkennen : Dort schreibt er wörtlich : « Mit der jesuitisch 
gegängelten Priesterschaft im Frieden zu leben, kann man nur einem 
Ignoranten oder Religionsverächter zumuten. Denn die wirkliche 
römische Kirche ist eine widerliche Mischung von Religion und Politik, 
von mönchischer Weltflucht und päpstlicher Weltbeherrschung, von 
jesuitischem Scharfsinn und paganischer Borniertheit, von Anbetung 
Gottes und Fetischismus. » Durch solche unevangelische Expekto¬ 
rationen hat sich die «Evangelische Polemik * und der Theologie- 
professor Tschakkert sattsam gekennzeichnet und gerichtet. 

Die Auslese und die Darstellung dieses « Lehrbuchs » macht oft 
nicht den Eindruck eines wissenschaftlichen Werkes, sondern eines 
Winkelblattes und Parteipamphlets. Jedenfalls haben die Erzeug¬ 
nisse und Ergüsse solcher Winkelpamphlete oft als Quelle gedient. 
— Und dieser Geist wird durch dieses so weit verbreitete, durch 
seinen Anekdotenkram so unterhaltende Buch Unzähligen eingeflößt, 
die ihn unbewußt in sich aulnehmen und mit Haß und Verachtung 
i'-gen alles Katholische erfüllt werden. Bei allem Bedauern und Mit¬ 
gefühl über das heutige deutsche Nationalunglück, das wir mit allen 
Neutralen aufrichtig teilen, wollen wir doch hoffen, daß es manchen 
Kreisen mehr Bescheidenheit, Vorsicht und Anstand bringe, und so 
aus dem Übel doch einiges Gute erwachse. Die Kirchengeschichte von 
Kurtz aber müssen wir in manchen Teilen als Chronique scandaleuse 
bezeichnen, die Gift und Galle sät. Mögen wir den Verfassern auch das 


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Wort zubilligen : «Sie wissen nicht, was sie tun, ja, sie meinen, Gott 
sogar einen Dienst zu erweisen *, so muß hier doch der Ausspruch 
des Kardinals Fischer Anwendung finden : «Ist konfessioneller Haß 
und konfessionelle Hetze stets zu mißbilligen und einem Gifte gleich 
zu achten, das am Marke des Volkes nagt, so gilt das doppelt in 
einer Zeit, wo das Gespenst der Revolution drohend sein Haupt 
erhebt. » 



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KLEINERE BEITRÄGE — MELANGES 


Entstehung 

und Schicksale eines Bruderklausen Gemäldes. 

Nicht nur Bücher, auch Gemälde haben ihre Schicksale. Lange Jahre 

hing im Stiegenhaus des Landammanns Gustav Muheim* in Altdorf ein 

* • 

Ölgemälde, das bald nach seinem Tode (t iqi 7) auf den Trödlermarkt kam, 
dann für einige Zeit sich im Besitze des Schreibenden befand und am 

März 1920 an alt-Ratsherrn Meinrad Gisler in Fliielen überging. Bei 
diesem letztem Anlaß wurden auf der Rückseite des Bildes einige Lein- 
wandstücke wieder entfernt, die in ganz verständnisloser Weise behufs 
Ausbesserung von durchlöcherten oder blöden Stellen dort aufgeklebt 
wurden waren und die bis dahin leider mehrere Stellen der rückwärts 
angebrachten Inschriften zudeckten. Durch diese Ablösung wurde die 
Entstehungsgeschichte«eines Gemäldes aufgehellt, das zu den großem und 
interessantem Bildnissen des seligen Eremiten vom Ranft gehört. Dasselbe 
hat im Hochformat ohne Rahmen ein Ausmaß von 75 x 146 Cm. und stellt 
«ien Seligen in jenem Augenblicke dar, wo er die Hand erhebt, um über 
das brennende Sarnen das Kreuzzeichen zu machen. Auf unserm Gemälde 
ist zwar kein Sarnen zu sehen, aber selbst dem mäßigen Kenner von Bruder 
Klausen-Bildern muß die Ähnlichkeit mit jenem großen Gemälde auffallen, 
'las Johann Melchior Wyrsch 1774 für das Rathaus von Sarnen malte. 
Ein näherer Vergleich mit einer Abbildung desselben zeigt, daß es sich um 
fine förmliche Kopie der Hauptfigur handle, während der Hintergrund 
etwas verändert ist und rechts vom Bruder Klaus unten die Zelle und 
Kapelle im Ranft zeigt und zwar in einem ziemlich großen Maßstabe. 
Auf dem Wetterfähnchen des Türmchens ist sogar die weißrote Landes¬ 
farbe deutlich markiert. Rechts unten auf dem Bilde liest man die Worte : 
hnatj Aloys Jacober pinxit. Es ist der nämliche Meister, welcher 1787 
die untere Kanzlei des Sarner Rathauses ausgemalt hat. Ihm mußte also 
'las Gemälde von Wyrsch bekannt sein, ja er war vielleicht sogar ein Schüler 
desselben, in welchem Falle Jakober, abgesehen von der großem Be¬ 
quemlichkeit, einen besondern Grund hatte, gerade dieses Bild als Vorlage 
zu benützen. Vielleicht wurde ein bezüglicher Wunsch auch vom Besteller 
'xler Empfänger geäußert, denn das schöne neue Gemälde des berühmten 
Meisters machte sicherlich nicht bloß in gebildeten Obwaldner Kreisen, 
sondern darüber hinaus von sich reden. 

Als Besteller nennt das Gemälde selbst auf der Rückseite einen Nikolaus 

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Joseph Anion I vife Id , Philosophiae et Mcdicinae Doctor, also einen Ob- 


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230 


waldncr, der in Uri wohnte und offenbar dort auch seine Praxis ausubie- 
Ein obrigkeitliches Wartgeld bezog er jedoch nicht. Obwohl landesfrenvh 
gelang es ihm gleichwohl, eine Tochter aus der Urner Landammänner- • 
familie Schmid zu heiraten. Hei der Verwirklichung dieses Planes mochte ' 
ihm einerseits sein geachteter Beruf, der im Verkehr durch den Titel Exzei- : 
lenz ausgezeichnet wurde, anderseits sein aristokratischer Name schätzens¬ 
werte Dienste geleistet haben. Dr. Imfelds Lebensgefährtin, Maria Hder.a 
Schmid , geboren den 10. Oktober 17^4, war eine Tochter des Landamrr.anr.s ; 
und Hauptmanns Franz Joseph Schmid und der Maria Anna Katharina ! 
Elisabeth Schmid von Hellikon. Helenas Bruder. Jost Anton, wurde 
ebenfalls Landammann. Durch diese Ehe kam Imfeld in Verwandtschaft* \ 
liehe Beziehungen zu Landammann Karl Thaddä Schmid. Dessen Vater 
und der Vater der Maria Helena Schmid waren Brüder, lmfeld fühlte sich 
auch sonst gegenüber Landammann Thaddä Schmid verpflichtet. Vielleicht 
hatte er ihm gar zu seiner Frau verholten. Weil er Schmids Vorliebe für 
Gemälde kannte, hoffte er, ihm mit einem solchen Freude zu machet., 
wobei lmfeld als Obwaldncr und als mutmaßlicher Abkömmling Bruder 
Klausens gleichsam von selbst auf den Gedanken kam. zu genanntem Zweckt 
ein Bruder Klausenbild erstellen zu lassen. Um aber dem Geschenkt* 
bleibend auch eine persönliche Note zu verleihen, mußte der Künstler die j 
Rückseite des Ölgemäldes in großer Buchschrift mit lateinischen Disticher: • 

4 

versehen, denen sich eine ungebundene Widmung anschließt. i 


Ad Patrem Patriae tendit Pater Helvetiac : Quem \ 

Suscipias, Foveas, quem teneasqud Domi j 

En Justus, Fortis, Prudens, et Sobrius extat: j 

Ergo sicut Speculum Hunc respicias Genium ; * 

Auspicc Quo, regnes, Patriae referasque Salutem, j 

ac Dccus : Acquando Nomina magna Patrum ! j 

i 


Hane proimle Kftigiem B. Nicolai de Küpe, ln perpetuura Observantiav ■ 
(•rulitudinis, et Amicitiae Monumentum, D. D. Dedicat Pracnobili ac | 
(Tarissimo Domino Domino Carolo Josepho Thaddaco Schmid, PatritK ! 
et Landamano Kegenti Inclitae Keipublicae Uraniensis. Eximio Mecaer*.:; j 
ac Patrono suo Colendissimo : 


Die Patrocinii, 21. Martii 17S0. 

Umill. et Obsequiosiss. Servus 
Nicolaus Joseph. Ant. Im Feld 
Philos. et Med. Doctor Subsilvaniensis & c 


Diese Widmung wird vom Wappen lmfeld abgeschlossen. Dr. ImiVvi J 
war 1707 und 1708, also in bewegter Zeit, Stubenvogt der Straiißenbniue: I 
Schaft und legte als solcher den 2S. Januar 1790 Rechnung ab (gefällig. ! 
Mitteilung von Pfarrer Joseph Müller). Er gehörte auch der Dreifaltigkeit* 1 


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231 


Bruderschaft an, die nach seinem Tode, im Jahre 1804, für ihn Gedächtnis 
hielt. Das gleiche tat die St. Barbarabruderschaft und die Bruderschaft 
der Herren Amtsleute von Uri. Das Totenbuch der Pfarrei Altdorf enthält 
über den hingeschiedenen Arzt einen außerordentlich ehrenvollen Eintrag, 
der fast etwas an den Stil des römischen Martyrologiums gemahnt. Hier 
vernehmen wir auch zum erstenmal die nähern verwandtschaftlichen Zu¬ 
sammenhänge, die wir in Küchlers Chronik von Sarnen umsonst suchen. 

1804. Martius 16. D. Nicolaus Jos. Ant. Imfeld de Sarnen, medicinae 
doctor celeberrimus, filius legitimus Domini Melchioris Imfeld et Reginae 
Stockmann, maritus legitimus Mariae Helenae Schmid. 

Ah ! Quid dicam ? Solatium et spem infelicis Uraniae, nec non decus 
et exemplum verae pietatis, et patrem pauperum ipsis ablatum esse, omnes 
unanimiter lacrimis profitebantur. Poterit veraciter de illo dici et sumi 
pro Epitaphio: Neminem unquam in vita, sed omnes moriendo affiixit. 
l'ltima ipsius verba, antequam efflaret animam, haec fuere (quod et ipse 
m sua persona impleverat), oportet medicum habere scientiam et conscien- 
tiam. Summa devotione Ss. Sacramenta moribundorum petiit et accepit 
tanto amore, ut omnes presentes lacrimarent. Incredibilia jam longo 
tempore aegritudinis causa sustinucrat, sine spe de meliori sanitate recu- 
peranda, indefessus tarnen in operibus charitatis usque ad extremum 
permansit, deprecans plena resignatione in divinam voluntatem, hoc cum 
S. Martino : Si populo tuo adhuc sum necessarius, non recuso laborem. 

Dr. Imfeld trat 176c; zu Altdorf in die Bruderschaft der barmherzigen 
Brüder und bezahlte hiebei 20 Gulden. Nach seinem Tode steuerten 24 Mit¬ 
glieder dieser Bruderschaft 12 Gulden 20 Schilling zusammen und ließen 
daraus für ihn bei den Kapuzinern 12 heilige Messen lesen und noch zehn 
durch Weltpriester. Imfeld scheint im großen Doppelwohnhaus auf dem 
l.ehn gewohnt zu haben, denn es heißt in den Aufzeichnungen einer Kloster¬ 
frau über den Brand von Altdorf, das Dorf sei am 5. April 1790 verbrannt 
hinaus bis zu der Nageltäschen und hinauf auf das Löhn bis an des Doktor 
Imfelden und Johannes Herger und widernm bis an des Landammen Thade 
Schmidt und unseres Gottshuß ». 

Die Gemälde von Landammann Thaddä Schmid (f 1812) kamen durch 
Erbschaft an Magdalena Schmid und durch sie in den Besitz ihres Gemahls 
Eandammann Dominik Epp (t 1848). Offenbar von seinem Sohne und 
v ora zweiten Träger dieses Namens ging das Bruder Klausen-Gemälde 
durch Kauf an einen Verwandten desselben, an Landammann Gustav 
Muheim über. Der Name und das Wappen Imfeld auf diesem Bild waren 

sodann mitbestimmend beim Kaufakt des neuesten Besitzers, dessen Mutter 

• 

e 'ne Franziska Imfeld von Sarnen gewesen (f 1910) und in deren Adern 
Blut vom seligen Nikolaus pulsierte. 

Banquier Dr. Louis Falck sei. in Luzern besaß zwei ovale Ölporträte, 
*he gemäß Aufschrift auf der Rückseite vom bekannten Trachtenmaler 
J°s. Reinhart erstellt sind. Nach der mündlichen Überlieferung sollen sie 
«nen Dr. Imfeld aus Uri und seine Frau darstellen. Nach den vorstehenden 
Ausführungen scheint diese Behauptung durchaus glaubwürdig. Reinhart 


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232 


hat laut andern drei im historischen Museum zu Bern aufbewahrten 
Porträts 1794 wirklich in Uri gearbeitet und die zwei Ölbilder im Besitze 
von Dr. Falck stammen mit drei andern Gemälden, die er gleichzeitig 
erwarb, aus urnerischem und zwar aus ursprünglich schmidischem Besitz. 
Eines derselben stellt den Hauptmann Johann Balthasar Schmid von 
Bellikon 1685 vor, und das andere den Landammann Jost Anton Schmid 
von Uri. Das dritte Gemälde mit einer sterbenden Magdalena nach Cor- j 
reggio trägt das Wappen der Schmid von Uri. Diese letzten drei Gemälde j 
wurden IQ17 vom Schreibenden für das historische Museum von Uri zurück* J 
gekauft. Eduard Wymann. 


i 


Aii wen richtete j 

Antistes Heinrich Bullinger (1504-1575) seine Schrift j 

wider das heilige Meßopfer ? 

In Argovia 6, 22, [1871], schreibt Plazidus Weißenbach: * Schon im 
Jahre 1 524 hatte er [Bullinger] an Plärrer Jakob Frey in Wahlen eine Schnit 
gerichtet, in welcher er den Beweis führte, daß die Messe kein Opfer sei • 
Ihm folgt offenbar Emil Schultz in u Reformation und Gegenreformation 
in den Freien-Ämtern »». [i8<#>] S. 10 : « Dem Sohne des Dekans .... gelang j 
die Bekehrung des Pfarrers Jakob Frey von Wohlen, dem er in einem Büch- t 
lein bewies » usw. Als Quelle führt er an « Pestalozzi , Heinrich Bullinger. ; 
p. 30 », wo jedoch S. 38 nur steht : « überdies verfaßte er schon im November j 
1524 .... für Pfarrer Jakob in Wohlen .... einen schriftmäßigen Beweis j 
usw. — I11 « Heinrich Bullingers Diarium »», E. Egli, Quellen zur Schweizer- ( 
rischen Kcformationsgeschichte 2, 14, findet sich als Nr. 14 eine Schrifi 
* Aetiologia cur missa non sit sacrificium »>. Eine Widmung ist nicht an¬ 
gegeben Auch S. Hess, Lebensgeschichte M. Heinrich Bullingers [182K 
bemerkt (1, 27) bloß: «« Er schrieb .... für einen benachbarten Pfarrer in | 
Wohlen einen schriftmäßigen Beweis»* usw. — Nach Gr. Meng, Das Land* j 
kapitel Mellingen [i8(*o], gab cs um 1524 keinen Priester mit Namen Jäkel 1 
Frey im genannten Kapitel, wohl aber um 1521 einen Jakob Schwerin sei . J 
Pfarrer in Wohlen. 1 Über ihn meldet M. Kiew in <« Geschichte der Benedik- * 
tinerabtei Muri-Gries«, 1, 285 '1888 .: « Dagegen blieb der Leutpriester j 
in Wohlen, Jakob Schwvrtwcger, anfänglich dem alten Glauben treu. Heinrich ? 
Bullinger suchte ihn aber 1524 für die Reformation zu gewinnen, indem 
er in einer Schrift, die er ihm widmete, nachweiscn wollte, daß die heilige 
Messe kein Opfer sei. Herr Jakob übergab 2 diese dem gelehrten Prediger \ 


1 a. a. O., 103 ; freilich ist Meng nicht immer zuverlässig (vgl. Argov. 14. 

5, Anin. i). 

* Dagegen Pestalozzi, a. a. O., 38 : « Letzterer [Burkard] hatte sich dieser j 
Abhandlung, nachdem sie durch mehrere Hände gegangen, zu bemächtiget) gewußt.* j 

i 


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233 


von Bremgarten, Dr. Johann Burkard, einem Dominikaner, der in einer 
Schrift, die 1525 unter deiji Titel, Gesprächbüchlein, erschien, den Herrn 
Bullinger gehörig zurechtwies. * Dessenungeachtet trat Schw'ertweger bald 
zur zwinglischen Partei über. » -— Bullinger antwortete Burkard wieder 
in einer ungedruckten deutschen Schrift, die in Zürich erhalten ist. 

9 

Konrad Kunz. 


Eine Authentik von Klemens Maria Hoffbauer. 

In der Pfarrkirche zu Amden, Kantern St. Gallen, steht auf dem rechten 
Seitenaltar in einem Keliquienbehälter ein vollständiges, frisch gefaßtes 
Haupt mit dem Namen St. Angelika. Dieses Haupt soll von einer heiligen 
Jungfrau und Märtyrin aus der Gesellschaft der hl. Ursula stammen. 
Leonhard Gmür, damals Pfarrer in Amden, wußte es 1813 für seine Pfarr¬ 
kirche zu erwerben, nachdem es um diese Zeit zufällig nach Weesen ge¬ 
kommen war. Gemäß einer Überlieferung, die noch näher zu prüfen wäre, 
haben Ordensleutc diesen Schatz aus einem Kloster in der Umgebung von 
Wien nach Weesen geflüchtet und dem dortigen Frauenkloster zur Obhut 
anvertraut. Eine neue Pfarrchronik berichtet nur, Pfarrer Leonhard Gmür 
habe dieses Haupt von Redemptoristen erlangt, die aus Polen vertrieben 
worden seien. Pfarrer Gmür, geboren zu Amden den 20. Mai 1771, seit 
1S25 geistlicher Rat und Domdekan in St. Gallen, starb den 21. Juli 1828 
in Weesen. Er war der Oheim des Politikers und Administrationsrats¬ 
präsidenten Leonhard Gmür und des Dekans Jakob Gmür in Weesen. 
Bevor Pfarrer Gmür die seltene Reliquie, für die man im Mittelalter zum 
mindesten eine eigene Kapelle gebaut hätte, zur öffentlichen Verehrung 
ausstellte, wollte er vorschriftsgemäß doch zuerst Erkundigungen über die 
Echtheit des neuerworbenen Heiligtums einziehen. Er wandte sich daher 
direkt und persönlich oder durch die bisherigen Besitzer nach Wien, von 
wo die Reliquie ins Land gekommen. Johann Klemens Hoffbauer erteilte 
auf diese Anfrage hin als Generalvikar der Redemptoristen in Polen und 
Deutschland folgende Aufschlüsse : Zur Zeit der Klosteraufhebungen durch 
Kaiser Joseph II. von Österreich befand sich dieses Haupt mit andern 
hl. Häuptern im Reliquienschatze eines Wiener Ursulinerinnenklosters. Als 
dieses Kloster ebenfalls aufgehoben wurde, nahm die Frau Priorin dieses 
heilige Haupt an sich und schenkte es gelegentlich dem P. Klemens Maria 
Hoffbauer. Dieser bezeugte durch Akt vom 2. Februar 1814. daß an der 
Echtheit dieser Reliquie bisher nie gezweifelt worden sei und daß infolge¬ 
dessen kein Hindernis bestehe, sie an einem andern Ort wieder zur Ver¬ 
ehrung aufzustellen. Beim nämlichen Anlaß trat Hoffbauer auf geäußerten 

8 Uber den Dominikaner Job. Burkard, der sich von etwa 1522-1528 als 
Prediger in Bremgarten aufhielt, vgl. Nik. Paulus. Die deutschen Dominikaner 
im Kampfe gegen Luther. Freiburg i. B. 1903, S. 325-330. (Pastor. Erläute¬ 
rungen und Ergänzungen zu Iaussens Geschichte des deutschen Volkes IV. 1 u. 2.) 


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— 234 — 

Wunsch diese heilige Reliquie in aller Form schenkungsweise mit a!k: 
Eigentumsrechten dem Pfarrer Gmür in Amden ab, und der bischöfliche 
Kanzler J. Jos. Baal von Chur erlaubte am 28. Februar 1814, gestutzt 
auf die Angaben des P. Hoffbauer, die öffentliche Verehrung der auf >0 

großen Umwegen nach Amden gelangten Reliquie. 

% 

Joannes Clemens Maria Hoffbauer 

Congregationis Missionariorum SS ral Redemptoris per Poloniam et Ger 
maniam 

l'icanus generalis. 

Plm. Revdo. Domino Leonardo Gmür, Parocho in Monte Amoeno, 

Salutem in Domino ! 

Cum Dominationi Tuae admodum Reverendae oriatur dubium de 
veracitate insignis reliquiae, sacri scilicet Capitis unius Virginis et Martyri* 
in illo glorioso virgineo coetu Consociae, sub vexillo quondam S. Ursulae 
Ducis, super tyranmdem persecutorium contriumphantis. nuper JVc.vmj. 
depositi, eö quod specificä suä careat authenticä ; 

Nos igitur admodum Reverendam Dominationem Tuam de auther. 
ticitate hu jus sacri Capitis certam ac persuasam reddere volentes, in quar- 
tum nobis constat, hisce fidem facimus ac attestamur, quatenus sacrur 
hoc caput, tetnjxire suppressionis monasteriorum Vindobonnae impciante 
Joscpho secundo, a venerabili matre Priorissa, sanctimoniali ordnir 
S. t'rsulac nuncupati, de medio aliorum sacrorum capitum thesauri rcli- 
quiarii unius monastcrii ejusdem praelaudati ordinis, postmodum pariter 
sublati reverenter cxtractum, nobis dono oblatum fuisse, de authenticitate 
ipsius fidem semper habuisse. nec unquam de ea dubitasse ac proitKc 
judicio nostro, nil ulterius obstare. quominus aliis etiam in locis vene- 
ratione publica donetur. 

Intelligentes vero, quori translatio possessionis hu jus sacri Capim 
in ecclesiam Amoeni Montis Reverendae Dominationi Tuae foret accep- 
tissima, eam igitur lubenti, gratissimo ac prompto animo, una cum domir.u' 
perfccto, irrevocabili ac perpetuo, ad majorem Dei gloriam Sanctaeque 
hujus honorem et augmentum devotionis in populo actu transfenmu? 
|: Tibique Soli:| ce<limus et dono sacramus. 

In quorum fidem has litteras per infrascriptum Secretanum Nostruir. 
expediri mandavinuis ac pro majori earumdem auctoritate etiam sigilh' 
nostrae minimae congregationis SS ml Redemptoris proprio munivimus. 

Vicnnae in Austria, die secunda Febr. 1814. 

De mandato Reverendissimi 
P. Joes. Jos. Maria Sabelli, congregationis Secretarius. 

L. S. Joannes Clemens Hoffbauer. 

Yicarius generalis, qui supia 

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235 


Das Siegel enthält die Leidenswerkzeuge, vom strahlenden Auge Gottes 
überhöht. Rechts und links stehen im Siegel die verschlungenen Majuskeln 
IS und MA. 


Zu dieser Authcntik gehört noch das folgende selbständige Aktenstück : 


Duplicati 


»I ii 


Viso testimonio Rev ml V. P. Joannis Clementis Mariae Hofjbaucr, 
ccngregationis SS ml Redemptoris Vicarii Generalis super authenticitate 
S. Capitis unius Virginis et Martyris Sociarum S. Ursulae, olim Viennae 
in Austria publicae venerationi expositi et nunc in Montem Amoenum 
uioeceseos hujatis translati, ut publico fidelium cultui ibidem exponi possit, 
per praesentes permittimlis. 


Curiae, 28. Februarii 1814. 

Officium Ecclesiasticum ibidem. 

L. S. Joannes Josephus Baal, Cancellarius. 


Das Siegel enthält ein Bild des hl. Luzius und die Umschrift: Sigill. 
‘uriae ecclesiasticae Curiensis. Eduard Wymann. 


Abt Barnabas Bürki oder Barnabas Steiger ? 

Wohl mancher, der mit den Verhältnissen und der Geschichte des 
Rheintals vertraut ist, mochte sich fragen, wieso für den großen Abt und 
Restaurator von Engelberg, Barnabas Bürki, 1504-1546, Altstätten als 
Heimatort angegeben werde, da doch der Familienname Bürki sich weder 
unter den frühem jetzt ausgestorbenen noch unter den heutigen Bürger- 
peschlechtern der Stadt findet. Weder die Pfarrbücher, die freilich bloß 
ins letzte Drittel des 16. Jahrhunderts zurückreichen, noch die Urkunden 
<les Gemeindearchivs weisen den Geschlechtsnamen Bürki auf. Sollte die 
Familie des Abtes Barnabas vielleicht aus dem nahen Appenzellerland 
eingewandert sein, wo dieses Geschlecht auch heute noch zahlreich ver¬ 
treten ist ? Auch das ist nicht der Fall. Die Urkunden selbst geben uns 
flie Lösung des Rätsels. 

Der Name « Bürki » war im 75. und 16. Jahrhundert der landläufige 
Heiname der heule noch blühenden Familie Steiger oder eines Zweiges der¬ 
selben ; der Zunahme entstand einfach aus dem Personennamen Burkhard. 

So erscheint in einer Urkunde vom St. Gregoricntag 1411 ein « Staiger 
Fürky, Burger ze Altstetten » zweimal (Original im Gemeindcarchiv zu 
^idnau). Ebenso erwähnt ein Dokument des Abtes Wernher von Pfäfers 
%, om St. Ulrichstag 1427 « die erbar bescheiden Bürken Staiger, Burger ze 
Altstätten » (Archiv von Riiti). L T nd eine Urkunde vom 17. Dezember 
>426 nennt den « Bürk Steiger » einen echten Burger zu Altstätten. (Ge¬ 
meindearchiv Oberriet). 

So finden wir in einer Widnauer Urkunde von 1441, 12. März, einen 


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— 236 — J 

Bürki Steiger, Bürger zu Altstätten, als Schiedsmann in einem Streit 
zwischen Berneck und Lustenau, und er zeichnet und siegelt mit drei ’ 
andern Schiedsrichtern (Archiv Widnau). Derselbe erscheint als Vertreter :.v 
der Gemeinde Altstätten in einem Handel 1462 (Stadtarchiv Altstitten, \~ü 
Nr. 9), und 1465 ist Stadtammann Burkhard Bürki Steiger Zeuge in einem j"? 
Grenzstreit mit Appenzell (Zellweger Urkunden Appenzells, Nr. 419). 

Im Jahre 1492 erscheint mehrfach Othmar Steiger , so z. B. : Othmar : 
Staiger hat empfangen sin huß und hoff in der statt Altstetten gelegen, 
stoßt an die gemaind zu zwain siten, zur dritten an Closen Bomgarter; 
item 1 wingarten am münsterweg gelegen, stoßt an Bürckin Tagmann. 

an stras .... item ein mad in ströwimäder, stoßt an die gmaind. 

und an der Ender guter .... (Stiftslehenbuch St. Gallen, Bd. 80. S. :;c/ 

Zu gleicher Zeit erhält Jos Kitter 2 mansmad, ist 4 mansmad im 
ströwimad. stoßt an Othmar Hiircki , och an die gmaind .... (Bd 80, fol. 
f«l. 301 b ). Daraus ergibt sich mit höchster Wahrscheinlichkeit, daß Othmar 
Steiger und Othmar Bürki identisch ist. 

Dieser Othmar Steiger ist 1503 bereits gestorben, denn das Lchenbuch. 

Bd. 83, fol. 200, trägt folgenden Eintrag vom Jahre 1503: Hanß 
hat entpfangen zu sin und sins bruoder Barnabas handen ir huß und hofstatt 
zuo Altstetten, stoßt an gmaind und an Clauß Bomgarter ; item 1 wir.- 
garten am müqsterwcg gelegen, stoßt an Burckin Tagmann, an stras — 
item 4 mansmad in strowymeder, stoßt an gmain und an der Ender güte: 

.... so sy von irem vatter ererbt habend. 

Eine unmittelbar vorhergehende Eintragung (fol. 199*) sagt: Har.ii 
Staiger, Ottmars sun, hat empfangen .... I 

Daraus geht hervor, daß die Steiger ein angesehenes Geschlecht waren, 
auch Bürki genannt wurden, daß ferner Hans 1503 das gleiche Lehen, 
welches sein Vater Othmar 1492 erlangt, für sich und seinen Bruder Bar¬ 
nabas, der abwesend war, antrat. Das stimmt auch, da Abt Barnabas lje; 
in Paris weilte, wo er magister artium und Doctor thcologiae wurde Herrn 
Kitter Hermann von Altstätten, Baurat in Frankfurt, der seine Muße¬ 
stunden eifrig auf Forschungen über seine Heimat und sein Geschlecht 
verwendete, gelang es anhand eines Eheprozesses vor Abt Bernhard II 
Müller 1630, sechs Generationen seines Geschlechtes im 16. Jahrhundert 
zu bestimmen (Stiftsarchiv, Bd. 1843, S. 335 ff.). Ob durch bloße Kombi¬ 
nation oder auf Grund mir unbekannter Urkunden, — er konnte feststelien: 

•• Agnes Ritter , Tochter des Hans Kitter und der Ellinen Kolb, heiratete 
den Othmar Staiger, genannt Rio kt ; diese sind die Eltern des Abt Barns 1 *: 
Hürki. » 

Abt Barnabas selber nennt in der von ihm gestifteten Jahrzeit zu 
Engelberg seine Eltern : • .... und soll man da gedenken Othmari Burkiß 
und Agnesen Kitterin. fuerunt parentes praedicti abbatis. *> (Jahrzeitbucl 
von Engelberg.) Diese Zusammenstellung nnt den oben erwähnten Othmar 
Steiger und Agnes Kitter, ferner des Hans Steiger, Othmars Sohn, der für 
sich und seinen abwesenden Bruder Barnabas 1501 eine Lchensverschreibum: 
inacht, beweist unwiderleglich, daß Barnabas Bürki und Barnabas Steige: 
identisch ist. 


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— 237 "* 

Im Jahr 1492 erscheint in den Lehenbüchern St. Gallens, fol. 2596 
und 261 b, Othmar Steiger (Staiger) als Träger eines näher bezeichneten 
Grundstücks. Im gleichen Band wird auch ein Jos Ritter genannt als 
Lehentrfiger Ackers, der an Othmar Bi'irki grenzt, und wo es sich nach 
Ausweis der Angrenzer um den gleichen Besitz und denselben Besitzer 
handelt, wie im ersteren Fall, ein Beweis, daß Othmar Steiger und Othmar 
Bürki ein und dieselbe Person ist. 

Zu gleicher Zeit, wo Abt Barnabas die Leitung und Erneuerung seines 
Stiftes kräftig an die Hand genommen, war Hans, sein Bruder, Stadtammann 
von Altstätten und erscheint am 12. Mai 1517 als Vertreter Altstättens 
in einer Streitsache mit Krießern vor dem äbtischen Gerichtsammann 
Hans Vogler, dem Altem, Vater des jüngern Hans Vogler, des Refor¬ 
mators im Rheintal (Stadtarchiv, Nr. 80). 

Aus dem häufigen Vorkommen muß geschlossen werden, daß der Name 
Burk oder Bürki im täglichen Verkehr gewöhnlich gebraucht wurde, da 
er in den Urkunden so häufig dem Familiennamen beigefügt wurde. Was 
den Abt Barnabas bestimmte, statt des Familiennamens Steiger den Bei¬ 
namen Bürki zu führen, wissen wir nicht. Vielleicht war es der lange 
Aufenthalt in der Fremde, besonders an der hohen Schule zu Paris und die 
Korrespondenz mit Auswärtigen. Indessen dürfte der Name Bürki einer 
romanischen Zunge wohl nicht geläufiger sein als der Name Steiger. Es 
muß auch wundernehmen, daß er seinen Namen nicht nach damaligem 
Gelehrtenbrauch latinisierte, etwa als Burkhardi oder Ascensor. (Mehrere 
Mitteilungen von Stiftsarchivar Müller in St. Gallen und Dr. Carl Moser 
in Altstätten werden herzlich verdankt.) 

Einsiedeln. P. Fridolin Segmüller, O. S. B. 



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REZENSIONEN — COMPTES RENDUS 


0. Biieier, Petrus Dasypodius (Peter Hasenfratz). Ein FraaenfeUv 
Humanist dee XVI. Jahrhunderts. Beilage zum Programm der thur- 
gauischen Kantonsschule, 1919-20. S.-A. Frauenfeld, Huber &: Cie.. u,:r. 
71 Seiten, 4 0 . 

Es ist noch wenig bekannt, daß der Humanismus, wenigstens jüngerer 
Observanz, selbst im Thurgau einige Vertreter gefunden hat, deren Namen 
einen guten Klang haben, wie liibliandir (Buchmann) aus Bischofszell. 
.Mulius (Hugwald Mutz), ebenfalls aus dortiger Gegend, Fritz Jakob : 
Anwil, bischöflicher Hofmeister aus Bürglen. Ihnen gesellt sich ebenbürtig 
zur Seite Petrus Dasypodius, von dem bis jetzt nur das wenige bekannt war, 
was L. Hirzel im Neuen Schweiz. Museum VI über ihn veröffentlicht hat 
Büeler hat nun in sehr verdienstlicher Weise die kurzen Notizen zu einem 
anschaulichen Lebensbilde erweitert und vor allem in einwandfreier Weise 
festgcstcllt, daß Dasypodius identisch ist mit dem Frauenfclder Geschlecht 
Hasenfratz. 

Petrus Dasypodius, geboren gegen Ende des 15. Jahrhunderts in 
Frauenfeld, war akademisch gebildet, doch wissen wir nicht an welcher 
Hochschule. Da er sich mag. art. nennt, muß er auch promoviert worden 
sein. Sein Name findet sich aber weder in den Matrikeln von Tübingen 
noch von Freiburg und Köln, so daß man geneigt sein möchte, an Basel 
zu denken, was Büeler niclit-berücksichtigt hat. Er wurde sodann Kaplan 
an der St. Michaelspfründe in Frauenfcld (um 1520), wurde durch Zwingli 
berufen an die neuerrichtete Lehrstelle an der Lateinschule am Frau¬ 
münster, offenbar infolge seines Anschlusses an die religiöse Neuerung, 
kehrte 1530 nach Frauenfeld zurück als Schulmeister und Prediger der 
Neuerung, machte sich aber durch sein politisches Verhalten bei den ein¬ 
flußreichen katholischen Familien so verhaßt, daß er nach dem Umschwung 
bei Kappel das Feld räumen mußte. Auf Verwendung seiner Glaubens¬ 
genossen fand er nun Anstellung in Straßburg als Lehrer des Griechischen 
an dem von Sturm neugegründeten Gymnasium (1533) als hochgeschätzter 
Lehrer. Er machte sich einen Namen als Verfasser lateinischer und 
griechischer Wörterbücher, die unzählige Mal aufgelegt und in allen Ländern 
verbreitet wurden, ferner als Verfasser einer lateinischen Komödie, Philar- 
gyrus. 

Im Anhang sind 21 meist ungedruckte Briefe des Dasypodius im Wort¬ 
laute publiziert und zugleich in deutscher Übersetzung angefertigt von 
J. Biichi und E. Herdi, ferner der Philargyrus nach dem Exemplar in 
Wolfenbültel. Da nur noch ein anderes in Berlin vorhanden ist, so ver- 


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lohnte sich ein Neuabdruck ! Besser wäre die deutsche Übersetzung der 
lateinischen Schreiben gleich neben diese gestellt worden, statt erst nachher 
angefügt zu werden ; auch wäre ein Namenregister dazu willkommen 
gewesen, das es sich um einen Erstabdruck von Quellen handelt, die auch 
noch mehr enthalten als biographische Mitteilungen über Dasypodius. 
Der zweite Landfrieden ist nicht schuld, daß die z. Z. des deutschen Bauern¬ 
krieges den Thurgauern von der Tagsatzung gemachten Versprechungen 
riicht gehalten wurden ; sie wurden schon längst vorher wieder zurück¬ 
genommen (S. 16). A. Bücht. 


Hein Meister Rnpertns. Ein Mönchsleben ans dem 12. Jahrhundert. 
Von Odilo Wfdfl, O. S. B. Mit 10 Bildern. 8° (vm u. 202 S). Freiburg 
1 Br. 1920, Herder. Mk. 6.80; gebunden Mk. 8.80 und Zuschläge. 


Abt Rupert (Roudpert), geboren um 1070, Mönch zu St. Laurent in 
Lüttich, begab sich 1113 zu seinem Freunde, dem Abte Kuno von Siegburg, 
wurde 1120 Abt von Deutz, f 4 - März 1135. Sein Lebensgang ist in engem 
Kähmen beschlossen ; er bewegt sich meist zwischen Zelle und Chor. Die 
Monographie des Protestanten R. Rocholl (Gütersloh 1886) scheint wenig 
befriedigend. (Hauck, Kirchengesch. 4, 411.) Aber «seine Persönlichkeit 
hatte etwas Sympathisches. » (Daselbst 413.) Diese und kompatriotische 
Beziehungen, « ein gewisser Gleichklang der seelischen Stimmung » war es, 
das den Verfasser zu ihm hinzog. Zunächst für sich selbst, zu seiner eigenen 
Freude hat er sein Leben beschrieben, dann aber auch in der Hoffnung, 
andere an dieser seiner Freude Anteil nehmen zu lassen. Nicht für Gelehrte 
hat er geschrieben, und wesentlich Neues bringt er nicht bei, aber er hat 
sich seine Aufgabe nicht leicht gemacht. Seit mehr als 40 Jahren sind die 
Werke Ruperts seine Lieblingslektüre. Aus den 4 stattlichen Bänden der 
Patrologie (Migne, 167-170) hat er den reichen Stoff gesammelt. Ergän¬ 
zungen dazu boten einige andere kirchliche Schriftsteller. So kommt auch 
der st. gallische Klosterplan hinein, der einzige Punkt, der die schweizerische 
Kirchengeschichte berührt. — Rupert lebte völlig in der Heiligen Schrift, 
die sein ganzer Trost, seine innigste Freude war. Führer sind ihm dabei 
die Schriften der Väter, die er eifrig studiert. Daher seine Vorliebe für 
allegorische und mystische Schrifterklärung, die heutzutage nicht mehr 
zu verwenden wäre. Doch wird man Rupert aus seiner krausen Exegese 
Leinen allzuschweren Vorwurf machen dürfen, denn er war abhängig von 
der exegetischen Tradition (Hauk, 416). Den Vorzug hat er vor vielen 
Zeitgenossen voraus, daß er einen schönen lateinischen Stil schreibt. Seine 
Darstellung ist glänzend, seine Sprache voll Schwung, oft von poetischer 
Schönheit. Als Belege sind einige der schönsten Stellen aus verschiedenen 
Werken ausgehoben. So wird uns in dem Buche gewissermaßen ein Rupertus 
tedivivus vor Augen geführt, das Ideal eines Mönches aus der ehrenvollsten 
lln d schönsten Zeit monastischen Lebens, die so herrliche Früchte der 
Heiligkeit in allen Ständen hervorgebracht, wie kaum je vor und nachher. 


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— 240 — 

Eine hübsche Beigal>e sind die 19 Bilder, teils Nachbildungen mittelalter¬ 
licher Pergamenthandschriften, teils Vignetten der Beuroner Kunstschule 
im Stile des Mittelalters. Damit ist dem frommen und gelehrten Meister 
Rupertus in Schrift und Bild ein würdiges Denkmal gesetzt. 

P. Gabriel .Meier. 


Königsbrief Karls des Großen an Papst Hadrian über Abt-Biidioi 
Waldo von Reichenau-Paria. Palimpsest-Urkunde aus Cod. lat. Monar 
6333. Herausgegeben von P. Emmanuel M nnding , Benediktiner der Erz¬ 
abtei Beuron. Mit einem Lichtdruck. 1920. Verlag der Kunstschule 
Beuron. Vertrieb durch die Buchhandlung Harrassowitz, Leipzig, vn und 
68 Seiten. 8°. 

(Texte und Arbeiten herausgegeben durch die Erzabtei Beuron I, 6 

Die Münchener Handschrift Clrn 6333 ist ein Sammelband von 13; 
Pergamentblättern, die teilweise abgeschabt und zum zweiten Male be¬ 
schrieben wurden. Auf zwei Blättern ist beinahe vollständig eine Urkunde 
erhalten, die nach dem von P. Raphael Kögel, O. S. B. erfundenen soge¬ 
nannten Fluoreszenzverfahren photographiert, in Lichtdruck beigegeben ist 
Darauf kommt, nach 1100 Jahren, ein Brief Karls des Großen wiederar 
den Tag. den er an Papst Hadrian sandte. Er meldet, daß er einen gewisser. 
Waldo zum Lohn für schätzenswerte Dienste zum Bischof von Pavia 
ernannt habe und empfiehlt ihn dem Papste zur kirchlichen Bestätigung 
und Weihe. Dieser Waldo (in der Handschrift uualto) kann kein anderer 
sein als der frühere Mönch und Abt von St. Gallen, wahrscheinlich vor, 
791-801 Bischof von Pavia, dann Abt von St. Denis in Paris, f 8*3 °^ er 
814. Der vorliegende Brief ist wahrscheinlich in Lorch an der Enns ent¬ 
worfen und in Reichenau ins Reine geschrieben worden. Karl der Große 
konnte bekanntlich nicht schreiben. Nach dem Jahre 791 hatte das Bitt¬ 
schreiben keinen Wert mehr und wurde daher von neuem beschrieben 
Seine Bedeutung liegt nicht so sehr darin, daß die Zahl von Karls Königs¬ 
regesten um eine Nummer vermehrt wird, als vielmehr im hohen Alter 
und der Seltenheit von Palimpsesturkunden, in der Schriftart, und last not 
least in der scharfsinnigen und gewandten Enträtselung und Deutung. 
Das Ganze ist eine Vorarbeit zur quellenmäßigen Darstellung über Abt- 
Bischof Waldo, die als Heft 7 der Texte und Arbeiten nächstens erscheinen 
soll. P. Gabriel Meter. 



Fribourg (Suii.bC). — Imprimerie Saint-Paul. 


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einem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten 
katholischen Familie fehlen sollte. An wissenschaftlichem Gehalt und 
gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der 
Schweizergeschichte nicht zu scheuen. Es unterscheidet sich von den bis¬ 
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur¬ 
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen 
Werke erreicht, geschweige übertroffen *. 


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Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen 
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk, gewisser¬ 
maßen seine Lebensarbeit vor. Sie bietet sehr viel Neues, noch ganz Unbekanntst, 
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, ganx original. — Für alle 
Freunde vaterländischer Geschichte bietet das Werk reiches Interesse : für die 
Oeech lohte Granbündens und der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine 
Menge wertvoller Bausteine. Kirchengeschiohüich ist es eine der bedeutungs¬ 
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<fen ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und darauf basierend und damit verflochten die 
Geschichte des Doppelbistums Chur-St.Gallen u. d.kirchl. Errichtung des neuen Bistums St. Gallen. 


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UNIVERS.n üf CALIrCrtH.A 


IEN VON 


Ecclesiastique Suisse. 


PUBLIEE PAR 


Marius BESSON, 


Profcsscur a l’linivcrsite ct au Seminairc, Fribourg. 


Albert BÜCH1 und Joh. Peter KIRSCH 

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o ö. Professoren an der Universität Freiburg (Schweiz). 


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9 

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Hans von Matt & C ie Verlagshandlung. 


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Inhaltsverzeichnis — Sommaire 


Ant. v. Castelmur. — Die Rheinauer Handschrift der Passio des heiligen 

Placidus aus dem Anfang des XIII. Jahrhunderts.241 

R. P. Bernard Fleury. — Notes historiques sur le couvent des Cordeliers 

de Grandson.260 

P. WillibaldBeerli. — Die Verehrung der hll. Vitalis und Marcellus M. M. 

in Mariästein.271 

Joseph Müller. — Karl Borromeo und das Stift St. Gallen (Fortsetzung 

und Schluli).2>M 

Kleinere Beiträge. — Mölanges.3o; 

Rezensionen. — Comptes rendns . 3 i 3 


GROSSERE BEITRAGE. TRAVAUX 

welche für die nächsten Summern que la Revue publiera 

in Aussicht genommen wurden. prochainement. 

R. P. Bernard Fleury, Le couvent des Cordeliers de Fribourg au moyen- 
ägc (ia 50 -i 5 po). — R. Hoppeier, Das Subsidium charitativum vom Jahre i 5 co 
— Hermann Hü£fer, Die geistlichen Herrschaftsgebiete in Welschburgund 
unter der Herrschaft der Zähringer. — L. Kern, L’incorporation des couvents 
de femmes dans l’Ordrc de CItcaux. — Konrad Kunz, Die Synodalstatuten des 
Bischofs Friedrich II. von Konstanz vom Jahre 1436. — P. Fridolin Segmfllier, 
Marianus Herzog. — Prof. Dr. Arnold Winkler, Der Tessiner Kirchenstre::. 
1X45-1847. 


N.-B. — Alle für die Zeitschrift lur Schweiz. Kirchengeschichte bestimmten 
Rezensionsexemplare sind an die Redaktion Freiburg zu adressieren. — 
Tous les ouvrages destines ä recevoir un compte rendu dans la Rene 
d'llislnire ecclcsiastiquesuis.se doivent etre envoyis directement ä la Redaction, 
Fribourg. 


Die Zeitschrift 

für Schwciberische Kirchcngeschichte 
erscheint 4 Mal jährlich. 


LA REVUE 

d’histoire ecclesiastique suisse 

paraft par tiscicules tnniestriels. 


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Die Rheinauer Handschrift der Passio 

des heiligen Placidus 
aus dem Anfang des XIII. Jahrhunderts. 

Von Ant. v. CASTELMUR, cand. phil. 


Über Disentis, eines der ältesten schweizerischen Benediktiner¬ 
klöster, ist uns geschichtlich leider nur sehr wenig überliefert. Das 
Archiv des Klosters fiel der Feuersbrunst des Jahres 1799 zum Opfer, 
sodaß wir für die ältesten Zeiten des Stiftes auf auswärtige Quellen, 
die leider nur sehr sparsam fließen, angewiesen sind. Eine kritische 
Behandlung der Entstehung des Klosters ist somit mit sehr großen 
Schwierigkeiten verbunden. 

Die bisherigen Bearbeitungen des Lebens der Heiligen Placidus 
und Sigisbert, der Gründer des Stiftes, gehen auf die Angaben der 
* Propria Curiensia * aus dem Ende des XV. Jahrhunderts zurück. 
Auf dieser Grundlage baut Ferrarius 1 auf, und auf ihm und dem 
«Proprium Curiense * beruht hauptsächlich die Darstellung der Acta 
Sanctorum a . In neuester Zeit befaßten sich Dr. G. Mayer s , P. Adalgott 
Schumacher 4 und besonders Dr. Paul Ed. Martin in Genf 6 mit dieser 
Frage. Letzterer ist im Besitze einiger Kopien der Nationalbibliothek 
in Paris über die älteste Geschichte von Disentis, die für den berühmten 
Benediktiner Mabillon angefertigt wurden, die er zum Gegenstand einer 
eigenen Publikation machen wird. Aus diesem Grunde verzichten 


1 Catalogus generalis sanctorum, qui in martyrologio Romano non sunt. 
Romac 1526 etc. 

3 Julii, Tom. III. p. 238-40. 

3 Geschichte des Bistums Chur. I. p. 69-70. Stans 1907. 

4 Album Desertinense. Disentis 1914. 

* Etudes critiques sur la Suissc ä l’epoque merovingienne, Gcndvc, 1910, 
p. 249-56. 

REVUE d’histoire ecclesiastique 16 


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— 242 — 

wir darauf, unsern nachfolgenden Text in historischer Hinsicht aas¬ 
zubeuten. 

Mein hochverehrter Freund und Gönner Dom Germain Morin 
0 . S. B. entdeckte bei seinen Studien auf der Zentralbibliothek in 
Zürich eine « Passio sancti Placidi» aus dem Anfang des XIII. Jahr¬ 
hunderts. Er hatte die große Freundlichkeit, mir dieselbe als Bündner 
zu überlassen. Mit Freude benütze ich die Gelegenheit, ihm hiefür. 
sowie auch für die sonstigen zahlreichen Beweise seines Wohlwollens 
und der Freundschaft herzlichst zu danken. 

Die genannte Passio befindet sich in einem Passionale, im Cod. V 
des ehemaligen Klosters Rheinau, der dem XII. und XIII. Jahrhundert 
angchört. Der Codex weist 142 Pergamentblätter, die zu 283 Seiten 
paginiert sind, auf. Das Format ist 43,8 x 32,5 Cm. Die Schrift ist 
die Übergangsschrift der karolingischen Minuskel zur gothischen Schrift, 
weist mehrere Schreiberhände auf und ist in zwei Kolonnen gehalten. 
Titel und Anfangsbuchstaben sind rot. Eine große Anzahl der Blätter 
ist am Rande beschnitten. Der letzte Teil der Sammlung vom 31. Ok¬ 
tober an fehlt. 

Unser Text beginnt auf Pag. 122, Kolonne 2 unten und füllt dir 
p. 123 ganz aus. Der Rest befindet sich auf zwei kleinen, zusammen¬ 
genähten, gleichzeitigen *Pergament-Fragmenten, die zwischen die 
Seiten 123 und 124 eingebunden sind. Am Schlüsse der eigentlichen 
Passion sind uns noch einige historische Nachrichten über die Stiftung 
Sigisberts erhalten. 

Nach kurzer segensreicher Tätigkeit in unserm rätischen Gebirgs- 
tale war dem Klo ter Disentis ein harter Schlag Vorbehalten. Es fiel ‘ 
den vom Langobardenkönig Grimoald (662-671) gegen seinen unge- j 
treuen Vasallen Lupus von Friaul zu Hüfe gerufenen Avaren bei deren 
Rückzug aus Italien zum Opfer. Die Reliquien der Heiligen Placidus 
und Sigisbert, sowie die Kostbarkeiten des Klosters wurden zeitig nach 
Zürich verbracht wo sie längere Zeit verblieben, bis der Neubau des 
Klosters unter dem Abte Ursicin 739 8 vollendet war, der durch die 
Gunst des fränkischen Königs zu Stande kam. | 

An diese Translation nach Zürich wird wohl die Geschichte unserer | 

J 

1 Ein Verzeichnis der von Disentis unter Abt Adalbero nach Zürich ge¬ 
flüchteten Gegenstände bringt uns Mabillon in seinen Annales Bened. Tom. Ij- 
xvi, p. 504, wo er auch die Rücktranslation der Reüquien nach Disentis durch den 
genannten Abt um 670 meldet. 

a cfr. Mayer, Geschichte des Bistums Chur, I, p. 63-64. 


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243 


Passio anzuknüpfen sein. Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir an- 
nehmen, daß bei der Rücktranslation der heiligen Gebeine von Zürich 
nach Disentis der Kirche von Zürich 1 wohl aus Dankbarkeit einige 
Partikeln derselben überlassen wurden. In der Tat finden wir Reliquien 
unserer Heiligen um die Mitte des XIII. Jahrhunderts in Zürich, 
am Großmünster urkundlich bestätigt. Das «Breviarium (sive ordi- 
narium) chori Turicensis anno domini M°CC°LX°» überliefert uns 
nicht nur das Vorhandensein von genannten Reliquien, es berichtet 
uns auch über die Art und Weise, wie die Heiltümer daselbst geehrt 
wurden. 2 Noch näheren Aufschluß gibt uns ein Reliquienrodel des 
Chorherrenstiftes, der beim Amtsantritt des Thesaurarius Rudolf Brun 
( 1333 , febr. 25) abgefaßt wurde. Er berichtet uns vom Vorhandensein 
eines « capud sancti Placidi », das sich bis zur Glaubensspaltung dort 
befand ; denn es begegnet uns 1528 wieder als Bestandteil des Schatzes 
des Großmünsters, den der Rat von Zürich einziehen ließ. 3 

Von Zürich aus wird sich der Kult der Disentiser Heiligen im ehe¬ 
maligen Bistum Konstanz weiter ausgedehnt haben. Ende des XII. Jahr¬ 
hunderts ist uns derselbe durch die Passio in Rheinau erwiesen. 
Jedenfalls dürfen Reliquien der Heiligen schon früher ihren Weg nach 
dem berühmten Kloster gefunden haben, das seit 846, resp. 865 mit 
St. Gallen und Disentis in Confratemität stand. (Th. v. Mohr, Cod. 
dipl. I. 27.) Gerold von Rinzin, ehemaliger Abt von Rheinau (1095-97) 
angeblicher Bischof, der Ende des XI. Jahrhunderts den St. Johannes- 
Altar des Klosters Muri weiht, in den er Heiltum der Heiligen 
Placidus und Sig(is)bert einschließt 4 , dürfte dasselbe wohl aus seinem 

ehemaligen Kloster erhalten haben. In diesem Falle dürfte man sich 

0 

fragen, ob uns angeführtes Manuskript wirklich die älteste Kenntnis 
des Lebens der Heiligen Placidus und Sigisbert aus Rheinau darstellt 5 , 
da das allgemeine Streben dahin ging, von Heiligen, deren Reliquien 


1 Die ältesten Nachrichten über die Kirchen zu Zürich entstammen zwar 
erst dem IX. Jahrhundert: Großmünster 820 ; Fraumünster 853 ; und die St. Peters¬ 
kapelle 857. Z. U.-B. I, Nr. 37, 68, 77. 

Da hingegen die Thebäer-Legende mit Felix und Regula an Zürich anknüpft, 
dürfen wir im VII. Jahrhundert dort unzweifelhaft eine Kirche annehmen, zudem 
ja Zürich eine nachweisbare römische Station war. 

* cfr. Beilage I. 

3 cfr. Stückelberg, Geschichte der Reliquien in der Schweiz, I, (Zürich, 1902) 
Nr. 226; 478. 

4 Stückelberg, 1 . c. I, Nr. 104. 

8 Da unser Text die Avaren mit den Ungarn verwechselt, die erst gegen 


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I 


- 244 — 

man besaß, auch eine vita zu erhalten ; ja meist hielten Reliquien und 
vita miteinander ihren Einzug. Jedenfalls hätte es nicht ioo Jahre 
gedauert, bis man Nachrichten von Zürich, wo man doch sicher die 
Legende unserer Heiligen kannte, erhalten hätte. 1 

Auch anderorts finden wir Nachrichten, die uns über die Aus 
dehnung des Kultes unterrichten. Der Cod. 174 der Stiftsbibliothek 
St. Gallen, saec. IX, enthaltend Lieder des Mönches Ratpert (gestorben 
kurz nach 880), enthält Nachträge durch die Hand des berühmten 
Mönches Ekkehards IV., des St. Galler Chronisten und Dichtere, der 
1036 oder 1060 starb. 

P. I“ des zitierten Codex finden wir : « Columbanus, Gallus, Magnus 
Chilianus et Theodorus, Sigibertus, Placitus cum plurimis complicibus 
Francis immorantur, honore habentur. » Im Jahre 1099 weiht Bischof 
Gebhard III. von Konstanz (1084-1110) die Kirche von Uster zu 
Ehren der Heiligen, deren Reliquien im Altäre ruhen. Unter letzteren 
finden wir Partikel unserer beiden Disentiserheiligen. * 

Das Reliquienverzeichnis des Klosters Engelberg aus dem XII. Jahr¬ 
hundert verzeichnet auch die Namen unserer Heiligen *, die auch im 
Cod. 550 der Engeibergischen Bibliothek (Mitte XII. saec.) auf den 
11. Juli. Erwähnung finden : « Eodem die S. S. Placidi et Sigberti» 
Auch in Einsiedeln kannte man früh die Disentiserpatrone. Cod. 117 
der dortigen Bibliothek, ein Martyrologium des XI. mit Zusätzen 
des XII. oder XIII. Jahrhunderts, p. 15, meldet uns auf den n. Juli 
«Disertino Placidi et Sigisberti *. Allerheiligen bei Winterthur, da* 
von Ulrich IV., Graf von Kyburg und Bischof von Chur (1233-37) 
gegründet wurde, besaß im XIII. Jahrhundert auch Heiltum de> 
heiligen Sig(is)bert. 4 

Mitte des X. Jahrh. im westlichen Europa auftauchten, so ist auch die Vorlage, 
die zur Rheinauer Copie diente, nicht vor Mitte des X. Jahrhunderts anzusetren 

1 Rettberg verwirft in seiner Kirchengeschichte Deutschlands, Göttingm 
1848, II, p. 141-43. die Nachrichten über Placidus und Sigisbert als nur auf eia 
heimischer (bündnerischer) Tradition beruhend, der jeglicher urkundlicher Nach 
weis mangle. An Hand unserer zwei Dokumente aus dem heutigen Kanton Zünc.a 
dürfen wir dessen Behauptungen als hinfällig erachten. 

* Stückclbcrg, 1 . c. I, Nr. 1930, aus dem Nekrolog von Uster auf der Zentral 
bibliothek in Zürich. Wir sehen also, daß die Patrone von Disentis schon 
dem Dekrete des Papstes Alexander III. (1159-81), das die öffentliche Verehrung 
von Heiligen an die Zustimmung des Papstes band, als solche öffentliche Ver¬ 
ehrung genossen. 

3 Stückclbcrg, 1 . c. I, Nr. 172. 

4 Derselbe, 1 . c. I, Nr. 218. 


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245 


Schon in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts finden wir den 
Kult unserer Heiligen auch am Beromünster. Im großen Reliquien¬ 
kreuze daselbst, i. Hälfte des XIV. Jahrh., befinden sich auch Reli¬ 
quien «Sancti Placidi Desertinensis Martyris ». Ebenso verzeichnen 
die dortigen Anniversarbücher aus dem XIV. Jahrhundert auf den 
ii. Juli (a. d. V. id.) das Fest unserer Heiligen. 1 1506, Juli 12, schenkte 
Abt Johann von Disentis (f 1512) dem Beromünster Reliquien der 
Heüigen Placidus und Sigisbert, die im Reliquieninventar von 1640 
bis 50 wieder Erwähnung finden. 8 Im Laufe der Zeit müssen wohl die 
Reliquien des hl. Sigisbert verloren gegangen sein, da dessen Fest dort 
einging, während jenes des hl. Placidus noch weiter gefeiert wird. 8 
Auch in verschiedenen Codices der Einsiedlerbibliothek des XV. Jahr¬ 
hunderts erscheint in deren Kalendarien das Fest unserer Heiligen. * 

Im St. Galler Codex 415 « Lectiones cum Antiphones » des XV. Jahr¬ 
hunderts ist uns das Officium der Heiligen Placidus und Sigisbert ganz 
erhalten. fi 

Nachdem das Kloster Einsiedeln 1577 einer Feuersbrunst anheim¬ 
gefallen war, sandte Abt Ulrich III. (1585-1600) den P. Helias Hey¬ 
mann auf weite Reisen, um neue Reliquien für das Stift zu sammeln. 
Im Jahre 1595 führte ihn sein Weg auch ins Bistum Chur, wo er Chur 
und Disentis besuchte und Reliquien der Heiligen Luzius, Florinus, 
Placidus und Sigisbert erhielt. Um die erhaltenen Reliquien zu ehren, 
ließ obgenannter Abt Ulrich einen bisher kupfervergoldeten Sarkophag 
neu hersteilen und in demselben u. a. auch die Reliquien der Gründer 
des Klosters Disentis beilegen. 1726 wurden solche Partikeln auch in 
den Knopf des rechten Turmes der Kirche eingeschlossen. • Im Mai 
des Jahres 1624 wurden die von Disentis nach St. Gallen geschenkten 
Reliquien unserer Heiligen daselbst feierlich empfangen 7 und 1645 
schenkten Abt und Konvent von Disentis aus Dank für erwiesene 


1 Akten des Prozesses zur Aufnahme der Heiligen Placidus und Sigisbert 
ins Martyrologium Romanum. Rom 1905. Stiftsarchiv Disentis. 

* Zeitschrift für schweizerische Kirchen-Geschichte, XII, p. 178-180-81. 

* Prozeßakten. 

4 Cod. 87 : « Breviarium abbatis Geroldi», V, id. Jul. Translatio S. Benedicti 
Com. Placidi et Sigisberti M. M. Major fe. 

Ebenso Cod. 107, nach welchem zuerst die Messe der Disentiserheiligen 
gefeiert wurde. « Prior missa de sanctis Placidi et Sigisberti.» Prozeßakten. 

6 Prozeßakten. 

* Stückelberg, 1 . c. I, Nr. 542, 544, 1317. 

7 a. a. O., I, Nr. 635. 


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— 246 — 

Dienste dem Kloster Muri «brachia minora * der Heiligen Placidus j 
und Sigisbert, die 1895, wieder kostbar gefaßt, zurück nach ihrer 1 
Heimat gelangten, wo sie auf den Hochaltar der Martinskirche (Haupt¬ 
kirche des Klosters) gestellt wurden. 1 1745 wurde das Fest der Diseu- 
tiserheiligen in den Kalender der Helvetischen Benediktiner Kongre¬ 
gation aufgenommen. 2 1772-92 gelangten Partikel unserer Heiligen 
nach Fischingen und Neu-St. Johann. 8 

Im Ursem Tale erhielt sich die Legende vom Durchzuge der 
Heiligen Columban und Sigisbert noch lange in Erinnerung. Das Fest 
der Disentiserheiligen wurde dort im XV. Jahrhundert gefeiert. Dies 
bezeugt uns die Eintragung im Anniversarbuch der Pfarrkirche von J 
Andermatt von 1440, wo das Fest derselben auf den 11. Juli mit roten j 
Lettern im Kalender notiert ist, was auf eine feierliche Begehung des- j 


f 

• • 


selben hinweist. Anläßlich der Translation des Leibes des hl. Julius ( 
wurde zu Andermatt am 10. August 1757 eine feierliche Prozession • •' 
abgehaltcn, in der auch die Brustbilder der Stifter von Disentis, sowie 
des hl. Columbanus getragen wurden. 4 Natürlich können wir den Kult 
des hl. Sigisbert im Ursemtale nicht als Zeugnis dafür ansprechen, 
daß Sigisbert wirklich von dort her nach Disentis gekommen sei. 

Da Ursem lange politisch zum Stifte Disentis gehörte, kann der Kult 
dessen Stifters ebensogut von Disentis her eingeführt worden sein. 

Den ältesten Nachrichten über Reliquien und Kult unserer Heiliger, 
in Disentis selbst müssen wir mit jener Vorsicht, die durch das gänzliche 
Versagen zeitgenössischer Originalquellen bedingt ist, entgegentreten. 
Diese Nachrichten sind aber auch keineswegs nur so von der Hand 
zu weisen, da wir sie Männern wie Mabillon, Eichhorn und dem ge¬ 
lehrten Einsiedler Fürstabt Placidus Raimann verdanken, die vor 
dem großen Brande von 1799 aus dem Archiv des Klosters schöpften. 

und unser Vertrauen verdienen. Anderseits müssen wir natürlich den 

# ' 

damaligen Stand der Geschichtsforschung, der unsem heutigen An¬ 
forderungen nicht immer mehr entspricht, in Berücksichtigung ziehen j 
um zu einer richtigen Würdigung jener überlieferten Nachrichten zu 
gelangen. Wir führen hier alles auf, was uns erreichbar war, ohne zu 
den einzelnen Ereignissen Stellung zu nehmen, was uns zu sehr vom 
Thema ablenken würde. 

1 a. a. O., I, Nr. 727. 1902. 

1 Prozeßakten. 

3 Stückclbcrg, 1 . c. I, Nr. 1588 und 1664. 

4 Stiickelberg, 1 . c. I, Nr. 1951. 


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1 



— 247 — 

An der Stelle, wo der hl. Placidus enthauptet worden sein soll 
(630, Juli 11), wurde schon 801 eine Kapelle zu Ehren des Märtyrers 
erbaut, die 1458 durch eine durch das Placidustälchen niedersausende 
Lawine zerstört wurde. Sogleich begann der Abt Johann Ussenport 
(1448-61) einen Neubau. Die heutige Kapelle gehört mit Ausnahme 
des Lawinenbrechers neuerer Zeit an. 1 Nach Wiederherstellung des 
Klosters nach dem Einfall der Avaren, die 670 bei Disla von den 
Rätiem vernichtend geschlagen worden waren, brachte der hl. Ursicin, 
Bischof von Chur und Abt von Disentis, die Reliquien und Kostbar¬ 
keiten wieder in die Heimat, die sich dort großer Verehrung erfreuten. 
Von Pilgern nennt uns die Tradition u. a. Carolomanus, den Sohn 
Karl Martells im Jahre 747, Karl den Großen mit seiner Gemahlin 
Hildegard auf der Romreise 781, und ebenso bei seiner Rückkehr nach 
der Kaiserkrönung 801 ; Lothar, Sohn Ludwig des Frommen, auf der 
Italienreise des Jahres 824 und Karl den Dicken mit seiner Gattin 
Richarda 883 ; Otto I. und seine Gemahlin sollen 966 die Reliquien 
unserer Heiligen in Disentis verehrt haben, als sie nach Italien « per 
Lucumonem » (Lukmanier) reisten. 2 

Unter den fünf heiligen Leibern, die durch den rätischen Grafen 
Roderich dem Bistum Chur entfremdet worden waren, wie wir aus der 
Klageschrift des Bischofs Viktor II. von Chur (820-33) an Kaiser 
Ludwig den Frommen ersehen s , dürften wohl die Leiber unserer 
Heiligen inbegriffen sein, da das Bistum Chur damals sonst nicht über 
so viele Heiligenleiber verfügte. Nach genauer Untersuchung durch 
Missi verordnete der Kaiser am 25. Juli 825 dem Bistum Restitution 
aller ihm durch Roderich entzogenen Rechte und Güter. 4 

1048 fand in Disentis unter Abt Ulrich eine neue Deposit io der 
heiligen Gebeine statt, wohl, um sie in Sicherheit zu wissen. 8 Im Jahre 
1201,18. Oktober, weihte der Bischof Reinher von Chur (f 9. November 
^09) im Kloster Marienberg einen Altar, in den er Reliquien der 
Eiligen Bekenner Luzius, Florinus und Sigisbert einschloß. • Daß 
die Reliquien unserer Heiligen, d. h. deren Gräber im XIII. Jahrhundert 

1 Th. v. Mohr, Regesten von Disentis, Nr. 16, 194. 

1 Derselbe, Nr. 10, 13, 15, 17, 21, 25. 

8 Th. v. Mohr, Codex diplom. I, Nr. 15, 16, 17, Chur 1848-52. 

4 Derselbe, I, Nr. 19. 

8 Derselbe, Regesten von Disentis, Nr. 32. 

* Goswin: Chronik des Klosters Marienberg. Edid. P. Basti Schwitzer, 

Innsbruck. 1880. 


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— 348 — 

noch in Disentis erhalten waren, bezeugt uns das « Breviarium Deser- 
tinense *, Cod. 403, St. Gallen, XII.-XIII. saeculum. 

P. 151-52 : « In festivitate sanctorum Placidi et Sigisberti: Oratio: 
Propiciare Deus Domine nobis famulis tuis per sanctorum tuorum 
Placidi et Sigisberti, qui in presenti requiescunt ecclesia etc .» 

(« Testimonium eccl. St. Gallensis * in den Prozeßakten.) 

Zu Beginn des XV. Jahrhunderts war Disentis oft in Fehden 
verwickelt, sodaß sowohl der geistige wie der materielle Stand des 
Klosters sank. Erst eres ergibt sich aus einem Schreiben des bekannten 
Abtes Peter von Pontaningen (Pultingen) an Bürgermeister und Rat 
von Zürich von 1419, September 7. (Liebfrauenabend im Herbstmonat), 
mit dem Gesuche, ihm für die Friedensverhandlungen mit den Henen 
von Räzüns den Stadtschreiber von Zürich zuzusenden, denn sie hätten 
« brief und fryheiten, die unserm gotzhus geben sint von bäpsten und 
von keysem, daz er uns die do lesen und ze gutem tütz brachtet. 
Den materiellen Niedergang des Klosters ersehen wir aus der Indulgenz- 
bulle Calixt III., d. d. XVII Kal. Aug. (Juli 16) 1456, in der er allen 
Wohltätern des Stiftes, das « propter guerras, que partes illas diutius 
afflixerunt, in fructibus redditibus et proventibus hujusmodi plurimum 
diminutum fuerit *, die zur Neuherstellung desselben beitragen, Ablässe 
verleiht. * Wichtig ist diese Bulle, weil in ihr von höchster kirchlicher 
Stelle als Patrone von Disentis die Heiligen Martinus, Placidus und 
Sigisbert genannt werden. Unsere Disentiser Heiligen erscheinen hier 
in gleicher Rangordnung mit dem berühmten fränkischen National¬ 
heiligen, Martin von Tours. 

1443 finden wir das Fest unserer Heiligen im Urbar von Pleif 
(Lugnez) auf den 11. Juli vermerkt : « Placidi et Sigberti sub praecepto». 
Der 1489 vollendete, schöne, gothische Flügelaltar der St. Agatha¬ 
kapelle im Felde bei Disentis weist auf der Rückseite des Flügels, auf 
der Evangelienseite, unsere Heiligen auf. 

Einen imposanten Anblick muß es 1499 geboten haben, als die 
Streitscharen des Obern oder Grauen Bundes nach errungenem Sieg 
über Österreichs Macht an der Calven in Scharen dem Kloster Disentis 
zuzogen, um dessen Patronen für den gewährten Schutz zu danken. 1 

1 Staatsarchiv Zürich, A 248. Kopie in der Urkundensammlnng des Ver- 
fasse rs. 

1 Prozeßakten. Stiftsarchiv Disentis. 

3 Die Votivtafel, die bei der Gelegenheit in Disentis hinterlassen wurde, 
gibt Th. v. Mohr in seinen Regesten von Disentis ohne Quellenangabe folgender* 


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— 249 — 

Von Kirchen und Altären, die den Disentiserheiligen geweiht sind, 
kennen wir: Flims 1488; 1689 wurde in der Josephskirche in Ober- 
caStels (Lugnez) auf der Epistelseite ein Altar den Heiligen Placidus 
und Sigisbert geweiht; 1786 wurden unsere heiligen Patrone der neuen 
Kirche in Surrhein. Dann sind ihnen auch die Kapellen zu Mademal 
(Filiale von Disentis) und Flix (Filiale von Mühlen im Oberhalbstein) 
geweiht. 1 Ein sehr originelles Bild enthält der Hauptaltar in der 
Kirche zu Trans aus dem XVII. Jahrhundert. Es stellt uns die Episode 
dar, wie Placidus sein Haupt dem hl. Sigisbert, in Gegenwart der 
Patrone des Bistums Chur, St. Luzius und St. Florinus, überreicht. 
Zu Vent, dem hintersten Dorfe im ötztal (Diözese Brixen), sind die 
Heiligen Placidus und Sigisbert Patrone der guten Tod-Bruderschaft, 
die 1723 errichtet wurde. Der frühere Altar daselbst hatte Statuen 
der genannten Heiligen. Nachdem eine Lawine diese Kirche 1802 fort¬ 
gerissen, wurde in der neuen Kirche wieder ein Altar mit Statuen 
der genannten Heiligen errichtet, der früher Seitenaltar in Karthaus 
im Schnalsertale war. 2 

Eine große Ehrung wurde Disentis im Jahre 1581 zu teil, als der 
große Mailänder Kirchenfürst, der hl. Carolo Borromeo, es mit seinem 
Besuche beehrte. Feierlich empfing ihn die Bevölkerung, die ihm mit 
den Reliquien ihrer lieben Heiligen entgegenzog und ihm zum An¬ 
denken einige Partikel derselben überließ. 8 Dieses für Disentis so 
erfreuliche Factum stellt ein Altarbild der Pfarrkirche daselbst dar. 
1604 versuchte Abt Jacob IV. Bundi die Leinwand, in welche das 

maßen wieder: Notum sit omnibus devotis Christi fidelibus, quod, cum sub 
annnm Christi 1499, die 22. May inter illustrissimum et clementissimum dominum 
Maximilianum nostrum omnium et Romanorum regem, ex una, et inter honorata 
et provida Tria Rhaetiae foedera et Helvetiae confoederatos, ex altera partibus, 
grave bellum et magnae discordiae exortae fuissent, quibus multa perpetrata, 
moltorumque fortium et honorabilium virorum caedes utrinque facte (quibus 
Omnibus Deus omnipotens propitius sit et Clemens) eodem ipso temporis articulo, 
dom haec ita agerentur, in illis functissimi belli turbis et periculis ac necessitatibus 
nobis sanctissimi parentes nostri, sanctus Placidus martyr et athleta Christi, 
et S. Sigisbertus confessor, singuläres apostoli nostri totiusque diocesis Curien. 
ac superioris praesertim Grisey foederis patroni, mirabiliter apparuerunt, et opem 
nobis tulerunt, multisque signis ac virtutibus miraculorum effulserunt ac resplen- 
derunt. 

1 Nüscheler, Die Gotteshäuser der Schweiz, Zürich, 1864. I, Bd. Bistum 
Chur, p. 75 und 115. 

* Freundliche Mitteilung von Hochw. Herrn P. Adalgott Schumacher, 
Archivar in Disentis. 

3 Th. v. Mohr, Regesten von Disentis, 310 und Eichhorn, Episc. Cur. 256. 


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— 250 — 

Haupt des hl. Placidus gehüllt war, zu zerschneiden, wobei sein Arm 
erlahmt sei. 1 In den Stürmen der Bündnerwirren mußten die Reli¬ 
quien unserer Heiligen unter Abt Sebastian vor Prätigauem und Enga- 
dinem 1621 nach Biasca geflüchtet werden. Das Kloster fiel einer 
10-tägigen Plünderung anheim, wobei viele Archivalien vernichtet 
wurden. 2 1786, im Januar, entdeckte P. Augustinus ä Porta den 
verschollenen Sarkophag des hl. Placidus, der mit kupfervergoldeten 
Lamellen bedeckt war. Der Sarkophag war reich mit Figuren geschmückt 
die das Leben und Leiden des heiligen Märtyrers darstellten. Leider 
ging er wieder verloren. Man schätzte ihn als dem VIII. Jahrhundert 
entstammend. 3 Der grauenhaften Zerstörung des Klosters des Jahres 
1799 entgingen die Reliquien nur mit Not. 

Daß der Kult unserer Heiligen auch an der Kathedrale zu Chur 
gehalten wurde, ist wohl selbstverständlich. Die ältesten Nachrichten 
hierüber liefern uns die Anniversarbücher, die im bischöflichen Archive 
aufbewahrt werden. Die Nachrichten entstammen den Kalendaria 
genannter Codices, die bis in die 1. Hälfte des XII. Jahrhunderts 
zurückreichen. So berichtet uns z. B. Cod. D, fol. I4 b , auf den 11. Juli. 
« Translatio Benedicti. Placiti et Sigiberti. * 1247 stiftete Abt Chonrad 
(de Lumarins) von Disentis einen Altar zu Ehren der Heiligen seines 
Stiftes in der Kathedrale zu Chur, den er auch zugleich dotierte. Auch 
Propst und Convent von St. Luzi bei Chur mußten für genannten Altar 
jährlich auf St. Martin ein Pfund mailisch entrichten. 4 Am Sonntag 
nach Florinus, 1271, fand die Dedikation genannten Altares durch 
Bischof Heinrich von Chur (1251-1272) statt, in den er Reliquien der 
Heiligen Placidus, Sigisbert und mehrer anderer Heiligen legte. 4 Der 
heutige Altar der Heiligen Placidus und Sigisbert in der Kathedrale 
zu Chur entstammt dem XVII. Jahrhundert. Auch der Cod. E des 
Necrol. Cur. (Ende des XIII. saec.) verzeichnet auf den n. Juli die 
« Translatio S. Benedicti, Placidi et Sigiberti ». Die schönste Büste 
des Domschatzes von Chur (Mitte des XV. Jahrhunderts) stellt uns 
prächtig den hl. Placidus dar. Die Inkunabeldrucke des bischöflichen 
Archivcs erwähnen unsere Heiligen an mehreren Orten. 4 Unter den 


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I 


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* 

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1 


1 Stückclbcrg, . c. 582. 

2 Eichhorn, Episcopatus Curicnsis, p. 262. 

3 Eichhorn, Episc. Curiensis, p. 220. 

4 Wolf gang v. Invalt, Necrologium Curiense, p. 
6 a. a. O., p. 115. 

8 cfr. Beilage II. 


in 


3 


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251 


vielen Figuren des berühmten Churer-Hochaltares (1492 vollendet) 
nehmen die Disentiser Heiligen einen Ehrenplatz ein. Die Innenseite 
des Flügels auf der Epistelseite stellt uns die Stiftung des Klosters 
Disentis durch Placidus und Sigisbert dar. Wenn sich in den Zügen 
des hl. Sigisbert väterliche Milde spiegelt, so erkennen wir in jenen 
des hl. Placidus den Ausdruck rätischer Trutzigkeit. 

Das sind einige Nachrichten über den Kult oft genannter Heiligen, 
die im Breviarium Romanum nicht enthalten waren, und somit war 
ihnen nur lokale Bedeutung zugekommen, die über die Grenzen unserer 
heutigen Schweiz nur wenig hinausreichte. Auf diesen Punkt wies 
Rom hin, als ihm zu Anfang dieses Jahrhunderts ein neues « Proprium 
Desertinense » zur Approbation vorgelegt wurde. Die Heiligen, deren 
Kult darin eine so große Rolle spielt, mußten vorerst von Rom als 
solche anerkannt werden. Am 18. Juli 1902 richteten Abt und Konvent 
von Disentis, unterstützt von der helvetischen Benediktiner-Kongre¬ 
gation, sowie vom gesamten schweizerischen Episkopat, ein diesbezüg¬ 
liches Gesuch nach Rom. Nachdem am 20. Januar 1905 Dispens vom 
ordentlichen Prozeßverfahren (vor der bischöflichen Kurie in Chur) 
von Rom aus erlangt worden war, konnte der Prozeß direkt in Rom 
erledigt werden, der mit der Anerkennung genannter Heiliger und 
deren Aufnahme ins «Breviarium Romanum » am 6. Dezember 1905 
endigte. Ausschlaggebend war die oben angeführte Bulle Calixt III. 
von 1456, in der die Gründer von Disentis offiziell von höchster kirch¬ 
licher Seite als Heilige genannt wurden. Dieser konnte sogar der 
«advocatus diaboli * seine Anerkennung nicht versagen. 1 

Der Kult der Heiligen erstreckt sich heute auf die Diözesen Chur, 
St. Gallen und Basel, sowie im Martyrologium des Benediktinerordens 
über den ganzen Orden. 

Am 11. Juli 1914 hatte das Kloster Disentis die seltene Gelegenheit, 
das XIII. Zentenar seines Bestehens (614-1914) zu feiern. Es war 
ein erhabener Anblick, wie fast das ganze katholische Bündnervolk 
zu Ehren seiner nationalen Heiligen herbeiströmte. Möge es dem 
Kloster vergönnt sein, auch in ferne Zeiten seine segensreiche Tätigkeit 
weiter auszuüben ! 


1 Durch Hochw. Herrn P. Adalgott Schumacher, Stiftsarchivar in Disentis, 
erhielt ich Kenntnis von diesem Prozesse. Die in Rom 1905 gedruckten Proze߬ 
akten stellte er mir freundlichst zur Verfügung. 


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252 


Jndpft p&ssio Pladdi. 

J 

B *enedictum sit nomen domini creatoris nostri: in manu iDius ! 
nos et sermones nostri *, cuius sapientia virtus eins, et emamtio j 
quedam claritatis eius. * Hec per nationes 4 in animas sanctas se confer: 1 
et constituit amicos Dei et fideles: per hanc 6 celi facti sunt, per ‘ 
hanc sanctarum virtutum splendoribus illuminati sunt, per hanc clari- | 
tatem in turbas consecuti sunt, per hanc lumen populorum effecti sunt. : 
per hanc in conspectu regum magnificati sunt, per hanc ad ultimum j 
angelorum consortia adepti sunt. 

Aperiamus autem cur ista prelibavimus, et ad instructionem üde- 
lium gesta sanctorum fideliter proponamus. Tempore Aigilulfi * regis 
Langobardorum Romanam ecclesiam regente beatissimo papa Gregorio ! 
sanctus et amicus Dei Columbanus cum sociis suis Gallo et Sigiberto j 
natale solum videlicet Scotiam relinquens pro Domino, Reciarum \ 
montana suo perlustravit exemplo. Denique in earum quadam parte, j 
que pro sui asperitate Ursaria dicitur, aliquamdiu moratus ecclesiam 1 
ad honorem Dei construxisse fertur, que nunc eiusdem beati Columbttu ; 
nomine vocatur, et inter feroces incolas iocundis virtutibus a domrno I 
decoratur. Deinde ibidem relicto heremi amatore viro Dei Sigiberto, ‘ 
tamquam bonus operarius, ut augeret messem divinara, assumpto • 
beato Gallo transivit in Sueviam. Tune beatus Sigibertus desiderans : 
et ipse se divinum semen augere, cepit predictarum Alpiura deserta : 
sedulus explorare. Venit itaque ad quendam vaste solitudinis locum i 
Dcsertinam nuncupatum, montibus circumdatum, sed aliquanta planicie , 
gratum, silvarum opacitate condensum, fontibus amenum, ac Rem 1 
fluminis decursu preclarum ; in quo loco sanctissimum sui amoris . 


1 Die fettgedruckten Initialen sind im Codex rot und bedeuten die Einteilung ' 
in Kapitel für den Gottesdienst. 

* Cant. 16. — * Sap. 7. 25. 

4 pag. 123 des Codex (1 Kolonne). 

* In der Handschrift: • homines ». 

* Agilolph, König der Langobarden (591-615), wird im Proprium Curiense , 
mit Arnulf, dem Frankenkönig verwechselt. Offenbar kannte der Schreiber die 
historischen Zusammenhänge nicht mehr und setzte an Stelle des weniger bekannten , 
Agilolph den bekannteren Amulph. So liegt also unserer Abschrift eine bessere, : 
vielleicht auch frühere Fassung der Passion zu Grunde als dem Churer Missale, 
das manche Stellen wörtlich wie unsere Passion bringt, andere aber wieder ausläßt 

7 Gregor I. (590-604). 


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— 253 — 

inveniens effectum, in honorem Dei et beate Marie construxit Oratorium . 1 
Ibique tamquam bonus miles Christi laborabat, et idoneum 2 ministrum 
se domino exhibebat, et in multa pacientia infecundi pene deserti 
fmgifer cultor erat, et imitator Christi et Helie prophete ac Baptiste 
Iohanis fieri gestiebat. 

Interea idem vir domini Sigibertus virhitum gratia renitebat, 
et Christi bonus odor factus in omni loco sicut odor balsami redolebat, 
et bone opinionis suavitate multos ad dominum convertebat. Quo 
in tempore, quicumque in illis regionibus spiritu Dei agebantur, con- 
gaudentes ad eum congregabantur. Et cum ei ad sublevandam corporis 
necessitudinem temporalia offerebant, spiritualis annone cibaria ab eo 
tamquam a fideli dispensatore percipiebant. Porro quecumque verbo 
docebat, exemplo sancti operis roborabat. Camem quippe vigiliis et 
ieiuniis macerabat, et operi manuum non segniter insudabat. Sepius 
vero orationi vocabat, et mentem debriabat divine contemplationis 
dulcedine 3 ; nimirum ea studens agere in terris, quorum memoria 
perseveraret in celis. Eodem tempore in illis regionibus erat vir dives 
et potens nomine Victor 4 , sed viciorum pestibus suis nominis violator. 
Noxios namque dimittebat, innocentes opprimebat, Christi paup>eres 
affiigebat. Liberos quosque in servitutem redigebat, honera censuum 
enormiter incolis imponebat ; et tamquam iudex iniquitatis factus 
nec dominum timebat, nec homines reverebatur. Sed alteri HerocLi 
aliter extemplo Iohanis occurrit. Nam quidam vir nomine et gratia 
Placidus 6 , eiusdem regionis libera propagine ortus, ut vidit hominem 
tantum plenum viciis quantum rebus, disposuit potius iniquo homini 
verum dicendo odiosus apparere, quam tacendo consentiens peccatis 
domino displicere. Indutus itaque Christi miles Placidus lorica fidei, 
et accinctus gladio verbi Dei, informatus exemplo precursoris Christi, 
plenus spiritu fortitudinis et gratia gcmine caritatis, occurrit ei talibus 
verbis : Si, inquit, super homines aliquos te cognoscis esse potentem, 
quare non times dominum hanc potestatem tibi tribuentem ? Certc 


1 Gebetsraum über Gräber von Heiligen, wo die Brüder in Klöstern stille 
beten konnten. Außer Gebet und Psalmengesang durften dort keine Kulthand¬ 
lungen vorgenommen werden, cfr. Du Ca 11 ge, Glossarium latinum. 

a Der Schreiber benützt oft das spitze V an Stelle des runden U und um¬ 
gekehrt. 

3 pag. 123, Kolonne 2 des Originals. 

1 Viktor I., Präses von Ration. 

8 Imitation des hl. Gregor, Dialog. 


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254 


Deus dixit, In iudicio non opprimes pauperem. 1 Et in ewangelio 
preco 2 veritatis, neque militibus dicit: Neminem concutiatis neque 
calumpniam faciatis, et contenti estote stipendiis vestris. 8 Cum Christi 
cultores per rapinam affligis, in lapidem offensionis Christum cupi- 
ditate cecus offendis ; et quoniam Christi membra persequeris, laniator 
ovium domini ac preceptorum eius contemptor esse decemeris. Et 
nisi resipueris, sacerdotum et sanctorum a nobis exquisita sententia , 
dampnaberis. VII Ad talia viri Dei Placidi monita cor persecutoris , 
exarsit in ira, sibique existimat inimicum, quem audire debuerat ! 
tamquam Dei et sui amicum. Noluit enim intellegere, ut bene ageret: 
iniquitatem meditatus est in corde suo, astitit omni vie non bone, 
maliciam autem non odivit. 4 Quod mox ut preclarus Dei testis ; 
cognovit, conspectum furiosi iudicis 6 fugit, et ad virum domini Sil¬ 
ber tum, de quo supra (....) 6 loco actenus exstat basilica in honore 
sancti Placidi domino dedicata. Sed quia preciosa est in conspectu 

I 

Domini mors sanctorum eius 7 , illico sui martyris merita commendavit, j 
et quod pro spe occisus melius iam viveret conbrobavit (sic). Abeuntibus I 
namque lictoribus protinus suffragantibus angelis truncum martyris j 
corpus de terra tamquam vivens mira agilitate surrexit ; et in suis i 
manibus proprium caput accepit, atque ad locum, ubi degebat, vir ) 
Dei pergere 8 cepit. Fertur • in eo itinere quandam sancto martyri j 
caput proprium deportanti feminam obviasse, atque eum ab illa vela- ? 
men feminei capitis 10 ad involuendum suum caput petivisse, eamqoe j 

i 

1 Isaias, io, 2. j 

2 Im Texte precio. { 

3 Lucas, 3, 14. j 

4 Psalm 35. 5- J 

6 Richter in Rätien war der Präses, der dem Graten in anderen Gegenden . 

entsprach. } 

6 Hier lehlt im Codex der Bericht über die Verfolgung und den Tod des , 

hl. Placidus; der Text geht ohne Unterbrechung weiter. i 

7 Psalm 115, 15. i 

8 peragere im Codex. ; 

• Der Verfasser der Passion scheint dem Wunder, das doch allzu oft vorkam, j 

mit etwas Mißtrauen zu begegnen. i 

10 Die Mode, sich zu verschleiern, war und ist besonders bei den Frauen 
der Muselmänner. Bei den Christen waren nur verheiratete Frauen und Religiösen : 
gehalten, sich zu verschleiern, deren Schleier nur die Haare bedeckte. Diese l 
Praxis, die schon Tertullian (f nach 220) anempfahl, wurde vor dem XII. Jato- » 
hundert sehr wenig beachtet. In dieser Epoche ging sie völlig verloren, um dann j 
im XIII. bis XVI. Jahrhundert Tag und Nacht beobachtet zu werden, cfr. Manuel , 
d’Arch6ologie franyaise, Tom. III., « Le Costume », par Camille Enlart, Paris 1916- j 

An Hand dieser Beobachtung müssen wir die Entstehungszeit der Passion j 


1 


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255 


nimio timore perterritam proiecto velamine fugisse. Igitur martyr 
domini Placidus, glorioso sui triumphi signo refulgens, ad locum desti- 
natum et a Deo sibi preparatum miro et inusitato gressu pervenit. 
Quem servus Domini Sigisbertus admirans, deflens gaudensque suscepit, 
et cum psalmis et ymnis collaudans mirabilem Deum in sanctis suis 
digno cum hono 1 re iuxta oraculum beati Martini 2 , quod ad latus 
basilice genetricis Dei fuerat, sepelivit, assidue super illum orans ad 
dominum, cui sit benedictio claritas et imperium per infinita secula 
seculorum amen. (P)ost paucos deinde dies tirannus non Victor 8 
sed victus, cum Renum flumen transire vellet, de alto ponte 4 cecidit, 
et mortuus est ; filius vero eius nomine Tellus 6 , cum esset Curiensis 
episcopus, tirrannidem patris arguens, et horrendum exitum perti- 

ooch näher an unsere Zeit (anstatt Ende des X. saec.) datieren. Da der Text 
jedoch im allgemeinen alten Eindruck macht, möchte ich eher Interpolationen 
späterer Zeiten (nicht vor Ende des XI. saec.) annehmen. 

1 Der Rest auf zwei kleinen, zusammengenähten Pergamentfragmenten, 
die zwischen die Seiten 123 und 124 des Codex eingebunden sind. 

* Bei den Ausgrabungen, die in kurz vergangenen Jahren im Hofe des 
Klosters gemacht wurden, wurde der Grundriß der alten, unzweifelhaft karo¬ 
lingischen St. Martinskirche und die Grabkammer der Heiligen Placidus und 
Sigisbert entdeckt. Auch viele Architektur- und Dekorationsüberreste kamen 
zum Vorschein, die sich im Museum des Klosters befinden, cfr. E. Stückelberg in 
Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge, VII, p. 233. 

3 Wohl Viktor I. aus dem rätischen Präsides-Geschlecht der Viktoriden. 

4 Die Tradition in Discntis nimmt im VII. Jahrhundert daselbst zwei Schlösser 
an: das eine, die spätere Burg Cischliun, wo heute der Disentiserhof steht, und 
das andere vis-ä-vis über dem Rhein beim Hofe Caprau, durch den der Weg 
nach Ca verdiras führt. Dies letztere soll das Schloß Villinga, die Residenz der 
Grafen von Chur im Oberland gewesen sein. Die Passion berichtet uns aber aus¬ 
drücklich, daß Sigisbert « ad quendam vaste solitudinis locum Desertinam nun- 
cupatum » kam. Das schließt das Vorhandensein zweier Schlösser aus. Wäre 
der Lukmanier einwandfrei als von den Römern benutzt nachzuweisen, so könnten 
wir eine römische « specula » zugeben, wobei man dann über den mutmaßlichen 
Standpunkt noch lange streiten könnte. Wir haben nämlich gar keine Anhalts¬ 
punkte, diese Brücke nach Disentis oder überhaupt ins Oberland zu verlegen. 
Wohl waren die Viktoriden dort reich begütert, wie aus dem Testament des 
letzten des Stammes, des Churer Bischofs Tello von 76s, Dezember 15., ersichtlich 
ist. Vgl. v. Mohr, Cod. dipl. I, Nr. 9. Mohr nimmt einen Stammsitz des 
Geschlechtes in Sagens an. Die Residenz war aber unzweifelhaft Chur, sodaß 
wir die Brücke also auch in dieser Gegend suchen könnten. 

6 Daß Tello nicht Viktors Sohn, sondern Großenkel gewesen sein muß, 
weisen schon die Bollandisten nach. Die starken Anachronismen, die hier in der 
Passion Vorkommen, legen mir die Vermutung nahe, daß wir es hier mit spätem 
Einschiebungen zu tun haben. Es könnte sich auch nur um eine spätere Moti¬ 
vierung des unzweifelhaft ächten Testamentes des Bischofs Tello handeln, der 
die Schenkung an Disentis ■ pro peccatis meis multis abluendis vel parentum 


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mescens, memoriam beati martyris reverenter 1 excoluit, et de soc 
patrimonio largiter honoravit. Post non multum vero temporis sanctus 
confessor domini Sigibertus de terris ad celum migravit, sepultusque ' 
est in tumulo martyris : ut quorum una mens fuerat in domino, uno 
ambonun corpora tegerentur et loculo. * j 

Exinde sacer ille locus tantis a domino signorum miraculis est j *' 
illustratus, ut ipsi reges et principes eum summo honore dignum duce- j 

4 . 

rent, et de longinquis regionibus clarissimi viri et matrone confluenmt j 
et maximis muneribus atque possessionibus ditarent. Nam quidam j 
cecus Paulinus * nomine, sed fidei non modice, cum oraret ad sepulchrnm 
beati martyris, protinus optatum lumen recepit. Quidam quoque homo 
nomine Fagino 4 et mulier miserrima Marola * dicta ad sepulchniir. 
sancti Placidi adducti sunt, et in conspectu omnium a spiritibus in- 
mundis liberati sunt (P)ost hec tempore regni Francorum impia geri 
Ungarorum de vagina sue crudelitatis educta in sanctos servos Dei j 1 
qui habitabant in Deserti{n)a graviter est grassata. • Nam oranes. I 
quos in monasterio Ungari invenerunt, gladio peremerunt, et ablatii ;- :r 
Omnibus rebus locum prius habitabilem desertum fecerunt. Exindr 
post annos aliquot Francorum exercitus transiens, et locum deser¬ 
tum inveniens, incaute equos infra muros ecclesie clausit, et eos ir. 
mane mortuos invenit. Quo signo perterriti venientes ad regem 7 
que passi fuerant nuntiaverunt, et rcgis animum ad inquirendum 
de loco non mcdiocriter cxcitaverunt ; et cum omnia a scientibus j 


mi-orum ■> macht. Von Taten gegen das Kloster ist keine Rede. Es kann sich nm 
eine gewöhnliche Stiftung zum Seelenheile handeln. — Bischof Tello starb 773 
cfr. Neer. Cur., p. q;. 

1 revertenter im Codex. 

2 Imitation des hl. Gregors Dialog. 

3 Öl) Paulinus und die übrigen Namen rätischen Ursprungs sind, läßt sich 
nur schwer bestimmen. Den Namen Paulinus finden wir in Quellen des damalige 
Rätiens öfters, wie z. B. in den libri confraternitatum St. Galli, I, p. 173, dann 
in den libr. confr. Fabaricnsis (Pfalfers), p. 131, 32 u. 33 etc. Mon. Germ. hi>t. 
Libr. confraternitat. 

4 Einen ähnlich klingenden Namen finden wir in der Verbrüderung^: 
der Klöster Disentis und Pfäffers, p. 388. Agmo. Mon. Germ. 1. c. 

6 Ähnlich klingende Wörter und Namen finden wir in damaliger Zeit 1- 
Kätien. wie Crespola, in der Fraternit.-Liste Disentis-Pfäffers. Eine Klosterne*- 
in Disentis heiüt heute noch Carcarola. 


6 Wie schon früher bemerkt, erscheinen die Ungarn erst 936-40 in Grau- 
blinden. 


7 Die allerdings nur sekundären Quellen über diese Vorgänge betrachten 
als den Frankenkönig Karl Marteil (714-41). 



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— 257 — 

didicisset, cepit vehementer inquirere, qualiter ipsum monasterium 
in priorem statum posset restituere. Time habito consilio restaurandi 
loci curam commendavit; qui veniens cum Ursicino 1 episcopo soller- 
tissime monasterium restauravit, et ad servicium domini sanctos non 
paucos sibi congregavit. Deinde sanctorum Placidi et Sigiberti corpora 
de Turegio, ubi propter barbaros asportata fuerant, reportavit, et 
venusto preparato locello cum ymnis Dei et laudibus plena devotione 
recondidit, ad laudem et gloriam omnium sanctorum : cui soli honoris 
et regni perpetuitas maneat in secula seculorum Amen. 


BEILAGE I. 

Beschreibung der Prozession zu Ehren der Reliquien 

der Heiligen Placidus und Sigisbert 
am Grofimflnster zu Zürich Im « Breviarlum (slve ordlnarium) 

chorl Turlcensls anno Domini M°CC°LX°.» 


Cod. C Sb der Zentralbibliothek Zürich. 


* Cap. V. idus Julij 3 Placidi Martyris et Sigberti 4 confessoris et 
translatio sancti Benedicti. Ad vesperas R. Sint lumbi vestri. Ymnus 
Rex gloriose martyrum. V. Letamini in domino. In evangelio 
antiphona Omnipotens Deus. Oratio Deus qui nos concedis (De sancto 
Benedicto antiphona Similabo ad laudes de eodem antiphona. Evangelie 
et in istis vesperis ad Magnificat publicum altarem superpositis Placidi 
et Sigberti reliquiis solummodo incensatur) 6 . Ad matutinam quoque 
ad laudes quoque ad horas omnia sicut de pluribus martyribus pleni 
officij (Sed ad matutinam erit omelia super evangelium : Sint lumbi 


1 Ebenfalls aus dem Geschlcchte der Viktoridcn (730-58), Abt von Disentis 
imd (754-58) zudem Bischof von Chur. 758 resignierte er auf beide Würden, 
vgl. Mayer, Bistum Chur, I, p. 63-64. Also fand die Rücktranslation nicht schon 
unter Abt Adalbero I., 670, statt, sondern erst nach der Klosterrenovation unter 
dem hl. Ursicin. — Der Text ist in diesem Satze unvollständig. 

1 p. 115a, Kolonne a unten. 

3 Gesperrt gedrucktes, sowie R. u. V. sind im Codex rot. 

4 p. 115a, Kolonne b, ( ) am Rande, mit Hinweis an die betreffende Stelle. 

* Vom Herausgeber hervorgehoben. 

RXVUt d'histoire eccllsiastique 17 


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258 


vestri precincti et nonum erit R. Sint lumbi vestri precincti.) Ad 
proce s sionem procircuitur totius ecclesie, si serenum fuerit, si minus, 
per ambitum ecclesie faciendam. Reliquie Placidi et Sigberti cm can- 
delis in processione a maioribus scolaribus vel clericis super pdliciatis 
post prepositum deportantur. 1 Ad exitum processionis (si est dominica, 

premittitur antiphona benedica_(Deu)s (?) et post sequitur imme- 

diate) Responsorium * Sancti tui domine V. Quoniam percussit 
terra apparuit. R. propter testamentum. V. Ecce quam bonum, quia 
unus. R. In circuitu tuo domine. V. Magnus Deus *. Ibi requiescunt. 
Quia unus. 4 contempnentes. In statione antiphona Gaudent in celis. 
Ad introitum antiphona Sanctus est verum lumen. R. Sint lumbi 
Quo finito sacerdos dicit V. Gaudete iusti in domino. Et inlenm, 
cum publica missa celebratur, predicte reliquie in medio chori super 
suos tripodes vel sustentatoria posite remanebunt, quoque in suum 
locum missa finita reponuntur. 8 Ad missam INTROITUS Sapientiam 
sanctorum. V. Exultate iusti. Kyry eleyson sub melodia Orbis factor 
Lectio Exspectatio iustorum. Graduale Exultabunt sancti. V. Cantate 
domino alleluja. Sancti tui domine. Sequentia Hii sancti. Evangelium 
Sint lumbi. Offertorium Letamini. Communio Ego vos elegi*. In 
secunda vespera antiphona Virgam virtutis. Psalmus Dixit Deus 
cum psalmis reliquis, Deus noster. V. Exultent iusti. In evangelio 
antiphona Gaudent in celis. 


BEILAGE II. 

Directorium Cariense. 

Inkunabeldruck unter Bischof Ortlieb v. Brandis (1458-91). 

Bischöfliches Archiv Chur. 

C. V. Id. Jul. Placidi et Sigisbcrti commemoratio et translatio 
sancti Benedicti. plenum. 

De sanctis Placito et Sigberto plenum officium, ut in eorum habetur 


1 Vom Herausgeber hervorgehoben. 
* Gestrichen im Codex. 

3 p. 115«, Kolonne a. 

4 Quia unus gestrichen. 

4 Vom Herausgeber hervorgehoben. 
4 p. 1156. Kolonne b. 


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— 259 — 

hystoria. Qui autem illam non habent, faciant officium de pluribus 
martyribus. 

Ad missam Introitus : Judicant sancti. Epistula : Justi imperpe- 
tuum. Graduate : Justorum anime, Alleluja. V. : Vox exultationis. 
Evangelium : Descendens Jesus. Offertorium : Exultabunt. Communio : 
Justorum anime. Eodem die fit commemoratio de translatione sancti 
Benedict i. 

Missale 

(Inkunabeldruck, 1497 unter Heinrich VI. von Höwen, Bischof von Chur, gedruckt.) 

Bischöfliches Archiv Chur. 

Bringt uns zu obigem Texte noch die Oratio : 

Fac nos, quesumus domine, sanctorum tuorum Placiti et Sigisberti 
semper festa sectari, quorum suffragiis protectionis tue dona sentiamus, 
per dominum nostrum etc. Epistula : Justi autem in perpetuum. 
Graduate (ut supra). Sequentia de martyribus. Evangelium : Descendens 
Jhesus. Offert. : Exultabunt. Munera tibi domine noster. Secr. : 
Devotionis offerimus, que pro tuorum tibi grata sint, honore sanctorum 
et nobis salutaria te miserante reddantur. Per etc. Comm. Justorum 
anime. Compl.: Presta nobis domine, quesumus, intercedentibus sanctis 
tuis Placito et Sigisberto, ut que ore contigimus, pura mente capiamus. 
Per etc. 

Breviarium Curiense 

(Inkunabel.). Bischöfliches Archiv Chur. 

Placidi et Sigiberti super omnia laudem. Antiphona. 

Ecclesie splendor mirificus, odoriferis distinctus floribus, cui san- 
guinei rose rubescunt martyrum albaque candescunt lilia confessorum, 
vinceris meritis fruuntur regno celorum R. Auctorem gloria nostra 
pangant solemnia, quem sanctorum anime ascenderunt sydera. Qui 
militantes summe rei publice gloriantur in atrijs celestis patrie. V. Ipsi 
intercedant pro populo in clarissimo Christi palatio. Ad magn. Antiph. 
Gloriosus sanctorum Christi gratanter exultet Spiritus, quatenus 
angelicis eorum intercessione iungamur consociis : quorum factis dita- 
mur reliquiis. Oratio : Fac nos etc. (ut supra). 



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Notes Mstoriques sur le couvent des Cordeliers 

Par le R. P. Bernard FLEURY, cordelier. 


II y a quelques annies (1907), nous avons publie dans la Revut 
d'histoire ecclesiastique suisse, i re annle, p. 131 ss, quelques notes sur L 
la fondation et la Suppression du couvent des Franciscains de Grandson I 
Un peu plus tard, M. Dubois publiait, dans la mime Revue (3 me annfr, 1 1 
p. 47 ss.), quelques documents intlressants sur ce monastere, splciak- 1, 
ment l’inventaire du couvent, fait le 26 novembre 1554, soit au moment I 
mime de sa suppression definitive. L 

C’est un pur hasard qui nous permet aujourd’hui de completer 1 1 
ces notes et den ajouter de nouvelles. En Itudiant l’ancien rentier I. 
du couvent de Fribourg, Icrit en 1573 par le Plre Procureur Melchior I-, 
Wullicn, ancien Cordelier de Grandson, nous nous aper^ümes que les I ( 
pages qui servaient de couverture ä ce volume portaient aussi des I 
annotations. En examinant la chose plus attentivement, nous ne tar- 
dames pas ä voir, par les noms de lieux, que ces notes dcvaient con- | 3 
cerner le couvent de Grandson et enfin nous tombames sur le titre I j 
suivant : « S'ensuyt le rentier des censes appartenant au couvent des I,. 
Vln. frlres mineurs en la ville de Grandson... argent, bll, froment. l. s 
cyre, chapons, oylle... pour l’an 1547. * Nous trouvämes encorequelques j 
feuilles qui servaient de couverture ä un autre volume. En tout, nous | 
pümes rlunir 11 feuilles in-folio, sur 29 que devait contenir ce rentier 
d’aprls la table des matilres. 

Les localitls oü le couvent avait des censes Itaient : Grandson. 
Fiez-Pittet, Mathod, Peney (?), Baulmes, Montagny (Vaud), Valeyres, • 
Chamblon, Yvonand, Yverdon, Corcelles, Provence, Ependes (Vaud). 
St-Maurice (Vaud), Champagne, Mutrux, Montalchez, Cortaillod, Bevaix. 
Onnens (Vaud), Fontaines, Novalles, Bonvillars, Concise, etc. 

Cette enumeration et la longue suite de censes qui remplissait | 

J A 

une j 

fortune considerable. II n'en Itait rien, car la plupart de ces censes 
sont tellement minimes que le total ne pouvait pas monter bien haut. 

Le grand nombre de censes en argent n’arrivent pas ä 1 livre chacune. 
et quant aux censes en nature, il y en a d’une coupe de froment, dun 


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2ÖI 


demi-chapon et d'un demi-pot d’huile. Le revenu le plus consid6rable 
£tait un montant de 200 livres, que le couvent percevait annuellement 
sur la saulni&re de Salins en Franche-Comt6, et dont nous reparlerons 
plus tard. Leurs Excellences de Fribourg et de Berne donnaient annuel¬ 
lement 27 livres en argent, 12 muids de froment sur leur dlme de Bon- 
villars, 13 livres de cire sur la mime dime, puis encore 12 pots d'huile. 

La chapelle de St-Antoine du Viennois 1 et de St-Antoine de Padoue, 
fond6e au couvent par Dame Bonne de Bourbon, comtesse de Neuchätel, 
avait de nombreux revenus. II en est fait tr&s souvent mention dans 
ce registre. 

Claude de G 16 resse, seigneur de la Moli&re, payait une cense de 
9 livres pour le 16 gat de feu noble Jacques, Chevalier de Grandson. 

« Illustrissime prince et seigneur, Mgr Othon de Grandson > avait 
llgu6 au couvent une cense de 6 pots d’huile. 

Nous ne voulons pas pousser plus loin cette nomenclature qui 
a un int6r6t plutöt local pour Grandson et ses environs, k cause des 
noms de familles et de propriet£s de cette 6poque. 

Cette trouvaille nous engagea k chercher encore dans les Archives 
cantonales de Fribourg ce qui pourrait concemer ce couvent de 
Grandson, et nous fümes assez heureux pour mettre la main sur quelques 
documents qui ne sont pas d£pourvus d’int6r£t. 

Disons d’abord que le couvent devait d6jä €tre tiabit6 en 1298, 
puisque dans son testament du moi°. de juillet de cette meme annfe, 
Agnfcs de Vuippens, veuve de noble Ulrich de Vuippens, lfcgue aux 
frfcres Mineurs de Grandson la somme de 100 sols * 

Grandson, comme on le sait, devint, apr£s les guerres de Bourgogne, 
bailliage commun entre Berne et Fribourg. Les baillis des deux villes 
altemaient tous les cinq ans, et quand le bailli 6tait bemois, les appels 
se faisaient ä Fribourg et vice-versa. 

Le Souvenir de la bataille de Grandson 6tait rest6 vivant dans les 
esprits. Aussi voyons-nous, en 1501, les deux villes Berne et Fribourg 
fonder, au couvent des fr£res Mineurs de Grandson, deux Offices chant6s 
de Requiem, le lundi et le vendredi de chaque semaine, k l’autel de 
St-Georges, pour les soldats tomb6s sur le champ de bataille, et les 
religieux doivent aller chaque fois visiter leurs tombeaux. Pour cela, 

1 C’est saint Antoine ermite. 11 est appelä St-Antoine du Viennois i cause de la 
ctlibre abbaye de St-Antoine, au dioc^se de Vienne, en Dauphinl, chef-lieu de 
l'Ordre des Antonins ou Chanoines rlguliers de St-Antoine. 

* Arch. cant., Marsens, S. 5 . 


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2Ö2 


le couvent recevra annuellement deux tonneaux de vin et deux imiids 
de froment. Ainsi dicidi en Conseil k Fribourg, le 27 aoüt 1501 * 

Par lettre du 13 avril 1515, Leurs Excellences de Fribourg recom 
mandent au duc de Milan le fr. Pierre Grimoville de l’Ordre de Saint- 
Frangois et du couvent de Grandson, qui a di ja prichi avec un certain 
succis et qui se rend maintenant ä Pavie pour y continuer ses etudes ! 

Le 2 septembre 1516, encore une autre recommandation de leurs 
Excellences de Berne et de Fribourg ä « Messeigneurs les prfcidans 
et aultres gens du pariament de Dole, noz tres honore seigneuis et 
grands amis *, en faveur du couvent de Grandson. On les prie de per- 
mettre aux frires Mineurs de Grandson, munis du permis de l'Archeveque 
de Besangon, de pouvoir annoncer la parole de Dieu et leurs « beaux 
pardons » (c'est-ä-dire les indulgences) dans les pays de leur ressort 
La raison, « c’est que iceulx frires par conclusion faite de leur Ordre 
sont contraint de soulepourter ces festes de pasques le chapitre de la 
province en le dit cloistre, que ne se pourra faire sans grand despence 
et soulpourtation de grand missions *... * Nous apprenons par lä que le 
chapitre provincial de la province de Bourgogne se riunit k Grandson 
au temps de Piques de Fannie 1517. 

L’adoption de la Riforme ä Berne devait avoir des suites funestes 
pour l’ancienne foi dans les bailliages communs du pays de Vaud. Sans 
doute, Fribourg, resti catholique, soutenait de toutes ses forces la 
cause catholique. Mais il itait le plus faible et il cherchait dans la 
prudencc et la diplomatie les moyens d’attinuer les procides autori- 
taires de sa puissante voisine. Malheureusement, un accord itait inter- 
venu entre les deux villes qui mettait les catholiques dans une fächeuse 
Position*. A teneur de ce traiti, chaque commune des bailliages communs 
pouvait votcr sur le maintien de la messe ou l’introduction du preche, 
a la pluralite des suffrages ; mais tandis que le culte catholique devait 
cesser immediatement dans les localitis qui avaient voti en majorite 
pour la Riforme, le culte Protestant pouvait continuer dans les com- 
munes qui s’itaient prononcies pour la messe. Ce traiti, tout ä l’a\-an- 
tage des riformis et au prijudice des catholiques, amena peu ä peu 

1 Arch. cantRathsmanual ß vol. 19, f. 17 b. 

* Arch . cant., Missival, vol. 8, f. 3 o a. 

• Arch. cant., Missiral, vol. 7, p. 58 a. 

4 Cf. Supplement au Dictionndire historique, etc. de Vaud, par G. Faht. 
p. a 58 (Lausanne, 1887). E- Dupraz, Introduction de la Reform« par le« Plustdins 
le bailliage d’Orbe-Echallens, Revue d'hist. Ecclis. Suisse, IX, 1915. 


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1 



— 263 — 

le triomphe de la R6forme dans toutes les communes des bailliages 
communs, ä l'exception de dix communes du district d’Echallens oü 
le catholicisme parvint ä se maintenir. 

Un autre point, dit Pierrefleur 1 dans sa chronique, c’est que d£s 
que le plus 6tait fait ä une ville ou village et que le dit plus se trouvait 
pour le prSche, alors tous les biens d’Eglise, tant meubles, comme 
calices, ciboires, aubes, chasubles et autres biens meubles quels qu’ils 
fussent, tombaient es mains des dits seigneurs de Berne et Fribourg, 
lesquels partageaient le t®ut par egale portion et l’emportaient chacun 
en leur ville. Et quant aux terres, possessions, 16 gats et revenus, ils les 
vendaient en partie ou le tout, except6 les dimes que les dits seigneurs 
retenaient ä eux. 

Dans ces conditions, on comprendra comment l’histoire du couvent 
des Fr&res Mineurs de Grandson fut des plus agit6es pendant les vingt- 
cinq demieres ann£es de son existence. 

En 1527, Berne avait convoque le clerg£ des bailliages communs 
ä la c£l£bre dispute religieuse qui eut lieu ä Berne, du 6 au 25 janvier 1528. 
Mais Fribourg d£fendit au clerg£ de s'y rendre et fit d6clarer ä Berne 
qu’il pr£tendait avoir les memes droits que cet Etat sur les bailliages 
communs 2 . 

Le 14 juin 1531, Fribourg accorde une escorte de süret£ au clerg£ 
de Grandson qui est cit£ ä Berne s . 

D&s le commencement, le couvent de Grandson eut grandement 
ä souffrir de la part des predicants qui se sentaient soutenus en dessous 
par Berne. En 1531, deux religieux, les PP. Gondoz et Tissot furent 
retenus quinze jours en prison pour avoir voulu r£sister aux empi£- 
tements des predicants 4 . 

Voici ce que dit Ruchat ä ce sujet : « Farel alla d’Orbe ä Grandson 
dans le printemps (1531), accompagne de Claude de Glautinis, ministre 
de Tavannes, dans le dessein d’y precher. Mais ils y furent d’abord 
fort mal resus... Le Gardien des Cordeliers, nomm£ Fr£re Guy, s’opposa 
a Farel, disant qu’il 6tait un her£tique et que, quant ä lui, il soutiendrait 
sa religion jusqu'ä la mort... * 

* Mais ce fut bien pis dans le mois de juin (1531), le jour de la 


1 Mimoires de Pierrefleur, grand banneret d’Orbe, publies par A. Verdeil, 
Lausanne i 856 , p. 6. Dupraz, 1 . c. 12, ss. 

* Arch. cant., Missival, vol. 9, p. 41. 

* Arch. cant., Rathsmanual. 

* Cf. Pierrefleur, 1 . c. p. 47, ss. 


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— 264 — 

St-Jean et le lendemain. Depuis le demier tumulte jusqu’alors tout 
s’6tait termin6 ä des disputes que Farel, Viret et d’autres, avaient 
avec les moines ; particulifcrement avec le Gardien, qui prechait comme - 
eux, tous les dimanches, et passait pour savant. » 1 

Le 24 juin, le jour de la St-Jean, Farel ayant interrompu un Cor- 
delier venu de Lausanne qui prdchait, « sur quoi le chätelain da lieu 
chargea Farel d’injures et de coups de poings. A ce signal, tous les - 
Justiciers, le peuple, les Cordeliers et plusieurs personn es qui 6taknt 
venues d’Yverdun, se jestfcrent sur les deux- Ministres, les chargfcrent 
d’injures, de coups de piez et de poings, et les maltraiterent cruellement. 
Glautinis l'6crivit, le mfime jour, k Jean-Jacques de Wattevile, Seigneur 
de Colombier, D6put6 de Beme, qui se trouvait alors k Colombier, 
belle terre situ6e k 9 lieues de Grandson, au bord du Lac, dans le Comte 
de Neuchätel. Cependant, quelqu’un ayant donn6 un faux avis aus 
Cordeliers, que les R6formez voulaient abattre leur grande Croix, i 
ils s'arm^rent et firent quelques dispositions pour les en emp&her. 

De Watteville, ayant re^u la lettre de Glautinis, partit le lendemain ) 
(25 juin) pour Grandson ; et y 6tant arriv6, il alla dans le m&ne teraple ! 
pour ouir le sermon du Cordelier. Comme il montait sur la galerie, il ( ; 
rencontra des Moines qui l’arrfitörent sur les degrez et ne voulurent 1 
pas le laisser passer. Il y en eut mdme un qui voulut le pousser en j 
arriöre. Son valet repoussa le moine, et le contraignit de remonter. i 
Il lui sentit une hache sous la robe ; et aprös plusieurs efforts et bien ' 
de la rfeistance de la part du Moine, il la lui prit et voulut le tuer; j • 
mais son Maitre l’en empöcha. Pendant ce temps-lä il y eut un vacarme ; 
effroyable dans l’6glise. N6anmoins il n’y eut que du bruit, qui fut - ■ 
enfin apais6... Le Cordelier precha, et apr&s son sermon, Farel 6tant :! 
mont6 en chaire disputa un peu avec lui; aprfcs quoi, il descendit et • 
se retira. Cependant les deux moines, qui avaient voulu fermer le passage ;. 
k Watteville, furent mis en prison par le baillif, k l’instance de ce ; 
Seigneur. * * I • 

Comme on parlait d’une pr6tendue conspiration des catholiques ! . 

contre les Reformfe, Beme envoya deux d^putfe comme adjoints ä ; 
de Watteville pour examiner l’affaire. « Ils examinferent le moine, qui ' 
avait eu la hache, et voulurent savoir, pourquoi il l’avait prise ? Il J 
r6pondit, que c’6tait pour empecher Farel, de rompre le Crucifix, qui < 

i ; 

1 Ruchat, Abraham. Histoire de la rtformation de la Sttisse, 1" Mition, IV, 
pp. 49, 56 - j 

* lbid. ! . 


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— 265 ~ 

etait sur la galerie, dont le Couvent lui avait confte la garde. Ensuite 
interrog6 pourquoi il avait repouss6 de Watteville ? II dit qu'il ne 
le connaissait pas, etc. Les Deputez voulurent qu’on mit ces moines 
ä la torture; mais la chose de s’ex^cuta pas. Ils les firent seulement 
attachfe k la corde, et mettre la pierre au pi6, mais ils ne les firent 
pas tirer. Ces Moines protest&rent solennellement, qu'ils n'avaient eu 
aucun autre dessein, que d’emp£cher Farel, de monter sur la galerie, 
afin qu’il n’interrompit pas leur Pr^dicateur, comme il avait fait le 
jour pr£c6dent. > 1 Au bout de quinze jours de prison, les deux Moines 
furent relich6s * Pendant ces quinze jours, on mit six hommes en 
gamison dans leur couvent, pour le garder et emp£cher que les Religieux 
ne prissent la fuite. 

C’est k cette occasion que le Gardien des Cordeliers de Grandson, 
Fr. Guy Rey (Regis) envoya la lettre suivante k Messeigneurs de 
Fribourg : 

5 aoüt 1531. 

« Mes tres chiers tres redoubtes et honores seigneurs a vous tres 
benignes graces* humblement me recommande aussi faict le maistre 
reverend mon compagnon. Et vuillers scavoir que sumes absens du 
lieu de Granson pour les grousses menasses et oeuvres d'effaict qui nous 
ont este faictes veu que nous estions en train et termes de iustice et que 
mess™ de Berne avoyent donne sentence sans nous detenir prisonniers 
comment le S r de Columbiers * a faict de nous. Car il a tire gesne et 
tormente mes religieulx comme s’ils eussent este murtriers. Je ne seay 
si mes tres redoubtes S r ® de Berne lui avoyent donne cette Charge 

ou non. Il me semble si i avais mal faitc que ie debvoye estre seul 

0 

pugny et non pas les pouvres religieulx. Je me suis presente contre 
Fanellus k Paris Aurelians 4 k Bourges k Poytiers k Dolle ou en quelque 
uni versitz la ou sont gens clercs pour scavoir discuter la mattere de 
luy et de moy mais mes parolles n'ont poinct de lieu. Item vous scaves 
comment le iour que fusmes delivres de prison nous feusmes citer a 
la court par devant vous et Mess ra de Berne et comment mons r de 
Columbiers voulut estre advocat et mener la cause de Ferrellus et 
comment il nous voulait faire detenir prisonniers pour nous tourmenter 

1 Ruchat, Abraham, 1 . c. 

* On sait que ces deux moines appelds Jean Tissot et Blaise Gondoz, ne pers£- 
vdrirent pas dans leur vocation et pass&rent plus tard ä la Reforme. 

* Jean-Jacques de Watteville, seigneur de Colombier, d£put£ de Berne. 

* Orleans. 


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266 


j et nous fayre regnier (renier) Dieu et la saincte esglise catholique et 

| vouloit que i eusse plus de creance en luy et en ses ordonnances que 

en toutes les ordonnances de la universitd de tous les crestiens et aussi 
Farellus nye tous les saincts Concilles tous les docteurs de saincte 
esglise et de theologie, il expouse la saincte escripture a sens reprouve. 
Contre tieux ie ne veulx point arguer, car ainsi que ma mere m'a , 
nourry ie veulx vivre c est en la subiection de nostre mere saincte 1 
esglise. Pourtan mes tres redoubtes S” saichez que si ledit de Coluro- 
biers nous eust peu avoir a son plaisir pour fayre de nous pugnicion 
! il deliberait totallement que par menasses ou griefves poynes nous 

i ferait regnier nostre foy. Item tant que c estoyt presume avec mes 

freres il vous ont refuse l’entrer vers nous j ay regarde que pour vous, 
il ne voulloyent rien fayre j ay eu paour et ay encore d estre tormente 

* 

en mon corps. Vuiller scavoir que ie ne crains poinct mourir en bonne 
et vraye confession de la saincte foy catholique mais ie crains estre: 
tormente pour la fayre regnier dont mes redoubtes S™ s il vous plaict j 
que ie retome au pays envoyez moy asseurance que ie puisse aller 
sain et saulve et venir car aultrement n ay pas intention tant que 
dureront telz affayres aller a Granson. Ce non obstant mes tres redoubtes 
S™ pour vous et vous affayres seray tousiours vostre humble orateur 
et petit serviteur aidant Dieu qui vous doinet accomplicement de 
vous bons desirs. A Salins le V de aoust, Par le tout vostre.» 

F. Regis 1 . 

« A tres redoubtes et honnores S™ Mess™ les ambassadeurs de Fri¬ 
bourg a Granson * » 

Par ordonnance de 3 Mars 1532, les d 616 gu 6 s des deux villes avaient 
du se rendre k Orbe, puis k Grandson pour 6tablir un modus vivendi 
et faire r6tablir les autels qui avaient ct6 abattus. Le 4 mars, Fribourg 
6crit encore k Berne pour faire rendre aux Chartreux de La Lance et 
aux Cordeliers de Grandson les objets qui leur avaient 6t6 enlevfc *. 

En 1536, Beme s’6tant plaint k Fribourg de la conduite de deux 
Franciscains de Grandson, Fribourg, sans faire d’autre ’enquete, lui 
rdpond, le 31 mai, qu’il a ordonn6 au Gardien du Couvent de faire 

1 Le P. Rey ou Regis dtait du couvent de Lausanne. Un incunable de uff) 
la biblioth£que des Cordeliers de Fribourg porte son nom. 

* Arch. cant. de Fribourg , Collection Gremaud, vol. 36 , p. 538 ss. L’origwal 
doit 6tre d’aprts M. G. aux archives cant. de Fribourg, mais nous ne l’avons p* 5 
retrouvö. 

* Arch . cant., Missipal , vol. io, pp. 48, 49. 


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— 267 — 

renvoyer ces deux fr£res et de les remplacer par deux autres l . A la 
fin de cette m£me ann6e (1536), on avait de nouveau brüte les images 
et les autels de TSglise des Cordeliers. Fribourg 6crit ä Berne qu'il 
ne peut laisser ces exc£s impunis et qu’il d&ire s’entendre avec cet Etat 
pöur punir les coupables *. 

La Situation des religieux devenait intoterable. Aussi en voyons- 
nous deux d6clarer ne plus pouvoir y tenir et demander ä Fribourg 
un subside pour retourner dans leur pays. Leur supplique, qui n'est 
pas dat6e, vaut la peine d'etre rapport6e. La voici : 

Ihus. 

Tres redoubtes, magnificques Monseigneur 1 Avoier et nobles Sei¬ 
gneurs de Fribourg honneur, salut, paix sainte soit avecques vous. 
Messeigneurs plaise vous savoir que nous sumes deux pouvres religieux 
de l'ordre de sainct Francoys de voustre pouvre couvent de Granson 
qui avons estez cetuy an assignez de demorer par obedience au dict 
couvent et venuz sumes par devers vous nobles et manificques seigneuris 
en vous manifestant nostre pouvre nScessite, si est des persecucions, 
tribulacions et aversites que nous avons endurez au dict covent et 
avons heu pacience iusques a Teure de present et nous voians les 
menassez con nous a fait de nous batrez, de nous meurtrir pour ce 
que nous sumes pouvres estrangiers estions plus fort menasses que les 
autres avons estez contraint d’abandonner le lieu et la place, nous 
ne savons que faire ny ou devons aller, nous abillemant sont tous huzes, 
nous n'avons or ny argent pour noz subvenir et ne savons a qui avoir 
recours si n est ä vous nobles revesrances, par quoy nous redoubtes 
et magnificques Seigneurs nous vous prions supplions humblement pour 
lonneur de dieu qui vous plaise avoir pitie et compassion de nous et 
nous faire unne aulmone pour nous aider a vivre et aussi pour nous 
aider a retomer en nostre pais car nous n avons parens ny amys de 
pardessa qui nous puissant secourir et aider en nostre necessite, par 
quoy nous redoubtes seigneurs vous nous aurez si vous plaist pour 
recommendez et toute nostre vie en nous messes prieres et oraisons 
serons tenus et obligez a prier dieu pour vous nobles et bonnes intentions 

Vous humbles orateurs 

Sans date frere Jehan Foucandi. 

frere imber Chatellain. 

1 Arch. cant., Missival, vol. 12, p. 42. 

1 Arch. cant., Missival, vol. 1 3 , pp. 22, 23 . 


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268 


Cette supplique se trouve aux Archives cantonales, Titres des ‘ 
Cordeliers de Fribourg, N° 15. 

Le demier Gardien du couvent fut le P. Francois Besson. Nous 

# 

le trouvons d£jä k Grandson en 1534. Les Archives de Fribourg 00t 
conservd la lettre du Provincial et du Chapitre des Cordeliers de la 
province de Bourgogne rduni k Moirans en Dauphin^, annon^ant i ! 
Messeigneurs l’ 61 ection du P. Besson comme Gardien et du P. Sebastien 
Robert comme lecteur. Cette lettre, datde du 15 juillet 1543, roirite j 
d'fitre cit6e ici 1 : | 

« Tres Redoubtes Seigneurs a vos Excellences tant humblement ! 
que faire povons nous Recommandons, vous merciant les biens qu j 
aves faitz du passe a nre Religion et signament vre pourt couvent de j 
granson et aux Religieux d iceluy, desquelz dieu vous sera principal ■ 
Remunerateur. Quant k nre part nous vous faisons de tous les bienffaictz, 
oreysons, prieres, abstinences, jeunes et aultres operations vertueuses '■ 
et meritoires qu’ilz se font et feront en toutte nre ordre participantz. J 

Vous recomandant touisours vre ditc couvent et les freres d ioehy j 

• 

ausquelz avons mis pour gardien frere francoys beson a cause qu ü ! 
faict continuelle residence au dict lieu qui est chose bien requise a ung ! 
gardien. Et pour liseur avons ordonne frere Sebastien Robert * lequel 

* 

pour le plus du temps demeure en vre noble ville de fribourg. Touttefois ! 
vous en poves disposer selon vos bones discretions, car vous en aves 
pleniere auctoritd puissante et faculte, sy que en vre protection et l 
saulvegarde cosiste totallement le dict couvent, duquel poves instituer ' 
et destituer les officiers selon qu’il plaira a voz tres nobles seigneuries, 
lesquelles dieu veuille garder perpetuellement en prosperite et sante. 
De Moyren en daulphine pendant nre congregation capitulaire celebree j 
en Iceluy le quinzieme jour d april mil cinq eens quarante troys. j 

Vos humbles orateurs le maistre provincial ensemble toutte la : 
Congregation capitulaire. » [ 

Au revers: A tres Redoubtes Seigneurs Mes Seigneurs de Fribourg, 1 
Le sceau y est encore. II repr£sente un franciscain k genoux, et, en 
haut, deux personnages, k gauche la Sainte Vierge, k droite peut-&re 
saint Bonaventure. La legende porte : (Sigillum) (illisible), province | 
burgundie. • 

I 

1 Arch. cant. ß liasse Grandson. 

* Ce religieux apparait k Fribourg des 1542. 11 y devient lecteur, puis girdicn 
en i 558 . 11 mourut k Fribourg le i 3 janvier 1559. Cf. Cataloguc des religieux du ; 
couvent des Cordeliers de Fribourg , N* 99, pp. 3a5-326. j 


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Le plus pour le preche avait passe ä Grandson, en novembre 1554 
(54 voix contre 44). Aussitöt le culte catholique avait ötö aboli et les 
religieux avaient dü quitter leur antique demeure. Les Cordeliers se 
retirörent dans le couvent de leur Ordre ä Fribourg et firent aussitöt 
des dömarches pour jouir d’une partie des biens du couvent de Grandson 
ou au moins d'une pension viagöre. Leurs demandes furent en partie 
exaucöes. Le 15 mai 1556, fröre Francois Besson, Gardien, obtient 
300 florins, fröre Melchior 150, fröre Jehan 150 et Philibert Criblet, 
novice, 50 (Archives cantonales de Berne, volume de piöces de Grandson 
et d'Orbe). En 1557, on leur accorde le linge et les omements de leur 
ancienne öglise 1 et un peu plus tard une pension annuelle *. 

Les Pöres de Grandson, ötablis ä Fribourg, dösiraient spöcialement 
de pouvoir retirer comme auparavant la cense de 200 livres que le couvent 
percevait sur les salines de Salins en Franche-Comtö 3 et pour cela, ils 
demandaient au Conseil de Fribourg un tömoignage comme quoi, 
chassös de Grandson, ils continuaient ä Fribourg ä faire le Service divin. 
Mais le Conseil renvoya la röponse ä plus tard 4 . Cependant, l'admi- 
nistration des salines de Salins, refusant aprös la suppression du couvent, 
de payer cette somme aux villes de Berne et Fribourg, celles-ci, par 
reprösailles, ne trouvörent rien de mieux ä faire que de mettre sous 
söquestre les dimes que l’abbaye de Cisterciens du Mont-Ste-Marie 6 
possödait ä Yvonand. Ce fut donc le pauvre abbö du Mont-Ste-Marie, 
nommö de Vaultravers, qui eut ä en souffrir. II s’en plaint avec raison 
ä Leurs Excellences de Berne et Fribourg 8 : « Touttefoys, öcrit-il, 
magnifiques seigneurs, si vous vouliez prendre fondement du dit empe- 
chement sur ce que le trösorier en la saulnerie de Salins difföre de 
vous payer quelque somme d’argent au sujet de votre dite seigneurie 
de Grandson, je supplie vos magnificences d'avoir ögard que ni moi 
ni mes religieux n’en sommes coupables et ne pouvons porter le pöchö 
d’autrui. Car sans empecher le bien de cette abbaye vous avez bien 
d'autres moyens de vous faire payer du dit bien » (4 Dec. 1556). 


1 Arch. cant., Rathsmanual, v. 75 (24 mai 1557). 

* Ibid., 8 oct. 1 55 7 . 

* Dans nos notes sur le couvent de Grandson ( Revue d’hist. eccl. suisse, I, 
p. 1 36 ), nous avions cru qu’il s’agissait de 200 livres de sei, parce que nous avions 
lu salis pour salins ; il s’agit d’une redevance de 200 livres ä percevoir sur les 
salines de Salins, comme on le voit par le rentier du couvent. 

4 Arch. cant., Rathsmanual, 5 dec. 1554. 

4 Le Mont S'*-Marie, abbaye de l’Ordre de Citeaux, de la filiation de Clairvaux, 
situöe dans le departement du Doubs, commune de Les Granges-S"-Marie. 

6 Arch. cant., Liasse Grandson, lettre du 4 d£c. i 556 . 


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— 270 — 

En 1586, mourait ä Fribourg le deraier P£re de Grandson, le Pere 
Melchior Wullem ou Vullien, et, avec lui, disparaissait sa pension. U 
couvent de Fribourg, qui 6tait fort pauvre, essaya encore une fois 
de revendiquer les biens du couvent de Grandson et en fit la demande 
au Conseil. Celui-ci s'occupa de cette affaire dans sa sSance du 19 juin ’• 
1589. II d6cida de prendre du temps pour 6tudier cette question, et 
de ne rien statuer ä ce sujet jusqu'ä ce qu'on Sache quels revenus tirait 
l’Etat des biens du couvent de Grandson. En attendant, pour venir 
en aide au couvent de Fribourg, on lui accorda 3 muids de froment 
et de meteil *. 

Enfin, quatre ans plus tard (23 mars 1593), sur une nouvelle Petition 
du P. Michel, Gardien de Fribourg, on vint en aide aux besoins du 
couvent de Fribourg en lui accordant la collature de la eure de Font 
qui n’avait plus de patron depuis la suppression du catholicisme ä 
Lausanne *. j 


Quant aux bätiments du couvent de Grandson, Berne vouiar. 
d’abord transformer l’eglise en grenier. Les bätiments 6taient en mauvais 
etat. Le bailli fribourgeois, Laurent Gasser, 6crit ä Messeigneurs, soo> 
date du 9 octobre 1556, qu’une partie du couvent s’est 6croulee et 


1 

l 

% 

$ 

* 


que pr£s de 4,000 tu i les sont tomb£es et qu’en inspectant les lieux. { 
il a trouvd que d’autres parties menasaient ruine, principalement pres | 
de l’ancienne biblioth£que. 1 * 3 Nous ignorons ce que sont devenus les j 
livres de cette biblioth£que. Les religieux en auront, sans doute, apporte 2 


quelques-uns au couvent de Fribourg, mais nous n'en avons pas dfrou- j 
vert jusqu’ici. Plus tard, le couvent fut transform6 en magasin ä sei. i 
II n'en reste aujourd’hui qu’une tour renfermant les prisons du distnet ; 


et un vaste bätiment au nord de la route, servant d'entrepöt 4 5 . En 1515- 
Fribourg avait command^ un autel destin 6 ä cette dglise ä notre celebre j 
sculpteur Hans Geyler, et au peintre Nicolas Manuel de Berne *. Cet | 
autel aura sans doute 6 t 6 bris 4 avec les autres. < 


1 Arch. cant., Rathsmanual, 19 juin 1 5 89. ' 

1 La collature de la eure de Font appartenait aux chapelains de la chapelle de > 
St-Nicolas du chäteau öpiscopal de Lausanne. t 

* Arch. cant., Liasse Grandson. * 

4 Supplement au Dictionnaire du Canton de Vaud, 1 . c. p. 3 18. •• 

5 Cf. Max de Diesbach, Le sculpteur Hans Geiler, dans Arch. de la soaete ^ 

d’histoire du canton de Fribourg, t. VIII, p. 1-14. j 



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Die Verehrung 

der hll. Vitalis und Marcellus M. M. 

in Mariastein. 

Von P. Willibald BEERLI O. S. B. 


Die Leiber der hl. Vitalis und Marcellus, welche in der Kloster¬ 
kirche zu Mariastein aufbewahrt und verehrt werden, sind römische 
Heilige. 

Der heilige Vitalis wurde mit andern Heiligen auf das Geheiß 
Urbans VIII. durch den damaligen Generalvikar von Rom, Johannes 
von Altera, aus dem Coemeterium Calixti erhoben und am 9. Januar 
1640 dem Neffen des Papstes, dem General-Prior der unbeschuhten 
Trinitarier, P. Johannes de Annuntiatione, geschenkt. 

Am 7. Januar 1643 wurden diese heiligen Reliquien in Gegenwart 
des Kanzlers und Notars der römischen Curie, Johann Bapt. Marius, 
in ein Gefäß verschlossen und von P. J. de Annuntiatione dem damaligen 
Hauptmann der Schweizergarde, Rudolf. Pfyffer von Luzern, gegeben. 
Zeugen bei diesem Akt waren Officialen der römischen Curie. Am 
11. Januar 1643 wurde von Fabricius Vallatus das Instrument aus¬ 
gefertigt. 

Am 26. April 1650 kamen die Reliquien samt denjenigen des 
hl. Honoratus durch den Grafen von Hohenems nach St. Gallen, diese 
für St. Gallen, jene für Mariastein bestimmt. Dem Diener des Grafen, 
der die Reliquien nach St. Gallen brachte, ohne zu wissen, was er bei 
sich trage, wurde ein Honorar von 2 Talern übergeben. 

In St. Gallen wurde die Ankunft des hl. Honoratus mit einem 
Feste II. Klasse gefeiert. Den ganzen Sommer' hindurch blieb 
St. Vitalis in St. Gallen, dann sandte am 3. Oktober Fürstabt Pius 
von St. Gallen seinen Konventualen P. Franz v. Hertenstein mit dem 
heiligen Leib nach Mariastein, samt einem Begleitschreiben, in dem 


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I 


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— 272 — 

es heißt:« Dimitto ad vos religiosum meum cum thesauro Ss. corporis 
s. martyris Vitalis, Deum unice orans, ut sanctum hunc martyrem 
jubeat, monasterii Beinwilensis esse protectorem simul et communem 
in nostris necessitatibus intercessorem etc. » 3 Tage dauerte die Reise 
Am 6. Oktober kam der Schatz in Mariastein an. 

Bartholomäus Gasser, der Notar der ajjostolischen und kaiserlichen 
Majestät wurde gerufen und in seiner Gegenwart die Kiste mit den 
Gebeinen im Rekreationszimmer der Patres geöffnet. Auf den in ein 
Tuch eingewickelten Reliquien war eine KapSel mit dem Instrument, 
das am 11. Januar von Vallatus ausgestellt wurde. Abt Fintan Kieffer 
nahm die Gebeine ehrfurchtsvoll heraus, von denen die größern sehr 
gut erhalten, die kleinem teilweise in Staub zerfallen waren. 

Außer oben genanntem Notar wohnten dem Akte bei: P. Franz 
v. Hertenstein, dann aus dem Konvente : PI. R. P. Vincentius Fink, 
Prior, R. P. Placidus Gründer, R. P. Eberhardus Tscharandi, R. P 
Maurus Briat, R. P. Ursus Graf, R. P. Bernhard a Waldkirch, Rel 
Fr. Joannes a Staal, Professus, Rel. Fr. Hieronymus Bröchin, Novitins 

Der Leib des hl. Marcellus wurde am 1. Februar 1654 von Kardinal 
Martius Ginettus, welcher denselben aus den römischen Katakomben 
im Aufträge des Papstes Innocenz X. erhoben hatte, dem Exprovinziai 
und Guardian der Franziskaner Minoriten in Werthenstein, P. Eusta¬ 
chius Wey, geschenkt. Der Laienbruder Joseph Müller brachte ihr 
von Rom. Die Reliquien waren versehen mit dem Siegel des Kardinal' 
und die Authentik wurde unterschrieben von 2 Zeugen, Joannes Ste¬ 
phanus Angelino und Joannes Antonius Zuagelino. 

P. Eustachius Wey, der Onkel mütterlicherseits des P. Vincenz 
Acklin von Luzern, Konventual von Mariastein, sandte durch obiger 
Br. Joseph den Leib des hl. Marcellus am 1. September 1654 nach 
Mariastein. 

Am 6. September wurde in Beisein des apostolischen Nuntius 
Joh. German Haas, Sekretär zu Pruntrut, der beiden Zeugen Pfamr 
Burger von Blauen und Pfarrer Aeschi von Rodersdorf, des ganzer 
Konventes und der ganzen Dienerschaft die Capsel geöffnet. Di-- 
Anwesenden beschauten und betasteten die Reliquien; von den kleinem 
Partikeln wurden sogleich den vornehmem Gästen ausgeteilt, der 
Staub in der Sakristei aufbewahrt und die großem Teile mit Ehrfurcht 
und unter Gebet zum hl. Marcellus auf dem Altar der Gnadenkapelk 
zur Verehrung ausgesetzt. 

Lange Zeit wurde in Mariastein dafür gehalten, daß die beiden 


I 


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Heiligen nicht nur sogenannte getaufte Heilige seien, sondern solche, 
die wirklich diesen Namen getragen. Dafür hatte man folgende Gründe : 

1. Schon der Name Marcellus ist nicht einer jener Namen, die 
den sogenannten getauften Heiligen gegeben werden. 

2. Die authentischen römischen Urkunden machen keine Er¬ 
wähnung, daß diese sogenannte getaufte Heilige sind, wie es sonst zu 
geschehen pflegt. 

3. Die Authentik des hl. Vital sagt ausdrücklich, daß dieser heilige 
Märtyrer aus den Coemeterien Calixti erhoben worden sei mit andern 
Heiligen und nennt diese ebenfalls z. B. Maurus, Hyacinthus, Joannes, 
Hilarius, Alexander, Gratianus etc., was nicht geschehen könnte, bei 
noch zu benennenden Heiligen. Es werden dann auch im gleichen 
Instrument Jungfrauen und Märtyrer aufgezählt, z. B. St. Flora, 
V. et M., St. Fabiana, V. et M., St. Eugenia, V. et M., St. Aurelia, V. et 
M., St. Restituta, V. et M., was bei getauften Reliquien nicht der Fall 
sein könnte. Die überzeugende Kraft dieses Beweises erkannten schon 
die ersten Besitzer dieser heiligen Leiber; deshalb ließen sie durch 
einen Registrator die Urkunde betiteln : « Authentisches Testimonium 
von Rom vom 11. Januar 1643, der Reliquien von heiligen Leibern 
vieler darinnen vermehlten heiliger Märtyrer und Jungfrauen. * 

4. Aus dem Instrument des hl. Vitalis geht hervor, daß alle seine 
Genossen und Genossinnen « proprii nominis * waren, weil unter acht¬ 
zehn Märtyrern und acht Jungfrauen keine zu finden ist, die nur 
Märtyrer wäre, während sonst der Katalog für die getauften Heiligen 
verschiedene solche Namen enthält, wie St. Amantiae M., Aureae M., 
Concordiae M. 

Noch ein Beweis, daß man bei der Ankunft des Heiligen glaubte, 
er sei « proprii nominis *, ist der, daß schon im folgenden Jahr der 
Novitius Hieronymus Bröchin von Rheinfelden bei seiner Profeß am 
30. Mai 1651 den Namen des Heiligen annahm. 

Schnell dehnte sich die Verehrung der beiden Heiligen aus. 
St. Vital und Marcell wurden bald als erste Patrone und Beschützer 
des Klosters angenommen und als solche eingesetzt, genannt, geschrieben 
und verehrt. 

Weil Abt Fintan nach kirchlichen Vorschriften handeln wollte, 
wartete er noch einige Jahre mit der Verbreitung der Verehrung zu, 
in Rücksicht darauf, daß von anno 1647-1652 in der schweizerischen 
Benediktinerkongregation viel über die Einführung neuer Feste und 
Officien beraten wurde. Nachdem aber alles gehörig vorbereitet war, 

REVUE D’HISTOIRE ECCL^SIASTIQUE 18 


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— 274 - 

fand am 31. August 1656 die großartige Übertragung und feierliche 
Aussetzung der beiden Heiligen statt. Zu diesem Anlaß kam der 
Fürstbischof Joannes Franciscus von Schönau und hielt unter Assistenz 
der beiden Äbte, Bemardin von Lützel und Fintan von Mariastein, 
zu Ehren dieser beiden Heiligen ein Pontifikalamt. Außerdem waren 
noch anwesend : 

H. H. Christophorus a Liebenfels, Kanonikus von Basel. H. H. 
Franciscus von Römerstal, Propst in Grandval. H. H. Niklaus Hedinger, 
Propst in Solothurn. Die H. H. Kanoniker Schwaller, von Staal. 
Stebler von Solothurn. Die Pfarrherren des Leimentales in Prozession. 
Der Hofkaplan des Fürsten, ebenso sein Präfekt. Dann die Noblen 
von Reichenstein, Biederthal, Leimen, Brombach, Inzlingen, Eptingen 
in Hagental, Schönau, Wessenberg, Flachsland, Reinach, Blarer von 
Wartensee, Ostein. Ferner zwei Patres von Großlützel, der Guardian 
von Lupach mit einem Begleiter, von den Kapuzinern der Bruder des 
Fürstbischofs mit einem Begleiter. P. Adam, Beichtvater des Bischofs, 
und P. Alexander, beides Jesuiten. 

Über 5000 Menschen wurden gezählt, und auch ein Musikchor war 
zugegen, ebenfalls eine ganze Schützengesellschaft. Kanonendonner 
verkündete die Festfreude nach außen. 

Nach dem Mittagessen wurde über diese Heiligen ein Theater 
aufgeführt, das 4-5 Stunden dauerte. 

In der Prozession, die gehalten wurde, trugen die Kanoniker von 
Solothurn Reliquien der hl. Ursus und Viktor, die sie dann dem Kloster 
schenkten. 

Von mm an wurde das Fest dieser beiden Heiligen am 31. August 
wie man im Kloster sich ausdrückt, als « Festum Prioris II. Cls. instar I 
cum Octava » gefeiert. Die Messe wurde genommen aus dem Missale 
Romanum und zwar die ganze mutatis mutandis vom Feste der heiligen 
Marius, Martha und Genossen, am 19. Januar : «Justi epulentur * mit 
Credo. Noch vorhanden in einem von P. Vincenz Acklin geschriebenen 
Supplementum Missalis Campidunensis. Das Missale wurde 1678 
gedruckt und von Abt Esso Glutz kostbar eingebunden. Dasselbe ist 
jetzt noch in Mariastein. In einem andern Missale Campidunensi vom 
Jahre 1720 steht im Supplement pag. 23 geschrieben : Die 31. Augusti. 
SS. Vitalis et Marcelli MM. Romanorum. Dupl. 2. cl. inst. Primae. 
Missa habetur in Ordinario, fol. 420. 19. Jan. Oratio : Exaudi Domine 
populum tuum, cum sanctorum Martyrum tuorum Vitalis et Marcelli 
patrocinio supplicantem : ut et temporalis vitae nos tribuas pace gau- 



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275 


dere et aeteme reperire subsidium. Per Dom. etc. Reliqua omnia 
ut in eadem Missa-Justi epulentur. Pag. 24 steht: Die 3. Sept. De 
Octava SS. MM. semid. Missa, ut in die fol. 420 cum Orationibus 
consuetis. (Missale des St. Gallusstiftes in Bregenz.) Auch findet sich 
ein von P. Deicola von Ligertz, Capitular von Murbach, der sich einige 
Zeit in Mariastein aufhielt, sehr schön geschriebenes « Kyriale », das 
eine besondere Festmesse «St. Marcelli et Vitalis * enthält. (Archiv 
des St. Gallusstiftes.) 

Im Brevier wurde das Officium plurimorum martyrum, die Oration 
aus obiger Messe genommen, die Lektionen der II. Noctum aus dem : 
Sermo S. Ambrosii episcopi, Sermo 77, exemplo martyrum didicimus. 
In der III. Noctum wurde die Homilie des hl. Joh. Chrysost. : Ex 
homilia 76 in Math, initio «Idcirco seorsum accesserunt * gelesen. 
Das Proprium Chori Beinwilensis ad Petram weist im Calendarium 
am 3., 4. und 5. September de Octava auf. Am 3. September wurden 
als Lektionen gelesen : Sermo S. Basilii episcopi, in Psalm 115 circa 
finem : « Revera pretiosa est mors. » Am 4. September : Sermo S. Gre¬ 
gor» Nysseni. In 40 Martyrum Orat. 2. circa med. : « Quäle in coelesti- 
bus accidit miraculis. * Am 5. September Ex Epistola S. Cypriani 
episcopi et mart. : Ad Martyres, Epist. 15. «Imposuerunt compedes 
pedibus vestris. » Am 7. September als Oktavtag des Festes wurde als 
Lection der II. Noctum genommen: Sermo S. Fulgentii episcopi, 
Sermo 10 : «Delectet videre campos segetum. » In der III. Noctum 
Fortsetzung: De Homilia S. Joannis Chrysostomi, wie am Feste 
♦Opportune pericula discipulorum etc. * Die XL Lection aus der 
34. Homilie : « Qui autem perseveraverit etc. », und die XII. Lection 
aus der gleichen Homilie, aber nach größerer Auslassung : « Ego certe 
stupeo. * 

Bis zur großen Reform des Breviers anno 1737 hatte das Fest 
eine Oktav, nachher hatte es den gleichen Ritus, aber ohne Oktav. 
(Gedrucktes noch vorhandenes Proprium Chori Beinwilensis ad Petram 
B. M. V. Jussu Rev ral . D. D. Augustini ejusdem monast. Abbatis. 
Editum Brisaci, Typis Joan. Jacobi Deckeri Typ. Reg. Anno 1680. 
Dieses Proprium war im Gebrauch, bis Abt Placidus Ackermann 1832 
ein neues drucken ließ, worin die beiden Heiligen nicht mehr figurieren.) 

Im Appendix des Martyrologium wurde obiges Fest auf den 
besagten Tag eingereiht und immer am vorhergehenden Tag verkündet. 
Jedenfalls bestand dieser Brauch 1745 noch. 

Die Namen der hl. Vitalis und Marcellus wurden in der Aller- 


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— 276 — 

heiligen-Litanei nach den Namen Gervasius und Protasius eingesetzt 
(altes Ritual von anno 1625 in Mariastein) und zwar nicht nur im Kloster 
sondern auch auf den inkorporierten Pfarreien Hofstetten und Metzerlen. 


Die Namen dieser Heiligen 

wurden bei der Profeß 

von folgenden 

Conventualen angenommen : 


Prof. 

8*c. 

ObUt 

1. P. Vitalis Bröchin . . . 

• 

1651 

1655 

1672 

2. P. Marcellus Senn . . . 

• 

1654 

1661 

1678 

3. P. Vitalis Nansc . . . . 

• 

1684 

1691 

I72I 

4. P. Marcellus Kollin . . 

• 

1684 

1689 

1698 

5. P. Marcellus Choulat . . 

• 

1704 

1706 

1756 

6. P. Vitalis Grimm. . . . 

• 

1722 

1744 

1744 

7. Br. Vitalis Feugel . . . 

• 

1744 


1752 

8. P. Marcellus Borer. . . 

• 

1756 

1758 

1794 

9. P. Vitalis Sitterle . . . 

• 

1765 

1766 

1784 


Der Ordo Professionis (im Kloster St. Gallus in Bregenz), unter ' 
Abt Esso Glutz 1695 sehr schön geschrieben, hat in der Professions- ! 
formel wörtlich : « Ego voveo coram Deo et Sanctis ejus ad Nomina 
beatorum Apostolorum Petri et Pauli necnon beatorum Martyrum ! 
Vincentii, Vitalis et Marcelli patronorum hujus loci, atque aliorum 
sanctorum etc. » 

Nicht alle Professen nahmen die beiden Namen in ihre Formel 
Auf den Namen der heiligen Märtyrer Vincentii, Vitalis et Marcelli 
haben nach den Professionszetteln folgende 44 Konventualen ihr« } 
Gelübde abgelegt: j 

P. Morand Zipper von Angenstein, 14. Juni 1676. P. Karl Littry 
von Rapperswil, 14. Juni 1676. P. Anselm Greutter von St. Gallen. 

14. Juni 1676. P. Roman Falk von Peterszell, 19. Juli 1676. P. Fintan •; 
Weißenbach von Zug, 19. Juli 1676. P. Konrad Greder von Solothurn. 

15. September 1680. Br. Fridolin Dumeisen von Rapperswil, I. Sep¬ 
tember 1680. Dann folgen wieder 8, welche die Namen in der Profeß- 
formel ausgelassen. P. Vincenz Acklin von Luzern, 4. Mai 1692 ruft 
bei der Profeß St. Vitalis und Marcellus an, während sein Comprofeß 
P. Marian Lindacher von Luzern, dies unterläßt. P. Augustin Glutr 
von Solothurn, später Prior, Coadjutor und Abt, legt seine Profeß ab 1 
unter Anrufung der beiden Heiligen, am 8. September 1692. Fr. Urs • 
Jos. Gibelin von Solothurn und P. Joachim Gegelin von Blotzheim 
die anno 1695 die Ordensgelübde machten, tun keine Erwähnung der f j 


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— 277 - 

beiden Patrone. P. Niklaus Keller von Beifort, 2. Juli 1697, und 
P. Michael Stöcklin von Ettingen, 8. November 1699, schrieben die 
bekfen Namen ; des letztem Comprofessen P. Othmar Clerc von Dels- 
berg und der Schriftsteller P. Leo Wegbecher und P. Heinrich Glutz, 
der schon ein Jahr früher die Gelübde ablegte, unterließen sie. P. Urs 
Viktor von Ligertz von Freiburg in der Schweiz, 25. September 1701. 
P. Basilius Senn von Wil, 25. September 1701. Nach diesen machten 
wieder 11 die heilige Profeß, darunter P. Marcell Choulat, welche ihre 
Patrone vergaßen. P. Beda Beck von Rappolschwyr, 4. April 1712. 
P. Ludwig Müller von Wil, 24. Mai 1716, sein Comprofeß P. Leopold 
Schemberger unterließ die Anrufung. Vom Jahre 1716 bis 1811 waren 
die Namen « Vitalis et Marcelli * in den Professionszetteln ganz ver¬ 
schwunden ; durch die Heimsuchungen der französischen Revolution 
stieg das Vertrauen zu diesen Heiligen wieder, und die folgenden 
Konventualen nahmen die beiden Märtyrer wieder in die Profeßformel 
auf: P. Plazidus Eggenschwiler von Matzendorf, 8. Dezember 1811. 
P. Vinzenz Hammer von Langendorf, 8. Dezember 1811. P. Ambros 
Ditzler von Domach, 8. Dezember 1811. P. Hieronymus Ziegler von 
Zuchwil, 13. Juni 1813. P. Urs Viktor Roth von Breitenbach, 13. Juni 
1813. P. Franz Xaver Walter von Mümliswil, 8. Dezember 1813. 
P. Basilius Beeg von Breitenbach, 13. Juni 1813. P. Franz Sales Brunner 
von Mümliswil, 13. Juni 1813. P. Karl Schmid von Wittnau, später 
Abt, 13. Juni 1813. P. Edmund Kreuzer von Säckingen, 10. September 
1815. Br. Trutbert Fehr von Rottenburg, 9. Juni 1816. P. Ignaz 
Stork von Laufenburg, 26. Juli 1818. Br. Joseph Allemann von Welschen- 
rohr, 26. Juli 1818. P. Gregorius Frauch von Wolfwil, 1. November 
1819. P. Anselm Dietler von Büsserach, 1. November 1819. P. Ambros 
Pflüger von Solothurn, 1. November 1819. P. Leo Stöckli von Hof¬ 
stetten, 1. November 1822. Dieser schrieb auf seinem Professionszettel 
die Namen: Mariae, Benedicti, Vincentii, Vitalis, Marcelli, Placidi 
und seinen eigenen Namen Leo mit größeren Buchstaben. P. Petrus 
Coelestinus Meng von Frick, 1. November 1822. P. Pius Munzinger 
von Olten, 1. November 1822. Br. Meinrad Heim von Fulenbach, 
17. November 1822. Br. Kasimir Nußbaumer von Mümliswil, 17. No¬ 
vember 1822. Br. Lorenz Altenbach von Rodersdorf, 11. Juli 1823. 
P. Aemilian Gyr von Einsiedeln, 15. Oktober 1826. Br. Alois Altermatt 
von Mümliswil, 15. Oktober 1826. P. Beda Gschwind von Metzerlen, 
24. August 1828. P. Fintan ab Hirt von Säckingen, 24. August 1828. 
P. Ildephons Müller von Liebensweiler, 24. August 1828. Fr. Joh. 


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— 278 — 

Chrysostomus Altenbach von Rodersdorf, 24. August 1828. P. German ! 
Monerat von Vermes, 16. Mai 1830. 

4 

Dieser war der letzte Konventual von Beinwil-Mariasteiiu der j 
auf die Namen der hl. Vitalis und Marcellus die Profeß gemacht. ! 
Warum dies unterlassen wurde ? j 

Die Reliquien der beiden Heiligen wurden stets in hohen Ehren j 
gehalten. Die großem Teile, wie Haupt-, Arm-, Bein-, Rippenknochen } 
wurden kunstvoll und reich gefaßt und auf den Altären des hl. Sebastian j 
und der hl. Agatha neben dem Chorgitter ausgesetzt. Nach der Restau¬ 
ration der Kirche in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts aber 
fanden sie ihren Platz in der Mensa der Altäre, wo sie heute noch vom 
Volk verehrt werden. 

Am 19. Juli 1651 überbrachte P. Vincenz Fink dem Kloster 
St. Gallen drei größere Partikeln der Reliquien des hl. Vital und erhielt 
dafür von St. Gallen Reliquien des hl. Honoratus. Kleinere Partikeln 
wurden verschenkt, oft bei der Konsekration von Altären in die 
Sepulchra verwendet; so stellt der Weihbischof Caspar Schnorff 1686 
einen Attest aus, solche für den Choraltar in Metzerlen in das 
Sepulchrum eingeschlossen zu haben. Als im Jahre 1829 der Altar 
abgebrochen wurde, übertrug Abt Placidus diese Reliquien in den Altar 
der Josephskapelle nach Mariastein. Am n. April 1737 wurden von | 
Abt Augustinus Glutz Reliquien der hl. Vitalis und Marcellus 
verwendet bei der Weihe des Gnadenaltares in der unterirdischen 
Kapelle. 

Ein Dekret oder Indult für die öffentliche Verehrung der beiden i, 
Heiligen Vitalis und Marcellus kann allerdings nicht beigebracht : 
werden ; aber jedenfalls ist das Fest der Heiligen nicht auf unerlaubte : 
Weise eingeführt. Dafür bürgt die schweizerische Benediktiner- j 
kongregation und die kirchliche Gesinnung der beiden frommen Äbte ( 
Fintan Kieffer und Augustin Rütti. Es ist anzunehmen, daß Mariastein j 
durch die schweizerische Benediktinerkongregation von der Riten- j 
kongregation die Einsetzung des Festes erwirkt, oder daß dasselbe doch i 
wenigstens approbiert und erlaubt wurde, ohne ein spezielles Instrument •; 
zu erhalten. In jener Zeit wurde von der Kongregation so stark auf 
die Beobachtung der kirchlichen Dekrete gedrungen, und nur kurz 
vorher wurden verschiedene Erlasse punkto Kalendarien und Festt 
erlassen. So am 8. April 1628 das Verbot, das Calendarium zu erweitern 
und neue Officien und Messen einzuführen. (Psalterium Campid.) 

Am 23. März 1630 wurde von der Ritenkongregation verordnet, daß 


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279 


nur solche Heilige als Patrone erwählt werden dürfen, die von der 
ganzen Kirche als Heilige verehrt werden. 

Dazu kommen die Statuten der schweizerischen Benediktiner¬ 
kongregation, welche anno 1636 approbiert wurden, und diese mußten 
alle Jahre wenigstens einmal am Tische vorgelesen werden. Darin 
heißt es ausdrücklich im 8. Kapitel: die Klöster unserer Kongregation 
sollen sich hüten, Feste der Heiligen zu feiern, welche nicht von der 
Kirche approbiert sind, auch sollen von ihnen keine Officien gebetet 
werden, welche sich der Approbation nicht erfreuen. (Einsiedler 
Stifts-Archiv, Manuscript.) 

Aus all dem ist zu schließen, daß entweder der Ordinarius in Basel, 
der Abt von Mariastein, die ganze schweizerische Benediktiner-Kongre¬ 
gation und unzählige andere durch die Einführung des Festes der 
hl. Vital und Marcellus in jener Zeit sich gröblich und schwer gegen 
den der Kirche schuldigen Gehorsam verfehlt hätten, oder aber, daß 
das ganze Officium, wie man annehmen darf, durch das neue Kalen¬ 
darium von Abt Augustin Rütti der schweizerischen Benediktiner¬ 
kongregation und durch sie der Ritenkongregation unterbreitet und 
dann von dieser ohne spezielles Instrument approbiert und rechtmäßig 
eingeführt worden sei. 1 Daß Abt Augustin Rütti sich diesbezüglich 
an die kirchlichen Vorschriften gehalten hat, geht daraus hervor, daß 
er im Jahre 1684 ein neues Proprium S. Vincentii einführte, dasselbe 
aber vom Ordinarius approbieren ließ. Es ist nicht anzunehmen, daß 
der Bischof von Basel und der durch seine Frömmigkeit bekannte 
Fürstabt Pius von St. Gallen und der Abt Augustin Rütti zu solchem 
Ungehorsame gegen die Kirche fähig gewesen wären. 

Am 11. August 1691 erließ die Ritenkongregation ein Dekret, 
nach dem von keinen Heiligen mehr das Fest mit Officium gefeiert 
werden durfte, wenn der Heilige nicht im Martyrologium Romanum 
eingereiht ist, oder wenn nicht ein spezielles Indult gegeben wurde. 
Von dort an kam der Brauch auf, daß man, an Stelle der eigenen Feste 
mit Officium und Messe, einfach unter Beibehaltung der äußern Feier 
die einfache Commemoration machte. Ob das genannte Dekret vom 
11. August 1691 nicht nach Mariastein kam, oder ob man glaubte, 
das Fest sei durch jahrelangen Gebrauch eingeführt, bleibe dahin¬ 
gestellt ; jedenfalls ist sicher, daß die Obern von Mariastein dieses Fest 
nicht sogleich aus dem Officium eliminierten. 

1 Auch bei Einführung der neuen Brevierreform 1917 kam nicht ein spe- 
zielles Approbationsinstrument ; das Calcndarium wurde einfach approbiert. 


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2 &> 


Anno 1745 wurde das Fest noch gefeiert, wie aus einem gesche¬ 
henen Proprium, das zu einem anno 1742 in Einsiedeln gedruckter 
Missale gehört, hervorgeht. In diesem Proprium, das 1743 angetan?« 
wurde, ist am 31. August das Fest der hl. Vitalis und Marcellus vor¬ 
gemerkt, am Schlüsse aber ist die ausführliche Messe geschrieben uni 
die Jahrzahl 1745. 

Nach und nach fing man doch zu zweifeln an, ob wohl die Feier 
dieses Festes mit dem Dekrete vereinbar sei, und man unterdrückte, 
weil kein spezielles Indult zu finden war, das Fest der hl. Vitalis und 
Marcellus. Ja, man unterließ nach und nach die Commeraoration, die 
erlaubt gewesen wäre. Nach der Revolution schien die Verehnmr, 
wenigstens die innere, wieder zuzunehmen, indem von 1811-1830, 
wie oben schon gezeigt wurde, alle auf diese Namen Profeß abgcl^t 
haben. Von 1830 an unterblieb bis auf den heutigen Tag jeglich« 
äußere Verehrung. Die Gebeine der Heiligen ruhen immer noch u 
der Mensa der beiden schon angeführten Altäre des hl. Sebastian und 
der hl. Agatha. 



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Karl Borromeo 
und das Stift St. Gallen 


Von Joseph MÜLLER. 


(Fortsetzung und Schluss.) 


EXKURSE. 


1. Die St. Galler Tradition Aber den Besuch Borromeos. — 

Das Karlstor. 

Die St. Galler Tradition über den Besuch Borromeos liegt in 
dem 1604 vollendeten, von Metzler eigenhändig geschriebenen Konzept 
seiner Chronik vor, die in Band 181 des Stiftsarchivs auf uns gekommen 
ist. Hier heißt es : (Othmarus hospitio excepit) «inprimis beatum 
illura Mediolani archiepiscopum Carolum cardinalem Borromaeum, 
qui ad divum Gallum cum pervenisset didicissetque oppidum a catho- 
lica fide alienum, noluit pedem in eo ponere, sed portam novam, quam 
Othmarus nuper aperuerat, licet ea nemo alius uteretur, pandi voluit, 
ut intrare per eam et exire demum posset. In coenobio die tota substitit 
sanctimoniaque sua Othmarum et patres illustravit. Cum Othmaro 
de heresibus convellendis et extirpandis multis egit. Testes literae, 
quas ad eundem Othmarum non multo post dedit et ita sese habent. * 
Darauf fügt Metzler den Wortlaut des Briefes vom 29. August 1570 an. 

Eine zweite Fassung von Metzlers Chronik liegt vor in Msc. 1408 
der Stiftsbibliothek. Es ist eine teilweise korrigierte Kopie von der 
Hand P. Marian Buzlins aus dem Jahre 1613 mit einzelnen Rand¬ 
bemerkungen von Metzlers Hand. Sie gibt den obigen Text in Bezug 
a uf das Karlstor völlig gleich wieder, bezüglich des weitern mit folgen¬ 
den kleinen Abweichungen : «In coenobio die tota et amplius substitit. 


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282 


Cum Othmaro de heresibus convellencfis extirpandisque multis egit. ( 
Testes horum litterae. * Zu « substitit * fügte Metzlers Hand am Rande j 
bei: « Stetit in abbatis loco in choro, missam in altari maiori celebravit. * 
Außerdem wurde in diese zweite Fassung von Metzler der Brief Borro¬ 
meos vom 7. März 1573 aufgenommen. Die Verbindung zwischen dem 
ersten und diesem zweiten Schreiben wurde durch eine kurze Kommen¬ 
tierung geschaffen, wobei Metzler die Kanonisation Borromeos einfügtt 
mit der Bemerkung, sie sei « me etiam inspectante » vom Papst Paul V. I 
vorgenommen worden. 1 In dieser Form, wobei die obige Randbemer¬ 
kung als solche verblieb, ging die Erzählung in die Reinschrift der 
Metzler’schen Chronik in Band 182 des Stiftsarchivs über. 

Um 1660 stellte P. Chrysostomus Stipplin in Band 194 die Notizen 
zur Lebensgeschichte seines Urgroßonkels 2 Abt Bernhards II. zu- | 
sammen. In den Bemerkungen zum Jahre 1570 führt er die Erzählung j 
Metzlers wörtlich an, mit zwei Erweiterungen. Karl hat nach ihm i 

« monasterium sanctimonialium ad S. Georgium visitavit ; de mensula j 

• 

sanctae Wiboradae pro reliquiis sibi secaturam assumpsit. Foveam ] 
eiusdem sanctae martyris extensis brachiis orando honoravit. * Ferner i 
fügt er bei: «Cum Othmaro abbate de reformatione (brevi secuta), ! 

de heresibus e territorio saltem veteri convellendis exterminandisque \ 

% 

multis egit ; ac demum auxilium in terris et caelo suum pollicitus - t 
abiit. Videantur eiusdem sancti epistolae, hoc et aliis annis datae. J j 
Wie man ersieht, ist Tradition die Erzählung betreffend des Karl$- 
tores und der Zeit, während welcher sich Borromeo in St. Gallen aui- 
hielt. Dieser von Metzler aufgezeichneten Überlieferung fügte Stipplin 
noch jene vom Besuche der kleinen Beginenniederlassung in Sankt ■ 
Georgen 4 bei. Was über die Verhandlungen mit Abt Otmar berichtet 1 
wird, hat Metzler den gleichzeitigen, auch uns noch zugänglichen j 
Quellen entnommen. Metzler, der 1593 die Profeß ablegte, ist freilich j 


1 Stiftsbibi. Msc. 1408, S. 683 f. Zwischen etiam und inspectante steht eine 
() ; die zwei bis drei Worte, die dort gestanden haben, sind vollständig unkenntlich 
radiert. 


1 So ist die Angabe Scheiwilers, Zur Vorgeschichte Abt Bernhards II. von 
St. Gallen, in dieser Zeitschrift, II. S. 81, der Schreiber sei der Neffe gewesen, ru 
korrigieren. S. dazu den von Stipplin, ebenda, S. 9 f. gegebenen Stammbaum 
Bernhards wie seiner eigenen Familie. Margarita Müllerin, soror germana unica 
Bernhards, war die proavia matema Stipplins. 


3 Ebenda, S. 14. 

4 Als Benediktinerinnen 1654 erwähnt (s. diese Ztschr. oben S. 167) erhielten 
die Schwestern erst 1696 «das schwarze Velum » und die Oberin den Titel 
Priorin. Bd. 1927, unpaginiert. 


1 

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* 

1 

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r 


— 283 — 

nicht Augenzeuge des Besuches Borromeos gewesen ; daß der Kardinal 
in St. Gallen aber nicht ganz vergessen war, ersehen wir aus den 1638 
zusammengestellten Lebensbeschreibungen st. gallischer Konventualen. 
Bei dreien, P. Heinrich Forer, f 1607, P. Benedikt Pfister, f 1611, 
und P. Mathias Murer, f 1613, wird ausdrücklich erwähnt, daß sie 
von dem Besuche Borromeos erzählten. 1 

Der Rorschacher Vertrag vom 13. September 1566 hatte prin¬ 
zipiell dem Kloster ein eigenes Tor durch die Stadtmauer zuge¬ 
sprochen, aber ihm zugleich während des Tages die Tore und Straßen 
der Stadt zu gebrauchen Vorbehalten. Der Wiler Spruch vom 20. Sep¬ 
tember, der die Sonderung von Stadt und Stift durch die Mauer um 
den Klosterbezirk vollendete, hatte verfügt, daß der Abt das ihm zu¬ 
erkannte Tor erst durch die Ringmauer brechen dürfe, wenn die neue 
Schiedmauer vollendet sei. Und weiterhin durfte der Abt «in dry 
jaren den nechsten » an sein neues Tor kein Wappen hauen noch malen 
lassen. Am gleichen Tage, 13. Oktober 1567, da der Magistrat sein 
Tor durch die Schiedmauer zwischen Stadt und Kloster des Nachts 
zum ersten Mal schloß, ließ der Abt provisorisch die Ringmauer gegen 
die Steinach durchbrechen ; « darmit ist man nit ir gefangner worden * 2 . 
Es war damals beabsichtigt, im Frühling mit dem Bau des Tores zu 
beginnen s ; doch kam die Klosterbauleitung im folgenden Jahre unter 
Kaspar Dietschi von Schwyz nur dazu, die Vorbereitungen hiezu zu 
treffen. 4 Mittwochs nach Ostern, den 13. April 1569, wurde «thurn 


1 Forer : « In monasterio praesens S. Carolum Borromaeum ad S. Gallum 

venientem videre meruit.» Pfister: « S. Carolum_in S. Gallo vidit et gavisus 

cst ipsius benedictione accepta. » Murer, der eben am 21. April 1570 seine Profeß 
abgelegt hatte : « S. Carolum Borromaeum in S. Gallo vidit eique ministravit. » 
Bd. 256. S. 175, 178, 182. 

a So sind die Angaben bei Näf, Chronik, S. 240, zu korrigieren. Bei 
Hardegger, a. a. O., S. 58, ist der Druckfehler, der Abt habe 750 Werktage 
für seinen Mauerteil aufgewendet, in 150 zu verbessern. 

* « Es hat ouch hievor uf ermclten 13. tag Octobris ir gnad ein verloren 
thor durch die alten ringmur im hofgarten by Bartholome Koblers hus brächen 
lassen, darmit ist man nit ir gefangner worden, bis uf den früling (zü erbuwung 
des rechten gotzhus thor, das dasclbig ouch gemacht worden ist, zü allerhand 
noturft des buws) zü gebruchen. » Bd. 1013, f. 235a /. 

4 In der Rechnung, die Dietschi am 25. Februar 1569 ablegte, heißt es: 
» Und erstlichen von wegen des nüwen thors, so im boumgarten gemacht werden 
sol und andern züfelligen büwen im gotzhus Sant Gallen », wozu als Gesamtsumme 
angegeben ist 976 fl. 9 batzen 7 y t Bd. 305, S. 569-71. Die von Hardcgger, 
a. a. O., S. 59, als Endsumme angegebenen Kosten von 994 fl. — diese Zahlen 
kann ich nicht finden — ist somit ziemlich genau die Summe, welche die Vor- 


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— 284 — 

und thor, sambt den bruggen und Strassen * zu bauen angefangen 
und der erste Stein « an disen thurn * gelegt; für Dietschi, der zum 
Vogt von Blatten vorgerückt war, wird in der bezüglichen Urkunde 
Karl Briegel als Baumeister genannt. Dieser hatte natürlich nur die 
Rechnungsführung ; an letzter Stelle steht auf der Urkunde der Namt 
Meister Kaspar Grafs, genannt Lindenmann, Steinmetz und Bau¬ 
meister, in welchem demnach der Bauführer und Architekt des Tores 
zu suchen ist. 1 Über die Vorbauten gegen die Steinach und die Zu¬ 
fahrten ergaben sich aber Anstände mit der Stadt, die erst durch die 
«Erläuterung* vom II. August beglichen wurden*, so daß im Jahre 

1569 die Bauten kaum über die Wölbung des Tores und den nun 
gestatteten Zwinger hinausgekommen sein dürften. Sicher ist, daß 

1570 noch am Tore gebaut wurde. In der Rechnung des Weinschenken 
Peter Sailer für dieses Jahr findet sich sehr oft der Vermerk: «gab 
der winschenk Carlin an buw. * Die erste diesbezügliche Eintragum: 
hat das Datum vom 17. Januar, die letzte jenes vom 27. August; 
das beweist, daß während des Winters Vorbereitungen getroffen wurden 
zum Bau, der im Sommer weitergeführt und wohl auch vollendet 
worden ist. * Unter den Vorbereitungen wird man an die schöne 
Skulptur denken dürfen, die heute noch die Zierde des Tores ist, die 
wertvollste, die aus dem St. Gallen der damaligen Zeit in unsere Tage 
hinübergerettet wurde. Sie trägt die eingemeißelte Jahrzahl 1570 
mit vollem Rechte. Seit dem Wiler Spruch vom 20. September 1566, 

bereitungen zum Bau erforderten. Von Briegel existiert keine Rechnung, so daß 
wir die Gesamtkosten nicht kennen. 

1 Bd. 1013, f. 2376 ff. So sind die Angaben bei Hardeggtr zu verbessern. 
Jakob Althcer ist in der Urkunde nicht genannt; dagegen erwähnt ihn Dietschi j 
unter den Ausgaben für die Steinmetzen als Meister mit« sinen gesellen •. Bd. 305, j 
Seite 537. j 

* Rorschacher Vertrag, Wiler Spruch und Erläuterung, Urk. V1-A56; 

V2-A57, 61. Daß der hauptsächlichste Streitpunkt der Erläuterung das Tor , 
betraf, geht aus der Notiz über den fürstlichen Rat vom 4. August hervor: * des i 
thors halb ist der gestelt articul gegen der statt Sant Gallen angenomen. soll 
zugesagt werden, doch noch mit Barthlome Koblern abkomen », während übrr • 
die weitern Artikel nichts vermerkt ist. Bd. 850, f. 57 a. ; 

* Zu dem Eintrag vom 14. Juli macht der Weinschenk die Randbemerkung: 

« Nota khört dem Karli in ain nüwe rechnung. » Ich nahm mir die Mühe, die 
verschiedenen Posten, die den im Text genannten Vermerk ausdrücklich auf- , 
weisen, zusammen zu addieren ; sie ergaben bis zum 14. Juli 1871 fl., von da bis ■ 
zum 27. August 349 fl., total 2220 fl. Mindestens die 1871 fl. sind meines Erachtens . 
zu den obigen 976 fl. der Rechnung Dietschis zuzuzählen, um einen etwekben , 
Überblick über die Kosten des Tores zu gewinnen. Bd. 306, S. 13-19. 1 


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• — 285 — 

in dem bestimmt worden, es « solle ein herr von Sant Gallen in dry 
jaren den nechsten an solich nüw thor kein wappen howen noch malen 
lassen *, waren vier Jahre verflossen. Jene Beschränkung aber mag 
Abt Otmar angeregt haben, sein Wappen in der kostbaren Umrahmung 
des « großen, wundervollen Reliefs » anzubringen. 1 

So war Karl Borromeo der erste, der nach der Vollendung der 
Torbaute diese am Tage benützte. In erster Linie im Rorschacher 
Vertrag zuerkannt, um dem Kloster des Nachts einen Zugang zu ge¬ 
währleisten, der von jeder Belästigung der Stadt ungehindert sei, 
war in der Erläuterung von 1569 bestimmt worden, daß der Abt das 
Tor Tag und Nacht nach seiner Gelegenheit auf- und zumachen könne. 
Aber das Kloster legte Wert darauf, von der andern Verfügung des 
Rorschacher Vertrages Gebrauch zu machen, die Stadttore tagsüber 
wie bisher zu benützen. Als im Juli 1569 die beiden Gemeinden Strau- 
benzell und Gaiserwald zur Waffenschau nach St. Fiden «durch die 
statt Sant Gallen ziechen sollen und müesSen *, hatten sich die Haupt¬ 
leute der Gemeinden bei dem Rate um den Durchzug beworben ; sie 
erhielten jedoch deswegen auf der fürstlichen Pfalz einen ernsten Ver¬ 
weis, da man die Stadt in Friedenszeiten hiefür zu begrüßen nicht 
verpflichtet sei. 2 

So erscheint es ausgeschlossen, daß Borromeo von Seite des 
Klosters auf das neue Tor aufmerksam gemacht wurde, das unmittelbar 
durch die Stadtmauer in den Klosterbezirk führte. Dem Wege, den 
der Kardinal von Lichtensteig nach St. Gallen einschlagen mußte, 
•war das Tor direkt entgegengesetzt. Dieser Weg führte zum Multertor. 
Auch erzählt Giussano in seiner Biographie Karls, daß die protestantische 
Bevölkerung den Kardinal auf seiner Schweizerreise sehr geehrt habe. 


1 S. die Abbildung des Tores bei Wymann, Kardinal Karl Borromeo, S. 61, die¬ 
jenige der Skulptur bei Schlotter, Das Stadtbild St. Gallens, in Die Stadt St. Gallen 
und ihre Umgebung, eine Heimatkunde, I, S. 356, und noch größer und schärfer 
als Titelbild bei Hardegger, a. a. O. Zu den Ausführungen vgl. Hardegger, S. 60, 
und Schiatter, S. 357. Trotzdem nach dem chronologischen Verlauf des Baues 
die Jahrzahl 1570 vollständig einwandfrei ist — Schiatter wie Hardegger haben 
Dietschis Rechnung von 1568 irrtümlicher Weise für die abschließende Bau¬ 
rechnung gehalten — möchte ich dennoch Hardeggers Bemerkung, « daß wir es 
nicht mit einem Werk aus einem Guß zu tun haben », beistimmen, aber so, daß 
doch wohl der ganze obere Teil, nicht bloß das schwere gotische Abdeckgesimse, 
eine andere künstlerische Handschrift aufweist als der mittlere Teil mit den schönen 
R en aissancefiguren Galls und Otmars. Sollte es sich nicht lohnen, daß das Relief 
von einem Kunsthistoriker stilistisch untersucht würde ? 

* Bd. 850, f. 56a. 


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286 


«ebnermaßen die uncatholischen bey Sanct Gallen ..... zumaln ab 
der heilige Carolus durch selbige stett wandlete, alles volk, mans und 
weibs personen zugeloffen, in sambt den seinigen im durchzihen zu 
besehen und zu ehren ». 1 Anstatt daß man Borromeo mit seinem 
Gefolge, um durch das neue, eben erst vollendete Tor in das Kloster 
zu gelangen, ohne die Stadt zu betreten, — auf ihrem Gebiete war 
man doch! — um die ganze Stadtmauer herumreiten läßt, kann 
vielleicht durch eine Kombination mit Stipplins Überlieferung vom 
Besuche des Frauenklösterleins St. Georgen eine bessere Lösung 
gefunden werden. Entweder ist Karl in St. Georgen eingekehrt, bevor 
er in das Kloster einzog ; die Erläuterung von 1569 bezeichnete genau 
den Weg, der vom neuen Tore aufwärts gegen das Müllertor führte 
und die Steinach überquerte. Oder aber der Kardinal hat, nachdem 
er auf dem gewöhnlichen Wege durch die Stadt in das Kloster ein¬ 
gezogen war, von da aus St. Georgen besucht. In diesem Falle hätte 
seine Bitte, das neue Tor zu öffnen, kaum eine Spitze gegen die prote¬ 
stantische Stadt bedeutet, wohl aber eine Mahnung an den Abt, sich 
von dem bemerkten Umgänge mit den städtischen Honoratioren, 
wo solcher nicht notwendig war, zurückzuhalten. Das würde auch 
mit der Bemerkung Borromeos in seiner Informatioo übereinstimmen. 

Irrtümlich ist die Meinung, das Tor habe unmittelbar nach dem 
Besuche Borromeos den Namen « Karlstor * erhalten. * Es hieß von 
Seite des Stiftes « das neue * oder « das Gotteshaus-Tor * *, von Seite 

1 In der wohl 1615 — das Titelblatt mangelt in beiden Exemplaren der Stifts-* 
bibliothek — von dem Arzte des königl. Stiftes Hall, Hippolit Guarinoni heraus¬ 
gegebenen Übersetzung Giussanos S. 185. Bei Rubeus-Oltrocchi, Sp. 206 mangelt 
zwar die Stelle ; allein der Hinweis Steffens, Einleitung a. a. O., S. 320. Anm. 3. 
auf Giussanos Autograph zeigt, daß Guarinoni diesem hier näher steht als Rubens. 

a So Näf, a. a. O., S. 240, nach dem es « die Benennung St. Karlsthor • von dem 
Abte Otmar erhalten hätte. Aber auch Hardegger, S. 59, und Schiatter, S. 357. 
scheinen dieser Meinung zu sein. Von Arx, S. 101, Anm. a) drückt den Werdegang 
des Namens viel vorsichtiger aus. 

s Bei der Fronleichnamsprozession 1572 war der erste Segen beim « nüwen 
brüderhuß », von dort ging man « biß zum nüwen thor.» Bd. 306, S. 237. In der 
Urfehde Klaus Heers von Rorschach vom 5. Mai 1572 heißt es: t das ich ver- 

schiner zit ofienlich geredt .das graf Hanibal zu der Höchen Emps selbs 

dritten durch das dorf Rorschach in sondersiechen klaider uf Sanct Gallen rti- 
gangen und daselbs zü Sanct Gallen zü des gottshus nüwen thor durch wolgenants 
mins gnedigen herren portner haimblicher wyß ingelassen worden. » Bd. 106;. 
S. 252. Zum 4. Februar 1575 wird im Gerichtsprotokoll Bd. 1065. f. 125 a bemerkt : 

" Hainrich Rosenberger ist in gfengknus uf die Pfaltz inzogen und damach luth 
des Vertrags zu Wyl im 66sten jar zü des gotzhus thor us durch der statt glicht 
gen Sant Fida gefüert worden. » 


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— 287 — 

der Stadt und auf den Stadtplänen « des Abts Tor ». Nicht nur der 
Chronik Metzlers, sondern auch noch Stipplin ist 1660 die Bezeichnung 
Karlstor unbekannt; selbst die 1681 niedergeschriebene Chronik 
Schenks braucht den Namen nicht. Doch war er damals in der Um¬ 
gangssprache des Klosters gebräuchlich. Denn die im gleichen Jahre 
anfgestellte Läuter-Ordnung für das Gotteshaus St. Gallen gibt als 
den Platz des zweiten Fronleichnams-Altares an «bey St. Carlins 
thor». 1 1689 schreibt P. Leodegar Bürgisser, der spätere Abt, an 
Cölestin I. in einem nur amtliche Geschäfte enthaltenden Briefe von 
der «minor portula ad S. Carolum bey der Haberdery ». 2 In die ge¬ 
schichtlichen Darstellungen des Stiftes ging die Bezeichnung über 
durch eine 1714 in der Exilszeit purgierte Äbte-Chronik Vadians, 
die bis auf Abt Bernhard II. fortgesetzt wurde. 3 Von Arx hat dem 
Namen «Karlstor» dann allgemeine Geltung verschafft. Aus der 
Darstellung der Metzler'schen Chronik über die Benützung des Tores 
nach der Heiligsprechung Karls entstanden und für den täglichen 
Umgang zugeschliffen ist die Bezeichnung « Karlstor * aus der « Volks¬ 
sprache > des Klosters in die Geschichtsschreibung zurückgewandert 
und durch sie zur heute allein gebräuchlichen geworden. 

2. Zur Wegroute der Schweizerrelse Borromeos. 

Über die Reiseroute Karls besteht nach den Aufklärungen, die 
erstmals Wymann gab 4 , sowie besonders nach den Ausführungen 
Steffens 6 keine Unsicherheit mehr. Gegenüber D’Alessandri • wird 
man mit Steffens, gestützt auf Forneros Zeugnis, für den Aufenthalt 
in Luzern zwei Tage, resp. Nächte, den 22. und 23. August, rechnen. 

1 Bd. 383, S. 56. 

* Bd. 320, S. 612. 

3 Bd. 199, II, S. 567: «Im jar 1570 kam der heilig Carle Cardinal gen 
St. Gallen ; damit er die statt nit betreten müß, wie er begehrt hat, ward ihm die 
newe porten oder thor, so noch nit vollenz ußgebawen was, geöffnet, und durch 
dieselbe in und ußgefüehrt, dannenher es noch heut by tag zue dessen angedenken 
St. Carlis thor den namen behalten hat. » Ich halte dafür, daß die Bemerkung, 
das Tor sei noch nicht vollendet gewesen, auf keiner ursprünglichen Quelle beruht, 
sondern aus Metzlers Bemerkung «licet ea nemo alius uteretur » kombiniert wurde. 

4 Wymann, Der heilige Karl Borromeo und die Schweiz. Eidgenossenschaft, 
Seite 19 f. 

* Reinhardt-Steffens, Einleitung, S. 317 ff. 

6 a. a. O., S. 156. 


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— 288 — 

Am 24., der als Tag des Apostels Bartholomäus ein Feiertag war, 
zelebrierte Borromeo die heilige Messe in der Hofkirche ; der Feiertag 
erklärt wohl auch die Austeilung der Kommunion, die Fornero aus¬ 
drücklich erwähnt. 

Gegenüber Fomeros Bericht hat Steffens, gestützt auf einen Brief 
des Abtes Heer vom 1. September, angenommen, Borromeo habe 
Einsiedeln auf dem Hinwege nach Hohenems besucht; ihm hat 
Wymann 1 rückhaltlos beigestimmt. Die Nachtquartiere der Reise 
wären darnach: 24. August Zug, 25. Einsiedeln, 26. Lichtensteig 
27. St. Gallen, 28. Rorschach, 29. Hohenems, 30. unbekannter Ort 
zwischen Hohenems und Schwyz, 31. Schwyz, 1. September Altdorf. 
Man kann sich fragen, ob in Zug und in Rorschach wirklich übernachtet 
wurde, da Einsiedeln wie Hohenems in einem Tage von Luzern, resp. 
von St. Gallen aus, erreichbar waren. Will man aber in ttberein- 
stimmung mit der Tradition die Erwähnung dieser Orte bei Fornero 
als Nachtquartiere auffassen, so ergibt sich für den Aufenthalt in Hohen- I 
ems kaum ein knapper Tag. j 

Hält man dagegen, am Berichte Fomeros fest *, daß Einsiedeb j 
auf dem Rückwege besucht wurde, so ergibt sich folgende Reiseroute. • 
resp. Nachtquartiere : 24. August Zug, 25. Lichtensteig, 26. St. Gallen ; 
27. Rorschach, 28. und 29. Hohenems, 30. Einsiedeln, 31. Schwyz, ; 
1. September Altdorf. Hält man die Wegstrecke Hohenems-Einsiedeln ; 
für zu groß für einen Tagesritt, so mag man nach einer Andeutung j 
im Briefe Karls an Abt Otmar 3 für den Abend des 29. August an Feld¬ 
kirch denken ; es bleibt dann noch für den Hohenemser Aufenthalt 
bedeutend mehr Zeit als nach der ersten Annahme. 

Was speziell den St. Galler Aufenthalt betrifft, so spricht die > 
Bemerkung Metzlers, der Kardinal habe sich einen ganzen Tag und j 
mehr im Kloster aufgehalten, sowie das Mitreiten Abt Otmars nach 
Rorschach 4 ausdrücklich für die Auffassung, Fornero habe mit dem 
Aufenthalte in dem zweiten Benediktinerkloster am Bodensee das 
Nachtquartier in Mariaberg bei Rorschach gemeint. Die Zuger Lokal¬ 
tradition 6 spricht ebenso dafür, daß Fomeros Bericht über Zug im 

1 Wymann, Kardinal Karl Borromeo in seinen Beziehungen zur alten Eid¬ 
genossenschaft, S. 227 und 229, Anm. 2. 

, 2 Bei D’ Alessandri, a. a. O., S. 157 f. 

8 S. Beilage VI. 

4 D’ Alessandri, S. 160. 

6 Schumacher, Kath. Schweizerblätter, 1885, S. 461. 


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— 289 — 

gleichen Sinne aufzufassen ist, wie seine Bemerkungen über Schwyz 
die sonst wenig glaubwürdige Schwyzer Überlieferung 1 stützt. Man 
möchte darnach versucht sein zu glauben, Fomero, der ausdrücklich 
; bemerkt, er habe auf dieser Reise als Dollmetscher gedient, gebe die 
.Nachtquartiere der Reise an, resp. jene Orte, wo nach seinen Notizen 
der Sitte der Zeit gemäß Trinkgelder auszuzahlen waren. 

Zum vornhinein wäre es auffällig, wie Fomero sich gerade beim 
Einsiedler Aufenthalt irrte. Sollte daher nicht eher versucht werden, 
ob der Brief Abt Heer’s nicht eine andere Deutung zulasse als Steffens 
ihm gegeben hat. 2 Der Brief ist vom 1. September datiert. Nichts 
hindert eventuell anzunehmen, das Pferd sei tags zuvor, da Borromeo 
von Einsiedeln nach Schwyz reiste, zurückgesandt worden und man 
habe daraus, vielleicht auch aus Äußerungen Borromeos, der von dem 
Gnadenbilde tief ergriffen war, geschlossen, er werde von Schwyz 
nochmals nach Einsiedeln zurückkehren. Es war ja keine Unmöglich¬ 
keit, in einem Tage von Einsiedeln bis Altdorf zu gelangen. Durch 
die Reiseroute Zug-Lichtensteig für den 25. August wird es auch einzig 
möglich, die überraschende Nachricht im Autograph Giussanos unter¬ 
zubringen, Borromeo habe auf seiner Reise Zürcher Gebiet durchquert 
und sei dort in einer Ortschaft offiziell mit der Weinspende beehrt 
worden. Steffens, der diese Nachricht richtig auf Wädenswil lokali¬ 
sierte 3 , hat sich selbst berichtigt, daß sie in die Reiseroute Zug-Ein- 
siedeln-Lichtensteig nicht paßt. 4 

Als Borromeo von Lichtensteig kommend schon frühzeitig am 
26. August in St. Gallen eintraf, wurde dort noch ein zweiter Gast 
mit Gefolge erwartet, Graf Heinrich von Fürstenberg, mit dem Abt 
Otmar sich soeben in der Badekur zu Fideris angefreundet hatte. 6 
Das läßt die Bemerkung Karls in seiner Information, Abt Otmar gebe 
beinahe alle seine Einnahmen für Gastereien aus, als aus eigener Be- 


1 Faßbind, Geschichte des Kantons Schwyz, IV, S. 408. 

* S. den Text bei Reinhardt-Steffens, Einleitung, S. 319, Anin. 2. 

* Ebenda, S. 320, Anm. 3. 

4 Ebenda, in den Nachträgen, S. 419. 

* « Jacob Lassmichnit» von Bcmhardzell bekennt ,« alsdann uf sambstag 
den sechsundzwaintzigisten tag des monats Augusti (1570) .... der wolgeborn 
herr graf Hainrich von Fürstenberg uß dem bad Fideris reisende hochgedachten 
minen gnedigen fürsten ... in iro gotzhus Sanct Gallen fründlicher wiß haim- 
gesucht », habe er am Abend dem Marchstaller, als er die Pferde versehen, einen 
Dolch mit silberner Scheide « uß dem stall in der Fryhait entwert.» Bd. 1067, 
Seite 241. 

REVUE D'lUSrOIRE ECCI.fcSIASTlyUE 19 


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290 


obachtung stammend erscheinen, wie es auch möglich ist, daß d:r 
Besuch Fürstenbergs den Abt veranlaßte, Honorationspersonen d-.r 
Stadt in das Kloster einzuladen. 

3. Das Datum der Reformatio monasterii Abt Otmars. 

In seinen Ausführungen über die Reform im Kloster St. Gallen 
erwähnt von Arx, Abt Otmar habe sich im Jahre 1573 mit dem Kapitn 
einverstanden erklärt, eine völlige Lebensverbesserung vorzunehmir„ 
wozu er als Beleg die Reformatio monasterii Sancti Galli 1573 zitiert. 1 
Ziegler hat diesen Hinweis übernommen und führt den Inhalt d-s 
Dekrets in längerer Darstellung an. 2 Auf das gegebene Datum ver¬ 
trauend, machte Mayer darauf aufmerksam, wie Borromeo bei Ab' 
Otmar sowohl schriftlich als mündlich seinen Einfluß ausübte, dam:: 
die Beschlüsse des Tridentinums im Stifte durchgeführt würden 
«Deshalb *, fügte er bei, « verfaßte Otmar im Jahre 1573 Konstitu¬ 
tionen für den Konvent. » 3 In der Tat ! Wenn das Datum richtig is:. 
haben wir in der Reformatio monasterii Abt Otmars eine deutlich- 
und greifbare Wirkung des Besuches und der Vorstellungen Karl 
Borromeos vor uns. Ja, wir könnten uns direkt fragen, ob nicht d-r 
Brief Borromeos vom 7. März 1573 4 , dessen konfessionellen Forde¬ 
rungen nachzukommen Otmar durch die Politik Luzerns verwehrt 
wurde, wenigstens für die Reform wirksam war, und ob das Schreiber, 
vom 23. Juni gleichen Jahres, in dem der Kardinal den als Visitator 
seiner Ordensklöster nach Deutschland reisenden Franziskaner Johann 
Hieronymus Curtius dem Abte empfahl 5 , den letzten Anstoß zur Ab¬ 
fassung der Konstitutionen gegeben habe. 

Von Arx wie Ziegler haben den Klosterdruck der Reformatio 

benützt. 9 Dieser verzcigt unter dem Titel als Datum die Worte: 
• 

1 Von Arx, III, S. 114. 

2 a. a. O., S. 60-66. 

3 Mayer , a. a. O., II, S. 156. 

4 S. Beilage VIII. 

5 S. Beilage IX. Der Name ist im gleichdatierten Empfehlungsschreiben 
Borroincos an Luzern, bei Licbcnau, a. a. O., S. 68, genannt. 

• Der Tomus ccclesiasticus des Zitats bei von Arx ist Bd. I des Stiftsarchivs 
mit dem Titel Status ecclcsiasticus et monasticus, wo sich S. 537-552 die Refor¬ 
matio als Klosterdruck vorfindet. Ziegler benützte nach seinem Zitat S. 66 offenbar 
das Druckcxcmplar der Rubr. 13, Fasz. 17. 


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291 


Anno Christi 1573. In dem Sammelband 369 des Stiftsarchivs, der 
frühestens Ende 1621 zusammengebunden werden konnte, findet sich 
auf fol. 179-211 die Reformatio geschrieben vor. Hier steht jedoch 
nach dem sonst mit dem Drucke gleichlautenden Titel kein Datum¬ 
vermerk, wohl aber am Schlüsse f. 211a die Bemerkung : « Florinus 
raptim et per otium collegit et scripsit *, die im Klosterdruck mangelt. 
Das ist natürlich Florin Flerch. Nicht bloß das «scripsit *, sondern 
auch der Vergleich mit Notariatsurkunden Flerchs 1 ergibt, daß wir 
es hier mit seiner eigenen Niederschrift zu tun haben ; die Abfassung 
und Zusammenstellung der Konstitutionen nimmt er selbst für sich 
in Anspruch. 

Im Konzept seiner Chronik in Band 181 schreibt Metzler von 
Otmar: «Disciplinam monasticam coluit, unde et statutorem eius 
copiae, quas ex Constantiensi synodo reversus fratribus observandas 
dedit, hodie supersunt. » 2 Offenbar meint Metzler damit die « Refor¬ 
matio *, deren Abfassung er unmittelbar nach der Konstanzer Diözesan- 
synode vom September 1567 ansetzt. Dieses direkte Zeugnis wird ge¬ 
stützt durch Textstellen der Reformatio. In der Einleitung wird Bezug 
genommen auf den von der Stadt ausgeführten Klostersturm und 
bemerkt, das sei vor ungefähr 40 Jahren geschehen. Auch wird die, 
das Kloster von der Stadt trennende Mauer zwar als vollendet be¬ 
zeichnet, aber mit solchen Worten, daß man den Eindruck erhält, es 
werde von einer soeben erst geschehenen Tatsache gesprochen. 3 Da die 
Mauer im Jahre 1567 aufgeführt wurde 4 , entspricht eine Datierung 
der Reformatio etwa auf 1568 den ungefähr 40 Jahren seit dem Kloster¬ 
sturm vom 23. Februar 1529 gewiß besser, als wenn sie mit dem Kloster- 

1 Beispielsweise das Elektionsinstrumcnt für Abt Otmar, Urkunde A2-L1, 
und das Kreditiv für Lussy, ebenda L2. 

1 Die im Texte gegebene Fassung ist aus folgender von Metzler korrigiert 
worden : « Disciplinam monasticam haud quaquam segniter coluit ; exstant statu- 
torum eius copiae, quas ex Constantiensi synodo reversus fratribus observandas 
dedit. Stiftsbibi., Msc. 1408 wie die endgültige Reinschrift hat nur : « Disciplinam 
monasticam coluit. ■> 

3 « Irruptioncm, devastationem et omnimodam intemitionem huius nostri 
monastcrii per incolas huius oppidi ab annis plus minus quadraginta cis citraque 
non semcl tentatam silentio praeterire satius existimamus, quam de lis pauca 
dicerc. Et quoniam alio medio, quam ut ab iis, qui et animo et mente a nobis 
dissident, secernamur, nostris rebus vix consultum fore perspeximus, habitadesuper 
inter nos nostrumque conventum deliberatione matura, muro hoc valido et ele- 
Ranti septa nostri monastcrii ab oppido adiacente seclusimus et scpcraviinus. » 
Bd. I, S. 539. Ich zitiere der Einfachheit halber den Klosterdruck. 

4 Näf, a, a. O., S. 240, und darnach Hardcggcr, S. 58 f. 


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292 


druck in das Jahr 1573 verlegt würde. Auch daß das Konzil von Trien: 
als * neulich geschehen * Erwähnung findet *, kann nicht für 1573 
sprechen. 

Wohl existiert ein st. gallisches Zeugnis, das entgegen Metzle: 
das Datum auf 1573 ansetzt. Stipplin schreibt nämlich in den ober 
erwähnten Notizen zu Abt Bernhard II. vom Jahr 1573 : « Ex s. Carol: 
Borromaei utique hortatu nobilem Othmarus noster abbas hoc anno 
molitur reformationem illam tarn in capite quam in membris, uti 
habetur in actis. »* Das kann nach der Wortstellung nur den Sinn 
haben, die Reformatio sei bei den Akten, aber nicht, ihre Datierung 
sei aus den Akten zu ersehen. Es läßt sich auch nachweisen, wie Stipplin. 
der außerordentlich fleißig historische Nachrichten sammelte, aber 
der den kritischen Sinn Metzlers nicht erreichte, die Datierung 1573 
kombinierte. 

In der Darstellung Metzlers über den Besuch Borromeos in 
St. Gallen fehlt jeder Hinweis, daß dabei über die Klosterreform ver¬ 
handelt worden sei. Es bestand demnach in St. Gallen keine Tradition 
darüber. Stipplin ist an der oben vermerkten Stelle der erste, der 
davon spricht. Er hat es zweifellos aus Giussano kombiniert, dessen 
zitierte deutsche Übersetzung die Reformtätigkeit Borromeos auf der 
Schweizerreise noch weiter als Rubeus ausführt und ausdrücklich 
St. Gallen als vom Heiligen besucht erwähnt. 1573 hat nach Stipplin 
Abt Bernhard, zu dessen Verherrlichung er die Notizen sammelte, 
erstmals in St. Gallen um die Aufnahme ins Kloster angefragt, um irr. 
folgenden Jahre dann wirklich einzutreten. Hiezu gibt Stipplin der. 
Wortlaut des Schreibens Abt Andreas von Ochsenhausen, der Heimat 
Bernhards, vom 15. Oktober 1574 wieder, mit dem nach St. Galler, 
über die « articul, deren ein noviz in derselben gotzhaus qualifizier: 
sein mueß», geantwortet worden war. Stipplin fügt dem Briefe 
kommentierend bei, man möge aus ihm ersehen « i°. Quanta hoc aevo 
in monasterio nostro S. Galli viguerit disciplina. 2 0 . Quam accuratr 
articuli pro suscipiendis novitiis olim a maioribus nostris decreti. 
servandi et servati sint », als Beispiel, wie er meint, für uns, «ne tarn 
facile in patrum nostrorum statuta dispensationem aliquam illabi 
permittamus. » 3 Was lag bei diesem Hinweis auf die Konstitutionen 

1 «Praesertim vero decreta sacri concilii Tridentini novissime celebrat; 
volumus per nostros conventuales omnino observari. » Bd. I, S. 540. 

2 Bd. 194, S. 16. 

8 Ebenda, S. 25 ff. 


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293 


Otmars und der Kombination, Borromeo habe die Reform erwirkt, 
für Stipplin näher, als das undatierte Aktenstück der Reformatio 
auf 1573 zu datieren ? Gibt er doch zu 1571 und 1572 keinerlei Kloster¬ 
nachrichten, wohl aber fügt er zu 1573, dem ersten Jahre, in dem 
irgend ein Berührungspunkt Bernhards mit dem Kloster aufzuweisen 
war, den Katalog der Konventualen bei, die « vivebant hac tempestate 
in St. Galli monasterio viri spectabiles et venerabiles. * 

Stipplin, von dem nachzuweisen ist, daß er viele Archivalien 
in der Klosteroffizin drucken ließ, ist es zweifellos auch gewesen, der 
den Druck der Reformatio besorgte und ihr dort das Datum 1573 
beifügte. Das «Annus Christi * kehrt in seinen Notizen über Abt 
Bernhard in den Überschriften oftmals wieder. Bei der Abschrift für 
den Druck sind die geringen Verschiedenheiten entstanden, die dieser 
gegenüber der Niederschrift Flerchs aufweist. 1 Schenk hat die Refor¬ 
matio nach dem Wortlaute des Druckes vollständig seiner Chronik 
einverleibt 2 , nur eines hat er nicht mit dem Drucke gemeinsam : 
er gibt der Reformatio kein Datum. Auch Schenk, der seine Darstel- , 
lung möglichst aus den Quellen aufzubauen sucht, hat die Datierung 
1573 nicht für vollwertig genommen, wie er ebenfalls an Stipplins 
Bemerkung, die Reformatio mit Borromeo in Verbindung zu bringen, 
stülschweigend vorüber gegangen ist. 

Das alles darf uns bestimmen, an der ältesten Nachricht über 
die Reformatio, sie sei im Anschlüsse an die Konstanzer Diözesansynode 
entstanden, festzuhalten. Wie früher erwähnt, hatte Otmar, vereint 
mit dem Einsiedler Abte Joachim Eichhorn, dort erklären lassen, 
sie seien bereits über die Inkraftsetzung der tridentinischcn Beschlüsse, 


1 In der Anrede « ob oculos tibi ponito miserabilem illum Lazarum » statt 
des unrichtigen « posito » Flerchs ; « reduc ad memoriam pauperem illum Christum > 
statt « miserum illum Christum ». Am Rande gibt der Druck Verweise für die 
wörtlichen Bibelzitate, während Flerch diese Randbemerkungen meistens nur 
für die Anspielungen auf Bibeltexte hat. Auch gebraucht der Druck häufiger 

Alineas.-Mir schienen zuerst im Zusammenhang mit den statutorum copiae 

Metzlers, diese Verschiedenheiten auf einen Text B zu deuten. Allein der Relativ¬ 
satz, der an copiae und nicht an statuta anknüpft, zeigt doch wohl, daß der Plural 
nicht zu stark zu pressen ist. Für den Gang der Beweisführung ist es belanglos, 
da die Übereinstimmung des Textes bei Schenk mit dem Drucke, ohne daß er die 
Datierung annahm, dann höchstens zu deuten wäre, daß auch dieser Text B 
keinerlei Datierung bot. 

* Stiftsbibi., Msc. 1240, S. 543-576. In der in Band 188 des Stiftsarchivs 
vorhandenen Kopie Schenks aus dem XVIII. Jahrhundert heißt es S. 314 anstatt 
der Wiedergabe : « habetur impressa. » 


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— 294 — 

besonders über strengere Klausur und andere Fragen klösterlicher 
Disziplin übereingekommen. Das sei auch, wurde beigefügt, « zum Teil» 
schon ausgeführt. Flerch war es gewesen, der namens der Prälaten 
diese Erklärung abgab. 1 Man geht daher mit der Annahme kaum zu 
weit, die Reformatio sei für St. Gallen der schriftliche Niederschlag 
jener Beratung der beiden Äbte und die Inswerksetzung des an der 
Synode implicite abgelegten Versprechens. Das stimmte mit der 
kurzen Formulierung Metzlers überein, Otmar habe die Statuten den 
Kapitularen zur Beobachtung vorgeschrieben, als er von der Synode 
heimgekehrt sei. 

Damit scheidet die Reformatio Abt Otmars aus dem Rahmen 
der vorliegenden Studie aus. Für die Darstellung der Reform in Sankt 
Gallen aber behält sie umso großem Wert, als sie darnach ohne Ein¬ 
wirkung von außen entstanden ist. Dabei werden die sich aufdrängen 
den Fragen, ob sie von Flerch auftragsgemäß verfaßt oder sein spon¬ 
tanes Werk sei, ob sie überhaupt zur Annahme und Durchführung 
gelangte, zu beantworten sein ; auch wird dann das Verhältnis zu 
bestimmen sein zu einem erhalten gebliebenen kurzen Entwurf, der 
in Urkundsform gekleidet den Namen Abt Otmars aufweist, sonst 
aber ebenfalls undatiert ist und Statuten enthält über Schüler- und 
Novizenaufnahme und über die dem Armutsgelübde entgegenstehender, 
testamentarischen Verfügungen der Kapitularen. 2 

4. Notizen über die Verehrung des heiligen Karl Borromeo 

ln St. Gallen. 

Es kann sich hier nicht um eine zusammenhängende Darstellung 
der Karlsverehrung in St. Gallen handeln. Dazu reichen die Notizen 
nicht aus. Auch wird von einem eigentlichen Kulte des Heiligen 
kaum gesprochen werden können. Doch mögen die Notizen so viel 
zeigen, daß der große heilige Protektor der Eidgenossenschaft in der 
Ostschweiz ebensowenig vergessen war wie in den innem Kantonen 

Unmittelbar vor der Heiligsprechung gab Abt Bernhard II. seinem 
Kapitularen P. Theodor von Jeukeren, den er verschiedener Geschäfte 

1 Constitutioncs et deercta synodalia ; acta svnodi f. 261b. S. dazu Reinhard' 
Steffens, a. a. O., S. 139. 

* Bd. 306, S. 431 f. 


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295 


wegen nach Ita’ien gesandt hatte, den Auftrag, sich in Mailand um 
Karlsreliquien für das Stift St. Gallen zu bemühen. 1 Jeukeren tat 
dies mit Erfolg. Noch sind drei Authentik-Kopien über Karlsreliquien 
vorhanden, die 1610 auf die Bemühungen Jeukerens hin an St. Gallen 
abgegeben wurden. Die erste betrifft ein Stückchen Wolle vom Bette, 
auf dem Karl starb *, die zweite einen Teil einer Tunika des Heiligen 3 , 
die dritte endlich als spezielles Geschenk Friedrichs, des Neffen Borro¬ 
meos und seines Nachfolgers auf dem erzbischöflichen Stuhle, eine 
Meßbuch-Decke, deren sich der Heilige bedient hatte. 4 Jeukeren hatte 
von Mailand noch andere Reliquien erhalten, die in Mailand selbst 
in ein silbernes Reliquiar gefaßt worden waren. Im Fuße desselben 
wurden von den bezeichneten Reliquien die zwei ersten untergebracht; 
außerdem aber verzeigt das 1693 aufgenommene Verzeichnis als dort 
befindlich ein Kelchvelum mit au'gehefteter Burse, dessen sich Borro¬ 
meo bedient habe, und ein Stückchen einer Dalmatik, welch letzteres 
laut beigegebener Authentik 1621 durch den Rektor des Helvetischen 
Kollegs an das Stift gelangte. 6 Abt Gallus II. ließ 1662 zu diesem 
Reliquiar ein völlig gleiches anfertigen ; in diesem wurden ebenfalls 
im Fuße verschiedene Karlsreliquien eingesetzt, so zunächst die Me߬ 
buchdecke und einige geringe Überreste von Kleidern, deren sich Karl 
bei seinen Visitationen bediente und die 1610, ohne Authentik, durch 
Jakob Castoldi nach St. Gallen gekommen waren. Beigefügt wurden 
verschiedene kleine Stücke von Gewändern, die bei der Erhebung der 
Gebeine des Heiligen aus seinem Grabe verschenkt worden waren 
und die mindestens aus dritter Hand nun nach St. Gallen gelangten. 8 

Von den bei Wymann noch abgebildeten Karlsreliquien in St. Gallen 


1 Bd. 732, Nr. 398. Brief P. Theodors an den stift-st. gallischen Agenten 
in Rom, Dr. Alphons Pico, Mailand, 26. August 1609. S. Wymann, Kardinal 
Karl Borromeo, S. 232, Anm. 2. 

1 « .... partem lanae extractae e strato seu lecto, super quo beatus illc 
Carolus .... ab hac vita decessit.» Stiftsbibi., Msc. 1718a, S. 422. 

* « .... partem manicae ipsius vcstis Zambelloti rubei coloris », Ebenda, 

S. 426.particulae duae, de manica s. tunica S. Caroli Borromaei, cx 

Cambelotto uti apparet, rubei una, altera violacei coloris. Habent instrumentum 
folio 425. » Ebenda, S. 139. 

* «_missalis integumentum ex damascena albo, notis aureis intertextum 

fimbreisque aureis omatum, quo beatus Carolus ..... cum sacrosanctae missae 
divina mysteria celebraret, olim utebatur. » Ebenda, S. 427. 

* Ebenda, S. 139 f. Das Kelchvelum mit der Meßpultdecke (!) s. abgcbildet 
bei Wymann, a. a. O., S. 231. 

* Ebenda, S. 145 f. 


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ist der hölzerne Leuchter erstmals in dem Kircheninventar von 160: 

* 

erwähnt. 1 Dagegen findet sich bereits im frühesten erhaltenen Inven- 
tare, jenem von 1665, vor der « über epistolarum S. Caroli Borromaei». '■ 
Dieser umfaßt die vier in den Beilagen wiedergegebenen und im Texte 
verwendeten Briefe Karls an den Abt und dazu einen Brief Borromec* 
an Pietro Galesino, datiert Galarate, 20. Juni 1570. 3 Der Brief enthält 
nichts auf St. Gallen bezügliches ; man wird annehmen dürfen, er sei 
als Karlsreliquie, wie die übrigen, von Mailand an das Stift gekommen. 
Das Inventar von 1739 führt auf: annulus pontificalis 1 et 1 S. Caroli 
Borromaei; worauf sich diese Notiz bezieht, ist nicht ersichtlich. 1 
Es erwähnt auch «des Kardinals Coelestini 2 rothe birret und ein 
käple *, woraus hervorgeht, daß das früher als Birret Karl Borromeos 
gezeigte nur das zweite Birret Sfondratis ist. 

Von Rom aus schrieb P. Jodok Metzler seinem Mitkonventuil 
P. Magnus Brüllisauer : « Sanctum Carolum Borromaeum canonizatum 
I. Novembris audiveritis ; inspexi ego ex propinquo omnia, quae erant 
excessive stupenda. » 8 Die Bemerkung Metzlers in seiner Chronik, 
er sei Zuschauer der Kanonisation gewesen, erhält damit ihre Be¬ 
stätigung. Wie sehr man sich seit Einleitung des Kanonisationspro- 
zesses mit Borromeo beschäftigte, zeigt die Notiz im Rechnungsbuch'' 
Abt Bernhards, Metzler habe schon 1604 von seinem Aufenthalt in 
Rom Bilder Karls mitgebracht. • Als man sich in St. Gallen nach 
Hilfsmitteln umsah, um der unerklärlichen Krankheit zu begegnen, 
die im Kloster St. Johann alle Bewohner ergriff und vielen Kapitulant 
frühzeitig den Tod brachte, ergab es sich von selbst, daß man zur 
Verehrung Karls die Zuflucht nahm. Die Konferenz aller in St. Gallen 
anwesenden Patres beschloß am 25. Januar 1624, es solle der Karlstag 


1 Stiftsbibi., Msc. 1722, II.. f. 196. 

2 Ebenda, f. 10a. 

3 S. Beilage V. Galesino war von Borromeo aus Rom nach Mailand gezogen 
worden. Unter dem Vorsitze Karls war er Mitglied der Kommission gewesen, 
die den Catechismus Romanus hcrausgab. Er veranstaltete auch 1582 die erste 
Druckausgabc der Mailänder Provinzialkonzilien ; speziell aber war er der Ver¬ 
trauensmann Karls in Sachen des Ambrosianischen Ritus. Ich verdanke die* 
Notizen ül>er Galesino der Güte Herrn Staatsarchivars Dt. Wymann. 

4 Stiftsbibi., Msc. 1722, II., f. 162fr. 

5 Metzler an Brüllisauer in Dillingen, Rom, 16. Dezember 1610. St-.A.. 
Bd. 310, S. 455. 

4 «* Umb etlichen Sachen, so frater Jodocus zu Rom kauft, als ist 
S. Caeciliac, beati Borromaei. summi pontificis, Baronii und andere mehr Sachen, 
thut in Universum 54 fl. 6 bz. 14 ® Bd. 879, S. 215. 


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- 297 - 

von diesem Jahre an als festum duplex gefeiert, in diesem Jahre auch 
am Vortage gefastet, in St. Johann aber dem Heiligen ein Gedenkzeichen 
errichtet werden. 1 Das ist auch trotz des Brandes von 1626 und der 
Verlegung des Klosters nach Neu-St. Johann geschehen ; noch am 6. De¬ 
zember 1751 verleiht Papst Benedikt XIV. den Besuchern der capella 
publica S. Caroli Borromaei monasterii vallis Thurae am Feste des 
Heiligen einen vollkommenen Ablaß. 2 Das Andenken an die Route 
der Schweizerreise Borromdos hielt im Gebiete der Fürstabtei fest 
ein dem Heiligen geweihter Altar in der 1621 erbauten Klosterkirche 
zu Wattwil 3 und eine an der ehemaligen Pfarrkirche von Lichtensteig 
angebaute Kapelle. 4 


BEILAGEN. 


I. 

Prägen des Inforaiatlonsprozesses für Abt Otmar. 

Vor 10. Mal 1565. 

Pro reverendo et religioso Othmaro Cüntz, electo in abbatem. 

Instructio circa processum in partibus super qualitatibus et idoneitate 
in abbatem monasterii sancti Galli ordinis sancti Benedicti Constantiensis 
dioecesis electi et aliis infradicendis formandum. 

Examinandi sunt testes catholici viri et omni exceptione maiores 
non ab electo inducendi* qui interrogandi sunt ut supra : 

1. Primo si cognoscunt electum et a quanto tempore circa. 

2. Secundo cuius etatis est ipse electus. 

3. Tertio si est legitimus et de legitimo matrimonio natus. 

4. Quarto si est presbiter et a quanto tempore circa. 

5. Quinto si est professus ordinem sancti Benedicti et in quo mona- 
sterio et a quanto tempore circa. 

6. Sexto si est religiöse vite et si est catholicus, et super hoc cum 
omni diligentia testes interrogentur. 

1 Bd. 366, S. 53. 

* Stiftsbibi., Msc. 1722, IV, f. 53*7. Die Kapelle mangelt bei Nüscheler. 

3 «ad SS. Bonaventurac et Caroli Borromaei sacram aram. 0 Bd. 182, 

S. 688. 

4 Nüscheler, Die Gotteshäuser der Schweiz, II, S. 201. 


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— 298 — 

7- Septimo in qua scientia est eniditus. 

8. Octavo si est habilis et idoneus ad regimen dicti monasterii. 

Et super his omnibus et qualibet re testis reddat causam scientie. 

Deinde est ostendendum testi instruraentum electionis de persona dicti 
electi facte et interrogandus quilibet testis ut infra : 

9. Si monachi, qui interfuerunt electioni, faciunt maiorem et saniorem 
partem conventus dicti monasterii. 

10. Si aliqui monachi contradixerunt, et causam contradictionis 
si sciunt, dicant. 

11. Si in electione intervenit fraus, simonie labes aut aliqua illiata 
pactio. 

Postremo super statu ecclesie et monasterii testes interrogennir 
videlicet dicunt 

12. primo, in quo loco et in qua provincia est situm monasterium et 

13. si ibi abbas habet jurisdictionem vel curam animarum ; 

14. ecclesia ipsius monasterii sub qua invocatione ; 

15. quot monachi in eodem monasterio degunt; 

16. si monasterium habet claustrum, refectorium et alia necessaria; 

17. si habet jurisdictionem in aliquibus locis ; 

18. fructus mense abbatialis si sunt separati a conventuali mensa 
aut in simul incorporati et ad quem valorem ascendunt. 

Advertendum, quod testes sunt examinandi coram reverendissuno 
domino episcopo, cui hoc negotium comittitur. 

His peractis debet electus fidei professionem juxta formam, que trans 
mittitur, in manibus ipsius domini episcopi coram notario publico et testibus 
facere. 

Debet huiusmodi processus clausus ad sanctissimum dominum nostrum 
vel illustrissimum et reverendissimum dominum cardinalem Borromeuni 
transmitti. 

Stiftsarchiv St. Gallen. Urk. A2-L1. Papieroriginal. 


II. 

Luzern und Schwyz an Pius IV. — Luzern, 21. Mal 1565. 

Dem allerhailigisten in gott vater und herrn, herm Pio, der allgemainen 
christenhait papst, dess namens dem vierten, unserm allergnedigsten 
herrn, schribend euer hailigkait underthenigste gehorsame Schultheiß, 
landaman und räth baider orten löblicher Eidgnoschaft alter religion 
Lucern und Schwyz. 

Allerhailigister in gott vater, aller gnedigster herr. Üwer hailigkait 
syen unser aller underthenigste dienst schuldiger christenlicher gehorsame 
berait zuvor. Allerhailigster herr und vater 1 Es hat uns diser tagen unser 
lieber herr Othmarus Cünz von Wyl im Thurgöw als der nüw erwelt abt 


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299 


des würdigen uralten gottshus Sanct Gallen (welches euer hailigkait und 
dem apostolischen stül ze Rom on alles mittel underworfen), unser von 
bürg- und landrechts wegen lieber getrüwer buntsgnoß, verstendigt: Dem¬ 
nach er vermög der canonum ünd uswysung der regel sanct Benedicts 
von dechan und gemainem convent gerüerts gottshus lut bihabender Privi¬ 
legien zu regierendem herren erwelt und sich gegen euer hailigkait vertröst, 
sy sollte in (besonder diser betrübten widerwertigen zyt) nach altem ge- 
wonlichem bruch bestätigt haben, sye doch er durch herrn Melchior Lussi, 
ntter, unser und unserer lieben alten eidgnossen von Uri, Underwalden 
und Zug zu euer hailigkait gesanten, bericht, das euer hailigkait dem vicari 
zu Costanz durch ain verschlossen breve gnedigst bevolchen, ine vor der 
confirmation uf etlich fragstuck zu examinieren ; und nebend dem in der 
confirmation copy gesechen, das etlich pfarren, so von ee zyten har dem 
gottshus durch gnedigste Privilegien und confirmationen euer hailigkait 
vorfaren zugehörig, durchgestrichen, darus er etwas zwyfels empfangen, 
ob das us unwissenhait oder darumb beschechen sein möcht, das dieselben 
pfarren dem gottshus sollten entzogen werden ; welche zwen articul (als 
die dem gottshus zu merklichem und unwiderbringlichem nachtail gereichen) 
ine höchlich bekrenkind, erstlich der examination halb darumb, das ee 
er zu priesterlicher würde körnen, über den mereren und fümembsten 
tail der fragstucken schon examiniert und zu priesterlichem ambt und 
seelsorg durch den vicari zu Costanz gelassen, vermög hiebi ligenden be- 
sigleten titels, für das ander, das das gottshus Sanct Gallen die pfarren, 
in den alten confirmationen begriffen, lange zyt on jemands widerred 
ingehebt, genuzet und besessen und hinfür one dieselben sich kains wegs, 
weder in gaistlichem noch zytlichem stand und wesen enthalten möchte, 
— uns derhalben als des gottshus recht schütz- und Schirmherren mit 
höchstem flys erbetten, ime, sinem dechan und convent harin unserm 
besten vermögen nach hilflichen und rätlichen bistand zu thun. Diewyl 
nun, allerhailigister herr und vater, wir uns, was wir dem gottshus Sanct 
Gallen vermög .brief und sigel, so zwüschen uns und dem gottshus uf- 
gericht, zuthun schuldig, erinnern mögen, uns ouch wol zewüssen, das 
das gottshus Sanct Gallen lut habender apostolischer confirmationbullen 
jez lange zyt die pfarren, in den alten confirmationen benamset, rüewiglich 
und on alles widersprechen genuzet und brucht, und er dieselben mit 
tougenlichen priestern stattlich versechen lassen, ouch der abt von eelichem 
stamme unser Eidgnoschaft erboren, von jugend uf in dem allain hailigen, 
waren, alten christenlichen glouben erzogen, dabi beharrlich bliben, in 
dem hailigen orden sancti Benedicti bis in zwaiundzwainzig jar erhalten 
und vermög angerüerts titels vierzechen jar priester gewesen, ouch ainem 
ansechenlichen weltlichen ambt des gottshus im dryzechenden jar vor¬ 
gestanden, dasselbig erlich und wol versechen, dannenher one zwyfel 
dechan und gemainer convent billich geursacht, ine mit ordenlicher wal 
nach form rechtens und alter gewonhait zu ainem herren und abt ze erwelen, 
wir ouch als schütz- und Schirmherren ime mit beeidigung der underthonen 
trüwen bistand gelaistet, ouch bürg- und landrecht mit im emüwert, 
das wir kains wegs gethon hetten, wo uns ainicher mangel zewissen gsin, 


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300 


und er also zu der äptlichen dignitet ordenlich und on allen trug durch 
dechan und convent erwöllet, — so ist an euer hailigkait unser ganz under- 
thenigst diemüetigst bitt, sy welle in ansechung vorangeregter Ursachen 
und besonder jez schwebender schwären unglückhaften zyt, das ouch 
(wo sich der confirmation halb ainiger ufzug ersechen ließ) unsern Wider¬ 
sachern damit zum höchsten gedienet were, beherzigen und ufs beldist 
so müglich begerte confirmation nach form und uswysung, wie solichs 
euer hailigkait vorfaren ouch gethon, dem abt gnedigst zuschicken, damit 
solch löblich uralt gottshus bi sinen alten wolhergebrachten Privilegien, 
brief und siglen bliben möge und wir solicher euer päpstlicher hailigkait 
gnedigister willfarung unsere schütz und schirms halb gegen dem gottshus 
erfröwet werden, erbüt sich der abt sambt sinem convent gegen euer päpst¬ 
lichen hailigkait allerunderthenigisten gehorsame und gebürlicher pflicht, 
und sind wirs gegen euer päpstlicher hailigkait, wie wir uns desse schuldig 
erkennen, in underthenigister gehorsame zeverdienen ganz wol genaigt, 
dieselbig hiemit in den schirm der hailigen dryfaltigkait zu lang werender 
regierung trüwhch bevelchend. Datum zu Lucent under unser schulthessen 
und rats daselbs insigel, in namen baider orten verwart, uf den 21. Mayen 
anno 1565. 

Stifts-Archiv St. Gallen. Urk. A2-L2. Entwurf. 


III. 

Karl Borromeo an Abt Otmar von St. Gallen. 

Rom, 9. Juni 1565. 

Admodum reverende pater. Expeditio abbatiae, ad quam dominabo 

tua reverenda electa est, ex decretis sacri Tridentini concilii fidei pro- 

• 

fessionem ac nonnulla alia requirit, quae te non ignorare arbitror. Neque 
quisquam post concilium a sanctissimo domino nostro confirmatum elatus 
est ad ullum ecclesiasticum et cathedralem honorem, de quo haec inqui- 
sitio facta non sit; et omnino illa ratio et ordo, de qua scriptum est ad 
reverendum vicarium Constantiensem, ab omnibus adhibetur et ita neces- 
saria est, ut sine ea nihil in sacro consistorio de expeditione agi, nihil 
confici possit. Quod autem id negotium datum sit reverendo vicario Con- 
stantiensi, ea in re commoditati dominationis tuae reverendae consultum 
est, quod propinquior et vicinior is esset. Quod si tibi apud alium fortasse 
episcopum decretum hoc sacri concilii a sanctissimo domino nostro compro- 
batum et ab omnibus adhuc servatum exequi placet, tui erit arbitrii apud 
Basiliensem aut Comensem vel alium catholicum episcopum sive eius 
vicarium fungi decoro hoc et necessario officio professionis fidei et aliarum 
rerum, quae ex meis literis cognoscere potuisti. Sanctitas enim sua non per 
quem, sed quod re ipsa haec professio et inquisitio fiat requirit nec propterea 
quod de tuae fidei integritate dubitet, sed tantummodo ne Tridentini 


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concilii decretis (quod hucusque factum non fuit) in aliquo derogari patiatur. 
Vale in domino meque tui studiosissimum confide. Romae IX. Junii 1565. 

U ti frater 

C. cardinalis Borromeus. 

Admodum reverendo patri uti fratri domino electo abbati Sancti Galli. 

Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original mit Siegel. 
Registraturvermerk : Nr. 15. 


IV. 

VII katholische Orte an Plus IV. Baden, 9. Juli 1565. 

♦ 

Allerhailigster in gott vater, allergnedigster herr.Als wir uf 

disem tag der jarrechnung zu Baden in Ergöw uß bevelch und vollen 
gewalt unser aller herren und obern versambt erschinen, haben wir von 
unsere gnedigen herren und puntsgnosen, des nüw erwelten abts zu Sanct 
Gallen botschaft bericht empfangen, als unser gnedig herrn und obern 
von den zweien orten Lucern und Schwyz als Schirmherren des gottshus 
Sanct Gallen nechst vergangnen monats Mei des ein und zweinzigisten tags 
euer heiligkeit us der statt Lucern uf sin beschwerlich fürbringen und pitt 
zü erlangung siner confirmation underthenigst zügeschriben, .... sye doch 
im darüber von dem hochwürdigsten Cardinal Borromeo, euer heiligkeit 
obristen Statthalter, schriftlich antwurt gefolgt der Substanz .... So habe 
unser lieber getrüwer commissari Melchior Lussi als sin, des abts, in diser 
sach erbättner deputierter gewalthaber ime glichfals zügeschriben. Nun 
sye im siner person halb nit sovil noch sondere daran gelegen ; dann vor- 
malen und ee er zu priesterlicher würde körnen, er ouch examiniert und 
habe daruf seine bene (?) erlangt .... Er zwifle ouch nit, dann das euer 
heiligkeit durch ernenten sinen gwalthaber gebürlich gloubwirdig über¬ 
schickt instrument, so über sin election durch dechan und ganz gmeinen 
convent in bisin der gloubwirdigen scrutatorn, testen und notarien gemacht, 
klar befinde .... So beschwäre in ouch nit und hette ganz kein abschüchen, 
ob der vicari oder wichbischof zü Costanz, ald welcher wichbischof exami- 
nator sin sollte. Aber in erforschung siner conscients befinde er dise 
beschwärd, das sölichs vermög und uswisung des gottshus hochloblichen 
päpstlichen previlegien und vorgeenden bihandhabenden confirmation und 
bisher geübten brüchen siner löblichen vorfaren nit glich noch gmäß, 
sonder zewider were, und zum fürnembsten, diewil sölich löblich friheiten 
in sich halten, dero sich das gottshus bisher (wie gemelt) dankbarlich 
befröwt und es sonst (sidmalen kein geistliche jurisdiction vorhanden) 
nichts höchere, dann das ein dechan und convent einen herren elegieren 
mögen, und so das ufrächt, in obgehörter gstalt des instruments zugange, 
das also bisher die confirmation allergnedigst ervolgt. Dann ob glichwol 
nach jezbegerter examination die confirmation usbracht wurde, möcht 


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3 02 


doch sölichs mittler zit dem gottshus durch verenderung der menschlichen 
gemüeter und guter wolmeinung des examinanten, so jederzit were, z: 
unwiderbringlichem nachteil und abbruch aller friheiten der election 
dienen ; dann nach dem judicio desselben, so er villicht in examinatione 
durch die zügen, welche er und nit ein abt oder sin convent zestellen gwalt 
haben sollen, finden ald schliessen möchte, und nit nach der election wurde 
die confirmation ein gstalt gwinnen. Weliches alles nun im und sinera 
gottshus unlidenlich, sonderbar so er in disem fal der erst sin sollte und 
ouch (so discr abfal durch in beschäche) ein ufheblich ergerlich epitaphiuir. 

mitbrächte.Dwil dann wir sölich sin fürbringen treffenlich betrachtet 

und ouch bi unsem personen gedenken, wo der abt zu Sanct Gallen das 
selbig für unser herrn und obem schultheissen, aman, rath und gmeinden 
gebracht oder noch bringen, sy wurden nit weniger, sonder so wol als wir 
ime zehelfen und zeraten, zum teil unser zweier erster alten orten Lucem 
und Schwyz us schuldigkait und in gemein us gutem christenlichem der. 
willig sein, so befinden wir warlich kein fürnemen des abts, das uns 
unbillich bedunke. Dann er ist underthenigst willig und urbütig, so\il 
in seinem vermögen, dem heiligen concilio zügehorsamen, mit Vorbehalt, 
wo cs je ein andern verstand hette, sich allergehorsamst wisen zelassen ; 
derohalb er höchster hoffnung, sin gottshus solle bi diser siner frihait de: 
election bliben, dann es sin höchstes cleinot und nit on vorgeende unus- 
sprechlichc müei und arbeit durch allergnedigste bewilligung euer heiligkeit 
vorfaren sye erlangt worden. Und so wir neben dem siner person gut- 
Willigkeit der examination und usserhalb sins titels, ouch des ufgenchter. 
election instruments und vermög unsers (der zweien orten) nechst an euer 
heiligkeit gethonen schribcns seiner gebürt und wolhaltens in geistlichen 
und zitlichen Sachen gnügsames wissen tragen, so können wir nit furkomen. 
unser vermögen darzüstrecken, sondern langt und ist an euer heiligkeit 
unser und sin underthenigst pitt, sy welle (in erwegung erzeiter Ursachen 
ime die confirmation wie von alter her und usserhalb der examination 
allergnedigst züstellen. Dann sollte das nit beschechcn und das löblich 
gottshus hierdurch verkleinert werden, der alt christenlich gloub wurde 
in unsem landen durch sölich und derglichen exempel, so diser zit mit dem 
bistumb Chur und sonst vorhanden, wenig gefördert, aber die widerwertigen 
darin und usserhalb lands wurden daran gwin empfachen, das uns aber 
zu gcschcchcn entlegen sin will. So zwiflen wir nit und befindens ouch im 
ougcnschin, das er sich je mer und mer gelerter lüten und conventualn bcflisst. 
sich ouch mit dem convent verglicht, on underlass etlich uf den altglöubigen 
univcrsitetcn zu erhalten, weder aber bisher diser leidigen trüebseligen zit 
in vertrihung der geistlichen under sinen löblichen vorfaren hat beschechcr 
mögen, dermassen das, ob gott will, zu künftigen ziten, so der aJlmechtig ♦ 
gott in glichwol berüctfen würt, abermalen söliche nachvolgende andere i 
examination nit von nöten sin werde. An dem bewist euer heiligkeit 
unsem herrn allergnedigst gefallen, geschieht ouch daran ein christenlich 
gut werch, das wir gegen euer heiligkeit mit darstreckung eer, lib, blut 
und gut verdienen und hierüber allergnedigster antwurt warten wellen, 
wir und er sich gehorsamblich darnach zehalten und allemnderthenigst 


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303 


ziibefröwen wissen. Datum Baden in Ergöw, und zu urkund mit des 
schultheissen zu Lucern, fromen vesten Niclausen Amiens eignen insigel 
im namen unser aller verschlossen, uf den 9. Julii anno 65. 

Euer heiligkeit underthenigst gehorsamste 
von stett und lendern der siben alten cato- 
lischen orten der Eidgnoschaft Lucem, Uri, 
Schwyz, Underwalden, Zug, Friburg und 
Solothurn gesanten und ratsboten, jez uf dem 
tag der jarrechnung zü Baden in Ergöw 
versambt. 

Dem allerheiligisten in gott vater und herren, herrn Pio, der 
allgemeinen Christenheit papst des namens dem vierten, unserm aller- 
gnedigsten herrn. 

Stiftsarchiv St. Gallen. Urk. A2-L2. — Papier-Original ; Siegel ab¬ 
gefallen. 


V. 

Karl Borromeo an Pietro Galesino. 

Galarate, 20. Juni 1570. 

Reverendo mio Pietro carissimo. Vi rimando i fogli sottoscritti per 
li soffragani, et la lettera m’ 6 sodisfatta, se bene m' 6 occorso di mettere 
la mano in due o tre luochi come vederete. Dubito bene, che non sarete 
a tempo di mandarle per questa posta, non esscndosi potute rimandarle 
prima d’adesso. Nel resto attendete ä star sano et k lavorare intorno al 
breviario Ambrosiano. Di Galarato, le 20 di Giugno 1570. 

V'ostro 

cardinale Borromeo. 

Al reverendo mio Pietro Galesino, mio carissimo ; ä Milano. 

Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original, Siegel abge¬ 
fallen. A tergo finden sich nebst der Adresse Zahlen und folgende kurze 
Inhaltsangabe: 1570, delli 20. di Giugno. Gallarato. Monsignor illustris- 
simo Borromeo., Gli ha sodisfatto la lettera per i suffraganei. Che s’ attenda 
al breviario Ambrosiano. 


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304 


VI. 


Karl Borromeo an Abt Otmar von St. Gallen. 

Hohenems, 29. August 1570. 

Illustrissime princeps ac multum reverende abbas. Cogit me tempons 
angustia per oppidum Filcherchense, qua via Uraniam celerius quam alu 
pervenire mihi sane omnes confirmamnt, iter dirigere. Hoc autem ideo 
permolestum accidit, quod dominationem tuam denuo invisendi, ut con- 
stitueram, eiusque humanissimo congressu perfruendi facultas mihi erepti 
est. Itaque te de hoc ipso certiorem faciendum duxi nec non pro tue 
humanissimo hospitio tibi gratias agendum relaturus libentissime, si quando 
mihi dominationem tuam eiusque res iuvandi occasio dabitur. Coenobu 
item tua monachique omnes commendati mihi semper erunt atque inprimis. 
quae ad catholicam et sinceram religionem in tua ditione tum restituendac 
tum retinendam pertinere intellexero, in iis operam ac laborem meuir. 
desiderari minime patiar. Qua in re te etiam pro tua pietate ac reiigione 
operam daturum confido, ut quae coram super his tecum egi, quam diligen- 
tissime exequaris. Deus dominationem tuam diu servet incolumem. Ex 
oppido Altaemps, die 29. Augusti 1570. 

Dominationi tuae illustrissimae ac multum reverendae 

addictus 

C. cardinalis Borromaeus. 

Illustrissimo ac multum reverendo domino, domino Othmaro, abbati 
divi Galli, in abbatia divi Galli. 

Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original mit Siegel. 


VII. 

Aus dem Mandat Abt Otmars fflr die Alte Landschaft, 

für das Jahr 1572. 

.... Item wiewol bi disen laidigen ziten und siderher, das die ze;- 
txennung im glouben ingerissen, alle jar ein mandat und gepot under der. 
gottshuslüten usgangen, das alle personen von manen uftd wibem, was 
vierzechen jar und darob alt sye, alle jar in der fasten und bis zu Osterec 
sollen bichten und das hailig sacrament empfachen, oder welche lieber 
wellen allain beten, namblich das hailig vater unser, das ave Maria, der, 
christenlichen glouben und die zechen gebot, weliches alles zu aines frier, 
willen gestanden. 


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305 


Sidmalen aber durch die gnad gottes befunden wirt, das der mertail 
gottshuslüten die sind, so nun hinfüro alle jar bichten und das hailig hoch¬ 
würdig sacrament empfachen, und der weniger tail deren, so begeren 
allain zebeten ; 

damit dann die gottshuslüt, so in der hochen oberkait sind, glich 
gehalten und kainer ab dem andern einen Unwillen empfache, ouch vorus 
und an gott dem almechtigen in ainhelligem und glichem glouben, gemüet 
und werchen möge gedient werden ; 

so hat min gnediger herr als der, so desse us craft sines gethonen 
aids bi anfang siner abti und prelatur schuldig ist und daruf in sin gwißne 
wist und laitet, und besonder ouch, diewil ir gnad siner underthonen nit 
minder, dann ein ander ort und hoche oberkait in ainer löblichen Eid- 
gnoschaft mechtig und in dem landfriden nit behaft noch begriffen ist, 
ouch kaine nüwglöubigen predicanten sol noch muß gestattnen, und wie 
söliches bi allen oberkaiten beiderlai gloubens erfunden und gesechen 
würt, fürgenomen und gepiet hiemit us craft der hochen oberkait, bi eer 
und eid, das alle die, so vierzechen jar und darob alt sind, mans und wibs 
personen, sollen in der fasten bis zu Osteren bichten und das hailig hoch 
würdig sacrament empfachen und nit nur allein beten ; desglichen das 
hinfür uf alle sonntag und firtag die gottshuslüt zu kilchen gangen ; wol 
mag bi jedem hus etwar bliben und das hus vergommen, doch das das 
volk mit einandern ab\vechsle und hierin kein gfar bruche. Weliche ouch 
also zü kilchen gond, die sollend bi der predig und meß bliben, bis es gar 
us ist und der priester das wichwasser gegeben hat. Und welchen sölicbs 
nit gefellig sye, die mögen wol bis uf sanct Johannstag im summer nechst- 
künftig (24. Juni) us der hochen oberkait mit lib und gut on entgeltnus 
ziechen ; dann wo einer hierüber darinnen erfunden, der wurde hernach 
an eer, lib und gut gestraft und mit gwalt darus gefüert werden. 

Stiftsarchiv St. Gallen. Rubr. 42, Fasz. 11. 


VIII. 

Karl Borromeo an Abt Otmar von St. Gallen. 

Mailand, 7. März 1573. 

Illustrissime et reverendissime domine. Allatum mihi est de aliqua 
amplitudinis tuae reverendissimae contra haereticos diligentia ; quae quidem 
et pro catholicae religionis Studio et pro mea erga ipsam voluntate 
mihi sane grata accidit. Gratias igitur ago primum omnipotenti deo, tum 
sibi hoc nomine gratulor vehementer idque oro, ut quod christianae 
pietatis zelo semel aggressa ipsa est, in eo maiores in dies progressus 
facere pergat cum in omnibus ditionis suae finibus, tum maxime in 
Togemburgensi comitatu, quem ista diligenti cura inprimis opus habere 
intelligo. Ego certe pluribus agerem ; sed cum per se ipsa satis ad 

REVUB DH IST 01 RE ECCLESlASTIQUE 20 


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— 306 — 

hoc inccnsa sit, hoc. quod meum est, assidue precor, ut deus, cuius 
causa agitur, dextera virtutis suae adiuvet pios conatus amplitudinis 
tuac reverendissimae, cui ego, si quid possum, defero ac polliceor officium 
et Studium meum. Mediolani, nonis Martii 1573. 

Amplitudinis tuae illustrissimae et reverendissimae 

studiosissimus 

C. cardinalis Borromaeus. 

Illustrissimo principi et reverendissimo domino, domino abbati Sancn 
Galli. 

Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original mit Siegel. 



Karl Borromeo an Abt Otmar von St Gallen. 

Mailand. 23. Juni 1573. 

Illustrissime princeps et reverendissime donyne. Proficiscenti istuc 
fratri Joanni Hieronymo, ordinis Franciscani, has ad reverendissimam 
amplitudinem tuam littcras dedi, quibus tum illum causamque, ob quam 
ab eins ordinis magistro generali mißus est. commendare, tum mei erga 
ipsam animi propensionem ita testatam facere volui. ut ei persuasurr. 
iam esse cupiam polliceri se libere poße, quaecumque a me proficisci possmt 
charitatis ac benevolentiae officia. Is in Germaniam venit Franciscanae 
disciphnae in sui ordinis conventibus instaurandae causa, qua in re adiu 
vanda quicquid studii et auctoritatis ei amplitudo tua contulerit, id mihi 
erit sanc quam gratum. Itaque ut quibuscumque in rebus potent, potent 
autcm in plurimis. ei ipsa favcat summopere amplitudinem tuam reveren¬ 
dissimam rogo, cui a deo precor perpetuam et salutarem felicitatem. 
Mediolani, nono calendas Julii MDLxxm. 

Amplitudinis tuac reverendissimae 

studiosissimus 

C. cardinalis Borromaeus. 

Illustrissimo principi et reverendissimo domino, domino abbati Sancti 
Galli. 

% 

Sakristei der Domkirche St. ('»allen. — Papier-Original, Siegel abge¬ 
fallen. 




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KLEINERE BEITRÄGE 


MELANGES 


Vom Jubiläum des Jahres 1826. 

Bekanntlich wird das päpstliche Jubiläumsjahr (annus sanctus) seit 
Bonifaz VIII. im Jahre 1300 alle hundert Jahre gehalten. Papst Paul II. 
bestimmte 1470 die Wiederkehr des Jubiläums auf 25 Jahre, wobei es seither 
geblieben ist. Seit 1500 wird nach Ablauf des römischen Jahres die gleiche 
Gnade auf alle von Rom entfernten Kirchen für einen Zeitraum von sechs 
Monaten erteilt. Es wurden 18 solche allgemeine Jubiläen gehalten bis 
zum Jahre 1775, respektive 1776. Das auf 1800 treffende Jubiläum konnte 
wegen der Zeitereignisse nicht gehalten werden. Papst Pius VI. war am 
29. August 1799 in Valence in Mer Gefangenschaft gestorben ; Pius VII. 
am 14. März 1800 in Venedig erwählt worden. In besserer Zeitlage konnte 
Leo XII. 1825 das 19. Jubeljahr feiern. Mit großem Jubel im Herzen und 
großer Teilnahme des Volkes eröffnete er an der Vigil von Weihnachten 
1824 die große Pforte der St. Peterskirche, die ein Jahr darauf ebenso 
feierlich wieder geschlossen wurde. 

Am gleichen Tage erließ er die Bulle « Exultabat spiritus noster», 
wodurch das Jubiläum auf den ganzen Erdkreis ausgedehnt wird. Er 
spricht seine Freude aus über den glücklichen Erfolg, und wenn auch die 
Zahl der Pilger nicht so groß war, wie in frühem Jahren so lag der Grund 
in verschiedenen Hindernissen. Es war ein erhebender Anblick, die Scharen 
der frommen Pilger zu sehen und zu hören, die mit ihren frommen Gebeten 
und Gesängen die weiten Straßen der ewigen Stadt anfüllten. Es war 
wirklich ein Jahr des Heils nicht für die Römer allein, sondern auch für 
viele fromme Pilger. 

Bedingungen für die Gewinnung des Jubiläumsablasses sind : 

1. reumütige Beicht und würdige Kommunion ; 

2. an 15 Tagen die Hauptkirche (Kathedrale) nebst drei andern Kirchen 
besuchen und daselbst im Sinne der katholischen Kirche eine Zeitlang 
beten ; 

3. wo es tunlich ist, sollen die Kirchenbesuche gemeinsam, prozessions¬ 
weise gemacht werden, und soll denjenigen, welche andächtig teilnehmen, 
eine Prozession für drei Kirchenbesuche angerechnet werden. So müssen 
also nur fünf Prozessionen mitgemacht werden ; 

4. für Kranke, Reisende, Klosterfrauen usw. erhalten die Pfarrer und 
Beichtväter besondere Vollmachten. 

Das bedeutsame Hirtenschreiben des heiligmäßigen Papstes ist von 
einem wunderbaren Geiste der Weisheit und Heiligkeit durchweht und 
schließt mit einer beredten Mahnung zur Buße und Geisteserneuerung. 


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— 3°S — 

Dieses Schreiben hat Pius IX. 50 Jahre spater, beim Jubiläum von iS;;, 
erneuert. 

Die Verkündigung-in den einzelnen Diözesen war den Bischöfen an* 
heimgestellt. Im Kanton Luzern geschah dies am Passionssonntag In 
Einsiedeln wurden Jubiläumspredigten gehalten ; die erste von Abt Cölestin 
Müller. Für die Ledigen und die Verheirateten waren besondere Predigten 
bestimmt. Der Zudrang zu den Prozessionen war so groß, daß die in 
Aussicht genommenen Kapellen sich zu klein erwiesen und vier Altäre der 
Klosterkirche bestimmt wurden. Für die Kinder wurde eigens gesorgt; 
sie hatten auch ihre besondern Prozessionen. 

Die Diözese Basel-Solothurn kam erst 1828 zu stände. Dagegen war 
St. Gallen mit Chur seit 1823 zu einem Doppelbistum vereinigt unter 
Karl Rudolph, Graf von Buol-Schauenstein. Ihm waren auch die ehe 
maligen Teile der Konstanzer Diözese, die zur Schweiz gehörten, unter 
stellt. Er erließ am 11. April 1826 ein lateinisches Rundschreiben an die 
Geistlichkeit, in der Hauptsache eine Wiederholung des päpstlichen 
Schreibens. 

Über den Verlauf des Jubiläums ist wenig bekannt geworden. Es 
dürfte daher sich lohnen, die Nachrichte* zusammenzustellen, welche uns 
in den Tagebüchern von Rheinau aus jenem Jahre erhalten sind. Da ist • 

1. Diarium Sacristae von 1774-1862 reichend ; 

2. Das Diarium von P. Joseph Schauffenbühl, seit 1824 Großkeller, 
gestorben 1851 ; 

3. P. Januarius Frey, geboren 1749, Abt seit 1805, gestorben 1S3:. 
verzeichnet in seinem Tagebuche fleißig, wie dreimal täglich den Thermo- 
meterstand, so die Tagesvorkommnisse. Seinen Aufzeichnungen sind haupt 
sächlich die nachstehenden Berichte entnommen. 

Am 28. März 1826, am Dienstag nach Ostern, der damals noch Feiertag 
war, ward von der Kanzel in Rheinau verkündet, daß Seine Päpstlich« 
Heiligkeit ein allgemeines Jubiläum angeordnet habe, das ein halbes Jab 
dauert, den 30. April anfängt und am 29. Oktober endet. Der Hirtenbriel 
wird später verkündet werden. Am 23. April, dem 4. Sonntag nach Ostern 
wurde die Eröffnung des Jubiläums auf nächsten Samstag bekannt gemacht 
So geschah es. Abends 4 Uhr wurde eine Viertelstunde lang mit aller 
tflocken geläutet in der Klosterkirche, in den beiden Kapellen St. Magdalena 
und Felix und Regula, und in der Pfarrkirche St. Nikolaus auf dem Berge 
im Dorfe Rheinau. Diese waren die vier Kirchen, in denen das Jubiläum j 
zu gewinnen war. Für die Bewohner des Klosters waren neben der Klos er* ; 
kirche die Kapelle des Abtes, der Kranken und des Kapitelhauses hieftr , 
bestimmt. j 

Am Sonntag, den 29. April, fand die feierliche Eröffnung statt. Nach J 
der Predigt wurde « Komm Heiliger Geist » gesungen, darauf folgte ein 
feierliches Amt vom Heiligen Geiste und Segen mit dem Allerheiligster. 
Nachmittags 2 I hr war Rosenkranz, dann Verlesung der päpstlicher. 
Bulle durch den Pfarrer, was drei Viertelstunden dauerte. Darauf Pn> j 
Zession mit dem Allerheiligsten durch den Klosterhof, unter Absingung der j 
Litanei vom Namen Jesu. Mit dem Schlußsegen wurde das Volk entlasse:,, j 


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309 


Es war sehr zahlreich nicht nur aus der Pfarrei Rheinau, sondern auch 
aus der Nachbarschaft erschienen. Die Bedingungen für die Gewinnung 
des Ablasses waren an der Kirchentüre angeschlagen ; ebenso die Ordnung 
bei der Prozession und die Reihenfolge der Gebete, die dabei zu verrichten 
waren. Daran nahmen auch die Mitglieder des Klosters teil, an der Spitze 
der bejahrte Abt Januarius, und neben den Pfarrkindern aus Rheinau 
eine Menge Volk aus der Umgebung. Auch Reformierte gingen in der 
Reihe mit den Katholiken. 

Auf Donnerstag darauf, den 4. Mai, fiel Christi Himmelfahrt, ein 
Feiertag. Um halb drei Uhr wurde die erste Jubiläumsprozession gehalten. 
Sie verlief in schönster Ordnung, wozu die am Tore aufgestellte Polizei 
mitwirkte. Der Zug ging durch die Magdalenenkirche zur Kapelle Sankt 
Felix und Regula, von da hinauf nach St. Nikolaus, wo die vordersten 
bereits angelangt waren, während die letzten erst den Klosterhof verließen. 
Es fing an zu regnen, aber man lies sich in der Andacht nicht stören. Von 
einer Station zur andern wurde laut je ein Rosenkranz und eine Litanei 
gebetet. Mit einem Dankgebet und dem Segen in der Kirche erhielt die 
Feier ihren erbaulichen Abschluß. 

Die zweite Prozession fand am Pfingstmontag, den 15. Mai, statt, 
in gleicher Weise wie die erste. Man behauptete, daß über 2000 Menschen 
dabei waren. Aus der badischen Nachbarschaft, aus Jestetten, Lottstetten 
und Altenburg waren die Klostervögte mit vielem Volk gegenwärtig. Aus 
den Kantonen Zürich und Schaffhausen waren viele Reformierte da, teils 
als Zuschauer, teils als Teilnehmer an der Prozession. Alles sehr erbaulich. 

An der dritten Prozession, bei schönem Wetter, am 21. Mai, waren 
wieder viele Menschen, doch weniger als das zweitemal, aber mehr als in 
der ersten. Alles gut in Ordnung. 

Zur vierten Prozession am Sonntag, den 11. Juni, fand sich schon am 
Abend vorher viel fremdes Volk ein, von Birkendorf, Binningen, ja sogar 
von Hechingen. Man hörte bis halb neun Uhr abends Beicht. Alle Gasthöfe 
waren angefüllt; viele übernachteten in Ställen. Für andere, die keinen 
Platz mehr fanden, wurde die St. Regulakapelle und die Klosterkirche 
offen behalten zum Übernachten. Am Sonntag fing man morgens um 
drei Uhr an Beicht zu hören. 7 und 8 Beichtväter hatten damit Arbeit 
genug bis nachmittags 2 Uhr, wo noch die Kommunion ausgeteilt wurde. 
Darauf wurde die Vesper angefangen. Das gemeinsame Mittagessen der 
Patres mußte ausfallen ; ein jeder nahm flüchtig etwas zu sich, um sofort 
wieder sich in den Beichtstuhl zu begeben. Um dem vielbeschäftigten 
Pfarrer auszuhelfen, hielt Abt Januarius am Vormittag selbst die Predigt. 
Es lag nahe, das Sonntags-Evangelium vom reichen Fischfang auf das 
Jubiläum auszulegen. Um halb 3 Uhr fing die fünfte und letzte Prozession 
an. Sie war, wie die vier vorhergehenden, sehr volkreich und andächtig. 

Die ganze folgende Woche ist täglich starker Andrang von Fremden 
zu den Beichtstühlen, namentlich am Samstag, den 17. Juni, von morgens 
früh bis halb 10 Uhr und abends bis neun Uhr. Sonntags darauf war äußerst 
viel Volk bis nachmittags 2 Uhr und doch konnten nicht alle beichten. 

Am Montag war noch keine Abnahme zu bemerken. Aus Württemberg 


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— 310 — 

kamen Leute bis auf 20 Stunden Entfernung, auch von Hechingen und 
anderswo. So ging es wochenlang. 

Um die Ordnung aufrecht zu erhalten, ließ der Abt am Portale ein 
Plakat anschlagen : 

« Morgens wird die Kirche vor 4 Uhr nicht geöffnet; mittags 12 Uhr 
geschlossen. 

Nachmittags wird selbe um 2 Uhr wieder geöffnet, aber abends 8 Uhr 
geschlossen. » 

Den Patres ward kund getan, daß die klösterlichen Mahlzeiten regel¬ 
mäßig gehalten werden. Ausnahmen sind untersagt. Abends nach dem 
Nachtessen mögen sie wieder Beicht hören. 

An Wochentagen zählte man 40, 60 bis 80 « Jubilisten 1. Am Sonntag, 
den 25. Juni, war man um 12 Uhr mittags noch nicht fertig mit Beicht¬ 
hören. Der 77-iährige Abt Januarius, der während der Woche den Arzt 
gebraucht hatte, harrte auch 4 Stunden aus, wurde aber stark entkräftet. 

Der Monat J uh schien etwas Ruhe zu bringen, doch stellen sich täglich 
Beichtende ein. und an den Sonntagen wird man bis 12 Uhr nicht fertig 
mit ihnen. Der 16. Juli war einer der « stärksten » Tage. Am Sonntag 
darauf wurde noch unter der Vesper, ja um 4 Uhr nachmittags, die Kom¬ 
munion ausgeteilt. 

Am 6. August \v*ird endlich bemerkt: « Jubilisten keine ». Doch nimmt 
ihre Zahl wieder zu ; am 15. August wird um 1 Uhr noch kommuniziert 

Am 3. September steht die Bemerkung: «Heute fing das Jubiläum 
im Württembergischen an. » (Spät kommt ihr, doch ihr kommt.) Die 
Arbeit im Beichtstuhl nimmt zu. Die Leute kamen 10, 11, auch 14 Stunden 
weit her. Es wird die ganze Kirche voll und am Abend ist man noch nicht 
fertig. Auch an Werktagen kommen 20, 30, 50 bis über 100 Fremde. Am 
Sonntag, den 8. Oktober, ist sehr viel Volk, so daß man abends um 4 Uhr 
noch kommunizierte und um 6 Uhr noch Beicht hörte. 

Am Sonntag, den 22. Oktober, hatten die kleinen Kinder, welche noch 
nicht kommunizieren konnten, ihre Jubiläumsfeier. Nach der Vesper zogen 
sie mit Kreuz und Fahne, von Pfarrer und Unterpfarrer begleitet, nach 
der Felix- und Regulakirche. Dort wurde eine Litanei, ein Rosenkranz 
und einige andere Gebete verrichtet. Das ganze dauerte etwa Dreiviertel¬ 
stunden. 

Acht Tage darauf war der feierliche Schluß des Jubiläums. Noch 
um 2 Uhr nachmittags ward die Kommunion ausgeteilt. Dann wurde der 
Rosenkranz gebetet, die Vesper vor ausgesetztem Hochwürdigsten Gute 
init Orgelbegleitung gesungen, worauf Prozession, Te Deum, unter dem 
Geläute aller Glocken, feierlicher Segen und Böllerschüsse. Nach 4 Uhr 
hatte alles mit größter Erbauung ein Ende genommen. Ein gemütliches 
Nachtessen bei einem Glase Ehrenwein war eine wohlverdiente Belohnung 
für die mühcreichen Jubiläumstage. 

Während des halben Jahres waren 26,000 heilige Kommunionen 
gespendet worden. Abt Januarius sprach deshalb den Beichtvätern seine 
Zufriedenheit aus. Aller Orten wurde vom Volke die unverdrossene Arbeit 
der Rheinauer Patres gerühmt, besonders auch von den Weltgeistlichen, 


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— 3 « - 

denen ein gutes Stück Arbeit abgenommen ward. Leider gab es auch laue 
Geistliche, welche ihrer Eifersucht und dem Unwillen über das Jubiläum 
durch Schimpfen Ausdruck gaben. 

Es war aber die Arbeit noch nicht zu Ende. Ein neues Plakat wurde 
angeschlagen : « Da in der Schweiz die Zeit des Jubiläums verstrichen ist, 
hingegen in Württemberg und Badischen Landen noch länger dauert, so 
wird das Beichthören noch alle Tage gestattet. Doch werden die Kloster- 
und Ordensübungen für Gottesdienst, geistliche und zeitliche Beobach¬ 
tungen dem Beichthören vorgezogen. » 

Am Morgen des 30. Oktober waren noch 100 Beichtende. Auch 
während des Novembers, als es bereits zu schneien anfing, fanden sich fast 
täglich solche ein, selbst im Dezember, nachdem das Jubiläum auch in 
Baden von den Pfarrern verkündet worden ; allerdings sagten die meisten 
nichts davon. Am 3. Dezember war im Badischen Schluß des Jubiläums ; 
in Württemberg dauerte es bis Weihnachten inklusive. 

Zum Schlüsse lesen wir im Diarium des Sakristans : a Höchst lobens- 
würdig war der Eifer des gläubigen Volkes, Hiesiger und Auswärtiger, 
und oft w'underbar die kräftig wirkende Gnade Gottes, selbst bei den größten 
Sündern. Deo gratias ! » 

Auch anderwärts vernehmen wir ähnliche Stimmen über den Segen 
des Jubiläums. Bischof Karl Rudolph von Chur-St. Gallen spricht im 
Fastenmandat vom 30. Jänner 1827 von inniger Freude und großem Tröste, 
«welcher Uns zu Theil geworden, als Wir theils mit eigenen Augen gesehen, 
theils aber von Unsern untergeordneten Priestern und Seelsorgern erfahren 
haben, mit welch heiligem Eifer und frommer Sorgfalt Ihr, geliebteste 
Bisthumsangehörige ! Euch allenthalben habet angelegen seyn laßen, 
an dem großen Gnadenschatze, welcher allen Christen der Welt während 
dem verfloßenen Jubeljahre ist eröffnet worden, Theil zu nehmen ; und 
welche häufige Früchten, wie wir mit Zuversicht zu Gott hoffen dürfen, 
derselbe bei Eu$h auch allenthalben hervorgebracht hat. » 

Bald wird seit dem denkwürdigen Jahre 1826 ein Jahrhundert ver¬ 
flossen sein und wieder ein großes Jubeljahr an die Reihe kommen. Wird 
e> seinem Vorgänger gleichen ? Nur mit Wehmut können wir an die Ver¬ 
änderung denken, welche Rheinau zeigen wird. Das tausendjährige Kloster, 
das uns ein so erbauliches Bild katholischen Lebens geboten, besteht heute 
nicht mehr. 1862 wurde es von dem Großen Rat des Kantons Zürich 
aufgehoben. Man möchte die Dichterworte darauf anwenden : 

Was vergangen, kehrt nicht wieder. 

Aber ging es leuchtend nieder, 

Leuchtets lange noch zurück ! 

Einsiedeln. P. Gabriel Meier. 


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Ein alter Jerusalempilger aus Schattdorf. 


Laut « Annual miner Herren » waren «1556 uf Donstag des IX tags 
Aprilis Landammann, Rät und Landlüt uf dem Rathus versampt». Sie 
beschlossen : 

Uf des kilchherren von Schattdorf bittlich ansüchen ist ym vergönnen, 
ein gmein almüsen in allen Jdlchen uf zu nemmen, damit er die fart gm 
Hierusalem dester baß vollbringen mög, und darby yme an die herschalt 
Venedig ein fürgschrift ouch vergönnen, deßglich an die nöchst alten ort. 
sy zu sölicher fürderung ouch bewilgen wollen, und yme zu der fart fürden: 
und in trüwer bevelch haben wollen. 

Der Name dieses Pfarrers und Pilgers ist in Uri nirgends mehr auf¬ 
gezeichnet. Er kam erst 1900 wieder an den Jag, als Reinhold Röhncht 
in seinem Buche über die deutschen Pilgerreisen nach dem heiligen Lande 
jenen Empfehlungsbrief veröffentlichte, den Landammann und Rat m 
Uri den 12. April, also am weißen Sonntag des Jahres 1556, an die ubngea 
vier katholischen Orte Luzern, Schwyz, Unterwalden und Zug richteten, 
und der noch heute im Staatsarchiv Luzern liegt. Dieser war von den 
Empfängern laut Adresse * sampt und sonders uf ze thun ». Jn diesem 
Brief wird der künftige Jerusalempilger näher bezeichnet und charakterisier, 
als « der wirdig Priester Johannes de Alexandriis, bürtig von Lyffincn, 
so nun etliche Jar by uns zu Schattorf die Selsorgery versehen *. De: 
gleiche Familienname d’Alessandri existiert jetzt noch in Livinen. Die 
Kirchgenossen von Schattdorf baten die Regierung von Uri, ihren Pfarrer 
« zu diser Fart 2e fürdem ». Diese zeigte sich hiezu « sonderlich geneigt * 
und empfahl den übrigen katholischen Orten, dem Pilger « an die Herschaft 
Venedig ein früntliche Fürgeschrift» zu geben, damit er auf seiner Meer¬ 
fahrt 0 dester baß gefürdert werd ». Gleichzeitig ersucht^ sie für ihn um 
einen Zehrpfennig, « diewyl er am zittlichen Gut arm und one Stür und Hilf 
biderber Lüten die Fart nit wol volbringen möge », die er « urab sonders 
Andachts willen » sich vorgenommen. Der Rat von Uri schilderte den Bitt¬ 
steller überdies als einen frommen und züchtigen Priester. Der Erfolg 
dieses Schreibens blieb daher nicht aus. Luzern vergönnte ihm, wie auch 
die übrigen Orte, « ein ziemliche Fürgschrift » und hat 1 ime an solliche 
Fart ein Schenke than, nemlich IV Kronen an Gold ». Obwalden gab ihm 
•< zwo Krorten an Geld », Nidwalden * ein Kronen der Sunnen Schlag 
Schwyz II Sunnenkronen und Zug « zwo Kronen ». 

Über die Zeit der Abreise und die weitern Schicksale dieses Pfarren 
und Pilgers wissen wir leider nichts. 

Man vergleiche zu vorstehendem Artikel die frühem Angabe: 
über Jerusalempilger aus Uri in dieser Zeitschrift, 1909, S. 233 ; 

S. 135 ; 1918, S. 65. 

Eduard Wymann. 




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REZENSIONEN 


COMPTES RENDUS 


Pastor, Ludwig von, Geschichte der Päpste. VII. Band. Pius IV. 
(1559—1565). Erste bis 4. Auflage Fieiburg i. Br. Herder, 1920. XI. 
und 706 S. 8° Mk. 36 ; gebunden 44 Mk. 

Trotz Weltkrieg und Weltrevolution schreitet das Monumentalwerk 
Pastors stetig voran und findet von Jahr zu Jahr allerorts mehr Anklang 
und in zünftigen Kreisen hohe Anerkennung. Es wäre vermessen, sich als 
Kritiker und Beurteiler des großen Historikers aufspielen zu wollen ; es 
handelt sich hier nur darum, zu referieren, nicht zu rezensieren. 

Die Einleitung gibt uns eine orientierende Übersicht über die zwei 
folgenden Bände. Nach dem strengen, aber einseitigen Carafapapst Paul IV. 
folgt wieder ein Mediceer auf dem Stuhl Petri, freilich nicht aus der fürst¬ 
lichen Familie Leos X., zum Glück für die Kirche auch nicht ein Mann 
seiner Geistesrichtung, aber auch nicht ein Heiliger, wie sein Nachfolger 
Pius V., immerhin aber trotz persönlicher Fehler ein würdiger Hirt der 
Kirche, ein glücklicher Politiker, zudem auch ein hochsinniger Kunstmäzen. 
Doch wie sehr tritt schon in diesem Pontifikat, bevor die wahre Refor¬ 
mation recht einsetzen konnte, das Weltliche vor dem Geistlichen, das 
Zeitliche vor dem Ewigen zurück ! 

Welch lichtvolle Zeit- und Charakterbilder bietet uns dieser VII. Band ! 
Da eröffnet sich vor uns das stürmische, fast vier Monate dauernde Kon¬ 
klave, wie die neuere Zeit kein ähnliches mehr kennt, mit allen seinen offenen 
und versteckten Intrigen und Machinationen von außen und innen, mit 
allen ehrgeizigen, politischen und persönlichen, großzügigen und kleinlichen 
Bedenken und Berechnungen der Wähler und der Staatsmänner, daß wir 
fast an die Wogen und Stürme der aura popularis in den römischen Konsu- 
larkomitien erinnert werden. Der Christ aber denkt an das Walten der 
göttlichen Vorsehung, die, trotz aller Pläne und Entwürfe menschlicher 
Klugheit*und Verschlagenheit, doch die Zügel der Weltgeschicke in fester 
Hand behält. Dann ersteht vor uns das Bild der Zoll- und Steuerpächter- 
familie Medichino aus Mailand, die mit dem florentinischen Mediceerhaus 
nichts zu tun hat, und deren künstliche Stammbäume erst nachträglich 
aus beiderseitigen ehr- und eigensüchtigen Interessen zu einander in Be¬ 
ziehung gebracht wurden. 

Uns Schweizern ist der machthungrige Giacomo Medichino unter dem 
Namen « Müsser » bekannt, der seit 1522 als Besitzer der festen Burg Musso 
am Comersee den Bündnern wegen ihres Untertanenlandes Veltlin äußerst 
unbequem wurde, daß es den « Müsserkrieg» absetzte, dessen Ausgang 
1527 dem Dynasten seine erworbene Herrschaft kostete und ihn zu einem 
Condottiere herabdrückte. Sein geistlicher Bruder Johann Angelus war 


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1529 als Koadjutor des Bischofs von Chur in Aussicht genommen, was die 
Bündner so aufregte, daß sie alle angeblichen Mitwisser und Förderer dieses 
Planes, so den ehrwürdigen Abt Theodor Schlegel von St. Luzi, als Hoch¬ 
verräter hinrichteten und hiefür auf ewige Zeiten als erstes unerläßliches 
Erfordernis eines Churer Bischofs die Herkunft aus Bünden aufstellten 
Der abgewiesene Churer Coadjutor stieg aber langsam auf der Beamten - 
laufbahn an der römischen Kurie, erwarb sich allseitige gründliche Geschäfts¬ 
kenntnis im kirchlichen und weltlichen Regimente, wurde unter Julius III 
Kardinal, stand durch sein heiteres, lebensfrohes Wesen, das sich jedoch 
in geziemenden Schranken hielt, im Gegensatz zum strengen Paul IV 
und blieb so viel wie möglich von Rom fern. Als « neutraler » Kardinal 
war er schließlich der einzig mögliche Kandidat und gelangte an Weih¬ 
nachten 1559 zur Tiara. 

Ein überaus spannendes Kapitel erfüllt die erste Regierungszeit des 
neuen Papstes ; das Vorgehen gegen die unwürdigen Nepoten Pauls IV., 
der ihnen bereits den Nachfolger als Rächer ihrer Untaten angekündigt 
hatte; der langwierige Prozeß führte zur erschütternden Tragödie des 
Untergangs der Familie Carafa und zur letzten Hinrichtung eines Kardinals 
Wir sehen dann die ungeheuren Bemühungen des Papstes für die Fon¬ 
setzung und Beendigung des Konzils von Trient und zur Durchführung 
seiner Beschlüsse gegenüber den Hindernissen von Seiten des Protestantin 
mus und der Staatsgewalt, wobei Pius IV. eine Energie für die kirchliche 
Sache entfaltete, die ihm früher niemand zugetraut hätte und ihn in einem 
sehr vorteilhaften Lichte erscheinen läßt. Freilich spürt man hier, wie 
in allen kirchlichen Angelegenheiten, die segensreich wirkende Hand des 
Papstnepoten Karl Borromäus heraus, eine Lichterscheinung, die uns mit 
den ausgeprägten nepotistischen Neigungen des Papstes versöhnt. 

Kaleidoskopartig treten dann Bilder aus dem kirchlichen Leben der 
christlichen Staaten vor unser Auge, die Hugenottenbewegungen Frank¬ 
reichs und die Intrigenpolitik Katharinas von Medici, die bedrängte Lage 
des römisch deutschen Kaisertums und die treulose Verräterin deutscher 
Fürsten, die Religions- und Staatswirren in Polen, die heuchlerisch ver¬ 
schlagene. blutig grausame Regierung der «jungfräulichen » Elisabeth 
von England, der puritanische Fanatismus in Schottland, das Martyrium 
des grünen Erin, das echt byzantinische Staatskirchentum in Spanien, 
wo Philipp II. keineswegs als gehorsamer Diener des Papstes und willen¬ 
loses Werkzeug der Hierarchie, sondern geradezu als despotischer Bedrücker 
der Kirche erscheint. 

Ein schöner Zug in der Regierung Pius* IV. ist sein Mäzenatentum 
für Kunst und Wissenschaft, seine kirchliche und profane Bautätigkeit 
in Rom und im Kirchenstaat; doch hat er nicht als weltfremder Idealist 
darauf los gewirtschaftet, sondern als verständiger Kunstförderer sich nach 
dem Möglichen gerichtet und mit den vorhandenen Mitteln zu haushalten 
verstanden. Kurzum Pius IV. bewährte sich trotz mancher persönlicher 
Fehler und Mängel als wachsamer Hirt und Vater der Kirche, als umsich¬ 
tiger Diplomat, als Freund und Förderer wahrhaft humaner Bestrebungen. 

Seite für Seite dieses Bandes zeigt, daß eine neue Zeit angebrochen ist, 


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daß die Reformation an Haupt und Gliedern ernst und kräftig eingesetzt 
hat, welcher sich der Papst keineswegs zu entziehen sucht. Seele und Mittel¬ 
punkt dieser kirchlichen Bestrebungen ist der junge Kardinalnepot und 
Staatssekretär Karl Borromäus, «dessen Beispiel am päpstlichen Hofe 
mehr Gutes stiftete als alle Dekrete des Trienter Konzils zusammen », und 
das trotz des Bleigewichtes, das sich durch den andern Kardinalnepoten, 
den unwürdigen Markus Sittikus von Hohenems an seine Füße hängte. 

Es sei einem aufmerksamen Leser erlaubt, hier noch einige Desiderien 
anzubringen ; es betrifft Aussetzungen geringfügiger Natur. Bei manchen kurz 
erwähnten Ereignissen, die den Geschichtsfreund interessieren, wird nur auf 
Spezialwerke hingewiesen, die eben nicht allen Lesern zugänglich sind. Ließen 
sich nicht die Hauptzüge solcher Einzelheiten mit einigen Strichen — oft genügten 
ein oder zwei Worte — im Text oder in der Anmerkung anbringen, ohne daß 
dabei viel Raum in Anspruch genommen würde ? So z. B. S. 2i5, Z. 5 v. unten : 
Inhalt der Reformartikel. S. 216, Mitte oder Anm. 1 : Welche schmähliche 
Verleumdungen ? S. 229, Anm. : Welche Mißbräuche ? einige kurz namhaft 
machen ! Seite 23 o : Das kaiserliche Reformlibell. S. 232 . Anm. 4 : Grundzüge der 
konklavebulle. — Hier und im folgenden : Wie viel wurde in der spätem Fassung 
der Dekrete über Residenz, über Reform der Fürsten usw. gegenüber dem 

Entwurf weggelassen ? S. 233 , Note 4 : Szene bei der Rede der Bischöfe von 

• • 

Cadix u. Alife. S. 234, N. 2: Pessimistische Äußerungen ? S. 237 u. 239: Erstes 
u. zweites Reformlibell u. ihr Unterschied. S. 239, Anm. i : Testament und Grab 
Seripandos. S. 254, A. 4 : Mißbräuche beim Ordo. S. 256. A. 2 : Kurzes Wort über 
Person Paleottos, der uns so oft begegnet. S. 256, A. 5 u. S. 257, A. 2 : Wie wurde 
der Rangstreit zwischen Spanien u. Frankreich entschieden ? S. 262 unten und 
263 oben : Sachliche Unterschiede in den verschiedenen Redaktionen des Ehe¬ 
dekretes. S. 272, A. 1 und S. 273, A. 3 : Vollmachten der Bischöfe ? S. 334, Mitte : 
Milderung der Verordnungen gegen Ordensapostaten, Juden, Veräußerung der 
kirchengüter usw. S. 385, Z. 5 : « Delfino zeigte sich zu seltsamen Zugeständnissen 
bereit»; zu welchen? S. 402, letzte Zeile : Welche Ausnahmsstelle nahm Este 
ein ? S. 414, Z. 2 von unten : «Aus der Stadt Bezas» : Ist hier Geburtsstadt 
Vezelay gemeint ? Genf kann es nicht sein. S. 417, A. 3: Welche Untaten ? 
S. 428, Mitte : « Die bisherigen Auskunftsmittel» — welche ? S. 502 , Z. 2 v. u. : 
«Die Bischöfe, bis auf wenige (welche ?) blieben treu ». Abfall Curwins im Text 
erwähnen. S. 574, Z. 3 v. unten : «Streitigkeiten der Nepoten * — welche ? Dazu 
noch S. 79, Z. 2: «Hohenems bei Götzis». Hohenems, selbst viel größere 
Gemeinde als das 4 Km. entfernte Götzis, das zudem früher in einem andern 
Land und Bistum lag (Götzis in Rätien, Bistum Chur, Hohenems in Schwaben, 
Bistum Konstanz). Vielleicht «Hohenems bei Dornbirn». S. 101, Z. 9 v. unten. 
Daß man von Como aus die katholischen Teile der Schweiz leichter erreichen 
könne, als von Luzern aus, ist nicht ersichtlich. Übrigens hatten damals bis 1579 
die gelegentlichen Nuntien keinen festen Sitz, vor der Reformation gewöhnlich 
Zürich. 

Doch das sind Kleinigkeiten. Wir Katholiken dürfen uns nur freuen, 
daß die schwierige Zeit der Glaubenskämpfe in Pastor einen großen Dar¬ 
steller von säkularer Veranlagung und zugleich von katholischer Über¬ 
zeugungstreue gefunden hat, der Verständnis für die tiefgreifendsten, ver- 
wickeltsten religiösen Probleme mitbringt. Wie erbärmlich stehen dagegen 
so manche Kirchengeschichtsbaumeister da, welche über jedes Spinn- 


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— 3*6 — 

gewebe, das den majestätischen Bau der Kirche verunziert, stolpern. : 
wegen jeden Fleckleins die Schönheit des Riesengemäldes verkennen, weger. 
jeder Dissonanz die himmlische Harmonie nicht heraushören ! Ich denke 
an Kurz, Tschakkert, Bonwetsch. Wie immer bei Pastor, so zeigt sich > 
auch hier wieder die feldhermmäßige Beherrschung und Bemeistemng des 
Stoffes, unparteiische, im besten Sinn des Wortes voraussetzungslose 
Bewertung der Absichten und Taten, die feinfühligste, scharfgezeichnete 
Darstellung von Menschen und Zeiten. Die verschiedenst gearteten Charak¬ 
tere, die Repräsentanten der höchsten Würden in Kirche und Staat, die v 
Träger der folgenreichsten Weltereignisse werden unserm Geist und Hm 
näher gebracht. Selbst tiefe Schatten, die im Leben der Kirche und ic 
Walten mancher Päpste nicht fehlen, vermögen nicht die Bedeutung und 
Erhabenheit ihres Amtes und ihrer Aufgabe zu verdunkeln. Nur kleine 
Geister wird das Menschliche und Mangelhafte im Gottesbau der Welt¬ 
kirche irre machen. Uns stört das keineswegs, sondern wird zur wirkungs¬ 
vollsten Apologie des Christentums und illustriert des großen Leo Ans- . 
spruch : Dignitas Petri etiam in indigno haerede non deficit. }. 

P. Fridolin Segtnüller, O.S.B. \ 

Göller, Emil, Die Periodiiieniiig der Kirchengesohicfate and d» epo- * 
oh Ale Stellung des Mittelalters zwischen dem christlichen Altertum und dar 
Neuzeit. Akademische Rektoratsrede, gehalten am 12. Juli 1919. Freiburg 
im Breisgau, Guenther, 1919. 4 0 . 67 S. 

Der neue Rektor der Universität Freiburg i. Breisgau, der jüngst da> 
Fach des Kirchenrechts mit dem der Kirchengeschichte vertauscht hatte, 
wählte für seine Antrittsrede einen Stoff, der allgemeiner Aufmerksamkeit 
sicher ist. Mit besonderer Berücksichtigung der neuesten Literatur, die 
in seine Frage einschlägt, bekennt er sich zu der Ansicht, daß die Zeit 
Gregors des Großen der entscheidende Wendepunkt zwischen dem christ¬ 
lichen Altertum und dem Mittelalter darstellt, und daß die neuzeitliche 
Entwicklung mit der Reformation beginnt. Indem er vornehmlich der. 
Kräften nachgeht, welche die kirchengeschichtliche und kulturgeschicht¬ 
liche Entwicklung im Mittelalter bestimmten, berücksichtigt er mit Vorliebe 
die Einflüsse vom Orient, denen die Kunsthistoriker gern ihre Aufmerksam- . 
keit zmvenden. Er verweilt, seiner alten Neigung zum Kirchenrecht 
folgend, besonders bei den parallelen Erscheinungen zwischen Ost und 
West, die wir auf dem Gebiete des kirchlichen Poenitentialwesens und 
der Bußbüchcr-Literatur beobachten können, und kündigt darüber ein:' 
ausführliche Abhandlung an, der man mit Spannung entgegensieht. Au: 
die vielen Perspektiven, die seine Ausführungen eröffnen, können wir hie: 
nicht weiter eingehen. In Bezug auf die Gotik möchten wir hinter seine 
Zustimmung zu Dehios Charakterisierung, daß das System der großen 
universalistischen Päpste von Gregor VII. bis Innozenz III. seinen Ausdruck 
in dein wahrhaft katholischen und universalen gotischen Stil empfange, 
ein Fragezeichen machen, das wir nur damit begründen wollen, daß der 
gotische Baustil in Italien als fremder Stil empfunden wurde, und daß / 
in Rom nur eine gotische Kirche gab. G. Schnürer. 


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317 


Bliemetzrieder, Franz PI., Anselms von Laon systematische Sentenzen. 

Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters. Bd. XVIII, 
Heft 2-3, 1919, Preis 6 Fr. 


Anselm v. Laon, « Anselmus Laudunensis », f 17. Juli 1117, erfreute' 
sich bei seinen Zeitgenossen eines hohen Rufes. Schüler aller Nationen, 
aus Frankreich, Italien, England und Deutschland scharten sich um die 
Lehrkanzel des « Altmeisters » in Laon. Auch Abaelard hörte ihn kurze 
Zeit, schätzte ihn aber nicht hoch ein. 

Schon Lefövre und Grabmann hatten die handschriftliche Existenz 
seiner Sentenzen nachgewiesen. Hier im vorliegenden Werke bietet uns 
Dr. P. Bliemetzrieder O. Cist. den kritischen Text von zwei systematischen 
Sentenzwerken : I. Senlentie divine pagine (3-46), — diese Überschrift ist 
vom Editor, der sie den Anfangsworten des Werkes entnahm (XII). — 
II. Senlentie Anselmi (47-153). Schon ihrem Umfange nach treten unsere 
beiden Werke weit hinter den spekulativen Werken eines Anselm v. Canter- 
bury, Abaelard und der Viktoriner zurück. Den Inhalt derselben hat der 
Herausgeber in einem meisterhaften, fast skrupulös genauen synthetischen 
Inhaltsverzeichnis wiedergegeben (XIX-XXV). 

Den wichtigsten Teil bildet natürlich der Handschriftennachweis 
(1 *-37*)- Er ist außerordentlich kompliziert, auf den ersten Blick etwas 
dunkel und verworren. Was hier in wenigen Seiten geboten wird, sind eben 
die kurz zusammengefaßten Resultate jahrelanger kritisch-historischer 
Kleinarbeit, die mit unzähligen Schwierigkeiten kämpfte, um die beiden 
Sentenzen als Geistesprodukt Anselms nachzuweisen. Der Ausgabe beider 
Sentenzen legt er als Grundtext zwei Handschriften unter, die neben andern 
Traktaten im Cod. lat. 236 der Bibliothek des Stiftes Heiligenkreuz in 
Niederösterreich sich vorfinden (37*). Er kollationiert dann den Haupttext 
der divine pagine mit einer Handschrift der Pariser Nationalbibliothek 
Cod. lat. 18108 und zwei weiteren der Mazarine, Cod. lat. 731 und 708 
(i*-i6*). Die letzte ausgenommen, sind alle diese Handschriften aus der 
ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts, aber doch nur Abschriften, auch jene 
des Grundtextes. Die Senlentie Anselmi finden sich außer in den bereits 
erwähnten noch in Handschriften der Hof- und Staatsbibliothek in München 
(16*), der Bibliothek des Stiftes in Admont in Steiermark, der Kgl. Biblio¬ 
thek in Bamberg, des Stiftes St. Peter in Salzburg und der Wiener Hof¬ 
bibliothek. (l8*-2I*). 

Die kritische Untersuchung und der außerordentlich komplizierte 
Vergleich all dieser Handschriften führten zu dem interessanten Resultat, 
daß die beiden Sentenzen nicht bloß in mehreren Codices zusammen auf- 
treten und überall bis zur Stelle, wo die Abhandlung über die Sakramente 
beginnt, die gleiche systematische Lehrentwicklung aufweisen, sondern 
auch in mehreren Codices zusammen verarbeitet sich vorfinden. Sie weisen 
also beide auf das Schulhaupt von Laon hin. Beide sind von Anselm 

Die Echtheit der Senlentie Anselmi ist zweifellos. Mehrere Hand¬ 
schriften, wie jene von Heiligenkreuz, St. Peter und eine in München, 
fragen den Namen des Verfassers (i6*-i8* und 33*). Den Beweis, daß auch 

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— 318' — 

die Sententie divine pagtne Anselm von Laon gehören, wird nicht jedermann 
für stringent halten. Zwar offenbaren sie inhaltlich und methodisch im 
allgemeinen die gleiche Geistesrichtung wie die Sententie Anselmt und 
berufen sich auch auf die gleichen Autoren: Augustin, Gregor, Bed2, 
Hieronymus; Prosper und Isidor werden nur in Sententie Anselmi und 
ScotusErigena und Anselm von Canterbury nur in den Sententie divine pagin-r 
zitiert. Das und das oben erwähnte merkwürdige Zusammentreffen und 
Verarbeitetsein könnte schließlich doch auch durch die bloße Zugehörigkeit 
zur gleichen Schule von Laon erklärt werden. Auffallend ist es jedenfalls 
daß alle Handschriften der divine pagine anonym sind, und das trotzdem 
sie in die erste Hälfte des XII. Jahrhunderts zurückreichen (33*). Übrigens 
sind die Handschriften der beiden Sentenzen da, wo sie in den gleichen 
Codices Vorkommen, nicht einmal von der gleichen Hand geschrieben 'S. 3*!. 
Merkwürdig wäre es auch, wenn Anselm von Laon seinem Lehrer Anselm 
von Canterbury in den Sententie divine pagine den Traducianismus zuerteilt 
haben sollte (32•) ! Es gibt übrigens zwischen den beiden Sententie auch 
noch andere Lehrgegensätze, wenn auch nicht wichtige. So wird das 
Paradies in divine pagine wie bei Scotus Erigena nicht lokal , sondern na 
allegorisch als Glückseligkeit aufgefaßt (27) ; in Sententie Anselmi dagegen 
wird es als bestimmter Ort bezeichnet (58). In Sententie Anselmi ist d^s 
Weib , wie bei Augustin, dem Manne geistig minderwertig (60) ; in divine 
pagine (25) ist es geistig ebenbürtig und nur körperlich schwächer. — Ich 
möchte also dem Beweise für die Echtheit der divine pagine nicht mehr 
als Wahrscheinlichkeitswert zuschreiben. 

Als Führer der älteren konservativen mehr positiven Richtung besai) 
Anselm in seiner Zeit offenbar großes Ansehen. Die vorliegende kritisch 
gründliche Veröffentlichung seiner Sentenzen mit den historisch ungemein 
reichen interessanten Verweisen auf die Quellen, aus denen Anselm schöpfte, I 
erklärt auch uns seinen bedeutenden Ruf bei seinen Zeitgenossen. Soweit 
bisher bekannt, ist er ja der erste systematische Sententiarier. Dagegen 
hat mich die Lektüre der Sentenzen gar nicht überzeugt, daß er wie Bliemetz 
rieder meint, ein •< schöpferischer» (IX), «selbständig bahnbrechender- 
(XIV) Kopf gewesen wäre, dem mit Lanfrank allein der Titel « Vater der 
Scholastik », wenn er überhaupt einer einzelnen Persönlichkeit zugesprochen 
werden könnte, zukäme (X). Das sind Übertreibungen. Weder bezüglich 
spekulativer Begabung und selbständigen Denkens noch in Bezug aui 
Reichhaltigkeit des Wissens, noch hinsichtlich dialektischer Gewandtheit, 
kann er, meines Erachtens, einem Anselm von Canterbury, oder Abaelard. 
oder den Viktorinern an die Seite gestellt werden. 

Freiburg. G. M. Manser 0 . P. 

Schaufelberger, Rosa. Die Geschichte des eidgenössischem Bottega, 
mit besonderer Berücksichtigung der reformierten Kirche Zürichs. Inaugural- 
Dissertation der Universität Zürich. (1920) vi. 184 S. 

Eine fleißige und gründliche Arbeit. Weit über die Anfänge des 
Christentums hinaus werden die Wurzeln des Bettages verfolgt in der vor- 


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christlichen Zeit, in Babylonien, im Persismus, bei Griechen und Römern, 
im Alten und Neuen Testament. In seiner eigentlichsten Gestalt ist in¬ 
dessen der Bettag eine Schöpfung des 17. Jahrhunderts mit protestantischem 
Gepräge, bis in die jüngste Zeit von Staate veranstaltet, proklamiert und 
beaufsichtigt. Die endgiltige Form erhielt er im 30-jährigen Kriege durch 
den Zürcher Antistes Johann Jakob Breitinger, der 1631 den Schweden¬ 
könig um Hilfe anging. Sein politisch-religiöser Eifer riß ihn so weit hin, 
daß er von der Regierung einen Verweis wegen zu scharfen Predigens 
erhielt. Er ist der Urheber des ersten Fast- und Bettags in Zürich, Dienstag, 
den 2. November 1619. Die übrigen reformierten Orte folgten dem Bei¬ 
spiele Zürichs und hielten je nach Umständen, auch wegen Pest oder Er¬ 
scheinung eines Kometen u. dgl. lokale Buß- und Bettage, wobei «die 
gemeinen Herrschaften» ihrem Vorbild folgten. 1639 beschlossen die 
evangelischen Orte zum Danke für die Bewahrung vor dem Kriege einen 
allgemeinen Fast- und Bettag, und von da an blieb diese jährlich wieder¬ 
kehrende Institution bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft. 

In den katholischen Orten schrieb die weltliche Obrigkeit in außer¬ 
gewöhnlichen Fällen besondere Andachten vor, Kreuz- und Bittgänge, 
namentlich das « große Gebet». Der Bischof von Konstanz verordnete 
in der Türkennot des Jahres 1529 besondere Messen und Andachten, was 
von seinen Nachfolgern dann öfters wiederholt wurde. Es ist namentlich 
das 40-stündige Gebet, das immer wieder vorgeschrieben wird. Häufig 
erscheint daneben auch der Rosenkranz. 

Die französische Revolution brachte auch auf religiösem Gebiete 
einen frischen Impuls. Von Bern ging die Anregung aus, in Anbetracht der 
bedrohten Lage des Vaterlandes und des großen Fortschrittes des Un¬ 
glaubens gemeinsam mit den katholischen Brüdern ein außerordentliches 
Kirchenfest zu feiern. Diese stimmten zu, und so fand Sonntag, den 
16. März 1794 der erste eidgenössische Bettag statt. (Vgl. diese Zeitschrift 
14 [1920], S. 42, wo statt 14. zu lesen ist 16. März.) Ein Jahr darauf folgte 
der zweite und noch weitere im September 1796 und 1797. Der helvetische 
Minister Stapfer führte ihn wieder ein, erstmals auf den Donnerstag, den 
6. September 1798, im folgenden Jahre auf Sonntag, den 8. September. 
Doch wurde er nicht allerorts und nicht überall an demselben Tage gehalten. 
Auf Jahre hinaus konnte man sich nicht zu einer gemeinsamen Feier ver¬ 
ständigen, bis die Tagsatzung in Luzern am 1. August 1832 beschloß, 
der gemeineidgenössische Dank-, Buß- und Bcttag soll künftig am dritten 
Sonntag des Herbstmonats gefeiert werden. Dabei ist es bis heute geblieben, 
im Anhang sind das « Große Gebet » und einige Proben von Zürcher Bettags- 
mandaten abgedruckt. Ein reiches handschriftliches Material, haupt¬ 
sächlich aus den Archiven von Zürich und Luzern geschöpft, ist geschickt 
zu einer Gesamtdarstellung verarbeitet, die recht dankenswert ist. 

✓ P. Gabriel Meier. 

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Hag, Anna. Die St Urbanar Schulreform an der Wende dm 18. Ab¬ 
hunderts. Mit 6 Illustrationen (Schweizer Studien zur Geschichtswissen¬ 
schaft, XII. 2). Zürich, Leemann, 1920, 347 S. 8°. 13 Fr. 

Diese Dissertation ist mehr als eine solche ; es ist eine ungemein 
fleißige und exakte Darstellung der mit St. Urban zusammenhängenden 
Schulreform, deren Ausgangspunkt in den Reformbestrebungen des öster¬ 
reichischen katholischen Pädagogen Johann -Jgnaz Felbiger liegt, die ir. 
dieser Gestalt auch in der Abtei St. Gallen, im Fricktal und in Freibun 
im Üchtland Eingang gefunden hat. Felbiger verfaßte Schulbücher für 
Sprach-, Religions- und Rechenunterricht, und ein Methodenbuch, wodurch 
er auf das Schulwesen der katholischen Schweiz einen nachhaltigen Einfluü 
ausübte, indem seine Lehrmittel eine große Verbreitung erlangten, besondere 
auch in den paritätischen Orten. An ihn knüpfte der Zisterzienser P. Nivard 
Crauer, der seit 1781 die Schule von St. Urban leitete und Lehrmittel nadt 
der Normalmethode bearbeitete, die in den Waldstatten und in Solothun, 
aber auch in den paritätischen Kantonen Baden, Linth und Thurgau, 
raschen Eingang und große Verbreitung erlangten. Obwohl die Crauersche 
Methode gegenüber der vorausgehenden Pädagogik viel voraus hatte, 
besonders durch die Methodisierung des Lehrstoffes, so ging doch Pestalozr. 
noch viel weiter, indem erst er eine prinzipielle Reform brachte. Welches 
Ansehen P. Crauer genoß, geht übrigens schon daraus hervor, daß de: 
helvetische Unterrichtsminister Stapfer den Gedanken hegte, unter seine; 
Leitung ein eidgenössisches Lehrerseminar in St. Urban zu eröffnen. Allen 
es kam nicht cfazu, und während der Helvetik erlitten die Kurse durch der 
vorzeitigen Tod Crauers (1799) eine längere Unterbrechung, und sein 
Nachfolger P. Urs Brunner, der sich bei Pestalozzi weiter gebildet hatte, 
vermochte die Anstalt nicht mehr auf der Höhe zu halten, so daß die Kurse 
im Oktober 1805 eingingen. Gleichgiltigkeit der luzemischen Behörde:: 
Interesselosigkeit beim Volke hatten dies verschuldet. 

Mit größter Einläßlichkeit und seltener Beherrschung der Quellen 
und Literatur geht Verfasserin diesen Zusammenhängen nach, übt aueü 
gesunde Kritik an der Methode Crauers und zeigt vor allem auch und zum 
ersten Male die Bedeutung der St. Urbaner Schulreform für die katholisch- 
Schweiz, die sich naturgemäß auf die deutsche Schweiz erstreckte, abe r 
eine viel größere Ausdehnung erlangte, als man glauben möchte und no:n 
länger ein wirkte, als bekannt war. Für die Geschichte des schweizerischen 
Schulwesens ist die Arbeit ein sehr wichtiger Beitrag ; aber darüber hinaus 
auch für das geistige Leben und die allgemeine Kultur zur Zeit der Helvetik 
unterstützt durch einen reichhaltigen bibliographischen Anhang, urkund 
liehe Beilagen und ein wertvolles Literaturverzeichnis, sowie ein gute* 
Namenregister. Auffallenderweise gibt Verf. keinerlei Spezialliteratur über 
P. Girard (S. 2 21). l'ber das Augustinerstift Kreuzlingen und die dortig' 
Stiftsschule finden sich ausführliche Angaben bei Kuhn, Thurgovia sacra II. 
349 ff., Frauenfeld, 1879, die Verf. entgangen sind. Welches ist das unter 
Wcber-Baldamus zitierte Werk (S. 244), das in der Bibliographie nicht 
aufgeführt ist ? . A. Bücht. 

Fribourg (Subsci. — Imprimcne Saint Paul. 


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katholischen Familie fehlen sollte. An wissenschaftlichem Gehalt und 
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geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen 
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